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Full text of "Paulys Real Encyclopädie der classischen Altertumswissenschaft v6"

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FAULTS 

REAL-ENOYCLOPADIE 

DEE 

CLASSISCHEN ALTERTUMSWISSENSCHAFT 



NEUE BEARBEITUNG 



BEGONNEN VON 

GEORG WISSOWA 

UNTER MITWIRKUNG ZAHLREICHER PACHGENOSSEN 

HEEAUSGEGEBEN 

VON 

WILHELM KROLL 



SUPPLEMENTBAND VI 

Abretten(us) — &ovvov8qoiiov xoloovia 
Mit Nachtragen 



STUTTGART 
J. B. METZLEESCHE VEELAGSBUCHHANDLUN6 

1985 



J. B. Metzlersche Buchdruekerei, Stuttgart. 



Znm ersten Bande. 

Abretten(us) wird in einem Diplom des teis (Graz 1909, 49) zu erweisen. Er benutzt dazu 

Kaisers Traian vom 14. August 99 n. Chr. (CIL zwei Anhaltspunkte: 

III dipl. XXXI) als Heimatbezeichnung des pedes 1. Plin. n. h. XVIII 235 VIU M. (Feb.) 

der eohors II Oallorum M. Antonius M, f(ilius) stella regia appellata Tuberoni in pectore Leonis 

Bufus verwendet. Als Heimat des Genannten occidit matutina. Diese Notiz ergibt sich durch 

ist jedenfalls Abrittus in Moesia inferior anzu- 271 III kal. (Aug.) regia in peetore Leonis stella 

sehen (so Mo mm sen z. Inschr., anders Weiss matutino Caesari emergit als laus Caesars Kalen- 

D. Dobrudscba im Altertum 80, 1, der an die der entnommen; aus ihm stamme auch der Hin- 

mysische Landschaft Abrettene (o. Bd. I S. 110) weis auf Tubero. Nun ist regia stella weiter 
denkt), in dessen Nahe Kaiser Decius bei der 10 nichts als eine "Dbersetzung von paodiaxog (o. 

Verfolgung der in Moesien eingefallenen Goten Bd. XII S. 1977); ihre Anltihrung sieht eher naeh 

im J. 251 fiel (o. Bd. XV S. X272). Als Ethnikon einer Lesefrucht des Plinius aus als des Caesar, 

wird auch die Form Abritanus gebraucbt (vgl. dessen Kalend^r offenbar streng fachwissensebaft- 

das castell(um) Abritanorfum) CIL V 942 == lich angelegt war und zu solcben Nebenbemer- 

Pais 75 = Dess. 2670 Aquileia). [MaxEluss.] kungen kaum Zeit fand. Danach wird man eher 

S. 127 zum Art. Abiimius: an eine Erwahnung des Sternes im Geschichts- 

2) C. Aburnius Valens, Consul suSeetus im werk des jiingeren Q. Tubero glauben, das Plinius 

J. 109 vom 1. September bis zum Jahresende (neu- auch sonst nicht auf Grund direkter Kenntnis 

gefundenes Fragment der fasti Ostienses v. 8 anfiihrt (M 11 n z e r Beitr. zur QueUenkritik 98). 
Calza Not. d. seavi 1932, 188ff.), ist wohl der 20 2. Alexand. in Arlstot. meteorol. 152, 10 ol 

Rechtsgelehrte. L. Fulvius Aburnius Valens wird be tibqI Fefjuvov koI Ailiov elg dsi^Lv rov efj,(paaiv 

als sein Sohn zu betrachten sein. Mommsens slvai rr/v Iqlv TtQooxQcovrai Ttal r<p nQooiovxwv re 

Anderung Hist. aug. Pius 12, 1 Salvio Valente avzfj boxeiv . . . oltioxcoquv. Auch hier sei unser 

in Fuhio V, ist unberechtigt. [Groag.] A. gemeint, der sich bei Cic. rep. I 151. lebhaft 

S. 253 zum Art. Acilius: fiir die Erscheinung einer Nebensonne inter- 

16) M. Acilius, Consul suffectus 33 v. Chr., essiere; es heiBt § 29 quam ob rem, Tubero, sem- 

wahrscheinlich identisch mit M. Acilius Glabrio, per mihi . . . tua ista studia placuerunt. Leider 

Proconsul (von (Africa) im J. 25 v. Chr. (Miinze wird aber nicht auMriicklich gesagt, daB A. liber 

B a b e 1 n Coll. Waddington 7449). [Groag.] astronomisch-meteorologische Fragen auch g e - 
S. 338 zum Art. Acutiws : 30schrieben habe, und da;s erwartet man er- 

la) Q. Acutius Faienanus, legatus pro prae- wahnt zu finden; Cicero hat ja Miihe, fiir ein 

tore von Lusitanien in der friihen Kaiserzeit (In- philosophisches Gesprach im J. 129 geeignete 

schrif t aus Emerita Bull. d. antiq. de France Teilnehmer zu finden, und wtirde einen Autor iiber 

1914, 105). [Groag.] ein so relativ entiegenes Gebiet wohl als solchen 

S. 522ff. zum Art. Aelius: bezeichnen, abgesehen davon, dafi Aelius ein sehr 

75 a) L. Aelius Lamia, von Augustus 24 gewohnlicher Name ist. Nimmt man f reilich an, 

V. Chr. als Legat (von Hispania citerior) zur daB Alexander nur Geminos (o. Bd. VII S. 1026) 

Kriegfiihrung gogen Asturer und Kantabrer be- gesehen und A. bei ihm zitiert gefunden hat, so 

stimLmt (Dio LIII 29, 1 : iiberliefert Aov>cioy AlfAi- kommen wir auf einen vor 70 v. Chr. schreiben- 
hov, vgl. Boissevain z. St.; Cassiod. Chron. 40 den Autor, was allerdings auf Tubero passen 

min. II 135: Lucius Lamia). Wohl der von Asi- wiirde. Aber es ist wiederum nicht wahrschein- 

nius PoUio verteidigte Lamia (Sen. suas. 6, 15). lich, daB Geminos einen lateinisch schreibenden 

Sohn des Lamia Nr". 75, Vate;r des Consuls 3 n. Chr. Autor benuttzt, und das miissen wir wenigsitens 

(Nr. 76). von der bei Plin. n. h. XVIII 235 genannten 

76) L. Aelius Lamia, Consul 3 n. Chr. Auf Schrift anmehmen. Und schlieBlich kann Alexan- 

ihn bezieht sich wohl d?is Inschriftfragment CIL der einen Ailios eingesehen und bei ihm Geminos 

VI 37058, dem zufolge er praetor und XVmr genanut gefunden haben (er zitiert beide in die- 

sacris faciundis war. Aus seinem Proconsulat von sem Kommentar nur an dieser iStelle). So muB 

Africa stamint eine punisehe Inschrift mit seinem die gut und scharf sinn;ig begriindete Vermutung 
Namen (Compt. rend. 1904, 553). tJber seinen 50 von Cuntz leider unsi-cher bleiben. H. Peter 

Kriegsdienst in Germanien s. Eitterling HRR P CCCLXX hast keine Notiz davon ge- 

Fasti d. rom'. Deutschland 11. Er war anich dieh- nommen. [W. KrolL] 

terisch tatig (Ps.-Acro zu Herat, ars poet. 288 II ^ S. 549 zum Art. Aemilius : 

356 Kell., vgl. Fest. 181 M.). [Groag.] 43) Sex. Aemilius Equester, Legat von Dal- 
155) Eine Schrif tsteUerei des A. tiber astro- matien unter Antoninus Pius PIR I^ 54 nr 342. 

nomische Gegenstande sucht 0. Cuntz Stroma- 54 a) Aemi(lius) Iust[us], Legat von Thra- 

Pauly-Wissowa-Kroll Suppl. VI 1 



3 Afranius Alexandres 4 

kien unter Coinmodus, Stein Rom. Reichs- seiner Geographie zitierfc, anf Marinus zuriick- 

beamte d. Prov. Thraeia 33. geben oder (in wenigen Fallen) noch alter sind. 

79) Q. Aemilius Lepidns, Consul 21 v. Chr., Das war wohl ein Tteil der neuen literatur, 

war M'. f. (die Insehrift GIL VI 1305 ist echt), auf die sich Marinus bei seiner dioQ'&cooig rov 

demnach nicht ein Sohn des Triumvirn. XVvir yewyQacpiKov nlvaKog gestiitzt, und deren iAiuf- 

sacm /acmwc^is (GIL VI 32323 vom J. 17 V. Chr.). stoberung und Zitierung gewiB ein unbestreit- 

Proconsul von Asia (Inschriften von Kibyra IGR bares Verdienst seiner 'Forschung gebildet hat. 

IV 901 und Halikarnass, Lebas-Wadding- 7m. diesem Kreis gehoren auoh, um gar nicht 

ton 506). [Groag.] der Expeditionsberichte aus *Septimius Flaccus 
S. 713, 20 zum Art. Afranius: 10 und des *Iuliu)S Matemus (I 8, 4. 10, 2) zu ge- 

10 a) P. Afranius Flavianus, Proconsul von denken, *Diodorus von Samos in seinem ,3. Bueh' 

Asia unter Hadrian (Osterr. Jahresh. VII Bbl. 42). (mit (Sternchen * sind jene Namen hervorgehoben, 

[Groag.] die nicht als Qtiellen fiir den fernen Osten in 

Agesistratos s. A then aio s. Betracht konunen) Ptolem. 1 7, 6; *Diogenes 1 9, 2; 

S. 920, 44 zum Art. Aiacius: *Dioskorois I 9,3. 14,2 und 3; Maes Titiamis I 

3) Q. Aiacius Modestus Grescentianus, Legat 11, 7. *Philemon I 11, 8; *Theophilos I 9, 2ff. 

von Arabia unter Severus und Garacalla, Legat Marinus braucht nicht diese iSchriftsteller per- 

von Germania superior zwischen 208 und 211 sonlich igekannt zu 'haben, und sie miissen nicht 

(vgl. Ritterling Fasti d. rom. Deutsehland einmal alle, wie P. Schnabel zeigte, dem Ma- 
381), Consul II ordinarius228 (CILXIV4562, 6). 20rinus sohon vor Abfassung der letzten Ausgabe 

[Groag.] {IsKboGig) seiner dioQ'd'coGig zuganglich gewesen 

Albiobola ist nach einer 1929 auf dem Dom- sein. 'Schnabel trennt vielmehr A. von dieser 

platz von Utrecht gefundenen Weihinschrift der Gruppe, weiun er sich zu der Behauptung ver- 

Name einer romischen Kolonie an Stelie des spa- steigt, daB die Fahrt A.s nach Kattigara (s. d.) 

teren Traiectum, des heutigen Utrecht. Diese In- erst unter Marc Aurel erfolgt sein konne ,und 

schrift ist als vorlaufiger Bericht zum Teil ver- mit jener Gesandtschaft aus OroB-Ts'in zu iden- 

offentlicht von Vollgraff Mededeelingen tifizieren >sei, die im Auftrag des Kaisers An -tun 

akad. van wetenschappen, afd. letterkundo LXX im J. 166 n. Chr., also des Marcus Aurelius An- 

Ser. B nr. 5. Die Richtigkeit der Lesung der toninus, nach chinesisehen Annalen am kaiser- 
schwer zu entziffernden, in einem UbermaB von 30 lichen Hof von China erschienen'. Es ist ganz 

Ligaturen gesohriebenen Insehrift muB dem Ur- unmoglich, Marinus als Quelle fiir Ptolemaios 

telle Vollgraffs uberlassen bleiben. Danach bis in die Zeit des Marcus hinzuziehen. Dazu 

hat diese eolonia Albiobola Bataborum eine ro- geseUen sich noch andere Hindemisse, besonders 

misehe Besatzung von mehreren Auxiliarcohorten, 1. daB uberhaupt Roms Beziehungen zu China 

ein PrijestercoUegium der seviri Augustales und sehr umstritten sind. 

eine romische Kolonialverwaltung von Dekurionen 2. DaB, wie A. Herrmann (wohl zu- 

und Aedilen. Geweiht wird' wahrscheinlich ein erst) nachgewiesen hat, die ohnehin auch schon 

areus quadrifrons. Ihr Schutzgott scheint der von friiheren Gelehrten als verwirrt angesehene 

Gott Lobbon[n]us gewesen zu sein. Daneben wer- Route vom Goldenen Chersonnes nach Kattigara, 
den auch noch andere Gottheiten ^enannt, denen 40 entweder durch Verschulden des Marinus oder 

die Widmung dargebracht wird. Vollgraff 9 erst des Ptolemaios, zweimal eingetragen ist 

leitet den zweiten Teil des Namens von dem (die alten Verkehrswege zwischen Indien und 

germ, -boh ,Wohnplatz' ab; der erste Teil hangt Siidchina nach Ptolemaios, Z/tschr. Ges. f. Erdk. 

wohl mit dem kelt. a^Ho ,weiB' zusammen oder Berl. 1913, 771ff.). A. Herrmann (Bd. XI 

stammt von einem FluBnamen Albis, A. und S. 47): ,Dieser Fehler ruhrt daher, well Marinus 

Traiectum konnen auch zu gleicher Zeit be- den Magnus sinus an falscher SteUe eingesetzt 

standen haben, beide lagen sich gegeniiber an hat; er wuBte nicht, daB dieser Meerbusen bereits 

verschiedenen Ufern des Rheins. an der Goldenen Chersones beginnt und daher 

[Alfred Franke.] eigentlioh mit der Kiistenlinie A.s tibereinstimmt, 
S. 1452, 45 zum Art. Alexandres: 50 die hier am Perimulischen Golf beginnt und im 

90 a) Ein Seefahrer des Indischen Ozeans, Osten am -GroBen Kap auf hort. Mit andern Wor- 

von Ptolem. I 4, 8 erwahnt. Ihn hat Ptole- ten, Ptolemaios hat den Golf von Siam zweimal 

maios lediglich aus Marinus von Tyrus (s. d.) in dargestellt, einmal nach A. als Perimulischen 

Erfahrung gebracht, aber nie sein Segelbuch {ora- Golf bis zum groBen Kap, das zweite Mai nach 

biaofjiog oder wie es sonst geheiBen haben mag) der indischen Quelle als Magnus sinus. Das wird 

eingesehen. Auch seine Zeitstellung ist nicht auch daduroh bestatigt, daB die an beiden Kusten- 

bekannt. Ganz unmoglich ist eine altere An- strecken eingetragenen Ortsnamen fast wortlich 

nahme, (daB Alexander d. Gr., dessen Verdienste iibereinstimmen.' — Dazu Schnabel 243 im 

um die Erforschung der Erdkunde auch in wis- wesentlichenubereinstimmend, aber die Oleichung 
senschaftlicher Hinsioht und nicht bloB wegen 60 von Rhabana und Zabai abandernd. 

des praMischen Zwecfcs fiir Militar und Politik 3. Auch das Verhaltnis in Marcianus' (s. den 

auBerordentliche sind, diese Fahrten sei es selbst Art. unten) UsQinXovg rfjg s^co '&akdaoT]g zu Ptole- 

angestellt sei es aageregt hat. Liegt doch diese maios ist trotz aller Bemiihungen zu wenig ge- 

Gegend erheblieh auBerhalb der Landkreise, von klart, so daB die Bestimmung der antiken Kusten- 

denen Alexander -d. Gr. je erfahren hat oder er- orte von Indochina nicht aufgehellt ist. Vgl. 

fahren konnte. Fur ihre Datierung ist meines Bert helot KAsie ancienne an verschiedenen 

Erachtems von hervorragender Bedeutung, daB Stellen. Es sei auBerdem noch besonders auf 

alle Schriften, die Ptolemaios im ersten Buch Abb. 14 S. 369 bei Berthelot hingewiesen^ 



5 Anaxilaos Anaxilaos 6 

die naoh FahrtMchem des 18. Jhdts. (S. 370, ten Kultur nur zu leicht einstellt (Studien zum 

aber auch hier unterlaBt Bert helot wie so Verstandiiis 308; Mitt. Scbles. Ges. f. Volksk. 

oft in seinem Bneh Angabe von Zitaten und XXI Y 1); also liegi; nicht ein Gegensatz zum 

weiterfiihrende Angaben) graphiseh darlegt, zu Peripatois, sondem ziu allem rationialen Denken 

welch ungeheuerliehen Umwegen die Segelschiff- iiberhaupt vor. Eichtig ist, dafi in diesen Hexen- 

fahrt im Indischen Meer infolge der atmosphari- kessel auch peripatetische Ingredienzien ge- 

schen, aber regelmaBigen Verhaltnisse an diesen schiittet waren (EinfluB des Theophrast: Well- 

Kiisten gezwungen wird. mann 1928, 6 If.), umd' iiberhaupt wird' man 

Ptolem. I 14 verhalt sieh A. gegeniiber un- viele der von Bolos (d&r nicht ohne weitereis mit 
gewohnlich gereizt, weil, wie er aus Marinus ent- 10 P'S.-Demokrit glieichgesetzt werden darf) uBd A. 

nommen hafc, A. zwischen der Goldenen Cher- angepmesecojen Mittel fiir recht alt halten diirfen, 

sones und Zabai 20 Tage Seefahrt und zwischen daher aber iaiueh mit noeh kompHzierteren Ab- 

Zabai und Kattigara bloB riixsQag rivdg angesetzt hangigkeitsverhaltnissen redinen miissen als Well- 

hatte, .sta;tt eine bestimmte Zahl zu nennen oder mann tut. 

TiolXdg zu schreilben. Wir konnen vielleicht den DaB in den Biichern des Plinius, fiir die er 

Grund dieser Gereiztheit nachftihlen, wenn wir selbst A. als Quelle nennt, und vielleicht auch in 

sehen, daB des A.s Bericht bei Ptolemaios fiir die anderen viel von A. steckt, der zum groBen Teil 

Frage, ob der Indische Ozean offen oder ein Binnen- Weishedt des Boloo uaid Ps.-Demokrit vermittelt, 

meer sei, entseheidende Bedeutung hatte. Ptole- hat WeHmaJui' ge25eigt. Hinzugekommen ist 

maios fuhlt sioh im Nebel seiner Quellenauffassung 20 n^euer dings ein Zitat hn Pap. Holm. 3, 13 Lag., 

verwirrt und wird ein Opfer dieser instinktiven wo ein Mittel zum ,,SLlbermachen* mit den Worten 

Verwirrung. Fiir uns ist dieser .Seefahrer A. eine® einigeMtet wird sig de ArjiAOTCQirov M. dvaqpsQsi 

der heikelsten iKapitel der ganzen Ptolemaios- xat tobe. Wellmann (1928, 54) denkt sich als 

■Dberlieferung und um so schlimmer, als ein Vermittler zwiscben A. und dem Papyrus den 

groBer Teil der ptolemaischen Editionen und lulius Africanus (o'. Bd. X S. 116); vielleicht 

Hilfstafeln heute noch (1) fehlen, keine Indizes wird es aber nicht immer moglich sein, auf diese 

auBer antiquierten und sehr unvollstandigen uns Rezept- und Hausmittelliteratur die Methoden 

zu Gebote stehen und keine Studie iiber den der ublichen QueEeDaforsohung anzuwenden. 

Sprachgebrauch des Ptolemaios vorliegt, so idaB Hieron. clion. berichtet zu J. 28 v. Chr.: 
wir also vielfaoh keinen Schritt ohne die Gefahr 30 A. Larisaeus Pytha goricus et magus ah 

des Strauehelns wagen konnen. Au gusto urbe Italiaque pellitur; denselben Titel 

literatur. A. Herrmann Art. Katti- gibt er (d. h. Sueton?) dem Nigidius (s. d.). 

gara Bd. XI S. 46. A. Berthelot L'Asie Helm Philol. Suppl. XXI 62 erinnert daran, 

ancienne oentrale et sud-orientale d'apres Pto- daB nach Cass. Dio XLIX 43, 5 Agrippa im J. 33 

lemee (1930) 410 und iiberhaupt das ganze Kapi- rovg doxQoloyovg xovg xb yor/xag aus Rom verwies, 

tel: ,Les Sines* 409 — 417. [Wilh. Kuhitsehek.] und daB Hieron. vielleicht das Datum verschoben 

S. 2084, 23 zum Art. Anaxilaos: hat. Aus der Bezeichnung als ,Pythagoreer' weit- 

5) Die Bedeutung des Mannes ist eingehend gehende Slchliisise zu ziehen, kann man nur wider- 

geschildert von Wellmann Abh. Akad. Berl. raten; Sueton (?) wollte damit zunachst den Wun- 

1928 (vgl. ebd. 1921). Er schreibt ihm (1928, 54) 40 dermann Pythagoras bezeichnen, deissen Mantel- 

drei Werke zu: ^votxd, Ba(piiid (vgl. den Art. chen die Okkultisten sich gern umhangten. Nigi- 

F a r b u n g Suppl. -Bd. Ill S. 461) und Ilaiyvia: dius bietet die beste Parallelei; aiuch er woUte gem 

bezeugt sind nur die letzteren durch Psellos (bei al's ernsthaf ter Nachfolger des Pythagoras erschei- 

Westermann Paradoxogr. 146) und Iren. 113 men, trieb aber obskure Zauberpraktikein, die ihn 

Anaxilai ludicra cum nequitia eorum qui dieuntur mit den Behorden in Konflikt brachten. Daftir, 

magi commiscens (Marcus); auch Ps.-Cypr. Ill daB auch einer <spateren Zeit A. ais Pythagoreer 

89 H. spricht von lusus Anaxilai. Was von ihm erschien, iegt auch ider 19. angeblich an ihn ge- 

berichtet wird, kann sehr wohl in diesem Werke richtete Diogenesbrief Zeugnis ab; daraus auf 

gestanden haben, und man konnte sich gut vor- ,engere Beziehungen zwischen dem Larisaer und 

stellen, daB ein Mann, der auf den Namen eines 50 den Kynikern' (Wellmann 1928, 53) zu 

Philosophen Anspruch machte, solche Mittelchen schlieBen, geht kaum an. Abzulehnen ist auch die 

auch im Titel in Gegensatz zu seiner eigentMchen Vorstellung von einem seit dem 3. Jhdt. v. Chr. 

Beschaftigung stellte. Denn daB es sich bei dieser in Alexandria bliihenden und Propaganda treiben- 

ganzen, durch WeUmanns ausgezeiehnete Unter- den Orden (Wellm^ann 1921, 16. 1928, 6; 

suchungen aufgehellten Schri&stellerei, die im iiber die Easener vgl. W. Bauer Suppl.-Bd. IV 

allgemeinen an Bolos ankniipft, um ein Gemisch S. 386); einer Dialogfiktion wie der, daB Gato 

von Afterwissenschaft und Charlatanerie handelt d. A. in T^rent pythagoreisohe Leihren kennen- 

und etwa Sext. Pyrrh. hypot. I 46, wenn er ein lernte (Cic. Cat. mai. 39), soUte man kein Ge- 

bei Plin. n. h. XXXII 141 aus A. berichtetes wicht beimessen (Wellmann 1921, 34) und 

Zauberkunststiick ischildert, mit Recht von yorjxsg 60 sie nicht zur Stiitze der Ansicht verwenden, daB 

spricht, kann man nicht genug betonen; es han- er Ps.-Pythagoras JzeQi ^oxuvwv dwdfxscog direkt 

delt sich nicht um eine ,neue Betrachtungsweise oder indirekt benutizt babe; diese Art von Mtteln 

der Natur*, nicht um eine Begriindung der wandert meist idurch unteriridiisehe Kanale, und 

Folklore, auch nicht um einen Gegensatz zum daB Oato ahnldhe Siammlungen wie die der uns 

Peripatos (Wellmann 1928, 9. 14. 16. 42), erhaltenen grieohischen Zauberbiicher vor Augen 

sondern um ein bedauerliches Herabsinken in die gehabt haibe, laBt 'sich wahrscheinlich machen 

aberglaubische Nebelsphare einer primitiven Men- (S k u t s c h bei Hedm Jahrb. f . Philol. Suppl. 

talitat, wie es sich nach Zeiten einer iibersteiger- XIX 565). Eichtig ist, daB odentaHsehe Super- 



7 Androtion ApoUodoros 8 

stition und orientalische Schwindler und Pseudo- Vetus AntistiuSj Consul suffeetus vom 1. — 15. Marz 

propheten fiiT die iVerbreitung solcher Lehoren 46 in. Ohr. Rom. Mitt. XIX 322. Die Inschrift von 

wichtig wurden; man tut ihnen aber zuviel Ehare Sidon ist nach dem Consul 96 (Nr. 51) datiert 

an, ween man sie zu Vertretem eines reJigios- (Ritterling Rh. Mus. IJVIII476). [Groa^.] 

pbiioisophischen Ordons macht. In der Hauptsache S. 2575ff. zum Art. Antonius: 

denke ich dariiber noch ebenso wie o. Bd. VIII 36 a) L. Antonius Albus, Proconsul von Asia 

B. 819f. unter Pius (Inschrift aus Ephesos Osterr. Jahresh. 

Fiir falsch halte ich es, die Herkunft des A. XXV BM. 25). 

aus Thessalien fur seine Hinneigung zum Aber- 58 a) Cn. Antonius Fuscus, Consul suffectus 
glauben verantwortlieh zu maehen. Die thessa- 10 vom 1. Mai bis 1. September 109 n. Chr. mit C. 

lischen Hexen sind ein rein literarisches Motiv Mius Philopappus (Fragment der Fasten von 

geworden, das sich aus irgendeinem alten Litera- Ostia Calza Not. d. .scavi 1932, 188ff. Z. 7). 

turwerk durch die Jahrhunderte schleppt. Vgl. Vielleicht derselbe D e s s. 5454. 

M. Goebel Ethnica (Breslau 1915) 67. 107a) M. Antonius Zeno, Proconsul von 

[W. KrolL] Africa (GIL VIH 1480 vgl. p. 2616). [Groag.] 

S. 2175, 26 (Suppl.-Bd. I S.82, 21) S. 2855 zum Art. ApoUodoros Nr. 61: 

zum Art. Androtion: (Apollodor) jisqc yfjg. 

A. vertritt die (spater besonders durch die Strab. XIV 677 sagt in einer Polemik gegen 

Blicher des Bolos in weite Kreise geidrungene) A. tisqI vscov: 6 dh Kal x<i^QoyQ(^^^<^y i^sdcoKev iv 

Ansicht, da6 es auch zwischen Pflanzien Sympathie 20 H(a(A,iKcp (Aet^c^ yfj^ nsQlobov kmyQaxpag. Von 

und Antipathie gebe, weshalb z. B. die Wurzeln dieser Schrift sind bei Steph. Byz., der als Titel 

von Myrte und Olbaum durcheinanider wachsen. ^sqI yfjg angibt, etwa 18 Fragmente erhalten 

Davon war wohl Bolos beeinfluBt, wenn er das- (FHG I 450f. IV 649. FGrH II B1118f.); dar- 

selbe von Myrte und Granatapfelbaum berichtete unter 4 mit wortlicher Anfuhrung iambischer 

(Geop. X 29, 5). W e 1 1 m a n n Abh. Akad. Berl. Verse, samtlich aus dem II. Buch (bei Sfteph. 

1921, 22. S. 0. Bd. I S. 36. [W. Kroll.] Byz. s. TavQosig . . . "AjzoXXobcoQog iv jtQcbtcp yeco- 

Zum Art. Anisa Sappl.-Bd. I S. 84: yoaq)ovfisvcov liegt Korruptel vor). Von dem A.- 

Es hat sich herausgestellt, dafi die Inschrift Fragmenten ungewisser Stellung, die Jacoby 

Michel nr. 546 (Curtius Ges. Abh. II 271. FGrH II B 1116 auffiihrt — in der Miillerschen 

429) bei Kul-Tepe gefunden ist und das darin er- 30 Sammlung (auch bei P a r e t i, s. u.) sind dem 

wahnte Eusebeia nicht das am Tauros (= Tyana) Werk jieQl yfjg eine Anzahl titelloser Bruchstiicke 

ist, sondern das am Argaios, spater Caesarea ge- zugewiesen, die vielmehr in den Kommentar zum 

nannt (Bd. Ill S. 1289, 12). Da der hethitische Schiffskatalog oder in die Chronik gehoren — , ist 

Name des Kul-Tepe wahrscheinlich kanis war, zunachst wohl Steph. Byz. s. VQ^ltai (frg. 295) 

so lebt er vielleicht in A. (!^ytaa?) fort. Cu- dem Zitat zufolge der geographischen Schrift zu- 

mont Rev. Etud. anc. XXXIV 135; dort auch zurechnen; ebenso AvtofjidXaKa (frg. 292) und 

Naheres iiber die Verfassung der Stadt. Aaf^aJot (frg. 293), vielleicht auoh "QQLKog 

[W. Kroll.] (frg. 300) und einiges andere. Ferner hat man 

S. 2261ff. zum Art. Annius: mit grofier Wahrscheinlichkeit Steph. Byz. g. J^^- 

26 a) C. Annius Anullinus Geminus Percen- 40 j^/p^p^at (frg. 311) hierher bezogen, wo "AnolXcbviog 

nianus, f rater Arvalis 231, 239 und vielleicht 240 ^idiXi 'AnolXobcoQog zitiert ist (Schwartz o. 

n. Chr. (CIL VI 2108. 37165. 39443 == Herm. Bd. I S. 2863. Meineke Steph. Byz. index 

LII 324f.), Grundbesitzer in Africa (VIII 27943. S. 726). Endlich laBt sich zur Erganzung von 

27953). Ahnherr der Annii AnulHni. frg. 110 (317) bei Siteph. Byz. s. Favyafxrila ein 

30) M. Anni[ujs]. In der Inschrift CIL III aus sieben Ttimetern bestehendes Stiick von neQi 

9759 (vgl. p. 2328, 156) ist M. Anni[o Vero] On, yfjg gewinnen aus Strab. XVI 737, der iiber Gau- 

Arri[o Augur e cos.] zu lesen (121 n. Chi*.). gamela handelnd auch die Chorographie des A, 

66) L. Annius Maximus, wohl der Consul dea benutzt hat (Atenstadt Rh. Mus. LXXXIl 

J. 207 Annius Maximus IG XII 7, 240. 397. 126ff.). Wie bemerkt, zitiert Steph. Byz. nur das 

Vielleicht derselbe \L. lunius Annius Maximus 50 II. Buch. Dasselbe mufi die gesamte, aUe drei 

Paulinus IGR IV 1306. Erdteile umfassende Periegese vom Paropamisos 

69) C. Annius Pereennianus s. Nr. 26 a in im Osten bis zum Ebro und den Pyrenaen im 

dieisem Bande. Westen enthalten haben; iiber den Inhalt des 

72) C, Annius Pollio, praetor designatus, cu- I. Buches, dessen Existenz Jacoby FGrH II 

rator ludorum Rostowzew Tess. urb. Rom. D 800 tiberhaupt bestreitet, ist man nur auf Ver- 

syll. 513. Auf ihn bezieht sich Sen. de benef. IV mutungen angewiesen. Nach frg. 119 (321) bei 

31, wo ohne Grund Annio in Asinio geandert Steph. Byz. s. 'YXXslg verlief die Beschreibung 

wird. [Groag.] der ostMchen Adriakiiste in der Richtung von 

S. 2545ff. zum Art. Antistius: Sud nach Nord; man hat daraus gesehlossen, daB 

41) L. Antistius Rusticus. Seinen Cursus ho- 60 die Periegese nicht mit Europa, sondern mit 

norum und ein Edikt an die Kolonie Antiochia in Asien begonnen hat. Di© Annahme, daB als Quelle 

Pisidien enthalt die Inschrift Journ. rom. stud. fiir dieselbe Eratosthenes gedient habe, hat sich 

XIV 180 (vgl. XV255f. XVI 115f.) == Ann. epigr. in einer ganzen Reihe von Einzelf alien bestatigt 

1925, 126. Er starb als Consularlegat von Cap- (Atenstadt 115ff.). 

padocia im J. 93 oder 94 n. Chr. Die Uneehtheit des Werkes hat D i 'e 1 s Rh. 

49 a) C. Antistifus Vetus, curator alvei Tiberis, Mus. XXXI 9ff., die Hypothesen M u 1 1 e r s FHG 

CIL XIV 4704. I p. XLIV. V p. L iiber das Verhaltnis der uteol- 

50) C. Antistius Vetus. Vielleicht derselbe odog yfjg zur Chronik bekampfend, schlagend da- 



9 Aponius Aradius 10 

mit bewiesen, da6 der sogenannte Skymnos — mit Recht Widerspruch erhoben. Ps.-Skymnos 

schon Miiller hatte das als auffallig bezeichnet miiBte damn oin raffinierter und zugieich dummer 

— als Vorbild ftir seine iambische Periegese, Betriiger seinem gefeierten Fiihrer gegeniiber 

deren Abf assung von M ii 1 1 e r GGM I gewesen sein. Die trbereinstimmnug aber zwischen 

p. LXXVIIf. urn 90 v. Chr. angesetzt wird, die A. tisqI yfjg und Ps.-iSikyninos beruht nach der 

Ghronik des A. nennt und nichtdie geographisehe von Unger, dann von Hoefer, Pareti und Klotz 

Schrift. Diesie muB also naeh Ps.-Skymnos ver- vertretenen Ansicht nicht auf Abhangigkeit des 

faBt sein als das Werk eines Falsehers, der A. einen vom andern — nacb Diels und Jacoby hat 

formell nachgeahmt und den gefeierten Namen der sog. Apollodor den Ps.-Skynmos benutzt — , 
vorgesetzt hat — fraglich ist, ob er, wie Jacoby 10 sondern auf Benutzung einer gemeinsamen Quelle, 

vermutet, inhaltlich eine Erganzung zur Ghronik Als diese hatte schon Unger Eratosthenes be- 

nach der geographischen Seite hin hat geben wol- zeichnet. Bei frg. 119 hat der Verfasser von 

len — , so daB schon Strabon getauscht wurde. tvsqI yfjg allerdings hochstwahrscheinlich aus 

Wenn man in den oben angefiihrten Worten des- Eratosthenes geschopft, der Timaios gefolgt ist 

selbenXIV677 eine Randglosse hat sehen woUen, (Ps.-Skymnos 412), und wenn bei Ps.-Skymnos 

so daB die Falschung in spatere Zeit riicken Theopomp vorliegt, so hat sich vielleieht Timaios 

wtirde (Jacoby Philol. Unters. XVI 24, 28), an diesen angeschlossen, so daB sich die "Dber- 

und wenn man weiter als verdachtigen Umstand einstimmung erklaren konnte. — Pareti will 

gegen die Echtheit der Schrift geltend ge- die aus dem Schweigen des Ps.-Skymnos sich er- 
macht hat, daB iStrabon dieselbe nicht benutzt 20 gebende Schwierigkeit damit losen, daB er dessen 

(Schwartz 2863), so ist beides hinfalUg ge- Werk friiher, zwischen den J. 130 und 110 v. Chr.j, 

worden dlirch den Naehweis, daB dies XVI 737 abgefaBt sein laBt (Saggi -di storia antica ofSerti 

tatsachlich der Fall ist. Der Diels schen Beweis- a G. Beloch, Rom 1910, 133ff. Vgl. dazu Klotz 

fiihrung gegeniiber kann das jedoch nicht ins Berl. Phil. W. XXXII 196ff.]. Seine Argumente 

Gewicht fallen. Wahrend Schwartz 2862. sind indes nicht beweiskraftig genug; insbeson- 

Jacoby Philol. Unters. XVI 24. 70. S u s e - dere ist die Miillersche Annahme, daB der bithy- 

mihl II 36 sich dem Urteil von Diels ange- nische Konig Nikomedes, dem der Diehter sein 

schlossen haben, sind Unger Philol. XLI 606ff . Werk gewidmet hat, wegen der Verse 55ff . un- 

und besonders Niese Herm. XHV 161fE, und moglieh Nikomedes II. Epiphanes sein konne, 
Pareti Atti della R. Accad. delle Scienze di 30 schwerlich erschuttert. Es wird sich eher um 

Torino XLV (1910) 299ff. (vgl. dazu Klotz Berl. Nikomedes HI. Euergetes (vgl. Reinaeh Rev. 

Phil. W. XXXI 865ff. Hoefer Woch. f. M. Numism. 1897,, 241ff.) handeln, dessen Regie- 

Philol. XXVII 865ff.) fiir die Echtheit einge- rungszeit leider nicht genau feststeht (minde- 

treten. Niese meint, daB Ps.-Skymnos das stens von 108 bis etwa 94 v. Chr.). Jacoby 

ApoUodorische Werk neQi y^g zwar gekannt, aber Philol. Unters. XVI 15, 15 setzt die Abfassung 

absichtlich ignoriert. babe, um seine Abhangig- der Geographie des Ps. -Skymnos um das J. 100 

keit von demselben zu verhtillen; seine Periegese am. Wenn man sie noch einige Jahre hinauf- 

sei namlich ,vielleicht nicht viel mehr als eine riickte, etwa bis 110, dem SchluBjahr des von 

verkiirzte und etwas veranderte Wiedergabe A.'*; Pareti angegebenen Zeitraums, miiBte A. im 
das werde bestatigt durch auffallige Konkordan- 40 Alter von 70 Jahren die Chorographie verfaBt 

zen zwiscbein A. tisqI yfjg und Ps.-Skymnos — es haben. So hat Jacoby FGrH II D 799 gewiB 

ha>ndelt sich vornehmlich um frg. 119 (321. 322) recht, wenn er die verzweifelten Rettungsversuche 

bei Steph. Byz. s. 'YUelg c\5 Ps.-Skymn. 391. entschieden ablehnt. Vgl. noch meine Ausfiih- 

405ff. Gegen N i e s e s Ansicht haben Hoefer rungen Rh. Mus. LXXXII 130ff. [Atenstadt.] 
Rh. Mus. LXV 121ff., Pareti und Jacoby 



Ziim zweiten Bande. 

S. 172 zum Art. Aponius: 8. 322i. zum Art. Aquilius: 

8 a) M. Aponius Saturninus, Grundbesitzer in 30) T. Aquillius Proculus. Der Proconsul von 

Agypten (Rostowzew Gesellsch. u. Wirtsch. Asia im J. 103/04 hieB C. Aquillius Proculus 

im rom. Kaiserreich II 295). [Groag.] (Dess. 7193. 7194. Milet I 7, 300 nr. 226). 

iS'i. 242ff. zum Art. Appius: [Groag.] 

13 a) Appius Maximus Santra s. o, Bd. XIV S. 370 zum Art. Aradius: 

S. 2539 Nr. 1. [Groag.] i) L. Aradius Rosdus Rufinus Saturninus Ti- 

S. 245ff. zum Art. Appuleius: berianus. Dieser oder ein anderer der Aradii Ru- 

16 a) Sex. Appuleius, [flamen] lulialis, quae- 60 fini des 3. Jhdts, war Statthalter von iS'yrien, wie 
stor, praetor urbanus, durch ein offentliehes Lei- sich aus einem Briefe des Libanios an einen 
chenbegangnis geehrt (IHschriftfragment aus Kar- seiner Nachkommen (825, 3 p. 737) ergibt. Wohl 
thago Dess. 8963), wohl der Gemahl der Octa- derselbe ist Tov(pivog, der (nach einem Fragment 
via d. A^, der Schwester des Augustus, Vater des des Petrus Patricius, Dio ed. Boiss. Ill 744 
Consuls 29 v. Chr. (Nr. 17). nr. 166) unter Gallienus Odaenath d. 1. von 

17 a) Sex. Appuleius unterwarf die Pannonier Palmyra beiseitigte. — Einem Q. Aradius Rufinus 
im J. 8 V. Chr., Cassiod. Chron. min. II 135. widmete im 4. Jhdt. L. Septimius die Ephemeris 

[Groa^.] beli Troiani (s. o. Bd. V S. 590). [Groag.] 



11 Archelaos Aresaces 12 

S. 453, 19 zum Art. Archelaos Nr. 34: mebren 0. Hemp el De Varronds rerum rust. 

Die Vorstdlung, da6 die Epigramme des A. auctoribus (Lpz. 1908) 36, und gewifi konnen An- 

Aufschriften waren oder sein soUten, ist abzu- gaben wie diie von den spanischen Stuten, die 

lehnen. Es handelt sich bei den 1dio(pv^ nm Epi- vom Winde schwanger werden, deren Fohlen aber 

granune, die zuerst einzeln an den Konig gesandt, hocbstens drei Jahxe leben, atuf ihn znriickgehen 

dann zn einer Art von Lehrgedicht znsammen- (II 1, 19). Aber da Vairo audi die Georgika des 

gefafit wurden (Studien zum Verstandn. 185. Ps.-Demokrit (indirekt) benutzt, so liegen auch 

225). Der Titel, dier wohl ,Eigenartiges' (Para- andere Mogliehkeiten vor. 

doxes) bedeintete, war von den gleichinaniiigen Ge- Die poetischen Fragmente bei Diehl Anth. 

dichten des Koniigs entLehnt {die niicht Idiocpvetg 10 lyr. VI 233. [W. Kroll.] 

geheiBen haben konnen, wie Knaiack o. Bd. II Areliascus. Appeninus Areliascus, ein Ab- 

S, 395, 40 annimmt) und mochte sehr verscMe- schnitt des Appennin im Gebiet von Veleia in 

denes decken; unklar ist, wie ein Gedicht auf Ki- der Aemilia, erwahnt auf der Tabula alimentaria 

mon darin steihen konnte. Aber einmal gab es von Veleia, OIL XI 1147. Das Suffix -ase- ist ftir 

vieUeioht nooh einen anderen Dichter A., lund liguriscbe Namen charakteristisch, s. Bd. XIII 

zweitens pries Ptoleanaios in seinem gleichnami- S. 528. [v. Geisau.] 

gen Geidicht die Phainomena deis Aratos. Ratsel- Aresaces sind nach der von I h m Suppl.- 

haft bleibt auch das Verhaltnis zu Orpheus: Plin. Bd. I S. 125 zitierten Inschrift GIL XIII 7252 

n. h. XXVin 43 zitiert Orpheus et A. daftir, dafi (=: Riese 2131) aus Klein-Winternheim bei 
Menschenblut gegen Angina und FaUsucht helfe; 20 Mainz bisher fiir vicani gehalten worden, vgl. 

ebd. 34 ftir die Heil- und Zauberkraft totlicher K 6 r b e r nach v. Domaszewski Rom. In- 

Waffen; im Index nennt er alls Quellen Orpheo qui schr. des Mainzer Museums, III. Nachtrag nr. 29. 

Ibiocpvfj scripsit, Arehelao qui item; er nennt Or- Nach ihr ist eine zweite Inschrift GIL XIII 11825 

pheus im Index zu Buch XX— XXVII. XXIX. (= Riese 2131a), abgebildet von Korber 

XXX und maeht zwei Angaben aus Orpheus alldn Mainzer Ztschr. IV (1893) 389, vgl. III. Bericht 

(frg. 328f. K.). Dieser Befund spricht nicht da- der R6m.-Germ. Komm. (1906/07) 104 aus dem 

fur, daB sich A. etwa auf die Autoritat des Or- Weisenauer Steinbruch ebenfalls auf diese A. be- 

pheus berufen habe; Wellmann Abh. Akad. zogen worden. Daher hat man den vicus Aresa- 

Berl. 1928, 4 will in A.' Werk die dichterische eensis siidostlich von Mainz, stromauf warts auf 
Paraphrase des P9.-0rpheiuis sehen, der ein Neu- 30 Weisenauer Plur suchen zu miissen geglaubt, so 

pythagoreer aus dem Anfange des 3. Jhdts. M. B e s n i e r o. Bd. XV S. 2422 und 2426. Nun 

V. Chr. gewesen sei. Das trifft kaum zu; s. Art. berichten aber zwei neuerdings gefundene In- 

Anaxilaos o. S. 5. Eher konnte man an- schriften von Cohorten ider A. Die erste, 1926 

nehmen, 'daiB des A. Gedicht spater dem Orpheus in Trier gefunden, nennt einen praefectus cohor- 

untergescho'ben wurde; auch sonst war ja daeh- tis 1. Aresac vgl. F i n k e Bonn. Jahrb. CXXXII 

terisches Eigentum vielfach zwisehen Orpheus 198 nr. 322 und Keu me Trierer Ztschr. I (1926) 

(s. d.) und anderen Autoren strittig (z. B. test. 157; die zweite, 1929 in Albiobola, dem heuti- 

222 Kern). Das Material bei Kern Orphicorum gen Utrecht (s. den Art. Albiobola o. S. 3) 

frg. 326ff. gefunden, einen optio sagittariorum Bataborum 

Wenn das, was aus A. beirichtet wird', einen 40 Aresacum aus dem 3. Jhdt. nach Vollgraffs 

MaBstab fiir den Gesamtinhalt der Idiocpvfj ab- Entzifferung Mededeel. akad. van wetensehappen, 

gibt, so war das Buch ein wahrer Tummelplatz afd. letterkunde LXX Ser. B nr. 5. 11. Zu- 

der Pseudowissenschaft (vgl. Studien 308); daB nachst ist damit ihr Name festgestellt und die 

Skorpione aus Krokodilen, Bienen aus Rindem Vermutung Schumachers, der auch an 

(Mai ten Kyrene 30; o. Bd. Ill S. 464, 48), Maresaees dachte, Siedelungs- und Kulturgesch. 

Wespen aus Pferden, Sehlangen aus menschlichem d. Rheinl. 11 16 und 104, hinfallig. Dem- 

Ruckenmark entstanden, war dort zu lesen; Mu- nach konnen die A. nicht bloB vicani, sondern 

ranen paarten sich mit Nattem, Rebhtihner wur- miissen ein besonderer Stamm, ein pagus oder 

den dureh das Brausen des Meeres traehtdg; eine civitas gewesen sein, aus dem Cohorten, 
agyptische Schlangen, die Mauleselleichen fraBen, 50 und zwar nach der Trierer Inschrift mindestens 

MeBen sdch vom Basilisken verscheuchen (o. Bid. EI zwei, ausgehoben worden sind, K eu n e 160. 

S. 100); der Mauseleber wachst an jedem Tage Da sie nach den erst genannten Inschriften in 

des zunehmenden Mondes ein Lappen zu (o. Bd. I der Nahe von Mainz gesessen haben, sind sie ent- 

S. 39). Fiir das geistige Niveau am Ptolemaer- weder ein zuriickgebliebener Keltenrest oder ein 

hofe ist das Buch ein wenig erfreuliches Zeugnis; Teil der von Ariovist dort angesiedelten Sueben 

die Polemik deis Andreas h^tte kaum Erfolg, und gewesen, der aber stark keltisiert war. Denn 

Leute wie Bolos wiederholten leichtglaubig alien nicht nur ihr Name verrat keltischen Ursprung 

von A. mitgeteilten Unsinn. Auf welchen Wegen (Endung -ac), sondern nach der ersten Inschrift 

er den Spateren vermittelt wurde, hat daneben GIL XIII 7252 gab es in ihrem Gebiet auch ein 
nur sekumdares Interesse; daB er auf dem Wege 60 Heiligtum des Mars Loucetius o. Bd. XIV S. 1951 

iiber Alexander von Myndos zu Ailian gelangte, Nr. 215 und der TVierer Stein wurde beim Tem- 

zeigt We 1 1 m a n n Herm. XXVI 559 (vgl. XXIII pel des Lenus Mars gefunden. Somit haben wir 

562). Beniitzung durch Xenokrates, aus dem ihn es mit einem bisher noch nicht bekannten, erst 

Pe.-Plut. de fluv. kennt: Atenstadt Herm. durch Inschriften genannten, neuen Voiksstamm 

LVII 238. Einiges aus ihm berichtet Varro, aus zu tun. Demnach ist die von Cichorius 

dem ihn wieder Plinius kennt; doch kommt er o. Bd. IV S. 231 zusammengestellte Liste von 

diesem noch auf anderem Wege (Xenokrates?) zu. Auxiliarcohorten durch die neuentdeckten cohor- 

Das Eigentum des A. sucht aus Varro zu ver- tes Aresacum zu erganzen. Da nun nach der zu- 



13 Aretalogoi Aretalogoi 14 

letzt gefundenen Inschrift das Bestehen einer Papyrus, aus der gleichen Zeit 2/2 IIP) als Apol- 

eohors Aresacum in Utrecht erwiesen ist, ist ein lonaretalogie veroSentlicht, in dem ein feind- 

Zusammienhang mit den makes Arsacae in Xan- liches Heer unter dem Aresdiener Baulis Delphoi 

ten CIL XIII 8630 (= Riese 3094) vgl. o. angreift, so sieht man, daB in diesem relativ 

Bd. XIV S. 2218 Nr. 161 nicht mehr so bedenk- spaten Stiicke doch wieder der mythische Inhalt 

lich, gegen Ihm o. Bd. II S. 1267; doch vgl. durchschlagt und nur die Form der Erzahlung 

CIL Xin 8632 (= Riese 1367). etwas von der Aktualitat einer wirkiichen Aret4 

[Alfred Franke.] behalt. Man beachte anch, welcher ftihlbare Unter- 

S. 670 zum Art. Aretalogoi: schied zwischen dem Olympischen Gotte besteht, 

Neuere Funde gestatten heute mit groBorer 10 ftir den die mythische Form durch Jahrhunderte 
Sicherheit iiber die Bedeutung des Wortes Are- traditionell geworden war, und den hellenisti- 
talogos zu urteilen, als es vor 30 Jahren mogHch schen Heilgottern, die von vornherein viel men- 
war, vgl. die nur mit groBer iVorsicht zu benut- schennaher empfunden sind. 
zende Dissertation von A. K i e f e r Aretalogisohe Ein vielleicht besonders altes Zeugnis steekt 
Studien, Freiburg i. Br. 1929, die wenigstens endlich noch in Terenz Ad. 535 (nach Menander), 
einen groBen Teil des Materials zuganglieh macht. wo Syrus mit der doppelten Bedeutung von aQexri 

Wie gewohnlich bei griechischen Komposita spielt: facio te apud ilium deum: virtutes narro, 

ist getrenntes aQstag Uyeiv alter als 'das Kompo- Kiefer 13 hat das miBverstanden; deus fuhrt 

situm selbst. Kraft eines haufig beobachteten sofort in die Sphare der bisher angefiihrten Falle: 
Vorganges (vgl. die Bedeutungsentwicklung von 20 Ich will Wunder von Dir erzahlen; und nur die 

imperium, civitaSy provincia) scheidet sich kon- erstaunte Gegenfrage: meas sc. mrtutes (von 

krete und abstrakte Bedeutung erst aUmahlich. denen nicht viel zu rtihmen war) erinnert uns 

Bis ins 4. Jhdt. gibt es wohl einige SteUen, wo wieder an die gewohnliche Bedeutung vona^^r^. 

kaum unterschieden werden kann, ob ,die zur Lei- Danach bedurfte es kaum noch der viel miBver- 

stung befahigende Eigenschaft' oder ,die ,Lei- standenen Strabonstelle XVH 801, um zu er- 

stung selbst' gemeint ist (vgl. Herodot. IX 40 kennen, daB ein A. jemand ist, der gottliche 

ansdelKwvzo aQexdg oder Find. Isthm. 6, 11 nQao- Wundertaten erzahlt. Strabon spricht von dem 

cy^t d^^ra^). Erst in Verbindung mit den Wunder- Sarapisheiligtum von Kanobos: ovyyQacpovoi be 

heilungen von Epidauros (vgl. H e r z o g Philol. tiveg xat rag 'd^sQajielag, alhoi be aQBxag tcov sv- 
Suppl. XXII 3 (1931), 49f. SyU.s zu nr. 1172, BOravi^a [aQemJXoylov (Text nach V; die alteren 

10) wenn auch noch nicht in diesenTexten selbst, Deutungsversuche bei Kiefer lOf.) ,einige 

findet sich aQsx^ ftir die konkrete Leistung, und schreiben die medizinischen Behandlungen auf, 

zwar ausschlieBlich eines Gottes. Die nicht andere der Xoyioi (wie bei Herodot. I 1 u. o.) 

sehr zahlreiehen Belege verteilen sich auf das ge- schreiben Wunder auf. Damit ist der Gebrauehs- 

samte hellenistische Griechisch. bereich, Zeit und Sinn des Ganzen hinreichend 

Bezeichnend ist schon bei Isyllos (bei P o - f estumrissen. Man ist versucht, auch Ovid. met. 

well Aiexandrina 132) die GegeniibersteUung VIII 704f. dazuzunehmen: ante gradus sacros 

von Mythos und Gegenwartstat. Zuerst wird cum starent forte locique narrarent casus 

(mythisch) die Liebe Apollons zu Koronis erzahlt; (von Philemon und Baukis) : ,sie predigen die 
dann folgt ein anders gestimmter Abschnitt, der 40 heilige Geschichte des Ortes'. Schol. Bob. zu 

ein ,Wnnder* des Asklepios aus dem J. 338 (s. o. luven. 15, 16 sagt also ganz richtig: aretalogi 

Bd. IX S. 2283) erzahlt und mit den Worten robs miras res id est virtutes loquuntur, DaB Leute 

o-^g aQsrfjg rovQyov und riix(bv otjv aQsrYjv be- dieses Gewerbes seit der romischen Zeit sich Bei- 

ginnt und endigt. Es ist dieselbe Verbindung worte wie garrulus, mendax, tabulator es gefaUen 

von Mythos und Gegenwartswunder, wie im lassen muBten (vgl. Apostelgesch. 2, 13), wird 

leQog Xoyog des Kabirions bei Pans. IX 25, 6 — 10, niemanden wundernehjnen. Dieselbe Gering- 

nur daB dort das Wort aQerri fehlt. ^'EQya neben schatzung bekundet schon Philodem. n. jtoiTjfA,. ~s 

aQerri bietet auch der Bericht des Sarapisprie- p. 24 Jens., der iii^oyQacpog daneben steUt. Da- 

sters IG XI 4, 1299. Die lindische Tempelchro- mit hangt in dem angefiihrten Schol. Bob. die 
nik (bei Blinkenberg Kl. Texte 131) aus 50 Volksetymologie arithologi zusammen, qui ea, 

dem J. 99 v. Chr. schlieBt an ein Verzeiehnis von quae dicta non sunt, in vulgus proferunt (vgl. 

Weihgeschenken einige Epiphanien an, die eben- Euseb. praep. ev. Ill 13, 23 aioxQag xal sfAnad'eig 

falls in historischer Zeit (zwischen 490 und 306) dQQrjroXoylag, wie man auch aQQrjra noieiv sagt). 

spielen. Hier fehlt wieder das Wort dQsrri. An den Gebrauch des Alton Testaments schlieBt 

Wichtig ist Pap. Oxy. 1381 IIP mit folgen- sich im Vulgatatext und der davon abhangigen 

der Wundergeschichte: Ein Buch wird gefunden, Literatur die analoge Bedeutung von virtus an, 

das ins Griechische tibersetzt werden soil; der die verbreitet ist. 

Beauftragte verschiebt dies und erkrankt; indem Das Kompositum selbst hat schon Thumb 

er sich mit seiner Mutter einer Inkubation unter- D. griech. Sprache im Zeitalter d. HeUenismus 60 
zieht, sieht diese nur die Wirkung, das Schwin- 60 richtig als dorisch erkannt. Die Ausftihrungen 

den des Fiebers und wiU dem Genesenen rriv rov K i e f e r s 26ff . dagegen beruhen lediglich auf 

'&eov fjL7}vvsLv dQsrrjv. Dieser selbst aber hat den irrefiihrenden Behauptungen von M a h 1 o w 

Asklepios leibhaftig gesehen, wie er dais Wunder Neue Wege. Die dorische Form ist bei einem 

vollbracht hat. Etwas Ahnliches muB die sog. Ausdruck, der im Asklepiosdienst erwachsen ist 

Sarapisaretalogie Pap. Oxy. 1382 IIP mit dem und wohl geradezu als epidaurisch bezeichnet 

Titel: A tog 'HXlov MeydXov SaQambog aQsrrj rj werden muB, durchaus verstandlich. Auch der 

neQi 2vQLcova rov HvPsQvrjxrjv enthalten haben. Versuch Ki ef ers 31 ff., eine profane Aretalogie 

Wenn aber Schubart Herm. LV 188 einen zu konstruieren, die alter sei als die kultische, 



15 Aretalogoi Athenaios 16 

schafft nur neue Schwierigkeiten. Es verfalscht Arinistae, Plin. n. h. Ill 143 ftihrt diesen 

den Sinn des antiken Wortes, wenn maiB es ver- (jedenfallsfruhzeitiguntergegangenen, so Patsch 

allgemeinernd auf alle diejenigen literarisehen o. Bd. VII S. 2878 Art. H a e m a s i, anders S w o - 

Produkte ausdehnt, dureh die gottliche Taten b o d a Octavian und Illyricum 86, der seine Auf- 

nacherzahlt und gepiiesen werden. Sicher ver- nahme in eine grsBere Civitas in eine fiir die 

bindet ein geistiges Band die Homerischen Hym- Zeit der Niederschrift der Historia naturalis des 

nen mit der Aretalogie, gewissen Stiicken des Plinius nahe Vergangenheit rlickt) illyrischen 

Alten Testaments tind dem Emngelium. Das Stamm (K r a h e Indogerm. Bibl. III. Abt. 7. Heft 

Wort A. jedoch ist eine Schopfung des 4. Jhdts. 15) in dem nachmaligen Conventus von Narona 
und ein wiehtiges Zeugnis fiir eineni damals voll- 10 Ostlich vom Naron und den Yardaeern an [prae- 

zogenen Wandel in dem Verhaltnis des grieehi- ter hos tenuere traetum eum Ox^uaei, Fartheni, 

schen Menschen zu seinem Gotte. Vergleieht man, Cavi (o. Bd. XI S. 57), Eaemasi (o. Bd. VII 

wie griechisehe Gotter den Glanbigen im lieben S.2878), Masthitae (o. Bd. XIV S. '2168), Ari- 

zu begleiten pflegen, so erkennt man, wie w^nig nistae], Erahe 69. 80 erschliefit aus dem 

ratsam es ist, Zeugnisse, die dureh Jahrhunderte zweifellos illyriscben Namen die Verbindung des 

voneinander getrennt sind, zusammenzuwerfen. baufigen Suffixes istae mit dem Grundelement 

Man verwischt dadurch nur das eigentlieh Beste arin, Vgl. Art. Armistae (o. Bd. II S. 1200). 

und Feinste dieser schwer faBbaren Beziehungen. [Max Fluss.] 

Die bomerisehen Helden leben noch in fast vol- S. 1251ff. zum Art. Arrius: 
liger Lebensgemeinschaft mit ihren Gottern, so- 20 IB) C. Arrius Antoninus, nadi Inschriften 

zusagen auf derselben Ebene. Sichtbar oder un- aus Sarmizegetusa, die zur Zeit seiner dakischen 

sichtbar stehen die Gotter im Wortsinne ihnen Legation gesetzt sind, Vater des C. Arrius Anto- 

zur Seite oder ihnen entgegen. Die Abstammung ninus und des C. Arrius Quadratus (Daicovici 

von einem g6ttli<!hen Ahn (die Hesiod Erga 299 Festschr. f. Jorga 1931). Als Legaten von Cap- 

UsQori^ dcov ysvog ktihn auf den Plebeier uber- padocia nennt ihn die Inschrift Dess. 9117. 

tragt, (bg ofjiod'sv ysydaoi ^sol ^rjtoc %* avd'Qcouioi 19 a) M. Arrius Flaccus, Consul suffectus im 

v.10'8) ist noch einem Hekataiosselbstverstandlich. September 79 n. Chr. Militardiplom Journ. rom. 

Anders die Polisl. Sie hat ihren oder ihre gottlichen stud. 1926, 95. [Groag.] 

Beschtitzer, die aber das Wohl des einzelnen nur S. 1531 zum Art. Asellius: 
indirekt dureh die Polis und ihre Satzungen, ihre 30 1 a) Asellius Aemilianus, Legat von Thracia 

v6[A,oi und ^so/Lcol fordern. Die jzoXlooovxol d-sol unter Marcus und Commodus. Vgl. iiber ihn 

(Aischylos mehrfach) sind im Wortsinne poli- Stein Rom. Verw. Beamten v. Thracia 32. 

tische Gebilde. Eine Annaherung an den einzel- Ritterling Fasti d. rom. Deutschland 34f ., 

nen, die vielleieht in den Mysterien vorgebildet ferner PIR P 241 nr. 1211. [Groag.] 

war, wird fuhlbar bei Sophokles (trotz Schade- S. 1583ff. zum Art. Asinius: 

w a 1 d t Monolog 72, 2), und er ist es gerade, 18 a) M. Asinius Q, f, Trom(entina tribu) 

der Asklepios, den Heiland des einzelnen, in Athen Mareellus, Consul isuffectus in unibekanntem Jahr 

aufgenommen hat. Damit ist freilich noch nicht des 1. Jhdts. n. Chr., wird in mehreren Insehrif- 

gesagt, dafi die Entwicklung abgeschlossen ist. ten aus Ostia genannt: €IL XIV 4447 (enthalt 
Auch der attische Asklepios ist vermutlich noch 40 seinen Cursus honorum). 4448. 4542. [Groag.] 

der Gott der Polis, der sie von der Pest befreit S. 2033, 61 zum Art. Athenaios Nr. 23: 

hatte. Die Verinnerlichung, die in der Folgezeit A. ist seitdem maBgebend ediert, iibersetzt 

eiiisetzt, kommt nicht zum Ausdruck bei L a 1 1 e und erklart von R. Si c h n e i d e r Griech. Polior- 

Religiose Stromungen in der Fruhzieit des Hel- ketiker III. Abh. Gott. Ges. N. F. XII 5 (1912). 

lenismus, Antike I 146ff., der ,von einer zeitlos Seine Zeit hat Cichorius Rom. Studi^n 271 

primitiven Religiositat spricht, bei der feige mit Wahrscheinlichkeit bestimmt. A. erzahlt 

Angst und Sorge um den eigenen kleinen Vor- namlich von ApoUonios, dem Lehrer seines 

teil die treibenden Krafte sind*. Wir miissen Hauptquellenautors Agesistratos, dafi er gewal- 

vielmehr daran denken, dafi auch bei Jesus Hei- tige Steimnauern im Hafen von Rhodos erriehtet 
len und Erlosen miteinander geht. Das wich- 50 habe (o. Bd. II S. 160, 58). Bezieht sich dies auf 

tige ist die Gegenwartsmanifestation des Gottes, die Belagerung dureh Mithridates J. 88/87 

das Wunder, das im 4. Jhdt, wieder zu einer (Suppl.-B'd. V S. 802), so batten wir einen Ter- 

lebendigen Kraft wird und in der dvvafiig oder minus post quem. Ferner ergibt sieh aus S. 10, 

aQsri^ des Gottes seinen Ausdruck findet. Die wo A. die mangelhafte Stilisierung mit seinem 

Staatsgotter sind davon nicht wieder lebendig Bestreben entschuldigt,, mit seiner Schrift nicht 

geworden, wohl aber Asklepios, Sarapis und zu spat ftir seinen Zweck zu kommen, dafi er aus 

orientalische Gottheiten (vgl. die Bedeutung der einem bestimmten Anlafi schrieb; und da er sie 

dvvafA,ig in den phrygisch-lydischen Inschnften einem als oefivozars angeredeten MaroeUus wid- 

bei Steinleitner Die Beicht), ohne daB met {vgl. Octavi venerande ... sancte puer Culex 
ubereilt auf orientalischen EinfluB geschlossen 60 25f., vgl. Schneider 52), so liegt es nahe, an 

werden dlirfte. Es scheint vielmehr im Grieehi- Augustus' Schwiegersohn M. zu denken und den 

schen etwas widdererwacht zu sein, was ein Ver- AnlaB in dem kantabrischen Kriege des J. 27 zu 

stanidnis fiir orientalische Religiositat erleichterte. sehen, den MaroeUus im Gefolge des Kaisers mit- 

DaB die A. zum Unfug ausartete, woUen wir gem machte (o. Bd. Ill B. 2765), Auch die spraeh- 

glajuben. Empfindlioh sind dagegen vor allem die liche Form, wegen deren D i e 1 s (S.-Ber. Akad. 

Romer, bei den Griechen der Epikureer Philo- Berl. 1893, 111) die Schrift ins 2. Jhdt. n. Chr. 

dem, aber der lebendige Glaube laBt sich bis ins setzen wollte, paBt nach Brink ma nn bei Ci- 

2. Jhdt. verfolgen. [Wolf Aly.] chorius 277 eher in die Zeit vor dem Siege des 



17 Atidius Caburriates 18 

Attizismug; doch bedarf die Sprachfonn, "beson- auf einem Meilenstein genannt, Ann. epigr. 1925, 

ders nach den Bemerkungen von Thiol (280. 95. [Groag.] 

300) noch einer genaueren Untersuchnng. Da also S. 2288ff. zum Art. Aufidius: 

A. im augustedschen Rom in Beziehnngen zum 41) C. Aufidius Victorinus weiht als Legat 

Hole gel©bt hatte, so ware Identitat mit dem von Germania superior dem luppiter o. m. in 

Peripatetiker aus Seleukeia (Nr. 19) moglich. Mainz GIL XIII 11808. [Groag.] 

Dazu wtirde es aueh passen, dafi A. im Sachlichen 44 a) Aufidius Umber, auf Miinzen von Neo- 

ganz unselibstandig und von Agesistratos ab- caesarea, waiirseheinlieh als Legat von Cappa- 

hangig ist, dem aueh Vitruv X 13 — 16 folgt; docia und Galatia, im J. 100/01 genannt Im- 
dies ist nachgewiesen von T h i e I Leipz. Stud. lOhoof-Biumer Kleinas. Miinzen II 499. M ti n- 

XVII 275ff., der S. 308—327 die ParaUeltexte sterberg Num. Ztschr. 1911, 128. 1921, 130. 
der beiden Autoren abdruckt; vgl. Schneider [Groag.] 

38S. Man kann in diesem Sinne vieUeicht aueh S. 2378ff. zum Art. Avidius: 

die Neigung zu aligem'einen Erorterungen und 5) 6) C. Avidius Nigrinus. Der Bruder des 

zur Entfaltung von Gelehrsamkeit (in der Vor- Quietus und Freund Plutarchs, von dessen Am- 

rede) verwenden, sowie die AuBerung (6, 4 W.) tern nur der Proeonsulat (wohl von Achaia) be- 

gegen die elco'd'otag evMveiv mxqwg rag ovv'&i' kannt ist, war wohl der Vater des gleichnamigen 

oscg xwv U^ecov. Die merkwlirdig gesehraubte Mannes, der im J. 110 Consul suffectus mit Ti. 

Ausdrueksweise erinnert etwa an Philodem; z. B. lulius Aquila (Polemaeanus) war (neugefundenes 
verspricht A. am Schlusse dem Marcellus, wenn 20 Fragment der Fasten von Ostia C a 1 z a Not. d. 

er es wiinsche, Zeichnungen zu liefern und aueh scaA^i 1932, 188ff. v. 19: [Avjidius Nigri7ius), mut- 

uber die AbwehrmaBregeln gegen Belagerungs- maBlieh nach dem Consulat legatus Aug. 'pr. pr. 

masohinen zu sehreiben; dann heifit es (39, 12 in Achaia (Syll.^ 827), endlich Statthalter von 

W. = 36 iSchn.) rovro de scQrjraCf wg uvcov xfj Moesia superior (?) wurde und im J. 118 den Tod 

iblq, aQyia fisvQovvzcov xfjv td>v neXag xaKOTid'&eiav fand. Vgl. liber ihn v. Premerstein Klio 

?ial ov (pa^svcov elvai sv nollc^ smyvcooiv ye- Beiheft VIII lOf., ferner PIR I^ 285f. [Groag.] 
veo&at 7iQayfA,drcov^ &oneQ x'^g xpvxfjg thawv dno- 7 a) T. Avidius Quietus, Consul s-uft'eetus vom 

oxsvoxcoQovvxcov xrjv nQod'Vf^lav xcov iiadTuxaxoiv, 1. Mai bis (wahrscheinlich) 1. September 111 mit 

Keine Forderung der Quellienfrage bedeutet Eggius Marullus (Fasten von Ostia [s. Nr. 5. 6] 
das fur die technisehen Pragen und die Sa-ch- 30 v. 24). [Groag.] 

erklarung bedeutsame, in den philologisehen Fra- S. 243 Iff. zum Art. Aurelius: 

gen dilettantische Buch von W. S a c k u r Vitruv. Ill a) M. Aurelius Cotta Maximus Messal- 

Teehnik und Literatur, Berlin 1925; sein (ohne linus war Proconsul von Asia (Inschrift aus Ephe- 

Kenntnis von Cichorius' Auf satz unternommener) sos Keil Forsch. in Eph. Ill 112, 22; Keil 

Versuch, den A. in zwei Autoren zu zerlegen und bezieht atuch CIG 3465 = IGR IV 1508 mit 

den einen in die Zeit des zweiten punischen Krie- Recht auf ihn). 

ges zu verlegen, so daB der angeredete Marcellus 140 a) L. Aurelius Gallus war Consul ordi- 

der Eroberer von Syrakus ware (vgl. Schnei- narius im J. 198 mit P. Martins Saturninus CIL 

der If.), ist nicht ernst zunehmen. [W. Kroll.] XIV 4562, 2. Vgl. iiber die drei (nicht zwei) Ge- 

S. 2074 zum Art. Atidius: 40nerationen ddr senatorischen Aurelii Galli PIR 

3) L. Attidius Corneliajius s. Suppl.-Bd. I 12 31 3f. [Groag.] 

S. 221, wo L. fiir Ael(ius) zu korrigieren ist. S. 2728 zum Art. Baebius: 

[Groag.] 36 a) Baebius Marcellinus, wohl Vater des 

S. 2076ff. zum Art. Atilius: Baebius Marcellinus, der sich im J. 204 n. Chr. 

45 a) M. Atilius Postumus Bradua, Procon- unter den Knaben befand, die das carmen saeeulare 

sul von Asia unter Domitian. Keil Forsch. in vortrugen (Romanelli Not. d. scavi 1931, 

Ephesos III 100, 8. 345, vgl. Huelsen Rh. Mus. LXXXI 386). 

54 a) T. Atilius Ruf us, als Legat von Syrien [Groag.] 



Zum dritten Bande. 

S. 91 Iff. zum Art. Bruttius: Butra wird von Herat, epist. I 5, 26 als 

5 a) C. Bruttius Praesens, wohl derselbe wie guter Freunid des (Manlius) Torquatus bezeich- 

BQovxcog, der in Traians Partherkrieg in Arme- net; Naheres ist uber diese Person nicht bekannt 

nien tatig war (Suid. s. Xvyog = Arrian. Parth. (Luc. Mueller Siatir. und Epistelu d. Horaz 

frg. 85 Roos, vgl. R o o s S^dia Arrianea 58f.). I 48). [Max Fluss.] 

[Groag.] 60 Caburriates. Ligurischer Stamm, 179 v. Chr., 

Brutus. Henze o. Bd. Ill S. 916 halt un- vom Consul Fulvius Flaccus unterworfen und der 

richtigerweise in der Stelle Aurel. Vict, de Cae- Tribus Stellatina zugewiesen. Plin. n. h. Ill 47. 

sat. 29, 4 Deeii barbaros trans Danubium per- Flor, epit. I 19, 5. Bei Liv. XL 53 ist der 

seetantes Bruti fraude eecidere B. fiir eine Per- Name in einer Liieke unseres Textes ausgefallen. 

son, in Wirklichkeit ist es die verstlimmelte Form Inschriftlich begegnet ein curator rei publ. Ca- 

des in den Quellen vielfach verschieden geschrie- by/rrensium, CIL V 7836. Das Andenken an 

benen Namens des Ortes Abrytus in Moesia inferior diesen Stamm bewahrt die Stadt Cavour (Ca- 

(o. Bd. I S. 116). [Max Fluss.] vorre) unweit der Poquellen, vor dem Tal des 



19 Caecina Canianns saltus 20 

Pelice, 45 km stidwestlich von Turin. Der Name VIII 3/4 in der Nahe von Odessos genannt. Vgl. 

Gaburrum ist erst seit dem 11. JMt. belegt. Miller Itin. Eom. 960. [Max Fluss.] 

Nissen It. Ldk. I 472. II 164. Mommsen S. 1363, 3 zum Art. Calor: 

vermutet, Caburrum sei mit Forum Vibi iden- 3) Der Name wird auch ftir den Oberlauf des 

tisch, s. W e i s s Bd. II S. 73. [v. Geisau.] Flusses Tanager in Lukanien und seine Fort- 

S. 1241 zum Art. Caecina: setzung nacb der unterirdischen Unterbrechung 

22) A. Caecina Paetus, Consul suffectus vom von Pertosa an gebraucht. Das Itin. Ant. 110, 1 
1. September bis Ende des J. 37 mit C. Cani- verzeichnet 49 mp. von Nuceria, eine Station aa 
nius Eebilus fasti Ostienses CIL XIV 4535. Calorem, in der Gegend des heutigen Pertosa, 

23) C. Caecina Paetus hieB mit voUstandi- 10 Vgl.Nissen It.Ldk.II 903. Pbilipp s.Bd.IV A 
gem Namen wahrscheinlich C. Laecanius Bassus S. 2153. [v. Geisau.] 
Caecina Paetus D e s s. 9247. Proconsul von Asia Calouitanus Portus wird nur auf der Tab. 
Milet I 9, 177 nr. 360. [Groag.] Pent. VI 3 in der Nahe von Salona genannt. 

Caedici(i), von Plin. n. h. Ill 108 unter den (Miller Itin. Rom. 960 identifiziert ihn mit dem 

verschollenen Stammen der Aequiculer aufgeftibrt. beutigen Canale di Castelli). Sein zweifellos 

[v. Geisau.] illyrischer Name erinnert an den des Volksstam- 

Caedicii vicus am 112. Meilenstein der via mes der Galoeeini (KaXoixivoi) (s. d., vgl. Krahe 

Appia, zum Gebiet von Sinuessa gehorig, von Indogerm. Bibl. Ill Abt. 7. Heft 89). 
dem es 6 m. p. entfernt lag, an der campanisch- [Max Fluss.] 

latinischen Grenze, Plin. n. h. XIV 62. Dieselbe 20 S. 1396 zum Art. Calpurnius : 

Ortlichkeit ist vermutlicb mit den Gaedioiae ta- 99) L. Calpurnius Piso Frugi(?) pontifes 

bernae, Paul. Fest. p. 45 M. (in via Appia a kommandierte, als er zum Thrakerkriege abberu- 

domini nomine voeatae) gemeint, desgleichen mit fen wurde, in Pamphylien (wie Dio angibt) und 

den Gaediciae aquae (Hss. ea^edes aquas) Liv. den angrenzenden Gebieten; dies ergibt sich a.m 

XXII 36, 8, wenn N i s s e n s Vermutung das einer ihm in Hierapolis-Kastabala gesetzten In 

Eichtige trifft, It. Ldk. II 665, 5. Mommsen zu schrift Keil- Wilhelm Osterr. Jahresh. XVII] 

CIL X 4727. [v. Geisau.] BeibL 51. VgL tiber ihn Cichorius EOm. Stu- 

Caedicius campus, eine Ortlichkeit im Ap- dien 325ff. 
pennin in der Gegend der Vestiner, die einen 101) L. Calpurnius Proclus weihte mit seinei 

vorzuglichen Ease nach Eom lieferte, Plin. n. h. 30 Gattin Domitia Eegina Aufaniabus Altare ii 

XI 241. Den Irrtum Cluvers tiber die Lage Bonn. Lehner Bonn. Jahrb. CXXXV 6f. Vgl 

berichtigt Nissen It. Ldk. II 665,5. liber ihn Eitterling Fasti d. rOm. Deutsch- 

[v. Geisau.] land 94f. [Groag.] 

Caelestini. Von Plin. n. h. Ill 114 unter S. 1410, 65 zum Art. Calvisius: 

den untergegangenen Volkerschaften Umbriens 7) Calvisius Eu[fus], nicht Bu[soJ Journ 

aufgefiihrt. Der Name ist vielleicht etruskisch; rom. stud. XVIII 212; wohl Cohortenpraefect. 
vgl. den etruskischen Vornamen caile, Gaeles, 9) 10) P. Calvisius Euso lulius Frontinus 

mons Gaelius. [v. Geisau.] Ein Bruchsttick einer groBen Ehreninschrift mil 

Caeno {Kaivco)^ Hafenort von Antium, an- dem Cursus honorum ist in Antiochia in Pisi 
geblich 469 v. Chr. von den EOmern zerstOrt. 40 dien von E a m s a y aufgefunden worden. Journ 

Liv. II 63. Dion. HaL IX 56. Nissen It. Ldk. rom. stud. Ill 302 mit Dessaus Kommentar. ~ 

II 627; s. Bd. I S. 2561. Zum Namen vgl. Kaino Er war der Vater des P. Calvisius TuUus Ruse 

(Kano) auf Kreta. [v. Geisau.] (Nr. 19). 

Caeptiema. Ein Tal bei Genua, genannt in 19) P. Calvisius Tullus Euso, Consul I 10^ 

dem Schiedsspruch der Minucii in Grenzstreitig- n. Chr. fasti Ostienses Calza Not. d. scavi 1932 

keiten im J. 177 v. Chr. CIL V 7749, 8. 188ff. BGU VII 1691. [Groag.] 

[v. Geisau.] Camalatrum (schlechter beglaubigt Gala- 

Caesius, Autor uhex diseiplina Etrusea, nux matrum, Galamatin/m, Cluver Ital. ant. 1256 

von Arnob. Ill 40 (aus Cornelius Labeo) genannt; vermutet Galamareus) unteritalische Ortlichkeit 
danach bezeichnete er als Penaten Fortuna, Ceres. 50 vermutlich in Lucanien, genannt Frontin. strat 

Genius lovialis und den mannlichen Pales (ver- II 4, 7 bei Darstellung einer Umgehungsbewe 

ktirzt als Ansicht der Tusci bei Serv. pi. Aen. gung des M. Licinius Crassus gegen die kel 

II 325). Vor ihm ist Nigidius, nach ihm Varro tischen Sklavenflihrer Castus und Gannicius in: 

genannt; dafi er in deren Zeit gehOrt, ist jeden- J. 72 v. Chr. S. Gelzer Bd. XIII S. 305. Di( 

falls am wahrscheinlichsten. Den Namen in Gae- Lage ist ebensowenig wie die Namensform fest 

eina zu andern ist unberechtigt. Wissowa zustellen. [v. Geisau.] 

Ges. Abh. 100. 124. 127. [W, KrolL] Camere, unbekannte Ortlichkeit am Fluss^ 

Galena, Burg der Frentaner im Gebiet von Krathis in Bruttium. Ovid. fast. Ill 582 laBt ir 

Larinum, am linken Ufer des Fertur, gegenuber seiner Erzahlung von der Anna Perenna dit 
von Gereonium. Als Gereonium in die Hand Han- 60 Schwester Didos durch einen Orakelspruch dort 

nibals fiel, besetzte der Eeiterfiihrer M. Minucius hin weisen (Gameren Akkus.). Vielleicht wurde 

C. Polyb. Ill 101, 3 (Ka^vrj bzw. KaXrjXri), Nis- Anna Perenna in C. besonders verehrt. 
sen It. Ldk. II 785. [v. Geisau.] [v. Geisau.] 

S. 1352, 31 zum Art. Cales: Canianus saltus, Gutsbezirk bei Veleia ir 

2) Dorf im ager Gallicus an der via Flaminia. der Aemilia, erwahnt auf der Tabula alimentarij 

Die Namensform schwankt: Gales (sing.), Galle^ CIL XI 1147. Inscr. christ. Eossi II S. 413, 16 

Oallis. Nissen It. Ldk. II 382. [v. Geisau.] Genannt nach dem Besitzer Ganius. 

Callire Portus wird nur auf der Tab. Pent. [v. Geisau.] 



21 Caninius Ceremia 22 

S. 1478, 23 zum Art. Caninius: Carsitani erwahnt Macrob. Sat. Ill 18, 5: 

7) C. Caninius Rebilns, Consul suffectus im Est autem natio hominum iuxta agrum Prae- 

J. 37 (1. September bis zum Jahresende) mit nestinum qui G. vocantur and xwv TtaQvcov und 

A. Caecina Paetus CIL XIV 4535 fasti Osti- fiihrt diese Etymologic auf Varros logistoricus 

enses. [Groag.] ,Marius de fortuna* zuriick. Die praenestischen 

Oanta, eine der Inseln um Brioni, vor Pola Niisse waren bekannt. "Cber den Namen C. 

in Istrien. GIL V 8139. Hyg. fab. 23. Nissen s. W. Schulze Eigenn. 147. 182. [v. Geisau.] 

It. Ldk. II 240f. [v. Geisau.] Carucla, Gutshof bei Veleia, in der Aemilia, 

Cantenna (schlechter beglaubigt Gatana, erwahnt auf der Tabula alimentaria CIL XI 1147. 

Gathena), Ortlichkeit in Unteritalien, vermutlich 10 [v. Geisau.] 

in Lucanien, erwahnt Frontin. strat. II 5, 34. S. 1740, 3 zum Art. Cassius: 

tJber den erfolgreichen Kampf des M. Licinius 67) L. Cassius Longinus. Die Inschrift eines 

Crassus gegen die Sklaven bei C. s. G e 1 z e r ihm von der Stadt Arelate gewidmeten Prunk- 

Bd. XIII S. 305. [v Geisau.] tisches, der in Eom zutage gekomnien ist, gibt 

Cantherius, Berg im Sabinerlande, erwahnt an, da6 er Consul, XVvir sacris faciundis und 

Varr. r. r. II 1, 8. Der Name bedeutet ,Esel*, Legat des Tiberius war. Mancini BulL com. 

,Mauleser, gr. Tcavd'riXiog. Vgl. das samische Vor- LVI 318. [Groag.] 

gebirge Kantharios Bd. X S. 1883. [v. Geisau.] Castell(um) Abritanor(um) ; sein Name 

S. 1546, 30 zum Art. Capraria: ist als Heimat des Centurio der legio XI Claudia 

6) Der Name wird im Itin. mar. 516 irrtiim- 20 V'al. Longinianus (CIL V 942 = Pais 75 = Dess. 

lich flir Gapreae gebraucht. [v. Geisau.] 2670) genannt; es ist mit dem durch den Tod 

Caris(s)anum, Kastell bei Compsa in Sam- des Kaisers Decius im J. 251 n. Chr. bekannten 

nium, Plin. n. h. II 147 berichtet, daB T. Annius Abrytus in Moesia inferior (Bd. I S. 116) iden- 

Milo dort gefallen sei, nachdem es ein Jahr vorher tisch (vgl. Bd. XII S. 1704). Beztiglich der Identi- 

dort WoUe geregnet habe. Ein Teil der Hss. hat fizierung mit dem heutigen Abtat — Kalessi,30 km 

Gapsanum = Compsanum, vgl. Lyd. ostent. 6 stidwestlich von Tropaeum Traiani vgl. Skorpil 

S. 22 jtsQl Kdyjav to (pQovQiov. Nissen It. Ldk. bei Kalinka Schr. d. Balkankommission d. Wien. 

II 821, 9. tJber den Tod des Milo s. Klebs Akad. Antiquar. Abt. 4. Bd. 349if. [Max Fluss.] 

Bd. I S. 2276. [v. Geisau.] S. 1788, 45 zum Art. Catilius: 

S. 1592, 41 zum Art. Carlstanius: 30 4) L Catilius Severus lulianus Claudius Re- 

1) C. Caristanius Pronto. Sein Cursus ho- ginus, Consul I suffectus im J. 110 mit C. Eru- 

norum in einer Inschrift aus Antiochia in Pi- cianus Silo fasti Ostienses Calza Not. d. scavi 

sidien D e s s. 9485. * 1932, 188ff. Seinen Cursus honorum enthalt 

la) C. Caristanius lulianus (wohl aus An- eine von Merlin aus vielen Bruchstiicken zu- 

tiochia in Pisidien), Proconsul von Achaia unter sammengesetzte Inschrift aus Thysdrus Cagnat- 

Traian vor 102. Delphisches Ehrendekret Bour- Merlin Inscr. lat. d'Afrique 48. Merlin be- 

guet De rebus Delph. 28. Sein Cursus honorum zieht auch CIL X 8291 mit Sicherheit auf ihn 

(fragmentarisch) Corinth VIII 2 nr. 55. (demnach o. Bd. II S. 2083 Nr. 40 zu korrigieren). 

[Groag.] [Groag.] 

Carnuns, befestigte illyrische Stadt, die die 40 S. 1789, 61 zum Art. Catilius: 

RSmer 171 nicht erobern konnten. Liv. XLIII 1,2. 4) Mons Gatilli (quern Gatelli dieunt per 

Namensform unsicher. [v. Geisau.] eorruptionem), auch Catellus geschrieben, Berg 

Carnus. Dieser Ort Illyricums wird nur von in Latium, in der Nahe der Aniofalle, jetzt Monte 

Liv. XLIII 1, 2 anIaBlich der Besprechung des Catillo, 348 m. Serv. Aen. VII 672. Vib. Seq. 

Feldzuges der EOmer in dieses Gebiet im J. 583 Geogr. 155, 13. [v. Geisau.] 

= 171 V. Chr. erwahnt. Der mit dieser Unter- Suppl.-Bd. Ill S. 239, 12 zum Art. Caturniacus: 

nehmung betraute Legat, dessen Namen wir nicht 2) Ebd. 5, 52 begegnet ein fundus G. in 

kennen, glaubte durch milde Behandlung des einem andern Bezirk von Veleia; wieder in 

vorher eroberten Ceremia (s. u.) die Bewohner einem andern Bezirk ein fundus Gaturnianus. 

dieses opulentum oppidum zur tJbergabe zu be- 50 Die Besitzungen heiBen offenbar nach einem 

wegen; seine Erwartung aber erfuUte sich nicht, Caturnius. [v. Geisau.] 

auch dem Versuche, die munita urhs zu erobern, Caudalascus. Appenninus Caudalascus, ein 

blieb der Erfolg versagt, er lieB sie schlieBlich Abschnitt des Appenin bei Veleia in der Aemilia, 

pltindern (Liv. XLIII 1, 2— 3). WeiBenborn als Ortsbestimmung benutzt in der Tabula ali- 

z. St. halt eine Identifizierung des Ortes mit der mentaria von Veleia. CIL XI 1147. tTber das 

bei Steph. Byz. 557 Mein. angefiihrten TioUg ligurische Suffix -ase- s. Bd. XIII S. 528. 

IXlvQiHfi HaQvovg fiir mOglich; diese ist meines [v. Geisau.] 

Erachtens gleichzusetzen dem bei Marcell. chron. Cavaturini, Dorf bei Genua, verzeichnet in 

II 100 bei Besprechung des schweren Erdbebens der Sententia Minuciorum vom J. 177 v. Chr., 

des J. 518 n. Chr. genannten eastellum regionis 60 CIL V 7749, 38—40. [v. Geisau.] 

Qavisae, quod Sarnonto (Bd. II A S. 30) S. 1868 zum Art. Celelates: 

dieifMr. [Max Fluss.] Die Herausgeber bei Liv. XXXII 29 lesen meist 

Carrea (a. L. Garreum, Gorrea) mit dem Geleiates. [v. Geisau.] 

Beinamen Potentia, Ort in Ligurien, wahrschein- S. 1969 zum Art. Cerdeciates : 

lich beim jetzigen Chieri. Plin. n. h. Ill 49, Die Herausgeber lesen an der genannten Li- 

durch Konjektur auch hergestellt CIL V 7496, viusstelle meist Gerdiciates. [v. Geisau.] 

M m m s e n ebd. S. 848. Nissen It. Ldk. II Ceremia. Dieser Ort Illyricums (sein Name 

156f. [v. Geisau.] nicht gesichert infolge Verderbnis der Livius-Hss.-\ 



23 Cermalus Coloniae 24 

wird nur von Liv. XLIII 1, 2 anlaBlich der Bespre- nach Hekat. bei Steph. Byz. 690 ed. Meineke 

chung des Feldzuges der EOmer in dieses Gebiet einen Zweig der illyrischen Volkerf amilie ; seine 

im J. 583 =171 v. Chr. erwahnt; der mit dieser Wohnsitze befinden sich nOrdlich von denen der 

Unternehmung betraute Legat, dessen Namen wir Sesarethier. Da Hekataios bei Steph. Byz. 562 die 

nicht kennen, babe das jedenfalls zu Makedonien Stadt Sesaretbos ins Gebiet der Taalantier ver- 

gebOrige (Zip pel D. rOm. Herrschaft in lUyrien legt, die Abrer (Bd. I S. 115) nach ihm bei 

76) opuhnMm oppidum vi atque armis be- Steph. Byz. 9 ed-vog siQog x0 lAdQia TavXavtlvcov 

zwungen, aber dann seinen Einwohnern das Ihrige Tigooexh tdig XsXibovloig sind, so werden damit 

belassen (Liv. XLIII 1, 2). WeiBenborn z. St. auch die Sitze der Ch. einigermaBen bestimmtj 
halt eine Identifizierung des Ortes mit dem bei 10 sie sind am oberen Mati und etwas weiter nOrd- 

Polyb. V 108, 8 in der Dassaretis genannten lieh zu suchen (Zippel D. rOm. Herrschaft in 

Kq€covwv, das neben anderen Orten Philipp V. Illyrien 20, nach Kiepert FOA XVI siidlich 

von Makedonien gewann, fur mOglich. Kiepert vom See von Lychnidus). Die Ch. waren entwe- 

FOA XVII hat C. an die StraBe Stobi — Heraclea der ein Teil der Taulantier, oder, was Zippel 21 

zwischen Euristus und Deuriopus an den Erigon fiir wahrscheinlicher halt, ein ihnen unterworfener 

gesetzt, Zippel 76 sucht es im Grenzgebiete Stamm. Der Name des Stammes ist nicht illyrisch 

zwischen Illyrien und Makedonien entweder in (Krahe Indogerm. Bibl. III. Abt. 7. Heft 4), 

der Nahe des oberen Devol oder am Ostende er findet sich auch an der lykischen Ktiste (vgl. 

des Sees von Lychnidus. [Max Fluss.] die Ofter genannten XsXcdoviai vfjoot und nitQai). 

S. 1182f. zum Art. Cermalus: 20 [Max Fluss.] 

2) Vieus Germali war einer der sieben Be- S. 2558, 22 zum Art. Cincius: 

zirke, in die die Plebs von Ariminum durch Augu- 9) Cingius Severus. Die Form Gingius ist 

stus eingeteilt wurde. GIL XI 419. Der Name richtig CIL VI 36874, s. Bang Herm. XLV 

sollte oifenbar anEom erinnern. Nissenlt. Ldk. 627f. [Groag.] 

II 250. [v. Geisau.] S. 2677, 15ff. zum Art. Claudius: 

Cessernia, Ortlichkeit zwischen Blanda und 71) Ti. Claudius Atticus Herodes. Inschrift 

Buxentum, jetzt Sapri inLucanien. Geogr.Rav.IV von Korinth, Corinth VIII 2 nr. 58: Ti, Clau- 

32. N i s s e n It. Ldk. 11 899, 8. [v. Geisau.] dio Ti. Glaudi Hipparehi f. Quir(ina) Attico 

S. 2193, 7 zum Art. Chartodras: praetoriis ornament, ornato ex s. e, Vgl. iiber 
Die Frage nach dem Wert der verschi ©denen 30 ihn Graindor Herode Atticus 19 — 38. 
Diingerstofie ist eingehend erortert worden (o. 186) [C]L lulianus, vielmehr FL lulianus, 

Bd. I S. 279): Cato agr. 36. Varr. I 38, 1. Co- stadtischer Wlirdentrager. Kubitschek Denk- 

lum. II 14, 1. Geop. II 21, 4, wo zum Teil g&gm schr. Akad. Wien phiL-hist. Kl. LVII 3, 99. Vgl. 

die Ansicht dos C. polemisiert wird. Wellmann Hiittl Antoninus Pius II 46f . 
Abb. Akad. Berl. 1921, 38 will den Namen auch 187) 188) 194) Ti. Claudius lulianus, eine 

bei Aristot. poL I 11. 1258 b 40 einsetzen, wo als Person. VgL Bitter ling Fasti d. rOm. Deutsch- 

Autoren nsQi yecoQylag im Dativ XaQrjri di] (xd- land 7 Off. Htittl Antoninus Pius II 94f. 
Qirt di] r Ms x<^Qltia \ 8f} [in mg. xaQLridb7)g'\ Ha) 357) Claudius Stratonicus. Seine Gattin Fla- 

Koi 'AnollobcoQco zcp Ar)fA,vico uberliefert sind unid via Tiberina weihte, als er Legat der legio I 
man Mher Za^??r% sehrieb (Bd. Ill S. 2131), 40 Miner via war, Matronis Aufaniabus einen Altar 

und so konnte der Mann geheifien hab>ein. Man in Bonn. Lehner Bonn. Jahrb. CXXXV 7. 
kann zweifeln, ob C. ein mogliober Name ist. 415) Claudia Dryantilla Platonis, Gattin des 

[W. KrolL] Cornelius Optat[us]. Acta lud. saec. 204 n. Chr. 

Chelidonioi {XeXidovioi)^ Die Ch. bilden Eomanelli Not. d. scav. 1931, 341. [Groag.] 



Zum vierten Bande. 

Coeba, ligurische Ortlichkeit am Tanarus, nannt, der die Stellung eines dec(urio) c(oloniae) 

beriihmt wegen seines Schafkases, Plin. n. h. XI Bis . . . bekleidet hat. P a t s c h Wissensch. Mit- 

241. Die Namensform steht nicht genau fest, teil. aus Bosnien XI 181 nimmt gegen den Vor- 

da Plinius nur das Adjektiv Goebanus bringt. schlag M o m m s e n .s z. Inschr., den Namen der 

Bd. X S. 1493, 31 im Art. Ease wird der Ort Kolonie zu Risinium zu erganzen und sie mit 

Goebanum genannt. Jedoch macht der heutige dem in der antiken Literatur wiederholt ge- 

Name Ceba die oben angenommene Form wahr- nannten Rdsinium, dem beutigen Risano in der 

scheinlich. Vgl. CIL V S. 895. Nissen It. Bocche di Cattaro (Bd, I A 8. 937), zu identi- 

Ldk. II 154. [v. Geisau.] fizieren, mit dem Hinweise Stellung, da6 sich 
S. 195, 1 zum Art. Coelius: 60 Abkiirzungen von Ortsnamen in Inscbriften emf 

7 a) P. Coelius Apollinaris, Suifectconsul im Steindmkmalern nur dort finden, wo sie sich auf 

J. Ill mit L. Octavius Crassus fasti Ostienses. deren Standort beziehen oder wo es sich um be- 

Calza Not. d. scavi 1932, 188fF. [Groag.] kannte nahe gelegene Siedlungen handelt (vgl. 

S. 511, 9 zum Art. Coloniae: eol(onia) Gap..., col(onia) Mai..., Bd. Ill 

34 a) G(olonia) Ris . . . wird nur in einer in S. 1503. XIV S. 818); mithin sei die c(olonia) 

Rogatica in Dahniaitien gefundenen Grabinsehrift Ris (. . .) dais heutige Rogatica. Sie gehorte ent- 

eines gewissen T. Gl(audius) Maximus CIL III weder zur Provinz Dalmatia oder zu Moesia supe- 

2766 b (p. 1035) = 8369 (nr. 12748 p. 2256) ge- rior. Zwei andore in Rogatica gefundene Inschrif- 



25 Comberania Diades 26 

ten auf Altarfragmenten (OIL IE 8366. 8368 = um eiEen Liebesaauber handelt, beziehen sich die 

12747) machen uns mit anderen Wiirdentragern Dardaniae artes des Colum. X 358 auf den Um- 

der Colonie bekanut, mit ednem (duo)vir bzw. gang einer menstruierenden Frau nm den Acker 

einem (duo)vir [q(uin]q(ennalis); beide Altarfrag- zum Zweck der Vertilgung des XJnkraute.s: das 

niente beweisen das Vorhand-ensein ednes groBeren ist alter Volksglaube, der nicht eigentlich zur 

luppiterheiligtums in R. (Patsch 183, ebd. ,Magie* gehort (z. B. Plin. n. h. VII 64. Damask. 

XII 160). [Max Fluss.] Vit. Isid. 52. PI oB -B artels Das Weib P 

Comberania, ein nur inschriftlich erwahnter 275, We 1 1 m a n n 1928, 23f .). Uber Steinzauber 

Bach bei Genua, in der Sententia Minuciorum hat er gehandelt, wenn Wellmann mit Recht 

Tom J. 177 V. Chr. (OIL Y 7749, 7f.). tTber den 10 in Lapid. greos 169, 18 M41y D. fiir Dareios ein- 

Namen s. Bd. XIII S. 527, 64. [v. Geisau.] setzt; ais Autoritat ftir Pflanzennamen zitiert ihn 

S. 1310, 34ff. zum Art. Cornelius: Ps.-Apul. herb. 16 (51, 8 How.). 19 (57, 25 H.), 

145) Ser. Cornelius Dolabella Metilianus, Con- vgl. die adnot. crit. zu 37, 10. Ob ihn Bolos sehon 

sul suffectus im J. 113 n. Chr. (. . Cornelius benutzen konnte, erseheint mir nicht so sicher 

Dolabella) fasti Ostienses. Calza Not. d. seavi wie Wellmann Abh. Akad. Berl. 1921, 15. 

1932, 188ff. 1928, 12. 14. Die Uberlieferung der Pliniusstelle 

236) P. Cornelius Lentulus Scipio, wohl P. n. h. XXX 9 Democritus ApoUobechen Goptiten 

Cornelius Seip., Praetor im J. 15 n. Chr. CIL et Dardanum e Phoenice inlustravit voluminibus 

VI 37836 = Dess. 9349. Dardani in sepulcrum mus petitis (man erwartet 

279) A. Cornelius Palma Frontonianus. Der 20 e s-ro e. petitis oder in s-cro e. repertis), suis 

vollstandige Name BGU VII 1691. vero ex disciplina eorum editis sucht W ti n s c h 

279 a) Cn. Cornelius Paternus, Consul des Arch. f. Rel. XIV 319 nicht tiberzeugend zu ver- 

J. 233 n. Chr. mit L. Valerius Maximus. Militar- teiidigen; besser Weidlich Sympathie in dter 

diplom Ann. 6pigr. 1914 nr. 259. ant. Lit. (Stuttg. 1894) 26. [W. KroU.] 

296) L. Cornelius Pusis Annius Messala. g. 2222, 61 zum Art. Dasumius : 

Der vollstandige Name in einer Ehreninschrift la) P. Dasumius Rusticus, Consul ordinarius 

aus Tibur, Mancini Not. d. seavi 1914, 101, imJ. 119 mit Kaiser Hadrian (cos. III). Inschrift 

der zugleich zu entnehmen ist, dafi er consul, aus Stobi Sari a Osterr. Jahresh. XXVI 68ff. 

Vllvir epulonum und Proconsul war. Vgl. iiber [Groag.] 

ihn C i c h r i u s RQm. Studien 402ff. [Groag.] 30 S 2517, 8 zum Art. Delphion: 

S. 1673, 3 zum Art. Cossonius: 3) AeX(ptov oqos findet sich nur in der pseudo- 

3a) L. Cossonius Gallus, Legat (von Galatien), aristotelischen Schrift jieqI axo'va. c. 104 ge- 

Gemahl der Clodia latrina Ramsay Journ. rom. nannt, die von ihm folgendes berichtet: Uystai . . . 

stud. XVI 214; wohl der Bd. I S. 2268 Nr. 51 f^ista^v tfjg MevxoQiHfjg Tcal trjg loxQiavrfq oQog 

behandelte . . . nius Gallus. [Groag.] ti elvai to piaXovf^svov Ae'k<piov sxov Xotpov vtprj- 

S. 1867, 6 zum Art. Curtius: X6v ' ml tovtov x6v X6<pov orav dva^alvcooiv ol 

18) C. Curtius lustus. Consul suffectus mit MsvtoQsg ol knl xfj 'Ad^la olHovvxeg, anod'eoyQov' 

P. lulius Nauto anscheinend im J. 156. Hiittl oiv, (hg eoins, ta sig xov Uovtov donXsovxa nXola. 

Antoninus Pius II 186. [Groag.] Die Fernsicht, die man vom mons Dolphius ge- 

S. 1895, 62 zum Art. Cuspius: 40nieBt, beruht auf der im Altertum vielfach ver- 

3) L. Cuspius Pactumeius Rufinus. Vgl. Hep- breiteten Vorstellung der Verbindung der Adria 

ding Phil. LXXXVIII 90ff. Wiegand Abh. mit dem Schwarzen Meere (vgl.Bd.IV S. 2120). 

Akad. Berl., phil.-hist. Kl. 1932, 5, 28. [Groag.] Diesen Berg, ohne ihn mit Namen zu nennen, 

S. 2180, 28 zum Art. Dardanos: hat offenbar auch im Auge Theopomp. bei Strab. 

D. hat in den Regionen der aberglaubischen VII 317 bei den Worten to ajuq^co jiatonxsvEod-aL 

Literatur eine erheibliche RoUe gespielt. Er er- ra nsXdyrj oltio xivog oQovg, gegen dessen Ansicht 

scheint als judischer Weiser, der von Salomon an sich Strab. a. 0. ablehnend verhalt (&s6nofyijiog ov 

Weisheit iibertroffen wurde, als Sohn des He- niaxd Xsysi). Welcher Berg von heute mit dem 

maon neben seinen Briidern Athanos, Haimanos mons Delphius gemeint ist, entzieht sich unserer 
und Chalkeos bei Jos. ant. VHI 43; das beruht 50 Kenntnis ; nach der in der pseudoaristotelischen 

auf Reg. HI 4, 27, wo aber der Name D. nicht Schrift angegebenen Lagebestimmung kOnnte 

eindeutig tiberliefert ist (hebr. Darda% griieeh. man an den Monte maggiore denken. Toma- 

AttQada [AaQaXa] oder Aagdas nach Auskunft schek Ztschr. f. ost. Gymn. 1874, 646 sieht in 

von A. Schulz). Ein ^Itpog AaQddvov steht der Namensform A€Xq?iov oQog eine Konjektur 

im groi^en Pariser Zauberpapyros 1719ff. (lUp. eines Emendators oder Abschreibers fiir ein vor- 

gr. miag. I 126 Pr.; dort weitere Literatur); gefundenes 'Mq)iov (= !JiA/?«oy) oQog (vgl. Bd. I 

unter beriihrnten Zauberern nennt ihn neben S. 1316); in diesem Falle ware das Zl. o. mit der 

Mosies, loannes, ApoUobex, Zoroaster, Ostanes heutigen Kapella und dem Kiistenzuge des Ve- 

Apul. apol. 90 E. (vgl. A b t RRV IV 324 mit lebit zu identifizieren. [Max Fluss.] 
reichen Nachweisen). Wahrend es sich beim ilq?og 60 



Zum flinften Bande. 

S. 305, 17 zum Art. Diades Nr. 2; ^£t' A.Xs^dvdQ>ov rov Paodiog Tvqov >cal rag Xot- 

D. erseheint in den Laterculi Alexandrini (ed. :n;dg noXsig tioXloqkwv. Danach hat er bei der be- 

Diels Abh. Akad. Berl. 1904) col. 8, 12 als 6 ruhmten Belagerung von Tyros (o.Bd, I S. 1422) 



27 Dillius Dioskoros 28 

eine entschedidende Rolle gespielt, von der die Auch Vulgarismen (xsiQav, Ttlficotiv) treten anf . 

Historiker schweigen. Diels Antike Technik 30. Den grOBten Teil seiner poetisclien Produktion 

[W. Kroll.] bilden die kyx(biA,ia, tells bC ijtoov tells di' idfA,p(ov, 

S. 643, 34 zum Art. Dillius: haufig mit Akrostichis, auf hochgestellte Personen 

1) C. Dillius Aponianus. Sein Cursus honorum wie den jeweiligen Dux der Thebais, sogar auf 

in einer unvollstandigen Inschrift aus Cordoba, den Kaiser lustin II. (Pap. Cairo Cat. 67183); der 

wohl seiner Heimatstadt W i c k e r t S.-Ber. Akad. praktische Zweck offenbart sich nicht selten uii- 

Berl., phil.-bist. Kl. 1931, 831. [Groag] verhiillt in der Bitte um Unterstiitzung. Dazu 

S. 1049, 17 zum Art. Diophanes: kommen Hoclizeitsgediclite. Seltener werden my- 

D. ist von groBter Beideutung fiir die Verbrei- 10 thologische Tbemen behandelt, und zwar in der 

tung der Lehren des Mago (o. Bd. XIV S. 506), da Form der Ethopoiie (Achilleus und Polyxena, 

seine Epitome die ausfiilirlichere des Ctosius Ddo- ApoUon mit Hyakinthos und Daphne). Die Hexa- 

nysius (o. Bd. Ill S. 1722) bald verdrangte; es meter offenbaren ihre ZugebOrigkeit zur Schule 

scheint, dafi Vaxro und Hygin die letzten waren, des Nonnos nur noeh in zahlreicben Entlehnungen 

die diese benutzten, waliend Celsus nur noch aus dessen Dionysiaka. Auch die Metabole des- 

den D. einsah (W e 1 1 m a n n Abh. Akad. Berl. selben Dichters bat D. gekannt, vielleicht auch 

1921, 25, der aus Ps.-Plut. de nobil. 20 VII 269 ClaudiansGigantomachieundApoUinaris'Psalmen- 

Bem, schMeBen will, das Buch sei doxographisch Metaphrase (vgl. Pap. Cairo Cat. 67 185 Verso 18 

angelegt gewesen). "Dber die Benutzung bei Viaarro mit Apoll. 73, 43 u. a.). Wichtig als Vorbild ist 
s. Hempel De Varronis auctoribus (Lpz. 1908) 20 Pap. Plor. II 114, ein Lobgedicht auf einen Dux 

und Waehler De Varronis fontibus (Jena der Thebais (aus KoUuthos' iyjicof^ia 8t' sncbv ?) j 

1912) 77. Es muB auch mit der Benutzung des das Motiv von IV 11 dieses Gedichts hat D. Pap. 

D. durch Vergil fiir die Georgica gerechnet wer- Cairo Cat. 67 187, 1 mit Anlehnung im Wortlaut 

den; g. Kroll Stud, zum Verstandn. 193. 195. iibernommen. Auch Alttestamentliches mengt sich 

[W. Kroll.] ein (die Zeder Milne Catal. lit. pap. 98 II 9, die 

S. 1087, 17 zum Art. Dioskoros: Arche Pap. Cairo Cat. 67183 Verso 8). Das ysvog 

7) Anwalt (oxolaoxiHog) und Gelegenheits- der iambischen Lobgedichte war in Agypten ver- 
dichter, aus Aphrodite {!A(pQo8lr7jg oico/^rj) in Ober- treten durch Andronikos von Hermupolis und 
agypten, etwa 520 bis kurz nach 585. D., Sohn Kyros von Antaiupolis (Phot. bibl. 536, 8ff. B.), 
des ApoUos, Enkel des D., Urenkel des Psimano- 30 den man mit dem Kyros, yqafjiimxiKog und De- 
bet, war Kopte nach Herkunft und Muttersprache ; curio von Antaiupolis, identifizieren darf, an 
von ihm geschriebene koptische Urkunden sind den bzw. an dessen Erben der Vater des D. 
mehrere erhalten (z. B. Pap. Lend. V 1709), eben- und er selbst Pacht zu zahlen hatte (Pap. 
soeingriechisch-koptischesGlossar(hrsg.vonBell Cairo Cat. 67134. 67135. 67326. 67327). Be- 
und Crum Aegyptus VI 1925, 177ff.). Er gehOrte senders an den letzteren wird D. angekntipft 
zu den Grundbesitzern (mrjtoQeg) seiner Heimat- haben. Seine unmetrischen lamben, die haufig, 
stadt, hatte das Amt eines jiQCDxoTtcoiJLrjXYjg von aber keineswegs immer die vorletzte Silbe 
seinem Vater ererbt und war Procurator des betonen, weisen Eeminiszenzen an die TragOdie, 
Klosters Apa Apollos. Eine Eeise ftihrte ihn die alte Komodie (Cronert Gnomon II 660) 
551 bis nach Konstantinopel (Pap. Cairo Cat. 40 und Menander (v. Wilamowitz S.-Ber. Akad. 
67032). Infolge eines Konfliktes mit dem Pagar- Berl. 1916, ^Q, 1) auf. Auch an Anakreonteen 
chen von Antaiupolis verier er einen Teil seiner hat sich D. versucht (Pap. Cairo Cat. 67097), 
Besitzungen, muBte Aphrodito verlassen und be- auch hierin die literarischen Bestrebungen seiner 
gab sich nach Antinoupolis, wo es ihm gelang, Zeit widerspiegelnd. Der prosaischen Stiliibung 
die Stellung eines Notars zu erhalten. Sein Auf- diente ein diTjyrjfjLa dno^crjQv^ecDg (ebd.). Be- 
enthalt ist hier fiir 566 bezeugt (Pap. Cairo Cat. zeichnend ist, daB D. sich nicht nur ein iso- 
67161). Vor dem Herbst 573 (Bell Aegyptus VI psephes Gebet an den Heiligen Senas (Pap. Cairo 
178) kehrte er in seine Vaterstadt zurtick und Cat. 67024), sondern auch eine Zauberformel auf- 
lebte dort wieder als angesehener Burger. Die geschrieben hat (Pap. Cairo Cat. 67 188. Griech. 
letzten datierten Urkunden aus seinem Besitz sind 50 Zauberpap. II P 13a). 

vom J. 585 (Pap. Cairo Cat. 67111 und 67325); Die Gedichte des D. sind an folgenden Stellen 

bald danach muB er gestorben sein. — D. hat publiziert: 1. Die Berliner Stiicke von Schubart 

sich bemiiht, sich die Bildung anzueignen, die und v. Wilamowitz Berl. Klassikertexte V 

eine agyptische Kleinstadt zu seiner Zeit ver- (1907), XI nr. 3 (auf den Dux der Thebais Jo- 

mitteln konnte; er hat mancherlei gelesen; die hannes; J. MasperoByz. Ztschr. XIX1910, Iff.); 

Cairener Papyri des Menander und des Eupolis auch nr. 2 auf einen unbekannten Dux der The- 

stammen hochstwahrscheinlich aus seinem Besitz bais wird D. gehOren. 2. Die Cairener von 



(v. Wilamowitz S.-Ber. Akad. Berl. 1916, QQ, 1). J. Mas per o Papyrus grecs d'^poque byzantine 

Seine eigenen poetischen Versuche, die er nicht Bd. 1—3, 1911—1916 nr. 67055. 67097. 67120. 
publizierte und die nur als Konzepte mit zahl- 60 67131. 67177—67188. 67279. 67315—67318; 

reichen Varianten erhalten sind, sind das letzte mit franzOs. tJbersetzung von J. Maspero Eev. 

Erzeugnis der agyptischen Dichterschule. Ist schon dt. gr. XXIV 1911, 426ff. 3. Die Londoner von 

an Kolluthos zu bemerken, wie die Herrschaft H. J. M. Milne Catalogue of the lit. Papyri in 

iiber die gelehrte Dichtersprache zu schwinden the Brit. Mus., Lend. 1927, nr. 98—101 ; einige 

beginnt, so herrscht hier vGlliger Verfall von davon in italienischer tJbersetzung bei C alder in i 

Metrik, Grammatik und Gedankenfolge ; bisweilen Aegyptus II 1921, 149ff. — Fiir das Leben des 

verwechselt der Dichter auch die Vokabeln (z. B. D. grundlegend J. Maspero Eev. ^t. gr. XXIV 

lJiOQ(pYi mit 6iA(prj Pap. Cairo Cat. 67183 Verso 9). 426ff. Ferner H. I. Bell Greek Papyri in the Brit. 



29 Donuca Egrilius 30 

Mus. Y, Lond. 1917, Introduction. W. Scliii- (Liv. XL 22, 7). Die Schilderung dieses touristischen 

bart Einfiihr. in die Papyruskunde 145ff. L. Unternehmens durch Liv. XL 22, 4ff. (nebenbei be- 

Wenger Volk n. Staat in Agypten (Miinchen merkt eines der wenigen Beispiele dieser Art 

1922) 32. CrOnert Gnomon II 1926, 654ff. aas dem Altertum) gibt Einblick in die Natur 

[KeydelL] des Berges: modieus primo labor in imis colli- 

Donuca heifit bei Liv. XL 58, 2 ein Berg bus fuit. Quantum in altitudinem egrediebantur, 

ingentis altitudinis, zweifellos (N i e s e Griech. magis magisque silvestria et pleraque invia loca 

und mak. Staaten III 100, 6, Oberhummer excipiebant; pervenere deinde in tarn opaeum 

Bd. Ill A S. 567 Art. Scorn i us) mit dem iter, ut prae densitate arborum immissorumque 
von Polyb. XXXIV 10, 15 bei Strab. IV 208 10 aliorum in alios ramorum perspiei caelum vix 

genannten Aovva^ (s. d.) identisch. posset. TJt vero iugis appropinquahant, quod 

[Max Eluss.] rarum in altis locis est, adeo omnia contecta 

Drosica {Aqooi^c^), thrakische Strategic, ge- nebula, ut haud seeus quam noeturno itinera 

nannt von Ptolem. Ill 11, 6 unter den Strategien impedirentur. Der D. ist hochstwahrscheinlich 

in der Nahe Makedoniens nnd des Agaischen das heutige Eilogebirge (so K i e p e r t FOA XVI, 

Meeres, und zwar zwischen den Strategien Mai- XVII Text 1, 6. Niese III 100, 6. Sehmsdorf 

biKYi und KoilrixiHYi (s. Bd. XI S. 1049. XIV a. 0. Kazarow 931f; ders. Klio VI 169,7. 

5. 541). R. Kie pert FOA XVI verzeichnet die- Oberhummer a. 0. Patsch S.-Ber. Akad. 
selbe in der Rhodope ostlich vom mittleren Lauf Wien 214. Bd. 1. Abh. 12f; anders Jirecek 
des Nestos. M u 1 1 e r Ptolem. Ill 11, 6 vermutet, 20 D. Fiirstentum Bulgarien 374 und Tomasehek 
dafi D. das Gebiet der Drooi (s. o. Bd. V S. 1720. D. alten Thraker II 2, 89, die den D. mit der 
Kahrstedt GGN 1931, 186) umfaBte. To ma- Vitosa identifizieren), und nocb heute flihrt der 
schek Thraker I 69 erschliefit aus dem Namen siidostliche Teil dieses Gebirgsstockes am linken 
D. einen thrakischen Stamm Aqoooi, VgL Kalo- Ufer des Flusses Rila denNamenDumawa(Kaza- 
pothakes De Thracia Prov. Romana 19. row 931. Ischirkoff Oro- und Hydrographie 

[G. Kazarow.] v. Bulgarien 37). Die Schilderung, die Aristot. 

Dunax (Polyb. XXXIV 10, 15 bei Strab. IV metaph. I 13, 24ff. vom Skombros (der heufcigen 

208 Aovva^, bei Liv. XL 58, 2 montem . . . Do- Vitoscha) entwirft, paBt besser auf den D. (0 b e r- 

nucam wahrscheinlich verschrieben ftir Dunaea, hummer), wie denn auch die Quellen der drei 

vgl. Niese Griech. und mak. Staaten III 100, 30 von ihm genannten Fltisse Strymon, Nestos und 

6. Oberhummer Bd. Ill A S. 567), ein Berg Hebros auf der Rilo planina zu suchen sind, auf 
in Thrakien. der auch der Oescus entspringt. Mit Recht nimmt 

Im Kriege der Thraker mit den Bastarnern P a t s c h 13 an, dafi Thuk. II 96, 4 mit den 

nach dem Tode Philipps V. von Macedonien Worten eQrjfj,ov xo oQog koX [xeya, ky,6[A,svov xfjg 

spielte der D. sine Rolle; er wird namlich un- TodojzTjg, den er als Quellgebiet des Oescus, 

ter den Bergen genannt, auf die sich die Thra- Nestos und Hebros bezeichnet, den D. im Auge 

ker vor ihren Gegnern zuriickgezogen haben; ein gehabt habe. [Max Fluss.] 

Angriff auf sie daselbst miBlang, da die Bastar- Ebraittos {'TJ^Qaixxos Herod, synecd. 636, 8) 

ner bei einem furchtbaren Unwetter durch einen ist mit dem in den Quellen vielfach verschieden 
Schneesturm auf den Bergen zuriickgetrieben 40 geschriebenen Abrytus (Bd. I S. 116) identisch. 
wurden, so da6 sie praeeipiti fuga per rupes [Max Fluss.] 

praealtas improvidi st&rnerentur ruerentque (Liv. Ecritusirus. Der Name dieses KOnigs ist 

XL 58. Niese III lOOf. Sehmsdorf D. Ger- uns allein durch eine silberne Munze bekannt, 

manen in den Balkanlandern bis zum Auftreten die am Mallnitzer Tauern im J. 1904 gefunden 

der Goten 12). Polybios zahlt den D. neben Hae- (Kenner Mitteil. d. Zentralkomm. IV, 1905, 159ffj, 

mus und Rhodope mit Recht zu den oqtj /neyi- die Legende Gaesatorix re[x] Eeritusiri reg(is) 

oxa . . . sv xfj ©q4?c7j; auch Liv. XL 58, 2 be- fil(ius) tmgt, K u b i t s c h e k (Osterr. Jahresh. IX, 

zeichnet ihn als einen Berg ingentis altitudinis; 1906, 73ff.) sieht ihn aus sprachlichen und miinz- 

daher ist es nicht mOglich, die Angabe des Polyb. stilistischen Griinden fiir eine Person mit dem 
XXXIV 10, 16 xovxcov [A.ev sKaoxov jliixqov dslv 50 aus den Kampfen mit den Dakern bekannten 

avd'TjfxeQov svCcovoig dva^fjvai, av'dTjf^sQov Ss xat KOnige der Boier Critasirus (Strab. VII 304. 313; 

neQiehd-slv auf den D. zu beziehen und schon vgl. auch Pat sch S.-Ber. Akad. Wien phil.-hist. 

gar nicht, wenn bei dem Gipfel, den Philipp Kl. 214.Bd. l.Abh. 44,5) an (vgl.Art. Z^«raa«^o?). 
V. von Makedonien auf seinem Zuge gegen die [Max Fluss.] 

Maeder im J. 181 v. Chr. zur Zeit der Hundstage S. 1387, 27 zum Art. Eggius: 

bestieg (Liv. XL 22), an den D. gedacht werden 3a) [L.] Eggius MaruUus, Consul suffectus 

soUte (so Niese III 29,4, auch Kazarow im J. Ill mit T. Avidius Quietus fasti Ostienses 

Woch. f. kl. Philol. XXII (1905) 932, anders zu- Calza Not. d.scav. 1932, 188ff. [Groag.] 

letzt Lenk Bd. XIV S. 541, der sich der all- S. 2011,24 zum Art. Egrilius: 

gemeinen Ansicht, diesen Gipfel mit dem mons 60 4) M. Acilius Prisons Egrilius Plarianus. Vgl. 

Scomius zu identifizieren, anschlieBt; denn der tiber ihn und die anderen Egrilier Wickert 

Gipfel wurde tertio demum die (Liv. XL 22, 6) S.-Ber. Akad. Berl. phil.-hist. Kl. 1928, 61fl'. 
erreicht und auch der Abstieg erforderte zwei Tage [Groag.] 



81 Erdmessung Erdmessung 32 



Znm sechsten Bande. 

Erdmessung (avafietQrjoig, dimensuratio). konne, aber nicht miisse, weiten Spielraum 

Inhalt: 1. Die frtihen Anfange der Lehre lassen, und unsere neuen Beweismittel nicht heran- 

von der Kugelgestalt der Erde. Aristoteles, Arist- gezogen werden konnten. Indes haben viele Mo- 

archos. 2. Archimedes, Dikaiarchos. 3. Eratosthe- mente sinnfaliig auf die Annahme der Kugelge- 

nes. 4. Hipparehos. 5. Poseidonios. 6. Ptole- stalt hingefiihrt: in erster Linie die tagtaglich 

maios. 7. Kosmas Indopleustes. 8. Arabisohe E. an den Hinmiel geschriebenen Enndungen der 

dureh Al Manmn. Sonne und des Mondes nnd der Erdsehatten bei 

Dies ist ein von Modernen oft nnd znm Teil Mondfinsternissen ; die Geitendmachung und zeit- 

mit Leidenschaft behandelter Stoff. Es will aber liche Abfolge vieler anderer Beweismittel sind 
dem Unterzeichneten bediinken, da6 er bisher 10 heute noch nicht sichergestellt und werden viel- 

weder gleichmafiig noch auch ausreichend unter- leicht auch in Zukunft nicht klargestellt werden 

sucht worden ist. Da6 auch dieser im letzten kCnnen ; sie brauchen auch keine ErOrterung in 

Augenblick zugesagte und unter erheblichen diesem unserem Zusammenhang. Eine einzige 

Schwierigkeiten ausgeflihrte Nachtrag nicht das Hauptstelle sei hieftir besonders angefiihrt: Ari- 

zu leisten vermag, was der Stoff verlangt, weifi stoteles mQi ovQavov 11 13,1 p. 293 a: aXXa 

der Verfasser. ludes scheint es ihm, dafi seine tcov nXeiaxcov im rod fiioov xeto'&ai Xeyovxcov, oooi 

Darstellung einer Neubehandlung wenigstens den z6v bXov ovQav6v szejieQaofAsvov slvai q)aaiv, ivav- 

Weg vorbereiten kann. Vor allem sei auch be- rlcog oi nsQl trjv Itaklav, nakoviiEvoi be Uv&ayo- 

merkt, dafi die Fragen der olxovf^ivr] sich besser Qeioif Uyovoiv snl /nkv yaQ tov fjieoov nvQ slvai 
abtrennen lassen und unter diesem Schlagworte 20 q)aoij rrjv 6s yfjv sv tcov aotQcov o^oav xvxXcp 

zu erOrtern sein werden. (patvo/Ltsvrjv nsQl to ixsaov vvKta ts xat 'rjfjiSQav 

§ 1. Allem Anschein nach ist tiberhaupt zum noisiv. stt d'ivavtlav akXr}v ravtf]v TiaraoxsvaCovai 

erstenmal auf griechischem Kulturboden eine im yfjv fjv avtix'&ova ovofia pcaXovoiv, ov jtQog ta 

wesentlichen richtige Auffassung der Grundziige q?aiv6fytsva tovg Xoyovg xal tag altiag ^rjtovvteg, 

der astronomischen Geographic zur Geltung ge- aXXa nQog tivag do^ag xai Xoyovg avtcbv ta q)ai' 

bracht worden. Anfang und Ansporn mOgen, wie vofAsva jtQoosXxovtsg, nal nsiQcbiJisvoi ovypioo/j,siv == 

vielfach angenommen worden ist, aus dem frtiher (nach der tJbers. Prantl), ,wahrend die meisten, 

und energischer zivilisierten Osten, vor allem aus namlich alle diejenigen, welche das ganze Himmels- 

dem Zweistromland und Aegypten gekommen sein ; gebaude als ein Begrenztes bezeichnen, sagen, daB 
vgl. Boll Bd. VI S. 2337ff. Aber wir besitzen 30 sie in der Mitte sich befinde, sprechen die Philo- 

anscheinend bisher wenigstens flir die -Kugelge- sophen in Italien, namlich die sog. Pythagoraeer, 

stalt der HimmelskOrper und also auch der Erde, in entgegengesetzter Weise ; denn diese behaupten, 

sowie fiir die Ereisbahnen der Gestirne, kein strikt im Mittelpunkte sei Feuer ; die Erde aber, welche 

bejahendes Zeugnis und sind daher nicht in der selbst eines der Gestirne sei, werde im Kreise um 

Lage Einwirkungen aus dem Osten als fiir den ge- den Mittelpunkt bewegt und bewirke hiedurch 

waltigen und zur Bewunderung zwingenden Auf- Tag und Nacht. Ferner aber konstruieren sie auch 

schwung dieser Kapitel bei den Pythagoraeern eine zweite, der ersten entgegengesetzte Erde, 

bestimmend anzusehen. Aber auch hier sind die welche sie mit dem Worte ,Gegenerde' bezeichnen, 

Entwicklungsstadien vorlaufig keineswegs klar indem sie dabei nicht im Hinblick auf die fakti- 
und aufier Streit. Wir mtissen damit rechnen, dafi 40 sche Erscheinung die Begriindungen und die Ur- 

hochstens die gebildeten Kreise folgen konnten, sachen suchen, sondern im Hinblick auf gewisse 

und, was damit nicht gleichbedeutend ist, folgen Begriindungen und eigene Meinungen die faktische 

wollten, und dafi noch in Metons Zeit Aristophanes Erscheinung herbeizwangen und das Weltall zu 

auf den Beifall des Theaters rechnen durfte, wenn ordnen versuchen.* 

er (vgl. Kubitschek Bd. XV S. 1399f.) in Der Wahrheit von der Kugellehre vermochten, 

den VOgeln 995ff. diesen Astronomen verspottete so wenig auf dem Weg bis Platon und Aristoteles 

und zum Schlufi seiner Worte noch durch das Zweifel und Spott samt Phantasterei ihr etwas 

Bekenntnis persifflierte do'd'co (AstQYjom xavovi nQoa- ernstlich anhaben konnten, spaterhin andere 

tid'sig, Iva 6 avTiXog ysvfjtal ooi rstQaycovog, nav Schwierigkeiten sich entgegenzustellen. Im Gegen- 
lAsoc^ dyoQdj (psQovoai 8'Sotv slg avtrjv odoi oQd'al 50 teil breitet sie sich aus und wird wirtschaftlich 

TiQog m)t6 to [isoovy monsQ S'dotsQog, avzov TivxXo- fruchtbarer. Ja, Ari starches von Samos hat zu 

tsQov ovtog^ oQ'&al navtaxfi oLKtlvsg dnoXduTtoyoiv, Anfang des 3. Jhdts. auch schon den Kopernika- 

Erst von Aristoteles ab haben wir entschie- nischen Lehrsatz vorweg genommen und den geo- 

denes Bekenntnis zur Kugelgestalt und wahre zentrischen Standpunkt aufge^eben, ohne indes 

Anerkennung der pythagoraeischen Verdienste um durehzudringon (o. Bd. II S. 875). Er hat die Sonne 

sie (Hugo Berger Gesch. wiss. Erdkunde der als Mittelpunkt unseres irdischen Systems prokla- 

Griechen2 171iF.; vgl. Gercke Bd. II S. 1045), miert und ein neues Lehrprogramm auf gesteUt :7r£^t 

obwohl wie H. Wagner Lehrbuch der Geographic ixsysd'cov nal dnootrjfjLdxoyv rjXiov nal osXrjvrjg. 

110 99 betont, ,die meisten der angefiihrten Dieses Schriftchen ist uns erhalten, weil der Lehr- 
Beobachtungen in Wahrheit nicht zu grob sinn-60 bedarf der hoherenalexandrinischenSchulenftirden 

lichen Beweisen sich erheben' und .,der Schlufi- Mathematiker und fArjxaviHog ihre Aufnahme in 

folgerungS dafi sich die Sache so verhalten das Corpus astronomischer Traktate ratlich hat er- 



38 Erdmessung Erdmessung 34 

scheinen lassen. So gehorte sie fortab in den fxixQog verstEndlich ihr feindselig gesinnten Thrakern 

aotQovofiog (oder dozQovojuovjusvog, namlich to- zerstOrt und erst wieder nach 200 durch Antio- 

Ttog) zusammen mit der ,groBen* Syntaxis des chos III. neu anfgebant worden. Also blieben nur 

Klaudios Ptplemaios, des sog. Geograpben ; so ist die J. 309 — 281 fur das Experiment mit dem 

dieses Bild der Vorstellung vom Weltall auf uns Erdvermessen librig, da sonst Eratosthenes nicht 

gekommen, anscheinend. niclit in seiner altesten mit seinem Ergebnis hatte rivalisieren kOnnen. 

Gestalt, vgl. Hultsch Bd, II S. 874 und J. L. Hei- DaB aber die hier vermutete Zerst(Jning der Stadt 

berg Gesch. der Mathematik und Naturwiss. bloB anf einem Versehen berubt, mag der aus- 

imAltert. Iw. Mtillers Handb. V 1. 2,43. 52f. fiibrliche Artikel von J. Weiss (Bd. XIII 
(iiber Ansgaben ebd. 53, 3) ; es bringt die Be- 10 S. 2555) zeigen. Damit fallt freilich eine nicbt 

recbnung der Lange des Sonnenjabres, GrCBe und gar so unwesentliche Stiitze fiir die Verkntipfung 

Entfernung dex Sonne und des Mondes von der Dikaiarcbs mit der angeblichen E. von Lysimacbeia 

Erde und andere Grundlehren in z. T. grundle- fort. Mir scbeint das erbebliche Moment fiir das 

gender und vorbildlicber Ausfilbrung. Freilich ge- VerstMndnis der Stelle des Archimedes, daB dieser 

Mhrt ihm nieht obne iveiteres der Bubm des woM von dem 300000 Stadien-Ansatz des Di- 

Nachfolgers eines Porschers oder einer bedeuten- kaiarchos sprecben soil, nicht aber auch yon dem 

den Schule ; vielleicht nur das Verdienst eines Ansatz des Eratosthenes. Der Meridian durch Ly- 

Exzerptors oder Wiederholeris bekannter und in simacheia und Syene betragt, gemessen an den 

Schulkreisen (jfter wiederholter S§.tze. Sternen im Zenith dieser beiden Ortlichkeiten, 

Mit dem Lehrsatz von der Erde, tiber den 20 Brachenkopf und Krebs, 1/15 (p- '78 Z. 10) des 

mehr hier zu sagen nicht Platz ist und ftir Zodiakalkreises. Aber man verfolge das gesamte 

den ich im txbrigen auf Berger und auf Hei- Kapitel und urteile, inwiefern von einer E. zu 

berg 82ff. verweise, waren jedenfalls Vorbe- BOO 000 Stadien die Eede ist: , Ware unsere Erde 

dingungen fiir die Abmessungen auf der Erdkugel, eine flaehe Scheibe, so wiirde der maf^og einen 

Eeststellung ihres Burchmessers und der grQfiten Durchmesser von 100 000 Stadien haben, Denn 

Kreise, also auch ihres Umfanges, ihrer Zonen- die Einwohner von Lysimacbeia haben den Drachen- 

und Klimaeinteilung gegeben. kopf im Zenit, im Zenit der Landschaft von Syene 

Bestimmte Zahlen {odQi vielmehr, worauf be- sitzt der Krebs. Vom Meridian durch Lysimacbeia 

sonderes Gewicht zu legen ist, Annaherungswerte) und durch Syene fallt 1/^5 auf den Kreis-Teil {jis^i- 
erfahren wir fiir den Urafang durch Aristoteles 30 (psQsia) Yom Drachen zum Krebs, wie mit den 

nsQi ovqavov II 14 p. 298 a tcav fiad'riimtiKm Schattenweisern bewiesen wird. l/is des ganzen 

0001 to [xkysd'og avoXoyl^eod'ai ^iBiQwvxai tfjg utegi- xvKlog (Tierkreises) ist nabezu % (^s^Titov eyyt- 

<peQsiag, elg TettaQatcovta Xeyovaiv slvai fj,VQtadag ota) des ganzen Durchmessers (namlicb des Durch- 

otadlcov (altere Mathematiker, die die GrdBe des messers des Tierkreises). Setzen wir nun die Erde 

TJmfangs zu berechnen versuchen, haben die Zahl als Scheibe voraus und Ziehen wir Lotlinien yon 

von 400000 Stadien aufgestellt), wobei der Ton dem Umlauf der ;it€Qi<piQ€ia, dh vom Drachen 

wesentlich durch jiet^covtat bestimmt ist. zum Krebs zieht^ auf sie, so werden diese Linien 

§ 2. Zeitlich folgt Archimedes, der in seinem den Durchmesser treifen, welcher zum Meridian 

WafAfjiitr)g (Hultsch Bd. II S. 515ff., vgl. ebd. von Lysimacbeia und Syene gehSrt. Zwischen 
5B7f.) an KOnig Gelon, Sobn und Mitregenten Hie- 40 beiden Lotlinien liegen nun 20000 (das MaB wird 

rons II., Ausg. Heiberg II 220 schreibt: ttqo)' nicht genannt); denn von Syene nach Lysimacbeia 

zov fxh ray nsQ'mstQov tag ydg slfiev (hg t (ivQtd- sind 20 000 Stadien. Da nun die Distanz V5 <i®s 

da>v oxabiwv (3 Millionen Stadien) ^al /lit^ /nsl^ova, gesamten Burchmessers ausmacht, wird der 

xalszeQ tivcbv (liber diese tivhg s. u. Z. 58) jis- ganzeDurchmesser des Meridians 100000 betragen. 

miQaf^ivcov (also dieselbe Vorstellung und Be- Hat der noojuog einen Durchmesser von 100 000, 

zeichnung wie 0. Z. 32 im Aristoteles-Zitat) so wird er einen grOBten mvxlog von 300000 

wiobuHvvuvy Ha'd'cbg Hal tv naQaxoXovd>sig, eovoav haben.* Bis bieher ist alles in der Hauptsacbe 

avtav wg X fivqiabwv (300 ^0^) otadlcov iyo) d^vsisQ- verniinftig ; denn, wenn die Distanz der beiden 

paXloi^Bvog Hal d-elg ro {Asysd'og tag yag dsHautlaoiov Gestirne V15 des Kreises betragt, so muB der ganze 
tov vnd tcov sT^otiQco'y dsdo^ao^svov tav ^eQlfestQov ^0 Kreis 15 mal grOBer sein als jene Distanz, und 

avtag etfjisv c5? t ftvQiddo^v (8 Millionen) Gtadlcov nal da diese 20 000 Stadien ausmacht, 300 000 ; und 

/*^ /<es{C<J^. Bergerhatwiederholt, soErdk.2 370ft*., ferner niuB der Durchmesser wie gesagt 100 000 

t^^^^t:^llil^ttZ£S':Z^L ^«tra.en nach der gew«h„lichen Fennel D = § 

und den Nam en des Bi kaiarchos von Messene, wobei n wie gleicbfalls iiblich mit 3 gerechnet 

Schtilers und angeblichen Dissidenten dm Aristo- wird. 

teles (s. Martini 0. Bd. V S. 560) daran gekniipft. HSren wir weiter: ,Im Verhaltnis zu ihm (nam- 

BaB Archimedes 0. Z. 50, den Plural tivhg und lich dem xixkog) ist die Erde nur ein Punkt und hat 

ol TtQotsQoi fiir die einzige Person des Bikaiarchos 250000 (offensichtlich Stadien, und so muB auch mit 
verwendet haben soil, hat alierdings nichts auf 60 dem Nurnberger Codex otaUwv dazu gesetzt oder 

sich, da er ja auch einen oder mehrere seiner wenigstens gedacht werden. Benn man beachte, daB 

Schiller mitverstanden haben mag. Auch liegt die nicht benannten Zahlen dieses Abschnitts sich 

kein Anacbronismus vor, da Lysimacbeia, welches auf die den Landstrecken entsprechenden Einheiten 

in dem einzigen Bericht, den wir darixber haben, auf derHimmelskugelbeziehen!). Derunmittelbar 

bei Kleomedes I 8, genannt wird, durch Konig folgende Satz erinnert daran, daB die Sonne, 

Lysimachos um J. 309 gegriindet worden war, die doch vielmal grOBer als derErdkdrper ist, 

Alierdings ist sie nach Lysimachos' Tod (281) nur einen winzigen Platz auf dem Himmelszelt 

nach Berger von den umwohnenden und selbst- einnimmt, und also einen neuen Beweis fiir die 

Pauly-Wissowa-KroII Suppl. VI 2 



35 Erdmessung Erdmessung 36 

Eugelgestalt der Erde liefer t (p. 80.) Dann werden sein, wenn er in seiner Entstehungsgeschichte des 

im gleichen Abschnitt die Thesen einer scMssel- kartograpliischen Erdbildes des Klandios Ptole- 

formigen Grestalt der Erde, dann eines Wtirfels, niaios(= S.-Ber.Akad.Berl. 1930)228 meint: Da6 

einer Pyramide nsw. ad absurdnm gefiihrt. Wo er die Feststellung seiner terrestrischen Linie ,mit- 

bleibt also bei Kleomedes derNachweis einer E. tels geodatischer Methoden und Triangulation usw. 

von 300 000 Stadien, den selbst Heiberg 83 in gefunden habe, ist im Altertum nirgends bezeugt 

Bergers Sinn anznnebmen gewillt ist? und moderne Phantasie.* Die Annahme ist um so 

Nur, nm dieses Kapitel abzurunden, bemerke weniger bereehtigt, als die Notiz des Mart. Cap. 

icb, VI 598 Eratosthenes a Syene ad Meroen per 

a) dafi Lysimacheia und Syene nicht am nam- 10 mensores regios Ptolemaei certior de stadiorum 
lichen Meridian liegen, sondern um rund 6 ° von- numero redditus quotaque portio telluris esset 
einander entfernt; Ptoleraaios bietet fur Lysi- adsertus durchaua nicht unbedingt falsch oder 
macheia 54° 10', fiir Syene 62°Lange; miBverstanden sein muB, wie man gewchnlich 

b) es wird kaum mOglich sein, dafi Eratosthenes liest. Man findet verstandige Erwagung bei 
auch in diesem Punkte (gleichviel ob mit Eecht Nissen Rh. Mus. LVIII 238 und denke ferner 
oder nicht) als sehOpferisehes Genie seinen die an die Postreiter, iiber die uns der Papyrus 
E. im Prinzip rettenden Gedanken verwirklicht von Hibeh (Wilcken Grundz. 372ff.; Chresto- 
haben soil, wenn ihm die E. von Lysimacheia das mathie 435) liberraschende Kunde und RuckschluB 
wichtigste Element, das Zusammentreffen der auf die persische Einrichtung der kOniglichen 
Messung auf dem Himmel und auf dem Erdboden, 20 Schnellpost auch im Nilland gebracht hat. Die 
so vor der Nase weggeschnappt hatte. Postdirektion der Ptolemaeer hat Erathosthenes 

§ 3. Kleomedes (1 10) soil uns auch gleich zu gewiB alle einschlagigen Nachrichten (vielleicht 

Eratosthenes fiihren. ,tJber die Gr()Be des Erd- sogar bis Meroe, das allerdings bei Mart. Cap. nicht 

kOrpers haben die Naturf orscher ((pvoiHol) mehrere erst durch ein Versehen *) in den Text gelangt 

Meinungen geauBert. Wahrscheinlicher lauten die zu sein scheint, einhandigen konnen ; und diese 

des Poseidonios und des Eratosthenes ; letzterer Streckenlangen sind mir viel wahrscheinlicher als 

auf mathematischer Grundlage (dia yecofxstQiTcfjg der Umweg liber die jahrlichen Landvermessungen 

eq)6dov); jenes Beweisflihrung ist einfacher [dLnXov- des Ackerbodens, auf die man sonst hinweist, wenn 

otsQo). Beide beginnen mit Voraussetzungen und sie auch nicht mit MeBlatten.und MeBschniiren 
kommendurchFolgerungenausihhenzuBeweisen.' 30gewonnen worden waren. 

Aber Eratosthenes war vorangegangen und hatte Die Schrift, in der Eratosthenes, der erste, der 

die Methode angegeben, nach der auch andere das sich als Philologen bezeichnen lassen woUte, die 

namliche Thema kritisieren oder, wie die Musiker Ergebnisse seiner Erdmessung vorgetragen hat, 

sagen, variieren kSnnen; kritisiert hat den Be- mag, wie Knaack Bd. VI S. 364 referiert, in 

weis u. a. Hipparch, variiert u. a. Poseidonios. einer besonderen Publikation, die Heron Dioptrik 

Zu sagen, wie das gewChnlich geschieht, daB c. 35 (302 Sch) zitiert, ausgefiihrt haben, kv (xc^) 

Eratosthenes und nach ihm Poseidonios, oder imyQaq?of4,svcp nsQl tfjg avafjietQrioecog xfjg yfjg, die 

auch nach diesen noch Marines und Ptolemaios dann also nicht ein Teil seiner TEoayQacpiKa ge- 

die Erde vermessen hatten, geht nicht an. EratO' wesen ware, wie friiher angenommen worden ist; 
sthenes hat das Beweismaterial zusammengetragen 40 vgl. auch Berger2 407, der eine solche Sachlage 

und eine einleuchtende Bechnungsmethode gelie- vorausgesehen hat. Das waren also die lihri di- 

fert; natiirlich nur in Annaherungswerten. Aber mensionum, von denen Macrobius Somn. Scip. I 

wie kommen wir Moderne dazu, genaue Rechnung 20, 9 spricht. Ihren Inhalt skizziert Galenus Eioa- 

zu erwarten? Waren alle Umstande den Antiken ycoyrj diaXsTttiHri c. 12 p. 26f. Kalbfl.; aber ich 

bekannt wie z. B. die Abplattung der Erdkugel gebe ihn lieber und kiirzer mit Nissens 

an den Polen? Waren ihre Beobachtungsinstru- Worten wieder (232) : ,Die GroBe des Aequators, 

menteverlaBlich? KonntenihreLandmaBebefriedi- den Abstand der Wende- und Polar kreise, die 

gen? A. Sprenger hat in seiner alten Geographie Ausdehnung der Polarzone, GrOBe und Entfernung 

Arabiens (1875) dartiber gespottet, daB ,Erato- von Sonne und Mond, totale und partielle Ver- 
sthenes von den wichtigsten Orten am Meridian 50 finsterungen dieser HimmelskCrper, Wechsel der 

von Syene berichte, wie viele Stadien sie vom Tageslange nach den verschiedenen Breiten und 

Aequator entfernt sind, als ware er mit der Jahreszeiten, kurz und gut was wir astronomische 

Mefikette langs desselben auf- und niederspaziert, oder mathematische Astronomie nennen.* Diese 

und Ptolemaios, Buch 8, gebe von den vorzug- Arbeit wurde als wissenschaftliche Leistung ersteu 

lichsten Stationen an, wie viele Stunden die Sonne Grades gewertet, und Plin. n. h. II 247 versteigt 

friiher oder spater als in Alexandrien aufgehe, als 

hatte er in beiden Beobachtungsorten gleichzeitig *) Strab. II C 95 sagt ausdriicklich von dieser 
mit der Uhr in der Hand gestanden.' Nein, das Gegend : rovto /^sv o^v to didotrjfia ndtv iau fxstQTj- 
habe sich wedex Eratosthenes*) noch Ptolemaios tdv, nkelxai ts yciQ nal odsvetat. — Vgl. H. Nissen 
je einfallen lassen, solchen Dienst im Feld zu 60 in seinem wichtigen Aufsatz uber die B. des Erato- 
leisten. Ebensowenig wird P. Schnabelim Recht sthenes Rh. Mus. LVIII 237. Auch laBt eine etwas 
erweiterte Fassung der Details dieser E., so wie sie 

*) Damit soil aber in keiner Weise der durch Gerbert (spater 999—1003 n. Chr. als Papst: 

die ganze Entwicklung geforderten Forschungs- Silvester II) erzahlt, geom. c. 93, sich nicht einfach 

reise des Eratosthenes nach Syene und Meroe aus Mart. Cap. a. 0. ableiten, sondern empfiehlt als 

praejudiziert sein. Hingegen wird man gut tun, Quelle ftir sie einen ahnlichen,inhaltsreicheren (ver- 

Ptolemaios, wenigstens zur Zeit der Abfassung schoUenen) Bericht vorauszusetzen; vgl. Mti lien- 

seiner Geographie, als Stubengelehrten anzusehen. hoff Deutsche Altertumsk. I 274f, 



37 



Erdmessung 



Erdmessung 



38 



sich*) gelegentlich des Erdnmfanges zu der selbst 
in seinem Munde exzeptionellen Anerkennung: 
universum eircuitum Eratosthenes in omnium 
litterarum sublimitate in fiae utique 
eeteros solersy quern, cunctis probari 
CGLII milium stadiorum prodidit, quae 
mensura Bomana eomputatione effieit treeentiens 
quindeeies centenamilia passuum, (31 SOOMeilen), 
inprobum ausum, verum ita subtili argumenta- 



Diese Schattenlosigkeit erstrecke sich auf 800 
Stadien im Umkreis. 

Zu ihrer tJberpriifung sei (durch Eratosthenes 
Oder zur Untersttitzung seiner Studien) ein Brun- 
nen gegraben worden, Plin. n. h. II 183 tra- 
dunt puteum eius experim,enti gratia factum 
totum inluminari ; damit ist eigentlich nicht ge- 
sagt, da6 Eratosthenes die Anregung zur Anlage 
eines solchen Brunnens gegeben babe, wie alle 



tione conprehensum, tit pudeat non credere. Cen- 10 (und so auchNissen 286) meinen. Von anderer 



sorinus 15 nennt ihn daher orbis terrarum men- 
sor. Die Hohe dieser wissenschaftlichen Leistung 
ist ein beliebtes Diskussionsthema namentlich in 
letzter Zeit geworden, und nach der eleganten 
Behandlung Nissens in seinem Artikel iiber die 
Eratosthenes-Erdmessung Rh. Mus. LYIII ist 
Konrad Miller Erdmessung im Altertum und ihr 
Schieksal (1919) 18ff. gegen alle Welt, die heut- 
zutage das Yerdienst und die Originalitat des Era- 
tosthenes zu schmalern sich beiiissen zeigt, leb-20 
haft und leidenschaftlich aufgetreten und hat sich 
insbesondere gegen einen fast burlesk wirkenden 
Aufsatz von A. Sprenger im Ausland 1867 ge- 
wendet, der ohne irgendwo die Wahrheit zu 
streifen, dem Eratosthenes groBen Leichtsinn vor- 
geworfen hatte : ,Wenn er nur in Alexandrien in 
den Basar gegangen ware, hatte er dort Entfer- 
nungsangaben, ahnlich wie die im Orient allver- 
breiteten Itinerarien, erhalten konnen und hatte 
finden mlissen, dafi die Entfernung von Syene 30 
nach Alexandrien nicht 5000, sondern nur etwa 
3740 [richtiger 3750] betrage, auch daB Alexan- 
drien nicht unter dem gleichen Meridian liege 
usw. Es fehle ihm jeder Ernst und die Begeiste- 
rung ftir eine so wichtige Erage; deshalb sei an- 
zunehmen, daB er diese Messungen nicht selbst 
gemacht, sondern in Aegypten vorgefunden habe.* 
usw. usw. Besonders Miller hat sich tiber solchen 
,Raub* am jYerdienst der Originalitat* aufgehalten. 



Seite hat Sprenger dies Detail nur fiir ein Da- 
tum vor rund 700 v. Chr. mOglich sich bezeich- 



A = Alexandreia 

S = Syene 

Z = Erdmittelpunkt 

a = 7° 12' (als ein 
Ftinfzigstel des 
ganzen Kreises, 
bei A auch die 
Schattenlange] 




Pig. 2 



nen lassen, Ausland 1867, 1020*); Nissen aber 
urteilt von den Ortsangaben fiir Meroe, Wende- 
kreis, Syene und Alexandria, daB sie ,aufrichtigen 



im Innern und dem lotrecht aufgestellten Weiser 

(yvcbfjicov) ist Fig. 1 gegeben. Ygl. Mart. Cap. 41, 

194 scaphia rotunda ex aere vasa (eherne Ge- 

Richtig ist, daB Eratosthenes mitgroBerEnergie 40 faBe zum Auffangen der Sonnenstrahlen), quae ho- 



und Geduld auf zwei Wegen das Ziel verfolgt hat, 
und daB er anscheinend vom agyptischen KQnig 
dabei sehr gefOrdert worden ist. Sein Gedanke 
scheint uberaus einfach, seine Methode ist trotz 
der primitiven Mittel zwingend. Zunachst suchte 
Eratosthenes die geographische Breite von 
Alexandrien, wo er als kCniglicher Bibliothekar 
funktionierte, und von Syene, well er sie (mit Un- 
recht) am gleichen Meridian liegend vermutete. Fiir 



rarum ductus stili in medio fundo sui proceri- 
tate discriminant ; qui stilus gnomon appellatur. 
Zur Theorie vgl. z. B. D r e c k e r, Zeitmesser und 
Stundendeutung (1925) 71ff. 

*) Sprenger sagt dort: ,Ein solches Werk 
zur Konstatierung einer astronomischen Tatsache 
ist ganz im Geist der Erbauer der Pyramiden. 
Wir konnen sicher sein, es ist von den Pharaonen 
eibaut worden, und zwar etwa 700 Jahre v. Chr.* — 



Syene, heute Assuan, das er an den Wendekreis 50 Nach AbschluB des Manuskripts erst bemerkte ich, 



legte Oder legen zu soUen glaubte**), hatte er er- 
fahren, daB zu Mittag im Solstiz die Sonne wirk- 
lich im Zenit stehe und daB dort der Gnomon 
in der Skaphe***) deshalb ohne Schatten bleibe. 



*) N is s en 2381aBt ihn diese Zeilen ,in der ganzen 
Ehrlichkeit mangelndenYerstandnisses* schreiben: 
ein Wort zu schon, um es hier zu unterdrticken. 

**) Bei Ptolem. lY 5, 
32 und YII 5, 15 23'' 
50', heute 24° 4' 23" 
(ich entnehme die Zahl 
Nissen 237). 

***) Die tibliche 
Nachbildung einer sol- 
chen Halbkugel, auch 
GTtacptov oder noXos ge- 
nannt,mitParallelkreisen Fig. 1 




daB Strabon XYII 817 den heute wieder her- 
gestellten ,Nilmesser' mit seinen Marken des tJber- 
schwemmungsstandes und jenen Brunnen be- 
schreibt, in den die Sonne zur Zeit der Sommer- 
sonnenwende ihre Strahlen senkrecht hineinsandte, 
so daB (Aristides Rhet. Aigypt. II p. 347 J.) in- 
mitten des heiligen Brunnens die Sonnenscheibe 
wie ein Deckel auf der Wasserflache aufsitze. Ygl. 
die Stellensammlung Kees Bd. lY A S, 1020. Es 
60 ist also wohl ausgeschlossen (und wird auch wie 
gesagt von Plinius nicht direkt behauptet, son- 
dern ist von modernen Bearbeitern in den Text 
hineingelesen worden), daB Eratosthenes den 
merkwiirdigen Brunnen angelegt habe. Yielleicht 
hat eben die Kunde von ihm Eratosthenes zu 
seiner Arbeit oder besser gesagt bei seiner E. mit 
angeregt. [Ein befreundeter Astronom halt einen 
Spatansatz 700 v. Chr. fiir lange nicht ausreichend !] 



89 Erdmessung Erdmessung 40 

Eespekt vor der Sorgfalt der alten BeobacMer an. In WaTirheit liegen sie nnr 34*^ auseinander 

einfloBe*. Es seien die genauesten Bestimmnngen und der Beobachtungsfehler betragt nicht weniger 

des Altertums und batten sicb noch im 16. und als 44' (Z e c h Astron. Untersuchungen iiber die 

17. Jhdt. mit Ehren sehen lassen kOnnen. Finsternisse d. Altertums 33. 47). Der Mangel 

In Alexandrien zeigt gleichzeitig (Fig. 2) die des Zusammenarbeitens, das Fehlen einer die ver- 

Schattenuhr einen Winkel von 1° 12'. Diesem schiedenen Sitze der Gelehrsamkeit zusammen- 

entspricbt auf der Erdoberflacbe, paralleles Auf- haltenden Organisation wird zunacbst als die Ur- 

fallen der Sonnenstrablen vorausgesetzt, gegen sacbe betrachtet werden, wesbalb die Bestimmung 

welche Yoraussetzung bei der Lange der in Be- des E. den Alten nicht besser gegliickt ist. AUein 
tracht kommenden Linien (Erdradien zum Erd- 10 die Hauptscbuld ist den unzulanglicben Leistungen 

mittelpunkt bin) kein Hindernis gegenubertritt, ibrer Mechanik beizumessen. So N i s s e n 244. 

ein Meridianbogen, der mit rund 5000 Einheiten Nach den Tagen Hipparchs und des Poseidonios 

bemessen -wird ; die Einbeiten werden Stadien ge- (s. u. S. 42ff.), aber eben gestiitzt durch Eratosthenes' 

nannt, also mit den Namen der gewOhnlichen Erfolg, war (abgesehen von dem die Vorbereitung 

groBen Wegeinheit, dem 40. Teil des oxdivog, des der Kolumbusexpedition aufs auBerste erleichtern- 

,Me6strickes', d. i. 157,5 bis 159,8 m. Es soil den "GbermaB der Langenerstreckung gegen Osten) 

noch die Wertung des oxddiog unten S. 50ff. zur jener Gedankengang gegeben, aus dem Senecas Aus- 

Sprache kommen. — Besonders ist unter den ruf ,quaest. nat. I prol. 18* entstanden ist: tune 

beztiglichen Untersuchungen die von 0. Viede- contemnit (curiosus spectator) domicilii prioris 
b an tt Eratosthenes, Hipparchos und Poseidonios, 20 aw^t/s^ms. quantum enim est, quod ah ultimis 

Klio XIV 207 — 256 hervorzuheben. litoribus Hispaniae usque ad Indos iacet ? paueis- 

Eine Uhrenkontrolle des Verfahrens beim simorum dierum spatium, si navem suus ferat 

Winkelmessen ist auch beim winterlichen Solsti- ventus, implebit; vgl. u. S. 44, 42. 

tium mOglich. Kleomedes a. 0. p. 100 sKoteQcov Nur eines muB ich gleich hier bemerken: So 

(koXecov) omag dno^aXXovtwv fisi^cov fA,hv gj ev wichtig des Kleomedes Ausftihrungen fiir unsere 

'Me^avdQslq. evQcoHstai dvayxalcog did to TtUov Erkenntnis der Forschung des Eratosthenes sind, 

d(p8Gxdvai rov ;^f t^e^frou tQOJiiKov xyjv jioXiv tav- dlirfen wir uns nicht blind der Tatsache gegeniiber 

xriv und evQloKovGi xal ravzrjv fjieQog nsvxrjKootov verhalten, daB Eratosthenes in ihnen nicht in 

xov fjLsyloxmj xwv ev x(p wQoXoylq) kvxXcov usw. erster Linie steht, sondern eher und vorzugsweise 
Die Differenz zwischen den PolhOhen der beiden 30 allein die Untersuchungen des Poseidonios, und 

Beobachtungsorte (7° 7' 52") betragt nach Kleo- auch diese nicht in autoritarer Weise gegeben 

medes, der den Vorgang sehr genau und umstand- werden. Diese Erkenntnis ist nOtig, um etwaige 

lich darstellt, den 50. Teil eines groBten Erd- Verfalschungen und Abanderungen der erato- 

kreises ; 1 10 p. 100 ^ ds ye ev xfj ondcprj nevxrj- sthenischen Zahlen aufzuspiiren ; es ist in diesem 

Tcoaxov jue^og evQloKexai xov olxelov tcvhXov. del Augenblick also bloB vom prinzipiellen Standpunkt 

o^v dvay^aicog nal xo dnb 2vrjvr}g elg lAXe^dvdQeiav aus gleichgliltig, ob solche Anderungen aus Be- 

didoxf]jLia nsvxrjKooxov elvai [jieQog xov f4,eyloxov xfjg quemlichkeit (sog. ,Abrundung*), aus Yersehen 

yrjg Tivnlov Tcal eoxi xovxo otadlcov nevxaKioxiUoiv, oder durch Popularisierungsanwandlungen, Besser- 

6 aQa ovfA,nag avTikog yivexai fxvQiddoiv e'lnoot nevxe. wissen und spatere Korrekturen in Kleomedes' 
Halrj[A8vT^Qaxoo'&evovge(podogxoiavxr).J)z>^Vxmzv^^^llQiii gelangt sein mOgen. In ibrer Beurteilung 

war gewonnen und die MCglichkeit des Kugelbe- sind die Modernen weit auseinandergegangen, wie 

weises und des Erdumfangesstrenge gegeben. Besser ein Blick in Nissen, Yiedebantt 211 und 

konnte Eratosthenes dies nicht erreichen, schon Sehnabel 226 lehrt. Es handelt sich in erster 

mit Elicksicht auf den primitiven Charakter der Linie um den Erdumfang, um das Yerhaltnis des 

Mefiinstrumente und wegen der theoretischen Schattenwinkels zum Yollkreis und um die Mes- 

Unerfahrenheit betreffs der Genauigkeit oder der sung der Erdstrecke zwischen Alexandria und 

Fehlergrenzen seiner Beobachtungen. Die Alten Syene: 

rechneten selbst mit ihrem ,Unverm5gen' den Den Erdumfang*) gibt Kleomedes mit 250000 

westOstlichen Abstand zweier Orte astronomisch Stadien an ; alle anderen Zeugnisse, d. i. Yarro bei 
genau zu bestimmen. DaB dies durch gleichzeitige 50 Censorinus 13, 2, Yitruv. I 6, 9. Strab. II 113 

Beobachtungen von Mondfinsternissen und Stern- und 132; Geminos 164, 22; Heron Dioptra c. 35; 

bedeckungen zu erreichen sei, war wohl bekannt. Galen. Inst. log. c. 42 p. 26 ; Markianos Peripl. I 4 

Um eine zielbewuBte und gemeinschaftliche Arbeit (Miiller GGM I 519) und die 'Ynoxvncoaig 

anzubahnen und zu erleichtem, hat Hipparch fiir yewyQacpiag 1 2 (ebd. II 494) haben 252 000 Stadien. 

angeblich 600 Jahre die Finsternisse voraus be- tJber den Schattenwinkel und den zugeh()rigen 

rechnet. Und was war die Frucht seiner Mtihen ? tv/t-j* x. /i.1 ;i„«10 j^1q\ j 

PtolemaioshatfurseinKartenwerkkeineffimmels- Meridianbogen |ob_oder_ oder_?j und 

beobachtung nach Hipparch und uberhaupt nur die Lange der Landstrecke Syene — Alexandreia s. u. 

eine einzige alteren Datums benutzt (Geogr. I 4). Eine droUige Bestatigung der eratosthenisehen 
Das ist die berlihmte Mondfinsternis vom 30. 60 Messung hat eine Mystifikation gebracht, die man 

Sept. 331,dieumdie5. StundederNachtzuArbela, von einem namhaften Geometer Dionysodorus 

um die 2. Stunde zuKarthago beobachtet wurde*). (unbestimmter Zeit) erzahlte; s. Hultsch Bd. Y 
Ptolemaios halt die Zeitenangaben fiir richtig und S. 1005. Marcianus von Herakleia Periplus ext. 

setzt danach die Entfernung beider Stadte zu 45° 4 p. 519 Mtill. bezeugt dessen AnschluB an Era- 



*) Das Notwendigste iiber die totale Mond- *) Die Zitate auf die einschlagigen Stellen 

finsternis von Arbela 20. Sept. 331 v. Chr. gibt bringen B e r g e r Frg. des Hipparch 22 und 
Boll Bd. YI S. 2357. Yiedebantt KHo XIY 211. 



41 Erdmessung Erdmessung 42 

tosthenes' Bereclinung, nennt ihn aber Dionysos, hie und da einzeln aufgetaucht, nach und nach 

Sohn eines Diogenes. Strab. XII 549 bezeichnet immer mehr in Angriff genommen wurde, dafi 

ohne weiteres Detail einen Geometer au8 Melos sich die von Eratosthenes befolgte oder erfundene 

als der Erinnerung wtirdig. Plinius aber unter- Methode nach und nach zu einer allgemeinen 

drtickt (n. h. II 248) durchaus nicht den Scherz, Formel gestaltete, die nun, bei aUmahlicher Ver- 

den ein Dionysodoros ans Melos, ein namhafter besserung der Instrnmente einerseits und stetem 

Geometer, sich mit seinen weib lichen Hinter- Zweifel liber die Eichtigkeit terrestrischer Ent- 

bliebenen erlaubt haben soli. Man fand namlich fernungen andererseits jeden Mathematiker von 

nach seiner Bestattung eine epistula Dionysodori Each aufforderte, einen neuen Wert einzusetzen 
nomine ad superos seripta im Grabmal; er 10 und sein Resultat mit den iibrigen zu vergleichen, 

woUte bis zum Erdmittelpunkt vorgedrungen sein. oder auch flir das allein richtige zu halten.* *) 

Dieser Pankt liege 42 000 Stadien tief , weiter kOnne tJberhaupt liberwiegt bei Hipparch, wie das E e h m 

man von der Erdoberflache nicht kommen. Zu die- an einer Anzahl von Beispielen klargemacht hat, 

sem Eadius gehOren als Umfang (jt = 3 gerechnet) der Zug zum Kritischen, das MiBtrauen gegen 

just 252 000 Stadien. Harmonica ratio, fligt Pli- Hypothesen und aus diesen abgeleiteten Eort- 

nius ohne tJbergang an, so daB wir anscheinend schritten, ein Zug ins Geniale, aufierordentliche 

das auch noch auf Eratosthenes oder auf den Ulk Kenntnis der Astronomic und kuhne Geschicklich- 

des Dionysodorus beziehen muBten, verlauge noch keit im Herstellen des astronomischen Inventarium. 

einen ZuschuB von 12 000 Stadien. Kein Name Ob dies direkt den Bemiihungen um die E. zu- 
wird genannt, und die ,Vervollstandigung' von 20 gute kommen konnte, oder vielmehr : warum dies 

252 durch 12 zu 264, etwa durch Eichtigstellung nicht so gekommen ist, wie man hatte erwarten 

von n in Z. 14 zu 31/7 ergabe allerdings gerade diirfen, wissen wir nicht. Es ist angenommen 

diesen ZuschuB. Plinius fahrt fort: terramque worden (so Eehm 1679), daB die hauptsachliche 

XGV partem totius mundi facit! Schuld an diesem MiBerfolg im allgemeinen wirt- 

§4. DasBesteundModernsteiiberHipparchos schaftlichen Niedergang und im Fehlen einer 

von Nikaia gibt Eehm Bd. VIII S. 1666ff. Arbeitsgemeinschaft zur FCrderung streng wissen- 

Hipparchs Kritik des Versuches von Eratosthenes schaftlicher Porschung gelegen war. Aber es ist 

geht aus den vonBergergesammeltenGeogr. Frag- erfahrungsgemaB sehr fraglich, ob wissenschaft- 

menten Hipparchs (869) hervor (22fi.), vgl. Ber- licher Aufschwung und das Durchhalten groBer 
ger Gesch. Erdk.2 466ff. 590ff. Hipparch hat die 30 Talente wirklich an Perioden oder Momente wirt- 

Einteilung des Kreises in 360 ° in die Geographic schaftlicher oder politischer Prosperitat gebunden 

eingebiirgert, so daB er, im wesentlichen an Era- zu sein pflegt. — Im iibrigen muB Hipparchs 

tosthenes' E. sich anschlieBend, dem Grad 700 Tatigkeit unter Oikumene beleuchtet werden. 

Einheiten des StadienmaBes zuschreiben muBte, AUergroBte Verlegenheit bereitet ein Satz in 

Strab. II C 132. Plin. n. h. II 108 : Hipparchus at in eoarguendo 

Hipparch hat am Meridian durch Meroe, eo (Eratosthene) et in reliqua omni diligentia 

Alexandria und Borysthenes, wovon das Stiick m^irus adieit (mensurae Eratostlienis) stadiorum 

Syene — Alexandria ein Teil ist, irgend etwas paullo minus XXVI m(ilia). Es ist so weuig 

anstoBig gefunden (Strab. I 62 lAiTtQov naQ- mit ihm etwas anzufangen, daB Ber ger Frg. 
aUdtreiv (prioag uzaQo. trjv alrjd'stav), augenschein- 40 S. 28 es geradezu ftir mOglich erachtet, daB in 

lich aber ohne ihn abzulehnen. ,Diese Worte, diesem Falle Plinius mit seinen einschlagigen 

Ber ger Frg. S. 29, sprechen nicht einen all- Notizen, durch versehentliche Vermengung, ,ein 

gemeinen Zweifel aus, sondern sie beziehen Ungltick passiert sei.* Aber es ist nicht recht 

sich offenbar auf ein spezielles Datum, welches wahrscheinlich, daB mit solchem Zerhauen der 

den Hipparch in den Stand setzte, die Fehlerhaftig- gordische Knoten sich zur Zufriedenheit unseres 

keit irgendwo nachzuweisen. Nach seinen Hilfs- Gewissens werde lOsen lassen. Immer noch war 

mitteln konnte er aber dies nur, wenn er den von eher ein Fehler in der Zahl, wenn es schon ein 

zwei Punkten des angenommenen Meridians aus Fehler sein soil, als im Tenor der ganzen plinia- 

beobachteten Eintritt einer Finsternis kannte. nischen Notiz mOglich oder wahrscheinlich. — 
Denn zwei solche Beobachtungen aus Ehodus und 50 Einen LOsungsversuch soil u. S. 50 anbahnen. 

Byzanz, oder Nicaea, oder Alexandria waren wohl § 5. Poseidonios von Apameia, Zeitgenosse 

zu erhalten, und auch wenn sie nicht aufs ge- des GroBen Pompeius und Giceros, bringt neue Zah- 

naueste angegeben waren, hinreichend, den Fehler len ftir die alten Begriffe, und zwar aus neuem Be- 

zukonstatieren.*ti'brigenswareauchdie(u. S.42,35 rechnen. Sein Beginnen ist merkwtirdig und oii- 

anzuftihrende) Pliniusstelle II 108, falls sie uber- ginell, aber nicht ,grundverschieden* von dem des 

haupt Sinn haben und zutreffen soUte, doch nur Eratosthenes, wie Viedebantt 208 (ohne Zitat!) 

unter der Voraussetzung zu verstehen, daB Hip- ,bezeichnet* wissen will. Seine Idee ist vielmehr die 

parch die E. des Eratosthenes im wesentlichen gleiche wie die des Eratosthenes, die Yerbindung 

gutgeheiBen habe. eines Meridianbogens mit der zugehOrigen auf dem 

Ber ger 25 schlieBt aus den erhaltenen Bruch- 60 Erdmeridian gemessenen Entfernung. Nur ist der 

stlicken, ,daB Hipparch andere Messungen der Meridianbogen anscheinend nicht direkt in die 

eratosthenischen gegeniiber halten konnte, Mes- Eechnung einbezogen, sondern die Messung er- 

sungen von Mathematikern der nacheratostheni- folgt am Zodiakalkreis, und zwar ftir die beiden 

schen Zeit. Wer diese Manner gewesen, die Hip- Positionen Ehodus und Alexandria. Auch Ehodus 

parch und Strabon (I 62) mit ol voteqov be- liegt namlich angeblich auf dem gleichen Meri- 

zeichnen, wissen wir nicht;* aber ,es drangt sich 

immer mehr der Gedanke auf, daB der Versuch *) Das diene zugleich zur Eichtigstellung von 

zur L(5sung dieses Problems, nachdem es anfangs Schnabel 226. 



43 Erdmessung Erdmessung U 

dian mit Alexandria und Syene*) und Ehodos summe nach dem Urteil des Poseidonios nicht 

empfahl sich Poseidonios als Ausgangsstation, weil unerheblich hinter Eratosthenes zuriick. 

dort seine berlilimte Schule sich befand. Hier hat Viedebantt durch einen zwar in- 

Charakteristisch fiir Ehodus war der Aufgang geniosen, aber schwerlich f iir andere gangbaren Weg 

des Stern Canopus, des hellsten ,am Steuerruder zugunsten Hipparchs und gegen Eratosthenes ein- 

der ArgoS weil er dort nur fiir einen Angenblick gegriffen. Er will (216) die alte Gleichung bei 

aufblitze.**) Hingegen ist er in Alexandria urn 1/4 Kleomedes 50x5000 als Korrektur einer friiheren 

eines Tierkreiszeichens weiter geriickt, also nm Kechnung 48X5250, Produkt auch hier 252 000, 

1/48 des Zodiacus entfernt. Also ergibt die Multi- nachweisen : 48 wie bei Hipparch und 5250 als 
plikation von 48 und 5000, die nach Angabe der 10 Abrundung der tatsachlich verwendeten Bogen- 

Schiffer zwischen Rhodus und Alexandria liegen, strecke vom ,kleinen Katarakt (Syene)' Strab. XVII 

als Produkt 240000 Einheiten. So Kleomedes I 786 (,5300* Stadien). Damit hatte Eratosthenes 

10 p. 92f., der diese Eechnung als anlovoxi^a ,einen iiberraschend groBen Naherungswert' ge- 

(90, 24) bezeichnet, als die des Eratosthenes wonnen, der ,sich bis zu einem gewissen Grade 

boKovoa XL aoatpeotsQov h^iv, die grOBere Un- als Zufallstreffer herausstellt.* , Hat aber Hipparch 

klarheit wird sich meines Erachtens auf die terre- den Meridian nicht zu 240 000, sondern zu 252 000 

strische Messung beziehen. Stadien gerechnet, dann hat er auch die Breiten- 

Die 240 000 Einheiten sind selbstverstandlich distanz Alexandria—Rhodus nicht zu i/48» son- 
der namlichen Art wie die 252 000 des Eratos-, ^^ 1 ^^^ Gesamtkreises genommen 

thenes. Sie mogen ja auch nur als Annaherungs- 20 50-4 

wert gefafit werden; Kleomedes setzt vorsichtig (252000:5000 = 50*4).* Also das Endergebnis 
hinzu: el bs [jiyi^ nQog loyov xov btaoxrjiJLaxog. Ist 252000 das gleiche, aber fiir Hipparchos einen 
schon die Distanz der Schiffer 5000 Stadien kaum gewaltigen Fortschritt : ,eine Grofitat astrono- 
aufrechtzuerhalten, und werden wir durch Plin.n.h. mischer Beobachtung* (S. 220). — Den wirklichen 
V 132 belehrt, daB Eratosthenes ftir die gleiche Betrag des Umfangs unseres Geoids berech- 
Entfernung 469***) Millien, d. i. 3752 Stadien net man zu 40070-3, einen Meridiankreis zu 
(Meile zu 8 St.) gerechnet habe, und mag viel- 40003*423 km. Soil man sich dartiber ereifern, 
leicht Kleomedes auch von anderen Angriffen daB die moderne Gradforschung das eratostheni- 
auf die Eiinftausend- Distanz gehOrt haben, so sche Ergebnis bewundernd zur Kenntnis nimmt, 
durfte auch der Himmelsbogen zu groB ange- 30 auch wenn es in der Hauptsache wie gesagt nur 
nommen sein, wenn wirklich der Canopus sich auf einen Zufallstreffer hinauskommen soUte? 
bloB tiber den Horizont erhoben haben soil, Aber Poseidonios hat angeblichnocheinezweite 
um sofort wieder unterzugehen. Aber die 240 000 Messung vorgetragen. Strab. II 95 spricht von 
mogen neben den 252 000 des Eratosthenes als seiner kleinsten Einschatzung der Erde (^ sXaxlo- 
Abrundung, etwa um die ganze Beweisfiihrung xrjv jioiovoa xrjv yrjv . . . d tioosibcbviog kyTCQivsi 
zu ,popularisieren', zu Eecht bestanden haben, t^sQl oKXcoTcalbsxa (jivQidbag o^oav) und II 102, 
schon wegen der Teilbarkeit durch 12 und durch wahrscheinlich vom rhodischen Parallelkreis*), 
24. Jedenfalls verblieb die E. in ihrer Gesamt- also normal 36 ° Breite, obwohl die Eechnung 
auf 39 ° zu weisen scheint : vnovosi (d Uooeibw- 

*) Syene hat bei Ptol. 62 ^ Lange, Alexandria 40 viog) x6 xfjg oixovf^evrjg /^fj^cog enxd nov /uvQidbcov 

6.0 1/2* ^^d Ehodus fehlt unglaublicher Weise. oxabicov vtiolqxov fjijLiov elvai xov oXov av^lov 

Der Grund ist nicht festzustellen. Ich will da- xad'^ov sUrjmai, woxs (q?r}olv) djio xfjg bvoscog svQcp 

von absehen, daB im achten Buch 17, 21 Ehodus jrXscov sv xooavxaig ixvQidoiv sX'&oi civ sig Ivbovg, 

nicht am gleichen Meridian liegt, sondern i/s also auch (vgl. das Senekazitat 0. S. 40, 18) ein 

einer Stunde, d. h. 71/2' eines Grades von Alexan- Vorlaufer der ersten Kolumbusfahrt nach Amerika! 

dria gegen Westen entfernt, weil das Yerhaltnis An dieser Zahl 180 000 Stadien ist nicht der 

dieses Buches zu den iibrigen sieben der Geo- geringste Zweifel mOglich. Sie ist durch Marinus 

graphie nicht geklart ist. Auch Viedebantt von Tyrus und durch Ptolemaios gesichert. Es 

hat Klio XVI 95 das Fehlen von Ehodus in der bleibt nichts iibrig als eine Erklarung zu suchen. 
Beschreibung Asiens V 2, 34 konstatiert und 50 180 000 dividiert durch 48, welche Zahl ftir Po- 

kommentiert. Ob K.Muller und Kurt Fischer in seidonios bereits 0. Z. 8 erwahnt worden ist, 

der Didotschen Ausgabe recht daran getan haben, ergibt 3750. Auch diese Zahl kehrt bei den E.- 

eine Zeile ftir Ehodus einzusetzen und die ftir fragen einige Male wieder**), z. B. bei Alexandria 

Lindus hsl. erhaltene Position in ihr zu ver- — Ehodus, welche Distanz Eratosthenes (Strab. II 

wenden, 582/3° Lange und 36 ° Breite, soil hier 126) mit seinen Schattenmessern festgestellt hatte, 

nicht erOrtert werden. wahrend die Schiffer die 5000 Stadien (und ebenso 

**) Eehm 0. Bd. XI S. 688 hingegen zweifelt Poseidonios!) berechnet hatten. Ist die Verlegen- 

an dieser Behauptung, weil ,Poseidonios selbst heit Strabons tiber die sXaxloxfj yfj unverkennbar, 

gelegentlich erwahnt, daB Eudoxos den Kanopos 

in Knidos beobachtet hat (Strab. II 119). Gleich-60 *) Das ist das sog. Diaphragma, also jener 

wohl haben wir kein Eecht, die Darlegungen dem allerwichtigster Parallelkreis, der durch mehr 

Poseidonios abzusprechen oder auch nur ftir als zwei Jahrtausende, Stid und Nord scheidend, 

schwer entstellt zu halten.* den Hauptstrang dargestellt hat, an den Geogra- 

***) Auch 468 ist iiberliefert. Die Pliniusstelle phen und Astronomen ihre Beobachtungen an- 

ist lehrreich, und daher folgt hier ihr voller kntipften, reichend von den Saulen des Herakles 

Wortlaut : (Ehodus) distat ah Alexandria Aegypti bis Sizilien, Kreta, tiber Ehodus zum Taurus und 

583, ut Isidorus tradit, tit Eratkosthenes 468 dessen Fortsetzung in Indien. 

(bzw. 469\ ut Mucianus 500 (namlich Millien). **) Vgl. auch 0. S. 37, 33. 



45 Erdmessung Erdmessung 46 

so zeigen sich die Modernen tiber Poseidonios ent- verweisen, der in Rezeptbtichern MaBe und Ge- 

riistet. Berger klagt (580ff.) darliber, da6 ,Po- wichte ohne irgendeine Prazisierung beanstan- 

seidonios sich so vergessen konnte' und dafi ,Stra- den muBte, da die namlicben Bezeichnnngen 

bon, der von alledem kein Wort verstand, so sehr verschiedene Bedentungen deckten. ,Er 

wenig wie irgend ein EOmer,* diese Daten liber- hatte doeh sagen miissen, meint Galenus, ob 

haupt herausgeschrieben hat. ,Andere tatens ihm er die attische oder die alexandrinische oder die 

nach nnd so sind die beiden Angaben von einem ephesische oder irgendeine andere xorvXr] meine/ 

Exzerpt zum andern geschleppt worden und haben Wie sehr der Arzt und die Patienten bei der Do- 

schliefilich die Geltung erlangt, die ihnen ein sierung durch unzureichende und nachlassige Be- 
Mifiverstandnis schlimmster Art beilegte.* jH^tte 10 zeichnung des MaBsystems leiden muBten, liegt 

Poseidonios eine neue eigene E. damit anstrengen ebenso auf der Hand wie die Yerwirrung durch 

woUen*), so ware er dadurch ftir alle Zeiten mangelnde Bezeichnung der MaBgroBen und das 

zum Idioten gestempelt worden.* Viedebantt Fehlen des MaBstabes auf Karten noch des 15. 

hat die Frage der Breite der ,verbrannten* Zone und 16. Jhdts. ; genauere Eintragungen oder Yeri- 

nach Strab. II 94 erOrtert und folgert S. 228: fizierung ist so verhindert worden. Wagner erzahlt 

,Also schmal und breit, klein und groB, je nach bei der Behandlung der E. im Altertum, Lehrbuch 

Bedarf. SchluB : Poseidonios war ein — Schalk.' Iio 101, daB er anfangs sich vergeblich bemtiht 

S. 229: ,Es ist ein Popularisierungsverfahren, habe, in die iiberlieferten Daten Ordnung zu 

vielleicht ein erlauterndes Sehulbeispiel, eine bringen, aber dann nach langerer Beschaftigung 
Kollegparaphrase.' Und K. Eeinhardt Posei-20mit dem auch noch nach dem Zeitalter der Ent- 

donios (1921) 196 versteigt sich bei seiner Ana- deckungen verfaBten und durch Mangel von MaB- 

lyse dieses Charakters zu den Satzen : ,Poseidonios einheiten verwirrten Kartenmaterial auf weitere 

macht das Ergebnis (des Eratosthenes : 252 000) Yersuche in dieser Richtung verzichtet habe. Man 

zur Grundlage einer neuen Messung. Er miBt also ersieht aus ' dem oben Gesagten, daB diese Yer- 

das MaB am MaB and merkt es selber nicht. Man zichte bei den E.-Fragen nicht gutzuheiBen waren 

hat alles MOgliche versucht, urn das Kompromit- und ebenso auch, daB der Tadel betreffs des Unter- 

tierendezumildern; wie mirscheint, vergeblich.* bleibens einer Indikat ion weit eher die Griechen 

Nun hat Miller, der tibrigens, gleichsam zur als die ROmer treifen muBte. 

Unterstiitzung des merkwiirdigen Gehabens des Ich mOchte dabei auch gleich dessen gedenken, 
Poseidonios, die resignierte Bemerkung einge- 30 daB H. v. M z i k in seinem nlitzlichen Buch Erd- 

schaltet hat, daB ,Gunst oder die ZugehOrigkeit messung, Grad, Meile und Stadien nach den alt- 

zu einem Ring oder einer Clique, mag sie Stoa armenischen Quellen (=Studien zur armen. Gesch. 

oder anders heiBen, so oft ilber den Erfolg ent- YI 1933) 102 Anm. 216 darauf hinweist, daB 

scheide***), (12ff.) die selbstverstandliche Forde- Ptolemaios aus den ihm vorliegenden Quellen 

rung erhoben, daB ,die zwei Zahlen des Poseidonios Stadien verschiedener Lange unterschiedslos als 

180 000 und 240 000 denselben Wert darstellen gleichwertig zusammenwirft und vielfach gar nicht 

und sich nur auf verschiedenes MaB beziehen.' in der Lage gewesen ware, sie auseinander zu 

Er hatte aber auch die 252 000 des Eratosthenes halten. Auch, daB die modernen Geographen ,allein 

mit einbeziehen soUen***). Es handelt sich doch bei den deutschen MeilenmaBen vor Einfiihrung 
immer um das gleiche Objekt und dieselbe Rechen- 40 des metrischen Systems mit mehr als einem 

operation mit objektiv gesicherten Betragen. Dutzend recht verschiedener GroBe zu rechnen 

Bleiben wir aber bei den beiden Ergebnissen des batten oder daB mit dem scheinbar so eindeutigen 

Poseidonios! Auch Yiedebantt hat in einem Ausdruck English league drei verschiedenen MaBen 

zweiten Aufsatz Poseidonios Marines Ptolemaios zu entsprechen ware. ,Waren wir, trotz unserer — 

(Klio XYI) ungefahr die gleiche Losung verge- die des Ptolemaios so vielfach tiberragenden — 

schlagen, allerdings nicht ohne Yorbehalt ; vgl. Hilfsmittel, ohne Arbeit an Ort und Stelle in der 

99: ,lJnd Poseidonios ?Rucktjetzt auch ftir ihn die Lage, bei Entfernungsangaben in derlei MaBen 

„kleinste E. " , in ein anderes Licht ? Ja und nein** iiberall die zugrunde liegcjiide Einheit zu erkennen ?' 

Hier ist wie man deutlich fiihlt, eine letzte Gar nicht will ich dessen gedenken, daB die Ad- 
Hand n(Jtig. Ich mSchte vor allem auf die 50 justierung der MaBe und Gewichte in antiker Zeit 
bewegliche Klage des Galenus (XIII 893ff. K.) wahrlich nicht richtig durchgefiihrt worden ist 
und z. B. die StraBe von Oedenburg (Savaria) zum 

*) Nein ! Das wollte und konnte Poseidonios Lager in Carnuntum nach iiberlangen Meilen ver- 

nicht wiinschen. Und wenn er es trotzdem hatte messen ist und daB in Mauretanien andere Bei- 

versuchen woUen, so batten die gtinstigen Yor- spiele noch schlimmerer Art auf den rOm. Meilen- 

bedingungen ihm gefehlt ! steinen langs der rOmischen HeerstraBen konstatiert 

**) Auch andere Mangel und Harten dieser worden sind, fiir die also wohl auch keine geaichte 

(librigens ungewOhnlich frisch und anziehend ge- Hodometer (s. d.) verwendet worden sein kOnnen. 

schriebenen) Abhandlung verlangen eine Remedur. Ohne die neueste Wendung in dieser Frage zu 

***) Das ptolemaische Stadion = 157,5 bis 60berucksichtigen, hatP. Schnabel in seiner (sonst 

159,8m (so nach Yiedebantt a. 0. XIY 232if., mit voller Beherrschung des Materials und mit 

Exkurs) und das philetairische = 210 bis 213, 1 m bemerkenswerterKtihnheit) verfaBten Abhandlung, 

verhalten sich ungefahr wie 3: 4, so wie die Umfangs- Tiber die Entstehung und Geschichte des karto- 

zahlen 180 000 und 240 000. •— tTbrigens hat Yi e- graphischen Erdbildes bei Ptolemaios, S.-Ber. 

debantt selbst schon in seinem ersten Artikel Akad. Berl. phil.-hist. Kl,, 1933,226 — ^229, 

209 die MOglichkeit von MaBverschiedenheiten be- die E. neu behandelt, und zwar hauptsachlich die 

riihrt, freilich nicht entschieden ins Auge fassen Frage, ,warum sich Ptolemaios, der sich noch in 

wollen, vgl. 0. S. 39, 16. der Syntaxis Hipparchos in dieser Hinsicht an- 



47 Erdmessung Erdmessung 48 

schloB, in dem Kavcov imoi^fxcov noXecov und in der her habe ich mich eifrig mit Ptolemaios' Buche be- 
Geographie Poseidonios und Marines angeschlossen fassen mussen und mOchte hier wenigstens einiges 
habe*. Schnabel wird hoffentlich bald eine ge- aus meinen Eindriicken hier mitteilen. Wenn das 
nauere Darstellung seines Gedankenganges folgen Epigramm Anthol. IX 577*) wirklich, was mir aber 
lassen. Heute stehen die einzelnen Glieder noch nicht gerade wahrscheinlich ist, von Ptolemaios 
unvermittelt nebeneinander und ich wage kaum herriihren soUte, wiirde sich eine besondere Be- 
ans dem gegenwartigen Kontext, der die Stadien geisterung fiir Astronomie und eng damit ver- 
nicht benennt und aus Eratosthenes, Poseidonios, bundene oder auch ihr ttberlegene Astrologie dar- 
Marinus und Ptolemaios etwas wie eine Arbeits- aus ergeben. In kostbaren Hss. sehen wir 
gemeinschaft, allerdings schwerlich in idealem 10 Ptolemaios von geschicktesten Miniatoren gem alt, 
Sinn, bildet, einen Nutzen zu erhoffen. im kOniglichen Gewand und mit der Krone 
§ 6. Unter den vielen Leuten, die sich im 1. Jhdt. auf dem Haupt seine astronomischen Studien 
V. Chr. und weiterhin mit geographischen Pro- betreiben ; ahnlich wie die Kosmographen in den 
blemen befafit haben, und der en Namen uns Hss. dargestellt werden. Das wird aber ebenso- 
meist verlorengegangen sind, wie schon aus vie- wenig unsere Yorstellung von seinem Eang, 
len Zitaten im vorausgehenden hervorgeht, kann Wirken und gesellschaftlicher Bedeutung beein- 
auch Strabon nicht genannt werden, da es uns flussen kCnnen, wie die iiberschwanglichen At- 
unter diesem Schlagwort nur um die E. im gan- tribute (^av/bidGiog, •d'sioxaxog) bei spateren Be- 
zen und nicht auf ErQrterungen des von den ntitzern wie Markianos von Herakleia oder Proklos. 
Alten bewohnten Globusviertels, unserer Oiku- 20 Wichtiger ist, daB wir bei ihm, der rCmischer 
mene (s. d.), ankommt. Dies, obwohl wir gerade Burger ist, kaum eine Spur von Kenntnissen der 
Strabon die moisten und ausftihrlichsten Mittei- rOmischen Verwaltung und des rOmischen Lebens 
lungenausderGeschichteder antikenE.verdanken. finden. Ich hoffe Gelegenheit zu ausfiihrlicherer 
Auch andere Namen, die nur registrierten, nicht Darstellung an anderem Orte zu haben und will 
aber selbsttatig eingriffen, werden besser hier hier nur einen bezeichnenden Zug anftihren, 
weggelassen, daher auch vor allem die Naturge- namlich, daB er stets nur BslxiTiTj schreibt, also 
schichte des Plinius. Wohl aber gehOren hieher keinen TJmgang mit rOmischen Beamten und Offi- 
Marinus von Tyrus und Ptolemaios. Marinus(s. zieren gehabt haben kann, die ihm die Gallia 
Honigmann Bd. XIV S. 1767 — 1796*), ist ein Belgica aus ihrer eigenen Laufbahn in Erinnerung 
Vorganger des Ptolemaios und nur durch diesen be- 30 gebracht haben wlirden. Weit eher stelle ich mir 
kannt. Ptolemaios hat sich entschlossen, Marinus ihn heute so vor, wie etwa den Schreiber eines 
in allem Wesentlichen zu folgen und polemisiert seiner Kodizes, der sich als nsvlq. ovCcov bezeichnet. 
mit ihm fast nur in speziellen Fragen der Karten- Heiberg hat auch iiber die Schwaehen und 
zeichnung. Also mussen wir auch von Marinus Fliichtigkeiten seiner rein astronomischen Bticher 
absehen, da Pragen der Oikumene (s. d.) in diesem ein nicht gerade anerkennendes Urteil gefallt, 
Artikel nicht zur ErOrterung gelangen sollen. Miillers Handb. V 1, 2 (1925), 58,11; und 
Aus Marinus sind durch Ptolemaios einige wenige Berth elot Asie ancienne (1930) 109 glaubt 
(s. u. S. 52) Distanzen, in Stadien, von denen 500 prophezeien zu diirfen, da6 in Zukunft kein Ge- 
auf einen geographischen Grad gehen, iiberliefert. lehrter und kein Forscher zu so grofiartiger Be- 
Yon Ptolemaios' (s. d.) Zeit und Leben wissen 40 wunderung gelangen werde wie sie Ptolemaios er- 
wir nichts weiter zu erzahlen, als was wir selbst reicht hat, ,der wahrend 12 oder 13 Jahrhunderte 
in seinen (sicher nicht sparlichen, aber leider als der unbestrittene Meister als Astronom und 
groBenteils ihrer VerOffentUchung noch harrenden) Geograph gait.' 

Schriften ab und zu erfahren, allenfalls von seinen AufschluB iiber die theoretische Auffassung 

Sternbeobachtungen. Seine Geographic, anschei- des Erdmessens, sowohl des Gesamtumfanges 

nend sein letztes und nicht einmal abgeschlossenes (eines grofiten Kreises wie des Aquators oder 

Werk, mag in der Zeit der divi fratres verfaBt irgendeines Meridians, zwischen welchen GrOfien 

worden sein, vielleicht erst wahrend der AUeinherr- das Altertum keinen Unterschied gemacht hat) als 

schaftdesMarcaurel.IchhabeinmeinemArt. Ear- auch einer einzelnen Wegstrecke, die wissen- 
ten Bd. X S. 2061—2100 von dieser Geographic und 50 schaftlich als Teil eines groBten Kreises anzu- 

seiner Bedeutung vieles auseinandergesetzt. Seit- sehen ist, erhalten wir aus dem die Geographic 

— des Ptolemaios einleitenden ersten Buch. Sie muB 

*) Zuwachs zur dort verzeichneten Literatur : auch auf unsere Vorstellungen iiber die Gedanken- 
Ant. Wurm Marines of Tyre, some aspects of his gauge aller zuruekwirken, die sich in Zeiten vor 
work (1931, mit Karte). A. Herrmann Peter- Ptolemaios mit dem gleichen Problem befafit hat- 
manns Mitt. Erg.-Heft 200 (Wagnerheft), gleich- ten. Die Hauptstelle ist cap. 3 mit dertJberschrift: 
falls mit Karte. — DaB Marinus noch in die Zeit ,Auf welche Weise aus der Stadienzahl einer bo- 
des Partherkriegs reicht, ist daraus zu schlieBen, liebigen Wegstrecke (auch wenn sie nicht auf 
daB Satala t^g 'AgfA^evlag I 15, 10 mit Milliendi- demselben Meridian liegt) die Stadienzahl des ge- 
stanz angefiihrt und also aller Wahrscheinlichkeit 60 samten Umfangs (d zfjg TtsQifAexQov xfjg yfjg 
nach aus einem Kriegsbericht Traians direkt oder oxadiaa/iog) gewonnen werden kann, und umge- 
indirekt stammt; die Millienangabe hat Wurm kehrt:' 

anscheinend richtig fiir diesen Zusammenhang be- a) ,Unsere VorgaDger {ot nQo ri^wv) haben 

tout. Er hatte auch hinzufiigen kOnnen, daB dieser eine gerade Wegstrecke nicht blofi auf der Erd- 

(fruher nicht besiedelte) Platz seit Traian das Lager oberflache gesucht, sondern auch in der durch 

der Legio XV Apollinaris trug. Geschichte und den Meridian gelegten Ebene. Durch Schatten- 

Eeste von Satala bei Cumont Studia Pontica II 

342—352. *) Vgl. Nobbes Ausgabe I p. XX n. III. 



49 Erdmessung Erdmessung 50 

messer {8ia tcov omo'&riQcov) haben sie die Punkte ftir den Anfang des Bogens beurteilen konnen. 

im Zenit an "beiden Enden der Wegstrecke visiert Man mtiBte den Winkel mit der grOBten Genauig- 

und die am Meridian zwischen den Parallelkreisen keit bestimmen, was niemals leicht fallt nnd ge- 

dieser Punkte gemessene Distanz als identisch wi6 im Altertum noch schwerer fiel; nm sicher 

{dfjLoiav) mit dem Wege auf dem ErdkOrper an- zu sein die Linie nicht verfehlt zu haben, was 

gesehen' . , . nicht so leicbt ist als man sich denkt.* Delambre 

b) ,So viele (Grade) von dem durch die Pole empfiehlt die trigonometrisclie Berechnung, wie 
gezogenen Kreis zwischen den Zenitpnnkten ans- wir sie auf der Schulbank fiir spharische Dreiecke 
gewiesen waren, ebenso viele haben sie als Ent- nndfiirOrtsbestimmunggelernt haben. Delambre 
fernnng auf der Erdoberflache gerechnet. 10 schliefit mit den Worten : ,Man sieht, daB Pto- 

c) tibrigens, auch wenn nicht ein dnrch die lemaios hier tiefstes Stillschweigen iiber das 
Pole gezogener Kreis, sondern irgendein grOBter ganze Verfahren wahrt. Er sagt nicht einmal, 
Kreis ftir die Vermessung in Betracht kommt, daB er oder sonst jemand es versucht habe ; nnd 
kann die Anfgabe gelOst werden; wenn die Er- aller Wahrscheinlichkeit nach hat sie nie jemand 
hebnngen an den Endpnnkten (der vermessenen ausgefiihrt.' Aber anch der Gegensatz zwischen 
Strecke) in gleicher Weise beobachtet nnd ihre der warmen Empfehlung dieses Instruments nnd 
Lage zn den beiden Meridianen f estgestellt ist, dem Leugnen seiner vermeintlichen Erprobnng und 
haben wir durch Konstruktion eines meteorolo- Wirksamkeit muB den Leser stutzig machen. 
gischen Instruments {oQyavov f^et€coQoo?cojzi?c6v), Auf dem Weg zum EechenmaB des Ptolemaios 
mit dessen Hilfe wir leicht auch andere sehr 20 habe ich einige Vorbemerkungen nOtig, die ich hier 
niitzliche Verrichtungen besorgen kOnnen, an vorbringen mOchte. Es handelt sich A sowohl um 
jedem Tag nnd znr Nachtzeit die dem Beobach- das MaB selbst sowie B nm einige Bemerkungen 
tungspnnkt entsprechende Erhebung des Nord- iiber die Geneigtheit des Ptolemaios, dieses MaB 
pols, nnd zu jeder Stunde den Meridian nnd die tatsachlich in Anwendung zn bringen. 
Neigung der Wegstrecke zn ihm bestimmt, d. h. A. Ich werde dann vor allem zum Art. Sta- 
den Winkel abgelesen, den anf dem grcBten durch dion von Lehmann-Hanpt Bd. IIIA S. 1930— 
diese Wegstrecke gelegten Kreis eben diese (Weg- 1963 Stellung nehmen mtissen, der 1929 erschienen 
strecke) zu beiden Meridianen bildet. Mit Hilfe ist. In ihn hat der Verfasser alle seine friiheren 
des fjLsxscDQOGTcomTiov gewinnen wir aus diesen Gedanken tiber diesen Gegenstand einbezogen, 
Winkeln das gesuchte Kreisstlick. Dieses Yer- 30 ohne freilich einer umfassenderen Behandlnng vor- 
fahren erlanbt (also) die geradlinige Vermessung zngreifen, die er allem Anschein nach plant nnd 
einer Wegstrecke anf der Erdoberflache, well jedenfalls uns schuldet. Er hat ein klares Ent- 
man den grOBten Kreis kennt . . .* wicklungssystem ausfindig gemacht nnd will es 

Wichtig, freilich eigentlich aus dem Gesagten durchsetzen, anch gegen die bestimmten Ansichten 

sich ergebend, ist ein Satz aus dem Almagest des anderer. Es sei nur daran erinnert, was Hnltsch 

Ptolemaios, den ich hier nach der tJbersetznng in seiner zu fast kanonischem Ansehen gelangten 

des Manitins anfiigen kann: I 10 S. 68 Heib. : Griech. nnd rom. Metrologies (1882) 61 zu einem 

,Leicht zn bestimmen ist ohne weiteres ans dem Ansatz des eratosthenischen Stadiums zu 157,5 m 

vorliegenden Beobachtnngsergebnis die geogra- sagt; dieser Wert sei, well er von dem gesicher- 
phische Breite der Wohnorte, in denen wir nnsere 40 ten MaBstabe der altagyptischen Elle abhangt, so 

Beobachtnngen anstellen: erstens wird der im zuverlassig wie nnr irgendeine Eeduktion parti- 

Aquator liegende Punkt in der Mitte zwischen kularer MaBe der Gegenwart anf das MetermaB.* 

beiden Grenzpunkten (d. i. die AquatorhOhe) ge- Auch das sei rtihmend anerkannt, daB er die 

wonnen, zweitens der zwischen diesem Punkte Nntzbarmachnng der plinianischen Notiz (o.S.42) 

nnd dem Zenit sich erstreckende Bogen, welcher iiber die von Hipparchos empfohlene Aufwertung 

bekanntlich derPolhOhe gleich ist.* des eratosthenischen Ansatzes fiir den Umfangs- 

Dieses oQyavov fjiexscoQooKomHov hat Ptolemaios kreis des Erdglobns, die ein hoffnungsloses Hin- 

ausfiihrlich in seiner Synt. meg. I 10 Heib. 64 dernis uds in den Weg geworfen zu haben schien, 

(■ObersetzungManitins41ff.) beschrieben nnd anch nun endlich, nnd zwar was eine groBe Emp- 
Manitius hat in seiner Ansgabe der Hypotypo- 50 fehlung bedentet, mit Leichtigkeit ans dem Weg 

sis des Proklus (1909) 42 seine Eekonstruktion geraumt hat, oder mindestens geraumt zn haben 

vorgenommen; daraus wiederholt in der tJber- scheint. 

setzung der Synt. = Handb. der Astronomic 41. Aber bevor ich, in wenigen Worten, die An- 

Ein weiter entwickeltes Instrument Synt. Y 1, satze Lehmann -Hanpt shier skizziere, zwischen 

Bildrekonstruktion Manitins Proclus 200 = denen nnd den alteren Ansatzen klare Entschei- 

Handb. I 255. dung zu treffen, die wichtigste Anfgabe der 

Ich bin freiKch genotigt, ans der in vielen nachsten Bemiihnngen der antiken Metrologie sein 
Beziehungen sehr instruktiven Ansgabe der ptole- wird, mOchte ich nochmals betonen, daB die Wahl 
maischen Geographic durch Wilberg (1838) des Namens der MaBeinheit nicht in das Belieben 
etwas zn wiederholen, was ich dort znerst iiber 60 des Messenden gestellt gewesen sein kann. Es 
dieses Instrument ans Delambre Hist, de I'astr. ware zwecklos gewesen, sowohl bei den alteren 
anc. II (1817) 73f. exzerpiert gefnnden habe: Yersuchen der E., die gewissermaBen spielerisch 
,Was Ptolemaios hier ansfiihrt, ist geometrisch hingeworfenworden sind,wienamentlichbeiArchi- 
wahr. Aber in der Praxis wird dieses Yerfahren modes (o. S. 33), so insbesondere dann bei Era- 
ebenso umstandlich als nnsicher sein. Zum min- tosthenes, zu verlangen, daB der Rechnnngsquo- 
desten werden die beiden Stationen, auBerdem tient mit einem neuartigen Namen ausgestattet 
daB der Bogen nnr auBerst klein ist, fiir einander werde, statt ihn in das (oder : in ein) bisher in 
nicht sichtbar sein ; man wird die Eichtnng nnr Handel nnd Yerkehr iibliche (iibliches) MaB ein- 



51 Erdmessung Erdmessung 52 

zukleiden ; Metrologen haben mehr als einmal sie dem kaiserzeitlichen Gebrauch entsprochen zu 

versucht, solche JtinerarmaBe*, wie sie oder ihre haben scheint.* Zum gleicben SchlaB betreffs der 

Gegner es nannten, in die Metrologie einzu- Wertung des Stadions in der ptolemaischen Geo- 

schmnggeln. Erinnern wir uns auch dessen, da6 graphie ist 0. Cunt z Die Geographie des Polybios 

Miller (1919) Erdmessung 25 aucb eine runde (1923) gelangt (llOff. 120ff.)> ^^^ er hat sich aus- 

Zahl resolut aufzuklaren sich bemlihte; da die drucklich mit mir einverstanden erklart (111, 1), 

5000 Stadien des Eratosthenes ,in der Wirklich- AberandiesenWerten, 177,5 (oder wie Lehman n- 

keit in staunenswerter Weise stimmen*, fragt er Haupt das entsprechende Stadium Olympicum 

resolut: ,Was soil da der Yorwurf mit den S. 1961 berechnet: 178,62) und 184, 9 (Lehmann- 
runden Zahlen beweisen? Kann Eratosthenes 10 Haupt Stadium Italicum 186,03 m) oder sonst 

dafiir, dafi es gerade 5000 Stadien sind ? Un- einem ahnlichen Ansatz mu6 ich festhalten, auch 

angenehm war ihm diese Zahl nicht* usw. Diese wenn ich kein Zeugnis fur den tJbergang vom 

Werte sind vielmehr Naherungswerte, und es Olympischen zum Italischen Stadium anzuflihren 

ist meines Erachtens nicht im Geiste der antiken weiB, weder zur Zeit meiner Mederschrift, noch 

E. gedacht, wenn wir exakte Zahlen fiir sie ver- heute. Man sieht ja aus dem Obigen, wie Iticken- 

langen. haft unsere ^berlieferung ist. 

Lehmann-Haupt lehnt die Gleichung des Ptolemaios rechnet tiberall das Stadion als i/g 

eratosthenischen Stadiums = 157,5 (oder ahnlich) der romischen Meile, dort namlich wo er iiber- 

ab* ,Als, sagt er S. 1937, 16, es sich um das groBe haupt terrestrische MaBe angibt. So insbesondere 
Werk der Berechnung des Erdumfanges handelte, 20 YII 5, 12 in der vjtoyQaq>r} TcscpaXaccodrjg tov tfjg 

wahlte er unter den vorhandenen verschiedenen oixovfxivrjg nlvaHog, deren Echtheit vorlaufig und 

Stadien dasjenige aus, bei welchem die Umrech- solange wir keine brauchbare Ausgabe der Geo- 

nung in die tibrigen gebrauchlichen grOBeren graphie besitzen, auBer Diskussion bleiben maB : 

Entfernungsmafie bequem nach dezimalen Prinzi- ,das Slidende der bekannten Erde begrenzt ein um 

pien geschehen konnte: das u. a. in Syrien und 16^25^ — so wie man 360° auf dem Aquator 

in Italien gebrauchliche Stadium, das 1/40 ^^^ ausmiBt — jenseits des Aquators gelegener Pa- 

Parasang und des Schoinos, l/io ^®^ rQmischen rallel*; der nOrdliche Polarkreis liegt um 63° 

Meile bildete und das auBerdem zu den tibrigen nordlieh vom Aquator und lauft durch die Insel 

wichtigen StadienmaBen in sehr bequemen Ver- Thule. SobetragtdiebekannteBreite*) 79°50'oder 
haltnissen stand.* Dieses Stadium miBt er zu 30 rund 80 °, ungefahr (syycata) 40 000 Stadien, da 

148,5. Daraus (Lehmann-Haupt geht nicht ein Grad 500 Stadien miBt, otzeq bk tmv axQi^e- 

weiter in die Prage der Erdmessung ein, und ich gxsqcov ajzof^ezQi^oecov 2cazsXi^q}'&rj -, der Umfang der 

muB also fiir ihre Ermittlung in seinem Sinne ganzen Erde ist 180 000 Stadien.* Ptolemaios 

auf dieser Basis weiterbauen) ergibt sich fiir den hutet sich sonst eigentlich vor Angabe von Erd- 

Umfang 37,422km; fiir das Standenma6(d.i. 15°) maBen und denkt nur in MaBen und Winkeln 

1551 km. seiner astronomischen Beobachtungen. Er ist 

Hipp arch billigt im wesentlichen Erato- Astronom und Astrolog, und es ist verkehrt, 

sthenes' Berechnung, schlagt aber (nach Plin. a. 0.) sich tiber den letzteren Beruf zu verwundern. 

,weniger als 26 000 Stadien*, also etwa ,ein Zehn- Aber, wie in einer von mir vorbereiteten Studie 
tel* dazu; oder wie Lehmann-Haupt (1935) 40 tiber Ptolemaios betont werden soil, nicht Geo- 

das auffaBt: ,mehr als i/^o des Ganzen.^ Bleiben graph. 

wir aber, soviel Freiheit muB bei so unbestimmten Die Hauptstelle I 11,2 dia to trjv fisv fjiiav 

Zahlangaben bleiben, beim l/io- I^ann hat Hip- [jidiQav, oicov iotlv 6 fisyiorog nvxlog t| (360), 

parch den Umfang zu 41,164 km angesetzt. Hat jievtaKoolovg km tfjg S7ttq>av8iag tfjg yfjg anoXaiJL- 

Poseidonios ein MaB von 4 : 3 des eratosthenischen fidvsiv atadlovg, oti toXg of^oXoyovfisvacg drafts- 

gewahlt, so stehen wir bei dem von Lehmann- tQi^osoi ov/uq)cov6v iott^ trjv d' ofxoiav amfj jcsqi- 

Haupt fiir das philetarischegewahlfcen von 198 m. q)8Qstav tov did tfjg 'Fodiag noQalXrjXovy tovtsati 

Also E. (XlBO) = 35,640 km. Nun habe ich tov d%h%ovtog dnb tov lorjfisQivov /bioiQag tQidnovta 

Bd. X S. 2081 darauf hingewiesen, ,daB Posei- ef , tetQaTcoolovg syyiota atadlovg. to yaQ vjisQ^dXXov 
donios als Mchtagypter und als Fortsetzer der 50 avtcov Katd to t(p Xoyco twv TiaQoXlYikoav d^oXov- 

Geschichtsschreibung des Polybius so wie dieser id-ov, oXiyov 6V, (hg sv oXooxsqsI HataXriipsi naQaXs- 

gerechnet hat ; da wir nun wissen, daB Polybios Xelcp&o). (3) tijv 8s djio tfjg EKtid-sfjievrig tov 

8I/3 Stadien auf die rOmische Meile gerechnet und EvcpQatov dm^daswg f^sxQt tov Ai'&lvov IIvQyov 

vielleicht mitunter fur rasches Eechnen diesen (s. d.) didotaaiv owayofyievrjv xat avtov oxolvatv 

Betrag auf rund 8 Stadien herabgesetzt hat, und oxtaxoalcov i^dof/^i^Hovta s^, otadlwv 8s 8cofA,vQlo)v 

daB Strabon, ein jtingerer Fortsetzer des polybiani- s^amoxdloyv dtaxooioyv 6y8oYiKovta, xtX. und die 

schen Geschichtswerkes, 8 Stadien auf die Meile wenigen anderen Stellen, an denen Ptolemaios 

rechnete, d)g oi noXXoi, so setze ich auch fiir Mari- das Stadion umrechnet, namlich 

nos und Ptolemaios als Umrechnungszahl 177,5 bis 

184,9 m*) voraus, oder vielmehr bloB letztere, well 60 die Praxis hinkt nach. Um Plinius' Ausdruck zu 
verwenden, die harmonica ratio verlangt z. B. 

*) Zu diesen Zahlen bemerke ich, daB sie der auch glatte Beriicksichtigung der Eechenbrtiche, 

Natur der Sache und dem (damaligen und) ge- und muBte die Unterdriickung eines Bruchrestes 

genwartigen Stande der Forschung nach nur wie i/a l^^i ^^^^ Stadien = 1 Meile, wg ol jioXXol, 

Naherungswerte bedeuten kOnnen. Ich binde mich oder 1/7 bei der ludolphischen Zahl perhorres- 

auch an keinen der Zahlen vor schlage, die von zieren. 

anderer Seite gemacht worden sind. Die Theorie *) Ptol. : to syvcoofAsvov avtfjg (= t^g iyvoya- 

mag MaB- und Gewichtssysteme aufbauen, aber fisvrjg yfjg) nXdtog. 



53 Erdmessung Erinna 54 

I 10,1 Grade 16° 25' Stadien 8200 lyyioxa Ausgaben laden niclit leicht zu den nOtigen Ex- 

79° 25' oder 80° 40 000 zerpten ein. Hingegen ist die wunderliche ToutoyQa- 

! I 12,1 45° 15' 18100 g>/aJX^«atrmw;<;9;desKosmasIndopleustes,Mittedes 

31 g^o 24000 = Sclioinoi 800 6. Jhds., s. o., Wecker o. Bd. XI S. 1487ff.) allge- 

9) 24000 (diese am mein "bekannt. Das ist ein ungelehrter und unbelehr- 

rhodischen Parallel, auf dem schon 400 Stadien barer Antor mit toUen und verkehrten kosmologi- 

einen Grad ausfiillen), will Gun tz, da sie in Er- schenAnschauungen,diesichaufeineBeschreibung 

(irterungen liber Marinns enthalten sind, nicht di- der Stiftshtitte (Exodus 25, 23) in allegorischer In- 

rekt ftir Ptolemaios ausniitzen. Aber es bleibt iibh. terpretation sttitzt. Er eifert leidenschaftlich gegen 

durcbdiegrofieMengedervon Cuntz aus anderen 10 den stindigen Eurwitz, der sich durchSonnen- und 

Autoren angeftibrten Parallelen jeder Zweifel an Mondesfinsternisse betoren lafit. Da die Grenze 

der Wertung des bei Geographen und Historikern zwiscben Erdtafel und ErdkOrper sich in kurioser 

in der Kaiserzeit liblichen Stadion ausgeschlossen. Art bei ihm verwischt, halte ich die Erinnerung 

Es liegt, so wunderlicb es aucb sein mag, und so an seinen E.-Versuch bier fiir eher am Platz als 

sebr solcbe Scbeu,einWegma6zudefinieien, einem unter ,Oikumene'. Er setzt, entsprecbend den 

Eomanschriftsteller etwa der Biedermaier-Zeit, sich Worten des ,gro6en Kosmographen Moses*, die 

scbickt, der seine Helden so und soviele Meilen Ostwestrichtung als doppelt so lang an als die 

reisen lafit, ohne auch nur einmal das Bedlirfnis Nordsiidlinie. Seine Weisheit geht nun angeblich 

nacb ihrer Definition gegeniiber seinem Leserkreise auf die indischen BQaxf^aveg zurtick. Diese batten 

zu sptiren, nur an Ptolemaios, dafi er nirgends 20 eine ,schnurgerade' Abmessung empfoblen, durch 

sonst solcbe Wertungen ausspricbt. ein anaQtiov, von Tzinitza = Cbina aus. Die dmoxrj- 

Was Ptolem. I 4, 4—7 iiber die Unverlafilicb- (xaxa der Mefipunkte ftibren bis zum Westen 

keit der Messungen auf festem Boden oder zu {bvoig) iiber Ovvvia, Ivdla und ^ BdmQcov %d)Qa, 

Schiff ausfiibrt, ftir jenen das iiblicbe Fehlen ge- iiber ,ungefahr 150 iiovaV" ; 

rader Wegricbtung und die Niveauunterscbiede, dann ^ Usqo&v xwQa 80 „ 

ftir diese u. a. aucb noch die Windstarke undibre dann die Linie Nioi^i his HeXevxeia 13 „ 

Dauer und Abwechslung, die zu scbatzungsweisen die Linie HeXsvxsia, TcofArj, TaAA/a, 

Herabsetzungen der ausgewiesenen Stadien zwin- ipriQia (= lojtavol) bis FadsiQa 

gen, gestattet docb niclit das Absehen von jeder sSco slg tov 'QKsavov ungefabr 150 „ 

Messung und das Ersetzen von Itinerarien durcb 30 a„^^^ -j / "o / ^i„o ^•«,,\,\ qoo 

Ortsentfernungen, die (gleichfalls vemutungs- Summe ^rA^ov .Aatrov (= plub minus) 393, 

Wise) auf Grund von Itinerarien durch Polhlhe ^'^VC''l;X° ^'^ftf i ^ ' ^'' - ' R ■ 

bestimmt warden. Hingegen gewahren die Vi- , ^'^J' ''*^ '"'^* "^ '^° ^"'' ''"'S^^S^"^" 

sierungen dem Autor die einzige yerlafiliche Hilfe ^'"Zidncov nicht mehr als 50 f^ai 

fur die Abscbatzung und Vermessung von Ob- ^5% , ^ kq ^ 

jekten ebensowobl auf dem festen Boden wie zur ^, ^*'" on " 

§ 7. Kugelgestalt und die Daten ftir die E. ^f^?'"'^, n ^ ^ , „„^ 7? /? ' ^^ " 

sowie die wislenscbaftlicben Wege, auf denen Av^omah^^^^ 

man zu ibnen gelangt war, sind nicht einmal in die 40 ^ - 



mittleren Schicbten der gebildeteren Gesellschaft Summe 200 (jioval. 

und zur Kenntnis der antiken AuBenvolker ge- Somit recbnet Kosmas die ,Lange' zu rund 

langt. Aber auch aus dem Gesichtskreis der Ge- 400, die Breite zu 200 fAoval ; also zu 12 000 

bildeteren scbwand sie immer starker, und die bzw. 6000 fjilXia, aber er fiibrt diese Kechnung 

pietistische Eichtung der buchstabenglaubigen nicht aus und definiert nicht das fA,iXiov. Zur Be- 

Interpreten der hi. Schriften von Juden und statigung der Daten und Zablen bringt er eine 

Christen hat sie nabezu ausgelCscht. Freilich von ihm mit einem Freunde ausgeftihrte Ab- 

konnte die Neugier nacb GrOBe und Gestalt der schrift einer Denkscbrift des Ptolemaios III. 

Erde nie ganz ersterben, und sie muBte Nabrung Euergetes aus dem abessyniscben Axume. Sie ist 
finden aus der immer wachsenden Bertihrung der 50 in anderer Beziehung sebr wertvoll ftir uns, aber 

Vclker untereinander. Solcbe Bertihrungen er- mit E. hat sie so wenig zu tun als ebendort eine 

wachsen hauptsachlich durch Wanderungen, durch zweite Inschrift eines axumitischen Barbaren- 

Krieg, durch Handel und durch die christliche kOnigs; Syll. or. 54 und 199; s. 0. Wecker 488. 
Missionstatigkeit. § 8. Die nachste E. fallt erst ums J. 827, in die 

Durcb schmale byzantinische Kulturkreise Zeit der Araber unter Al*Mamun mit ahnlich 

und durch orientalische, insbesondere arabische groBer Aufmachung wie mehr als ein Jabrtausend 

Schulen, welche im Osten und in Spanien auf die frtiher Eratosthenes zum Kuhm der alexandriniscben 

Schriften des ptolem aeischen Nachlasses sich Wissenschaft untemommen batte; vgl. Miller 

sttitzten, wurde der wissenschaftliche Funken Erdmessung 32ff. [Wilh. Kubitschek.] 

der E. am Leben erhalten. Man soUte meinen, 60 S. 455 zum Art. Erinna: 

daB die Schriften der lateinischen und vor allem Ein Papyrus s. la (ed. G. Vitelli Pap. See. 

der griechischen Kirchenscbriftsteller Andeutungen Ital. 9, 1929, nr. 1090, dazu Tal IV undVorrede 

liber die jeweils geltenden Vorstellungen vom S. XII, vgl. die Ausgabe von P. Maas Herm. 

Weltbau enthalten. Aber mir ist keine branch- 1934, Heft 1) enthalt Reste von 54 Hexametem 

bare Zusammenstellung des Materials (weder aus eines Trauergedichtes der E. auf Baukis, jener 

R. Be az ley Dawns of modern geography 1 1897, Gespielin, der auch die beiden Grabepigramme 

noch aus Marin elli, noch ausKonradKretsch- Anth. Pal. VH 710. 712 gelten, und wohl auch 

mer)3ebegegnet, unddielndizesderMigne'scben das Geleitgedicht frg. 1 Bergk (3 Diehl); denn 



55 Erinna Exekution 56 

da die telische Heimat der E. auf dem Grabstein muB hier gentigen: dvlTca S' eg Xe^og [avbQog 

erwahnt wird, Y^mmtet v. Wilamowitz e/^a?, rJoKa jidvx' eUXaoOy aod' hi vrjTtidoaaa 

Sappho und Simonides 1912, 230, ansprechend, rfsdg naQa] [A,axQdg axovoag, Bav^i (plXa . . . 

daB Baaikis nach auswarts geheiratet habe. Frg. 2 Neuere Literatur auBer v. Wilamowitz 

(1 D.) kehrt auf dem Papyrus wieder (32 :;tQav' a. 0. und! Vitelli: E. Diehl Anth. lyr. I 

ioyoi jTofXtai , . .])j olme verstandlicli zu werden. (1925) 486. A. Korte Arch. f. Pap. X 21,. 

Frg. 3 (2 D.) stammt offenbar aus demselben C. M. B o w r a bei Powell New Chapters in 

Gedichte (schon C r u s i u s schrieb es einem im- Greek Lit. Ill (1933) 180S. P. M a a s Herm. 1934. 

Tirideiov zu), [P. Maas.] 

Dies Gedicht nun meint vermutlioh Suidas s. 10 S. 552, 12 zum Art. Erucianus: 

"H.Qivva mit den Worten syQay^sv 'HXa?cdty]v' C. Erucianus Silo, Consul suffectus im J. 

noiri[A,d 6' sotiv AioXiKfi nal AcoQidi diaU^rco, stzwv 110 n. Chr. mit L. Catilius Severus, fasti Ostienses 

t' (300). Eben diese ganz einzigartige Bialekt- Calza Not. d. scav. 1932, 188ff. [Groag.] 

mischung zeigen xsXwva, asXawa, yorj/^i, [oxovd]- Euryalos, sagenhafter attischer Architekt, 

Xsioa neben rv (ace.), noxL, xona, xfjvog^ HcoQa, mit seinem Bruder Hyperbios Erfinder der Zie- 

(poixfji (oder k(poixri). Das Dorische paBt zu E.s geleien und des Hausbaues. Plin. n. h. VII 194. 

vermutlicher Heimat Telos; das Aeolische hat Ebd. 198 erscheint ein Korinther Hyperbios als 

V. Wilamowitz Hellenist. Dicht. I (1925) Erfinder der TOpferscheibe (von Kremmer De 

109, 2 aus vielleicht unbewuBter Nachahmung der catalogis heurematum, Lpz. 1890, 103 auf Straton 
Sappho erklart, was nun dureh xeXvvva imd oe- 20 zurtickgeftihrt). Endlich erwahnt Pans. I 28, 3 

Xawa tedlweise bestatigt wird. [Die xeXvwa ist, die Legende, die Pelasger Agrolas (o. Bd. I S. 903) 

wie B w r a (s. u.) erkannt hat, nicht die Leier, und Hyperbios batten die Mauern der Akropolis 

sondern die iSchdldkrote des Z^2t;^-f2c6r^-<Spielers.] von Athen gebaut (Literatur Suppl.-Bd. I S. 175); 

Aber die aithematische Flexion der Verba konnte doch ist die Stelle liickenhaft und es heiBt gleich 

kaum als typisch fiir Sappho empfunden und darauf, die beiden seien Sikeler gewesen und 

sicher nicht unbewuBt verwendet werden. Be- nach Akarnanien ausgewandert. Ygl. auch v. Wi- 

wuBte Dialektmischung stimmt aber nicht zu der lamowitz Aus Kydathen 144. [W. KrolL] 

Schlichtheit des Stils. So bleibt hier eine Frage Exekution. E. oder ZwangsvoUstreckung ist 

off en. die Verwirklichung eines Rechtes gegen den Willen 

Der Tiitel 'EXa^edxTj (Suid.) ist freilich un- 30 dos Verpflichteten. Herkonmilicherweise unter- 

veistandlich; man vermiBt den Namen der Baukis, scheideit mam Vermogens- und Porsonal-E. Wah- 

deren Leben und frtiher Tod den einzigen Inhait rend gegenwartig die erstere im Vordergrunde 

zu biliden scheint (dXaTidxav col. Ill ist wegen der steht, ist dies in urspriinglichen Verhaltnissen 

Verstiimmelung der Umgebung unverwertbar). anders. Die Personal-E. ist unvergleichlich alter 

Theokrits 'HXaKdxrj (28) zeigt keinen Anklang als die Vermogens-E. Dies hangt sicherlich o^ich 

an das Trauergedicht. damit zusammen, daB urspriinglich das Ver- 

Ob sich in dem anonymen Epigramm Anth. mogen in sehr weitem AusmaBe durch das Kol- 

Pal. IX 190 die Worte ot dh xQirjHOGioi xavxrjg (der lektiveigentum (s. E. Weiss o. Bd. IX S. 1078ff.) 

B.) Gxixoi looi 'OfirjQov (daraus Suid. oi bs oxlxot gebunden war. Doch von noch viel groBerer Be- 
avxTjg EKQvdnfioav loot VfA,i^Qov) auf das Trauer- 40 deutung ist in dem angegebenen Sinne, daB die 

gedicht allein, oder (wie C r u s i u s vermutete) personliche Haftung, die dann allerdings nur zur 

auf den gesamten NachlaB der E. beziehen, laBt Personal-E. berechtigt, am Anfange der Rechts^ 

sich noch immer nicht entscheiden. Im ersten entwicklung steht, was wiederum mit der An^ 

Fall waren die Epigramme vergessen, die doch schauung der lalten Rechte zusammenhangt, daB 

sehr geschatzt waren (Anth. Pal. VII 13, 4 t= die Schuld auch bei vertragsmaBiger Begrtindung 

VII 712, 3), im letzteren miiBte Suidas stark ein Unrecht gegen den Glaubiger darstellt; der 

irren. Aiith. Pal. IX 190, 1 xods xtjqIov wiirde Schuldner setzt sich mit der Retehtsordnung in 

gut auf eine Gedichtsammlung passen (Plin. n. h. Widerspruch, die lediglieh den Barverkehr als 

praef. 24 iiber KriQiov als Buchtitel). ordnungsmaBig gelten laBt. Ist die Schuld aber 

E. war 19jahrig, als sie das Trauergedicht 50 ein Unrecht, so treffen die Unreehtsfolgen, eben- 

verfaBte (23 evvmHaibs7caxog)\ sie ist auch selbst so wie jede andere Polge einer Straftat, in erster 

jung gestorben. Asklepiades (Anth. Pal. VII 11) Reihe die Person des Rechtsbrechers. Vorsichts- 

kann also mit yXvxvg jtovog . . . naQ'&eviKag kvvsa- halber sei bemerkt, daB die Vermogens-E. neben, 

Haidstcdxsvg sowohl auf das Trauergedicht wie auf nicht etwa an die Stelle dear Personal-E. tritt, so 

das Gesamtwerk der E. hinweisen. Suid. xelsvxq, daB schlieBlich beide nebeneinander stehen. Doch 
utaQ'&svog ivveaxmdeKdxcg kann von Asklepiades ist im Ablauf der rechtsgeschichtlichen Erschei- 

abhangen. nungen ein aUmahliches Zurticktreten der Perso- 

Sicher war das Trauergedicht das bedeutendste nal-E. unverkennbar. 

Werk der E. und der Hauptgegenstand des Ent- I. Griechische Personal-E. 
ziickens der Alexandriner, die es neben Homer 60 Urspriinglich haben wir uns das Reeht dfes 

und Sappho stellen. Wir konnen das jetzt nach- Glaubigers gegen den VoUstreckungsschuldner 

ftihlen, so verstiimmelt die Reste sind. Kindliche ganz unbeschrankt zu denken. Die Rechtsordnung 

Schlichtheit, Anschaulichkeit, tiefe Empfindung, steht dem Schicksal des Verpflichteten voUkom- 

und bei all dem noch echte Kunst, diese Vereini- men gleichgiiltig gegeniiber. In dieser Hinsicht 

gung hat etwas Klassisches, muBte jedenfalls den ist das dolisebe Gesetz gegenl den Zwischenhan- 

Alexandrinern geradezu als ein Wunder erschei- del mit Kohle und Holz bezeichnend (Bull. hell, 

nen. Eine Stilprobe aus dem am besten erhaltenen XXXI 47). Dort ist vorgesehen, den aahlungs- 

TeH (col. II gegen Ende, bei Vitelli p. XII) unfahigen Schuldner dem Glaubiger auszuliefern. 



57 Exekution Exekution 58 

ihn xhm preiszugeben, ohne daB, wie im romischen konnen, odex aber als biirgerliche iStrafe fiir Zu- 

Recht, irgendeine Beschrankung seiner Gewalt widerhandlungen g&g^n Unterlassungspfliehten 

ersicMlich ware. Der Fachausdruck daftir ist nQoo- (DZPO § 888. 890. Osterreichische E.-Ordming 

tiMvai. In dieser nnlbesehrankten Form mtissen §§ 346--369). Besteht im griechischen Reeht 

wir die 8 c h n 1 d k n e c h t s c h. a f t als gemein- ein entwicklungsgeschichtlicher Zusammenhang 

griechisclie Vollstreckungsart ansehen (L. Mit- der Schuldliaft mit der Schuldknechtschaft, so 

t ei s Reacbsrecht 446). Wir finden &ie im Reclit miifite sie als jiingere Abmildernng verstand^n 

von Gortyn (I 55) im Zusammenhangei des Biir- werden, indem einerseits ein Eingreifen der 

gerprozesses; bei iden attischen Rednern, so bei Obrigkeit si;attfindet, andererseits die schweren 

Lysias (XII 98) nnd Isokrates (XIV 48) horen 10 Folgen der Schuldkneclitsehaft, namentlich der 

wir von ihr immer nur im Zusammenhang mit Freiheitsverlusit., ausbleiben. Damit hangt eis wohl 

einem erzwungenen Aufenthalt in der Fremde; so zusammen, daB seit jeher die Schuldhaft in 

weiB dies der letztgenannte von den Plataern zu offentlichem Gewalirsam, nieht in Privathaft voU- 

berichten {km ^svrjg fxixQcbv av evsna ovfA,poXaicov streckt wird. In Athen bilden den AnlaB zur 

sdovXsvov). Mit Bestimmtheit konnen wir die Schuldliaft gewisse Handelsschulden, d. h. Kla- 

Schuldknechtschaft auBer in Gortyn fiir das vox- gen gegen GroBhanidler und Schiffer wegen Ver- 

solonische Athen voraussetzen, wo, wie noch unten tragen tiberEin- und Ausfuhr (Demo sth. XXXIII 1), 

zu zeigen sein wird, nicht einmal die "Verpflieh- ferner offentliche Schulden (Demosth. XXIV 98). 

tung des Glaubigers zum Verkauf ins Ausland Noch Lukian setzt fiir Schuldner von Strafgeldern 

bestand. Solon hob in Athen die Schuldknecht- 20 an den Staat die Anhaltung im Schuldtimn als 

schaft aiuf (Aristot. 'Ad: nol. 6, 1), dies anderte allgemein bekamnt voraus (Lukian. XXXIX 5, 49). 

aber an dem sonstigen griechischen Rechtszustande SchlieBlich ist in diesem Zusammenhang noch zu 

auBerhalb Athens nichts. Noch bei Diod. I 79, 5 eiwahnen, daB auch Platon die Anhaltung bis zui 

erscheint die Schuldknechtschaft als gemeines Bezahlung, z. B. bei der Verurteilung zur Dieb- 

griechisches Reeht; der Ausdruck der Kunstprosa stahlsbuBe (Plat. leg. IX 857 a) kennt. Auch in 

fiir den entlassenen Schuldknecht ist s^€Xsvd>sQos Korinth wird, und zwar schon fiir die Zeit dfes 

(Etym. G. 193St. Eustath. Od. XIV63p. 1751,2). Kypsebs, die Anhaltung Ym staatlichen BuB- 

Ein griechischer roTiog bei Dion. Chrya. II 238 schuldnern im Gefangnis erwahnt, aus der Biirgen- 

Am. u. Plut de evitando aere al. 3. 828 c be- steUungbefreite(Nikol.v.Daim.frg.58.FHGIII392). 

zeichnet die Verflechtung mit irdischen Giitern 30 Im Hellenismus scheint dann die S'chuldknecht- 

als ein Sklave sein nach Schuldvertrag. Partsch schaft durch die Sdhuldhaft voUkommen verdran^gt 

(Berl. Phil. W. 1913, 679; Aus nachgelassenen zu sein. So ordmet der aiichaiische Bundesstratege 

Schriften 1931, 285) verweist auf das allerdings Kritolaos (147/46 vi. Chr.) ein Moratorium in der 

ganz verstiimmelte delphische Gesetz unter einem Weise an, 'daB er den Ortsobrigkeiten verbieitet, 

vom J. 235/230 v. Chr. datierten Ehrendekret Personen, die wegen Schulden in die offentliche 

Bull. hell. XXVI 254, wo als Folge des TcaxabiKov Haft abgefiihrt worden sind, von den Glaubigern 

yeyevfjod'ai das aycbyiiJiov elvai erscheint. entgegenzunehmen (Polyb. XXXVIII 11, 10). 

Die Aufhebung der Schuldknechtschaft in Auch im Evangelium (Matth. XVIIII 28) wird 

Athen durch Solon ist in ihrer Wirkung von vom- der Schuldner in das Gefangnis geworfen, ,bis er 

herein dadureh beischrankt, daB sie auf Staats- 40 bezahlt*. In den Papyri begegneni wir zwar der 

schulden keine Anwendung findet (vgl. Boieekh- Schuldhaft, aber nicht der Verknechtung (San 

Frankel Staatshaushaltung der Athener I Nicolo H. GroB Arch. XLVI [1912] 143. 

461. n 103. P a r t s c h Griech. Biirgschaftsrecht Schubart Einfuhrung in die Papyrusk. 1918, 

I 238, 1. Hermann-ThalheimRechtsalt.5 292). Wie uns das Edikt des Ti. lulius Ale- 

1895, 19, 1 unter Berufung auf Dem. LVHI 1. xander (CIG IE 4957. Syll. or. 669. Br uns 

XXVIII 1. Demisch Die Schuldenerbfolge im FIR F 244) zeigt, scheint schon in dieser Zeit 

attischen Recht, Lpz. 1910, bes. 48). Ebenso wie in Igypten die dem modernen Vollstreckungs- 

das romische (s. u. Ill) hat das griechische recht eigentiimliche Tirennung der Raumliehkeiten 

Vollstreckungsrecht, z. B. in HalikarnaB (sog. zur VoUstreckung der Strafe von jenen zur V'oU- 

Lygdiamisinschrift Syll.^ 45. IGA 500) den Satz 50 streekung der Schuldhaft iiblich gewesen sein. 

ausgebildet, daB ein Verkauf des VoUstreckungs- Dort wird auch eine Verordnung des Kaisers 

schuldners nur ins Ausland erfolgen darf. Ahn- Augustus eingescharft, wonach, wie es scheint, 

lich begegnem wir, wenngleich in anscheinend ahnLich wie in Athen die Schuldknechtschaft und 

verderbter tlberlieferung, diesem Verbote in Ale- Schuldhaft auBer gegen Staatsschuldner verboten 

xandrien (P. Hal. 1, 219, dazu die Herausgeber wird (bestritten von Wo ess Ztschr. f. Rechts- 

123. Wenger Miinchn. krit. Vierteljahrschr. gesch. LVT 1922, 402, 4)' Tirotzdem begegnen wir 

LI [1913] 367. LIV [1919] 19f.). Zulassig diirfte in Agypten bis in die Zeit lustinians hinein so- 

hingegen der Verkauf ins Ausland iiberall ge- gar der privaiten eigenmachtigen ZwangsvoU- 

wesen sein, wo Schuldknechtschaft stattfand, wie streekung im eigemen Schuldgefangnis des Glau- 

im vorsolonischen Athen (Solon frg. 4 Bgk.). Vgl. 60 bigers (Pap. Cairo Cat. 67005). Die Papyri 

ferner BraBloff Herm. LVII 472ff . und fiir zeigen uns fiir das hellenistische Recht die ver- 

germanische Verhaltnisse Tac. Germ. 24. tragsmaBige Unterwerfung unter eine verscharfte 

Von der Schuldknechtschaft unterscheidet sich E., wahrend die ordentliche ZwangsvoUstreckung 

die Schuldhaft; sie ist auch dem geltenden wegen burgerlich-rechtlicher Forderungen nach 

Rechte des Deutschen Reichs und Osterreichs be- einem koniglichen diayQafAfxa (E. Weiss 517) 

kannt, aber nur als Beugemittel bei sog. unver- stattfand. So soil in P. Columbia 270 die VoU- 

tretbaren Handlungen, d. h. bei solchen, die streekung in die Person und in das Vermogen so er- 

durch einen anderen nicht vorgenommen werden folgen wie bei Konigsforderungen {(hg TZQog Paoi- 



59 Exekution Exekution 60 

liKCL^ namlich ocpeilrjiAata), Damit scheint ge- Riccobono - Baviera -Ferrini 28f.)- 

meint zu sein, daB gegen die Mitverpflichteten Diose gesetzliehen Bostimmungen lassen indes 

(Pachter und Btirgen) als Gesamthander {correi einen alteren Rechtszustand erkennen, der gegen 

debendi) vorgegangen und nicht etwa nnr nach den Schnldner noch grausamer war. Mehrfach ist 

Kopfteilen exequiert werden soil (P. M. Meyer Veranderung des Textes durch Einsehiibe "be- 

Ztschr. f. Rechtsgesch. LXIII 538). In den glei- hauptet wordetn (z. B. betr. des Einganges von 

chen Zusammenhang gehoren aber audi die Ver- Gradenwitz M61. Girard I 50'5ff. B e 1 1 i Atti 

trage iiber Abarbeitung einer Schuld, aber be- Acad. Torino I [1914/15] 701, 2. Br^al Journ. 

greiflicherweise nur, soweit sie zur Vermeidung d. Sav. 1902, 607, vgl. den Bericht von 
der Personal-E. geschlossen werden. So spricht lOSchwering und Baeherler Burs. CLXXVI 

Varr. r. r. I 17, 2 von Ackerknechten, quos oh- [1918] 97). Gehen wir indes von d'em bei Gell. 

aerarios nostri vocitarunt et etiam nunc sunt in XX 1, 42ff. tiberlieferten Texte a)usi, so wird die 

Asia atque Aegypto et in lllyrieo complures. ZwangsvoUstreckung -durch eine manus inieetio 

Dieses Verhaltnis beruht nicht auf einem Dienst- eingeleitet; sie seitlzte voraus, daB die gesetzliche 

vertrage, denn diese Ackerknechte werden deut- Zahluingsfriist fur urteilsmaBig oderr durch Con- 

lich von den conduetieiis liherorum operis unter- fessio (s. Leonhand o. Bd IV 8. 864) fest- 

schieden. Hierher gehort ferner wohl auch eine gesteUte Verbindlichkeiten von 30 Tagen frucht- 

Reihe von Urkunden aus Alexandrien BGU IV los versiMchen ist. An die manus inieetio schloB 

1053—1057. 1106. 1115—1119. 1121. 1122. sich eine Vorfiihrung vor den Gerichtsmagisftrat. 
1133. 1144. 1145—1147. 1150 Z. 19ff. 1151 20 Ersichtlich 'hatte der Magistrat zu p-rtifen, ob 

Z. 26ff. 1156. Vgl. auch P. Oxy. 1295 Z. 12 mit wirklich die behauptete Verbindlichkeit vorlag, 

Anm. Hier unterwerfen sich anscheinend IHgoat unid ob sich nicht bei Verhandlung ein vindex 

tfjg smyovfjg, und ihnen Gleichgestellte (BGU IV (s. u.) einstellte. Gesehah ' weder Sam eine noch 

1156) dem naQaxQfjfjia aywyifjiov slvat und der das andere, so kann der Glaubiger den SchuMner 

Anhaltung in Haft (owix^o'd'ai). Daneben besteht mit sich fortfiihren, er kann ihn mit einem Strick 

die ordentliche E. nad'dnsQ iy biTirjg. Diese Ab- ode(r mit FuBfesseln fesseln, die jedocb das Ge^ 

machungen besagen, daB der Glaubiger auf Grund wicht von 15 Pfund (Textveranderung; daftir mit 

besonderer Vereinbarung den Schuldner eigen- Schrifttum E. Weiss Griech. Privatr. I 1923, 

machtig und ohne Anrufung der Behorde ergrei- 502, 18, und dagegen Wenger Imst. d. rom. 
fen und bei sich in Privathaft, vielleicht als 30 ZivilprozeBr. 1925, 214, 3) nicht ubersteigen dtir- 

Dienstknecht, behalten kann. Die IIsQoai rfjg km- fen. Dem Schuldner steht das Recht zu, sdch 

yorrjg sind eine amtliche Standesbezeichnung selbst zu verkostigen. Dies findet in den moder- 

(Schonbauer Ztschr. f . Rechtsgesch. LXII nen Vorschriften iiber den VoUzug der Haft eine 

363, anders Bickermann Arch. f. Pap. VIII Entsprechung. Wird die Verpflegung nicht vom 

218ff.). Zum Begriff der IJigaai, xfjg smyovrjg^ Verpflichteten beigestellt, so hat der Glaubiger 

groBes Schrifttum, vgl. v. W o e s s Ztschr. f . dem Schuldner lihras f arris, also 'ein Pfund Spelt- 

Rechtsgesch. LIX 38 mit weiteren Angaben; mehl taglich zu reichen — eine zur Aufrecht- 

Schonbauer 361; wieso sie dem scharferen erhaltung des Lebensprozesses kaum ausreichende 

VoUstreckungsrecht unterlagen, ist mit Sicherheit Gabe. Wahrend dieser Haft konnten Verhanid- 
noch nicht aufgeklart. Zur Abarbeitung der Schuld 40 lungen zwischen den Parteien stattfinden. Blieben 

vgl. auch M. Weber Handworterb. d. Staats- sie ergebnislos, o>der kam es nicht dazu, so war 

wiss. P 137. Das naQaxQrjfjia aycbyifjiov elvai als der Schuldner nach sechzigtagiger Haft an drei 

vereinbarte, nicht gesetzliche Folge des aufeinanderfolgenden Markttagen, also in acht- 

Schuldnerverzuges fiihrt zur Versklavung. Dies tagigen Zwischenraumen, dreimal vor den Praetor 

stimmt zu der sonstigen Bedeutung des Wortes in comitium zu fiihren, durch praedieatio, also 

(Thalheim 0. Bd. I S. 768. 834f.) und dem ofPentlich (E. Weiss Ztschr. f. Rechtsgesch. 

Pap. Columbia invent, nr. 480 (198/97 v. Chr.) XLVI 488) seine Urteils- (oder Gestandnis-) Schuld 

abgedruckt bei Westermann Upon slavery bekanntzumachen und nach fruchtlosem Ablauf 

in Ptolemaic Egypt 1929, wonach die Sklaven- der angegebenen Frist dem Glaubiger zur Totung 
steuer einzuheben ist von den [rjcov 8s vnoxQscov 50 odeir zum Verkauf in das Ausland {trans Tiberim) 

aco/Lidrcov, oca av ihv['d'e]Qa Svta sav[ra . . ,] to zu tiberlassen. Nooh die Zwolf Tafeln spreehen 

XQsog, anders v. W o e s s Ztschr. f . Rechtsgesch. von einem Recht der mehreren Glaubiger (Plural 

LXIV 426 unter Hinweis auf friihere Arbeiten, an Sltelle des bis 'dahin gebrauchten Singulars), 

insbesondere zur Benutzung'des Asyls als Mittel den Schuldner in Stiicke zu schneiden. Nach den 

des Schuldnerschutzes. Vgl. ferner zu den hier antiken Berichten soil es indes zur Auslibung 

erorterten Fragen L e w a 1 d Zur Personal-E. im dieses Rechtes niemals gekommen sein (Cass. 

Recht der Papyri 1910. Dio frg. 12. Quint. IH 6, 84. GeU. XX 1, 52); 

Eine andere Folge der unterbliebenen Erfiil- die Bestimmung, in der Literatur vielfach ange- 

lung einer Schuld ist Atimie, woriiber Thai- zweifelt und verschioden ausgelegt (B r 6 a 1 Journ. 
heim o. Bd. H S. 2102. 60 d. Sav. 1902, 607, vgl. Schweringu. Bach- 

II. Griechische Vermogens-E. Der erler 97. Kohler Shakespeare vor dem Po- 

Fachausdruck fiir die griechische Vermogens-E. rum der Jurisprudenz^ 1919, 50ff. E. Weiss 

ist xaxsvsxvQaoia, wortiber E. Weiss o. Bd. X Griech. Privatr. I 192^, 50^, 20. Radin Amer. 

S. 2495ff. Journ. of PhiM. XLIH 1922, 32. Gruppe 

HI. Romi'sche Personal-E. PMlol. Woeh. 1924, 58ff. W e n g e r Instit. 215; 

Unsere "Dberlieiferung liber die alteste romische ftir die Echtheit namentlich R i c c o b o n o 29, 

Personal-E. beruht in erster Reihe auf dem Text 6 B unter Hinweis auf den Gains Augustod. IV 

der Zwolf Tafeln HI 1—6 (Bruns FIR F 20. 83 und Buonamici Bull. deU. Istit. di di- 



61 Exekution Exekution 62 

ritto Rom. XIII 249ff.), kann nur den Sinn haben, calla (BGU n 473. M i 1 1 e i s Ckrest. 375, dazu 

daB sie edne Norm gegen den Scliiildner diaarstellt, Grundz. 287 Z. 7) entnehmen wir, dafi man dlircli 

der betriiglicherweise bei mehreren Glaubigern cessio bonorum anch. der Personal-E. wegen offent- 

Verpflichtungen eingeht. In diesem Fall Seht lichrechtlicher Verpfliehtungen entgeht. Ebenso 

ibnen das Totungsrecht gemeinsam zu. Ebenso wie die angeftihirte kaiserliche Verordnung vom 

wie im griechiscben RechI gilt der Satz, daB der J. 200 n. Chr. kehren sich in nacbklassiseher Zeit 

Verkauf als Sklave in das Auslamd statttfinden weitere kaiserliche Yerordnnngen (Cod. Theod. 

muB (IVIommsen Jur. Sehr. Ill 4). Znr Echt- IX 11, 5. Cod. Inst. IX 5, 1. 2) gegen den pri- 

heitsfrage betr. dieser Bestimmungen einerseits vaten Schuidkerker. Gb an dessen Stelle die Haft 
E. Lambert Revne g^nenaie de droit 1902; 10 im offentliohen iSchnldturm getreten ist, wissen 

Le probleme de Torigine des XII tables 150ff. wir nicM. Die Geistlichkeit unterliegt der Per- 

und andererseits Lenel Ztschr. f. Rechtsgesch. sonal-E. nicht (God. Inst. I 3, 32 [33], 6 vom 

XXXIX 507. In spaterer Zeit erfolgt die Ein- J. 472). Ausfiibrlich, aber nicht luekenlos tiber 

leitung der E. nicht mehr durch die ebenso wie diese Fragen v. W o e s s 485, vgl. anch K ti b 1 e r 

alle anderen Legisactionen abgekommene legis- Rom. Rechtsgesch. 192,5 50, 1; Wenger In- 

actio per manus iniectionem, sondern durch actio stit. 1925^ 202). 

iudicatij wortiber Steinwenter o. Bd. IX IV. Romische Vermogens-E. 
S. 2476 nnter A. Ebenso wie in Griech^nland Schon in der Legisactionenzeit gibt es ein© 
gebt anch in Rom die Entwicklung auf eine Ab- Zwangsvollstjrecknng in das Vermogen dnreh 
mildemng der Personai-E. Durch die Lex Foe- 20 legisactio per pignoris capionem. Sie vollzog sich 
talia-Papiria de nexis (Liv. VIII 28. Dionys. XVI durch auBergerichtliche Pfandnahme wegen ge- 
5. Cia rep. 11 34; de orat. II 255; weitere Nach- wisser, mit dem offentlichen oder Sakralrecht zu- 
richten bei Plant. Asin. 937; Bacch. 1205. Sail. sammenhangender Forderungen, z. B. lege cen- 
Calt. 33. Quintil. VII 2, 26. Quintil. decl. 311),, soria durch den puhliacnuSj wegen des aes mili- 
wurde, nachdem schon die Lex Vallia (Gains IV tare oder gegen den Kaufer eines Opfertieres bei 
25) mi-t gewi'ssen Einschrankungen 'dais Erforder- Verzug mit der Zahlung des Kaufpreases. Wegen 
nis der Stellung '©ines Vindex (s. u.) abgesteEt der AuBergerichtlichkeit desVorganges, der femer 
hatte, bestimmt, daB sich der Nexum-Schuldner auch an dies nefasti stattfinden konnte, war die 
durch das iuramentum bonae eopiae habere be- UntersteUung unter den Begriff der legisactio 
freien kann. Er muB also schworen, daB sein Ver- 30 bestritten. Haiuptquelle ist Gai. IV 26H. Doch 
mogen wirklich zur Deckung seiner Schulden hin- scbeint diese legisactio, wenngleich mit inhalt- 
reiche und er nur im Augenblick kein Geld zur lichen Veranderungen in gewiissen Fallen, auch 
Verfiigung habe; damit entging er der Personal- nach Abkonnnen der Legisactionen zulassig ge- 
E. (v. Wo ess Ztschr. f. Rechtsgesch. LVI 52 Iff. blieben zu sein (Gai. IV 31 am SchluB [Lticke]: 
G^noun La cessio bonorum 1920, dazu Fran- 32). Im allgemeinen indes tritt an SteUe der 
c i s c i Aegyptus I 390. K li b 1 e r Berl. Phil. W. legisactio per pignoris capionem nach dem Ab- 
1921, , 171. Ebrard Viertelj .-Schr . f . Sozial- u. Wirt- kommen dieser Verf ahrensarten ein auf ganz neuer 
schaffcsgesch. 1921, 1981). Durch die I. lulia de gedanklicher Grundlage bemihendes Verfahren. Die 
cessione bonorum, anscheinend also im Zuge der Einleitung des Verfahrens der Zwangsvollstrek- 
Gerichtsordnung des Augustus von 17 v. Chr., 40 tung erfolgt, wie oben unter III bemerkt, durch 
wurde die cessio bonorum eingefiihrt, d. h. dem actio iudicati. Daran schlieBt sich nun die E., 
zahlungsunf ahigen Schuldner wurde die Abtretung aber nicht in dnzelne Vermogensstticke, sondern 
seines Vermogens gestattet (s. W 1 a s s a k in das ganze Vermogen des Schuldners durch das 
0. Bd. Ill S. 1995. E. W e i 9 s 0. Bd. XII S. 2365). praetorische Verfahren der missio in possessionem 
Doch ist 'die Personal-E. trotz Einfuhrung der als Mittel der ZwangsvoUstreckung (s. E. We i s s 
cessio nicht aus dem romischen Rechtskreis ver- o. Bd. XV S. 2053f.). Hierbei stellte das Edikt 
schwunden (Gai. Ill 199; Sextus Caecilius, d. h. demjenigen, der iudicatus oder pro iudicato erit, 
vielleicht Africanus bed Gell. XX 1, 51); viel- den, der ita, ut oportet, defensus non erit und in 
mehr bestand noch in der Kaiserzeit eine Bestim- einer besonderen Klausel beiden gleieh, qui ex 
mung, wonach der in der Privathaft des Glau- 50 lege lulia bonis cesserit (Lenel Edictum perp.^ 
bigers befindlifehe Schuldner victus und stratus §§ 202. 203 P. 413ff. Gai. Ill 78). Daraus muB 
erhalten muB. Die Ediktskommentare (Ulp. Dig. unausweichlich geschlossen werden, daB die Ver- 
L 16, 43. 45. Gai. Dig. L 16, 44) behandeln 'diese mogensvollstreckung auch ohne cessio bonorum 
Frage im Zuge des Ediktstiteiis De confessis et zulassig ist und als E.-Titel das ludicat gentigt, 
indefensis, Lenel Edictum Perpetuum^ § 199. dem die Confessio (s. o.) gleichgestellt ist, 'Uber 
200, denn die cessio bonorum fand nur bei das klassische Veirwertungsverfahren vgl. E. 
nacbgewiesenem Dngliicksfall statt (Wlassak Weiss 2055. In nacbklassiseher Zeit bleibt die 
1996, 7). AuBerdem verstand sich, wie es scheint, cessio bonorum zulassig, vgl. Wlassak o. Bd. HI 
mancher zur Vermeidung der Personal-E. durch S. 1996, 40ff. Doch tritt daneben eine andere, 
Vornahme der cessio bonorum erst, wenn die erst- 60 dem modemen Reoht nahestehende ZwangsvoU- 
genannte bereits im Zuge) war; ferner scheint die streckung in einzelne Vermogensstticke (Spezial- 
cessio bonorum, ahnlich wie das altere Recht in E.). Hierbei wird zwischen Ansprtichen auf Her- 
der Lex Poetalia-Papiria (s. o.) vorausgesetzt zu ausgabe und GeMforderungen unterschieden. VoU^ 
haben, daB wenigstens dn gewisses Vermogen vor- streckungsf ahige Herausgabeanispruehe ergeben 
handen war, welches Gegenstand einer cessio bono- sich durch Verurteilung bei der rei vindicatio, die 
rum sdin konnte. Der grieehische Ausdruck fiir die nicht mehr wie im klassischen ProzeB auf Geld, 
cessio bonorum ist aiploxaod'ai tcov ^TiaQxovxoovi sondern auf Herausgabe der Sache erfolgt, aber 
aus einem Reskript der Kiaiser Severus und Cara- auch dann, wenn der Belangte die Einlassung in 



63 Exekution Fasti 64 

den Rechts'streit verweigert und trotzdem die nen Ausfall zu ersetzen, ihm aber das beneRcium 

Sache nicht hierausgibt (Wlassak Ztschr. 1 com;pc^eniiae (Einrede des Notbedarfes) gewahrte 

Rechtsgeisch. XXXVIII 143. Lenel Grunbuts (Level Le benefice de competence 1927, 133ff., 

Ztschr. XXXVn 521fE. We n ge r Instit. 313, 10; dazu S e i d 1 93). Das gleiche Recht stand, aller- 

weltere Nachweisnngen au® dean sebr nmfang- dings nicht vor Marius, dem Soldaten zu (Le- 

reichen Schrifttum iiber die Interpolattion der v el 133. Seidl a. 0.). [Egon Weiss.] 

HauptsteUe Ulp. Dig. VI 1, 68 im Index Inter- S. 2051, 1 zum Art. Fasti: 

polationum I 76 und I. iSuppl. 115f.). Wie bei Fasti Ostienses nennt man eine urspriinglich 

einer Geldforderung vorzugehen war, erfahren wir sehr umfangreiche Inschrift, von der im Laufe 
vomehmlieh aus Ulp. Dig. XLII 1, 15; das dortlOder Zeit grOBere Reste zutage getreten sind. 

vorgesehene Verfahren begegnet zuerst in einem Die friiheren sind GIL XIV 244f., alle bis 1930 

Reskript des Antoninus Pius (Call. Dig. XLTE 1, bekannten ebd. Suppl. 4531 — 4546 (vgl. 53541) 

31). Doch ist diese spatklassische Stelle begreif- von L. Wickert ediert; doch steht nicht bei alien 

Mcherweise im byzantinischen Recht vielfaeh um- die Zugeh5rigkeit fest. Von einem neuen, 1932 

gestaltet worden, woriiber eingehend Borto- gefundenen Sttick, einem Marmorblock mit 56 

lucci Stuidi Perozzd 1925, 290ff. Die Zwangs- Zeilen (aus J. 108—113), liegt mir durch Wik- 

voUstreckung beginnt mit einem pignus in causa kerts Giite eine durchweg lesbare Photographie 

iudicati captum. Hierbei soil in der Auswahl der vor. Da sich die Fragmente aaf die Zeit von 49 

zur ZwangsvoUstreckung herangezogenen Gegen- v. Chr. bis 154 n. Chr. beziehen und die BlGcke 
stande eine gewisse Reihenfolge eingehalten wer- 20 verschieden gro6 sind, so mlissen wir wohl mit 

den; bares Geld, das beim Sehuldner oder seinem einer allmahlichen Entstehung des Textes rechnen; 

Bankier (argentarius) vorgefunden wird, kann un- hier bedarf es noch genauerer Untersuchungen an 

mittelbar an den Glaubiger ausgefolgt werden, Ort und Stelle. 

Ulp. 15; die anderen Sachen werden verkauft, Der Text ist nach Jahren geordnet ; voranstehen 

wobei das romische Recht (Ulp. 2) zwar nicht die consules ordinarii, es folgen die suffeeti mit 

Vorschriften iiber die Reihenfolge der zu pfan- Angabe des Amtsantrittes; am Schlusse die Duo- 

denden Vermogenisstiicke, wohl aber iiber die yiri von Ostia, alle ftinf Jahre mit dem Zusatz 

Reihenfolge ihres Verkaufes ausgebildet hat. p/^o^es^a^ej cf^ewsormj; einmal (J. 36n. Chr.)folgen 

Meldet sich kein Kauf er, so soUen die Pfandstticke auf die duoviri ihre beiden Ersatzmanner, prae- 
dem Glaubiger um den geschuldeten Betrag iiber- 30 f(ecti), Dahinter steht bei J. 30 n. Chr. IIIL k. 

wiesen werden (Ulp^. 3). Bezahlt der Ersteher Mai. in locum Dextfri] Ilvir(i) A. Egrilius 

nicht den Preis, so findet zwar nicht niach spat- Bufus pontif{ex) Volkani creatufs] et A. Ebst[i- 

klassischem Recht (Bortolucci 297. Bericht UJus Qratus Ilvir pronuntiatus; zu J. 36 lesen 

Levy Ztschr. f. Rechtsgesch. LIX 418), wohl y^ir in locum A. Egrili Rufi M. Naevius Optatus 

aber nach dem Recht lustinians eine Wiederver- pon[t], Volkani creatus XVI. k. Au[g], Wenn es 

steigerung sitatt. Auf Antrag des Schuldners, aber zu J. 112 heiiSt: aedes Volkani vetustate cor- 

auch von Amts wegen kann die regelmaBig nach rupta nato opere dedicata est, so werden 

zwei Monaten stattfindende Zwangsversteigerung, wir das ebenfalls auf den Tempel von Ostia be- 

MLs sich Aussicht auf ihre Vermeidbarkeit er- ziehen mtissen. S. d. Art. Ostia und vorli 



gibt, aufgeschoben werden (CaU. Digest. XLII 1,40 Myth. Lex. VI 362. Zwischen diesen staatlichen 

31). Hierbei bestehen Pfandungsbeschrankungen, und stadtischen Eponymen steht nun eine Aus- 

die bis in das heutige Recht (Deutsche ZPO wahl von Ereignissen mit Angabe der Tagesdaten, 

§ 811. Osterr. E.-Ordming § 251) nachwirken. die nur in den J. 49—44 v. Chr. fehlen. Mitgeteilt 

Nach einer Verordnung des Kaisers Constantin wird aus caesarischer Zeit die Flucht des Pompeius 

Cod. Theod. 11 30, 1.) Cod. lust. ,VIII 16, 7) ist aus Italien (nach der wahrscheinlichen Erganzung 

bei Privatschulden der servus arator und der Calzas Pompe^'ws [Italiam reliquit)^ Vomi^eins' 

has aratorius der Pfandung entzogen (E. Weiss Ermordung und der ErlaB der Miete im J. 48, 

Pfandrechtl. Unters. I [1909] 57). Dritte konnen Kalenderreform, Einweihung des Venustempels 

Rechte behaupten, idie die Zwiaingsvollstreekung und Naumachie J. 46, Caesars Vermachtnis an 
unzulassig miachen. Die Entseheidung dariiber 50 das Volk (die Garten trans Tiherim) J. 44. Wie 

gehort zum summatim cognoscere (H. K r ii g e r man sieht, sind zu J. 47. 45 keine Ereignisse ver- 

Ztschr. f. Rechtsgesch. LVIII 70; Ulp. a. 0. 4 ist merkt, und das kommt auch spater (z. B. J. 110) 

interpoliert [K r ii g e r]). Die erwahnten Pfan- vor. Aus der Kaiserzeit erfahren wir von Triumphen 

dungsbeschrankungen stellen das sog. objektive der Kaiser und Prinzen, Todesf alien in der kaiser- 

beneHcium competentiae dar (hiertiber Seidl lichen Pamilie, Brandon Roms (J. 36 am 1. Nov. 

Miinch. krit. Vierteljahresschr. 3. F. XXIV [1930] brennt der inter vitores gelegene Teil des Circus 

89). Sie stehen vielleicht im Zusammenhang mit ab, und der Kaiser stiftet ftir die Wiederherstellung 

der moglicherweise gleichfalls auf Konstantin zu- 1 Mill. Sesterzen), Speisungen, Geldspenden und 

riickzufiihrenden deduction ne egeat (Cod. lust. Spiele, fulgura condita (o. Bd. X S. 1130). DaB 
IIIl,8).Daneben gibt es ein subjektives beneRcium 60 am 7. Juni 20 des Germanicus altester Sohn, der 

competentiae; sein Inhalt ist eine Einschrankung spater hingerichtete Nero (o. Bd. X S. 473), die 

desSchuldrechts,indemgewissenGlaubigernunter Mannertoga anlegte und aus diesem Anlafi ein 

gewissen Umstanden das Recht auf voile Befrie- Congiarium gab, wird uns nicht verschwiegen. 

digung aus dem Vermogen des Schuldners ver- Sehr genau wird iiber den Untergang des Aelius 

sagt wird. In unseren Zusammenhang wiirde es Seianus und seiner Familie berichtet. Das neue 

gehoren, daB die lex lulia de cessione bonorum Stiick bringt von den politischen Ereignissen nichts 

(s. 0. Ill) den Sehuldner zwar nicht von der Ver- (will man nicht den Tod von des Kaisers Schwester 

pflichtung befreit, seinen Glaubigern den erlitte- Marciana, 29. Aug. 112, hierher rechnen), sondern 



65 Favorinus Favorinus 66 

nur noch Einweihungen und Volksbelustigungen, meint, so ist auch er mittelbar Zeuge ftir den 

zu denen man anch die Beisetzung der Marciana Verfasser F. Wir haben damit den ersten Papy- 

funere censorio rechnen mag ; eingeweiht wird am rnstext aus Agypten, der ein Werk von einem 

11. Nov. 109 die NaumacMe, AnfaDg J. 112 das dem Attizismns naheistehenden Schriftsteller ent- 

TraiansforumunddieBasilicaUlpia,aml4.Maill3 halt (Vi t elli -Nor sa Introd. p. XV); daB 

die Traianssaule; am 22. Jnni 109 die Thermen, F. in Agypten Leser hatte, wird aucli durdi das 

am folgenden Tage die aqua Traiana {aquam tota Erscheinen seines Namens (^[aPcogJelvov) in 

m-be salientem), Erstaunlicli ist die Ausdehnung einem Bibliothekkatalog oder Desideratenver- 

der Gladiatorenspiele; nachdem am 13. Marz 108 zeichnis aus Oxyrhynchos s. Ill p. C. (ed. M. 

ein 13 Tage dauerndes munus beendet ist, beginnt 10 N o r sa Aegyptns II [1921] 17ff.) bewiesen (vgl. 

am 4. Juni ein neues, das (mit Unterbrechungen) o. Bd. VI S. 2083, 67ff.). Die ausgezeichnete 

117 Tage dauert nnd bei dem 4400 Paare auf- Erstausgabe verdankt man G. Vitelli nnd 

treten (s. Snppl.-Bd. Ill S. 767). M. Nor sa II papiro Greco Vatieano 11 (Studi 

Dielnschriftstellteinemerkwiirdige Mischnng ei Testi 53, Citt^ del Vatieano 1931), mit ein- 

von Fasten nnd Annalen dar, die offenbar anf gehender Einleitung, Kommentar nnd Wortregi- 

die speziellen Bediirfnisse der Burger von Ostia ster (fordernde Bespreehung von K. Praech- 

und die Wiinsclie des allerhOchsten Kaiserhauses ter Gnomon 1932, 561ff. A. Korte Aroh. f. 

zugeschnitten ist, dessen Verdienste um das Volk Pap. X 64ff. mit Beitragen zur Textherstellung). 

ins rechte Licbt gesetzt werden sollen. Weder Den Titel der Rede kennen wir nieht, da die 

auswartige noch innere Politik interessiert offen- 20 Subscriptio fehlt; der von den Bi^^, eingesetzte 

bar die Burger (oder soil sie nicht interessieren), JJeQi (pvyfjg diirfte richtig sein (Introd. p. XII). 

um so mehr aber die groBen Veranstaltungen in Fiir F.' Lebensgeschichte erf ahren wir aus dem 

Eom, zu denen so mancher aus Ostia nach der Stiick (col. 11, llff. 25, 36. 26, lOff.) einiges 

Hauptstadt gepilgert sein mochte. DaB fulgura Neue: Schon als Jiingling hat er sich von seiner 

condita erwahnt werden, ist wohl ein merkwiir- Heimat, den Eltern und einer ihm besonders 

diger Nachklang der alten Annales. Als Quelle tenren Schwester (col, 11, 24 wird a^ifxaCovorjg 

hat Flinck Eran. XXV 81 mit guten Griinden die zu lesen sein) getrennt, um in der Welt herum- 

Acta diurna (o. Bd. I S. 290) bezeichnet; wenn reisend Ruhm zu emten; jetzt ist er, nach dem 

bei den caesarischen Ereignissen die Tagesdaten Tod seiner Angehorigen, ein vielgereister, groBer 

fehlen, so mag es daran liegen, daB die Acta jener 30 Mann, lebt ,mit dem Rest seines Hauses' langst 

Zeitnicht mehr auf zutreibenwaren. [W.KrolL] auswarts und ist liber das Heimweh erhaben, 

S. 2078, 48 zumArt. Favorilius: ertcagt also die jetzt erzwungene Abwesenheit 

Seit dem Erscheinen des Artikels (1910) und von der Heimat gefuhlsmaBig leicht; er be- 

der DarsteUung bei C h r i s t - S c h m i d 11^ 764 herrscht zwar nicht mehr wie zuvor andere, aber, 

— 766 (1925) hat unsere Kenntnis des P. nach was wichtiger ist, sich selbst. Die vermutlich 

der biographischen und literaturgeschichtlichen wenig driickende Intemierung (relegatio ad tem- 

Seite einen Zuwachs erhalten durch die Auffin- pus?) a;uf der sonst als Verbannungsort nicht 

dung eines groBen Sttiekes Text (26 Schrift- bekannten Insel Chios (col. 14, 40), muB wohl 

kolumnen, am Anfang und SchluB versttimmelt, in die Zeit d^r Ungnade bei Kaiser Hadrianus 

das Mittelsttick in verhaltnismaBig gutem Zu- 40 in dessen spateren Regierungsj ahren (o. Bd. VI 

stand) auf einem Papyrus unbekannten Fundorts, S. 2079, 32ff.) fallen. Vitelli-Norsa (Introd. 

aber sicher aus der Marmarika (zwischen Kyre- p, IXf. 7) setzen die Korinthiaka ca. 131, die 

naika und Agypten) stammend. Auf G. M e r - Rede ihsqI (pvyfjg wenig spater. 

cat is Veranlassung wurde der Papyrus 1930 Der praktische Zweck der Rede scheint zu 

fiir die papstliche Bibliothek erworben, wo er sein, ihn den Bewohnern von Chios als ktinf- 

jetzt als Papiro Vatieano 11 verwahrt ist. Der tigen Wohltater zu emp fehlen (col. 11, 44ff.). 

F.-Text, eine Rede, von der der Papyrus den Was er aber dariiber sagt, erseheint nur als Ein- 

groBten Teal enthalt (das Erhaltene etwa 1300 lage in eine Diatribe tiber die Verbannung, deren 

Normalzeilen, so daB, was am Anfang und vermeintliche tTbel dem Philosophen nichts an- 

SchluB fehlt, nicht sehr viel gewesen sein 50 haben konnen. Wir haben derartige Betrach- 

kann; vgl. die Hgg. Introd. p. XII), ist Privat- tungen, deren SchulmaBig-keit Cicero (Tus. Ill 

kopie, auf dem Verso gesehrieben, nachdem die 81) bezeugt, von Teles, Cicero (Tus. V 106 — 

drei das Recto ftillenden Urkunden aus der Re- 109), Musonius, Seneca (Cons, ad Helviam), 

gierungszeit des Commodus (t 192) zusanmien- Plutarchos (A. Giesecke De philosophor, 

geklebt worden waren, um das unbesehriebene veterum quae ad exilium spectant sententiis. 

Verso zum Eintrag einer Abschrift benutzbar Lpz. 1891; die 'B.g^. Introd. p. XI 1 weisen noch 

zu maehen. Das Verso ist bald nach a. 215 bin auf Dio Chr. or. 13 Emp., iiber die vgl. 

(A. K r t e Arch, f . Pap. X 65) mit dem litera- J. Wegehaupt De Dione Chr. Xenophontis 

risehen Text beschrieben worden. DaB P. Ver- sectatore, Gott. 1896, 56ff. und Cass. Dio 

fasser der Rede ist, folgt daraus, daB sie zwei 60 XXXVIII 18 — 29); die Schrift des F. ubertrifft 

^chon vorher bekannt gewesene F.-Fragmente ent- sie alle weit an Ausfiihrliehkeit und an Fiille 

halt (col. 17, 17f. 23, 41 — 48 ,s= Fa v. frg. 82 der mythologischen und geschichtlichen Beispiele, 

Marres; 19, 7 — 8 = Fav. frg. 106 M.). Wenn unter denen auch romisohe (Mucins Scaevola 

Phrynichos, der so oft Veranlassung nimmt, dem col. 1, 25. 27; Coriolanus 2, 8; Minucius 21, 6; 

F. Sprachfehler vorzuwerfen (o. Bd. VI S. 2084, Horatius 21, 15; Musonius 1, 32; Nero 21, 37) 

32f.), mit dem Tadel des Wortes avxozQocpog nicht fehlen. Das Buoh widmet F. als einen 

(p. 201 Lobeck), das wir nur in unserer Rede Schatz {piz^f^a mit Anklang an Thuk:. I 22, 4) 

-col. 14, 24 nachweisen konnen, diese Stelle alien, die in ahnliehe Lage kommen, ohne sioh 

Pauly-Wissowa-KroU Suppl. VI 3 



67 Favorinus Pavorinus 68 

eelbst helfen zu konnen; die vorbildliohen Worte mal auf ein Beispiel beschrankt, glaubt er be- 

■und Taten der bertihinten Manner der Vorzeit merken zu miissen, daB er aus einem groBen Vor- 

nnd der Gegenwart sollen ihnen nieht wesens- rat auswahle (16, 18ff.). Die KorintMaka, die 

fremde Trostmittel sein, sondem von ihnen an- eine andere Stilgattung vertritt (Praechter 

geeignet werden (1, 46ff.; vgl. Pint, de tranq. 571) ist darin maBvoller (s. immerhin [Dio Ohr.] 

an. 16 p. 474 d). or. 37, 14). In den Dichterzitaten wiegen Homer 

Der verlorene Anfang der Rede (nach V i - nnd Euripides weitaus vor; in groBem Abstand 

telli-Norsa p. X fehlen 1 — 2 Kolunmen) folgen Pindaros (dem wahrscheinlich auch die 

handelte, wie es seheint, von der Seelenstarke, anonymen Zitate 7, 44ff. 11, 5ff. entnonmien 
vermoge der Manner wie Empedokles, Herakles, 10 sind) und Sophokles; nnr mit je einer Stelle sind 

Mucins Scaevola das Leben und seine Giiter ge- Alkaios und Menandros vertreten. Die stilistische 

ringschatzten (G. M. L a 1 1 a n z i II proemio del Eigenheit, an ein Zitat eine polemische oder 

ut€Ql (pvyrfg di Favorino, Riv. fil. cl. LX [1932] erganzende Bemerkung, zum Teil in Form der 

499f.; nach col. 3, 26 muB auch Diogenes in der Apostrophe an den zitierten Autor oder Helden, 

Vorrede vorgekommen sein). Auf die oben be- anzukntipfen (6, 25fE. 15, 8ff. 41ff. 18, lOff. 19, 

riihrten Worte liber den Zweck der Rede folgt 14ff. 24, 16ff.), gehort zum Diatribenstil (Plut. 

ein Hinweis auf Sokrates' VeAalten im Kerker, de exil. 16 p. 606 a), begegnet aber wohl nir- 

dann der in der Diatribe beliebte Vergleieh des gends so oft wie bei F., der in diese Form auch 

Lebens mit einem Schauspiel, in dem jedem von einen Tadel des hesiodeischen Pessimismus (24, 
der Gottheit seine RoUe zugewiesen ist (R. Helm 20 16ff.) einkleidet (in ahnlichem Sinn Pint, de 

Lucian u. Menipp 44ff. 0. Hen se Teles^ praef. tranq. an. 19 p. 477 be). DaB in absehweifenden 

CVIIff.)j ^"^^ Beispiele von Leuten, die erst in Ausfiihrungen liber ronoi der hellenistischeil 

der Fremde zum hoohsten Ruhm und Gltiok Moralistik, insbesondere den ronog uisqI q)dlag, 

gelangt sind (Diogenes, Herakles, Odysseus; vgl. das Thema oft verschwindet, hat Praechter 

Plut. de tranq. an. 6 p. 467 d. Cass. Dio 561ff. bemerkt, belegt und aus der geringen Er- 

XXXVIII 26, 3), endlich der Aufruf, an sich giebigkeit des q)vyi]-M.oiiYS erklart. Die Rede 

selbst die langstgetibte Tugend nun, wo die Ge- unterscheidet sich also in Gedanken und Formen 

legenheit sich biete, mit der Tat zu bewahren, von der heUenistisehen Diatribe im wesentlichen 

im jomdiov xfjg aQsxfjg\ Die systematische Zu- nur durch das "DbermaB im Auskramen geschieht- 
riickweisung der falschen Meinungen liber die 30 licher Gelehrsamkeit, und eben idadurSi ist sie 

Verbannung beginnt col. 6, 12 (vgl. die Inhalts- auch der pseudodionischen 64. Rede nachstver- 

iibersicht der Hgg. p. Xlf.) und betrifft folgende wandt, womit deren Abfassung idurch F, voUends 

XJrsachen der Unlust Verbannter: 1. Sehnsueht uber jeden Zweifel erhoben wird; einige Beriih- 

nach demVaterland (col. 6,12 — 12,37). 2. Sehn- rungen mit der Korinthiaka notiert Praech- 

sucht nach Freundon und Verwandten (12, 37 — 16, ter 5691 DaB bei solch eilfertigem Massen- 

31). 3. Verlust der Lebensgtiter, Reichtum, Ehre, verbrauoh geschiehtliehen Illustrationsmaterials 

Adel, Ansehen, Ruhm, die doch alle nur Lehen sachliche Irrtiimer und Fltichtigkeiten mit unter- 

der Gotter sind (16, 31 — 21, 40; zu dem Bild laufen, ist nicht verwunderlieh (10, 2 Hippias 

vgl. P. Wendland- 0. Kern Beitr. z. Gesch. statt Hippokrates; 10, 32 ^coKelg [schwerlich 
d. griech. Philos. u. Rel. 591). 4. Schimpflich- 40 Kopistenfehler] statt ^ooKaifjg, was 10, 36 richtig 

keit der Verbannung (21, 40 — 25, 32). 5. Ver- steht; 4, 49 Pindaros statt Bakchylides, wie 

lust der Freiheit (25, 32ff.). Es sind die schon P. MaasDLZ 1931, 1211 bemerkt; wenn col. 1, 

in den alteren Diatriben uber diesen Gegenstand 25. 27 der von Liv. II 2 als aduleseens nobilis 

mehr oder weniger vollstandig behandelten Ka- bezeichnete Mucins Scaevola, eine in der Diatribe 

pitel des Topos ttsqI cpvyfjg, durch eine tJber- beliebte Figur, otQatrjyog heiBt, so konnte eine 

fuUe von Beispielen und Bildem im bionischen Verwechslung mit Camillus, liber den vgl. Cass. 

Stil zu maBloser Breite aufgeschwemmt. In den Dio XXXVUI 26, 3. 27, 3, mit unterlaufen; 

Beispielen ist ebenfalls viel altes Material (z. B. die unmogliche Datierung von Theseus' Tod 

die Verwendung des Polyneikes aus Eurip. Phoen. 400 Jahre vor der Grlindung des Theseion in 
col. 6, 23ff. auch bei Teles p. 30, 3 H.2; Plut. de 50 Athen 8, 20 wird F. aus Plut. Kim. 8, 7 liber- 

exil. 16; Muson. p. 48, 3ff. H.) und nur wenig nommenhaben, was fiirPraechters Annahme 

Neues (z. B. die Aphytaeer col. 7, 37ff.; der ver- 565 von Plutarchbenlitzung in der Rede sprechen 

bannte Megarer 22, 33ff.). Stark ist der kynische wurde). 

Einschlag in der Idealisierung des Herakles Bei der Vulgaritat der Gedanken, Beweismate- 

(3, 32ff. 6, 3ff. 21, 8) und Odysseus (3, 39ff. rialien und Formen der Rede ist jeder Versuch, 

19, lOfE. sy>cw[jLiov Vdvaoscog) und in der Vor- bestimmte QueUen naehzuweisen, gewagt, und 

liebe flir die ovyxQiaig von Mensoh und Tier die f einen Beobachtungen, mit denen Praech- 

(9, 28ff. 10, 111 12, 27ff. Hvvag. 15, 7ff. 16, ter 564ff. >die These der Benlitzung des Plut- 

41 E 19, 45ff. 20, 111 25, 40ff.; vgl. Praech- archos, Dion von Pnisa und Epiktetos zu stlitzen 

ter 566), und zwar zugunsten der Tiere (vgl. 60 sucht, flihren mit Sicherheit nur zu dem Ergeb- 

W. (S c h m i d Attic. 3, 3. 6. H. H o b e i n De nis, daB Geistesverwandtsehaft zwischen F. und 

Maximo Tyrio 70ff. Porphyr. de abst. HI passim. diesen Mannern vorhanden ist. Dazu kommt, daB 

besonders c. 13). Mit geschichtliehen und mytho- F.' Bekenntnis zu dem demokritischen Lebens- 

logischen Beispielen arbeitet die Diatribe seit ziel der sMyfjila (1, 39ff. 4, 9. 11, 31. 23, 41. 

jeher; aber so unmaBiges Ausschlitten findet sich 25, 33) EinfluB von Plutarehos' .Sohrift uibqI 

sonst nur in der F.-;Rede tisqI rvxrjg des Corpus sv-d'y/Lilag verrat, mit der auch sonst die Rede 

Dioneum nr. 64 und etwa bei Maximus von starke Ahnlichkeit aufweist; der Begriff evd-v^loL 

Ty^ros; wo sich F. in der Rede ozsqI <pvy^g ein- spielt auch in Epiktetos' Ethik eine Rolle (A. 



69 Pufius Gaesatorix 70 

Bonhoffer Epikt. u. die Stoa 2961; Die machen wird F. im vorliegenden Falle sehwer- 

Ethik des Stoifcers Ep. 47). Auch stilistisch lich Gelegenheit gefunden haben; stellt er sich 

findet man iiberall in der Rede bekannte Formen doch dar als einen fahrenden Mann (8, 29ff.), der 

der Diatribe (zu den Apostrophen 6, 25ff. 24, uber das Heimweh -so erhaben ist (11, 17), daB 

16E vgl. Ps.-Dio or. 37, 45. 64, 10. 14ff.; aber er sich wiederholt (1, 33. 8, 35f. 10, 46. 11, 

auch z. B. Muson. p. 48, 9S. H. Pint, de tranq. 48) gegen den Vorwnrf des Mangels an Vater- 

an. 19 p. 476 ef; zu der antithetisehen Figur landsliebe wehren muB, und seine sehmerzlose 

21, 23f. vgl. Sen. ep. 66, 51. Cass. DioXXXVIII Internierung fiihrte ihn auf eine Insel von be- 

25, 4), ohne daB sich EinfluB eines bestimmten kannter Annehmliehkeit der Lebensbedingungen 
Schriftstellers nachweisen lieBe. 10 (Herat epist. I 11, 1. 21. Diod. V 82, 2f.). 

•So kann man im Stilistisoh-Sprachliehen eine Was sonst seit dem Artikel F. iiber F. ge- 

personliche Marke nur erkennenimQuantitativen, schrieben worden ist, verzeichnen Christ- 

d. h. in der MaBlosigkeit des Bilder- und Bei- S c h m i d IF 764 — 766. K. M u n s c h e r Burs, 

spielgebrauchs, dem Kokettieren mit Buchgelehr- Jahrb. OLXX (1915) 54ff. (fiir 1910 — 1915) uiid 

samkeit und einer maBigen, nur einige Formen, E. Richtsteig eibd. OCXI (1927) 47. OCXXXVIII 

nicht die Phraseologie ergreifenden attizistischen (1933) 11 (fur 1915 — 1930). DaB Daten iiber 

Tonung der iSpraehe, auf die schon Praechter das Leiben des Pythagoras (vgl. Favor, frg. 25. 

568f. hingewiesen hat (beizufilgen ware: Yorliebe 33 M.) auf dem Weg iiber F.' 'An;ofA,v7]f/,ovsviA,am 

fiir eg und ^vv, neben denen aber auch slg und und navxodanrj iotoQia zu Diogenes Laertiois ge- 
Gvv zugelassen sind; fiir aisl, das man nach 20 kommen sind, ist nach J. L 6 v y Recherches sur 

E. Mayiser Gramm. d. ptol. Pap. I § 14, 1 als les sources de la legende de Pythagore, Paris 

Attizismus ansprechen kann; attisch sind femer 1926, 116 wahrscheinlich. — Mit F.' TJy?icof>iiov 

vfjsg 14, 20; ywsag 16, 45 und die Anastrophe ©eQolrov (Gell. XVII 12, 2) konnte die Dekla- 

jTSQi 16, 45). Der Hiatus wird nicht gemieden mation des Libanios t. 8 p. 243 — 251 F. zu- 

(Introd. p. XIII 3); den Hiatuszwang der hohe- sammenhangen. [W. Schmid.] 

ren Koine scheint die Diatribe gebrochen zu S. 2603,66 zum Art. Flavius : 

haben, an welche die attizistische dcpshia an- 113) Flavins Latronianus begegnet als Knabe 

kniipft. im Sangerkatalog der Acta ludorum saecularium 

Der 8toH der Rede bringt es mit isich, daB des J. 204 n. Ch. Roman el li Not. d. scav. 1931, 
in ihrer philosophisehen Haltung idle stoiseh- 30 345 v. 85 : Flavius lulius Latron[ianus] (vgl, 
kynischen Tone vorklingen: riiekhaltlose auBere Diehl S.-Ber. Akad. Berl. phil.-hist. Kl. 1932, 
und innere Ergebnng in alle gottlichen Sohickun- 791. Hiilsen Rh.-Mus. LXXXI 386). Zum Con- 
gen unter Wahrung der unverHerbaren Tugend sulat wird er gegen 230 oder in diesem Jahr 
als des einzig echten Gutes; Bereitschaft, jeder- gelangt sein. Denn im J. 231 finden wir ihn als 
zeit aUe Lebensguter und das Leben selbst der Consularlegaten in Germania inferior: in der 
Gottheit wiUig und dankbar zuriickzuerstatten, Bonner Inschrift CIL XIII 8017 ist mit hoher 
die sie geliehen hat. Mt diesen ernsten Grund- Wahrscheinlichkeit sub Flav[io lul. Latron]ian[o 
satzen der Diatribenmoral praktisch Ernst zu [cos. n(ostro) zu erganzen. [Groag.] 



Zum sietoten Bande. 

L. Fufius. Die Datierung eines in der Nahe durch unterscheidet, daB sie das Portratbrust- 

der hollandischen Stadt Franeker bei Harling bildnis auf Avers- und Reversseite zeigt und 

im J. 1914 gefundenen Kaufvertrages auf einem die Legende Gaesatorix re[x] Ecritusiri reg(is) 
Triptychon (Vollgraff De vrije Fries. XXV fil(ius) iiber beide Seiten verteilt ist. Kubit- 

71 ff; iiber die anderen VerOffentlichungen vgl. schek Dsterr. Jahresh. IX, 1906, 73 sieht G. als 
Bd. XV S. 1810, 49ff.) lautet L. Fuufio Cn. 50 Sohn des durch seine Kampfe mit dem Daker- 

Minieio e(onsulihus) V id(us) S[eptembres]. konige Burebista um das J. 60 v. Chr. bekannten 

Vollgraff Mnemosyne XLV 341 wiU den Kauf- KOnigs der Boier Critasirus (Strab. VII 304. 313) 

vertrag nach den angegebenen Consuln (der Name an (vgl. o.). Neben sprachlichen Griinden stiitzt 

des F. von ihm allein entziffert) und den Legio- auch der rein auBerliche Befund der Mtinzen 

nen, zu denen die ihn schliefienden Soldaten ge- (Gewicht 11 • 965 g, Durchmesser 26 mm), der den 

hQrten, ins J. 116 n» Chr. setzen, dagegen R o o s Herrschaftsbereich des G. westlich etwa vom 

Mnemosyne XLVI 208, der die Deutung der Wiener Becken und der Mur, also nach Inner- 

Abkiirzungen der Legionen durch Vollgraff und Osterreich verlegt, Kubitscheks Annahme, 

damit seine Schliisse fiir unrichtig halt; Roos G. war entweder Herrscher der von Burebista 
verlegt den Suffectconsulat des F. in eines der 60 angeblich aufgeriebenen Boier (Strab. VII 304. 

J. 16, 18, 21, 22 und 26 n. Chr., da die Suffect- 313, vgl. Patsch S.-Ber. Akad. Wien phil.-hist. 

consuln des Septembers der anderen Jahre be- Kl. 214. Bd. 1. Abh. 44, 5), die sich mOglicher- 

kannt seien. [Max Fluss.] weise in die Alpen zurlickgezogen haben, oder 

Gaesatorix. Der Name dieses Konigs ist jener Boier, die erst ungefahr zur Zeit der 

uns nur durch eine Silbermiinze bekannt, die Kampfe des Critasirus mit den Dakern ihre 

am Mallnitzer Tauern gefunden (Kenner Heimat Boiohaemum verlassen haben (Kubit- 

Mitteil. d. Zentralkomm. IV, 1905, 159ff.), von schek 74). Der stilistische Zusammenhang 

den iibrigen ostkeltischen Miinzen sich nur da- der Miinzen spricht fiir ihren Ansatz in die 



71 Gavisa regio Gefafinamen 72 

letzte Zeit der Selbstandigkeit der Volker Nori- Beim Opfer an Athena hielt Perseus ein 

cums. [Max Fluss.] dfA,vlov (Horn. Od. Ill 444). Da es hier offen- 

Gavisa regio heiBt bei Marcell. chron. z. J. sichtlich zum Auffangen des Blutes diente, wird 

518 ed. Mo mm sen Chron. min. II 100 ein man es sich zweckentsprechend am ehesten 

Landstrich Dardaniens, in dem das Castell Sar- schiisselartig vorzustellen haben; es fehlen aber 

nonto gelegen ist (vgl. Vulic Bd. IIA S. 30). nahere Nachrichten. Nach den Scholien soli es 

[Max Pluss.] mit alfxa zusammenhangen. 

Grefafinamen. Wahrend die moisten der uns Fiir Teller odor ganz flache Schiisseln sind 

aus dem Altertum iiberkommenen G., die haufig verschiedene Namen tiberliefert. Zunachst das 
einen Schlufi auf Aussehen und GroBe der betref- 10 Boletar {boletarium), Es diente ursprlinglich, wie 

fenden Gefafie zulassen, in Spezialartikeln be- der Name sagt, als Pilzteller, wurde spater aber 

handelt sind (hier nicht aufgeftihrte sind unter aueh fiir andere Speisen verwandt (Martial. XIV 

ihrem Namen aufzusuchen), soUen im folgenden 101. Apicius passim. Trob. Poll. Claud. 17, 5. 

einige zusammengefafit werden, die einstweilen Eev. arch. 1904, I 82; eine Itala-Hs. tibersetzt 

fiir uns zumeist nur Namen sind, aus denen wir Ev. Marc. 14, 20 xQv^hov mit boletar). Sein Aus- 

keine greifbare VorsteUung gewinnen konnen. sehen ist uns unbekannt, obwohl sich in einem 

Da aber spatere, zu erhoffende Funde neues Licht Silberinventar (D r e x e 1 49) eine Beschreibung 

auf sie werfen konnen, miissen sie hier genannt erhalten hat. Hier werden drei Satze von je 

werden, soweit moglich nach Gattungen geordnet. vier Stuck verschiedener GroBe solcher silberner 

Ein GefaB, das sowohl bei religiosen Zero- 20 Teller erwahnt, die mit FuBen, diajn^yia (Quer- 

monien (Petron. 135, 3. 4), als auch beim Gelage wanden?), Lowen und Knopfen versehen und 

(Petron. 64, 13. 137, 10. Ovid. fast. IV 779) verziert waren. — Ein flaches GefaB muB auch 

verwendet wurde, war die CameUa. "Dber ihre das s/^^dcpcov gewesen sein, ahnlich dem o^v- 

Form erfahren wir aus der Etymologie (Demin. §acpov, mit dem es oft zusammengenannt wird, 

von camera) 'mohis, als daB es bauchig war; aus und wurde fiir Gewiirze und sonstige Speisen 

seiner Verwendung als Krater kann geschlossen {rjbvoixaxa oder PQcofA,ara) gebraucht (Poll, VI 85. 

werden, daB es diesem ahnlich, jedenfalls ziem- X 86). Gleichartig waren die Xvx'^f^i die in Agyp- 

lich tief war. AuBer den angefiihrten Stellen ten fiir Salz und 01 verwendet wurden (Herodot, 

hilft auch Gell. XVI 7, 9 nicht weiter. Als Ma- II 62). — Nicht ganz sicher ist die Tellerform 
terial wird einmal (Petron. 135, 4) Holz ange- 30 bei der Gabata, auf der bei Tisch die Speisen 

gegeben. Die CameUa muB zuweilen betracht- herumgereicht wurden (Martial. VII 83, 3. XI 

liche GroBe erreicht haben {grandis: Petron. 64, 31, 18. Hesych. erklart gabata mit xqv^Xiov), 

13). Wahrscheinlich kraterformige Gestalt hatte Mit dem Namen Aiamg wird bei Timachidas 

auch die 8%Lvea (eigentlich die Igelhaut), die ein- (Athen. XI 782 f) die Kylix (s. Suppl.-Bd. V 

mal als G. vorkommt (Lind. Tempel-Chron. B 101 S. 529ff.) bezeichnet. — Vielleicht eine Schale, 

[ed. Blinkenberg]). Der SchluB auf diese Form wahrscheinlicher aber ein meist hozerner Becher 

kann gezogen werden in Analogie zu exivog, einem war der Caucus (Treb. Poll. Claud. 14, 4. Mar- 

bei Prozessen als Sammelbehalter fiir das Be- cell. Emp. 25, 45. Hieron. adv. lovin. 2, 14), der 

weismaterial verwendeten GefaB aus Metall oder in der spateren Kaiserzeit haufig aus edlen Me- 
Ton (Aristoph. Vesp. 1435). 40 tallen bestand. Pescennius Niger verbot seinen 

Ein kannenartiges GefaB wird das Aquima- Soldaten den Gebrauch von derartigen silbernen 

nile (oder aquiminale, aquiminarium, aquaema- Trinkbechern und verfugte, daB sie sich holzer- 

nalis) gewesen sein (Dig. XXXIII 10, 3. XXXIV ner GefaBe bedienten (Spart. Pesc. Nig. 10, 1). 

2, 19. Paul. sent. Ill 6, 56. Isid. ep. 1, 7). Es Eine Art Biichse, deren sich auch die Arzte 

diente dazu, Wasser, mit dem man sich vor und zur Aufbewahrung von Salbe bedienten, war das 

nach dem Essen wusch, in eine Schiissel zu s^dXstTrtQov (Poll. IV 183. VI 106. X 46. 121. 

gieBen. Einen Hinweis auf sein Aussehen konnen 149. Aristoph. Ach. 1063). tJber sein Aussehen 

vielleicht die unter einem Geschirrtisch auf dem erfahren wir nichts, man wird sich vielleicht 

Boden stehenden Kannen in einem Gemalde der eine jiv^ig darunter vorzustellen haben. Die Er- 
Tomba della Querciola in Tarquinia (Monum. d. 50 wahnung von i^dXeinxQa [A,sydXa in der Pompe des 

Inst. I Taf. 33 A. Dar emb.-Sagl. I 1 S. 346 Ptolemaios Philadelphos (Athen. V 202 e) lafit 

Abb. 405. Studniczka Symposion Ptole- darauf schliefien, daB das e^dleirnqov gewohn- 

maios' IL, S. 163 Abb. 46) und eine Darstellung lich nicht sehr groB war. 

von Waschgerat auf dem Friese des Heroons von Die folgenden G. beziehen sich nicht auf eine 

Gjolbaschi-Trysa (Benndorf-Niemann He- spezielle Form, sondern allgemein auf Aussehen 

roon V. Gjolbaschi-Trysa Taf. 16, 9. Winter und Verwendung. Wahrend Pamphilos (Athen. 

Kunstgesch. i. Bild^, 263, 2) geben. — DaB das XI 783 a) acorov als ein kyprisches TrinkgefaB 

nur einmal in einem Silberinventar der Kaiserzeit bezeichnet, nennt es Philetas (Athen. a. 0.) notri- 

(Berl. Pap. BGU III 781) erwahnte yaQdQior qlov ovg ovk liov. So konnte jedes henkellose 
ebenfalls die Form einer kleinen Kanne hatte, 60 GefaB dwxw heiBen, und man wird daher wohl 

vermutet ansprechend D rex el (Rom. Mitt. auch mit Krause (Angeiologie 365) zu der 

1921/22, 48f.). Er vergleicht' zu diesen GefaBen,^ Annahme geneigt sein, daB awxov kein selbstan- 

die als Behalter fiir die Fischsauce, das Garum, diger G. zu sein braucht. — Ai(x>xa heiBt ganz 

dienten, zwei Kannen aus dem Sili3erschatz von allgemein ein zweihenkliges GefaB (Horat. carm. 

Boscoreale (Monum. Plot V Taf. 21, 1. 2), wenn I 9, 8. Isid. XVI 26, 13. Athen. XI 473 c. Plat, 

auch das Gewicht der erhaltenen Exemplare Hipp. mai. 288 d). — XeQovmxQov (auch x^Q' 

recht betrachtlich von dem der im Papyrus er- vmxQov, x^Q^^^^ov, x^Q'^^^^o'^, x^Q'^'^P^^^ x^''Qovi§ov, 

wahnten differiert. x^f-Q^vinx^ov) hieB wohl jedes GefaB zum Hande- 



75 Gnome Gnome 76 

durch festgelegt: Die Allgemeingtiltigkeit des vo/nsvog. Inuaer gehort zum Apophthegma der 

Inhaltes, der sich niclit auf ein© bestimmte Per- xaQisvuo^og^ die dotecSrrjg, die urbanitas (Ari- 

son bezieht, und ihr Zweek, das sittliche odfer stot. rhet. B 2-1 p. 1349 b, T 11 p. 1412 a. Quin- 

lebenskluge Verhaltea des Menschen zu regeln. til, inst. VI 3, 107ff.). Wenn der antike Ge- 

Das Erfordemis einpragsamer Kiirze ergibt sich wahrsmaim des christlichen Sophisten T r o i 1 o s 

xmansgesprochen aus den amscMiefiendeii Ausfiih- von Side das Apophthegma anseheinend als 

rungeai dfes Kapitels, die an der Hand meist euri- Xoyog avvtofA,og xal evoroxog definiert hat, so ist 

pideischer Beispiele: den Zusammenhang dfer G. diese Begrifistbestimmung viel zu eng; s. S- c h i s - 

mit deni Enthymem darlegen, insofern sie in der s e 1 lA.7t6<p'&eyiA,a bei Troilos von Side, Byz. Ztsehr. 
Eegel durch Hinweglassung des Syllogismos ein 10 XXVIII 241 ff. Eng verwandt mit dem eigent- 

auf die knappste Form verkiirztes Enthymem lichen Apophthegma ist die ;t(oe/a, die Anekdote, 

ist. Auf Anaximenes und Aristotelesi gehen die die an geschichtliche Personen ankntipft, ohne 

Definitionen der Progymnastiker zurlick: Her- dafi es ihr auf geschichtliche Wahrheit ankommt; 

mog. Prog. 4 yvcofA,?] sari Xoyog Hscpalaiwdrjg iv wichtig fiir sie ist nur das Bonmot, die charak- 

anocpdvoei xa'&ohKf] anotQsncov re 7] utQorQsncov terisierende Pointe. Quintil. inst. I 9,, 4 be- 

£7ii ri ri ondlov enaorov son brjXwv, und ganz schreibt drei Arten: chriarum plura genera tra- 

ahnlich Aphthonios Prog. 4, aueh Auct. ad He- duntur: unum simile sententiae^ quod est fosi- 

renn. IV 24; Sententia est oratio sumpta de vita, turn in voce simplid ,dixit ilW aut ,dicere sole^ 

quae aut quid sit aut quid esse oporteat in vita, bat^, alterum, quod est in respondendo ,inter- 
breviter ostendit. Das zuerst bei Plat. Phaedr. 20 rogatus ille' vel ,cum hoc ei dictum esset, respon- 

267 c begegnende yvcafjioXoyia bedeutet den mit dit^ (das oben besprochene eigentMche Apo- 

Sentenzen aufgeputzten Rednerstil, dann — phthegma), tertium huie non dissimile, cum quis 

niatch Analogie von aarQoloyia, fjierecaQoXoyia^ q?v- dixisset aliquid vel fecisset\ Den Unterschied von 

o6o%oyia u. a. 'diie Wissenschaft! )der G., ihre Chrie und G. behandelt der Progymnastiker 

Theorie und Praxis. Die Worterbiicher geben Theon c. 5. Eine selbstandige Gattung bilden 

auch die Bedeutung ;,Sammlung von Sentenzen* die volkistumlichen H o m o i a oder H o m o i o - 

an, aber keine der daftir beigebrachten Stellen mat a, kurze, isententiose Gleachnisse, meist in 

(Polyb. Xn 28, 10. Dion. Hal. Dem. 46 ==' 109, 9. Antithesenform, von einer ganz bestimmten, 

Plut. Cato M. 2. Fab. 1; de aud. poet. 15f. Suid. regelmaBigen, wenig variierten Gestalt, z. B. 
s. Theognis) ist wirklich beweisend. Das von den 30 nnter dem Namen des Sokrates: ovre "iTiTtcp xcoQlg 

modernen Gdehrten viel verwendete Wort ,Gno- %akivov^ oike jiXovrco xcoQig XoyiofA,ov dvvarov 

mologium* ist weder aus dem alten noch aus docpaXcbg xqv<^ol<^^^ (E 1 1 e r Bonn. Kaiserprogr. 

dem spatern Latein belegt. 1900,, 1). Sie sind meist in eigenen Syllogae 

Die Hss., aber noch mehr die Herausgeber, vereinigt, finden sich aber auch versprengt in 

bringen in ihren G.-Sammlungen neben wirk- andersartigen Sammlungen. 

Hchen G. auch Verwandtos: Apophthegmen, Die G. -Dichtung in hellenischer 

Chrien, Apomnemoneumata, Homoiomata, Dia- Z e i t. Es kann sich hier natilrlich nur darum 

triben, Fabeln usw. Fur die Sammlungen findet handeln, an die Hauptpunkte der Entwicklung 

sich manchmal auch der Titel Melissa zur Be- zu erinnem. Fiir die zahlreichen, mitunter ver- 
zeichnung id^s SammeljQ[eiBes; djojvsQ yaQ tijv 40 wickelten Einzelfragen muB auf die betr. Art. 

fAsXirrav oqcoimv ecp' dnavra fAsv rd pXaorrjfyiara der R. E. verwiesen werden. 

xa'&iCdvovoav, dcp' ixdorov 8s rd psXrtora la^A,- Lange vor den Anfangen einer eigentHchen 

pdvovaav, ovrco ds2 koI rovg uiaibslag 6QsyofA,svovg Literatur hat der griechische Volksgeist seine 

f^fjdsvog [xsv dnsiQcog sxuv, navraxo'd'sv ds rd xQV' Weisheit in sinnvollen SpriLchen (noQoifA^lai) nie- 

aifA.a GvXXsysLv (Ps.-Isokr. I 52). Wenn auch die dergelegt, deren Inhalt aus den lebensverbunde- 

Grenzen zwischen den verschiedenen Abarten viel- nen Beobachtungen der baurischeni Seele und der 

fach fliefien, lasaen isich im grofien und gianzen baurischen Umwelt gewonnen war; ol ydg dy^di- 

die Haupttypen doch unterscheiden. Die echte koi ixdliora yvcoixorvnoi slot (Aristot. rhet. B 21 

Gnome, wie sie bei Stobaios so zahlreich be- p. 1395a). Friihzeitig — jedenMls lange vor 
gegnet, ist einem bestimmten Dichter (oder Philo- 50 der Schaffung des Hexameters — hat sich auch 

sophen) entnommeo^ dessen Name in der Regel eine einheitliche Form daftir herausgebildet, ein 

genannt wird; dagegen erfahren wir bei den Kurzvers mit vier Langen und einer freibehan- 

Dichterzitaten nur selten, von wem und unter delten Zahl von Kurzen, der Paroemiacus (Berg k 

welchen Verhaltnissen die betreffenden Verse ge- Uber das alteste VersmialB der Griechen = Opusc. 

sprochen werden. DaB man dann den genannten II 394ff. und v. Wilamowitz Griech. V^rs- 

Diehter fiir den Inhalt der von dem individuellen kunst 382). Solche Xsiyjava naXaiag Goq?lag (Ari- 

AnlaB losgelosten Sentenz verantwortlieh gemacht stot. frg. 13 R.) haben sich zahlreich bis in die 

hat, ist bekanntHch besonders demRufe des Euri- spatesten Zeiten lebendig erhalten: olvog ^al naZ- 

pides verhangnisvoU geworden. Das Gegenteil bsg dXrj'&slg\ vooog dsdoioiv soQri^' sysvovro Hal 
gilt von dem richtigen Apophthiegma (das 60 ^«^o* sx'&Qoi u. a. Meineke zu Theokrit 

Wort zuerst bei Xen. heU. II 3, 56). Ohne daB p. 524 hat deren 88 gesammelt, bei U s e n e r 

der Gewahrsmann angegeben ist, wird gesagt, Altgr. Versbau 43ff. hat sich die Zahl auf 115 

von wem und unter welchen Umstanden^ — meist erhoht. Derartige Verse finden sich eingestreut 

als Antwort auf idie Frage eines Nichtgenannten bei Aesop, z. B. 154 ^Ixog (piXog, olxog aQtorog 

— der Au'sspruch getan wurde. Die haufigste oder 300 avv 'A&rjvq nal x^Qgl tiivei. Sie begegnen 

Form ist: sQcorrfd'slg . . . s(prj, z. B. Plut. de aud, auch in der homerischen Dichtung: II. XVII 

poet. 21 E. Aioysvrjg sQcorri'd'sig, oncog dv rig dixv- 32f. und iibereinstimmend II. XX 118 qsx'&sv ds 

vairo rdv sx'd'Qov, avrog, sq)?]^ nakbg ndyad'og ys- rs vrimog syvco (ahnlich Hesiod op. et d. 218,, von 



77 Gnome Gnome 78 

Plat. symp. 202 B alsi Sprichwort amgefiihrt). G.-Dichtern wurden auch andere dem Volke ver- 

DaB sich im homerischen Epos, das fiir uns am traute Versmafie beniitzt. Eine politische G. im 

Eingang der griechischen Literatur steht, nur trochaischen Tetrameter schreiibt Isyllos von 

ganz vereinzelte iSi)iireii dieser gnomischea Volks- E p i d a u r o s auf Grund eines Geliibdes zu Ehren 

dichtung finden, ist leicht erklarlicb. Ftir Bauern- der Gotter Apoll und Asklepios auf eine Marmor- 

weisheit hatte 'das Publikum der hofiscben Dicb- tafel (v. Wilamo witz Isyllos 6); der Trimeter 

tung wenig Interesse. DiaiB Semtenzen nicbt ganz wird von C b a r e s (s. o. Bd. IX S. 662) verwen- 

feblen (z. B. II. I 218. II 24; Od. XV 71. XVI det, den man Mber desbalb fur einen Tragiker 

294. XVII 578. XIX 13 und 360. XXI 369 mit hielt, den aber v. Wilamowitz schon 1894 

Alliteration) ist obenso leicbt verstandMcb; denn 10 fiir einen Sprucbdichter erklarte (Herm, XXXIV 

schliefilich standen laucb die Adelskreise docb 608ff.), was 'dann durch einen Papyrusfund (Hei- 

uicbt ganz aufierbalb des Volkes, nocb weniger delberg 434) bestatigt wurde; endlicb der bippo- 

ihre Sanger. Fiir die Griecben gait aber als eigent- nakteiscbe Choliamb von P h o i n i x. DaB die 

licber Schopf er der G. H e s i o d. Selbst aus alteste pbilosopbiscbe Prosa (Legende der Sieben 

aus einer Bauernfamilie bervorgegangen, hatte er Weisen, Heraklit, der nacb v. Wilamowitz 

die Mtibseligkeiten und Note des Lebens abseits Glaube d. Hell. I 210 seine yvcbfAr} in einzelnen 

der Adelsfamilien grtindlich kennengelemt und yvcbfxai vorlegte) im Interesse der Einpragsam- 

schrieb seine predigenden Verse fiir Bauern mit keit ihrer Lehren die gnomische Form bevorzugt^i 

Benlitzung alten Volksgutes. So wurde der Vers und daber, abnlicb wie Hesiod, an den alttesta- 

op. et d. 370 i^io'd'og d' olvSqI (plXcp elQtjf^svog 20 mentariscben Propbetenstil erinnert, ist erklar- 

a^mog sotco, der sich abnlicb bei Horn. II. X licb. Die G. bildete auch die Grundlage fiir das 

304 = Od. XVni 358 findet fAiod'og ds oi aQmog alte Scbulbucb der knidischen Irzte, die yvw- 

eoxai, auf den wegen seiner Sprucbweisheit wobl- /wat Kvldiai, die hippokrateiscben Aphorismen. 

bekannten PittheU'S von Trozen, den Va- S. Bd. VIII S. 1844ff. II berg Die Irzte- 

ter des Theseus, zuriickgefiibrt, wie Aristoteles scbule von Knidos 9 und v. Wilamowitz 

beiPlut.Tbes.3bezeugt (Bergk Gr.Lit.I1016, Gescb. d. griecb. Spraebe 21ff. An Stelle der 

119 und V. Wilamowitz Hesiodos Ergia zu alten poetischen vno'&fjKai traten nunmehr pro- 

V. 370). Von Theophrast wird in dem Scholion saische Paranesen, wie die pseudoisokrateiscbe 

zu Euripides Hipp. 264 auch S i s y p b o s als Rede an Demonikos. Auch des H i p p i a s Tqcoi- 

Vertreter der alten Gnomologie angefiibrt, und 30 nog, in dem Nestor dem Neoptolemos weise 

dem Apoll wurden delphische Mabnungen in den Lehren fiir die ricbtige Lebensfuhrung erteilt, 

Mund gelegt, die an Admetos gericbtet waren gehort hierher. [Plato] Hippias 286 A und 

(v. Wilamowitz Gr. Trag. Ill 75f.). So gab Die Is Vorsokr.s II S. 282, 17. 283, 36. S. 

es jedenMls schon recht alte Sammlungen der Wend land Anaximones 82. Auch im Westen 

beliebten (Sprucbweisheit; sie boten den Griecben fand die G. dichterische Pflege, wie der philo- 

Ersatz fiir die religiosen Gesetzbiicber, die das sopbisch angeregte Komodiendicbter Epicharm 

sittliche Leben anderer Volker regelten. Hesiod zeigt, den Theokrit Antb. Pal. IX 600 wegen 

fiigte den iiberlieferten Versen, die sich leicbt seiner padagogisch wertvoUen Lebensweisheit 

dem Gauge seines Hexameters anschmiegten, im riihmt. Seine rvwf^ac in den archilochischen Vers- 

freigebigen Eif er seines Lebrberuf es neue hinzu 40 maBen, dem iambischen Trimeter und trochaischen 

und so erinnem seine Erga immer wieder an die Tetrameter, sind friibzeitig gesammelt worden, 

alttestamentarischen Propbeten, worauf feinfiib- und im 4. Jhdt. hat der von Pbilochoros bei 

lige Beurteiler mehrfach hingewiesen haben, Athen. 648 D genaomte Axiopistos diese Samm- 

V. Wilamowitz schon 1881 (s. Hesiodos lung redigiert, die von Ennius ins Lateinische 

Erga 10), spater 1903 Ed. Schwartz Charak- ubersetzt wurde (v. Wilamowitz Textgesch. 

terkopfe I 5 und 1910 Ed. Meyer Genethliakon d. griecb. Lyriker 25ff. Die Is Vorsokr.^ I 122. 

fiir Robert = Kl. Schr. II 24ff. Aber trotz der 166). JedenfaUs begegnet bereits auf dem Hibeh- 

groBen Zabl gnomischer Verse, die sich einige papyrus um 250 v. Chr. eine Anthologie mit 

Male zu ,'Sbntenzennestern' verdichten, bilden Uberschriften wie Jtorl jiovtjqoVj nox^ ayQomov 

diese docb nur einen — allerdings belangreicben 50 (C r 6 n e r t Herm. XL VII 402ff . B i r t Iw. Miil- 

— Bestandteil der Dichtung, ohio jedoch deren ler Handb. I 3, 300. 377). Aus den G.-Dichtungen 

Ganzes auszumachen. G. -Dichtung, die als waren eben inzwischen G. -Sammlungen 

Selbstzweck um ihrer selbst willen da ist, be- entstanden, zunachst veranlaBt durch die Bedurf- 

gegnet, wenn wir von Ps.-Hesiodea, wie XiQcovog nisse des elementaren Schulunterrichtes, in dem 

vTio'&fjxai absehen, zuerst bei Theognis, der als Schreib- und Lesevorlagen, sowie als Diktat- 

wegen des ausgesprochen lebrbaften Charakters stoffe laus den Dichtem passende S'entenzen aus- 

seiner Verse nicbt als eigentlicher Dichter gait gewablt wurden. Auch fiir die Unterweisung dfer 

(Plut. de aud. poet. 15 F). Da er durch die reif eren Jugend in Moral und praktischer Lebens- 

ocpQTjyig (Kyrnos) sein Eigentum ebensowohl vor weisheit wurden G.-Sammlungen in reichem MaBe 

Entlehnungen wie vor fremden Zusatzen sebiitzen 60 verwendet. Bed Xen. mem. I 6, 14 rollt Sokrates 

will (v. 19ff.), muB diese Literiaturgattung schon die Schatze der alten Weisen auf, um sie gemein- 

recht verbreitet gewesem sein. Bekanntfich hat schaftlich mit den Schiilern durehzugehen und 

auch die Signierung durch die Verfassernamen, das Gute auszuwablen, Isokr. H 43f. nennt mg 

wie sie Demodokos von Leros (s. ?caXov(Aevag yv(b[A,ag, die mian aus Hesiod, Theo- 

Bd. IV S. 2870) Tiat rods Arjf^odoKov und der gnis und Pbokylides fiir Lehrzwecke sammeln 

Milesier P h o k y 1 i d e is ?eal xode ^co?cvhdsco kann, und Plat. leg. VII 81 1 A bericbtet, daB die 

fiir seine mehr politisch gefarbten G. anwendet, Lebrer geradezu eine Sammlung sentenzioser 

ibren Zweck recht wenig erreicbt. Von spateren Stiicke auswendig lernen lieBen, wie denn nacb 



79 Grnome Gnome 80 

Diog. Laert. VI 31 der Kyniker Diogenes seine Diese Demokrit-G. staimnien aus einem alphabe- 

Schtiler Dichter- nnd Prosadkerstellen memorieren ti'sch geordneten allgemeinen Gnomologinm, in 

lieB. Das gleiche ersehen wir aus dem bekannten dem auf Demoknates unmittelbar Demokritos 

Wort des AiscMnes (III 115) dia xomo yag olpiai folgte; ein Rutschen des Lemmas d avxog ver- 

Tialbag ovxag Ta? xcbv noirjtcbv yva>fA,ag sKfxav'd'd- anlaJBte die Verwirruaig, wie wir dies in der Icovid 

vsiv, Iv' avbQBg ovtsg avraig xQwi^ed'a. S. Wend- des Vind. phil. 253 sehen konnen, wo Demokrates- 

land Anaximenes lOOf. Auch im Ehetorikunter- und Demokritosfragmente durcheinander geraten 

ri(iht fanden derartige Sammlungen ausgiebige sind. Als sich in der nacharistotelischen Epoche 

Verwendung, zumial fiir epideiktisehe Reden, die der Schwerpnnkt der Philosophie immer mehr anf 
Ton Anfang an don Wettbewerb mit der Poesie 10 das Gobiet der praktisehen Ethik mit ihren tri- 

aufnahmen und durch Einfiigung geeigneter dich- vialen eudaimonistiseheoi Zielen verschob, lag die 

terischer Stellen dem Stil je nach Bedarf ein be- offizielle Zusammenfassung der hierher zielenden 

stimmtes rj'&og oder noSog erteilen woUten. Auch Satze in orthodoxen Gnomologien nabe. Anch 

znr Unterstiitznng der Beweisfiihrung wurden ilufiere Umstande wirkten da mit. Das philo- 

Spriiche von Denkem nnd Dichtern als ?esf moma sopMsche Interesse hatte sich auf Kosten der 

eingefiihrt. Politische Redner, die sich wie De- Tiefe gewaitig verbreitert, auch die schriftstel- 

mosthenos des Gewichtes der eigenen Meijnung lerische Produktioai, die in der epikureischen und 

bewuBt waren, haben eine derartige Unter- der stoisehen Schule ins Massenhafte ging. Aber 

stiitzung durch fremde Autoritaten im allgemei- sehr wenige mochten Zeit und Lust finden,, die 
nen verschmaht, aber schon Lykurg macht von 20 BOO RoUen des Vielschroibers Epikur durchzu- 

ihr reichlichen Gebrauch. iSicher ist jedenfalls, arbeiten, ganz abgesehen von demL hohen Laden- 

dafi bereits um 400 v. Chr. die versehiedenen preis der Bticher (14 Mark. S. B i r t Das antike 

Z^eigo des Sehulbetriebes auf Gnomologien an- Buchwesen in Iw. Miillers Handb'. I 3^, 322). Das 

gewiosen waren, die zur Bequemlichkeit des Be- grofie Lesepublikum hielt sich da lieber an eine 

nutzers frtihzeitig entweder nach Autoren oder Spruchsammlung, die ethische und psychologische 

nach sachlichen Schlagwortern, vielfach auch in Beobachtungen des Meisters in originaler Form 

alphabetischer Anordnung zusiammengestellt wa- bot. Wir besitzen von drei deorartigen Sammlungen 

ren. Daher ist es auch begreiflich, daB schon in epikureischer Spriicbe Reste: 1. 40 KvQiai 86^ai, 

den Papyri zahlreiche Fetzen von Gnomologien die jetzt das Encfe des uns crhaltenen Diogenes 
auftauchen. So enthalt einer der alleraltesten, 30 Laertios bilden, vermutlich unvoUstandig, wes- 

Flinders Petrie Papyri, 1891 von Mahaffy heraus- halb die Bedenken gegen die Eehtheit wegeoa 

gegeben, Reste einer G.-Sammlung. S. E 1 1 e r Pehlens wichtiger Lehren Epikurs hinf allig sand; 

De gnomologiorum Graec. historia 68. K a i b e 1 im Gegensatz zu G a « s e n d i, U s e n e r und 

Herm. XXVIH 62. Wendland Byz. Ztsehr. II v. Arnim (s. Bd. VI SL 140f.) betrachtet die 

328. tJber die hierher gehorigen neueren Funde gegenwartige Forschung (G i u s s a n i, B i - 

und ihre Literatur unterrichten jetzt am bequem- g n o n e, v. d. M u h 1 1, Bailey, M e w a 1 d t) 

sten K e r t le s Ref erate im Arch, f . Pap. Hier diese S'ammlung fiir ein Originalwerk Epikurs 

sei auf ein Ostrakon hingewiesen, das die akro- mit originalem Titel; 2. die 81 Sprtiche des Gno- 

stichische Anordnung bezeugt, Arch. f. Pap. VIII mologium Vat., beide in neuer Ausgabe von P. 
259, auf zwei BerMner Papyri aus dem 2. Jhdt. 40 v. d. Miihll 1922, mit italienischer trbersetzung 

V. Ohr. S. 233f . nr. 447f ., mit Florilegienresten, in E. Bignone Epicure, mit englischer in C. 

die sich ausschlieBlich auf Frauen beziehen, auf Bailey Epicurus, und 3. die gewaltige Inschrift 

eiu'emHibeh-Papyrus, geschrieben280 — ^240 v. Chr,. von Oinoanda. S. Bd. VI S. 143 und Wien. 

mit Ausspriiehen des Simonides, die einem Antho- Stud. XLIX 32ff. Wenn diese Katechismen auch 

logium entnommen sind, das doppelte "Dberschrif- nicht geradezu von <dem Schulhaupte selbst her- 

ten ajufweist: sachlich dvrjXcofA,dro)v, personlich ruhrten, so waren sie doch zweifellos unter Ap- 

2ifA,covldov VI 457. Pap. Soc. It. 1093 aus dem probation der Schule zusammengestellt und ver- 

2. Jhdt. (Arch. X 223 nr. 759) enthalt einen offontlicht. Sie behaupteten ihr Ansehen, so daB 

gnomologischen Traktat, Pap. Vat. Gr. 11 aus sie noch in den ersten christlichen Jahrhunder- 
dem Anfang des 3. Jhdts (ebd. X 64 nr. 740) ein 50 ten vermutlich auch in lateinischer tTbersetzung 

ziemlich langes Fragment aus einer Trostschrift verwendet wurden. S. Tac. dial. 31. 

des P h a V o r i n s IIsqI (pvyfjg, ein Stiick, das Als eine Tatsache von gianz unabsehbarer Trag- 

wegen der Person des Verfassers, der zu den um- weite fiir die Geschichte der Gnomologien erweist 

strittenen QueUen des Diogenes Laertios gezahlt sich die Praxis der s t o i s c h e n S e h u 1 e. Be- 

wird, und wegen des zitatengespickten Textes die leits Aristonvon Chios, Zenons Schtiler, der 

Gnomologie angeht. S. Praechter Gnom. allerdings noch den Kynikern nahesteht, hatte die 

VIII 561 — 572. tJber Pap. Gisseu' 348 s. u. Homoea zu einem Buche gesammeit. Entschei- 

Der entscheidende AnstoB fiir die Entwick- dend wurde die Tatigkeit des dritten Schulhaup- 

lung der Gnomologien ging in der heUenistischen tes Chrysippos {el f^rj yaQ ^v XQvomnog, ovh av 
Zeit von der Philosophie aus. Wie fiir die Volks- QO^v 2rod). U sener hat schon gelegentlich 

weisheit waren auch fiir die ethi'schen Lehren (Epic. LXXXIII adn. 2) auf die Bedeutung der 

der Denker aneinandergereihte G. die gebrauch- Stoiker fiir diesen Dberlief erungsweg hingewiesen, 

liche Form der Daorstellung. So haben wir ein aber erst E 1 1 e r hat in den Bonner Universitats- 

GnomologiumDemocriteum, das trotz programmen (1893 — 1897), De gnomologiorum 

der Verderbnis in dem iiberlieferten Autornametn Graecorum historia atque origine commentatio 

(Demokrates fiir Demokritos) sicher zum groBten den ganzen Fragenkomplex erschopfend behandelt. 

Toil fiir echt zu halten ist (s. o. Bd. V S', 137f,; Ausgehend von einer ebenso sorgfaltigen wie 

seither H. Laue De Democriti frg. eth. 1921). scharfsinnigen Analyse der Schriftstellerzitate 



81 Gnome Gnome 82 

bei Sext. Emp. adv. gramm., Gal. de plac., Pint. Kultur durch das scheinbar so ganz anders ge- 

de aud. poet, gelangt er zu dem Schlusse, daB artete junge diristentum. Eine bedmtsame E/olle 

Ghrysipp einen lun 234 entstandenen thesaurus fiel bier dem von ehrlicher Begeisterung fiir das 

sententiarum von zweifellos ganz gewaltigem Urn- hellenisebe Altertnm erftillten Clemens Ale- 

fange beniitzt babe. Die Frage, ob der Meister x a n d r i n u s zn, wenn ancb v. Wi lamowitz 

personlich die miihevolle Arbeit d;er Herstellnng anfangs (Einl. in d. gr. Trag. 1 171) etwas gar zn 

geleistet hat, oder ob er nur die von seinen Schii- geringschatzig iiber dessen Kompendien- nnd Flo- 

lern vorgenommene Sammlung angeregt, beraten rilegienweisheit abgenrteilt hat. Zweifellos war 

nnd redigiert hat, ist von nntergeordneter Beden- hier ftir Clemens der EinfluB des Stoikers Mn- 
tung. Dieses Urflorilegium nmfaBte anscheinend 10 sonins bedentungsivoU. S. Wendland Quaestio- 

nur Verse (W. Christ Phil. Stud, zn Clem. nes Mnsonianae nnd W. Christ Phil. St. zu 

Alex. [Abb. Akad. Miinch. 1900] 26). Die Organi- Clemens 6. AUerdings war die Art nnd Weise, 

nation der wissenschaftlichen Arbeit in den spa- wie die alten Schatze ftir die neuen Zwecke ver- 

teren philosophischen Schulen verlangte die Sbhaf- wendet wurden, nicht immer einwandfrei. Je nach 

fnng derartiger Behelfe. Sie sollten ahnlich wie Bediirfnis wurde der Sinn der Verse anders ge- 

bei den Eednern das Belegmaterial fiir die eigene deutet, der Wortlaut verandert. Auch fehlt es 

Lehre liefern: el tioxs naQaivexLKcbg ri Uyoiev, nicht an Interpolationen und Falschnngen, die 

xoXg noiTjtixdlg qxjovaJg (honsQel ocpQayii^eod-ai to dann manchmal wieder ihre eigene Geschichte 

m' avxcbv Xeyofxevov (Sextus Emp. adv. gramm. haben, wie das Elter 152ff. an dem orphischen 

I 271 = 660 B); vor allem dienten sie der Po- 20Frg. 4 Ab. (245 K.) zeigt, dessen Wandlungen er 
lemik gegen andere Lehrmeinungen. Chrysippos von Ps.-Instin. de mon. 2 iiber Clemens Alexan- 
selbst maehte von diesem Hilfsaoaattel einen so drinus bis zum sog. Aristobul verfolgt. Nun wur- 
ausschweifenden Gebrauch, daB ihm Galenos (de den die alten von den Christen in ihrem Sinne 
plac. 314) wegen dieses maBlosen Zitierunfugs interpolierten' Sammlungen wieder wie ehadem 
ddoXsoxla yQaicbdrjg vorwirft. Bei Diog. Laert. fiir Erziehungszwecke nnd zum rhetorischen Auf- 
VII 180 witzelt ein boshafter SpaBvogel tiber putz der Predigten verwendet. So ergibt sich fiir 
XQvolnTtov Mrjdeiav^ weil Chrysippos diese in die ganze heUenistische Zeit bis zum Ausgang des 
einer seiner Schriften fast zur Ganze zitiert habe, Altertums das Bild einer umfangreichen und fiir 
und ebendaselb'St versichert ApoUodor: el rig acpe- die geistige Gestalt der Zeit bedeutungsvoUe Li- 
koc xcbv XQvolriTiov pc^Xlcov 00^ dUoxQia :7ra^ari- 30 teratur, von der leider keiiu' einziges vollstandiges 
d^eixai, Tievbg avxc^ 6 x^Q'^V^ xaxaleitp&tai. DaB Werk in seiner urspriinglichen Gestalt auf uns 
auch noeh in der mittleren und neueren Stoa gekommen ist, wohl aber ein uniibersehbares' 
das Anlegen eines Zitatenschatzes zum person- Triimmerfeld. 

lichen Gebrauch ein gem geiibter Zeitvertreib Aus dem reichen Erbe des Altertums schufen 

war, beweiist Hekaton (s. v. Wilamowitz dann die Byzantiner ihre Sammlungen: im 

Antigonos v. Kar. S. 105ff.) und der sonst so viel 5. Jhdt. das trotz groBer Verluste noch immer 

beschaftigte Kaiser Marc Aurel, der III 14 zu sich ganz gewaltige Anthologium des Johannes 

spricht; [AeXXeig dvayiyvcbaxeLV xdg en zcov ovy- von S t o b o i, im 8. Jhdt. die theologische 

y^afx/Lidxcov enXoydg^ ag elg x6 yfjQag oavx^ dne- Spruchsammlung 'legd naQdXXrjXa des J o h a n - 
rl'&sao,, wahrend sein Erzieher Fronto ihm 40 nes von Damiaskos (Migne G. 95. 96), im 

II 10 schreibt: feci tamen per hos dies excerpta 9. Jhdt. das unter dem Namen des Maximus 
ex libris sexaginta in quinque tomos. Die andern Confessor gehende sacroprofane Florilegium, 
Schulen befolgten das Beispiel der Stoa. Ganz das in Anlage und Wichtigkeit dem Stobaios 
besonders waren Gelehrte abseits der groBen Bil- nahesteht (Migne G. 90. 91), die Melissa des 
dungsstatten darauf angewiesen, sich seiche Be- Monches Antonios (Migne G. 136), ein in 
helfe zu schaffen. So hat der Akademiker Pin- mehrfachen Brechungen iiberliefertes G n o m o - 
tarch, der nur ungern sein geliebtes Heimat- logium Democrito-Epicteteum (ab- 
stadtchen verHeB, nicht nur, wie schon erwahnt, schUeBende Ausgabe von C. W a c h s m u t h 
das stoische Florilegium benutzt, sondern sich Studien zu den griechischen Florilegien 162S.) 
auch selb'st einen reichhaltigen Zettelkasten von 50 und das durch die QueUenuntersuchungen zu be- 
Apophthegmen angelegt. Wie aueh andere philo- sonderer Bedeutung gelangte Florilegium 
sophische Riehtungen mit Florilegien axbeiteten, Parisinum aus dem Cod. Par. 1168, ein 
mag aus des Neuplatonikers Porphyries einheitliches, nach einem bestimmten Plan 
Trostschrift ad MarceUam ersehen werden, die redigiertes Corpus von weit iiber tausend pro- 
aus alphabetischen und nichtalphabetischen fanen, toils nach Autoren, teils in Kapiteln ge- 
Sammlungen mosaikartig zusammengesetzt ist. ordneten Slpriichen. In unermiidlicher Betrieb- 
S. Kurt Gass Porph. in epistulaad MarceUam... samkeit haben die spateren Byzantiner aus dem 
Diss. Bonn 1927. Usener Epicurea LVIIIff. tl^berlieferten durch Kiirzen, Erweitern undKom- 

Der von der stoischen Schule gesammelte Zi- binieren immer wieder neue Sammlungen ge- 
tatenschatz wurde dann in fast ebenso ausschwei- 60 schaffen, so daB die Zahl dear hsl. iiberlieferten 

fender Weise von den christlichen Apo- Florilegien tausend weit iibersteigt, wobei nur 

lo get en verwendet. Was dieseausaltenSchrift- ganz wenige wirklich vollig gleich sind, ein 

steUern anfiibren, beruht nur selten auf eigener Reichtum, der auch den arbeitsfreudigsten For- 

Kenntnis der angefiihrten Werke. Die Gelehr- scher entmutigen muB. Natiirlich enthebt diese 

samkeit, mit der sie prunken, geht in der Regel ■nberfiiUe des Materials die Forschung nicht der 

auf solehe Florilegien zuriick. Es zeigt sich auch entsagungsvoUen Miihe, den Inhalt dieser Flori- 

auf diesem Gebiet das weltgeschichtliche Schau- legien-Hss. festzustellen und jede einzelne Samm- 

spiel der tJbernahime der altgewordenen antiken lung an dem richtigen Platz einzuordnen, indem 



83 Gnome G-nome 84 

das Verhaltnis zu ihren Quellen und Abkomm- Neben Menander und noch mehr als dieser 
lingen f estgestellt wird, ohne daB es immer notig war Euripides seit dem 4. varchr. Jhdt. der 
ware, jede einzelne Sonderform aueb wirklich zu Lieblingsschriftsteller der griechisehen Welt, fiir 
edieren. Diese Darlegung der Filiation ist der das groBe Publikum ebensowohl wie fiir die ge- 
einzige wissenschaftliche und im Grunde selbst- bildeten und philosophisch interessierten Kreise, 
verstandliche Weg. Die Praxis zeigt idagegen denen er als der oKriviKog (pdooocpog gait (Sext. 
stets von neuem, wie die Untersuchungen in end- Emp. adv. gr. 288 und Athen. XIII 561 A). In 
loser Verkettung immer wieder ineinander greifen den alten Sammlungen herrs<5hte er so vor, daB 
und wie schwierig es ist, den Punkt herauszu- man jetzt namenlos uberlieferte Sentenzen mit 
finden, von dem aus die Entwirrung zu ver- 10 gutem Grund ihm zuteilen kann.. So findet sich 
suchen ist. Diese Aufgabe wurde aUerdings erst das bisher nur aus Clem. Alex, strom. IV 588 
spat erkannt und in Angriff genommen, obgleich bekannte frg. adesp. 116 W in einer Wiener Hs. 
ihre Losung, wie schon oben angedeutet wurde, mit dem Lemma EvQinidov. Die in spateren 
zu interessanten kulturgeschichtlichen Perspek- Zeiten g^brauchten Florilegien gehen auf eine 
tiven fiihren kann. Auch fiir die klassische Philo- Sammlung von Euripides- Versen zuriick, die aus 
logie ergeben sich hier neue bisher wenig be- der Gesamtausgabe exzerpiert sind, deren Stiieke 
baute Arbeitsgebiete, indem die Quellenanalyse nach den Anfangsbuchstaben der Dramentitel ge- 
der Gnomologien auf die tlberlief erung der alten ordnet waren. v. W i 1 a m o w i t z Einl. in die 
SchriftsteUer fiihrt, wie sie dm 3. vorchristl. Jhdt. gr. Trag. 172. Von da kamen sie durch Vermitt- 
gelesen wurden. So finden sich in den Zitaten 20 hing der stoischen Schule in die groBen byzan- 
Spuren des voralexandrinischen Homertextes tinischen Florilegien (besonders Stobaios) und 
(E 1 1 e r De gnom. hist. 63) oder der damaKgen schlieBlich in unsere Fragmentsanmilungen, viele 
Pktoausgaben (E. B i c k e 1 De Stob. excerptis tausend Verse, manch tiefsinniges Wort darunter, 
Platonicis de Phaedone, Jahrb. f . Philol. 28. Suppl. aber doch zum iiberwiegenden Teil unerfreuliehe 
1903). Aber die philologische Wissensehaft be- moralische Banalitaten, die aus den inhaltsarmen 
trachtete lange Zeit dieses Trummerfeld nur als Distichen und Fiillversen stammen, deren Zweck 
ergiebige Fundstatte von Bruchstucken aus an- es ist, von einer Rede zur nachsten den tJbergang 
tiken Autoren. Die Ausbeute des ziemlich plan- zu vermitteln. Vgl. v. Wilamowitz Herakl. 
losen Durchsuchens war ja auch nicht gering. IP zu v. 236. Das von 0. H 'e n s e Acta soc. Lips. 
Besonders zwei Namen tauchen immer wieder in 30 VI 333ff. und K. iSI c h e n k 1 Wien. St. XI 309ff. 
der wiisten Masse auf: M e n a n d e r und E u r i- aus dem Marcianus 407 herausgegebene Euripides- 
pi d e :vS, ein Beweis fiir die Beliebtheit dieser Dieh- gnomologium hat mit jenem Urflorilegium gar 
ter in der hellenistischen Zeit, in der die Quell- nichts zu tun. Es ist erst in spatbyzantinischer 
schriften fiir 'die Gtnomologien zu suchen sind. Zeit aus einem Codex der kleineren Auswahl von 
Viel ver*breitet war im Mittelalter eine Tragodien zusammengestellt worden. Wie, das 
Sammlung Menandrisoher M o n o s t i c h a (s. kann man noch in statu nascendi aus dem Jeru- 
Bd. XV 8. 737). Dieses alphabetisch geordnete salemer Palimpsest, einer solchen Hs. aus dem 
Florilegium findet sich in zahlreichen Hss., deren 10. Jhdt., ersehen, wo einzelnen Versen amEande 

£*Auta.b?teTMVy7f •jrwit£40.?' beigeschrieben ist, ^ .ie als Senten.en ^ 

eigenen Vorarbeiten plante, nicht zum AbschluB bezeichnen. S. Horna Herm. LXIV 418. Haufig 

gedieh, ist man immer noch auf M 'e i n e k e FCG wurden in jiingeren Hss. sentenziose Verse auch 

IV 340ff. angewiesen, wo 758 Monosticha ver- dadurch hervorgehoben, daB sie mit roter Tinte 

einigt sind. In den Hss. wechseln Zahl und Aus- geschrieben wurden (Horna Jahresber. Sophien- 

wahl der Verse, doch enthalt keine mehr als 400'. gymn. Wien 1902, 24). Der Wert solcher Gnomo- 

Eine Vermehrung des Bestandes ergab sich aus logien ist natiirlich isehr gering. 

einer im slavischen Stiiden spatestens im 12. Jhdt. Ausgaben und Studien. Die ersten 

angefertigten tJbeirsetzung, die 490 Einzelverse Drucke gingen hauptsachlich von der Schweiz 

und 3 Disticha enthalt, darunter mehr als aus. Die groBen Humanisten d'es 16. Jhdts. 
100 Verse, deren griechischer Text unbekannt ist. 50 haben — entsprechend den ethischen und pad- 

S. V. J a g i e Die Menandersentenzen in der alt- agogischen Bestrebungen der Zedt — schon friih- 

kirchenslav. tJbersetzung, S.-Ber. Akad. Wien zeitig ihre Tatigkeit den griechisehen Gnomo- 

CXXVI. Die Entstehung dieser FloiiLegien wurde logien zugewendet. Der Basler Buchhandler Jo- 

meist ins Mittelalter verlegt. Nun bringt der hannes F rob en, der 1521 in dem Biichlein 

Pap. Gissen 348 aus dem 2. — 3. Jhdt, (Arch. X Scriptores aliquot gnomici eine nach den Namen 

56 nr. 731, verbesserte und vervoUstandigte Aus- der Autoren alphabetisch geordnete Sammlung 

gabe in Pap. landanae fasc. V [1931] 180ff.) aus^ von Sentenzen und Apophthegmen verofentlicht 

drucklich unter dem Titel MevdvdQov yv6)f/,at hatte (C. Wachsmuth Eh. Mus. XXXVII 

10 Monosticha, davon 4 bereits aus der mittel- 506ff.), veranlaBte seinen Freund D. Erasmus 
alterlichen tlberlieferung bekannt, v. 6 — 8 in der 60 z^ einer ahnlichen Tatigkeit, so daB dieser ,Apo- 

gleichen Redhenf olge wie bei J a g i c. Daher ver- phthegmata* in lateinischer Ubersetzung heraus- 

mutet KalbfleischHerm. LXIII lOOff., daB gab (0pp. t. IV 84ff.). Diesem folgte Conrad' 

schon im 1. Jhdt. v. Chr. eine ahnliche Zusam- Ge,sner, der Stobaei sententiae (Ziirich 1543), 

menstellung existierte und das Vorbild fiir die ferner die Sentenzensammlungen des Antonius 

unter dem Namen des Publilius Syrus gehende Melissa und des sog. Maximus Confessor (Ziirich 

Spruchsammlung abgab. — Eine MevdvdQov nal 1546) edierte, dann M. Neander, dessen Opus 

^diotlcovog ovyHQioig gab Studemund Bres- aureum et scholasticum (Basel 1559) den grie- 

lau 1887 mustergiiltig heraus. chisch-lateinischen Text der Goldenen Sprtiche 



85 Gnome Grnome 86 

des Pythagoras, den Ps.-Phokylidjes, ein Gnomo- tung eines anderen Teilgebietes hat D i e 1 s den 

logikon und als Anhang zwei Bticher "Anocf&ey^axa AnstoB gegeben. 1882 verofientlichte und besprach 

kXXrjviHa, von einem Schiiler gesammelt, enthielt, C. Wachsmuth in der Festschrift zur Be- 

nnd Joaieh. Camerarius mit einem Libellns giuBung der XXXVI. Philologenversammlung ,Die 

scholasticus (Basel 1550) nnd einem Libellus Wiener Apophthegmensammlung* aus dem Vind; 

gnomologicus (Lpz. 1571). Um dieselbe Zeit ver- theol. 149, anf den Diels Rh. Mns. XXIX hin- 

offentlichte H. Stephanus Apophthegmata gewiesen hatte. Bereits fiinf Jahre spater konnte 

graeca (Paris 1568). Spater kam Lucas H o 1 s t e n, Leo S t e r n b a c h in der Aufsatzreihe De G-no- 

der aus dem Vat. gr. 743 in ,Demophili, Demo- mologio Vaticano inedito, Wien. Stud. IX, X. XI 
cratis et Seeundi veterum philosophorum senten- 10 aus dem Vatic, gr. 743 eine andere, viel reich- 

tiae* Rom 1638) den Hauptvertreter der Homoeo- haltigere Fassung derselben Bammlung — 577 

mata ans Lieht zog. Apophthegmata Patrum Stiick statt 190 — veroSentlichen. Eine bedeut- 

stehen in Cotelier Ecclesiae graecae monu- same Anregung brachte der Aufsatz Freude n- 

mentai I, Paris 1677; eine Neuausgabe erschien thals Rh. Mus. XXXV: Zu Phavorinus und der 

1923 in W. Bousset Apophthegmata. SbhlieB- mittelalterlichen Florilegienliteratur. Eine Notiz 

lich hat die Bibliotheca graeca des I. A. F a b r i - bei Suidas, der dem Phavorinos ein Buch Fvcof^o- 

c i u s durch den unheiiioiichen FleiB und die un- loywa zuschreibt, gibt AnlaB zu einer Priifung 

faBbare Belesenheit des Verfassers, wie auf alien der in Gnomologien tiberlieferten Phavorinos- 

Gebieten, so auch hier wirksam gefordert. Die fragmente und zu einer ausfuhrlichen Mitteilung 
erste Zusammenfassung der gedruckten Flori- 20 iiber das noch unedierte hochwichtige Florilegium 

legien wird dem Ziiricher Kanonikus I. C. Paris, im Cod. Par. 1168, das als Hilfsmittel der 

Orelli verdankt. Seine Opuscula Graecorum Quellenanalyse fur die in Betracht kommenden 

veterum sententiosa et moralia (2 Bde., Lpz. Gnomologien empfohlen wird. Die hier angeregte 

1819 und 1821) bieten nattirlich keine kritische Untersuchung wurde gleichzeitig von Schenkl 

Geschichte der Gnomologien, eine Aufgabe, deren nnd E 1 1 e r von entgegengesetzten Seiten her in 

befriedigender Losung auch haute noch groBe Angriff genommen und fiihrte bei beiden For- 

Schwierigkeiten entgegenstehen, wohl aber feine schern zu dem gleichen Ergebnis. H. S c h e n k 1 

bequeme Sammlung des bis dahin vorhandenen wurde durch seine Epiktetausgabe auf Florilegien- 

Materials. Dieses wurde in den nachsten Jahren studien gelenkt: Dio Epiktetischen Fragmente. 
vermehrt durch Boissonades Anecdota graeca 30 Eine Untersuchung zur tJberlieferungsge&chichle 

(Paris 1829 — 1833), die nebst anderem Geor- der griechischen Florilegien. S.-Ber. Akad. Wien 

gidae gnomologium — jetzt auch Migne G. 117 CXV (1887) 443ff. Hier wird der Nachweis er- 

S. 1057 — 1169 — brachten. bracht, daB der Kompilator des Maximus fiir die 

Die methodische Behandlung gnomologiseher profanen Sentenzen im wesentlichen eine Samm- 

Probleme begiamt der junge R i t s c h 1, der schon lung beniitzt hat, die mit dem Florilegium des 

1834 in seiner Habilitationsschrift De Oro et Par. 1168 die groBte Ihnlichkeit hat. In dem 

Orione (Opusc. I 582fi.) dn verwandtes Thema Programmaufsatz: Florilegia duo Graeca, Wien I 

behandelt hatte. 1839 folgte das Bonner Univer- Akad. Gymn. 1888 veroSentlichte er ^dooocpwv 

sitatsprogramm Gnomologium Vindobonense (== ^^yot aus Par. 1166 und {Aiownov uiaQaiveosig 
Opusc. I 560ff.) aus Vind. theol. 128. Weit um- 40 aus Vind. theol. 128, in den Wien. Stud. XI eine 

fangreicher und bedeutungsvoUer wurde auf die- sorgfaltige Ausgabe des Florilegiums %qioxov 

sem G^biete 'dio Tatigkeit von C. Wa c h s m u t h, ^«^ jzqcozov fAdd^iA,a, AuBerordentliche Forderung 

der sich sofort den schwierigen Aufgaben zu- verdankt dieses dornenvolle Arbeitsgebiet den 

wandte, die Stobaios dem Bearbeiter bietet. Auf durch Jahrzehnte fortgeftihrten Studien E 1 1 e r s. 

Vorarbeiten, die zum Teil in den ,Studien zu den Was er in seiner Doktordissertation De loannis 

griech. Florilegien' (Berl. 1882) wiederabgedruckt Stobaei codice Photiano (188) und naehher fiir 

sind, folgte die Ausgabe der ersten zwei Bande Stobaios geleistet hat, dariiber s. Bd. IX S. 2549ff. 

loannis Stobaei Anthologium (Berl. 1884). Die Leider ;sind die meisten hierher gehorigen 

spatern Bande III — ^V (1894 — ^1912) und Appen- Untersuchungen verstreut in Bonner Univer- 
dix (1923) iibernahm 0. Hense. Durch des- 50 si^atsprogrammen erschienen. Zunachst behan- 

sen erschopfenden Artikel Bd. IX S. 2549ff. ist delte E 1 1 e r einige Seitenzweige der gnomologi- 

dieses zentrale Problem aller Gnomologienfor- schenliteratur: SextiPythagorici sententiael, II, 

schung in der Hauptsache zum AbschluB ge- 1891 — 1892 der griechische Text, der seit Ori- 

bracht C Wachismuth fand einen Weg- genes beruhmten iSpruchsammlung, von der bis 

genossen fur seine Florilegienstudien in H. dahin nur die lateinische tJbersetzung bekannt 

Diels, dessen altester Aufsatz; Zur Literatur war, Epicteti et Moschionis sententiae 1892; 

der griech. Florilegien, Jahrb. f. Philol. CV (1872) Euagrii Pontici sententiae 1892/93 (so weit auch 

sich auf Wachsmuthsche Arbeiten bezieht. In dem in Buchform als Gnomica I. II [1892] erschienen). 

kurzen, aber inhaltsreichen Beitrag: Eine Quelle Dann folgte die schon oben angefuhrte grund- 
dp Stobaeus, Rh. Mus. XXX (1875) setzte er die 60legende Abhandiung De Gnomologiorum Graeeo- 

Entstehung des Urflorilegiums ins 1. — ^2. Jhdt. rum historia atque origine commentatio in neun 

n. Chr. (v o r Chr. bei v. Wilamowitz Einl. i. Teilen (254 Seiten) 1893—1896, daizu ein Corolla- 

d. gr. Trag. 171 ist ein Druckfehler). EinePreis- rium Eusebianum 1894/95 und Ramenta, 1897. 

aufgabe der Berliner Akademie iiber die Plutarehs S. die gehaltvoUen Besprechungen von P. Wend- 
Namen tragenden Placita gab die Anregung zu land in Byz. Ztschr. II 325f. und VII445ff. Eine 
den Doxographi Graeci (1879), die auf Ram. 12 angekiindigte Geschichte der Apophthe- 
einem Nachbargebiete verlaBliche Grundlagen ge- gmensammlungen ist leider nieht erschienen. Die 
schaSen haben. Auch fiir die intensivere BearlSi- Ekhellung dieses dunklen Feldes hatte gewiB der 



87 Grnome Gnome 88 

Untersuchung der Quellen des Ps.-Plutarch und Sf^oicb/i^am usw., die sich alle durch ihre anfiere 

vor allem des Diogenes Laertios neue Wege ge- Form schon auf den ersten Blick voneinander 

offnet (W. G e m 1 1 Das Apophthegma, Wien untersclieiden, nicht ohne weiteres einreihen, da 

1924, verfolgt wesentlich andere Ziele). Anch die sie bald als yvw^rj, bald als d.Tiocp'&syfia oder 

wiederbolt in Aussicht gestellte Gesamtausgabe anoiJivrjfj,6vsvpa anftreten kann. Sie ist in ihrer 

der Gnomologien, ftir die er ein gewaltiges Mate- besonderen Eigenart nur ans ihrer Entstebung, 

rial gesammelt hatte, kam nicht zur Ausfuhrung. zu erklaren. Der erste Verfasser bzw. Sammler 

Nur ein Teilgebiet land eine erschopfende Dar- von xQsiai, der in der Uberlieferung erwahnt 

stellung in den rvcofAiHa o/bioicbfA,ara des Sokrates, wird, ist der Kyniker Metrokles, der anch der 

Plutarch, Demophilos, Demonax, Aristonymos u. a. 10 Erfinder des Namens und in gewissem Sinne der 

I__Y25G + 62Sl, Bonn. Kaiserprogr. 1900 — 1904. Gattung gewesen sein dtirfte. Das Wort ;t:^e/a 

Von Wichtigkeit wurden die Mitteilungen oder XQ^^^^ ^^* — urspriinglich meist mit einem 

iiber mittelalterliche tJbersetzun- Adjektiv verbunden — die Bedeutung ,Bedarf', 

gen. So war die schon um 250 n. Chr. Yon Ori- ,was man zu etwas braucht', auch ,IFtensilien', 

gines c. Celsum p. 397 zitierte G.-Sammlung des z. B. xQ^'^ai vavxiKal = ,Schiffsbedarf', ,was man 

Sextus Pythagoricus bis 1891 nur in fur ein Schiff oder auch zur Schiffahrt braucht'. 

einer lateinischen tJbersetzung des Rufinus und In diesem Sinne wurde das Wort von Metrokles 

aus syrischen Bearbeitungen bekannt (s. o. S. 86). verabsolutiert zu ,Lebensbedarf und angewandt 

tJber syrische tlbersetzungen s. A. Baumstark auf eine Sammlung von Sprtichen, Apophthegmen 
Lucubrationes Syro-Graecae in Jahns Jahr. Suppl. 20 und Anekdoten, die man auswendig lernen soil, 

XXI (1894) 473 — 490 und V. Ryssel Neuauf- um sie in alien Lebenslagen zur Ermunterung 

gefundene graeco-syrische Philosophensprliche und Befestigung in der einmal angenommenen 

iiber die Seele, Rh. Mus. LI 529ff.. Fur slawische philosophischen Lebenshaltung bereit zu haben. 

■Dbersetzungen kommt auBer den Arbeiten von In dem kynischen Erziehungsroman Aioysvovg 

J a g i c (s. 0. S. 83 und iim Spomenik der ser- nQdoig des Eubulos (bei Diog. Laert. YI 31) ist 

bischen Ak. XIII, Belgmd 1902), Michailov und das in der Weise auf Diogenes von Sinope iiber- 

Semenov, besonders das leider in russischer tragen, daB dieser die Kinder des Xeniades 

Sprache geschriebene, sehr ausfiihrliche Werk Sprtiche von Dichtern und andern Schriftstellern 

von M. N. Speranskij in Betracht: jtFber- auswendig lernen laBt. Das zeigt, wie verbreitet 
setzungssammlungen von Spriiehen im slawiseh- 30 die Tendenz im Kynismus der Generation nach 

russischen Schrifttum', Moskau 1904, 577 und Diogenes w^ar, wenn dieser selbst bei seiner Ver- 

255 S., hrsg. von der kais. Gesellsch. f. russ. achtung aller anderen Philosophen auch wohl 

Gesch. u. Altextiimer bei der Moskauer Universi- eher Apophthegmen, die man spater sammeln 

tat, nach Krumbaehers Urteil Byz. Ztschr. konnte, produziert als die Aussprtiche von andern 

XVI 330 eine ,groBartigeZusammenstellung derG.- gesammelt haben durfte. 

und Spruchliteratur im slawischen Gewande. Das Obwohl die Literaturgattung der X9^^<^ sehr 

Werk darf niemand, der sich mit der griechischen bald nicht mehr auf die Kyniker beschrankt 

Florilegienliteratur befaBt, unbenutzt lassen*. blieb, sondern groBe Verbreitung gewann, hat 

Der erst durch Krumbacher zum Range sie doch bis in spate Zeit charakteristische Ziige 
einer eigenen Wissenschaft erhobenen B y z a n - 40 ihres Ursprunges bewahrt. Die Bedeutung des 

t i n i s t i k verdankt auch die Gnomologienfor- Wortes ;^^fita als dessen, was man ftir das Leben 

schung reichliche Forderung. Die bibliographi- braucht, und was dafiir niitzlich ist, blieb noch 

schen Notizen der Byz. Ztschr. unterrichten arrt den Progymnasmatikern bewuBt (vgl. Theon pro- 

bequemsten iiber in- und auslandische Neuerschei- gymn. V 27 : siQstai de XQ^^^ ^^"^ k^ox'h'^^ oti 

nungen, besonders iiber die zahlreichen von rus- f^dUov tcov aklcov nqog noXXa x^««<^^^? ^ort xm 

sischen und griechischen Gelehrten veroffentlich- pico und Hermog. 3: ;^^^/a sorlv ,. (hg 

ten kleineren Sammlungen. Von Krumbacher knl ro nlsloxov XQV^^^^'^ rivog evexa). Ebenso 

wurde auch ein Preisausschreiben der Mlinchener weisen die Bestimmungen der besonderen Eigen- 

Akademie veranlaBt, die 1901 einen Betrag von art der XQ^^^ gegeniiber der yvc6/j,rj und dem d:;ro- 
1500 M ftir eine ,bibliographisch-literarhistorische 50 ^);^^oV£t;^a bei den Progymnasmatikern noch 

tJbersicht der griechischen Gnomologien und ihrer auf den kynischen Ursprung unter den Diogenes- 

"Dberlieferung* aussetzte. Da in mehr als vier schtilern bin. Vom d:^ofivrjf^6vsvf,ia unterscheidet 

Jahren keine einzige Arbeit einlief, wurde das sich die x^e/a durch die Kiirze (Hermog. 3)*. 

Preisausschreiben nicht wiederbolt. Die in der Diese Forderung ergibt sich aus dem ursprting- 

Tat auch heute noch ungeheure Sehwierigkeit der lichen Zweck, zu dem man sie jederzeit zur Hand 

Aufgabe hat Bewerber abgeschreckt. Schon die haben muB, von selbst. Von der yvcbfATj unter- 

raumliche Ausdehnung der notwendigen For- scheidet sie sich dadurch, daB sie nicht wie diese 

schungen in den Bibliotheken von Oxford bis immer in einer Aussage bestehen muB, sondern 

Jerusalem, von Moskau bis Madrid und weiter auch in einem Apophthegma oder der Erzahlung 
muBte entmutigen. Doch sind injiwischen von 60 einer Handlung bestehen kann (Theon 5, ahnlich 

einer Reihe wichtiger Bibliotheken (Vaticana, Hermog. 3). Hierin zeigt sich die Ankniipfung 

Ambrosiana u. a.) sehr sorgfaltig gearbeitete Ka- an Diogenes, der lieber noch als durch einen 

taloge im Druck erschienen, die diese gewaltige Ausspruch oder durch eine pointierte Antwort 

Arbeit einigermaBen erleichtern. durch eine stillschweigende Handlung seine tJber- 

[Konstantin Horna.] zeugung zum Ausdruck brachte, ganz besonders 

Zusatz 1 zu S. 75 : deutlich. Eine weitere Unterscheidung besteht 

Die XQ^^<^ i^^ antiken Sinn laBt sich in die nach den Progymnasmatikern darin, daB die ;^^e/a 

Reihe der yvco^aif anocpd's.yiAara, d:n^o/yivr}f^ovsvfA,ara, immer slg nQooconov dvaq>EQstai und daB ihr In- 



89 Gnome HaartracM 90 

halt nicht unmittelbar eine allgemeine Maxime auflosen lassen. Die Grenzen zwischen eigent- 

auszudriicken "brauclit, sondern sich auf eine kon- licher Gnomenliteratur und zusammenhangenden 

krete Situation beziehen kann. In beidem driickt ethischen Schriften, die im archaischen Eeihen- 

sich die Yorliebe des Diogenes fiir das Person- stil geschrieben sind, sind also in dieser alten 

liche, Konkrete und Anscbauliche aus. Wenn Zeit fliefiend. Umgekehrt ist aber in diesen Fal- 

endlich Theon als letzten Unterschied anftihrt, len auch die aus auBerlich unverbundenen Einzel- 

dafi die yvcbfAri sich immer auf ein ev tcp ^l(p spriiclien, wie sie z. B. in der von Friedlander 

XQfjoifAOV beziehe, wabrend die ;i:^£/a auch. um (610f.) besonders behandelten dvoi^iuovsg-Reil^Q auf- 

des blofien x^Qf'^vxiofAog willen da sein k5nne, treten, bestehende Schrift das zusammenhangende 
,fA,rjdsv sxovoa ^icoq>sUg\ so scheint das zwar im 10 Werk eines Schriftstellers, und die spater so 

Widerspruch zu stehen mit Theons eigener Her- haufig werdenden Sammlungen von Spriichen 

leitung des Begriffes der XQ^^<^ ^^^ ^^^ XQ^^^- verschiedener Schriftsteller sind etwas der Gat- 

dsg, illustriert aber gerade durch diesen Wider- tung nach davon verschiedenes, wenn auch ge- 

spruch vortrefflich die Herkunft der xQ^f'^^ ^^s legentlich in Werken der erst en Art sich f rem des 

dem }cvvio/A,6g der Wende des 4. zum 3. Jhdt., in Gut finden mag, das aber der Autor sich dann 

dem auch haufig die Freude an der witzigen in irgend einer Weise wirklich zu eigen gemacht 

Pointe den Zweck der moralischen Belehrung zu haben pflegt. [K. v. Fritz.] 

Oder Paraenese iiberwucherte. Grabaei. Plin. n. h. Ill 144 ftihrt sie unter 

Erst bei den ROmern, die schon durch die den Stammen, die das Gebiet zwischen Lissus 
tJbersetzung von XQ^^<^ durch sententia beweisen, 20 und Narona bewohnen, an {eo traetu fuere La- 

dafi ihnen die urspriingliche Bedeutung des Wor- heatae [Bd. XII S. 245], Endiriidini [Bd. V 

tes fremd geworden ist, verliert die x^e/a dann S. 2553], Sasaei [Bd. II A S. 55], Orahaei 

allmahlich jede Beziehung zu ihrem historischen proprieque dicti Blyrii et Taulantii [Bd. IV A 

Ursprung, und wird aus ihr das Gebilde, das S. 2526ff.] e^ P^/rae^'). Da Zippel D. rOm. Herr- 

man heute als Sentenz oder Chrie zu bezeichnen schaft in Illyrien 10 in dem Ausdrucke des Pli- 

pflegt. Aber nocTi Quintilian (s. d.) wiederholt nius proprie dicti Illyrii die Bezeichnung fiir 

die EinteiluDg der ;t^£/a in ihre verschiedenen die im mittleren Teile der adriatischen Kiiste 

Formen durch die Progymnasmatiker, die eigent- etwas nOrdlich des Drilon wohnenden Illyrier 

lich nur auf die alte ;t;^«a sinnvoU angewendet sieht (o. Sppl.-Bd. Y S. 312), so werden die Wohn- 
werden kann, da nur diese die verschiedenen 30 sitze der G. am Drilon zu suchen sein. Krahe 

Gruppen zu einer Einheit zusammenfafit. Vgl. Indogerm. Bibl. III. Abt. 7. Heft 88 glaubt, auch 

G. Reichel Quaest. Progymnasmaticae (Lpz. an dem Namen der G. die tJbereinstimmung illy- 

1905) 14 u. 0. [K. V. Fritz.] rischer Orts- und Personennamen beziiglich des 

Zusatz 2 zu S. 76: Grundelementes grab nachweisen zu kOnnen. 

Fiir die Entstehung und alteste Geschichte Vgl. auch Krahe 24. 76. [Max Fluss.] 
der Prosagnomen sind vor allem die Fragmente S. 2100 zum Art. Haartracht und Haarschmuck : 
der ethischen Schriften Demokrits sehr wichtig, Haartracht der rOmischen Frau. Die Gold- 
die gerade im Zusammenhang mit der Spruch- mtinzen des J. Caesar aus dem J. 46/45 v. Chr. 
dichtung von P. Friedlander in seinem schonen zeigen eine einfache griechische H.: Mittel- 
Aufsatz vnod'Yjxai im Herm. XL VIII 603 ein- 40 scheitel, eine langs der Stirn eingerollte Haar- 
gehend behandelt worden sind. Friedlander strahne (StirnroUe), die am Hinterkopf mit dem 
hat dort sehr wahrscheinlich gemacht, dafi es iibrigen Haar zu einem Knoten zusammengefaBt 
mindestens zwei ethische Schriften des Demokrit wird, eine Mlinze des J. 44 v. Chr. eine ahnliche 
gab. Von diesen muB sich die eine, welche von Tracht: die StirnroUe wird in Ohrhohe riickwarts 
Dionys dem GroBen bei Euseb. praep. ev. XIV gelegt und mit dem Iibrigen Haar, das halblang 
27, 4 als vnod'flHai zitiert wird, im Katalog der geschnitten ist, am Hinterkopf zu einem Locken- 
alexandrinischen Bibliothek aber einen andern knoten abgebunden (v. Bahrfeld Goldmiin- 
Titel gehabt haben muB und vielleicht mit der zenprg. Taf. 9 — 13. 14 — 16), 
Schrift lA^aXd-slag TisQag des bei Diog. Laert. IX Die Modefrisur des 4. Jahrzehnts v. Chr. ist der 
7, 13, 46 erhaltenen Thrasyllkataloges identisch 50 Scheitelzopf. Ihn tragen die Frauenportrats der 
ist, aus kurzen einzelnen Spriichen, die aber Miinzen des M. Antonius: das Seitenhaar wird 
dennoch untereinander in einem gewissen Zusam- quer in zwei oder mehrere Teile geteilt und 
menhang standen, zusammengesetzt haben, wah- bei dem Quinar des J. 43 v. Chr. am Hinterkopf 
rend die andere mit dem Titel tibqI €Mvf4,lrjg zu einem Knoten aufgesteckt, das iibrige Haar 
langere zusammenhangende Ausftihrungen ent- liegt als Scheitelzopf vom Wirbel bis zur Stirn 
Melt. Auf der anderen Seite zeigt Friedlander auf der Mittellinie des Kopfes auf und biegt 
jedoch auch, daB das Aneinanderreihen auBerlich dort in einer Schleife um (Abb. 1), bei dem 
nicht oder wenig verbundener Satze tiberhaupt Quinar des J. 42 v. Chr. fallt der Haarknoten 
eine archaische Stilform ist, die auch auf an- fort, und der Scheitelzopf beginnt in Ohrhohe 
deren Gebieten auftritt, fiir die ethische Parae- 60 (Babelon Monnaies de la R^publ. I 169 Abb. 
nese aber ganz besonders geeignet ist. In diesem im Text, 168 nr. 32, vgl. die Miinzen der Stadt 
Zusammenhang gewinnt dann die Beobachtung Eumeneia der J. 44 — 40 v. Chr. [Abb. 2] und 
vielleicht eine gewisse Bedeutung, daB auch die dieselbe Scheitelfrisur mit Haarknoten am Hinter- 
sicher der zusammenhangenden Schrift tieqI ev- kopf und ungeteiltem gewellten Seitenhaar Ny- 
d'viA.lrig angehOrenden Fragmente B 3 und 191 Carlsberg 1907. 595). Die Miinzen der J. 39—35 
Diels, wenn man nur die verbindenden Partikel v. Chr. zeigen den Scheitelzopf mit Nodusbausch 
weglaBt, sich sehr leicht in lauter gnomenhafte Tiber der Stirn. Die iibrige Frisur ist die gleiche 
Einzelsatze, die auch fiir sich bestehen konnen, wie vorher (v. Bahrfeldt Taf. IX 2—7, vgl. 



91 



Haartracht 



Haartracht 



92 



Arndt-Bruckmann Portrats Taf. 611), 
Scheitelfleclite mit Nodusbausch in Verbindung 
mit der StirnroUe zeigt die Oktaviafrisur des 
Aureus v. Quelen, bemerkenswert sind zwei an 
der Stirnmitte sich von der StirnroUe ablfisende 
Strahnen, die einzeln eingeroUt werden (v. Babr- 
feldt Taf. IX 1 [Abb. 3], vgl. Frauenkopf Ber- 




Abb. 1 



Abb. 3 



lin Bernoulli E6m. Ikon. II 1, 114 Fig. 15, 
A.-E. 3049). Charakteristisch fiir die Frisur des 
4. Jabrzebnts y. Cbr. ist der tief am Hinterkopf 
aufgesteckte Nackenknoten (Aureus v. Quelen), 
er wird aus zwei geroUten Haarstrahnen ge- 
bildet, die nebeneinander scbleifenartig gegen 
den Hinterkopf liegen und von ihren End- 
strahnen abgebunden sind (Frauenkopf Berlin). 
Dieser Knoten, etwas vergrOBert, wird schon in 
der spatrepublikaniscben-friihaugusteiscben Zeit 
zu der sog. claudischen Zopfscbleife (Steinin- 
ger Bd. VII S. 2136). Die StirnroUe ist bis- 
weilen ungeteilt oder gliedert sich in einzelne 
Abscbnitte, dabinter liegt kranzariig ein schma- 
ler Zopf. Die Ohren sind meist unbedeckt oder 
werden leicht vom Haar gestreift. Der Nodus- 
bausch Tiber der Stirn zeigt eine groBe Yaria- 
tionsmOglicbkeit, es gibt den einfachen und den 
zweigeteilten, er wird quergeteilt oder durcb 
Zopfe eingeschnurt, auch mit Bandern abgebun- 
den. Vor dem Ohr liegt eine groBe Locke, zwi- 
scben Nodus und Seitenhaar mehrere kleine 
Scblangenlocken, die auch liber die ganze Stirn 
verstreut sind, seitlich im Nacken ban gen oft 
zwei grOBere berab (vgl. Miinze von Bahrfeldt 
Taf. IX 2—7). Beliebt ist ferner eine Frisur 
mit Scheitelzopf und Nodusbausch, die eine 
Stirnstrabne gesondert von dem iibrigen Seiten- 
haar in Wellen legt (Hekler Bildniskunst 
207 a, A.— E. 3340—3341) und eine andere, die 
die gewellte Stirnstrabne kurz vor dem Ohr in 
zwei Telle teilt und sie nacheinander einroUt 
(Gaz. Arch. I Taf. 31). Von altgriechischen Fri- 
suren tragt man in dieser Zeit die Melonen- 
frisur (Sommer Bd. VII S. 2127) und eine 
griechische Idealfrisur, die das Haar in der Mitte 
scheitelt und seitlich iiber der Stirn nach hinten 
herabkammt. 

In friihaugusteischer Zeit wird anfangs noch 
die Zopftracht mit Nodusbausch getragen, be- 
liebt ist eine Variante dieser Haartracht, die den 
kranzartigen Zopf um den Vorderkopf bis nahe 
auf die Stirn ruckt. Im Nacken hangt die Zopf- 
scbleife, vor dem Ohr liegt das Haar in einem 
Ohrbausch, ein Motiv, das dem altgriechischen 
Typenschatz entlehnt ist. Es findet sich bereits 
in spatrepublikanischer Zeit (Br i sing Antik 
Konst i. Nat.-Mus. Taf. 48). Die eigentliche au- 
gusteische Tracht ist charakterisiert durch den 



Fortfall der Scheitelflechte mit Nodusbausch 
liber der Stirn; statt ihrer tragt man bisweilen 
den einfachen Scheitelzopf (Wyndham Col- 
lection Leconfield Taf. 45), eine Frisur, die sich 
vereinzelt bis in flavische Zeit halt. Auch in der 
Breite der StirnroUe liegt iiber dem Mittelscheitel 
ein schmaler Zopf oder an SteUe des Nodus- 
bausches eine besonders hervorgehobene quer- 
gelegte gewellte Haarstrahne. Haufig ist auch 

10 eine Frisur, die die StirnroUe quer in mehrere 
in Melonenart eingeroUte Teile teilt (Frauenkopf 
Privatbesitz Amelung, Kopf in Ghagnon Espd- 
r an di e u Bas-Eeliefs II 1343). Im Nacken hangt 
ein tiefsitzender zopfartiger Haarknoten oder ein 
Nackenzopf. Beibehalten werden die kleinen 
Scblangenlocken auf der Stirn, der mehr oder 
weniger stilisierte Ohrbausch und die beiden 
groBeren Scblangenlocken seitlich am Halse. 
Eine andere schlichte Frisur kammt das Haar 

20 seitlich vom Mittelscheitel herab und schlagt 
die Seitenhaare liber dem Ohr nach innen ein 
(Gratidia Vatican Hekler Taf. 162). Eine Frisur 
der Ara Pacis zeigt eine Tracht mit Mittelscheitel 
und schlichtem Seitenhaar, das sich iiber dem 
Ohr in einem Bausch von dem Kopf abhebt 
(Relief Florenz Uffizien Brunn-Bruckmann 
Taf. 402), die iibrigen KOpfe tragen eine Haar- 
tracht mit Mittelscheitel und schlicht von der 
Stirn zum Hinterkopf zuriickgekammtem Seiten- 

30 haar, dieselbe Frisur tragt noch die Livia des 
Pariser Cameos (Rodenwaldt D. Kunst d. 
Antike2 569), die sog. lulia tragt dazu den 
hellenistischen Scheitelzopf, der vom Nacken auf- 
warts bis auf den Wirbel aufgesteckt wird. 
Hieran schlieBen mehrere Frisuren an, die das 
Haar seitlich vom Mittelscheitel in Wellen herab- 
kammen, in drei Wellen (BoU. d'Arte X S. 221f. 
Abb. 3— 6), in vier Wellen (Bernoulli II 1 
S. 220 Abb. 42). Die Antoniaportrats auf den 

40 Mtinzen (gest. 37 n. Chr.) zeigen die Wellen un- 
regelmaBig angedeutet oder das Haar in drei 
tiefe rundrtickige Wellen gelegt, die sich quer 
iiber den ganzen Kopf hinziehen (Abb. 4). Eine 



50 





Abb. 4 



Abb. 5 



ahnliche Frisur mit einer Reihe von Ringellocken 
iiber der Stirn und einem Haarbausch vor dem 
Ohr kommt haufig vor (A.-E. 1006). Anzu- 
schlieBen ist der Liviakopf in Kopenhagen (Ny- 
60 Carlsberg Katalog 1907. 614), bier wird das Sei- 
tenhaar in flinf fiber den ganzen Kopf lau- 
fende Wellen gelegt. Die Miinzen der Livia der 
J. 21/22 n. Chr. (Abb. 5) haben eine breite 
Stirnstrabne in Wellen gelegt, ebenso Poulsen 
(Portratstudien i. Nordital. Prov.-Mus. 79/80). 
Diese wird hinter den Ohren eingeroUt und im 
Nacken zu einem Zopf oder dem tiefsitzenden 
zopfartigen Nackenknoten der alteren Mode zu- 



93 



Haartracht 



Haartracht 



94 



sammengefaBt. Neu ist die rormulierung des 
Zopfes auf den Mlinzen der Antonia, er wird hier 
zTi einer losen Schleife im Nacken vereinigt, 
bisweilen zeigt dieser Zopf drei Einschnitte. 

Die Modetracht zur Zeit des Tiberius kiirzt 
das Seitenhaar und lOst es in Locken auf, die 
in einem altgriechischen Schema oder in Keihen 
iibereinander angeordnet werden oder einfach 
nebeneinander aufgereiht sind. Am Beginn der 



kleinen Nackenzopf. Ein Zwischenstadium zwi- 
schen diesen beiden zuletzt beschriebenen Fri- 
suren ist in dem Typus der Haartracht der Oc- 
tavia (gest. 62 n. Chr.) zu erkennen, die Locken- 
partieen sind nocb deutlich durch einen Scheitel 
getrennt, riicken aber in der Eichtung auf den 
Oberkopf naber zusammen. Beliebt werden jetzt 
die sehr groBen Hakenlocken. Seitlich hangen 
zwei Spirallocken auf die Schultern. Eine andere 



Tiberiuszeit steht das sog. Livillaportrat des 10 Haartracht derselben Fiirstin erinnert an die alte 



Pariser Cameos. Die Lockenpartie des Seiten- 
haares zeigt ein klassizistisches Schema, iiber 
den Mittelscheitel liegt wie bei der sog. lulia 
der Ara Pacis der Scheitelzopf. Im Nacken hangt 
ein Flechtenzopf, und seitlich fallt eine gedrehte 
Spirallocke auf die Schultern. Denselben Typus 
der Frisur zeigen Portrats Agrippina d. A. (Ve- 
nedig A.-E. 2612/13, Pergamon Athen. Mitt. 
XXXV Taf. 26, 2). Seitlich hangt je eine Schlan- 



Tracht der Livia auf den Mtinzen mit der Um- 
schrift der Salus Augusta. Die Haartracht der 
Octavia ist nattirlicher als die der Agrippina, 
deren Moden die Schere des Friseurs verraten. 
Die letzte auf den Miinzen dargestellte Gemahlin 
Neros Poppaea Sabina (62 — 65 n. Chr.) andert 
die Mode dahin, daB nun die aufgelOsten Seiten- 
teile sich iiber dem Scheitel vereinigen (vgl. die 
letzte Frisur der jlingeren Agrippina), charakte- 



genlocke anf die Schultern. Ein anderes Locken- 20 ristisch ist der kurze schon in AugenhOhe auf- 



schema zeigen die Miinzen derselben Fiirstin (gest. 
38 V. Chr.), die hakenformigen Locken ordnen sich 
in drei Eeihen, der Lockenteil ist wie bei dem 
vorhergehenden Schema rechteckig (Abb. 6). Seit- 
lich hangt eine Spirallocke herab 
(Marseille Esp^randieu III 2465, 
Madrid Prado A.-E. 1607/09). Ein 
dritter Typus lOst den viereckigen 
Lockenteil in vier Langslocken auf, 
die in der Art der Melonenstrah- 
nen gebildet sind (Schweitzer 
Antiken i. ostpr. Privatbesitz Taf. 
17/18). Die Haare am Hinterkopf 
sind in naturalistisch gebildete Wel- 
len gelegt oder, wie spater in clau- 
discher Zeit, in Melonenstrahnen 
aufgelOst. Urn den Kopf liegt bisweilen ein 
schmaler Zopf. Eine weitere Frisur Agrippina 
d. A. zeigt das Vorderhaar in mehrere Wellen 




Abb. 6 



hOrende Lockenteil. Diese Tracht ist die Vor- 
lauferin des flavischen Lockentoupets. Eine hieran 
anschlieBende Mode, die auf einer Domitilla- 
munze (gest. vor 69 n. Chr.) vertreten ist, laBt 
erkennen, daB der Lockenteil iiber dem Yorder- 
kopf bereits einen groBeren Kaum einnimmt, die 
Lockenteile enden in einem spitzen Winkel gegen 
das Ohr, im Nacken hangt eine lange Zopf- 
echleife. Hier anzuschlieBen ist das Portrat in 
30Neapel der sog. sitzenden Agrippina (Arndt- 
Bruckmann Taf. 713/14). Ein weiterer Typus 
ordnet nach dem Vorbild der archaisch-griechi- 
schen Lockenfrisur die Locken in drei Eeihen 
iibereinander an (Samml. Heyl A.-E. 3747/48). 
Der Lockenteil ist gegen das Ohr hin breiter ge- 
worden und scharf in gerader Linie gegen das 
Seitenhaar abgeschnitten. Die erste Lockenreihe 
liegt auf der Stirngrenze auf. Die Ohren sind 
wie bei den vorhergehenden Frisuren von dem 



gelegt. Hier anzuschlieBen ist eine Frisur mit40Haar unbedeckt. Eine Variante dieser Tracht 



vier rechteckigen Haarwellen, iiber der Stirn liegt 
ein schmaler Kranz von Eingellocken, die sich 
vor dem Ohr zu einem Lockenbiindel vereinigen 
(Miinchen Glyptothek 316, vgl. Cyrene Afr. Ital. 
II Taf. I/III). 

Die Miinzen der jiingeren Agrippina (49—59 
n. Chr.) zeigen eine Haartracht mit halbruud ge- 
schnittenem Lockenteil (vgl. Toulouse Esp^- 
randieu II 1000). Seitlich hangen zwei Spiral- 
locken herab (Abb. 7). Eine Haar- 
tracht claudischer Zeit lost allmah- 
lich den ganzen Seitenteil in Locken 
auf, das Haar wird radial vom 
Scheitel in Strahnen geteilt, die 
in Melonenart eingeroUt werden 
(Eodenwaldt D. Kunst d. An- 
tike2 Taf. 36, Kopenhagen, Ny- 
Carlsberg Katalog 1907. 639). 

In neronischer Zeit wird noch 
anfangs die claudische Lockenmode 
mit halbrundem Lockenteil getra- 
gen, die Lockenpartie besteht aus 
vier iibereinander liegenden Lockenreihen (Miinze 
der jiingeren Agrippina d. J. 54 n. Chr.). Die 
Miinzen derselben Fiirstin d. J. 55 n. Chr. zeigen 
eine Haarmode, die den ganzen Vorderkopf in 
Locken aufl5st. Seitlich wird das Haar hinter 
dem Ohr beginnend eingeroUt und endet in einem 




kammt das Yorderhaar bis auf den Augenbrauen- 
bogen in die Stirn und teilt es senkrecht in 
Locken auf (Am e lung Kat. I Taf. 6 nr. 45), 
eine andere Haartracht teilt das Yorderhaar in 
Langsrichtung in vier Strahnen auf, und jede 
von ihnen wird in eine schmale Haarwelle ge- 
legt (Mon. Plot 21 Taf. 7/8). Zur Befestigung 
dieser Frisur waren Schniire nOtig, iiber die das 
Haar gelegt wurde, oder chemische Mittel, etwa 

50Lacke. Das Haar am Hinterkopf wird noch 
immer zu einem Zopf zusammengefaBt. Ein wei- 
terer gleichzeitiger Frisurentypus zeigt eine Wei- 
terbildung der spataugusteischen Wellentracht, 
das Seitenhaar wird ganzlich in acht bis zehn 
kleine rundriickige Wellen aufgeteilt, bisweilen 
werden je zwei zu einer Doppelwelle zusammen- 
gefaBt. tJber der Stirn liegen eine oder zwei 
Eeihen von Eingellocken, vor dem Ohr hangt 
ein kleines Lockenbiindel. 

60 Die Haartracht der flavischen Zeit ist an den 



Abb. 7 



Miinzen Domitians mit den 
und der Domitia abzulesen. 
das flavische Lockentoupet, 
sich durch GrOBe und Form 



Portrats der lulia 
Die Modefrisur ist 
dessen Yariationen 
unterscheiden. Im 



Laufe der Entwicklung nimmt der Lockenteil 
an Hohe und Umfang zu. Die Haare am Hinter- 
kopf werden gern in Melonenstrahnen gelegt 
oder in zahlreiche kleine ZOpfe geflochten und 



95 



Haartracht 



Haartracht 



96 



bald zu einem Zopf, bald zu einem Knoten auf 
dem Wirbel, einem flachen Flechtennest am 
Hinterkopf oder zu einem grofien Strahnen- oder 
Flechtennest auf dem Hinter- und Oberkopf zu- 
sammengefafit. Diese letzte Form gebt in trai- 
anischer Zeit weiter. 

Den tJbergang der neronischen zur flavischen 
Tracht zeigen einige Miinzen der lulia (81—91 
n. Chr.) und Domitia (81—96 n. Chr.), auf denen 



an die der flaviscben Zeit an. Charakteristisch 
fiir die traianische Haartracht ist die Perriicke. 
Sie entwickelt sicb aus dem flavischen Locken- 
aufbau. Gegen die Stirn wird sie stets von einer 
flachen StirnroUe begrenzt, die seitlich in einer 
zusammengerollten Spirallocke endet. Eine friihc 
Form zeigt diese StirnroUe an einen sichelformi- 
gen flachen Lockenaufbau angesetzt (Amelung 
Kat. I Taf. 35 nr. 33). Die Locken sind in Eeihen 



das Lockentoupet noch flach dem Kopf anliegend 10 geordnet oder liegen in nattirlicher Anordnung 



gebildet ist (Abb. 8). Die Locken werden in 





Abb. 8 



Abb. 9. 



Eeihen gelegt, es sind groBere und kleinere ge- 
effnete Eingellocken oder senkrecht zum Schadel 
eingeroUte groBere Locken. In denselben Kreis 
gehoren die Portrats Not. d. scav. 1913 S. 137 
Abb. 16 und Arndt-Bruckmann Taf. 742. 
Die charakteristische Frisur der flavischen Zeit 



nebeneinander. AuBer der Perrticke in Locken- 
form gibt es die verschiedensten Variationen der 
ungeteilten groBen Haaraufsatze, die fast aus- 
nahmslos die Sichelform der spatflavischen Zeit 
aufweisen. Sie bestehen aus mehreren flachen 
Haarrollen, die iibereinander gelegt sind (Ame- 
lung Kat. I Taf. 50 nr. 261 und 
Abb. 10), oder die Sichelform ist 
aufgeteilt in einzelne schmale 
20 quergelegte Haarrollen oder Zopfe 
(HeklerBildniskunst 243b. Ame- 
lung Kat. I Taf. 86 nr.716). Diese ^ 
Haaraufsatze tragen gern in der 
Mitte einen LockenstrauB oder 
mehrere flache senkrecht gestellte 
Haarrollen (Stuart Jones Museo 
Capitol. Taf. 50, Cat. Brit. Mus. 
Sculpture III Taf. 17 nr. 1925). 
Diese letzte Tracht zeigt weitgehende Verwandt- 




Abb, 10 



zeigt ein iiberhohtes Lockentoupet. Wahrschein- 30 schaft mit der Frisur der Matidia (98— 117 n. Chr.). 



lich kamen bei seiner Fertigstellung wieder Lacke 
zur Anwendung. Es zeigt eine verschiedene sich 
entwickelnde Form, z. B. liegt es als schwach ge- 
wolbter Wulst auf dem Yorderkopf bis an den obe- 
Ten Eand der Stirn (Abb. 9). Die Ohren sind halb- 
bedeckt, davor ziehen sich die Locken in einem 
Bausch auf die Wange, seitlich hangen Spiral- 
lockenherab (OlympiaBildwerke Taf. 63,6). Die mei- 
sten flavischen Frisuren zeigen ein hOheres Locken- 



Die Yariationen dieser Tracht sind sehr zahlreich. 
Daneben ist ein anderer Haaraufbau modern, der 
aus zvp-ei hintereinander liegenden Scheiben be- 
steht (Yenedig Museo Arch. Sala III nr. 20, an 
Stelle der flachen StirnroUe ist ein schmaler 
Zopf getreten, dieselbe Frisur dreiteilig Ame- 
lung Kat. I Taf. 8 nr. 52. Bernoulli II 2 
Tal34). Die StirnroUe wird breiter und ist an 
ihrem Eand durch eine Naht eingefaBt. Die Bil- 



toupet, dessen Hohe der halben Gesichtshohe ent- 40 der der Mar^iana (gest. 115 n. Chr.) zeigen uber 



spricht. Der Lockenwulst ist in seiner ganzen Aus- 
dehnunggleichbreit (Bernoulli 112 S.47Abb.4) 
oder v\rird nach den Seiten schmaler (jtingere 
Form) vgl. Stuart Jones Museo Capitol. Taf. 50. 
Gleichzeitig mit dieser Anderung des Locken- 
kranzes erhalt das Toupet eine in flacher Ebene 
senkrecht sich tiber dem Kopf erhebende Sichel- 
form, die Locken liegen samtlich in der vorderen 
Ebene. Diese jiingere Form geht in die traia- 



der tiblichen StirnroUe zwei Eeihen von quer- 
gelegten senkrecht stehenden Haarbauschen. Ein- 
fache Frisuren traianischer Zeit sind die einfache 
Bauschtracht der Plotina (98—117 n. Chr.), die 
das Yorderhaar iiber die StirnroUe in einen Bausch 
legt, dessen Haarenden iiber der Stirnmitte zu 
einem Knoten zusammengefaBt 
sind (Abb. 11). Eine zweite ein- 
fache Frisur scheitelt das Haar 



nische Zeit iiber. Beide Formen des Lockenauf- 50 in der Mitte und kammt es 



baues kiirzen das Haar vor dem Chr in gerader 
Linie, die runde Wulstform kennt auBerdem noch 
einen halbrunden AbschluB, der etwas jtinger 
sein diirfte als die erste Form, der spateste Ty- 
pus, der hauptsachlich mit der jungeren Form 
des sichelfdrmigen Toupets vorkommt, laBt den 
Lockenkranz in einer schmalen ovalen Form vor 
dem Ohr enden (Stuart Jones Museo Capitol. 
Taf. 37 Sala d. colombe 20). Einen noch starker 



schlicht seitwarts. tTber dem Hin- 
terkopf liegt ein groBer Flechten- 
kranz, wie ihn ahnlich auch die 
anderen Portrats der traianischen 
Zeit zeigen. Bisweilen liegt ein 
kranzartiges schmales ZOpfchen 
um den Yorderkopf. Einen tjber- 
rest der traianisehen StirnroUenfrisur, zeitlich 
dariiber hinausgehend , zeigt eine Btiste des 




Abb. 11 



iiberhchten Lockenkranz j lingerer Form zeigt das 60 Miinchner Mtinzkabinetts (Furtwangler Gem- 



Portrait Arndt-Bruckmann Taf. 727f. 
Haar am Hinterkopf v^ird ganzlich in Zopfe, die 
nebeneinander gelegt den, ganzen Hinterkopf be- 
decken, aufgelost und in der beschriebenen Art 
als Zopf, Nest oder Kranz zusammengefaBt. Der 
Zopf tritt in der spateren flavischen Zeit hinter 
dem Haarkranz zurtick. 

Die traianische Mode der Haartracht schlieBt 



men III 368 Abb. 203). Das Haar am Hinter- 
kopf v^ird gern in Melonenstrahnen aufgelCst oder 
glatt zum Nacken oder Scheitel gekammt (die 
kleinen Haarflechten am Hinterkopf beschranken 
sich auf flavische KOpfe). Im Nacken wird es 
in Zopfe geflochten und beide Flechtenbtindel 
links und rechts vom Scheitel zu einem Flechten- 
kranz zusammengefaBt. Sie tiberkreuzen sich, 



97 



Haartracht 



Haartracht 



98 




Abb. 12 



und das rechte Strahnenbiindel greift iiber den 
Mechtenkranz tiber. Eine zweite Form schichtet 
die ZOpfe regelmafiig tibereinander, im Nacken 
greift ein Zopf liber den Flecbtenkranz. Der 
Haarkranz wird auch stilisiert wiedergegeben 
Oder die Flechten glatt gelassen, Auch der flavi- 
sche Strahnenkranz ist noch bekannt. Die Miin- 
zen der Marciana nnd Matidia zeigen ferner den 
geschwungenen flaviscben Flecbtenkranz. Plotina 
tragt die alte Zopftracht. Am Anfang der traiani- 
schen Zeit steht eine komplizierte HaartraCht 
der Perrticke, an ihrem Ende eine einfache Haar- 
mode, die zu den Frisuren der Sabina (117—136 
n. Cbr.) und Faustina d. 1. (138—140 n. Chr.) 
iiberleitet. Am Anfang der Eegierung Hadrians 
werden noch die traianischen Haaraufsatze ge- 
tragen. Die spatere Frisur der 
Sabina (Abb. 12), die anfangs 
gleichfalls den traianischen Kopf- 
putz tragt, zeigt das Haar in 
der Mitte gescheitelt und auf 
beiden Seiten von den Ohren ge- 
gen den Wirbel gelegt, ebenso 
das Haar am Hinterkopf, dann 
wird es in ein em groBen Flecb- 
tenkranz auf den Hinterkopf zu- 
sammengefaBt (vgl. ferner den 
Kopf Arndt-Bruckmann 
Taf. 177f., der tiber den Mittelscheitel zwei 
kleine gerollte Haarwellen aufweist wie Kopfe 
"fcraianischer Zeit). Altere Elemente in grofierer 
Einfachheit zeigt ferner ein Kopf in Madrid 
A.-E. 1677/78. Gemeinsam ist der Haartracht 
zur Zeit der Sabina und alteren Faustina bis 
gegen die Mitte des 2. Jhdts. n. Chr. ein sehr 
groBer Flecbtenkranz tiber den Hinterkopf, er 
wird in der Form des traianischen Zopfkranzes 
getragen, liegt jedoch weiter tiber dem Hinter- 
kopf und lafit nur eine schmale Stirnpartie des 
Vorderhaares frei (Ausonia IX 130 Abb. 4). Eine 
weitere Form des Zopfkranzes legt die ZOpfe 
bandartig um den Kopf, im Nacken greifen ein 
Oder mehrere ZOpfe iiber den Haarkranz (Bar- 
-fcoccini Terme di Lepcis Abb. 190 — 198). Das 
Haar des Vorderkopfes ist unter dem Flecbten- 
kranz verschwunden. Bisweilen bedeckt auch der 
Flecbtenkranz turbanartig den ganzen Kopf 
(Grabrelief der Yilla Mattel A.-E. 3245). Auf 
•demselben Grabrelief ist ein weiteres Frauen- 
portrat dargestellt, dessen Haartracht dem Fau- 
stinatypus gleicht, die Haare sind seitlich vom 
Mittelscheitel in Wellen herabgekammt und liegen 
auf dem Oberkopf als kleine Krone. Faustina 
d. A. hat das Seitenhaar rtickwarts gekammt und 
langs des Nackenscheitels in einzelne Zopfe ge- 
:6.ochten, die am Hinterkopf zu einem Zopf btindel 
vereinigt sind und tiber den Scheitel aufwarts 
vom Nacken bis auf den Oberkopf gelegt wer- 
den, wo sie in einem kleinen Flecb- 
tenkranz endigen (Abb. 18). Dieser 
Flecbtenkranz hat eine ottene Kranz- 
form (Art and Archeol. 19 S. 961) 
oder wirkt als geschlossenes Nest 
(Caskey Cat. Boston nr. 128). 
Statt des Zopfbtindels treten auch 
zwei oder ein breiterer Zopf ein, 
die vom Nacken empor bis auf 
•den Oberkopf gelegt werden und 
Pauly-Wissowa-KroU Suppl. VI 



tiber das Flechtennest tibergreifen, eine Form, 
die gleichzeitig bei der Frisur des breiten Zopf- 
kranzes aufzuweisen ist (London Brit. Mus. 
Cat. II Sculpture 1452). Statt des in Wellen 
seitlich herabgekammten Vorderhaares tritt in 
jtingerer Zeit gern eine einfache ungeteilte oder 
in einzelne Strahnen aufgeteilte Haarrolle ein. 
Hinter der Yorderpartie des Haares liegt bis- 
weilen ein schmaler Zopf. Beliebt sind statt 

10 seiner schmale Bander mit kleinen Bandrosetten, 
auch einmal ein ktinstlicher Zopf (durch die Sti- 
lisierung charakterisiert). Auch die Melonen- 
frisur ist modern. Es werden die Haare am 
Vorderkopf oder am Hinterkopf in Melonen- 
strahnen aufgel5st. Den tJbergang zur Tracht 
der jtingeren Faustina (161 — 175 n. Chr.) bildet 
eine Frisur, die diese Ftirstin selbst noch tragt, 
das gewellte Vorderhaar wird hinter den Ohren 
eingeroUt, tiber Ober- und Hinterkopf liegt ein 

20 Flecbtenkranz (Abb. 14). 




Abb. 15 



Abb. 16 




Abb. 13 



Ein Kennzeichen der Haartracht der Antonine 
ist das Seitenhaar, das vom Mittelscheitel bis 
tiber die Ohren herabgekammt wird (Abb. 15), 
ferner ist ftir diese Zeit charakteristisch der zu- 
erst kleine, spater grdfiere Nackenknoten, der 
zur Zeit der Crispina den ganzen Hinterkopf 
bedeckt. Das Vorderhaar wird in Wellen gelegt, 

40 bisweilen liegt hinter dem Vorderhaar ein schma- 
ler Zopf, oder zu einer in einzelne Strahnen auf- 
geteilten Stirnrolle zusammengefafit (Abb. 16). 
Die Ohren sind bedeckt. Die einfache Stirnrolle 
vertreten die Mtinzbilder der Lucilla (164—169 
n. Chr.), das Haar am Hinterkopf wird in Me- 
lonenstrahnen gelegt. Sie tragt ferner die vier- 
geteilte Stirnrolle und eine Kombination der 
Wellenfrisur mit schmaler Stirnrolle. Das Flech- 
tennest ist im Vergleich zu den Frisuren der 

50 jtingeren Faustina grCBer geworden. Dieselbe 
Tracht zeigen die Frisuren der Crispina (177 — 
182 n. Chr.), neu ist eine Frisur mit einer brei- 
ten Haarrolle tiber dem Vorderkopf, die gegen 
die Stirn von einer schmalen Stirnrolle begleitet 
wird. Das Haarnest im Nacken bedeckt den 
ganzen Hinterkopf. Es besteht aus Zdpfen oder 
aus quer tibereinander gelegten Haarrollen. Cris- 
pina tragt ferner die charakteristische Wellen- 
frisur der Antoninenzeit und einen ahnlichen 

60 Frisurentypus mit schlicht herabgekammtem 
Seitenhaar; eine komplizierte, nur an Portrats 
erhaltene Frisur zeigt das Vorderhaar in Wel- 
len gelegt oder langs in einzelne Wellen oder 
Melonen strahnen aufgeteilt, gegen die Stirn liegt 
eine schmale Stirnrolle (Arndt-Bruckmann 
Taf. 567/68). Die ProfiUinie steigt bei all diesen 
Frisuren gerade gegen die Stirn an. 

Die Mtinzen der Titiana, Didia Clara und 

4 



99 



Haartracht 



HaartracM 



100 



Manila Scantilla zeigen noch denselben Frisuren- 
typus (193 n. Chr.). Titiana tragt das Haar 
schlicht liber die Ohren herabgekammt, die Pro- 
fiUinie des Haares gegen die Stirn hat eine 
leichte S-Form. Das groBe Flechtennest ist noch 
modern. Manila Scantilla tragt das Haar In drei 
Wellen, Didia Clara in vier oder fiinf Wellen 
geordnet. Dieselbe Frisur mit fiinf Wellen nnd 
einem groBen Flechtennest am Hinterkopf tiber- 
nimmt die Kaiserin lulia Domna (198 — 211 n.Chr.). 10 
Die meisten Miinzen zeigen jedoch eine Frisur 
mit sechs, sieben nnd acht Wellen, die Haar- 
tracht mit sechs und sieben Wellen wird auch 
mit einer schmalen StirnroUe getragen, die in 
Augenhohe beginnt und den Kand des Vorder- 
haares begleitet. Der Frisurentypus mit sieben 
Wellen biegt das Seitenhaar am Halse in Kinn- 
hohe rtickwarts ab, der Typus mit sechs und 
acht Haarwellen lafit die Nackenpartie weiter 
herabgehen. Sie wird in langlich ovaler (sechs 20 
Wellen) oder in grOBerer halbrunder Form (acht 
Wellen) getragen. Zur Zeit der lulia Domna 
wechselt die Mode. Aus der Wellenfrisur, die 
schlieBlich auch zehn und mehr Wellen aufwies 
und in Perriicken gearbeitet wurde, wie die er- 
haltenen Portrats zeigen, wird eine schlichtere 
Frisur. Die Ohren liegen frei und statt des 
groBen Flechtennestes, das den ganzen Hinter- 
kopf bedeckt, wird ein kleines langlich-ovales 
Flechtennest getragen, das in die Haarmasse am 30 
Hinterkopf eingebettet wird. Die Frisurentypen 
sind dieselben wie vorher mit sechs, sieben und 
acht Wellen. Die Nackenpartie biegt in Kinn- 
hohe um (Abb. 17), ein Frisuren- 
typus mit sieben Wellen fiihrt sie 
liber die Kinnlinie hinaus. Der Ab- 
schluB ist rundbogig. Ein anderer 
Typus mit sieben Wellen zeigt 
den AbschluB in KinnhShe und 
schrag ins Gesicht gezogener ova- 
ler Nackenpartie, ein Typus, der 
in der Folgezeit fortdauert. Diese 
moderne Frisur mit kleinem ein- 
gelegten Flechtennest wird schon 
in den ersten Jahren des 3. Jhdts. n. Chr. getra- 
gen, die Munzen der Plautilla (202— 205 n. Chr.) 
zeigen beide Frisuren, die alte und die neue, 
nebeneinander. Sie tragt das Haar in Melonen- 
strahnen gelegt. Die alte Wellenfrisur, und zwar 
mit vier Wellen, tragt lulia Maesa (218—222 50 
n. Chr.), die Haare bedecken das Ohr, am Hinter- 
kopf liegt entweder ein groBes Flechtennest oder 
das kleinere moderne langlich-ovale, das in die 
Nackenhaare eingebettet wird. Soaemias (218 — 
222 n. Chr.) zeigt neben einer alteren Frisur mit 
schlicht herabgekammtem Seitenhaar die mo- 
dernere mit unbedeckten Ohren, das Seitenhaar 
wird jetzt bis zur OhrhQhe in vier Wellen ge- 
legt, die Nackenpartie ohrabwarts fiillt bis auf 
eine Eandrolle das kleine eingebettete Flechten- 60 
nest aus. Dieselbe Frisur tragt lulia Paula 
(219—220 n. Chr.), ferner Aquilia Severa (220— 
221 n. Chr.). Aquilia tragt ferner eine Frisur 
desselben Typus mit quergelegtem Flechtennest, 
die Haare sind schlicht seitwarts gekammt und 
liegen liber der Stirn in einer StirnroUe (Abb. 18). 
Orbiana (222—235 n. Chr.) zeigt auf den Mun- 
zen die Frisur der Soaemias mit fiinf Wellen 





Abb. 18 



Abb. 19 




Abb. 17 



(Abb. 19), lulia Mamaea (222-235 n. Chr.) tragt 
diese Frisur mit fiinf und sechs Wellen. Die 
Nackenpartie wird in ovaler Form schrag ins 
Gesicht hereingezogen, der Typus mit sechs 
Wellen zeigt sie groBer als derselbe mit fiinf 
Wellen. Als letzte Flirstin tragt Herennia Etrus- 
cilla (248 — 251 n. Chr.) dieselbe Haartracht mit 
vier und fiinf Wellen, der Nackenteil liegt schrag 
in ovaler AbschluBrundung ins Gesicht. 

Eine neue Mode zeigen die Munzen der Tran- 
quillina (241 — 244 n. Chr.). Das Haar im Nacken 
wird als Scheitelzopf liber den Hinterkopf und 
Oberkopf gelegt. Dieser Scheitelzopf endet auf 
dem Wirbel oder auf der Hohe des Oberkopfes^ 
in spaterer Zeit liber der Stirn. Die neue Tracht 
des Scheitelzopf es wird in einem ahnlichen Typus- 
von der Zeit der Tranquillina bis in die Zeit 
der Salonina (253 — 268 n. Chr.) getragen. Das 
Seitenhaar wird in sechs nnd sieben Wellen 
rechteckiger Form bis zum Ansatz des Halses 
herabgekammt. Der Scheitelzopf endet meist 
auf der H5he des Kopfes, sechs Wellen zeigt die 
Frisur der Otacilia, sieben Wellen die der Tran- 
quillina, plastische Frauenportrats mit einer Haar- 
frisur des gleichen Typus haben acht und neun 
Wellen (Poulsen Portraits i. English country hou- 
ses 108). Der Nackenbausch hat eine gleichmaBig 
halbrunde oder eine schrag nach vorn gezogene 
ovale Form. Auch die Kaiserin Salonina tragt 
eine ahnliche Frisur, charakteristisch sind die sehr 
schrag verlaufenden Haarwellen. AnzuschlieBen 
ist die Haartracht der Dryantilla (Illyrien), die 
das Seitenhaar in langsgestellte Melonenstreifen 
aufteilt (262—263 n. Chr.). Dieselbe Frisur rait 
glattem, nur leicht gewelltem Haar veranschau- 
lichen die Mlinzbilder der Etruscilla (248—251 
n. Chr.) und Severina (270—275 n. Chr.), Etrus- 
cilla tragt einen Scheitelzopf, der auf der Hohe- 
des Kopfes endet, der ovale Nackenbausch ist 
schrag nach vorn gezogen. Der Nackenbausch 
der Severinamiinzen biegt gerade unter dem Ohr 
scharf rlickwarts um (Abb. 20). 
Seine sich zuspitzende ovale Eun- 
dung liegt gegen die Wange. Ahn- 
lich ist die Frisur der Magnia Ur- 
bica (283—284 n. Chr.), sie zeigt 
gleichfalls den modern en scharf 
hinter den Ohren nach hinten ge- 
zogenen Nackenbausch, der hier 
eine mehr abgerundete Form zeigt, 
das Seitenhaar ist in wenigen grofien 
Wellen seitlich herabgekammt (drei 
Wellen Magnia Urbica). Neu an den Frisuren der Se- 
verina und Magnia Urbica ist der Scheitelzopf, der 
bis auf die Stirn vorrlickt und dort in einer kleinen 
EoUe endet. Diese Frisur der Severina und der 
Magnia Urbica ohne Mittelscheitel wird mit ge- 




Abb. 20 



101 



Haartracht 



Harpokration 



102 



welltem Seitenhaar oder schlicht zuriickgekainm- 
tem Vorderhaar getragen (Poulsen Norditalische 
Prov.-Museen 90f.). -Bei dieser Frisur liegen 
Tiber der Stirnmitte gem kleine Ponyhaare. Der 
Scheitelzopf wird mehrstrahnig geflochten und 
auf dem Kopf mit mehreren Nadeln festgesteckt, 
anch durch ein kreuzweis gelegtes Band liber 
der Mitte zusairunengehalten. Die Mode des bis 
auf die Stirn gefiihrten Scheitelzopfes zeigt auch 
statt der Haarflechte eine einfache oder doppelte 
eingerollte Haarstrahne, die bisweilen in einer 
kleinen Schleife auf dem Oberkopf aufliegfc. Bei 
der Scheitelzopfmode sind die Ohren unbedeckt. 
Anzuschliefien ist hier nocli die Prisur der Va- 
leria (293—311 n. Chr.). Sie tragt die Seiten- 
haare in drei Wellen gelegt, der Nackenbauscli 
hat eine grOfiere ovale Porm. Der Scheitelzopf 
liegt auf dem Oberkopf und endet auf der Grenze 
zur Wellenpartie des Vorderhaares. 

Die Haartracht zur Zeit Diocletians schlieBt 
an die Mode des Scheitelzopfes an. Eine Partie 
des Haares wird langs der Stirn in kleine Wellen 
gelegt, es vereinigt sich mit dem iibrigen Seiten- 
haar zu einem Nackenbausch, der entweder eine 
langausgezogene ovale Porm hat oder in einer 
ovalen Porm schrag nach vorn gezogen wird. 
Die zuletzt genannte Form ist alter als die erste. 
Der Scheitelzopf liegt an der Grenze der vor- 
deren Wellenpartie auf. Er wird als geroUte 
Haarstrahne aufgesteckt. Diese Frisur wird ge- 
tragen von Helena, der Mutter Constantins 
(306—328 n. Chr.), von Theodora (292—306 
n. Chr.) und von Fausta (307—326 n. Chr.). Im 
Gegensatz zu der alteren Scheitelzopfmode sind 
die Ohren unter dem Haar verschwunden. Eine 
Variante dieser Frisur wird von der Helena ge- 
tragen, das Seitenhaar wird in zwei Telle ge- 
teilt, der hintere Teil fallt als Nackenbausch 
seitlich herab, wahrend das Vorderhaar iiber die 
Stirn nach hinten gekammt wird und iiber oder 
unter dem Scheitelzopf festgesteckt wird (vgl. 
die Mtinzen der Theodora). 

Eine weitere Modetracht der Helena zeigt 
iiber einer gewellten Partie des Vorderhaares 
einen breiten kranzartigen Plechtenkranz gelegt. 
Er wirkt als breites Haarband und zeigt ein 
Gratenmuster mit eingetieften LOchern dazwi- 
schen (Abb. 21). Statt eines Haarbandes kOnnen 





Abb. 21 



Abb. 22 



zwei gerollte Strahnen eintreten oder ein Zopf, 
auch wird das breite Haarband iiber dem Hinter- 
kopf haubenartig verbunden. Bekannt sind ferner 
die verschiedenen Variationen zwischen der 
diocletianischen Modetracht und der eben be- 
schriebenen konstantinischen Tracht des breiten 
Haarbandes (Abb. 22). Eine weitere Frisur kon- 
stantinischer Zeit ist auf den Miinzen der He- 



lena und Fausta zu erkennen, das Haar wird in 
Wellen herabgekammt und am Hinterkopf zu 
einem kleinen Knoten vereinigt. Die Ohren ver- 
schwinden unter der Haarmasse, Helena tragt 
die Wellenfrisur mit drei und vier Wellen. Die 
letzte Welle am Hinterkopf wird zu einem klei- 
nen JSTackenbausch herabgezogen. Dieselbe Frisur 
mit sieben Haarwellen wird von Fausta getragen, 
ferner tragt sie auch die Frisur mit vier Wellen. 

10 Der Haarknoten besteht aus Zopfen oder geroU- 
ten Haarstrahnen, die zu einem Nest zusammen- 
gefafit oder in zwei oder drei Schleifen senkrecht 
gegen den Hinterkopf gelegt werden und an 
ihren Wurzeln mit einem Band abgebunden sind. 
Literatur: K. Steininger Die weib- 
lichen Haartrachten im 1. Jhdt. der romischen 
Kaiserzeit. Diss. Miinchen 1909; ders. Bd. VII 
S. 2135ff. Maria Evans Num. Chronicle IV 
1906, 37if. Hairdressing of Eoman Ladies. M. B e r n - 

20 hart Blatter fiir Miinzfreunde nr. 12. 51. Jahrg. 
188ff. Haartrachten romischer Kaiserinnen auf 
Mtinzen, Leon Art and Arch. 24, 170ff. Bobs 
and Knobs in Imperial Times. H. Hofmann 
Die Stadtromische Haartracht an den Bildnissen 
italischer und provinzieller Grabsteine, Schu- 
macher-Festschr. 238ff. [Marg. Stephan.] .. 

S. 2416, 10 zum Art. Harpokration: 
Zur zeitlichen Ansetzung Hs : Boll Ztschr. 
neutest. Wiss. XVII 139 setzt ihn in die Zeit Lu- 

30 Mans mit der Begriindung, er habe das 165 n. Chr. 
zerstOrte Seleukeia noch besucht (vgl. Cum on t 
Klio IX 267, 1). Er weist Ihnlichkeiten zwi- 
schen dem Prooemium des H., Lukian und dem 
Clemensroman nach, betont jedoch die vCUige 
Unabhangigkeit der drei Schriften voneinander. 
Boudreaux Catal. codd. astrol. VIII 3, 133 und 
Anm. 1 verweist ihn gleichfalls ins 2. Jhdt., er 
halt die Gleichsetzung Hs. mit dem Grammatiker 
H. Nr. 3 oder mit dem, den Lucius Verus ge- 

40h6rt hatte, fiir sehr glaublich. Zur Textkritik; 
Boudreaux 132ff. gibt eine textkritische Aus- 
gabe des Werkes De plantis duodecim signis et 
septem planetis subiectis. Er benutzt aufier dem 
erwahnten Codex Matritensis (o, S. 2416f.) gr. 110 
den Pariser Codex 2256 und 2502, den Mosq. 415, 
den Monac. 542, den Leidensis Vossianus 8° 19 
und den Vindob. med. gr. 23 ol. 50. Cumont 
Eev. de Phil. XLII 85ff. weist ferner auf einen 
Codex Montepessulanus hin. Er gibt die la- 

SOteinische tJbersetzung des Prooemiums im Aus-^ 
zug; sie scheint sehr zuverlassig und aus alterer 
tJberlieferung geflossen zu sein. Es fehlt, wie 
auch in einigen anderen Hss. desselben Werkes, 
die zweite Serie der Pflanzen, die den Planeten 
heilig sind (Parisinus 2502 und die lat. tJber- 
setzung, von Boudreaux als deterior bezeich- 
net). Cum on t weist auf den rein magischen Cha- 
rakter dieser Hss. im Verhaltnis zu der vorhan- 
denen anderen Klasse der Manuskripte hin. Der 

60 gesamte Text ist Catal. VIII 4, 253 publiziert. 
Zur Verfasserfrage nimmt Cumont im Gegen- 
satz zu der bisherigen Forschung eine abwei- 
chende Stellung ein. Er bestreitet die Autor- 
schaft des H. und schreibt das erwahnte Work 
einem Thessalus (s. d.) zu, der sich als Thessa- 
lus philosophus am Ende der lateinischen tJber- 
setzung des Montepessulanus als Verfasser ein- 
fiihrt. Eine Hauptbeweisstelle bietet die ver- 



103 He . . . Helixoia 104 

derbte Anrede des Asklepios im Matritensis chepso tind Hermes Trismegistos zugrunde. tjber 

(Boudreaux 137,8), die den Namen Thessalus den Znsammenliang mit Bolos-Demokritos (Bd. 

aufweist, kombiniert mit derselben verderbten III S. 676. Suppl.-Bd. IV S. 219) vgl. Well- 

Stelle der zweiten Serie der Hss. ergibt sicb m a n n Abh. Berl. Akad. 1928, 11. 
eine befriedigende Lesung. Ferner tragt die la- [Marg. Stephan.] 

teinische tTbersetzung die richtige Anschrift des HE heifit nach einer Lesung (H i r s c h- 

Briefes : Thessalus philosophus Oermanio Clau- f e 1 d, der anch die LOsnng LIB j j I fiir moglich 

dio regi et deo aeterno salutem et amor em. Der halt) der verstiimnielten Inscbrift eines Meilen- 

Name des H. scbeint aus dem Text abgeleitet, steines (CIL III 3201 = 10159 = Dess 5829a; 
da der dazwischen geschriebene Text der Kyra-lOnach anderen LI I II, LIB 1 1 1 oder LIP I j I) 

niden (Bd. XII S. 127) sich haufig anf einen vielleicht der Vorort des Stammes der Baesitiaten 

H. Alexandreus bezieht. Ebenso sind die tibri- in Dalmatien (Patsch Bd. IV S. 1953.) Nach 

gen Worte der tTberschrift KaloaQi Avyvotcp aus dem Wortlaute der Inschrift hat Tiberius die 

dem Text selbst herausgezogen. So lost sich auch StraBe, deren Endpunkt unbekannt ist (Ballif — 

der allgemeine AnstoB an der Bezeichnung des Patsch ROm. Strafien in Bosnien und der Her- 

H. als Alexandreus. Der Kaiser Germanus Clau- cegowina I 55. Bauer Arch, epigr. Mitt. XVII 

dius in der Anrede der lateinischen tJbersetzung 136), a Salonis ad He 1 1 J [e]astel(lum} Dae- 

ist nach Cum on t entweder Claudius oder Nero, sitiatium per m [ilia] pass] uum CLF/angelegt 

das Werk zwischen 43 und 68 n. Chr. anzu- und im J. 19/20 n. Chr. vollendet (vgl. v. Doma- 
setzen. Er identifiziert Thessalus mit Thessalus 20 szewski Westdeutsch. Ztschr. XXI 172). 
von Tralles und kennzeichnet das Werk als aus [Max Fluss.] 

dem Greist der damaligen Medizin entstanden, S. 2613, 28 zum Art. Hegetor: 

die auf der agyptischen Zauberwissenschaft auf- 2) H. aus Byzanz, tiber den aus Agesistratos 

baut. H. ware somit zeitlich noch vor Thessalus Athen. mech. 21, 2 W. = 24 Schn. und Vitr. X 

anzusetzen. Die Kvgavtdsg woUen aus der Schrift 15, 2 berichten: er bajut eine xslcbvrj (testudo) 

eines PerserkQnigs Kyranos und aus einer anderen von gewaltigen Ausmafien, die W. S a c k u r 

eines H. Alexandreus zusammengestellt sein. Vitruv (Berlin 1925) 75 rekonstruiert. 
Dieser liegt unserem Werk vielleicht neben Ne- [W. KrolL] 



Zum achten Bande. 

Helixoia (JEXl^oia) oder Elixoia nach Steph. schriften hinterlassen haben. Der Hjrperboreer 

Byz. s. v^oos Yjzsq^oqscov, ovk sXdaocov 2iKS%iag, Abaris (s. d.) sei von dieser Insel naoh HeUas ge- 

vTcsQ jtora/ytov KaQdjxpvxa. ot vrjamrat KaQaf/,- kommen und habe die alte Freundsohaft mit den 

PvKai (s. d.) anb rov notafjiov, wg TJ^aralog S Deliern wiederhergestellt. Alle neunzehn Jahre 

!A^8rjQlrrjg (vgl. d. Art. HekataiosNr. 4 und (nach dem metonischen Zyklus) kommt der Gott 
Hyperboreer). Hekataios gab in seinem Ro- 40 selbst auf diese Insel herab, Kithara spielend und 

mane Ttegl YjcsQpogscov eine sehr ausfiihrliche tanzend von der FriiMingstagmndnaehtgleiche bis 

Schilderung dieser M a r c h e n i n s e 1, die noch zum Auf gang der Pleiaden, Ailian. hist. an. XI 1 

zu seiner Zeit (vgl. Sehol. Apoll. Rho-d. II 675) erzahlt noch von den drei Apollonpriestem, den 

am nordwestlichen Ende des europaischen Fest- Sohnen des Boreas, und den unzahligen Sing- 

landes lage (vgl. MiillenhoffD. Alt. I 4231). schwanen, die von den rhipaischen Bergen her 

Wahrend nach Pind. Pyth, X 29 man weder zu auf die Insel kommen, den Tempelbezirk um- 

Schiff noch zu FuB in 'das Hyperboreerland ge- schweben und mit ihren Fliigeln reinigen. Auch 

langen kann, weiB Hek. noXXa xal osfAva ersQa zu sie stimmen in -die Hymnen auf den Gott ein. 

erzahlen. Diod. II 47 gibt uns ein kurzes Ex- Diese Marcheninisel istellt -sich in die Reihe 
zerpt aus der Beschreibung H.s durch Hekataios: 50 der seit dem 4. Jhdt. und dann besonders in 

Sie ist tiber aus fruchtbar und bringt alljahrlich friiher hellenistiseher Zeit oft behandelten Ideal- 

zwei Emten hervor. Auf ihr soil Leto geboren eilande, wie der Insel der Panchaier des Elie- 

sein (schon hier zeigt sich ein Zusammenhang meros, der Meropis des Theopomp und der Sonnen- 

mit dem delischen oder delphisehen ApoUon- insel des lambulos, nur wird sie von Hekataios 

mythos).DeshalbgenieBtApollon(der jadereigent- im AnschluB an die alte Vorstellung von dem 

liche Gott der Hyperboreer ist) hier besondere gottseligen Nordvoike und vielleicht angeregt 

Verehrung, ja, man kann die Einwohner insge- durch den Berieht iiber Thule dureh Pytheas nach 

samt als Apollonpriester bezeichnen, da sie ihn dem Norden verlegt. tJber die Lokalisierung des 

taglich in Hymnen preisen. Auf der Insel steht Hyperboreerlandes im allgemeinen vgL Daebritz 
sein prach tiger, mit vielen Weihgaben gesehmuck- 60 Art. Hyperboreer. An irgendeine bestimmte 

ter Rundtempel; auch die Stadt selbst ist ihm ge- Insel ist nieht zu denken. Es handelt sich um 

weiiht, die Einwohner sind zumeist Saitenspieler, eine philosopihische Utopie, wohl mit erbauHchem 

die den Gott und seine Taten im Tempel preisen. Einschlag von kyniseher Seite her; vgl. R o h d e 

Sie haben Ihre eigene Sprache und stehen seit D. griech. Roman2 223ff. Pohlmann Geseh. 

alter Zeit in den besten Beziehungen zu den Grie- d. soz. Frage^ II 370ff. Auch die alte Vt)rstellung 

chen, besonders den Athenem und Deliem. Grie- von den — sonst im Westen gesuohten — vfjooi 

chen soHen auch selbst nach der Insel gekommen fxandQcov spielt offensichtlich hinein. Die S^hil- 

sein und dort Weihgaben mit grieehischen In- derung bei Diodor (und Ailian) hat in erster 



105 Herodes Herodianus 106 

Linie das novellistiscihe Beiwerk aus dem Biexioht discernit. Der rein grammatische Charakter dieses 

des Hekataios herausgesohalt. [Voigt.] Teiiles erhellt aus eiEem Blick auf die Tafel der 

Herodes (BQcodfjg 'Emaixevd'ov), hellenisier- Soloikismoi bei B a r w i c k Philol. Suppl. XV 

ter Thraker, Bildhauer (dyaXfzatoyXvq?og) erscheint 38; man kann auch das Uberwiegen der home- 

als Widmer eines in der Stadt Ktistendil (Pan- risehen Beispiele nnd die Beriihrungen mit Ho- 

talia) gefundenen Heraklesreliefs. Kazarow Bnll. merscholien daftir anfiihren. Vgl. hierzu anch 

Inst. Arch. Bulg. VI 121 nr. 8 Abb. 109. Th. Schwab Rhetor. Stndien V 9. Ganz ver- 

[G. Kazarow.] kehrt angebraeht umd jammerlich diirftig ist der 
S. 973 zum Art. Herodianus: Abschnitt tiber die Periode, wie ein Blick auf 
5) Rhetor, Verfasser einer Schrift jre^t a%9?^a- 10 Alex. Num. 27, 13 zeigt (Muller 450); Ahn- 
r<yr, die nach V ill oi son (1781) nnd W. Din- liches stand schon in der hellenistischen Rhe- 
dor f (1825) Walz (Rhet. gr. VIII 579—610) torik, wie Cornif. IV 26f. beweist (also kein Ver- 
und S p e n g e 1 (III 85 — 104) ediert haben; ich sehen des Comificius oder seines Lehrers, wie 
zitiere nach Spengel. Uber die Figurenlehre, Thiele Gott. Anz. 1895, 725 amnahm, sondem 
deren Entwicklung im Grunde gerimges Interesse eine der vielen Unzutraglichkeit«n, die der Lehre 
bietet, ist Bd. Ill S. 1177. IV S. 1605. VII von der Periode ihrem Wesen nach anhaften). 
S. 161 Iff. X S. 790 gehandelt. Recht diirftig ist auch das Kapitel iiber die Sinn- 
Die Schrift zerfafit in folgende Telle: 1. eine figuren, wie ein Blick auf den ParaUeltext Alex. 
Art von ovyxQioig zwischen o%rliia umd Soloikis- Num. 13, 23 — 27, 4 lehrt; einige erscheinen frei- 
mos mit einer auf diesen Bezug nehmenden De- 20 lich unter iden Iv I6y(j^ oiy\iiaxa^ aber mit der auf 
finition. Dieses oxfjfjia^ von dem wir nachtraglich diesem Gebiet iiblichen Inkonsequenz mit aus- 
(90, 14) erfahren, daB es ev Xe^si ox^f^a ist, zer- gesprochenen Wortfiguren vermengt (Muller 
fallt in aeht Unterarten, je nachdem es sich um 451). 'Wunderlich sind auch die xaxaoTtsvai (die 
Wechsel >der Wortklasse, des Genus, Numierus, auch bei Polyb. 106, 15 auftauchen, in den Ein- 
Kasus usw. handelt; 2. die ox^i ^axa dcavolag, die zelheiten nur teilweise tibereinstimmend); isthier 
eine neue Definition erhalten (90, 22); sie werden schon die Verwemdung des vieldeutigen Terminus 
unter die Oberbegriffe sTilraaig und enXvoig ge- nicht gliicklich (s. etwa S t r o u x De Theophrasti 
bracht (90, 16); letztere (= Tiam^oXr)) wird kurz virtutib. die. 37), so sind in der Ausfiihrung 
abgehandelt, erstere = siQcovela gesetzt und diese heterogene Dinge vermengt. Denn wir finden hier 
in sechs Unterarten zerlegt. Vor dem Ubergang 30 uiQooiTccvofxia und nQoavacpoQdf die die Komposi- 
zu den Wortfiguren steht ein Abschnitt liber die tion im grofien angehen und aus der Poetik oder 
Periode, die sich aus 2 — 4 Kala zusammensetze, asthetischen Dichtererklarung stammen (G r i e - 
mit der ausdriicklichen Bemerkung, dafi er sich singer Die asthet. Anschauungen der alten 
auch auf die soeben erledigten Sinnfiguren be- Homererklarer, Tubingen 1907, 25), neben kleinen 
ziehe; 3. die r^J Xoyco naQaxoXovd'ovvra oxriimxa gangbaren poetischen Mitteln wie Beispiel und 
mit neuer Definition 94, 2 a^^iwa hoxi loyov ^ Vergleich — iibrigens aUes aus Homer belegt. 
%e^ecog{\) olKovoiila fisx'' €VK00fA,iag mnecpevyvia tJber kleinere Widerspriiche und Ver sehen vgl. 
X71V IbLCoxixrjv dnXoxrjxa xfjg dnayysXiag (Umschiei- Foltz24. Mtiiler 445. Man gewinnt den 
bung von ovvi^'d'etav). Es werden 36 Arten kurz Eindruck eines kleinen Gernegrofies, der an einer 
aufgezahlt, und nachdem bemerkt ist, daB die 40 rettungslos verfahrenen Lehre Verbesserungen 
TcaxaoHsval xov Xoyov nicht zu den ox'^ifA^xa ge- anbringen mochte und sie nur noch mehr ver- 
horen, f olgt die Schilderung zunachst der 36 Wort- wirrt. 

figuren und dann der sieben KaxaoKsvai. Man hatte urspriinglich ohne groBes Naeh- 

Die Beispiele werden in erster Linie und gamz denken in H. den beriihmten Grammatiker (Nr. 4) 

iiberwiegend aus Homer entnommen (vgl. uber gesehen; diesen Glauben suchte nach Andeutun- 

Telephos Bd. VA S. 370); daneben treten He- gen von Lehrs J. Foltz Quaestiones Herodia- 

siod, die Tragiker, Pindar und Lyriker auf, und neae (Bonn 1844) zu zerstoren; seine Beweisfiih- 

H. bietet uns einige sonst nicht iiberlief erte rung iiberpriifte R. M ti 1 1 e r Herm. XXXIX 444 

Fragmente. Unter den Prosaikern steht neben — ^460, um schlieBlich zu demselben Ergebnis zu 

Demosthenes und Aischines Isokrates und eine 50 gelangen. Am meisten fallt ins Gewicht, daB die 

Raritat wie Kleochares und der 99, 3 zitierte Schrift weder in den Interessenkreis des Gram- 

Redner (nach S a u p p e OAF 274, 20 Polyeuktos). matikers paBt, noch seiner wtirdig ist; man hat 

Es ist deutlich, idaB H. reiche Sammlungen alterer etwa noch geltend gemacht, daB er nelDen seiner 

Techniker benutzt. grammatischen Schrift neQl ox^jf^dxcov schwer- 

Schon die bloBe Analyse laBt starke Mangel lieh eine rhetorische mit dem gleichen Titel ver- 

hervortreten (Foltz 11). Die einzelnen Telle faBt habe und daB unsere iSbhSft in der Auffas- 

sind nicht miteinander ausgeglichen, was sich in sung von Homerstellen Abweichungen von den 

den drei versehiedenen Definitionen des ox'^f^a Ansichten des Grammatikers zeige. Mtiiler legt 

zeigt; das verleitete frtiher zu der Annahme, es Gewicht darauf, daB die Erorterung tiber II. IV 

liege gar keine einheitliche Schrift vor. Ganz 60 277 sich mit den A-Seholien eng bertihre, und 

unglucklich ist auch die Dreiteilung, die nur noch schlieBt daraus (453), H. habe bereits die Vier- 

bei Fortunatian und Marius Victor, aiuftaucht (R. mannerscholien (Bd. II A S. 631) benutzt, an 

Muller Herm. XXXIX 448); sie wurde moglieh denen H. Nr. 4 beteiligt ist, sei also jtinger als 

durch die Teilung der Wortfiguren in oxi^f^axa dieser: das erscheint mir nicht zwingend. Auch 

Xoyov und Xs^scog^ wobei die letzteren gewonnen der Vergleich mit anderen Figurenautoren wie 

sind aus einer Einteilung der Soloikismoi; vgl. Alexandres Numeniu (Bd. I S. 1456), mit dem 

Plin. bei Pompei. V 292, 13 K. quando sit soloe- H. starke U'bereinstimmung zeigt, beweist letzten 

cismus^ quando sit schema, sola intellegentia Endes nieht viel, da man bei der fortwahrenden 



107 "^IsQog yclfiog ^leQog yd^og 108 

Kreu'zung dieser Schnlbuchliteratur meist nur zu aber jede Beziehung zum mensehlicheii Hochzeits- 

dem Ergebnis kommt, dafi gemeinsame Quellen brauche ablehnt, der doch z. B. ftir die Hera-Ehe 

vorliegen (so auch Schwab in seiner miih- von so groBer Bedeutung ist. tTbrigens geht in 

seligen Untersuchnng iiber Alex. 74). Am ehesten jedem Falle die religionswissenschaftliche For- 

mochte man aus dem Kreise der benutzten Auto- scbung von heute iiber den Begriff des i. y, 

xen, der ziemlich weit ist, eiinen SchluB anf relativ hinans, den die antiken Zeugnisse nns an die 

friihe Entstehung (2. Jhdt. n. Chr.) ziehen; in Hand geben (vgl. dariiber S. 97 und 101 meiner 

diesem Sinne kann man auch das Fortleben der Diss.), wo t. y. eben nur das Hochzeitsfest von 

stoischen Scheidung von Ik^ig und loyog anfuh- Zeus und Hera bedeutet (Hesych. und Phot. s. i. y., 
ren (Striller Bresl, philol. Abh. I 2, 5. 53); 10 Lex. rhetor, p. 345 Nauck), daDeben einmal bei 

jedenfalls wird man H. wegen des o. S. 105, 61 einem Komiker zur Bezeichnung eines SchOnheits- 

beriihrten Sachverhaltes vor Portunai und Marius wettkampfes gebraucht wird (Anaxandr. frg. 

Vict., d. h. vor das 4. Jhdt. setzen mussen. H. 34, 2 = Kock H 148). Der Uy, ist als Yor- 

dtirfte sein wirklicher Name gewesen sein; denk- stelluDg von religiOser Bedeutung im vorgriechi- 

bar ware nattirlich, dafi man einer anonym um- schen Kulturboden des Igaischen Meeres, im kre- 

laufenden Schrift den beriihmten Autornamen ge- tisch-minoischen Eaume, aufgekommeo. Mutter- 

geben hatte, weil sie viele Beriihrungen mit gram- rechtliche Vorstellungen dieser Kultur batten 

matischer Gelehrsamkeit zeigt. Aber ob man mit naturgeinaB ein unbedingtes^tTberwiegen der weib- 

dieser Annahme den Rhetoren jener Zeit nicht lichen Grottheiten zur Folge, die, als Fruchtbar- 
zuviel Ehre antut? [W. KrolL] 20 keits-, Jagd-, Meeres- und ErdgOttinnen verehrt 

'Je^offya^off. 1. Vor arbeiten und Problem- (B. Schweitzer Gnom. IV 169ff.), in hei- 
st ellung. tJber den Begriff des I. y. ist in der ligen Hohlen das Beilager mit ihrem gOttlichen 
Eeligionswissenschaft bis vor kurzem so gut wie Gemahle feiern. Die Erdgottin vorgriechischer 
nicht gearbeitet worden. Man gebrauchte die Vor- Zeit als Tragerin vegetativer und weiblicher 
stellung als eine gangbare Miinze, ohne sie auf Fruchtbarkeit wird der Ausgangspunkt fiir die 
ihre Entstehung und geschichtliche Wirksamkeit Vorstellung von der heiligen Hochzeit. J^eXx^ivog — 
hin zu untersuchen. Es gilt in diesem Artikel die fel%dvri (vgl. Vuertheim Eur opa, Amsterdam 
Herausarbeitung der grundsatzlichen Bedeutung 1924), Minos — Pasiphae, Helios— Hellotis (vgl. 
des /. y. nicht nur ftir die griechische Religion, Lesky Wien. Stud^ XLV. XL VI) sind die al- 
sondern fiir das Werden der hellenischen Kultur 30 testen namentlich zu ermittelnden Paare dieser 
liberhaupt. Es soil hier der Versuch eines syste- Kultur. Auf der altesten Religionsstufe wer- 
matischen Aufrisses gemacht werden, nachdem den diese Gottheiten noch nicht in mensch- 
jetzt in meiner Dissertation {1EP02 FAMOS, licher Gestalt, sondern als heilige Tiere verehrt. 
Halle 1933) das Material auf Grund der inschrift- Stier-, Kuh- und Vogelgestalt sind die hauptsach- 
lichen, literarischen, numismatischen und — lichen Erscheinungsformen der vorgriechischen 
soweit mir die letzteren zuganglich waren, — Kultur, pferdegestaltige Gotterpaare begegnen in 
archaologischen Quellen im Hinblick anf die ge- der Poseidonreligion der urgriechischen Epoche 
schichtliche Entwicklung vorgelegt worden ist. (vgl. L. Mai ten Arch. Jahrb. XXIX 179ff.; 
An Hand der beigefiigten Indices ist hieraus nach XLIII 90ff.). Als Kuh oder Taube erscheint die 
jeder Richtung hin ein Bild liber den Tatbestand 40 Erdgottheit in der vorgriechischen Religion, als 
zu gewinnen. Das einzelne kann und soil hier Stier befruchtet, mit dem Blitzstrahl oder Doppel- 
nicht wiederholt werden. H. Graillot's Artikel beil schwangert sie ihr heiliger Gemahl, der noch 
im Daremb.-Sagl. Ill 177ff. (s. Hidros Games), nicht im Sinne des spateren Zeus Himmelsgott ist, 
1899 geschrieben, ist methodisch und in vieler sondern in erister Linie Wettergottheit mit stark 
Hinsicht naturlich auch inhaltlich iiberholt. chthonisehem Charakter. iSo ist der Gott Yhiog 
Graillot behandelt iiberhaupt im wesentlichen in Boiotien im L y. mit Europa verbunden (Pans, 
nur die heilige Hochzeit von Zeus und Hera und IX 39, 4), so noeh Zeus und Hera als Wetter- und 
die zugrunde liegenden griechischen Hochzeits- Berggotter aoif dem Arachnaion in der Argolis 
brauche. (Pans. II 25, 10). Ein merkwiirdiges Beispiel 

2. Wesen und Entwicklung der Vor- 50 eines tJbergangs von Tiergestalt zu menschlieher 

stellung vom /. y. Die Vorstellung vom l. y. Erscheinungsfoim bildet der /. y. eines kretisohen 

reicht bis in die altesten Zeiten urgriechiseher Gotterpaares, indem der Gott als Adler eine be- 

Religion hinauf. In Kult und Legende, Mythos, reits menschengestaMg dargestellte Gottin be- 

Dichtung und Kunst der Hellenen spiegelt sich fruchtet (Catal. of Gr. coins, Crete and Aegean 

der Begriff. Als heilige Hochzeit hat nach meiner Islands 38ff< Taf. XI 4). Ganz deutlich offenbart 

Auffassung jede geschlechtliche Verbindung von sich hier das mutterrechtliche Denken: die weib- 

Gottern untereinander oder von Gottheit und liche Gottheit ist stets die Hauptsache, auf einer 

Mensch zu gelten, die in Kult, Legende und hiera- hoheren Stufe der ReMgion ist sie es, die zuerst 

tischer Poesie ihren Niederschlag gefunden hat in Menschongestalt erscheint. Wahrend also das 
und sich einerseits abhebt von einer blofien 60 ganze Denken des Vorgrieehentums mutterrecht- 

Gotterliebschaft, anderseits von genealogischer lich ist, sind die Schopfer schon der fnihesten 

Dichtung, die, wie es oft bei Hesiod der Fall ist, griechischen Kultur vaterrechtlieh eingest^llte 

einer religiosen Spekulation zuliebe Stemma an Indogermanen. Hieraus erklart sich der Unter- 

Stemma reiht. Naturlich ist die Abgrenzung nicht schied der minoischen und der mykenischen Kul- 

immer leicht ; zu eng erscheint mir aber die Be- tur, die keineswegs mit N i 1 s s o n und Evans 

griffsbestimmung von Nilsson (DLZ 1933, 1937), als letzten Endes einheitlich anzusehen sind. Viel- 

der unter heiliger Hochzeit zwar ganz mit Recht mehr sind mit K a r o, v. W i 1 a m o w i t z, 

die wirkliche oder symbolische ovf^f^si^ig versteht, Schachermeyr und Schweitzer die 



109 'IsQog yd flog '"leQog yccfjiog 110 

Grieehen al« Trager der mykenischen Kidtur zu frg. 320 Pears. Eiirip. Hipp. 7422. Ariistoph. 

betrachten. Die Mykenaer stellen eine reife Stufe Nub. 271) und im apfeltragenden Garteoa der 

des Frtihgrieehentums dar (vgl. Karo SchacM- Hesperiden (FGrH L P'hier. Athen. frg. 16a), my- 

graber von Mykenai 355); sie sind aueh rassisch thiscben Orten von paradiesischer Fruchtbarkeit, 

scharf von den Kretern als Tragern der minoischen verbinden sich Zeus und Hera. Der Baum wird 

Eultur zu trennen, sind mehr nordisch bestinamt fast typisdi fiir die Schilderung des t. y. Immer 

(vgl. Karo Reallex. d. Vorg. VHI 389ff, Eugen ist er ein Zeichen unersohopflieher Fruchtbarkeit, 

Fischer bei Karo Schaehtgraber 329f. 331S.). mag er uns nun im vorgrieehischen Kulte als 

DiQ andere rassische Zusammensetzung sehafft Weide begegnen, im didymaischen Heiligtume 
nattirlich ein ganz anderes Lebensgefuhl; das 10 der Leto beim Beilager der Gottin mit Zeus als 

mannliche Element tritt istarker in Erscheinung, Lorbeerbaum erscheinen, oder mag Homers Er- 

und so ergibt sich die fiir die Entwicklung des wahnung der Tanne des Idagebirges ein letzter 

L - y. - Begriffs hochstbedeutsame Tatsaehe, daB Nachhall von der urspriingliehen kultischen Be- 

die Frau im Frtihgriechentum stark zuriiektritt deutung der Pflanzen, letzte Erinnerung an den 

(Karo Schaehtgraber 3411). Der endgiiltige Sieg Lebensbaum und die vegetative Kraft der Erde 

der Zeusreligion bedeutet schlieBlieh liberhaupt sein. Die Feste des t. y, werden stets im Friih- 

den Sieg des Vaterrechts, des Indogermanentums, ling zur Zeit der erwaehenden Natur gefeiert, und 

<k^ liYotdisdieu Gedankens. Uralte Gottinnen sin- eben die Verbindung des gottlichen Paares schafft 

ken nun zu Heroinen herab, deren ursprungliche a\k EiXLcltitbaTkeit, ^ie eis %. ^. gaiiT. d^witlidi 
kultische Bedeutung unter einem Wuste mythen- 20 beim l. y. von lamon imd Demeter auf dem drei- 

hafter Legenden und novellistischer Erzahlungen fach gepfliigten Ackerfelde in Erscheinung tritt 

kaum noch sptirbar ist (Europa, Pasiphae, Phai- (Od. V 125ft. Hesiod. Theog. 969ff.). 

dra, Ariadne), oder die das neue Frauenideal des 4. Erscheinungsformen des Be- 

Indogermanen verkorpern, nicht mehr fruohtbare griffes. a) 7. y. zwischen den G o 1 1 e r n. 

Miitterliehkeit, sondem unberiihrte Jungfraulieh- Diese Form der heiligen Hochzeit kommt nattir- 

keit (Athena). Ein vollkommener nur rassisch lich am haufigsten vor. In frommer Scheu ge- 

erklarbarer Umbruch! Daraus wird klar, daB die denken die Menschen der grieehisehen Urzeit der 

Vorstellung von der heiligen Hochzeit in der alten durch die Ehe verbundenen chthonischen Machte, 

Bedeutung hinfallig ist; sie wird in einer neuen deren Namen niemand auszusprechen wagt, die 
und vertieften Weise umgebogen und dem vater- SOvielmehr jeder Glaubige in euphemistischer Weise 

reohtlichen Denken angepaBt. Poseidon und vor umschreibt. In jeder Landsehaft haben diese gott- 

aUem Zeus als der oberste Gott der neuen Her- lichen Namen einen andereii Klang, erscheint dem 

renreligion iiberwinden die aJten Erdgottinnen der Menschen eine andere verderbende oder segen- 

vorgriechisehen Kultur dadureh, daB sie sich als bringende Seite der Gottheit als wesentlich, zei- 

Herren im /. y. tiber sie setzen. Dariiber hinaus gen Demeter und Ohthonia uuid MeHboia und 

aber wird fiir den Grieehen die Gotterhochzeit Klymene und Medusa das vielfaltige Wesen der 

in ihrer voUkommensten Form, im t. y. von Zeus einen Mutter Erde (vgl. hierzu den Namenindex 

und Hera, hochstes sittHches Vorbild fiir die meiner Diss.), die sich den chthonischen Gottem 

eigene menschliche Ehe (vgl. Suid. s, Telela). des Poseidonkreises ehelich verbindet, aber sehlieB- 
3. Der Inhalt des Begriffes: Frucht- 40 lich nach dem Siege der olympischen Religion 

barkeitszauber. Als wesentlicher Inhalt der sich als Hera dem obersteai Himmelsgotte Zeus 

VorsteUung vom l. y. tritt uns immer vo-ii' neuem im I y. unterordnen muB. Ist doch gerade der 

der Fruchtbarkeitszauber entgegen, dendieKrafte L 7, ein wichtiges Bindemittel uranischer und 

der Erde und der Miitterliehkeit bewirken. Ab- chthonischer Religion. 

gesehen da von, daB zumimdest fiir die altesten b) "L y. zwischen Gottheit und 

Zeiten grieohischer Religion vor allem chthonische M e n s c h. Diese Verbiadung, in ihrem letzten 

und Vegetationsgottheiten im I. y. verbunden Sinne ebenfaUs Fruchtbarkeit szauber, ist als ma- 

werden, ist der erwahnte Begriffsinhalt aueh dar- giseher Zwang zu betrachten, durch den sich der 

aus ersichtlich, wie Ort und Zeit des /. y. ein- den heiligen Branch VoUziehende in den Besitz 
gef iihrt werden und was an typischem Beiwerke 50 auBermenschlicher und vegetativer Kraf te setzt. 

der Bericht der Kultlegende gibt Die Ortlich- Ganz durchsichtig ist dieser Zweck bei einer in 

keit, wo Gott und Gottin sich im heiligen Bei- der Troas und in Magnesia am Maiander tib- 

lager vereinen, sei sie nun kultisoh oder mythisch, lichen Hochzeitssitte. Dort steigen die Braute in 

ist stets mit besonderer Fruchtbarkeit gesegnet. den FluB und lassen ^sieh vom FluBgotte ^ie, Jung- 

Auf Bergen unter friichtetragenden Baumen oder fraulichkeit rauben (Ps.-Aisehin. epist. X 3, 8 

in Hohlen der verschiedensten grieehisehen Land- p. 680. 682 BlaB), um reichen Kindersegen zu 

schaften feiern die Gotter ihre heilig^*Hochzeit, erwerben. Gelten doch die Fltisse als kovqoxqo- 

die Menschen ihr Erinnerungsfest daran; beson- (pot, und Trager der Fruchtbarkeit (Schol. Eurip. 

ders Ehen der Hera, der alten Wettergottin, wer- Phoeniss. 347. N i n c k Philol. Suppl. XIV 2). 
den gem auf Hohenziigen lokalisiert, in attisch- 60 Zauberische Wirkungen vom Beischlaf mit der 

euboiischem Gebiete auf den Bergen Dirphys Gottheit versprechen sich die ApoUonpriesterin- 

(Steph. Byz. s. v.) und Ocha (Steph. Byz. s. nen zu Patara in Lykien (Herodot. I 181) und 

KaQvoxog, Eustath. II. II 542), in der Argolis auf auf der Larisa von Argos (Pans. II 24, 1). Beson- 

Arachnaion (s. Abschn. 2), Hermion (Steph. Byz. ders verbreitet werden dann derartige Riten in 

s. V.) und Thomax oder Kokkyx (Pans. II 17, 4. der Mysterienreligion. Die Mysten sind dadureh 

Schol. Theocr. XV 64 Wendel), in Boiotien auf mit der Gottheit im I. y. verbunden, daB sie den 

dem Kithairon (Paus. IX 3, Iff.). Im Gottergar- heiligen MutterschoB beriihren oder den Thalar 

ten am Okeanosstrom (H. XIV 200f. 245f. Soph. mos der Gottin betreten. ,T^o tbv naoxbv slokbvv'' 



Ill 'ISQoq yd^iog ^IsQog ydfiog 112 

ist der iiWiche Ausdiuck der eleusinischen My- zug, Kleidertausch, Damonentauschraig iind ahn- 

steiien ftir diesen Brauoh (vgl. Psellos de dae- lichon Sitten tiitt uns diese Seite der heiligen 

mon. ed. Migne O. CXXII 877). In den Salba- Hochzeit entgegen (s. dazu den Saehindex meiner 

ziosmyisterien erscheint die Gottheit als mann- Diss.). Als besonders merkwtirdig sei hier der 

lich, der Geweihte als weiblich; die heilige Hoch- Brauoh des Kiltgangs 'hervorgehobem, der auf 

zeii; ward dadurch angedeTitet, daB eine Schlange Samos umd Naxos iiblich war und aitiologisch 

durch den SohoB des Mysten gezogen wird (Clem. mit dem Hinweis auf das Vorbild von Zeus unii 

Alex. Protr. II 15, If. p. 13 Stahl). Im sizili- Hera begriindet wurde (II. XIV 2951 und Sdiol. 

sehen Thurioi verbindet sioh der Myste dem beili- Ven. T z. St.). Eng mit ihm verkniipft ist auf 
gen Muttersehofie der Erdgottin (Orphic, frg. 10 Naxos die Bodeutung des Jtaig d/Liq?i'&aX'^g am 

32 c, 8 Kern). Mystisohen Charakter tragt audi Hochzeitsbraiuch (vgl. dariiber jetzt den Anhanig 

das Beilager der Gattin des olqxcov fiaodsvg und meiner Diss.). 

deis Dionysos, das alljahrlich zum Anthesterien- 5. Der /. y. in der Dichtung. Bs ist 

feste in Athen gefeiert wird und bei dem aQQrjm ganz natlirlich, dafi der alte kultische Branch des 

eine groBe Eolle spielen (vgl. Apollad. [Ps.-I)e- i, y. und sein religioses Erlebnis auch ihrenNie- 

mosth.] c. Neaer. 73ff.). Mystische Gotterehen derschlag in der Dichtung gefunden haben. Der 

sind bedeutsam ftir das attische Skirophorienfest, Sang von der heiligen Hochzeit ist uraltes Sagen- 

jahrliehe magische Wiederholung des I. y. Ton gutderKihapsoden (vgl.Schol.Ven.AzuIl, IX 189: 

Poseidon und Athena durch Priester und Prie- . . . >iaX 'd'ecov qdovoi ydfxovg). Unmittelbar liegt 
sterin am Thesmophorienleste ebenso wie die der 20 uns hieratische Poesde dieser Art nioht mehr vor. 

Vereinigung von Zeus und Demeter in Eleusis TCr konnen sie aber fur die Hochzeit von Zeus 

erwiesen oder hoohst wahrseheinlich (Schol. Lu- und Hera aus dem betreffenden Stlicke der Aiog 

cian. 275ff. 276, 16f. Kabe. Pfister Bd. V ^^rdr?/ Homers (II XIV 153—353 und XV 14—16), 

S. 532, 9. Deubner Attische Feste 40. 44. ftir don L y, von Ares- Aphrodite aus Od. VIII 

69ff. 84ff.). 266ff. erschliefien. Der Bericht iiber die Tau- 

c) 7. y, als kultische Feier der schung des Zeus geht wahrseheinlich auf eine 
Menschen. An den Festen des Jahreslaufs samasehe Tempellegende vom t. y. zuriick; laBt 
wiederholt der Mensch durch Schonheitswett- er sich doch auch ohne weiteres aus dem Zusam- 
kampfe und Darstellung der heiligen Ehe die menhange der IMas losen und bringt verschiedeme, 
urspriingliche Gotterverbindung. Solehe Feste 30 Homer im tibiigen ganz fremde Vorstellungenl 
sind z. lB. Apaturia, Kallynteria, Plynteria im Am dichterisch schonsten hat wohl Aisehylos in 
Dionste der Athena in Athen (Pehrle Kult. seinen ,Danaiden* (frg, 44 Nauck2) dem tiofeai 
Keuiscthheit 168ff.), Kallisteia im Heiakulte der Sinn der uralten mythisehen Vorstellung vom 
Insel Lesibos (Schol. II. IX 129 Ven. A. Anth. Pal. /. y. Aiisdruck gegeben, wo er durch Aphrodite 
1X189), wahrseheinlich auch Foierliehkeiten einee die heilige Verbindung von Himmel und Erde 
Herafestes in Magnesia am Maiander (Syll.^ H preisen laBt. Ganz anders als fiir diesen Ahnen 
589, lOff.). In Athen heiBt die Feier der Hoch- der tragischen Kunst wird natiirlich fiir Dichter, 
zeit von Zeus und Hera, die die Athener ausrich- die durch die iSkepsis der griechisehen Aufkla- 
ten, /. y. Im Monat Gamelion (Hesych. s. v.) rung hindurchgegangen sind, das Isqov am ydfiog 
feiern die Athener die Ehe des hochsten Gotter- 40 zum Problem; iso wind ja z. B. Euripides' ,Ion* 
paares. Ahnliche Feiern sind ftir den Herakult zu einer einzigen gowaltigen Auseinandersetzung 
in EMiS und Olympia tiblidh. Zu Hermione in der mit dem Heiligen der Gotterverbindung tiber- 
Argolis wird jahrlieh das Chthonienfest zu Ehren haupt (vgl. z, B. v. 1523ff.). 

des von altersher dort Kult genieBenden Unter- 6. Ergebnisse und Folgerungen. 

weltspaa.r^ Elymenos-Chthonia (Meliboa) mit Es zeigt sich, daB die Betrachtung dieser e i n e n 

vielem Analogiezauber und Fruchtbarkeitsbrau- religionsgeschichtlichen Vorstellung uns weite 

ohen begangen (Pans. II 35, 4ff. 9f. Vgl. Las. Einblicke in die kulturelle und rassische Ent- 

Hymn. in Cerer. ©d. Diehl, Anth. lyr. Graec. U wicklung des agaischen Kulturkreises verschafft 

60), ahnlich wie das igroBe Daidalafest zu Pla- und somit bedeutend tiber das rein Fachliche hin- 
taiai in BoioMen (Pans. IX 3, Iff. Euseb. praep. 50 ausftihrt. Die taurische Rasse ist es, >die in vor- 

ev. Ill 1, 3), die Tonaen in Samos (Athen. XV griechischer Zeit im Raume des Agais<ihen 

p. 672 A/E. Lact. I 17, 8. Augustin. civ. dei Meeres den Jahreszeitengott mit der uralten 

VI 7), die Heraen in Argos (Pans. II 17, 2ff.) zu Fruchtbarkeitsgottin Miitter Erde zur heiligen 

Ehren der Hera-Zeus-Ehe gefeiert werden. Na- Ehe verbinidet (F. Kern Anthropos XXIV 180f.). 

ttirMeh gehort auch die oben erwahnte Hochzeit Noch die urgriechische Poseidonreligion kennt ja 

Dionysos-^Basilinna in die Reihe dieser Feste. Die ein starkes ttbergewicht des Weiblichen: Athena 

alte kultische Verbindung von Ares tund Aphro- und Demeter gelten mehr als Poseidon, unid der 

dite hat Beziehung zur Feier der Hybristika von mythische Kampf von Poseidon und Athena um 

Argo® (F. S c h w e n n Arch, f . Rel. XXII 233f.). die iStadt Athen symboUsiert das Ringen zweier 
Bei den meisten dieser Feste spielen die Schnitz- 60 Rassenseelen. Erst durch den Sieg der Zeusreli- 

bilder der >Gottiniien, die in feierlicher Prozession gion kommt der Umsehwung: die nordisch be- 

herumgetragen werden, ihr Brautbad bekommen, stimmten Griechen vemichten als das einwan- 

neu gekleidet und dann ftir den erwarteten Be- dernde Eroberervolk kraft ihrer durch indoger- 

such des gottliohen Gemahls zuniekgelassen wer- maniische tJberlieferung bedingten Herrenhoch- 

den, eine groBe RoUe. kultur die mutterreehtliche Kultur der vorgrieehi- 

d) 7. y, als Vorbild mensch lichen schen Zeit. Aber doch auch nicht restlos, und 
Hoehzeitsbrauchs. In vielen Einzelztigen, an dieser Stelle ist Alfred Rosenberg zu 
wie Brautraub, Brautkauf, Brautbad, Hochzeits- widersprechen, der behauptet, daB mit dem Siege 



113 Hodometron Hodometron 114 

des Zeus alles Dunkle und Untergriindige aus die Eader ineinander griffen und verschieden ange- 

dem helleniischen Glauben und Leben restlos ver- bracht waren und deren Sitze so bequem ausge- 

sohwinide (vgl. dariiber ibosonders 54ff. seines ,My- stattet waren, da6 es nur eines Druckes bedurfte, 

thus*, eines Buehes, das an vielen Stellen rassisch um sie umzustellen und bald Schatten, bald 

grundlegende Einsiehten in die althellenische Kul- frische Luf t geniefien zu kOnnen'. AuBerdem 

tur und Glarabensbildung vermittelt). Zwar ist ,soIclie, welche den Weg maBen und die Stunden 

jetzt der Herr des Hinunels oberste Gottiheit, anzeigten', iter metientia et (Jijoras monstrantia, 

nicht mehr eine ortlich bestimmte Erscheinungs- also mit einem Zahlapparat und mit einem zu- 

form der Mutter Erde; aber die Vorstellung vom gehOrigen, auBen angebrachten und sicbtbaren 
L y, hat isich gehalten, wenn auch das mannliehe 10 Ziffernblatt ausgestattet waren. Wenn der Be- 

Element in ihr herrisehend geworden ist. Und richt (script, hist. Aug. v. Pert. 8, 7) noch in 

wenn die alten Erdgottinnen der vergangenen wegwerfender Art zufligt: ,und was sonst noch 

Epoehe nun ihren Platz als damonisehe Machte zu des Commodus Ausschweifungen hatte dienen 

der "Kefe erhalten, untertan dem herrsehenden mtissen*, so wird uns diese riickstandige Ein- 

Gotte des Himmels und der 'Hohe, oder als Heroi- scbatzung kalt lassen miissen, um so mehr als 

nen ein ischattenhaftes Dasein fiihren, so ist da- Vitruv. X 9, somit um zwei Jhdte. frtiher, sich 

mit der alte magisehe Zauber der vorgriechi- recht ausflihrlich mit dieser ,nutzlichen und viel 

schen Religion noch nicht gebrochen: in den My- erprobten Einrichtung* befaBt hat: raiionem non 

sterien lebt er wieder auf I Zuweilen nimmt sogar inutilem, sed summa sollertia a maiorihus tra- 
Zeus selbst chthonisohen Gharakter an (vgl. S. 89 20 ditaiUj qua in via raeda sedentes vel mari na- 

und 124 meiner Diss.). Irg^ndwie bleibt eben mg antes scire possimus, quot milia numero 

doch etwas von d«m der Lichtreligion des nor- itinerum feeerimus. Vitruv setzt den Mechanis- 

dischen Menscihon fremden taurisohen Urglauben mus der versatio rotae klar auseinander und 

auch in der neuen Kultur bestehen, erhalt sich, laBt je nach Ablauf einer Millie einen calculus 

weil es oft starker anif die Sinne anspricht, und rotundus in ein vas aeneum fallen und so so- 

fliichtet sich, wenn mit Gewalt verdrangt, in den nando singula milia exisse ankfinden. Nach 

Glauben der My sterien, wo denn auch alles Dunkle, Vitruvs Angaben hat Lionardo da Vinci seine Re- 

Feierliche und Magisehe der vorgriechischen Zeit konstruktion gezeichnet (cod. atl. Bl. 1), vgl. 

wieder zum Vorsehein kommt. Feldhaus Die Technik der Vorzeit, der ge- 

Literatur. Fehrle Kult. Keuschheit im 30 schichtlichen Zeit und der NaturvOlker (1914) 

Altert. <RVV VI), GieB. 1910. Die te rich 1308, mit Beziehung auf sein Buch Leonardo 

Mutter Erde3 od. Fehrk, Lpz. 1925. C. Cle- (1913) 116. Herons Dioptra c. 34 (p. 292if. Sch. 

men Religionsgesch. Europas I, Heidelb. 1926. mit einer Abbildung, zu der prinzipiell die Be- 

0. Kern Db Rel. d. Griechen I, Berl. 1926. merkung des Herausgebers p. 20 heranzuziehen 

Nils son Minoan-'Mycenaean Religion, Lund ist) erOrtert eine ahnliche Konstruktion um 

1927. Kornemann Stellg. d. Frau i. d. vor- ,vermittelst des sog. Wegmessers, bia tov na- 

griech. Mittelmeerkultur (Orient u. Antike IV), lovfjievov odo/bistQoVf Distanzen auf der Erde zu 

Heidelb. 1 927. Schachermeyr Etruskische messen, so daB man die Operation nicht vermittelst 

Friihgeseh., Berl. 1929. F. Kern Die Wdt, wo- einer Kette (8i aXvoscog) oder eines Bandes (axoi- 
rein d. Grieohen traton, in Anthropos XXIV u, 40Wov) schlecht und langsam vornimmt, sondern 

XXV, 1929/30. Pfister Rel. d. Gr. u. Romer, bei der Fahrt auf einem Wagen vermittelst der 

Burs. SfuppL 1930. Alfred Rosenberg My- Umdrehung der Rader die vorgenannten Distanzen 

thus des 20. Jhdts.^, Munch. 1932. Deubner bestimmt. Unsere Vorganger nun (ol utQo ^^f^wv, 

Attisehe Peste, Berl, 1932. v. Wilamowitz also ahnlich wie Vitruv, nur daB wir heutzutage 

Der Glaube der Hellenen, 2 Bde., Berl. 1931/32. nicht einmal das klar sehen, ob Heron alter und 

K a r Rel. des ag. Kreises (Bilderatlas z. Rel.- um wie viel Zeit er friiher als Vitruv tatig gewesen 

Geseh.), o. J.; Die Schaehtgraber v. Mykenad, ist) setzten einige Methoden auseinander, nach 

Textbd., Mtinch. 1930—1933. Klinz T.EP02 denen dies gemacht wird. Man wird sich daher 

FAMOS, Diss. HaUe 1933 (dort weitere Lite- fiber das Instrument, welches von uns hier be- 
ratur). [A. Klinz.] 50 schrieben wird, ebenso wie iiber die von frliheren 

Hodometron oder Hodometros, eine ma- Technikern [vno tcov nQoteQcov) beschriebenen ein 

schinelle Vorkehrung zum automatischen Abmessen Urteil bilden kCnnen. Weiteres dartiber Bd. VIII 

des zuriickgelegten Weges mit einer Angabe in S. 1036, 27ff. (Ti 1 1 el). Diels Ant. Technik2 64. 
r()m. Millien (so Vitruv und Heron, dieser fiir tJber die weitere Entwicklung dieses Apparats, 

die Schiffahrt) oder in Stadien (so Heron fiir der direkt in unsere Texameter ausmtindet, vgl. 

StraBen, also augenscheinlich in einem Kapitel, Feldhaus a. 0. Diesem Buch en tnehme ich dann 

das erheblich fruher als der Wegmesser ftir die noch folgende Notiz, die in diesem Zusammen- 

Schiffahrt konzipiert worden ist). Aus dem Nach- hang beachtenswert sein kann : daB namlich 

laB des Kaisers Commodus bringt Pertinax zur im J. 1528 Fernel mit einem solchen Wegmesser 
dffentlichen Versteigerung auch dessen Luxuska- 60 eine Gradmessung vorgenommen habe, die erste 

leschen, vehieula arte fabricae novae, ,an denen dieser Art in Europa. [Wilh. Kubitschek.] 



115 Hylli Hylli 116 



Zum neunten Bande. 

Hylli, ein nur einer bestimmten Gruppe von alteren Schichten bilden (o. Suppl.-Bd. Y S. 402). 

Geographer! bekannter alterer illyrischer Stamm. Pichler Austr. Eom. 151 bezeichnet die H. 

1. N a m e : Hylles Prise, perieg. 379. "YXXgc als Thrakoillyrier. 

ApoUodor. bei Steph. Byz. 648 ed. Mein. YUol 3. SiedlungsbereichundGeschichte 

Ps.-Scyl. 0,22. Scymn. 408. YXXalot Ptolem. II derH. Nach Ps.-Scyl. c. 20f. teilen sich in den 

16, 5. 'YXlfisg Apoll. Khod. IV 527. Bustath. 384. Besitz der Ostkiiste der Adria Istrer, Liburner 

'YlXsU Eastath. 384f. Scbol. Dion. 376. Stepb. und Illyrier, zu denen nach ihm ancb die H. ge- 

Byz. 647 Mein. ^YXlsioi Niceph. 461. Schol. Apoll. hOren. Apollodorus kennt in diesem Bereiche 

Ehod. IV 503. Schol. Dion. 376. 'YXhvoi Ps.-Scyl. vtisq rovg "YXXovg Ai^vqvoI ^cal tivsg 'Ioxqoi leyo- 

c. 22. 10 iievoi &Qa}esg. Die Japoden zwischen Istern und 

Das von den H. bewohnte Land : Hyllis Vlin. Liburnern sind beiden Quellen noch unbekannt, 

n. h. Ill 141. YXXslcov x'^^^^ Schol. Dion. 376. da erst zu ihrer Zeit die Kelten in die Ostalpen 

'YXXslojv x<^Qa Paraphr. Dion. 386. y^ tcov 'YXXslcov vorgedrungen sind (Kahrstedt GGN 1 927, 

Niceph. 46L YXXrjcov xd'chv Dion. orb. descr. 386. 1. Abb. 3ff.). Ptolemaios erwahnt die Japoden 

Apoll. Rhod. IV 523. 'Ylllg x^ggovrjoog Apollod. bei bereits ; aber seine Darstellung verliert durch 

Steph. Byz. 648. x^QQ^^V^^^^ 'YUihi^ Scymn. 405. die grundsatzliche Anwendung der romischen 

YXXtjlg Apoll. Ehod. IV 562. Der eponyme Heros Verwaltungseinteilung, die er den alteren ethno- 

der H. ist Hyllos, der Sohn des Herakles und der graphischen Verhaltnissen zugrunde legt, an Wert. 

Nymphe Melite (Ps.-Scyl. c. 22. Apoll. Ehod. IV Finden wir bei ApoUodor und Ptolemaios keine ge- 

537ff. Scymn. 409. Schol. Apoll. Ehod. IV 502. 20 naueren Angaben tiber die Wohnsitze der H., so 

517. 524. 540. 1125. 1149. Schol. Soph. Trach. 54. handeln die iibrigen Schriftsteller von ihnen; sie 

Steph. Byz. 647 -, vgl. Bd. IX S. 124 Nr. 4. bezeichnen in diesem Telle der Adriakuste einen 

XV S. 540 Nr.3. o. Suppl. Bd. Ill S. 951f.), der Chersonnes als Gebiet der H.; einige (Ps.-Scyl. 

nach niyrien gezogen sein soil (Apoll. Ehod. IV c. 22. Dion. 387. Paraphr. Dion. 386. Niceph. 461) 

551f.; vgl. Bd. VIII S. 124. XV S. 540, 3), Gegen- sprechen davon, dafi der Isthmus, der die Halb- 

iiber der Ansicht Lager grant z' Festgabe f. insel mit dem Festlande verbindet, Bereich der 

Streitberg 221, den Namen der H. infolge seiner Buliner sei. Plinius kennt nicht mehr den Stamm; 

sprachlichen tJbereinstimmung mit dem bekannten er nennt nur die Halbinsel Hyllis, fiir die nach 

dorischen Phylennamen zu identifizieren, verdient ihm auch die Bezeichnung promonturium Dlo- 

der Vorschlag Krahe's Indogerm. Bibl. Ill Abt. 7 30 mec?*s (Bd. V S. 829) gebrauehlich sei. 

Heft 4, — die abweichenden Pormen des ersteren Abweichungen in den Angaben der Quellen 

YXXaloi, YXXsloi und YXXivol (tiber ihre Bildung erklaren sich aus den Volkerverschiebungen an 

vgl. Krahe 45f. 76) lieBen auch an die MOglich- der Ostkiiste der Adria vom 4. Jahrh. an (Kahr- 

keit einer spateren volksetymologischen Identi- stedt 3ff.) und aus den politischen Veran- 

fizierung denken — , den Vorzug und die weite derungen durch den VoistoB der Eomer in diese 

Verbreitung des dem kleinasiatischen Sprachgute Gebiete. 

entnommenen Namens Hyllos (vgl. Bd. VIII Wenn Herakleia, das von Ps.-Scyl. c. 22 als 

S. 122f.) gibt Krahe recht. tJber die Namens- noXig 'EXXrjvig im Gebiete derH. angefiihrt wird, 

form en 'YXXsig und YXXi^eg vgl. Eustath. 384! . auf der Insel Pharus gesucht werden soil (Im h o o f - 

2. Ethnographische Stellung. Wenn40Blumer Num. Ztschr. 1884, 255. Brunsmid 
Scymn. 408 von ihnen sagt ovtag "EXXr^vag yivsc, so D. Inschriften und Mlinzen d. Griechenstadte Dal- 
tragter der StammessageEechnung(o. Abschn. 1), matiens 54, auch Einleitung VIII, vgl. Bd. VIII 
aber schon sein Hinweis 410f, s?cpaQ^aQcod'flvai S. 436 Nr. 26), vi^o sich seine dem 4. Jhdt. an- 
ds Tovxovg rw XQovco xdig Wsoi . . . xdig xcbv nXrj- gehorigen Mtinzen in groBer Zahl gefunden haben 
a/ov verrat ihre Durchsetzung mit fremdem Blute; (Brunsmid 55ff.), dann griff der Sie dlungsbe- 
Ps.-Scyl. c. 22 reehnet sie zu den ^aQ^aQoi. Es reich der H. auch auf einzelne dalmatinische 
ware denkbar, in den H. den Kern der Illyrier zu Inseln iiber ; vielleicht bestatigen die Worte des 
sehen, und auch sprachlich ergeben sich keine Apoll. Ehod. IV 522ff. 7]Qm8g (die Argonauten) . . . 
Bedenken gegen die Annahme einer Zusammen- knl x^ovi nslo(jiat sdrjoav YXXtjcov vfjooi yag sjii- 
gehOrigkeit der WOrter H. und Illyrii (Hahn 50jr^oi;;tovTo '&afA,sial dgyaXerjv tcXwovocv odov fA,eoar]' 
Alban. Stud. 231), da einmal die aspirierte Form yvg exovaar ovbs oq)iv cog tcoI uiqIv^ dvagota fjirj- 
Hillurieus sich nachweisen laBt (Georges Lex. tidaoxov '"YXXfjsg' jiQog d'avzol efj,r}xciLv6(x>vxo ksXsv- 

d. lat. Wortformen 336) und -ur eine im Illyri- d'ov . . . 562f. ed'sov yalrjg YXirjldog k^aviovxsg 
schen c)fter vorkommende Bildungssilbe ist xrjXo-d'i' xdg 6' dneXeiTiov oaai KoXxoioi naQoid'sv 
(Krahe Indogerm. Bibl. III. Abt. 7. Heft 80). diese Vermutung. Aber auch die Identifizierung 
Ein s'&vog IXXvqicov nennt sie Schol. Apoll. Ehod. Herakleas mit Salona (P r. c a v. d e Lanza Le 
IV 517. Steph. Byz. 647 Wvog IXXvQiTiov. Ihre origini primitive di Salona dalmatica Heraclea 
Einbeziehung in die liburnische Volkergruppe Illirica. Brunsmid Einleit. IX) oder seine 
durch Tomascheck Bd. Ill S. 1046 und Lokalisierung bei Salona (Cons La prov. Eom. 
Menghin S.-Ber. Wien. anthropol. Gesell. 1917, 60de Dalmatie 51) beweist, daB die Veranderungen 
35) ist insofern richtig, da auch die Liburner in den BevSlkerungsverhaltnissen der ostadria- 
zu den lllyriern gehOren, allerdings eine ihrer tischen Kuste auch die H. betroffen haben. Sie 



117 Hyllis Hyrieus 118 

WTirden eben von Nordwesten nach SMosten identifizieren (s. Art. Hylli, Abschn. 3). Wir 

gedrangt (vgl. Bd.^ XV S. 967. GGM II haben 'in der H. das beutige Kap Punta dela 

126). Wenn Brnnsmid aus der Tatsache, Ploccia auf der zwischen dem Haf en von Salona 

dafi wir keine Miinzen von Herakleia aus dem und der Mtindung der Krkia weit vorlad^nden 

3. Jhdt. V. Chr. kennen, schlieBt, die Stadt habe Halbinsel (Bd. Y S. 829) zu sehen; nicht idie Halb- 

wahrscbeinlich zu dieser Zeit als griechisches insel iSabbioncello (Cons La prov. Rom. de Dal- 

Gemeinwesen nicht mehr bestanden, so kann er- matie 53. 215). Vgl. Krahe Indogerm. Bibl. 

ganzend die Vermutung ausgesprochen werden, III. Abt. 7. Heft 25. [Max Fluss.] 

der VorstoB der Kelten an die Adria im 4. Jhdt. Hyrieus. Eponym von Hyria im Osten Boio- 
V. Chr. habe den H. die bei ihrer grofien Be- 10 tiens (Schol. AB II. II 496. Strab. IX 404, Nonn. 

vOlkerungsziffer (s. u.) erwiinschte Moglichkeit Dion. XIII 97. Steph. Byz. und Etym. M. s. Hy- 

liach Ausdehnung ihres Siedlungsbereiches nach ria); die Lokalisierung im nahen Tanagra (Schol. 

Norden genommen und sie zur Einbeziehung der A Horn. II, XVIII 486 = [Palaiphatos] LI) ist 

in ihrem Gebiete gelegenen griechischen Enklaven durch die Verbindung mit Orion (vgl. Art. Orion) 

veranlaBt. So erklart sich vielleicht auch die veranlaBt, der zu Tanagra besondere Beziehungen 

Tatsache, daB H. als Phyle der Issaeer im J. 385 hat. H. als Konig von Theben (Hyg. Astr. II 34 

V. Chr. genannt werden (Syll.^ 141). Auch nach nach Aristomachos, oder, wie Schroder zu 

ihrem Aufgehen offenbar in einem groBeren Gau- Pindar, frg, 73 a verbessern will, Antimachos) 

verbande — so versteht sich, daB ihr Name in und die Verlegung von Orions Geburt dorthin 
der VOlkerliste des Plinius fehlt — haftet ihr 20 (Append, narrat. 84, p. 389 West.) erledigt sich 

Name noch an einer Halbinsel (s. o.) westlich wohl als junge Annexion der Sage durch Theben, 

Traguriums (Plin. n. h. Ill 141), nicht bei Jader, vielleicht sogar als Versehen. Beides konnte ver- 

wie Zippel D. rom. Herrschaft in lUyrien 9, anlaBt sein durch die von Strabo a. 0. (dazu 

Menghin 35 und zuletzt Schiitt Unters. z. Eustath. II. II 496 p. 264) bezeugte politische 

Gesch. d. alten Illyrier 13 gemeint haben (Kahr- Zugahorigkeit Hyrias erst zu Theben und spater 

stedt 11, 1). zu Tanagra. H. als thrakischer Konig (Hyg. fab. 

Vielfach vergleichen die Quellen die GroBe 195) unerklarlich, wahrscheinlich spate Willktir. 

des Siedlungsbereiches der H. annahernd mit der Vater des H. bei Korinna frg. 5, 76 D Poseidon, 

des Peloponnes (Scymn. 406 tzqoq ztjv Ilelojiov' seit Hellanikos (FGrH IV F 19; vgl. Apollod. 
vrioov xt e^toovfAEvrj, andere, Ps.-Scyl. c. 22. Apol- 30 III 10, 2 ; Ps.-Eratosth. Catast. XXIII) neben 

lodor. Schol. Dion. 376] weniger genau, Plin. diesem als Mutter Alkyone bezeugt. Vom selben 

circuitu G m. p.). Seine Gebirgsnatur (Niceph. Paar stammen ab Aithusa (s. d.), Hyperenor, der 

paraphras. Dion.) gewahrte einen natlirlichen vielleicht identisch ist mit dem Troizener Hyperes 

Schutz (Dion. 385. paraphr. Dion. 384); vielleicht (vgL Art. Hyperes) und der mit diesem zu- 

erklart sich daraus auch seine dichte Besiedlung. sammen von Pans. II 30, 8 genannte Anthas, 

Apollod. und auch Scymn. 407 wissen von 15 Grtinder von Antheia (Art. Anthas). Die Be- 

Stadten auf der Halbinsel zu berichten, die ziehung zu Hyperes und Anthas ist verstandlich 

Apollod. 7iaiA,iA,syed'sig oiJiov/uivag nennt; ob zu durch die bekannten BevOlkerungs- und Sagen- 

ihnen die beiden mit Namen uns bekannten, Hylle zusammenhange zwischen Euriposgegend und 
(Steph. Byz. 648, bei Apoll. Rhod. IV 535 jtohv 40 Argolis, ebenso die mythischen Poseidonpriester 

dyavTjv YXXrjlda, vgl. o. Suppl.-Bd. Ill S. 952) und Alkyoneus und Hyrieus in der troizenischen Sied- 

Herakleia (Ps.-Scyl. c. 22 ; vgl. Bd. VIII S. 436 lung Halikarnass (Syll.3 1020, 6). Klonie, von 

Nr. 26 und die dort angefiihrte Literatur) gehort der H. Vater ist des Lykos und Nykteus (Apollod. 

haben, entzieht sich unserer Kenntnis. Ill 10, 2), ist das weibliche Korrelat von Klo- 

4. W e s e n der H. Mit dem Ausdruck Hylles nios, einem der boiotischen Anfuhrer II. II 495 

feroees gibt Priscian. 379 ihr Wesen als echte (v. 496 Hyria genannt!), und gehSrt darum in 

Illyrier (vgl. o, Suppl.-Bd. V S. 341) wieder, Ps.- die Nahe von Hyria. Lykos und Nj^kteus, dessen 

Scyl. c. 22 rechnet sie unter die Xcozoq?dyot nakov- Name chthonisches Wesen verrat, gelten nach 

IJLBvoi ^oQ^aQoi. anderer Version als Sohne des Poseidon und der 

Neben der im Text genannten Literatur vgl. 50 Kelaino (Art. Lykos 18); wenn nicht beide zur 

Alacevic Bull. Dalm. XXVII 30f. Krahe 24f. Lokalsage von Hyria gehOrten (Apollod. Ill 5, 

I Max Fluss.] 5 ; vgl. Strab. IX 404. Steph. Byz. s. Hysia; nach 

Hyllis (so Plin. n. h. IH 141. 'YlXlg Eustath. Hesiod. frg. 132 = Steph. Byz. s. Hyria ist An- 

384), ein Kap an der dalmatisohen Ktiste, das tiope, die Tochter des Nykteus, in Hyria geboren), 

seinen Namen von dem der illyrischen Volker- lieBe sich aus der Version mit H. als Vater fiir 

familie angehorigen Stamm der Hylli (s. d.) fiibrt. diesen ebenfalls chthonisches Wesen folgern. So 

tTber seine Lago und GroBe berichtet Plinius: aber ist damit zu rechnen, daB nur die lokale 

Liburniae Hnis et initium Delmatiae Scardona , . . Beziehung zur genealogischen Verknupfung fiihrte. 

Dein Autariatarum antiqua regio et castellum Nach Schol. T II. XXIV 544 (nicht Hesiod, vgl. 
Tariona, promontorium Diomedis vel^ ut alii, 60 Diod. V 81, 4) ist H. auch Vater des Krinakos, 

peninsula Hyllis, circuitu G m. p., Tragurium . . . dessen Sohn Makar mythischer KOnig von Les- 

Sicum ... Salona, Auf Grund dieses Berichtes bos ist (vgl. Art. Makar). Beziehungen zu Les- 

konnen wir die H. ohne weiteres mit dem iu bos, die sich daraus ergeben, erklart Tambor- 

anderen Quellen als Siedlungsbereich der HyUi nino (Art. Krinakos) durch boiotische Besied- 

mehr oder minder genau bezeichneten Landstriche lung der Insel. 

(es ist nicht von einer x^QQ^^'^V^^^ ^^^ I^de Bei Korinna frg. 5, 74ff. D erscheint H. als 

[Skynm. 405. Apollod. bei Steph. Byz. 648 ed. zweiter mythischer Inhaber des Orakels auf dem 

Meineke. Schol. Dion. 376. Paraphr. Dion. 384]) Ptoon, so wie als Grofi vater von Akraiphus, dem 



119 lanus Augustus lanus Augustus 120 

Eponym des benachbarten Ortes Akraiphia. Aus von Barcelona (Barcdno) aus den Jahren 47 — 53 

beidem ist auf Beansprachung bzw. zeitweise GIL 6242 und 6324 a [via AJugusta, und wenn 

Beherrscbang des Heiligtnms durch Tanagra zu nur etwas mehr im ostlichen Spanien ftir die 

schlieBen, das den Heros von Hyria an sich ge- Kenntnis des romischen StraBennetzes geschehen 

zogen batte (vgl. v. Wilamowitz Berliner konnte, lieBe sich auch entscheiden, ob via Aug. 

Klassikertexte V p. 52). (= ^KaiserstraBe*) ein au'SsehlieBMch jen«!r Bkiupt- 

Ftir H. soUen nach Pans. IX 37, 5 Tropho- slraBe naeh Rom zukommender Vorzugsname sei; 

nios und Agamedes einen d'tjoavQog gebaut baben an und fur sich schedn-t allerdings auch fur friihe 

(in Hyria?). Die Orionlegende lafit H. drei Kaisexzeit kein Hindernis gegen die Bezeichnung 
Gotter bewirten und den Kinderlosen um einen 10 irgendeines anderen StraBenbaues als ,augustiseh' 

Sohn bitten, als jene ihm die Erftillung eines zu besteben, wenn €r nnr auch durch Augustus 

Wunsches gewahren. Aus dem Samen der Gotter, (oder einen seiner naebsten Nachfolger?) erstelit 

welch er in der Rindshaut vom Opfer in die Erde worden war. 

vergraben wird, wird dann Orion geboren (fur Wenn K. Miller Itin. Rom. (1916) 176f. 

Zeugnisse vgl. Art. Orion). Hesiod, der als El- behauptet, auf seiner Rekonstruktion der Tab. 

tern des Orion Poseidon und Euryale angibt Pent. 147 Abb. 41 diese via Aug. ,vollstandig' 

(frg. 182), scheint die Geschichte noch nicht zu wiedergegeben zu habem, so wird das kaum je- 

kennen, wohl aber Pindar, und zwar offenbar mand aus seiner Karte erkennen*). RichtigeEmp- 

mit Hyria als Lokal (Strab. IX 404). Sie halt findumg leitet ihn aber meines Erachtens daxin, 
sich an einen verbreiteten Marchentypus und 20 daB er die jGroBziigigkedt dieser StraBenstrecke* 

zeigt fiir H. nicht mehr, als daB er ganz als bervorhebt, die nicht an den Verwialtungsgrenzen 

Mensch gedacht wird. Wohl in Erinnerung an Halt macht. In diesem 2kiisaimmenhang darf auch 

sie wird H. mehrmals falschlich Vater des Orion darauf verwiesen werden, daB wenigstens noch 

genannt (Parthen. Narr. amat. 20. Anton. Lib. ein Meilenweiser in Spanien ini ahniHcber Weise 

25. Schol. Nicand. Ther. 15), denn abgesehen von welter ausgreift und iiber alle ortliohe Beziehun- 

der Bewirtung der Gutter ist er der Orionsage gen hinan® nach Rom selbst zielt, namlich der 

fremd. Offenbar ist es die lokale Nachbarschaft, (durch alte Abschriften erhaltene) Stein von Epdla 

durch welche er bier hereingezogen wurde. So (siidwestlieh von Cae'saraugusta = Saragcssa) 

ist es nicht zu verwundern, daB z. B. in der 4918, Domitian im J. 85, [viam ( ?) vetu- 

Sage von Chios Oinopion an seiner Stelle die 30 stat]e corr[u]ptam [refeeitj ponjtes restit{uit), der 

Getter bewirtet (Serv. Aen. X 763); die schein- Z. 8 mat der Zahl 1289 die Meilen nach Rom an- 

bare Version mit Oineus als boiotischem KOnig zugeben scheint, so daB die zwedte Vermutung 

dagegen (Schol. Od. V 121) entstand durch bloBes H ii b n e r s, es handle sich um eine vom Kaiser 

Versehen (vgl. D i n d o r f z. St.), da Oineus nach fiir den StraBenbau aufgewendete Kastensunmie, 

Aitolien gehOrt und mit Orion nichts zu tun hat. billigerweise weigf alien darf. 

Die Nebenform Ovqisvq (Schol. G Nicand. Ther. DaB die baetische HauptstraBe und iiberhaupt 

15) deckt sich, von der Aspiration abgesehen, die italisch-spanischen KontinentalstraBen nicht 
mit der boiotischen Aussprache des Namens auf erst durch Augustus errichtet worden sein konnen, 

OvQisvg, welche durch die phonetische Aufzeich- sondern in die Anfanige der romischen Landnahme 
nung von Korinnas Gedichten frg. 5, 74 D be- 40 zuriiokgreifen, Hegt fiir jeden auf der Hand, der die 

legt ist. Sie wird a. 0. wie sonst der Name romische Kolomialpolitik fiir den Westen verfolgt; 

Orions mit dessen Geburtsgeschichte aitiologisch Gades, an mannigfiaiehen Naturschatzen reach, ist 

verkniipft. [Wehrli ] dasglanzendsteKleinoddesromischenLandbesitzes, 

lanus Augustus, ein Torbogen am nordost- Schliissel seiner Machtstellung und der wichtigste 

lichen Edntritt in diiei Provinz Baetica. Von diesem Ein- und Ausf uhrhaf en, wenn auch am Rand der 

Torbogen aus, und also wohl durch ihn, zieht die antiken Oikumene. Die baetische via Aug., um 

ReichsstraBe als Riickgrat und Hauptlinie des ihren spateren Namen hier zu verwenden, ist fiir 

StraBennetzes der Provinz Hispania ulterior, oder den Wirtschafts- und Realpolitiker des 2. Jhdts. 

vielmehr iihrer wiehtigsten und am friihesten in v. Chr. eine Einheit. Ein Blick auf die Landkarte 
Besitz der Romer gelangten Halfte, eben der 50 zeigt, daB der Bau der via Domitia und des forum 

Baetica; und in Fortsetzung der allerwichtigsten Bomiii als technischen IMJittelpunktes in der Gallia 

ReichsstraBe im Westen des romischen Imperiums, Narbonensis und die Anlagie einer festen romi- 

der StraBe vons Rom nach Gades. Diese StraBe schen Station Aquae Sextiae 122 v. Chr. und so- 

heiBt offiziell via Augusta: CIL II 4017 auf der gar einer Biirgerkolonie Narbo 118 v. Chr. die 

in eine Briicke*) eingelassenen Gedenktafel aus (wenigstens ideelle) Festlegung und praktische 

dem J. 79 (Vespasian viam Aug. ah lano ad Auswertung der spanisohen Verbindung mit Ga- 

oceanum refecity pontes fecit, veteres restituit) des und der reichen Ostkiiste Spaniens zux Vor- 

und4121, einMeilensteinDomitians**), 90n.Chr., aussetzung babietn. Vgl. dariiber die paar Zedlen, 

ab arm unde incipit Baetica viam Aug[. ... re- welche ich Klio XXVI 369f. anlaBlich der An- 

stituit]. AbeT auch ihr Zugaoig aus IMien und 60 

Narbonensis innerhalb Spaniens, der Tarraconen- *) tJbrigens ist die Fortsetzung der Abb. 41 
sis, heiBt ebenso, auf Meilensteinen in der Gegend die (zweimal S. 27 und 8. 149 abgedruckte) 
Abb. 8 insofern richtigziustellen, als die vertikale 

*) Ich weiB nicht, iiber welchen NebenfluB des Scheidelinie zwischen dem (verlorenen) Segment 
Quadalquivir (Baetis), und finde auch auf H ii b - der Tab. Pent, und dem ersten erhaltenen durch 
ner-H. Kieperts Karte den Platz nicht an- ihre Beschrankung auf den Kontinent stort; sie 

gedeutet. ware vielmehr sowohl nach oben als nach unten 

**) Millienzahl weggebrochen. ins Meer zu verlangern. 



121 lanus Augustus lanus Augustus 122 

zeige von G. F. Hills Coins of Narbonensis und zu dem dorthin vorgesehobenien Legions- 

with Iberian inseriptioms (1930) gesebrieben babe ; lager geeilt ged. Drnmann-Groebe EI 

diese Monographie Hills bedeutet eine ,Leuchte* 570, 1 bringt die Quellenzeugnisse fiir diiesen 

fur die Brkenntnis der romischen Kolonialbestre- Aufmarsch, zum Teil mit anderen Abgrenzungen, 

bungen in der spanisehen Sphare. z. B. Oros. VI 16, 6: bis Sagnntum 17 Tage. Die 

Dann beachte man, was Polyb. Ill 39 iiber die altesten Meilensteine der baetischen HauptstraBe, 

Grofie dies hannibalischen Untemehmens ansedn- auf die die librigeli ProvinzstraBen Riicksicbt 

andersetzt nnd als Merkpunkte seiner Vorberei- nehmen soUten, sind vom Nordostend der Pro- 

tung gegen Italien anfiihrt; darunter fallen auf: vinz, wo wir uns in der Sierra Morena die Quellen 
die Entfernungen der Saulen des Herakles vom 10 des Baetis zu demken haben, so ziemlich gegen 

ostlichen PyrenaenpaB, der die Lander der Iberer iSiidwest, gegen den Ozean zu, duxchgezahlt. Die 

und Kelten trennt, und mehxere Schnittpunkte StraBe konnte ungefahr, mit den notigen Abkiir- 

dieser Sltrecke auf (Spanischem Boden: Neukar- zungen, dem fast geradegestreckten und zu mehr 

thago>, Ebroiibergang und Emporion. Sie maichen als zwei Drittol seinas ikufes sehiffbaren Strom 

einen aufhorcben, und wenn der Text die heuste folgen *). Diese Durchzahlung erfolgt nach einem 

stark im Kampf *) stehenden Worte zeigt: xavxa auch sonst im romischen Reich ublichen Gebrauch, 

yaq vvv §8§r][A,drioxai xal GsoYjfAeiwxai Kaxh oxa- anscheinend nur im Bedarfsfall und in getttereller 

diovg oKxcb dia Tcofmlcov smf^sXwg, so darf man Anfassung des gesamten StraBenwesens, also 

sich daran am wenigsten stofien, daB keine Spur weder in ununterbrochener Fursorge noch auch 

dieser StraBiem, Vermessungen und Meilensteine 20 in regelmaBiger Wiederkehr, aber jedenfalls bei 

erhalten ist. Tavxa bezieht sich aul die iiber- jedem neuen Fall einer solchen Revision mit Be- 

groBe Aufgabei, welche Hannibal auf sich genom- ntitzung des namlichen, aber fiir jede Gelegenheit 

men hatte, und schlieBt Gades nicht aus, sehon von der Statthalterei der Provinz oder von einer 

deshalb, weil die Entfernung der Heraklessaulen sonst konkurrierenden Amtsstelle neu redagierten 

bis PyrenaenpaB (,rund 8000 Stadien = 1600 Mei- Formulars. Auf diesen Branch habe ich Arch, 

len') **) sich ungefahr mit der von Gades bis zum epigr. Mitt. XVII 153 anlaBlieh der Auffindung 

geniannten PaB deckt, und andererseits darf die des Nitzinger Meilensteins aufmerksam gemacht, 

Einbeziehung von Neukarthago nicht irre machen, wo ein absonderUches Formukr fur die Provinz 

weil dieser nachmals unter romischer Herrschaft Noricum in mehreren Exie!mplaren nachweisbar 

machtig aiufbltihende Ort damals noeh in puni- 30 war. Ich bin, trotz wiederholter Bemiihungen, 

scher Macht stand und auch spater nicht in die nicht dazu gekommen, einen Index der von mir ge- 

Verbindung Roms mit Gades einbezogen werden sammelten Formulare f ertigzustellen. Wie ntitzlich 

konnte, ohne die Schnelligkeit des Reisens zu be- eine derartige ZusammensteUung sein kann, laBt 

eintrachtigen. sich auch in 'diesem Falle an den hier folgenden 

Im angedeuteten PyrenaenpaB hatte Pompeius, Beispielen von der baetischeai via Augusta zeigen; 

an der Grenize Spamiens und GaUiiems, im J. 72, ich will nur, um der Wahrheit zu geniigen, noch 

avad-rjiJiaxa oder xQOTtaia, vgl. Strab. HI 4, 9, 3 ausdriicklich darauf verweisen, daB diese Regel, 

160 und W 1, 3, 178, aufgerichtet (vgl. a.u<;h zwar nicht laufgestellt und belegt, aber an ver- 

Plin. n. h. HI 18 und VII 96 sowie die Zeugnisse schieidenen Orten, wo die einzelnen Anwendungen 

bei Drumann-Groebe IV [1908] 392 40 besonders haiufig vertreten sind (wie z. B. jetzt 

Amn. 7 und 8): 6t' &v padl^ovoiv etg xrjv s^co an den StraBen dor Palmyrene) oder wo die 

>cakov[jLBvrjv l^TjQiav^ xai judXioxa xr)v Baixl^rjVj Kanzlei gar zu toUe Formulare aufstellte (wie 

und erfolgen genauerei Angaben des Laufs dieser z. B. Formuiare fiir Raetien aus den J. 195 und 

StraBe iiber Castub, Obuico, ferner tibetr und 215, GIL IH 5997— 5999 =: Vollmer 

Cordnba und Gades, xa ^eyiaxa xwv ifA,7ioQicoVf Inscr. Baiuv. 487 — 489), beachtet worden ist. 
endlich eine in diesean Zusammenhange beach- Fiigen wir noch hinzu, daB aus besonderen Griin- 
tenswerte Anmerkung aus den ovyyQaqjscgj daB den und bei einer fiir Siidspanien auch sonst 
Caesar, um die Ents^heidungsschiacht in Slid- eigentiimlichen KuMurerseheinung diese Wegfiir- 
spanien (bei Munda) zu s<5hlagen, anscheinend auf sorge fast nur fiir das erste Jahrhunde^rt d^r 
dieser linie, in 27 Tagen von Rom nach Obuico 50 Kaiserzeit lebendig erscheint, und daB mit den 
* fiir jenes erste Jabrhundert gegebenen Aktions- 

*) Vgl. M m m s e n GIL V (1877) p. 885 und terminen die Zahl dieser Gelegenheiten durchaus 

Hirschfeld GIL XII (1888) 166, sowie die nicht erschopft zu sein braucht. 

verschiedene Auffassung der Textausgaben. 

**) Die spanischen Entfernungen erortert iiber- *) Seine Lange bemiBt lulius Honorius mit 

sichtlichR. Zimmermann Herm.XXVllOff.; 410 Millien; vgl, Kubitschek Wien. Stud. 

Polyb. dort 113. VH 278; Itinerar-Studien 14. 

Wir verzeiohnen an der baetischen via Augusta folgende Termine und Formulare: 

2 v.Chr.; Meilenzahlen 64. 71. 77. GIL II 4701***). a Baete et lam Augusto (August 4701) ad oeea- 

4703. 4705; num; 

35/36 n. Chr.; Meilenzahlen 64. 77. 78. 81. 82; veimutMch ab lano Augusto qui est ad Baetim 

GIL II 4712—4715 und Bol. Real Acad. (oder Baetem"^) usque ad Oceanum; in diesem 

de Historia, Madrid LVI (1910) 186f. t); Formular steht auch fontifex max{imus) XXI, 

***) Vgl. dazu De s s. 102. f) Umschrift 186; das Photo 187 ist leider so undeutlich geraten, daB 

es kaum zur Bestatigung von Rom. de T o r r e s' Lesung ausreicht. 



123 laniis Augustus lanus Augustus 124 

also mit jaMiclier ZaMung dieses (son'st als 
leben'slanglich gedaehten) obersten Priester- 
amtes, die H ii b n e r zu Unrecht wegzu,kom- 
gierem* sdch verpflichtet geftihlt hat (seine Be- 
merkung zu 4712)*); 
39 n. Chr.; Medlen 62 iind 78; CILII4716. 4717. a Baete et lano Augusto ad oceanum, alsa so wie, 
6208, dazu auch ein Klischee Fidel Pita im J. 2 v. Ohr.; 

Bull. 191; 
90 n. Chr.; Meiilenzahl weggebroKjhen; CIL II ah arcu unde ineipit Baetica mam Aug(ustam) 
4721; [restituit]; vor [rest.] kann mil. noch [ad 

oceanum] gestanden haben und somit eine gro- 
fiere Ahnlichbeit mit den alteren Formularen 
erzielt werden. 



*) Die Feststellung dieses Formularwortlautes diirfen wir von dem in BaMte zn erwartenden 
Supplementband' L. Wickerts lerwarten, dem ich iibrigens den Hinweis anf den zitierten Band 
des Bol. verdanke. 

Also ist das Ende des (Mhestens fiir das wie die tropaea Pompei m. den Pyrenaen einst 

J. 2 V. Chr. bezeugten) iSttirafienbaues oder Um- 20 das Tor zu ganz Spanien bilden soUten fiir die 

baues oceanus, sein Anfang wird (augenscheinlich aus Italien einlangenden Heere, Beamten und 

handelt es sieh um Synonyma) als Baetis et lanus Kaufleute, ebenso war I. A. als Eingangstor zum 

Augustus oder lanus Augustus qui est ad Baetim eigentliehen Kleinod Spaniens gedacht, als Zu- 

(Baetem'^) und areus unde ineipit Baetica be- gang in die Baetica. Im Art. lanus von Otto 

zeidinet. Eine MeEensaule Neros vom J. 57, Suppl.-Bd. Ill finde ioh (S. 1189) nur einen 

CIL II 4734, dieser wieder ohne jedes Lemma Ankniipf ungspunkt *) : die Gleichung mit ianua. 

fiir die Welgrichtung, heute verschoUen, hat die ,Im Lateinischen hat dieses Wort die spezielle 

hochste Mi&enzahl (,222*), gefunden ,en el ar- Bedeutung des Zuganges, Eingangs (der ja immer 

rezife *) entre il Puerto di Santa Maria y Jerez', auch zugleich ein Ausgang ist) erhalten, und zwar 
also nahe dem Endziel, so dafi man als hochste 30 in konkreter Beziehung auf die Tore.' Dies trifft 

ErstreckuDg etwa 250 Meilen annehmen und den fiir den baetiscben I. A. um so mehr zu, als eine 

Versuch wagen dtirfte, die Stelle, die als Tor oder Idientifikation und Umnennung einer in Spanien 

,Eingang' in die Provinz Baetica bezeichnet wor- etwa in der Umgebung dieses Eingangs verehrten 

den ist, wenigstens ungefahr im Gelande festzu- heimischen Gotthedt aus verschiedenen Grtinden 

stellen. Weiten Spielraum Mr die Traderung der und zumal in augusteischer Zeit indiskutabel ist. 

StraBe konnen wir angesichts des Terrains kaum Somit ist I. A. fiir uns sprachlich und begriff- 

voraussetzeu; H Ii b n e r und K i e p e r t haben lich nichts anderes als beispielsweise im Lande 

den I. A. auf Karte 3 von CIL II Suppl. in die der Vaceaeer Ptolem. II 6. 49 eine UoQ-ta 

Nahe der modernen Lokalitaten Maquiz und Men- Avy(yvota == porta Augusta. Diese ,n6Xig\ dieren 
jiler versuchsweise gelegt. Ausfuhrlicher handelt 40 Namen ich bloB zu sprachlichem Vergleich heran- 

tiber d^sQuellgebiet des Baetis Hiibner 0. Bd. II ziehe, ist uns sonst unbekannt, irgendwo nord- 

S. 2763. Auch oceanus, statt dessen wir edne lich von Madrid gelegen; sie muB in ahnlicher 

reale Zielsetzung in Form eines antiken Stadt- Verbindung, wenn auch in sehr viel bescheide- 

namens erwarten, wird seine besondere Bedeutung nerem Verhaltnissen, das namliche bedeutet haben 

haben; es wird kaum anderes ubrig bleiben als wie I. A. an Baetieais Grenze. 

eine Statue des Oceanus in Gades (oder vielmehr, Sachlich habe ich nur hinzuzufiigen, daB wir 

da Gades in antiker Zeit Insd gewesen ist, viel- fiir die Rekonstruktion des I. A. sowie fiir die 

leicht vor Gades) selbst anzunehmen, die so be- tropaea Pompei, wenn diese iiberhaupt bis in die 

deutend gewesen ist, daB die Bezeichnung der Kaiserzeit erhalten geblieben sein soUten**),gewiB 

Lokalitat oder iSitadt daneben uberfliissig erschei- 50 

nen mochte. Im tibrigen vgl. zum Ende der *) Andere Beispiele bringt Gianelli Diz. 

StraBenanlage in oder bei Gades Hiibner Epigraf. IV und (als wster I) auch die Beziehung 

Bd. Vn S. 459. der spanischen Formulare auf diesen Branch. 

Eine Hebung des oceanws-Zieles ins Menu- **) AUerdings behauptet dies Miller 127 

mentale drlickt sich auch in einer entsprechenden und beruft sich dacfiir auf Itin. Ant.; er schildert 

Hebung des Ausgangspunktes, des I. A., aus. So auch unter Berufung auf Ptolemaios diese tro- 

— paea Pompei als eine ,Siegessaule*, die Pompeius 

*) Bedeutet dieses Wort den Fundort? Oder nach Bezwingung des gesamten Spanien ,auf 

ist es ein arabischels Lehnwort = ,Meridian'? An einem Hohenpunkt der Pyrenaeen an der Heer- 
keiner SMle des GIL II, wo man sich Rat holen 60 straBe errichtet habe*. Dies© S'atze hat Miller 

mochte, ist dariiber ein Wort gesagt., auch nieht wortwortlich aus Forbiger Geogr. HP 57 

in der von Htibner und Kiepert gezeich- Anm. 51 [dort hatte aber die 1. Auflage* S. 76 

neten und kommentierten Karte. [v. M 2 i k hat Anm. 73 richtiger ,Siegessaulen* geschrieben und 

mir schlieBlich eine befriedigende Interpretation das Quellenmaterial noch nicht so ziusammen- 

des fragliehen Vokabels aus der tJbereinstimmung gestrichen!] kopiert, aber anscheinend keines der 

des Spanischen, Portugiesisehen, Franzosischen Zitate nachgeschlagen und nicht den Widerspruch 

mit dem arabischen Grundwort, = Riff, nach- zwischen der ,Siegessaule' und den die Reichs- 

gewiesen.] straBe durchlassenden tropaia Strabons beachtet. 



125 lamis Augustus Jazyges 126 

gemeigt waren, ideellen und kunstlerischen Zu- somit nicht unter Gefahr von zwei-, drei- oder 

sammenhang von vornherein vorauszusetzen, wie noch mehrfachen Wiederholungen. Der mathe- 

dies Eman. Loewy in seiner Studie iiber die matisch veranlagte Dichterling, der iibrigens 

AnfangedesTriumphbogens (1928) zueinemgeist- auch a. 0. 129 ein anderes Beispiel seiner 

voUen und iiberaus ansprechenden Bild kiinst- Kunst*) noch diirftiger vorgelegt hat, hat die 

lerischer Typentiberlieferung auf Grund vorhan- Gesamtentfernung in sechs Teile zerlegt, von 

dener und unserem Studium zuganglicber Objekte denen einer als gefragt erscheint und durch eine 

geformt hat. Freilich den lanusbogen des Augustus Gleichung ersten Grades auf zufinden ist. Den 

und die Tropaea dels Pompeius nennt er nieht ein- ersten Teil, der von Gades -durch das Tal dies 
mal, sehon weil wir nichts von ihnen besitzen 10 ,kraftig briillenden* Baitisflusses ftihrt, hatte ich 

und es nichts hilft zu fragen, ob dieser Mangel bis zum FluBlaiuf <des Sucro abstecken zu sollen 

auf die in Spainien so reiche Debetseite der geglaubt. Hatte ich 'damals schon mit dem Ver- 

archaologischen Landeserforschung zuruckzuftih- schwinden des I. A. aus den Itineirarien gereehnet, 

ren ist. wie ich dies heute tue, so wiirde ich mich weniger 

Und noch eines! Die gesamte romische und bemuht und S. 176 in der SchluBliste das ersite 

hellenistische Itinerar- und Kartentiberlieferung Wegstiick mit ,PaBhohje liber dem Fluisse Sucro* 

nehmen von keinem der beiden Bauwerke irgend- abgeschnitten habein. 

wie Notiz. Ebensowenig die fruhmittelalterlichen Literatur. Hiibner GIL II p. 627f. 

Itinerare, von denen ich in meinen Itinerar-Studien Fidel F i t a La via Augusta del Guadalquivir 
(Denksohr. Akad. Wien. LXI H. 3 [1919] 3ff.) 20 desde el arco de Jano hasta el Oc6ano, Boletin 

gesprochen habe. Das Pompeiusdenkmal erscheint Real Acad, de la Historia, Madrid INl (1910) 188. 

auch nicht beiPtolemaios, und an seiner Stellewird [Wilh. KuMtschek.] 

dort (an nicht weniger als drei oder vier Stellen, latrokles, Rhetor, zweimal von Quintilian 

116, 11 und 19 sowie 10, 1 und 2, mit den zuge- (II 15, 16. Ill 6, 44) genannt. Doch ist die 

hSrigenPositionszahlen) einVenustempelro^gp^o- tjberlieferung nicht einheitlich; an der ersten 

diGiov genannt, das allerdings auch schon von Stelle hat B latrodes, A P patrocles, an der 

Strabo erwahnt wio^d; und auf 'den ptolemaischeta zweiten B iatrocles, AP2 patroeles, und natiir- 

Karten wird als Vignette zur Stelle eine fiktive, lich ist auch Patrokles mQglich. Dort handelt es 

allgemein fur diese Kategorie von Bauten iibliche sich um eine Modifikation der aristotelischen 
Tempelzeichnung gesetzt. Das Verschwinden des 30 Definition des Zweckes der Rede; hier um die 

baetisohen Eingangsbogens mag zunachst auf Beschrankung der Zahl der Staseis auf drei, die 

eine StraBenkorrektur (gleichviel ob Kurzung oder z. B. auch Cicero vertritt. I. gehOrt jedenfalls 

Steigungslinderung) zurtickzufuhren sein, die den der Zeit nach Hermagoras an; Quintilian kennt 

Augustusbogen verlassen muBte; spaterhin ist die ihn nur aus seiner rhetorischen Doxographie 

Verbindung mit dem Norden tiber Toletum, jetzt (Celsus?). [W. KrolL] 

Toledo, und Gaiesaraugusta, jetzt Saragossa, her- Jazyges. Ein in der Literatur des spateren 

gestellt worden; s. Kubitschek Itin.-Stud. Altertums haufiger genannter Yolksstamm des 

2f. u. 7. Jedenfalls muB aber, was bisher meines mittleren Donaugebiets. Er gehOrt zu den Vol- 

Wissens von keiner Selte versucht worden ist, kern, die als Vorboten der slawischen Wanderung 
das Abschwenken der Itinerarien vom Augustus- 40 gleich den UsQpoi u. a. ihren Ursprung von den 

bogen beachtet und seine Erklanmg versucht Steppen SiidruB lands herleiteten. Hier standen 

werden. Diese Beobachtuing enthalt auch zugleich die J. zu den Sarmaten (s. d.) in engster Be- 

einen Wink fiir die Datierung der Silberbecher ziehung (vgl. Strab. VII 3, 17 p. 306: 

von Vicarello, die sonst das Erklimmen der PaB- IdCvysg SaQfxdtai . . . Tac. ann. XII 29; hist, 
hohen registrieren (z. B. in Pyrenaeo oder summo III 5: . . . Sarmatis Jazy gibus; Sarmatarum 
Pyrenae und dann wieder in Alpe Gottia oder Jazugum . . .), und ihre Auswanderung nach 
Summas Alpes), hier aber enthielt die Vorlage Westen hat ihnen den Beinamen /^smvdozai ge- 
der Silberbecher, OIL XI 3281 — 3284; Hen z en geben (Ptolem). Erst am Ende des Altertums 
5210 (nur drei Becher); Miller Itin. Rom. verlor sich die Erinnerung an ihre einstigen 
(Seiten der Vorrede) 71f., nichts von der Stim- 50 Wohnsitze, und sie erlangten selbstandige Be- 
mung, die in den Meilensteinen der augustischen deutung. Steph. Byz. bezeichnet sie mit Be- 
und der nachfolgenden Zeit mitschwingt. Fiir rufung auf Marcian von Heraklea einfach als 
Itin. Ant. kommt dieser Datierungsbehelf schon europaischen Volksstamm (Mvog EvQcanalov). 
deshalb nicht in Betracht, weil der StraBen- Unter der Regierang Konstantins d. Gr. sind 
lauf zwischen Gades und Rom, oder wenigstens abermals Veranderungen in den Wohnsitzen der J. 
zwischen Gades und PyrenaenpaB, nicht einheit- eingetreten (Mullenhoff Deutsche Altertumsk. 
lich und nur mit Unterbrechungen und Ein- II 377), die bisher etwa drei Jahrhunderte zwi- 
stiickelungen geboten wird. Anders liegt es in dem schen Donau und TheiB gesiedelt batten (Sieg- 
mathematischen Gedicht des Metrodoros Anthol. ' lin Schulatlas zur Gesch. d. A.; Gotha 1908, 
Gr. XIV 121, das ich in L' Antiquity classique II 60 13). Die J. sind aus ihrer stidrussischen Heimat 
(1933) als dichterische Einkleidung eines kaiser- in das Donaugebiet erst zu Beginn der rOmischen 
zeitlichen Itinerars Gades bis Rom aufzufassen Kaiserzeit eingewandert; das erweist ihre spate, 
empfohlen habe, einer ,Abischrift des Itinerarblat- oft freilich nur fluchtige Erwahnung in der an- 
tes' (174). Hier hat der Dichter augenscheinlich tiken Literatur (bei Ovid, Strabon, Plinius, Ta- 

eine einzelne Itinerarliste verwendet, wie sie in 

groBerer Zahl zu StraBenverzeichniissen verwertet *) Adriatisches Meier — Vorgebirge Kqiov 

hatten werden sollen, und gewiB auch verwertet fAstwnov auf Kreta — Vorgebirge UelcoQov auf 

worden sind; also nicht aus Kartenwerken, und Sizilien. 



127 Ibisua Inflation 128 

citus, Ptolemaios, Cassins Dio). DaB die J. noch. Das bekannteste Beispiel ist die Vermehrung der 

in den J. 9 — 16 n, Chr. auf der siidrussischen Geldmenge durch die Pragungen Alexanders aus 

Steppe hausten und erst nach diesem Termine den in Persien erbeuteten Edelmetallscliatzen, 

in die nOrdliche Balkanhalbinsel einwanderten, wodurch eine Preissteigerung auf beinahe das 

hat M ii 1 1 e n h f f (II 324) unter Benutzung vids Doppelte entstand (Heichelheim Wirtsch. 

und Strabons dargelegt. Den slawischen Ursprung Schwankungen d. Z. v. Alexander bis Augustus 

des Namens Jazyges vertritt Pape (WOrterb. d. 41). Geringeres AusmaB batten die I.-Ersehei- 

gr. Eigennamen 526). Zur Erganzung vgl. Art. nungen in Eom nach dem Eintreffen der Beute 

Sarmatae. [Hans Treidler.] aus Gallien unter Caesar oder aus Agyp ten unter 

Ibisua, ein nur beim Geogr. Rav. IV 19 10 Octavian (Suet. Caes. 54. Cass. Dio li 21. Suet. 

S. 218, 2 genannter Ort Pannoniens zwischen Aug. 41. Oros, VI 19). 

Berisellana mid Derva. [Max Flu®s.] Mit diesen und gleichen Ausnahmen ist I. im 

Idanum, Name eines KasteEs, jedenfalls in Altertum hauptsachlich als Nebenerscheinung bei 

nicht allzu weiter Entfernung von Dyrrhachium, von fiskalischen Gesichtspunkten bestimmter 

wie aus Vib. Sequester 149 ed. Riese, der alLein Handhabung des Munzrechts bekannt. 

es nennt, hervorzugehen scheint {Isamnus Dyr- Gewohnlich ist die finanzielle Notlage, der 

rachi, ah Idano castello dictus). Der Bildung die Miinzversehleehterung abhelfen soUte, durch 

seines illyrischen Namens liegt der Stamm id- kriegerische Verwicklungen entstanden. So ftihr- 

(K r a h e Indogerm. Bibl. III. Abt. 7. Heft 89) ten die Punierkampfe zu Miinzversehlechterungen 

und das Suffix -ano (Krahe 42) zugrunde. Vgl. 20 sowohl bei den Romern wie bei den Karthagern, 

auch Krahe 10. 26. 111. [Max Fluss.] und die bedrangte Lage der ostlichen Staaten bei 

Inflation. Unter I. wird verstanden eine Ver- dem weiteren Umsichgreifen der romischen Macht 

mehrung der im Verkehr stehenden Geldmenge wirkte sich in einer formlichen Miinzverschlech- 

und die infolgedessen eintretende Preissteigerung terungswelle aus (Heichelheim 45ff.). 

aller War en und Dienste. tTberhaupt sind aber Munzversehlechterungea 

In Zeiten metallischer Wahrung ist die I. vor- in groBerem Ausmafi erst in der hellenistischen 

zugsweise durch Neupragung der Mtinzmasse Welt gewohnlich geworden. Aus Rucksicht auf 

unter Verschleehterung des Korns (Mtinzver- den Auslandshandel und wohl auch unter Ein- 

schlechterung) zustande gekommen. Dadurch, daB wirkung der republikanischen Verfassung haben 

aus derselben Metallmenge nach den versehlech- 30 sich die griechischen Stadtstaaten meistens der 

terten Normen eine groBere Anzahl Stiicke als Miinzversehleehterung enthalten, Ausnahmen bil- 

vorher geschlagen werden konnte, wurde die I. den die an der Elektronpragung beteiligten ioni- 

ermoglicht. Als finanzieller Notbehelf in schwie- schen Stadte, denn der Goldgehalt dieser Legie- 

rigen Lagen ist die Miinzversehleehterung ofters rung ist allmahlich stark gesunken. Auch Orte, 

ergriffen worden. Seltener war die Herabsetzung deren Wahrung sonst isolide war, konnten in Not- 

des Gewichts als FinanzmaBnahme wohl aus lagen zur I. greifen, wie z. B. Athen, dessen in 

Riicksicht auf die Unmoglichkeit, die Verande- den J. 407/06 gepragtes Zeiehengeld wahrschein- 

rung im geheimen durchzufiihren. Die Folgen lich so reichlich herausgegeben wurde, daB eine I. 

waaren selbstverstandlieh dieselben wie bei Ver- entstand (Burns Money and monetary policy 

schlechterung des Korns. Mit der Verringerung 40 in early times, 1927, 364). Ihr AusmaB ist nicht 

des Gewichtes verwandt ist die Erhohung des bekannt, wie iiberhaupt bei den griechischen I. 

nominellen Wertes bereits existierender Sitiicke, der Fall ist. Eine Sonderstellung nehmen die Re- 

eine mit den modernen tJberstempelungen des duktionen des romischen Aes grave ein, die eine 

Papiergeldes vergleichbare MaBnahme, die jedoch I. von iiber lOOO^/o im Laufe des 3. Jhdts. v. Chr. 

erst im Mittelalter gewohnlich worden ist. Da- ermoglichten (Bd. U S. 1508). Wir werden 

gegen ist im Altertum eine langsame Abknap- wohl hierin die Folge davon zu sehen haben, daB 

pung des Gewichts, um neugeschlagene Stiicke in der Bronzewahrung Rom ein geschlossenes 

den alten abgenutzten wertgleich zu machen, eine Wahrungsgebiet ausmachte. Man brauchte des- 

gewohnliche Erscheinung gewesen. wegen auf den Auslandshandel in der Miinzpolitik 

An sich braucht aber die Mtinzverschlechte- 50 keine Riicksicht zu nehmen. Bezeichnend ist, daB 

rung keine I. herbeizufiihren. Eine Mtinzver- die Denare, die eine im Auslande gangbare Wah- 

schlechterung ohne I. ist namlich denkbar, falls rung darstellten, viel weniger verschlechtert wur- 

die gewonnene MetaUmenge nicht zur Vermehrung den. Im Gegensatz zu diesen I. steht die Abkniap- 

der Miinzmenge, sondern zu anderen Zwecken: pung des FuBes der Edelmetallmiinzen, die die 

Export Oder Aufhaufung als Schatz (Thesaurie- gewohniicbste I.-Ursache war. Sie konnte aber 

rung), benutzt wird. In diesem Falle behalt die nie eine wirtschaftlich bedeutsame I. herbeifiih- 

verschlechterte Miinze als Kreditmtinze ihren frii- ren, dazu waren die Verringerungen nicht groB 

heren Wert. Gleichartig liegt der Fall, wo nur genug. 

eine geringe Menge schlechter Miinze hergestellt Der Verlauf des I.-Prozesses und seine Fol- 
wurde, wie z. B. 91 v. Chr. in Rom, wo auf sieben 60 gen werden uns nur in Igypten bekannt, da 
Silberdenare ein gef uttertes Stiick geschlagen anderwarts die Preisangaben, auf denen unser Ur- 
ward. In diesem Fall verdrangte nach dem teil basieren muB, nicht in geniigender Zahl vor- 
Greshamschen Gesetz das schlechte Geld eine ent- kommem. Die agyptiische Entwicklung entschadigt 
sprechende Menge guten Geldes ins Ausland und uns aber durch gute Beispiele, von denen ana- 
die totale Geldmenge blieb unverandert. logiseh auf die tibrige alte Welt geschlossen wer- 

Eine besondere Art I. trat aber nach der Er- den darf. 

offnung neuer Edeimetallfundgebiete oder nach In ptoiemaischer Zeit trat, nach einer verhalt- 

ErschlieBung orientalischer Herrscherschatze ein. nismaBig geringen Verschleehterung des Silbers 



129 Inflation Inflation 130 

gegen Ende des 3. Jhdts. v. Ohr., zwischen den vergleichbar (Mickwitz 114). Die I. unter 

J. 173 und 160 ein starker Niedergang dos Wer- Marc Aurel und Severus werden dagegen im 

tes der Kupferdrachme ein, wodnrch sich das Wirtschaftsleben ziemlich spurlos verlanfen sein, 

Verhaltnis von Silber- zu Kupferdrachme von teils weil ihr Umfang ca. 10 und SO'^/o nicht viel 

ca. 1 : 60 auf ca. 1 : 400 — 500 veranderte (H e i - grofier war als das gewohnliche Risiko des da- 

chelheim 29ff.), Wahrscheinlich war die zu- maligen Geschaftslebens (vgl. den Verlustprozent 

grundeliegende Mtinzverschlechterung eine Folge der ScMffahrt, Billeter Gesch. d. Zinsfufies 

der vom Angriff des Seleukiden Antiochus IV. 1898, 329, 1), und teils well die I.-Technik — 

Epiphanes verursachten Finanznot. Gleichartig Munzverschlechterung — den Vorgang auf Ian- 
war die Silberverschlechterung gegen Ende des 10 gere Zeit hinauszog. 

2. Jhdts. V. Chr. eine Folge der Thronkampfe der Die Folgen der antiken I. zu ermitteln stofit 

spateren Ptolemaer (ebd. 33ff.). auf betrachtliche Schwierigkeiten. Die erzahlen- 

Das groJBte AusmaiB unter den antiken Wah- den Quellen ischweigen beinahe ganzlich und auch 

rungsverschlechterungen erhielt aber der Vor- die Papyri geben nur Einblick in die Verhaltniisse 

gang, dem der romische Silberdenar der Kaiser- der Kleinstadte und des platten Landes. tJber 

zeit zum Opfer fiel. Wirtschaftlich belanglos sind Alexandreia z. B. wissen wir dagegen nichts. 

die Verminderungen seines Gehalts vor Marc G^nz vereinzelt stehen die Notizen tiber die I. 

Aurel und Commodus; groBere Bedeutung erhal- in Rom im J. 29 v. Chr. (Cass. Dio LI 21. Suet, 

ten die spateren Verschlechterungen: unter Marc Aug. 41. Ores. VI 19). Boden- und tibrige Preise 
Aurel um ca. 6 o/o, unter Septimius Severus um 20 schossen naturlich in die Hohe, der Zins aber 

ca. 30 ^/o und vor allem unter Gallien und seinen ging stark herunter. Letzteres wird aber eine 

Nachfolgern um tiber 90 ^lo. Im 4. Jhdt. n. Chr. ganz vorubergehende Erscheinung gewesen sein, 

ist das friihere Silbergeld des romischen Reichs die nach dem Eintritt der Preissteigerung sich 

zu beinahe reinem Kupfer verwandelt, wird aber wieder ausglich. Auch in moderner Zeit ist ge- 

noch mehrmals durch Verminderung der Stticke wohnlich auf die 1. kein dauernder Niedergang 

verschlechtert (Mickwitz Geld und Wirtschaft des ZinsfuBes gefolgt. Billeter (212ff.) hat 

im 4. Jhdt. [1932] 8 Iff.). Parallel mit den Ver- nach einigen Digestenstellen eine Zinssenkung 

anderungen der Reichsmiinze laufen anfangs im von 6 bis 5 — 4 *^/o fur sichere Anlagen unter Ca- 

groBen ganzen die Veranderungen der agyp- racalla angenommen. Jedoch beweisen die Stellen 
tisehen Lokalwahrung. Seit den Nachfolgern Dio- 30 kaum mehr, als daB die Juristen dieser Zeit 

cletians ist aber diese starkeren Schwankungen niedrigere Zinsen als vorher kennen, nicht aber 

ausgesetzt als die Reichswahrung. Rechnungs- daB diese niedrigereniSatizedauerndubliehgeblie- 

miinze war im 4. Jhdt. in Agypten der Denar ben sind. Die Daten der Papyri stiitzen auch nicht 

= 4 Drachmen. Durch Regierungsbefehl wurde die Annahme einer dauernden Senkung (M i c k - 

festgesteUt, wie viele Einheitien die im Verkehr wi t z 213ff.). Die von der Vermehrung der Geld- 

stehenden Kupfermiinzen gelten soUten. Diese menge herriihrende Erleichterung des Geldmark- 

Relationen konnten willkurlich verandert werden tes dauerte nur, bis der Geldbedarf dank der ein- 

(z. B. P. M. Meyer Jur. Pap. 73 Anm. zu Z. 7: tretenden Preissteigerung wieder im normalen 

jcQoasra^s f) ■d'sla rvxv tcov beonoxcbv rjfAcbv to Verhaltnis zur Geldmenge stand, was naturlich 
"ItaXiTibv vofAtaiAAx elg rj(Aiov vov[X[j,ov xata^i^a- 40 im Altertum langere Zeit erforderte als jetzt. Die 

c&fjvac), wodurch sowohl Munzverschlechterungen Veranderungen des Zinses mussen deswegen vor- 

als Miinzverbesserungen entstanden — beide wohl tibergehender Art gewesen sein. 

im Interesse des iStaatssackels. Dieses Mittel zur Den besten Einblick erlauben uns die Papyri 

Heilung angegriffener Finanzen kann in der Kai- in die Bedeutung der I. fiir die Funktion des 

serzeit auBerhalb Agyptens nicht nachgewiesen Tauschmechanismus und Kreditverkehrs (hierzu 

werden. Mickwitz 115 — 146). 

Durch die Miinzverschlechterung der Kaiser- Da die I. die Wertbestandigkeit des Geldes 

zeit entstanden I., deren AusmaB durch folgende veinichten, macht sich bei jeder I. das Bestreben 

Zahlen veranschaulicht werden kann. Wenn wir geltend, dieser Ungelegenheit zu entgehen; ent- 
die Preislage unter Antoninus Pius mit 100 be- 50 weder geht man zu einer anderen Wahrung tiber, 

zeichnen, so war die in den letzten Jahren Marc oder auch werden Waren als Wertmesser benutzt 

Aureis 107 — 113 und unter Gallienus 160 — 180. (z. B. Roggen in der deutschen I.-Zeit). Am ehe- 

Bei Diocletians Regierungsantritt war die Zkhl sten werden derartige Aushilfemittel bei Kredit- 

bis auf ca. 4000 gestiegen. In Agypten ergibt das transaktionen oder anderen langfristigen tJberein- 

4. Jhdt. folgende Ind^xzahlen: Der Kurs des kommen erwahlt, seltener dagegen bei Verkehrs- 

Denars im J. 301 wird mit 100 bezeichnet. Im akten, die unmittelbar erfiillt werden. Entschei- 

J. 307 ist der Kurs auf 300 gestiegen, im dend ist das Risiko einer Veranderung dos Geld- 

J. 314 gar auf 2800. Dann trat eine Deflation wertes in der Zeit vor der ErfuUung der Ab- 

edn, im J. 324 war die Indexzahl nur 600, stieg machung. 

aber schnell wieder, um im J. 341 auf 216 000 60 In den agyp tisehen Urkunden werden Spuren 

zu stehen. Wiederum tritt Deflation ein, fiinf der I. demnach am ehesten in Pacht- und Miets- 

Jahre spater ist die Zahl nur 86 400. Im J. 360 vertragen, Urkunden betreff s Anleihen und Dienst- 

ist sie aber wieder bis auf 1 720 000 gewachsen, vertragen zu finden sein. Es fallt dabei auf, daB 

um nachher nur bis auf ca. 6 600 000 im J. 400 man in Agypten wahrend der I.-Jahre erst sehr 

n. Chr. zu steigen. Die starkste Steigerung der spat den Ausweg erfunden hat, die Kontrakte in 

Preise tritt somit zwischen den J. 324 und 341 Gold, das immer wertbestandig blieb, zu machen. 

ein; die I. vor 314 n. Chr. ist mit der Reichs- Die IJrsache wird wohl der hohe Wert der Ein- 

inflation unter GaUien und seinen Nachfolgern heiten des Goldgeldes gewesen sein. Diese Schwie- 

Pauly-Wissowa-KroU Suppl. VI 5 



181 Inflation Inflation 132 

rigkeit wurde erst dnrch das Einfuhren des ab- herrschende Naturalwirtschaft herbeigefiihrt hat- 

strakten ErnhQits-^iSQanov = 1/24 Solidus in der ten, halt gegen die Zeugnisse der Papyri nicbt 

spateren Halfto des 4. Jhdts. gehoben. Spaterhin stand. Auch deuten einschlagige Stellen der christ- 

begegnet bei alien Abmaehungen die Goldrech- lichen Literatur des 4. Jhdts. auf keine Umwal- 

nxing beinahe ansschliefiliehi isn den Uirkunden. Da- zungen des Wirtschaftslebens (M i c k w i t z 154). 
mit war aber dieMoglichkeit, dnrch weiiterel. einen tJber die sozialen Folgen der I. sind wir 

absehbaren Gewinn zu erzielen, erheblich geschma- auf Spekulation angewiesen. Wie schon hervor- 

lert nnd die I. horen seitdem in Agypten anf. gehoben, scheiden bei metallischer Wahrnng die 

Vor dem Aufkonunen der Keratienrechnnng Inhaiber des baren Geldes meistens aus den Reihen 
war in Agypten, wer sich gegen das I.-Risiko 10 der Gesehadigten ans. Da weiter die I. den regel- 

sioherstellen wollte, auf Abma^hung in Waren maBigen Verlauf der Dinge am starksten bei 

angewiesen; denn das stabile iSlilbergeld Diocle- Kiedittransaktionen storen, der Kredit aber im 

tians und seiner Nachfolger seheint in diesem Altertum verhaltnismaBig sehwach ausgebildet 

Lande nie gewohniich geworden zu sein. Es ist war, z. B. StaatsaMeihen und andere Obligationen 

deswegen nicht tiberraschend, dafi die Zusammen- nicht liblich waren, werden im allgemeinen d'urch 

stellung der Angaben iiber Anleihen eine erhohte die I. keine sozialen Umwalzungen entstanden 

Bedeutung des Naturalkredits wahrend der I. auf- sein. Dazu trug natiirlich die Haufigkeit der 

zeigt. Dabei kommen Warengattungen vor, die Vermogensanlage in Giitern, der geringe Kapital- 

sonst selten in den Schuldscheinen gefunden wer- bedarf der Industrie und die relative Seltenheit 
den, wie Arax, Phakos und Linokalame. Wer sieh 20 langfristiger Anleihen bei. Ein Gegenstiick zu 

nicht durch Feststellung der Anleihe in natura der Enteignung des Mittelstandes durch die I. 

sichern woUte, gab sein Geld nur fur kurze Zeit Nachkriegseuropas wird demnach im Altertum 

her; in den moisten Darlehensurkunden des nicht vorgekommen sein, obwohl die Hohe der I. 

friihen 4. Jhdts. ist die Dauer der Anleihe nur der spatromischen Zeit einen Vergleieh mit den 

einige Monate. Auch versuchte man sich durch modernen gut aushalt. Die alteren I., die mit 

genaue Feststellung der Geldsorte, in der die Ausnahme der ptolemaischen und romischen 

Riickzahlung erfolgen soUte, gegen Verluste zu Kupferinfliationen kaum je 100 ^/o iiberschritten, 

schtitzen. Ob die spatere Gewohnheit, die Dauer werden nicht einmal einzelne Leute voUstandig 

von dem Willen des Darlehensgebers abhangig zu ruiniert haben und stehen hinter anderen Be- 
machen, urspriinglich eine MaBnahme zur Neu- 30 drohungen des personlichen Wohlstandes weit zu- 

tralisierung der I.-Gefahr war, laBt sich nicht rtick. Auch die starken romischen I. des 3. Jhdts. 

entscheiden. Seit den vierziger Jahren des 4. Jhdts. v. Chr. werden bei den damaligen primitiven ' 

dominiert das Gold bei den Anleihen. Wirtschaffcsformen verhaltnismaBig geringe Be- 

Naturalpacht war immer in Agypten bei Saat- deutung gehabt haben. 
land liblich; es ist deswegen keineswegs liber- Die auch bei modernen I. stark geschadigte 

raschend, zu sehen, daB diese "Obung in den I.- Klasse der Sitaatsangestellten wird aber wahr- 

Jahren auch auf Heu- und Flachsland ubertragen scheinlich auch im Altertum unter den am schwer- 

wurde. Wo Geldpacht noch vorkam, wurde gem sten Betroffenen gewesen sein. Es liegt namlich 

die Pachtsumme im voraus genommen. im Wesen der I., daB der Staat zusatzliehes Geld 
Dagegen zeigen die Mietvertrage keine MaB- 40 schafEt, um aiuBerordentliehe Ausgaben zu decken, 

regeln zum Schutz gegen I., weder in Form von nicht aber um die Beamtenlohne zu steigern, in 

Vorauszahlung noch Naturalzahlung. Ebenfalls welchem Falle die ganze MaBnahme ein Sehlag 

lassen die Dienstvertrage keine Beeinflussung ins Wasser ware. Eine Senkung der Reallohne 

durch die I. erkennen. der Staatsdiener ist demnach eine regelmaBig 

Bei dem kreditlosen Verkehr waren Yorsichts- wiederkehrende Begleiterscheinung der I. Ein 

maBnahmen viel weniger notig als bei den Kre- Beispiel liefert das ptolemaische Agypten, wo 

dittransaktionen. Nur wenn jemand verschlech- nach der I. der Jahre um 170 v. Chr. die Weizen- 

tertes Geld empfing, vor dem die VergroBerung artabe den Soldaten nach dem alten Kurs adariert 

der Geldmenge ein der Verschlechterung entspre- wurde, obwohl der Marktpreis 4 — 5mal gestiegen 
chendes AusmaB erhalten hatte, konnte Verlust 50 war (H e i c h e 1 h e i m 32). DaB Entsprechendes 

an dem zu Hause aufbewahrten Geld entstehen. in der Romerzeit begegnete, konnen wir bis auf 

Denn das alte gute Geld behielt natiirlich unab- weiteres nicht belegen. Wir kennen nur die Sold- 

hangig von aEen Verschlechterungen als Edel- betrage des Militars bis auf Caracalla, und diese 

metaUquantum seinen Wert (falls es nicht von scheinen mit der Entwertung des Geldes Schritt 

Hause aus Kreditgeld war). Bei Erhohungen des gehalten oder diese sogar liberholt zu haben. Es 

Nennwerts der Stlicke, wie >sie im 4. Jhdt. liblich ist jedenfalls verlockend, in dem Verlangen der 

wurden, wurde wiederum die Kaufkraft des ein- Staatsdiener nach von den I. unabhangiger Loh- 

zelnen Stuckes eher vergroBert als verringert. Es nung die Ursache der auffaUenden Naturlohne 

ist deswegen natiirlich, daB wir in den Urkunden, des 4. Jhdts. zu sehen. 

die dem kreditlosen Verkehr gelten, keine Spur 60 Ebenfalls wird sieherlich ein Zusammenhang 
der I. finden. zwischen den I. der Kaiserzeit und den Natural- 
Da die direkten Folgen der heftigen I. in steuern des 4. Jhdts. n. Chr. bestehen. Diese 
Agypten keinen starkeren EinfluB auf die For- schadigten im Laufe der Zeit die Staatskasse be- 
men des Gesehaftslebens bekamen, konnen wir trachtlich. Es ist namlich deutlich, daB man nur 
den SchluB Ziehen, daB die gleichzeitigen bedeu- zaudemd die Steuern in Proportion zur Preis- 
tend geringeren I. des Reichs noch weniger in steigerung erhohte, und daB die Erhohungen als 
dieser Hinsicht bedeuteten. Die landlaufige Ungerechtigkeit aufgefaBt wurden. Das geht aus 
Theorie, nach der im romischen Reich die I. eine Cass. Dio KXXVII 9 (Boiss. Ill 381) hervor, wo 



133 lonnaria lulia 134 

iiber Caracallais Geldauspresisxingon (u. a. die Er- nebm dem Bustricius (Bd. Ill S. 1077) an. MM 

hohung der Maniunissionssteuer), die teilweise welchem Flusse von heute d'er I. zn identifizieren 

wohl die Aufgabe batten, den dnrch die Geld- ist, laBt sich nieht sagen. [Max Flii'ss.] 

entwertung infolge der Miinzverschlechtemng Isamnus, ein FluB bei Dyrrhachiuna. Sein 

seines Vaters entstandenen Fehlbetrag der Stlenem illyrischer Name (Krahe Indogenn. Bibl. III. Abt. 

zu ersetzen, geklagt wird. 7. Heft 27. 57. 89), den er vom Kastell Idanfum 

In Agypten wurden noch 276 n. Chr. gewisse (s. d.) fiihrt, ist uns nur aus Vib. Seqnest. 149 

Steuem in derselben Hohe wie im 1. nnd 2. Jhidt. Riese bekannt. [Max Flnss.] 

gezahlt (Wilcken Chrest. I 251, 293), wah- Istris f^or^<?) wird nnr im Periplus des Scyl. 

rend dagegen die Biersteuer im Anfang des 10 c. 21 neben iden Gruppen der "HXeKrQidsg nnd 

3. Jbdts. erhoht wurde (Pap. Oxy. 1433). Die MevxoQidsg als eine ider grofieren Inseln bezeich- 

Einzelheiten dieser von IS e e c k IJntergang^ 11 net, die an dem zn seiner Zeit von Libnrnern be- 

225f. iibertrieben geschilderten Umstande sowie wohnten .Kiistenstriche der Adria gelegen sind. 

ihre Folgen sind aber nnl>ekannt. [Mckwitz.] Die GroBenangabe, die er von ihr macht (Lange 

lonnaria, ein nnr auf der Tab. Pent. VI 2 310, Breite 120'Stadien) ermoglicht ihre Identi- 

genannter Ort in Dalmatien an der StraBe Salona fiziemng mit der heutigen Insel Cherso con 

-^Servitium zwischen Sarute nnd Baridno, 13 rom. Ossero (Mtillerz. St. Alacevic Bull. Dalm. 

Meilen von ersterem, 14 von letzterem entfemt. XXVI, 1903, 199f.); nber Ansgrabungen aus dem 

Die eigemtiimliche Angabe der Tab. Pent. VI 2, Altertume idaselbst vgl. Benndorf Arch, epigr. 
tiber dem Namen Baridno, der sich anf einen 20 Mitt. IV 73ff. Vgl. Krahe Indogerm. Bibl. 

Hauserkomplex bezieht, lonnaria XIV zu verzeich- III. Abt. 7. Heft 27. [Max Fluss.] 

nen, erklart Ho ernes iS.-Ber. Akad. Wien. IC, S. 2268, 14 zum Art. Istros: 

1881, 929 damit, daB er in I. die erste Station 1 a) Istrus insula (lotQog tj vfjoog) wird all- 

auf einem bei Livno, einer durch Miinzfunde unki ein im Chron. Pasch. I 238 ed. M o m m s e n 

Inschriften gesicherten romischen Siedlung, in Chron. man. als der Ort bezeichnet, wo der Caesar 

der Tab. Pent, infolge Platzmangels ausgefalle- Constantius Gallus im J. 355 (irrtumlich, vgl. 

nen Seitenwege sieht. Tomaschek Bd. Ill S e e c k Herm. XLI 499, 4, richtig im November 

S. 17 halt aber auch die Beziehung beideriNamen oder Dezember 354, vgl. S e e c k 499) enthauptet 

auf den erwahnten Hauserkomplex fiir moglieh; worden ist (Bd. IV S. 1074. 1099; vgl. Seeck 
I. konnte ,idie am Felsranide hervorbrechende 30 Gesch. d. IJnterganges d. ant. Welt IV 133. 

Schlundquelle bezeichnen, die . . . jetzt slawisch Stein Gesch. d. spatrom. ReichesI220). Gegen- 

Bystrica heiBt*. Nach Krahe Indogerm. Bibl. uber Mommsenis Chron. min. Ill (Index) 665 

III. Abt. 7. Heft 26 ist der Name des Ortes Identij&zierung von I. mit Flanona, das allge- 

zweifellos iUyrisch (Verbindung des Grundelemen- meln als Statte der Hinrichtung des Constantius 

tes ion mit dem in iUyrischen Ortsnamen haufi- Gallus genannt wird (Bd. VI S. 2504) spricht 

gen Ausgang -aria S. 59. 89). Cons La prov. der Wortlaut der Stelle im Chron. Pasch.: FdX- 

Rom. de Dalmatie 234 identifiziert I. mit dem log vnb Kcovatavrlvov tov Avyovorov sv ^laxQq> 

heutigen Vagany, Pichler Austr. Eom. 154 rfj vrjoco dvTjQs^, da selbst die Annahme Flano- 

mit dem heutigen Livno, Miller Itin. Horn. nas als Inselstadt kaum die gewahlte Ausdrucks- 
478 mit Glovica, in dessen Nahe sich romische 40 weise rechtfertigen konnte; meines Eraohtens 

Reste gefunden halben. [Max Fluss.] wollte der Verfasser des Chron. Pasch. gar nicht 

S. 2032, 19 zum Art. Ira: einen bestimmten Ort fiir das Ereignis nennen, 

4) Der Geogr. Rav. IV 19 S. 218, 17 Pind. sondern ganz aUgemein Istrien, das er falschlich 

fiihrt ihn unter dto plurima flumina Pannoniens als Insel bezeichnete. [Max Fluss.] 



Zum zehnten Bande. 

^ S. 909, 32 zum Art. lulius (lulia): nnd Miinzen ebenso wie bei den Autoren konunt 

552 a) lulia, die Tochter des Kaisers Titus. allein der Name lulia (IwXla) vor; nur auf der 

1 Quellen a) Inschriften: GIL III Weiheimschrif t vom Halikarnasisots heifit sie lovXla 
«13 524 = D e s a 8906 Celda. V 4313 = D e s s. Hafieiva. Den Titel Augusta (Hepaon^) fiihrt sie 

266 Brixia VI 941 2059 = D e s s. 5033 Act. schon m Lebzeiten ihares Vaters, zum erstenMale 

Arv 2065*= Dess. 5034 Act. Arv. IX 1153 im J. 81 (Deisa 5033). tJber die verschiedimen 

Aeclanum. 2588 Tearventum. X 1632 PuteoM. Munzfegenden vgl. Kahrstedt Klio X 2981 

Haussoullier BuU. hell. IV 1880, 396 Hali- Th. S c h u Lz Stud: z. Gesch. u. Kultur d. Altert. 

carnassoa Suppl. Epigr. Gr. II 697 Pamphylien. XIH 4, 34. Kornemann Doppelpnnaipat und 
C a g n a t IGR m 573 Pinaris. 60 Reichsteilung im; Imp. Rom. 67 sieht m der Ver- 

b) Munzen: Eckhel VI 365ff. Cohen leihung dieses Titels an I. einen Beweis fur das 

P 464ff Mat tingly Coins of the Rom. Em- Streben der Plavier, ein Familienregimeait zu 

pire n 247. 278f. 313. 350f. 353. 402f. 405f. begrtinden; dais geschlossene Auftreten der fla- 

c)AntikeLiteraitur. Cass. Dio LXVII visehen Familie in den Vota der Arvalbriider- 

3, 2 4, 2. Philo^r. v. ApoU. 7, 7. Plin. epist. schaft (Desa 5033. 5034) gibt seiner Ansaeht 

IV 11, 6 luven. sat. II 32. Martial. VI 3, 6. IX recht (Mo mm sen Si-R. W 825, 4). 

1, 7. Suet. Tit. 4. 5; Domit. 17. 22. 3. Leben. I. war die Tochter des Titus 

2 Namen und Titulatur. Auf Inschriften (Suet. Dom. 17, ohne Nemnung desNamens Suiet. 



135 Mia Mia 136 

Tit. 4. 5; Dom. 2,2, nach PiMlo*. v, ApoU. 1,1 nand Bd. VI S. 2615; Ansatz fiir das J. 89 als 

eine der Tochter; von den beiden Ansichten auBerster Zeitpunkt seines Tod^s unrichti^), da 

Groags, Bd. Ill S. 1307 Nr. 8, die in einer In- sie naeh den Worten Suet. Dom. 22 max patre 

schrift vom ager Praestinus [OIL XIV 2830= ac viro orbatam bald nach dem Tode des Titus 

D e s s. 995] genannte Flama Sahina T. f(ilia) anzusetzen ist und keineswegs eine zeitliche Be- 

Sabini als Tochter -des Stadtpraefecten Flavins ziehung zwischen idem Tode 'dJeiS' Flavins S'abinus 

Sabinus [Bd. VI S. 2611 Nr. 166] oder auf Grund und der I. dureh 'die Quellen begrlindet erscheint. 

von Philostr. v. ApoU. 7, 7 als die Tochter des Sicherlich war Domitias Ehebruch (Suet. 

Kaisers Titus anzusprechen, verdient meines Er- Dom. 3. 13. Cass. Dio LXVII 7, 1. Zonar. XI 19. 
achtens die erstere <deii Vorzug) unid seiner zwei- 10 Aurel. Vict, de Caes. 11, 11; epit. 11, 7. Schol, 

ten Gemahlin Marcia; Fumilla (Suet. Tit. 4; vgl. luven. VI 87) fiir iden Kaiser 'eocwtinschter An- 

0. Bd. XIV S. 1606). Wir kennen wohl den Tag, lafi, sie zu verbannen. Von den beiden Zeit- 
aber nicht das Jahr ihrer Geburt. Da die Hoch- raumen, die, aus dem Fehlen ihres Nameii>s in 
zeit ihrer Eltern vor die Bekleidung der Quae- Inschriften und auf Mtinzen zu schlieBen, hierfiir 
stur durch ihren Vater (Stiet. Tit. 4), also ins in Betracht kommen i(Ende 82 — 84, Endei 87 
J. 63 n. Chr. f allt (W e y n a n d Bd. VI S. 2698), bis Anfang 89), geben v. A r n i m Herm. XXXIV 
kommt als Geburtsjahr frtihestens das J. 64 in 372 und Stein Bd. VS. 1515 (neben den von 
Betracht (nach Bernoulli Rom. Ikonogr. II v. A r n i m angefiibrten Griinden auch Domi- 
2, 43 bald nach dem J. 58); mit dem Tage ihrer tians Verkngen nach anderen Nachkommen in- 
Geburt fiel spater der der Eroberungi Jerusalems 20 folge des Todes seineis Sohnes in den ersten Re- 
durch Titus zusammen (Suet. Tit. 5 Titus cepit gierungsjahren) mit Recht dem erstem den Vor- 
ea (sc. Hieroisolyma) natali Hliae suae). Da Titus zug. Nun machte Domitian aus den Beziehun- 
fruhzeitig Marcia Furnilla verstieB, wuchs I. gen zu seiner Nichte kein Hehl (Suet. Dom. 22 
mutterlos auf; eineai Ersatz fand sie in ihrer mox patre ac viro orbatam ardentissime palamque 
nutrix Phyllis (Suet. Dom. 17). dilexit, Cass. Dio LXVII 3,2 anaQaHalvnxotsQov) 

I. war anfangs als Gemahlin Domitians in und behandelte sie (hg ya^sxfj (Cass. Dio LXVII 

Aussioht genommen; doch er woUte ursprtinglich 3, 2). Ihr nunmehr ma^gebemdeir EinfluB auf 

von ihr nichts wissen (Suet. Dom. 22 fratris Domitian zeigte sich darin, da6 auf ihre Ver- 

Hliam adhuc virginem oblatam in matrimonium anlassung sein bisheriger Vertrauensmann Ur- 

sibi cum devinctus Domitiae nuptiis pertinaeis- 30 sus, der wegen einer zu freimiitigen AuBerung 

sime reeusasset). Sie heiratete non multo post Tiber den Chattenkrieg beim Kaisetr in Ungnade 

(Suet. Dom. 22) einen ihrer Verwandten, den gefallen war und fiir sein Leben bangen muBte, 

nachmaligen Consul ordinarius des J. 82 n. Chr. mit dem Consulate ausgezeichnet wurde (Cass. 

Flavins Sabinus (Philostr. 7, 7; vgl. Bd. VI Dio LXVII 4, 2. v. Arnim Herm. XXXIV 372f.). 

S. 2615). Unmitfcelbar darauf scheint Domitian 4. Tod. Trotz aller Liebe zu I. ist Domitian 

Zuneigung zu ihr gefafit (Suet. Dom. 22 vivo nicht frei von Schuld an ihrem Todie: da sie 

etiam tum Tito) und sie zu ehebrecheriischem namlich auf Grunid eines Ehebruches keine Kiq- 

Umgange miBbraucht zu haben. Wenn sich auch der haben wollte, bewirkte sie eine Friihgeburt, 

in den Quellen keine unmittelbare Zeitangabe an deren Folgen sie zugrunde ging: Plin. epist. 

fiir diesen am Leben der I. wichtigen Wendepunkt 40 IV 11, 6 vidua (ohne Nennung des Namens) 

findet, so erlaubt doch 'die Darstellung, die Stie- aboriu periit. Suet. Dom. 22 causa mortis . . . 

ton gibt, mit einiger Bestimmtheit die Fest- coactae conceptum a se abigere. luven. II 32f. 

setzung in die J. 80 — 81, da die Hochzeit Do- quum tot abortivis fecundam lulia vulvam sot- 

mitiiams mit Domitia in die Zeit 70 — 72 gehort veret et patruo similes eff under et off as; voii 

(deal Inzest Domitians mit seiner Nichte erwahnt Schol. luven. 32f . irrtiimlich auf Kaiser Claudius 

allerdings ohne Namensniennung Plin. epist. IV bezogen (G s e 1 1 Essad sur le regne de Tempeareur 

11, 6; vgl. panegyr. 52. 63). Flavins Sabinus Domitien 84f. Hoehler Jahrb. f. Philol. 

stand! den Beziehungen Domitians zu I. hinder- Suppl. XXIII 3977). Der Zeitpunkt ihres Todes 

lich im Wege. Die Beseitigung dieses Mannies laBt sich aus den Quellen nur annahernd er- 

erfolgte also nicht aUein aus dem Grunde, daB 50 schlieBen. Da I. in den Vota der Arvalbriider 

der Kaiser schon vor seiner Thronbesteigung in am 3. Janner 87, nicht aber mehr am 3. Janner 90 

ihm einen gefahrlichen Rdvaien erkannt hatte erwahnt wird (CIL VI 2065. 2067) und im 

(Suet. Dom. 10 quod eum comitiorum eonsula- 15. Consulatsjahre Domitians (90/91) und in 

rium die destinatum perperam praeco non con- einem Gedichte Martials VI 3, 6, das im Somme^ 

sulem ad populum sed imperatorem pronuntias- oder Herbst 90 veroffentlicht worden ist (Pried- 

set; ebd. 12 generum fratris indigne ferens. Dio lander Martial-Ausg. 57), bereits diva genannt 

Chrys. or. XIII 1 dvdQog ov tzovtjqov, tcbv ds wird, so fallt ihr Tod wajhrscheinlich in die Zeit 

tors svdaifA,6vcov re koI aQxovtcov [darunter ist zwischen 87 und 90. Um diese Zeit kam auch 

nach V. Arnim Lebm und Werke des Dio 230 Domitiaais Vorsohnung mit seiner rechtmaBigen 

der Kaiser Domitian zu verstehen] syyvtata ov- 60 Gemahlin angeblich auf Bitte des Volkes zu- 

xog oder wenig spater dia z^v sxslvcov [d. h. Tft>i^ stande (Cass. Dio LXVII 3, 2. Zonar. XI 19); 

tots €v8aifA,6va)v ts nal aQxovtoyv] olKsiotrjta Tcal fur den Ansatz dieses Ereignisses in das J. 89 

^vyyheiav), sondem wahrscheinlich auch aus spricht die Tatsache, daB Martial in dem vorhin 

dem Verlangen Domitians, sich dem Vearkehr mit genannten Gedichte der Erwartung nach Geburt 

1. umgehindert hingeben zu konnen. Die Hinirich- eines Prinzeni fiir das J. 90 Ausdruck gibt und 
tung des Flavins Sabinus erfolgte spatestens im daBDomitiasRiickkehrandenKaiserhof jedenfaUs 
J. 82 (zuletzt V. Arnim Herm. XXXV 130; durch den Wunseh des Kaisers nach einem Erben 
vgl. auch Schmid Bd. V S. 852; vgl. Wey- beschleunigt worden ist. I.s Tod muB infolge- 



137 lulianum Kappadokia 138 

dessen unmittelbar zuvor (nach Weynand Bd. VI KaivocpQovQiov {Kaivov cpQovQiovy Caeno- 

S. 2573 vielleicht schon im J. 88) erfolgt sein. frurium)^ Ortlichkeit in Thrakien, wo der Kaiser 

Die Konsekration der I. wird durch Mtinzen Aurelianus sein gewaltsames Ende fand. Lact. 

aus dem J. 90 (M a 1 1 i n g 1 y nr. 458. 463) de mort. pers. 6, 2. Yit. Anrelian. 35, 5. Wei- 

und den J. 92^ — ^94 (Mattingly nr. 471 — tere Belegstellen s. im Thes. 1. 1. [v. Geisau.] 
473), Inschriften (CIL III 13524. X 1632) und KaUvdoia, Stadt der thrakischen BottiTir} 

Martial VI 13. IX 1, 7 bestatigt; sie erfolgte vor nahe bei Olynthos IG IV 94 lb 13 (mit Kom- 

VeroffentMchung des sechsten Buches der Epi- mentar); IG I 2 90; Ptolem. Ill 12, 33. 
gramme de® Martial (naeh F r i e d 1 a n d e r 57 [v. Hiller.] 

Sommer oder Herbst 90), da der Diehter sie VI 13 10 KaXoiTcZvoi, Nur Polyb. V 108, 8 iiberliefert 

bereits als diva ansprieht. Fiir den Kult d=er den Namen dieses Volksstammes in Illyrien. 

verge ttsrtemi I. finden wir einen Beleg in der In- K{)nig Pbilipp V. von Makedonien eroberte eine 

schrift CILIX 1153, aus)derwir Oan^na ?. /fi^iaj seiner Ortschaften Bantia (Bd, II S. 2848 

Longina als sacerdos flam(inica) div[ae] luliae Nr. 1). Meines Eracbtens recbtfertigt der Wort- 

Piae [A]u[g(ustae)] kennenlernen. Die Asche der laut der Polybios-Stelle {^IXcjtjtog .... Kaxela- 

I. wurde wahrscheinlich anfanglich im auguste- ^txo hi xy\g iilv AaooaQi^ndog Kqscoviov Tiot Fs- 

ischen Mausoleum beigesetzt; nacbdem Domitian QOvvta, tcov de jzsqi xtjv Avxvidlav U/nvrjv 'Eyxs- 

den Palast des Flavius Sabinus zur Grabstatte Xdvag KeQana, Harlcova, Botovg, xrjg bs KaXoi- 

seiner Familie bestimmt hatte, wurde I.s Asche kIvwv xwQag Bavxlav) die Annahme Toma- 
irn J. 95 dahin iibertragen und auch Domitians 20 s c b e k s Bd. II S. 2848 Nr. 1 nicht, sie 4^^ 

Asche (nach seiner ursprtinglichen Bestattung Gebiete der illyrisch-makedonischen Landschaft 

auf seiner Besitzung an der latinischen StraBe) Dassaretis' zu suchen. Der Name des Volks- 

von der treuen Dienerin Phyllis heimlich hier- stammes erinnert auf f alien d an den auf der Tab. 

her gebracht und mit der Asche der I. vermischt Pent. VI 3 genannten Partus Galouitanus bei 

(Suet. Dom. 17. Jordan-Huelsen Topogr. Salona (nach Miller Itin. Eom. 960 jetzt Ca- 

IIP 426). nale di Castelli; vgl. Krahe Indogerm. Bibl. 

4. Aufiere'S. Da keine der Biisten, die auf III. Abt. 7. Heft 89) und ist zweifellos illyrisch 

I. bezogen werden (Naheres bei Bernoulli (Krahe 18. 45. 89.110); wahrscheinlich haben 

Rom. Ikonogr. 441), mit Sicherheit ihr zuzuwei- auch die C. wie nahezu alle Stamme der illy- 
sen ist, lernen wir ihr Aussehen nur aus den 30 rischen VOlkergruppe im Laufe der Zeit grOBere 

Mtinzen kennen; doch infolge der Verschieden- Wanderungen vollzogen. Kiepert POA XVI 

heit der Typen konnen wir kein einwandfreies sucht das Gebiet der C. siidlich des Sees von 

BUd von ihr entwerf en. Bernoulli 44 ninmit Lychnidus bei Pelium und laBt es bis an den 

mit Recht an, nur ihre ausgesproehene Schonheit Apsus reichen, den er in ihr em Lande entspringen 

erklare Domitians Leidenschaft fiir sie; Martials laBt. [Max Fluss.] 

(VII 13) tibersichwengliches Lob gelte nicht ihr, S. 1799, 32 zum Art. Kalypso: 

sondern einer ihrer plastischen Darstellungen, 3) Die K. von Marissa, s. Lamer ZDPV 1931, 

auf der sie als Venus mit Amor erscheint. Bringt 59—67; auf S. 60, 1 ist alle bis 1931 darliber 

der Aquamarin des Euodus im Cabinett der Me- erschienene Literatur verzeichnet. Diese K. ken- 
dailies zu Pairis (C h a b o u i 1 1 e t nr. 2089) I.s 40 nen wir aus einem Graffito in dem Grabe des 

Kopf, wofiir Ihnlichkoiten der Haartraeht spre- ApoUophanes in Marissa in Palastina. Sie scheint 

chen, dann hatte sie eine gewolbte, zurlick- eine gebildete Griechin gewesen zu sein, aber mit 

liegende Stirne, eine gerade Nase, und die Haar- lockerem Lebenswandel. Vielleicht ist K. hier Lie- 

tracht, die am die der Frauen des iulisch-elau- bes- und Deckname. [H. Lamer.] 

dischen Hauses erinnert, zeigt vome schneeken- Kamasarye, Frau des Konigs Pairisades III. 

formig gekrauselte Locken, hinten geflochtenes von Bosporos, macht eine Stiftung an den Apol- 

Haar. [Max Flusis.] Ion von Didyma unter dem dritten Gott nach 

luliaimm nennt nur der Geogx. Rav. IV 16 Menodoros, der nach Eehm S.-Ber. Akad. Mllnch. 

S. 210, 11 Piaid. als Station an der StraBe Salona 1923, 8. Abh., 19 ins J. 178/77 fallt. Ein del- 
— Novae — ^Narona in Dalmatien zwischen Novas 50 phisches Dekret ftir das KOnigspaar setzte H o- 

und Tilurion an der Stelle, wo das Itin. Ant. molle vor 160 (Bull. hell. XXIII 1899, 96). Vgl. 

338 und die Tab. Pent. VI 3 die Station Bilubdo Haus soul Her Milet et Didymes 212. Mehr 

(Bd. Ill S. 472) verzeichnet. [Max Fluss.] s. P a i r i s a d e s. [v. Hiller.] 

S. 1106, 26 zum Art. Junius: Kaiiiiavia (Ethn. 'Kaixiiavol)^ Steph. Byz. Ein 

183 a) lunius Soranus [Ovviog HcoQavog). Den Teil Thesprotiens, spater Kestritis genannt. Siehe 

Namen dieses Statthalters der romischen Provinz den Art. K e s t r i a Nr. 3 und Kestrinos Bd. 

Scythia minor, im J. 372 n. Chr. kennen wir XI S. 358f. Lolling Hell. Landesk. 156. 
nur aus der Heiligenlegende des Sabas (Anal. [v. Geisau.] 

Bolland. XXXI 221); diese beriohtet von ihm, S. 1917, 10 zum Art. Kappadokia: 

daB er, auf Grund einos auf das J. 371 datierten 60 Sprache und alteste Geschichte. 

Schreibens des Basilius d. Gr. an ihn, verlaBlichen Die altesten Dokumente des Landes isind die sog. 

Mannern den Auftrag erteilt babe, die Leiche des ,kappadokisehen Tontafeln'; sie enthalten alt- 

Sabas, der bei den Goten dureh Ertranken im assyrische Rechtsurkunden, Geschiiftsbriefe und 

Flusse Museus den Martyrertod im J. 372 erlitten Verwandtes und stammen aus dem Ende des 

hatte (Genaues darliber bei Patsch S.-Ber. 3. Jahrt. (Zeit des Vizekonigs Sargon). Aus 

Akad. Wien. phil.-bist. CI. 208. Bd. 2. Abh. 57), diesen Dokumenten ersehen wir zunachst, daB 

SK xov ^aQ^aQiKov eig xijv Tco/^avlav zu bringen, die Staats- und Rechtsspraehe akkadisch war. Es 

was auch geschehen ist. [Max Fluss.] hat demnach K. in jener Zeit zum groBassyriseben 



139 Kappadokia Karische Sprache 140 

Reich gehort, worauf auch die Namen der GroB- Tenuis wechseln, wie Varianten derselben Namen 

kaufleute und die Bezeiehnungen der Behorden zeigen (vgl. Ki-kar-sa-an : Ki-ga-ar-sa-an). An 

hinweisen. In den Privaturkunden ,sind die Ein- Suffixen ist dentlich -umna als Ethnikon zu er- 

heimischen meist unter isich, die ISfprache ist da- kennen, vgl. Dunumna ,der ans der (in spateren 

her manchmal etwas holprig; auBerdem geistatten hethitischen Quellen genannten) Stadt Du-un-na' 

dieEN(=Eigennamen; ON = Ortsnamen) einen (vgl. Tvwa kataonische Stadt); Agali-urmn ,dei 

RiickschluB auf die Spraehe der Bevolkerung: sie aus (dem lydischen) AKeXrjg'; garsumnuman ,der 

tragen deutlich ein ,kleinasiatisehes* Geprage. Vor aus Charsumna' (d. i. ,die am kilikiscben PluBe 

allem finden wir kkinasiatische Lallnamen. Zwar KaQoog gelegene Stadt'). Dieses iSuffix kommt 
kommen aueh in Assyrian einige Kosenamen wie 10 spater aueh im Hethitischen vor und ist nach 

Bada und Tutu vor, aber immerhin konnen wir Ausweis von Aixxaf^vog ,die auf dem (kretisohen) 

die kappadokisehen Namen wie Dada, Budu, Kiki, Berge AIkt?] waehsende* Pflanze mediterran 

Nana, Lulu dn den .spateren kleinasiatischen EN (agaiseh). — Noch hedeutsamer sind die vorkom- 

wiederfinden, die doher nicht semitisch sind, da menden Ortsnamen; zwar sind sie haufig (durch 

der EinfluB der .semitischen Sprachen auf Klein- Suffixersatz) an das Assyrische angeglichen* aber 

asien auBerst gering ist. Zn den angefiihrten trotzdem lassen sie, mit den hethitischen Schrei- 

Namen YgLAadag m. phrygiseh, karisch; Aovdovg bungen zusammenigehaiten, erkennen, daB damals 

f. phrygiseh; Tovdovg f. kilikisch; Tovdco f. my- schon die ON mit dem n^f-Suffix vorkommien, was 

sisch; Z«;,;o? m. pisidiisch; Navag m. und f.; AoXr) gut zur Annahme paBt, daB dieses SfufJSx proto- 
f .^ lykaonisch. Ein zweiter Typus von Lallnamen 20 chattischen Urspunges ist. Als Beispiele seien 

sind die Eeduplikativa von Zweisilbern, wie sie angefuhrt Burushatim (hethitiseh Barsuhandas, 

fur das P r 1 c h a 1 1 i 9 c h e und Palaische Barsuhanta), Kuburnad (hethitiseh Kabburnanta), 

charakteristisch isind. In den kappadokisehen Andererseits kommen ON mit dem s-Suffix nicht 

Tontefeln sind dieser Art zu finden: Qada-gada, vor, weil idiese Namensbildung den Luwiern zu- 

Kulma-kulma,Kula-kula,Wala-wala und vielleicht zuschreiben ist, die erst um 1900 in Kleinasien 

Bu-u-i-du-u-i. Da diese Art der Reduplikation auftauchen. Dazu paBt, daB die bemalte Keramik 

eine grammatische Funktion gehabt haben dtirfte, dieser Zeit (Pundort Klil Tepe) vor- und unhe- 

ist sie in den spateren kleinasiatischen EN nur thitisch ist, wenn aueh ihre sonstige Einordnung 

ganz selten erhalten (abgesehen davon, daB in Sohwierigkeiten macht. Von den Assyrern wurde 
spaterer Zeit aueh Bildungen wie Baba zu Ba 30 das (Samsi-Adad, dem Ersten) tributpflichtige 

vereinfaeht werden); wir finden daher nur die Land (vom Taurus bis zum Halys) mdtum elitum 

einfaehen Namensstamme, vgl. Kadag m. iisau- ,obereiS Land' bezeichnet. Ebendenselben Namen 

risch; KvXXag m. phrygiseh, TovXag m. isaurisch; trug es in der hethitischen Zeit, denn KUR.UGU 

Ovalag m. isaurisch; Tviog m. lydisch; ein drit- der hethitischen Texte (,Oberland') muB akkadisch 

ter Typus an reduplikativen B'ildungen ist Gal- mdtum elitum gelesen werden. Der Name K. 

gala, garharon; vgl. dazu KaXXcov m. pisidisch; hingegen ist erst in den Achaimenideninsehriften 

FagyaQov ON. Die PN sind haufig zusammen- zu finden (altpersisch und elamiseh katpatuka, 

gesetzt; eine schone Zahl der Namensstamme akkadisch LANB katpatukka), wahrend die klas- 

findet sich in den kleinasiatischen EN wieder, sischen Autoren bis zu einem gewissen Grad an 
vgl. Axuelga {A^cov lyMscher FluB); ^sw^an 40 die alte Tl'adition ankntipfen, wenn fur sie der 

(Aooacov m. lydiisch); Bnasru, Variante Enisru Halys als Grenze der aVca !4.a/a gilt. — Literatur: 

(Evag f. lykisch usw., Uveig pisidisch); Balhaxia Lewy OLZ XXVI 533ff. Landsberger ZA. 

(nslKiGig m. barisoh 5. Jhdt.); Bulida-nahsu N. F. I 192ff. Lewy ZA. N. F. II 19ff. Gotze 

(BovXidag rhodischesiDemotikon) ; Bamsku (Boqco- Z A. N. F. VI 260ff . Die politisch-historische 

^ig pisidisch); Bumana (TofjLvog m. lykaonisch, Landesbeschreibung (mit Karten) bei Forrer 

TvfA,vr)g m. karisch 6. Jhdt.); Qani (Kavig m. ki- Forschungen I (Berl. 1926) 6ff. Sommer Die 

likiseh); gabatali (Xa§xa%ag m. lydisch); Eurwta Ahhijawaurkunden (Munch. 1932). S. Art. Klein- 

(KoQvdcov m. lydisch, XcoQbrjg m. pisidisch) ; asiatischeU r spraehe n. Hrozny Arch. 

^anwaa (Xvava f. lykisch); Kidar [KibQa-iAoag Orientd,lnl IV 112. [W. Brandenstein.] 

m. pisidisch usw., Ki'&aQig m. isaurisch); Sadahsu 50 KdotQiov {KaiQiovl)^ Kastell in Etrurien, von 

(2'a5a?m. isaiurisch); Talia (TalXmg m. kilikisch); den ROmern in den Samniterkriegen im J. 306 

Wadduan (Atvavag m. lydisch); Tarhunu (Tag- besetzt. Diod. XX 44. Sonst unbekannt. Es wird 

xcov), Interesssant sind aueh die EN Budhalia eins der Kastelle von Volsinii sein, da Liv. IX 

und Jf ac?ai(?ac?a, die 'spater als hethitischeKonigs. 41 zu dem genannten Jahre berichtet: Volsi- 

namen auftauchen (Tuthalias und Maduwattas). mensium castella aliquot vi cepit. [v. Geisau.] 
Besonders haufig ist das Namenselement -ahsu, Karische Spraehe. tJbersicht: A. Antike 

manchmal mit sar (Variante sara) erweitert, z. B. Zeugnisse. § 1. Lautlehre. § 2. Wortschatz. 

ffistahsu: Igistahsusar; vgl. dazu E^a-fivrjg Vater § 3. Wortbildung. B. Die epichorischen Quellen. 

des Tliales, A^a§cog f. pisidisch, und vielleicht § 4. Das Alphabet. § 5. Einheimische Namens- 
Axon karischer FluB. (Es darf vielleicht mit 60 stamme und ihre Bildung. § 6. Zur Interpre- 

dom protochattischen washuw gleichgesetzt wer- tation der Inschriften. § 7. Karische Orte in 

den, das in Ova^a-fioag kilikisch ,Gottmut' ent- hethitischen Quellen. 

halten iist). Die Beziehiingen dieses Elemente-s § 1. Noch zu Cicero s Zeit (orat. 25. 27. 57) 

zu nahsu (meist als zweites Glied, aber aueh ein- war der Tonfall karischer, phrygischer und my- 

mal Nahsu-sara) sind vorlaufig unklar, vgl. jeden- sischer Rede derselbe, d. h. vokalreich, wie das 

falls Ovava^og m. lykaonisch und lykisch nr. 116 bekannte Phrygische. Sie glich einem eanfus 

kelijdnakssa. Fiir den kleinasiatischen Charakter ohseurior und hatte etwas Klagendes (Eustath. 

dieser Namen ist bezeichnend, daB Media und Dion. 791 d-Qfivrjuxog), besai^ also wohl musika- 



141 Karische Sprache Karische Sprache 142 

lischen Wortakzent, wobei dunkle Vokale vor- 'AxQaiog Beiname des Zeas (vgl. den tyrrhenischen 

wiegend gewesen sein dlirf ten. Dahin weist wohl GN aker) ; 

auch die bekannte Nachahmung der barbarischen aXa ,Pferd' ; 

Bprechweise bei Aristopb. ^aodiwav (Vok.), aAa/Sa- ,Pferdestair ? (-wa ist kleinasiat. Suffix, 

laovav (Akk.), noQavva (statt ^coqtjv); denn nur das nach Ausweis des Lykischen feste Bauten 

das Karische verwendet sowohl im Inlaut als ausdriickt); 

auch in der Endung den Diphthong au auffal- 'AXafiavda ,Ort, reich an Pferdestallen' (kleinasiat. 

lend haufig; vgl. z. B. die EN (ON = Ortsname, -(a)nda = ,versehen mit, reich an'; vgl. For- 

PN = Personenname, GN = Gottesname ; unent- r e r Eeallex. I 150 ; Kretschmer Glotta 

behrliche Sammlung und Behandlung bei Sund-10 XXI 252); 

wall Klio Beiheft XI) "AQiavog-, "AKxavaooig: ^aXa ,Feld*?wegen Kcooto^aXov, der Name eines 

!4?i;T(»aaatg; epichorisch — o^^o = -t5?;?. Den Vokal- Feldes (vgl. KaotaPaXa kilikisch ON); 

reichtum des Karischen zeigen z.B. die EN, auch ^avba ,Sieg'; 

wenn sie in griechischem Gewand erscheinen, z. B. ysla ,K()nig' ; 

Yoocoirjg (m., 5. Jhdt.); sie zeigen aber gleich- yiooa , Stein'; 

zeitig ein weitgehendes orthographisches Schwan- yXovg ,Eauber' vgl. K?^ovg m. (kilikisch 2. Jhdt.) 

ken, was darin liegt, daB sich die Zeugnisse tiber tdr) ,Wald'; 

einen Zeitraum von beinahe einem Jahrtausend lf^fiQa/j,og, 1/^^Qaoog ,Hermes', vgl. Ifz^aQr/Xdog 

erstrecken. In dieser Zeit haben sich einige (m., 400), vom ON ^l(A,pQog\ 

karische, aber auch einige griechische Laute gQ- 20 KaKxd^rj ,Hengst'; 

wandelt, so daB es geboten ist, bei den vorchrist- KavvcoKog Beiname des Zeus; 

lichen Zeugnissen das Jahrhundert anzugeben, Ttamd'rj ein MaB; 

aus dem der Name stammt. — Das karische a na^a ^loopog''^ wegen Teaganohcg', vgl. Benve- 

war dunkel, vgl. Kgrjooco: Gressa; Exato^vag niste EHA I (1931) 52f. ; 

(m. lyk.): Enaxofjivcog (4. Jhdt.). Es besaB ferner KofAvgog, Kcofj,vQog Beiname des Zeus; 

ein sehr offenes e, welches bald mit a bald mit KvfAagia, Kv/ucoQta Beiname des Zeus und ON; 

s wiedergegeben wurde, vgl. AaQ^rjvog : AsQ/LiTjvog nvf^ivdig ein Raabvogel, xaXxlg, vgl. 

(Beiname); TJXaiovooa : EXsovooa (Insel); MaXia: Kv/unoosvg Beiname des ApoUon; 

MsXla (ON). Auf diese Eigenart wird ja auch KoXcoXdog ,Kampfer des Gottes Kol'; vgl. lu- 

der ionische Lautwandel ~ a> rj zurtickgefiihrt. 30 wisch^hethitisch (GN) flulas; 

Das Schwanken zwischen s und i mag — ange- xoXoooog ,Figur, dvdQidg'', 

sichts des geschlossenen griechischen € — nur Kxovp-coXbog m., 5. Jhdt. ,Kampfer der Vernich- 

orthographischen Hintergrund haben, well, wie tung' vgl. lykisch Tcthha- ,Yernichtung' (vgl. 

im Lykischen, das einheimische i mit dem ehe- Meriggi Kl. F, I 435); 

maligen E-Zeichen ausgedriickt wurde; vgl. :^v^ba ein Gewicht; 

IbvfAag \ EbviA,og (m.). Ferner muB das Karische Z?;Tj^-f/l?y|a«?m.,5.Jhdt.„derdieVernichtungliebt'; 

einen hellen E-Vokal gehabt haben; vgl. AaQ^rj- Kwg ,Schaf; Gefangnis, SchloBhof; 

vog : AaiQ^rjvog (Beiname); Hagavoog und Ugav- Aa^Qavba ,an Mauern reiche (Ortlichkeit)^; vgl. 

oog (ON); Ifx^Qaooig und ifxfiaQaooig (m., 5. Jhdt.). lydisch laprisa ,Mauerwerk'; 

Da die ,Barbaren' die griechische Aspirata nicht 40 Xd^Qvg, Doppelaxt' ; 

aussprechen konnten (Kretschmer Glotta XII Acov-dagyevg Beiname des Zeus; vgl. den klein- 

181), andererseits ihre Tenuis von der griech- asiatischen GN TarJcu; 

ischen erheblich abwich, ergibt sich ein Schwan- Mdo(a)aQig ,Dionysos*; 

ken zwischen Tenuis und Aspirata, vgl. Xaoxai Ndgaoog Beiname des Zeus; 

ON und Eaoxatog Demotikon. Hingegen muB ein Ncvsvdtog Beiname des Zeus von Nivorj ; 

Lautwandel der karischen Tenuis zur Media an- oaiog ,himmlisch'; 

genommen werden, da YXiaxrjg (m., 4. Jhdt.) oooycoa ,Zr]vouiooscdcdv\ d. h. wohl, der des Him- 

in spaterer Zeit OvXtadrjg lautet. (Letzteres Bei- mels und des Meeres'; 

spiel zeigt iibrigens auch, daB das Karische den navdf^aQog,navrjf^sQog 01^ mid Bemame des Zens; 

ionisch-attischen Lautwandel «*> -w n i c h t mit- 50 77a^«(j;,;(y? m., 5. Jhdt. = ,der Vorwarts'; vgl. 

gemacht hat). Auf eine scharfe Aussprache weist hethitisch -shha, das substantiviert. 

der Wechsel zwischen s und ss (da das Epicho- IlaQa-voacoXdog ,I)auerspeerkampfer', wegen hethi- 

rische keine Doppelschreibung kennt); vgl. laoog tisch para ,vor, weiterhin' (Kretschmer KZ 

und laoaog (ON). Eine weitere Eigenttimlichkeit LVII 254); d&,zvL IlaQcov (4. Jhdt.) m. ,Immer- 

zeigt der Wechsel zwischen U und Id, vgl. Mavo- zu' ? ; 

GcoXXog : MavooooXdog. Diese Eigenart hat sich UaQEix^oQdsvg Beiname des Zeus, Demot., vgl. o. 

in den siidlichen Sporaden bis heute erhalten, l(A,pQaf^og\ 

vgl. aXbog = aXXog (Kretschmer KZ LVII 255). i7«A5«-p^«m^-,ApollonschwesterS Name der Artemis; 

Ein mouilliertes I ist wegen der Schreibung i7i}6aoa ,die im Schwarzen gelegene' (sciL Stadt)? 

^vXecov usw. (in Kos) anzunehmen. QO Uridaoog ,Eappe'?; 

§ 2. Vermutlich karisch bzw. einer alteren Ilrjyaoa ,die im WeiBen gelegene* (soil. Stadt); 

Schichte angehOrend, sind folgende WCrter, Glos- Ilrjyaoog ,Schimmel'; 

sen usw. (vgl. insbes. Hirt Die Indogermanen Ilriyog ,weiB' (Malt en Glotta XVII 262); 

II 575): UoXefjiaQiog Beiname des Zeus; 

Anxa-va-ooig (4. Jhdt.), AngehOriger der Aktaiden- Prjf^^rjvodog Titel des Zeus ; 

familie' ; 2afj,covog m. (400) ^TiQod'Vixog'' ; vgl. kleinasiatisch 

ATixa-vaa-oiXXog (400) ,Speerkampfer des (Gottes) sa- ^tzqo', wegen od/LivXig = utQonoXig; welters 

Akta'; muwa = d'v^og (Priedrich Kl.F. I 359ff.); 



143 Karische Sprache Karische Sprache 144 

UaoKCjg m., 4. Jhdt. ,Vordermann' ; (^ ]jo ttt (TI r-H hH I j.^ 

laQ'vaocoXXog m., 6. Jhdt. ,der mit dem Speer -^^ vr ' " -^ 

aufwarts kampft*; vgl. hethitisch sara, ,auf- ^ te V | ^/ • • • • ^"^ 

warts*; ^ ^. ^^v _ _ 

iKiqixig ,Zw(5lfstadt*; T *^ AA W W ' ' * ^^ 

S::S; KTv ;i • • • to cDooeo sr 

ra^ff ,grofi*; < C pe ( Y mu)? 

ravGag ,GrdBeS vgl. lydisch tavsas, Beiname des 1_ '^^ 

ApoUon; 10 X le )C 1 r ^^ 

rovoovhi jZwerge*; ^-7 /• ox n n 

T^^na ,^^ai^5offS vgl. Tv^ro^ ON; V i^aQa?) jj U ja 

-ivfAviooog ,Rute, ScMferstab* ; /v re 14-1 M-* se 

vofoo? ,Spie6, Speer'; /^ iTl i^ 

^^^^^^^^^^i"^^^^ (Kretschmer KZ H. Aus einem westlichen Alphabete stammen : 

LVII 254, 2); A K A \ I 

og-, ogug- ,Meer', s. o. Vooycba; vgl. "'Qyriv, Ar^O^A * • • ^ N/^M'M " 

"X^yvyo?; "'Qyavog — 'Qnsavog; 'Qyvyrjg = iZo- . . , , on /-s r^ 

aetScai; (Kretschmer WZKM XXXIII 14). Q D " * '^ (== ^^^ U ^ ^ 

§ 3. Die erst am Ende der mykenisclien Zeit von 20 r • /" n ^ O a 

den Inseln (Lemnos usw.) her einwandernden Ka- Ln V^ ^ Y 

rer tiberschichteten die Leleger, so dafi viele EN A d R^P^^^G--r 

Sprachgutdieser (oder noch alterer?) seindtirften. "" irriTx 

Daranf weisen einige Bigenarten hin, die sich Efe ^^z * * ^ /^WAA/ A\ o^ ^ 

auch im librigen Kleinasien finden. Das Deute- CTlSyv^l'^^l^ "T 

prafix a- hat seinen altesten Bezug im (Proto-) r r /^ l^'^l"!^ 1 

chattischen (Kr et schm er Glotta XXI 86) ; in Ka- -p j z V Y Y 1/ u 

rien: %d'VfjL§Qa, am Flusse Ovfi^gog gelegen (vgl. -J — L ^l/i 

bei Homer &vfj,pQr] [Ebene] am 6v[A,§Qiog). Das ^ (^ t ^Hv P 

Suffix 'Ss- driickt die ZugehOrigkeit aus und er- 30 ^k ^ a * w xy 

scheint bei ON meist in der Form -aG(o)a oder ^^^A •••! N/TYYH^V*^ 

-aafcyjo?; vgl. Aoaaa ,die (Stadt) des 06ag^\ Ovaaoog 

,die (Stadt) des Vag', 'Adrjoaog ,die (Stadt) der III. Unklarer Herkunft sind: 

lAda(g/. Bei Personennamen hat es meist die /l. fl tt IX Di Pk p. vfri ivrl ^ — ^ 

Form -ao(a)ig, vgl. Oaaoaooig (5. Jhdt.) ,der znm q" ^ ^ tT t^ U • • • e, vgi. lya. ^i - . 

Orte Ovaaoog GehOrige'; auch die bekannten Snf- nVL/ LU wa? 

^xe 'li und -nd- finden sich in Karien (vgl. dazu ' 

Kretschmer 76ff.): IlioivdriXig (m., 5. Jhdt.) \A ^'^ . . wu; vgl. pamph. \/\ = w 

,der aus dem Orte Hlaivda Stammende*. Merk- 

wiirdig ist, da6 bei karischen Inselnamen das 40 IV. Grazisierend, d. h. ionische Streuzeichen 

Suffix -ussa vorwiegt, vgl. Cisserussa, Candy- sind: 

lussa, TevtXovaoa. Wichtig ist auch das genea- p ^ ^ ^ 

logische Suffix -wo (griech. geschrieben), vgl. • 

IAqisi^wv m. ,Spro6 der Artemis', 'Exdtcov ,Spro6 l^ \1 <J/ ^ 

der Hekate'. Auf verschliffenere Bedeutung weist Jv XI x 

IldQwv Jmmerzu' hin. | ^ , sonst Worttrenner. 

§ 4. Die — meist linkslaufigen — Inschriften 

sind vorwiegend Graffiti der karischen Soldner V. Ligaturen sind: 

in Agypten (Psammetich!), enthalten daher (p G a-hwo 
sehr unregelmaBige und wechselnde Buchstaben- ^0^ ' • 

formen. Die Texte (auch in Majuskel) sind yC\/\ mi-f-wu 

bei Friedrich Kleinasiat. Sprachdenkmaler 

90ff. zu finden (daselbst weitere Literatur). — Gegeniiber der auf Bork beruhenden Urn- 
Das Alphabet war urspriinglich die kyprische schrift Friedrich s mufi der Lautwert folgender 
Silbenschrift, auf die ein griechisches Alphabet Zeichen erwiesen werden: f) muB ein JE-Laut 
aufgepfropft worden ist. Letzteres ist dadurch sein, da ein griechisches Graffito aus Abydos das 
charakterisiert, dafi das Psizeichen den Lautwert erste s von ev&dde und das rj von fiX'&e durch •£> 
des Chi gehabt hat, wie bisher in alien epi- ausdriickt (Kretschmer Einleitung 381); 
chorischen Alphabeten Kleinasiens (H a m m a r - aufierdem zeigt epich. nr. 23 als Abschlufi das 
str6mStudiaOrientaliaII186ff. lehntdas ,rote*60Wort TVXf) ,Heir; nun wechselt £) mit 9, 
Alphabet als Grundlage ab); welters kommen in dieses aber mit a, daher mufi 9 als offenes a 
den Texten grazisierend vereinzelte Zeichen eines bestimmt werden. E ist, wie im Lykischen, fast 
— spateren — ionischen Alphabetes (Rhodos ein i; 4^ ist keine Aspirita, sondern palatal, da 
usw.) vor. Die Herkunft zweier Zeichen ist nicht es auch flir kj steht. X tann unmOglich h sein, 
sicher bestimmbar. well dafiir das Heta zur Verfugung gestanden 
I. Aus der kyprischen Schrift (vgl. Collitz ware; auch aus dem Lautwert eh kann es nicht 
Dial.-lnschriften 1, Schrifttafel) stammen: hervorgegangen sein, da das griechische Zeichen 

dafiir schon vergeben war. In gewisser Analogie 



145 Karische Sprache Katharsis 146 

zum Lydischen sei es als p bestimmt, da wir (vgl. lykisch ntmi f., nr. 143); ijmiwe (20); 

sonst keine Labialen hatteD. Zum Beweise obiger emiwu-h (61) ; -j9, vgl. kan-ope-p (37) (= Kavi^- 

Auf stellungen seien f olgende Schreibvarianten ^lov ? ON) : kuox-wope (44) ; -Jan vgl. Ijaleka : 

angeftihrt: kl-e-k-u-d-wo (m., 13a); k-a-hu-d-wo Ijalekd-jan-wo (37). Da in nr. 37 jedem EN ein 

(13 b); m-a-k-ja-se (m., 2 a): m-d-k-a-se (m., 2 b); solcber Name auf -janfolgt, scheint dieses Suffix 

n-e-p-wo (m., 29) : n-e-n-u-k (m., 55). — Die laut- die StammeszngehOrigkeit anszudriicken, worauf 

lichen Eigenttimlichkeiten, die § 1 aus den grie- insbesondere der Lelegername hinweist. Merk- 

chisch gescbriebenen EN abgeleitet werden konn- wiirdig ist auch nr. 66 jaunalka sad noeivo 

ten, bestatigen sich z. T. epichorisch. Falatales I mgdoswo rowonwo ak rowur ,zusammen mit den 
zeigen die EN l-ja-le-k-d (55; 37) = AsXsy eg X^lomQxn als Soldner ist N. (Sobn) des Mageus, 

(EinzaM A'|; daber nicht hethitisch Lulahes des Rowon hierher gekommen* o. a. Hier scheint 

trotz Hrozny Archiv Orientalny I 339, sondern -I ein Pluralzeicben (woven auch sonst Spuren 

^e ist protocbattischesPluralprafix); einenB-Vokal in Kleinasien sind), -ka aber ein Kommitativ- 

zeigt das Verbum r-p-r-u-s (34) ; daB er hell ist, suffix zu sein. Die Yerbalform roivur (3. Pf . Sing.) 

zeigt ro-re-u-l'iv-wo (m., 41; sprich -rju-) gegen- zeigt die gleiche Bildung wie rsaws ,hat begra- 

iiber der Schreibung ra-w-ro-l-e-o-n (m., 40; ben' (s. o.), rprus (34) und formale Verwandt- 

sprich -Ijon). Ein Scbwanken zwischen e und i schaft mit Ises (25); letzteres ist ein Plural, da 

findet sich in i-mi-wo (m., 49): e-mi-wu-K mehrere Personen aufgezahlt werden, die durch 

(m., 61). ra ,und* miteinander verbunden sind. Auch llwdsj 

§ 5. Yon den in § 3 festgestellten Suffixen 20 (38) scheint in diese Reihe zu gehOren, ebenso 

finden wir -ase in den EN makjase (2 a): Maywg ksnsos (31), wo k allerdings noch zum vorher- 

(m., lykaon); megktvase (51): MiKvd'og (m., gehenden Worte gehoren kann; w^^^tr (27) klingt 

5. Jhdt.); dwnose (13 a) ,der aus^waf'(?j; usw. an das Verbum roivur an. — An Titeln finden 

— Da bei Doppelnamen der zweite Name meist sich sad (66 ; 4- -^^, + -a 55) ,Soldner' ? ; kja 

auf wo auslautet, liegt wohl ein patronomes Suffix ,Mann* (wenn nicht = ka ,zusammen mit*); ferner 

vor, vgl. nr. 13 kekudldwnose-wo ,K., der (Sohn) das Titelpaar slwukowo ra kotvkowe (41), vgl. 

des Eunose*. Dieses -wo scheint auch im Hethi- dazu den lydischen Titel siluka- (Caucasica X 

tischen -was vorzuliegen, das dort mit ,Sohn' 73) und das Grundwort xv^ag = oogog, also 

Equivalent ist (vgl. noch kleinasiatisch Nawag : Eriedhofsbeamter o. a, Zur Reduplikation vgl. 
Navvoag, Bafiag: Ba^oag, Eadag: Kadoag). Vm- Z^ woro-woru-smi (53), protochattisch Gottin ^<?wr^*- 

fixe finden sich anscheinend nur beim Verbum, semu\ lykisch urssm[mi] m.; krkr (54), (teil- 

vgl. r-saw-s (44, von satvo = oova ,Grab') ,hat weise anders Bork A. f. 0. VII14ff.). h - 

begraben*. — An haufiger, insbesondere im Kom- § 7. Nach Hrozny und Salac (Archiv Orien- 

positum vorkommenden Namensstammen seien talni I 323ff.) dlirften folgende karische Ortlich- 

erwahnt: nazva in nawa-wwoso (39), nwa-tuji- keiten in den hethitischen Inschriften vorkom- 

jan (37), misif-nawo-wu (58); mawa in maio- men: 'AXa^avda = Valivanda; xa "Ahvba — Ja- 

nawO'Wope (43), mawa-jain (45); mauwo (64), landa; 7 Sq tag =: Adrms;'ldvfA.a= Ultimas-, Med- 

in gdne-ivauwo (63); shwo in kmiwo-skwo (11, f^aoa=:Mutaniutassa;XsQo6vr}aog==Eursanassa. 
vgl. Gami-sares m., 4. Jhdt.), wu-skowewo (48), [W. Brandenstein.] 

vgl. dazu Sundwall Klio, Beiheft 11 s. *sMfl^, 40 KaQttZvoc, ein samnitischer Stamm, Zonar. 

bes. 2ao?ccDg, 2Jso?ccog, 2vof<cog, m., Jhdt. und VIII 7, 1 (vgl. Dion. Hal. XX 17), wahrschein- 

0. § 2 IlaQaoxcog, weiteres Sundwall Klio XI lich identisch mit den Caraceni, s. Bd. Ill 

468; -wope in matv-nawo-wope (43), dtwawe- S. 1567. [v. (jeisau.] 

wope (51), esowwope (74 vgl. Eoova-HCjojiiTjr'yjg Katharsis. In diesem Artikel soil eine sy- 

pisid.), wopew (42) usw. {vgl. jEg/^tmig m., 5. Jhdt.: stematische Ubersicht tiber die Erscheinungen ge- 

Qmg Nymphe auf Delos). geben werden, die unter die Begriffe Reinheits- 

§ 6. Die En tzifferung der karischen Inschriften vorschriften und Reinheitshau'dlungen fallen, so- 
leidetbesonders darunter, daBnur drei(odervier?) weit sie im Gebiet der antiken Religion und 
Quasibilinguen vorhanden sind, und z war agyptisch- Magie bezeugt sind, da eine solohe im Art. Ka- 
karische, namlich nr. 40, 45, 75 und vielleicht ^Od'aQ fA,6g in Bd. XI vermifit wird. Dabei ist 
51. Die klarste ist nr. 75 (Kretschmer Klein- VoUstandigkeit nur bei der systematisehen Auf- 
asiat. Forsch. I 3181f.); sie lautet zuerst agyp- zahlung der Hauptgruppen beabsichtigt, nicht 
tisch ,Horus, Horus?, laB leben*, und nach einem aber naturgemaB bei der Materialsammlung zu 
Abstand mdead, d. i. ,den I'. Daher dlirfte die den einzelnen Erscheinungen, Riten und Vor- 
Eorm mdead als Obliquus aufzufassen sein. Dann schriften. Solches wiirde ein umfangreiehes ntitz- 
ware nr. 1 meseive zu tibersetzen ,(ich bin der) liches Buch ergeben, das auch gewiB noch einmal 
des Mesewo (des Mese'iden)', vgl. lykisch 7nizu zu schreiben ist und in dem dann auch der Be- 
rn., bil. nr. 32 = Msoog. Dieselbe Endung weist griff des Siihneopfers, der in Stengels Arbei- 
auch der Obliquus des ON Kqtjooco auf, vgl. nr. ten eine nicht ganz klare RoUe spielt (s. o. Bd. XV 
13 b: do KBEIH dvnos ndkudvo e ,aus Cressa60S. 3441), genauer untersucht werden mtiBte; 
Evvovg, der Kakuaide ,bin ich'. Dal^ e ,bin ich* s. Bertholet RGG^ V 873ff. Die Literatur- 
bedeutet, geht aus der Variante 13 a hervor, in angaben und die antiken Zeugnisse habe ieh je- 
der e an anderer Stelle steht: dvnos e kekudwo weils so eingerichtet, daB man von ihnen aus 
^Evvovg bin ich, der Kekuaide*. — Indeklinabel sich leicht die weitere Sammlung des antiken 
scheint der Name der Gottin Ma zu sein, wie Materials beschaffen kann. 

nr. 12 zeigt: ma klekudvo ,der Ma (gedenkt) der Literatur: E. Rohde P6yche2. Wach- 

Kakuaide*. An Suffixen lassen sich noch fest- ter Reinheitsvorschriften im griech. Kult (RVV 

stellen -k, vgl. imiwo (4% ,Sohn des (der?) Imi* IX 1, 1910). Fehrle Die kultische Keusehheit 



147 Katharsis Katharsis 148 

im Altertum (RYV VI, 1910). Williger Ha- Seele von jzovrjQla und ayvoia reinigen. Es gibt also 

gios (RW XIX 1, 1922). Arbesmann Das eine K., die ein jrai^o? der Seele beseitigt, wie die 

Fasten bei den Griechen u. Romern (RW XXI Arztekunst den Korper von einem ndd-og reinigt. 

1, 1929). Eitrem Opferritus u. Voropfer der Nun treten wir von dieser PlatonsteUe ans, 

Griechen u. Romer, 1915. P. Stengel Die anstatt wie es Bern ays Zwei Abh. tiber die 

grieeh. KultnsaltertumerS 1920. Pfister Die aristotelische Theorie des Dramas (1880) tat, von, 

Rel. d. Griechen u. Romer (Jahresiber. CCXXIX, den Medizinern aus, an die aristotelisehe K. her- 

1930). Daremb. -Sagl. Art. Imstratio. S. an, freilieh in dem 'BewuBtsein, dafi diese Defi- 

auch Bd. XIII Art. Lustratio, Lustrum. nition der Tragodie, seit man sie kennt, ebenso 
tTber (die prinzipiellen Pragen babe ieh bereits 10 schadlich fiir die Literaturasthetik gowirkt hat 

in den Art. Askese, Rein, Reinigungen in RGG^ wie des Aristoteles Zeugnis tiber den Ursprung 

und in den Art. Exorzimus, Heilig im Hdwb. d. der Tragodie fiir idie Literaturgeschichte und der 

d. Ab. gehandelt. An neuem Material s. noeh be- Politiker Aristoteles fiir unsere Auffassung vom 

sonders das heilige Getsetz von Kyrene (Text jetzt antiken Staat, und daB die ungeheure auf die 

auch bei Solmisen Inscr. Gr. ad inl. dial.^ Erklarung verwendete Mtihe (vgl. Cooper- 

nr. 39; dazu lit. bei Bohringer Arch. Anz. Gudeman Bibliogr. of the Poetics of Ari- 

1929, 4011 Latte Arch. 1 Rel. XXVI [1928] stotle, 1928) sich nicht recht gelohnt hat. Wenn 

41 ff.) und die von Herzog neu besproohenen die Tragodie naeh der Ansicht des Aristoteles bt' 

heiligen 'Gresetze von Kos (Abh. Akad. Berl. elsov xal (po^ov rrjv rcoo^ roiovxcov Tta'&rjfidtcov 
1928, 6). Literatur zum einzelnen in meiner 20 ^a^w^ty^j' vollbringen soil, so handelt es sich auch 

RGR (=: Rel. d. Gr, u. R.). hier um :n;d^ xfjg ipvxfjQ, namlich um Furoht und 

Terminologisches. Zunachst seien die Mitleid, und das x^'^Qov dieser did^Qcaig sind eben 

wichtigsten Termini zmsammengestellt und dabei solehe na&rjfjiaxa^ wahrend das ^slrlov die Seele 

jeweils mindeistens auch der alteste Beleg gegeben. (des Zuschauers) ist, die von jenen befreit wird. 

Ead'alQco. II. XVI225ff.: AchiUeus nimmt Denn, so sagt Aristoteles (Polit. VIII 7, 1342a 

zur Weinspende einen Becher, der tabu war, so 11), es gibt fiir Leute, die zu Furcht und Mitleid 

dafi niemand aus ihm trinken durfte und der nur leicht neigen, eine K., wie es eine K. gibt fiir 

zu Spenden an Zeus, nicht aber an andere Gotter Leute, die zum ivd'ovoiaofyiog neigen. Die letzte- 

verwendet wurde, und reinigt ihn mit Schwefel, ren werden durch isga fisXrj geheilt und gerei- 
sodann sptilt er ihn mit Wasser aus. Das Wort 30 nigt, die ersteren, wie wir aus der PoetS er- 

;kommt zu? Bezeichnung profaner Reinigungen sehen, durch die Tragodie. DieWirkung derTra- 

iSrel "^ilomer noch ofters vor. Herodot. I 35. 43ff.: godie ist also vergleichbar der Wirkung der 

Reinigung von Mord. Herodot. I 64. Thuk. I 8. Had>(XQtL>ca ^sXrj. Furcht und Mitleid sind nd'&rj 

III 104: Reinigung der Insel Delos von den Gra- der Seele (Arist. Eth. Nik. II 4, 1105b 22), die 

bern. Herodot. IV 73: Reinigung nach dem Be- immer wieder, tso auch durch die Vorgange auf 

grabnis. der Btihne, erregt werden konnen. Aber die K. 

Ka'&aQog. Od. IV 750. XVII 48: Anzieben soU sich nicht auf ein einmaliges ndd'og beziehen, 

eines reinen Gewandes vor dem Gebet. Herodot. sondern auf die Eigenschaft, fur solehe Tidd'Ti dis- 

I 35: ov Ka'&aQog xsiQag wegen Mordschuld. poniert zu sein (nddrjiAa). Wer also etwa evKivrj- 
Aisehyl. Eum. 313. 40 tog vno (p6§oiv ist, hat die Eigenschaft der bedia, 

Kdd'aQo ig. Herodot. 1 35: Von Mord; und fiir ihn voUbringt die Tragodie eine xd^aQ- 

ebenso Plat. leg. IX 868. 872 E. oig rfjg dsdiag. Und gerade die dedia wird von 

Plato, bei dem die Worte xa'&acQco, xa^aQog, Platon als vooog rfjg ipvx'^g genannt, die durch 

ndd-aQGig, xa'&aQf^og usw. oft gebraucht werden, die K. beseitigt wird. So wie jene kathartischen 

gibt (Sophist. 226 C ff.) eine Definition der Lieder die ipvxal nad^xiKal heilen, so auch die 

,Scheidokunst* [rsxvri diaKQitiHri, didnQiotg) und Tragodie die Seelen, die leicht zum Ttd'&og von 

eine Zerlegung dieses Begriffs in seine Unter- Furcht und Mitleid neigen. Auch hier ist wie bei 

abteilungen. Die didxQioig scheidet entweder Platon die K. eine didtcQioig, durch die eine voaog 

Gleiches vom Gleichen, oder das Schlechtere vom von der Seele g^schieden wird. DaB dies im letz- 
Besseren (to x^'^Qov aTio PsXrlovog). Dieser zweit^ 50 ten Sinn eine moralische Wirkung ist, ist unbe- 

Teil der Kunst wird Ttad-oQixog genannt und er streitbar. Es handelt sich also hier um eine 

hat es entweder mit der Reinigung von Korpem homoopathische Heilung: Disposition zur Furcht 

zu tun, und zwar lebendiger und lebloser; mit wird durch Erregung der Furcht geheilt. Davon 

der K lebendiger Korper befaBt sich die xexvri spricht aber auch sonst Platon gelegentlich, so 

yvfivaoxtKr}^ welche die BaBlichkeit {aloxog), und besonders leg. VII 790 C ff., wo er zum Vergleich 

die xexvrj iaxQiari, welche die Krankheit {vooog) xa xcov KoQv§dvxoiv Idfmxa heranzieht. Die kory- 

zu entfernen hat. Oder der nad'aQiiog bezieht sich bantisch Rasenden werden durch homoopathische 

auf die Seele, und auch da handelt es sich um Mattel geheilt, namlich durch Anwendunig von 

eine Scheidekunst, um die Haxlag dq)alQsoig, die Tanz und Musik, also die stark Bewegten werden 
wieder in zwei Arten zerfaUt, in die Rechts- 60 wiederum durch eine starke Bewegung geheilt. 

pflege, die -sich gegen die novfiQia^ eine vooog Diese Raserei der Korybanten ist ein uid^og, eine 

yjvx^g, wendet, und die xsxvfj dibaoTtaXiKYj^ die (pavXrj s^ig xfjg ipvxvs, eine Furcht. Durch jene 

gegen die ayvoia, ein aloxog der Seele, sich rich- Heilmittel wird von auBen eine neue Ersohiitte- 

tet. So sind also Gynmastik, Heilkunst, Rechts- rung herangetragen und diese bezwingt die innere 

pflege und Lehrkunst Tta'&o^fxoi, von denen die Kivrjoig, die ©ine cpo^eQa xal fAavt^r] xlvrjocg ist, 

zwei ersten aloxog und vooog des Korpers, die eben eine juavia, eine vooog, und bewirkt so eine 

beiden letzten vooog und aloxog der Seele zu be- jMeeresstille des Gemuts* (yaXrjvr}v nal rjovxtav 

seitigen haben, indem die beiden letzteren die sv xfj yjvx^) und so wird anstatt der (xaviKri did- 



149 Katharsis Katharsis 150 

Seoig eine s^ig sjnqpQcov hergestellt. Und so be- TI sq iQQalv m kommt .seit Aristoph. Lys. 

wirkt auch nach Aristo teles die Tragodie durch 1130 haufig vor, ebeaso das dazu dienende Gerat 

die Erregung des ndd'og (Furcht und Mitleid) jtsQiQQavxiqQiov^ zuerst bei Herodot. I 51; vgl. 

eine K. der Seele, d. h. eine Beseitigung der na- Bolkestein Theophmstos' Charakter der 

Srjrtfi^ bMsotg. So spricht Platon noch des oftern Deisidaimonia (iiW XXI 2) 63ff. und die u. 

von einer K., wodurch eine Krankheit gelieilt iiber das WeihwassergelaB gemaehten Angaben. 

wird (vgl. Feistschr. Cimbria 1926, 55ff.), nnd so tTber die nsQiQQavtriQia trfg ayoQag s. Aischin. 

dienen aueh die diony-sischen Mysterien ad purga- I 21. 11 176 und Schol. — Weiteres bei Her- 

tionem animi (Serv. Oeoirg. I 166. II 389), so zog 21f. 
daJB die Eingeweiliten die ,Reinen' heiBen. 10 TIsq iKanv l^co. Pap. mag. Leid. XIII 36 

Kad'aQxrjg, Hippokr. de morbo s. p. 271 p. 89 Preis. tlber kathartische Raucherungen s. 

Wal. : (Adyoi rs ^al ^cad'aQtal xal dyvQtai nal oka- Bd. IAS. 284f . Auch nsQi'&vfAidco und spe- 

Cdveg, ;Soph. El. 70. Aristoph. Vosp. 1043: dXs- ziell neQt'&sioco wird gebrauoht: Menand. p. 126 

^UaKov rfjg xcoQag rffods na'd'aQtfjv. Jensen. Pint euperist. 7, 1681). Hesych. s. uisql- 

Fiir jia^oDQ fxog s. die Stellensammlung d'sicboar. nsQiHa-d'aQai, KVQicog 'd'sico. Plat. Krat. 

Bd. X S. 25131, fiir nad' aQ o log Bd. X 405 A: rj ndd'aQoig Kal ol Kad'aQ^iol koI naxa trjv 

S. 2519, wo aber nur das Epitheton von Gott- latQtKrjv tcoI Tcazd ztjv f^avxiKr^v ?eal at rdig iaxQi- 

heiten beriicksichtigt ist. Aisdiyl. Eum. 449: xoig q)aQ[jLdHoig nal at xolg iiavxindig uteQi'&siwGEig 

al/ua xad'aQoiov, das Blut, das bei der K. verwen- xs xal xd XovxQa xd iv xolg xocovxoig xal at jtsqi- 
det wird. Heroidot. I 44: Zeus Kartharsios. S. 20 QQdvostg, ndvxa sv xi xavxa bvvaix' aV, Kad'agbv 

weiter Herodot. I 35. Soph. Ant. 1143. Eurip. naQsxsiv xov dv&Qcojiov xal naxd x6 oa>fA,a nal 

Hel. 869; Here. 937; Iph. Aul. 1472; Iph. T. 1225. ^caxd xrjv 'ipvinv, 

Kd'd>aQ fxa bedeutet im Plural soviel wie 11 bq if^dooco. Menand. a. 0. : uisQi^a^d- 

K., Eurip. Iph. T. 1316. Als xdd'aQfAa wird auch xcoodv o' ai yvvalHsg sv kvkIcp Kal TieQi'd'scoad- 

der q)aQf4,aH6g bezeichnet, d. h. also als Mattel xcooav and kqovvcov xqiwv vdaxt nsQiQQav^ B^§a- 

der K., und schHeBlich wurden q)aQfA,aK6g und kcov aXag, cpaKovg. Plut. quaest. Rom. 68: nal 

Tid'&aQixa Schimpfworter; Gnomon 1929, 95f. Bei xfi ^E^dxYf onvldma iiexd xwv dXXcov Ka'&aQotcov 

Aristoph. Ach. 44 wird mit ivxog xov na'd'aQfJiaxog en^pegovoi nal nsQiixdxxovoi onvXaxlocc xovg dy- 

der innerhalb des Reinigungsopfers liegende Ge- viO[A,ov dsofytivovg, TzeQtaKvXaHcofyLov xd xoiovxo 
richtsplatz bezeiehnet, wie von amdem geweihten 30 ysvog xov xa'&aQjxov nalovvxsg, Plut. de superst. 7. 

Platzen Lukian. de sacrif. 13 sagt: xd fxev nQo- Daher szeQiixaxxQia di-e Hexe; Plut. de superst. 

yQafAfjid cpTjOi jutj TiaQievai ig xd sioco xwv nsQiQQav- 3, 166 A. Vgl. Hesych. s. djtofyidxxrig' TzsQiHad'aQ- 

xrjQicov, doxcg (A,r] xad-aQog soxi xdg xei^ag^ und xrig. Poll. VH 188: dnoiidnxQia. RohdeII406. 

wie Pollux I 8 allgemein erklart: uri 6' dv 6 Ganz ahnlich jzsq iipdo). Daher nsQiyjrjfAa 

fA,sv e'iao) TzsQtQQavxrjQioyv xonog sv&sog, leQog, na- in der Bedeutung q?aQfA.a?edg einmal von Phot. 

'd'csQCOf^svog, xa'&coGccDf^svog, dpiprjlog. Uber die 425, 3 als ocoxrjQla xal d7iolvxQo:)Gig erklart mit 

dazu gehorige TtQOQQrjoig s. u. dem Bemerken, man habe dem jahrlich ins Meer 

Wenn hier nur die wichtigsten mit K. auch gesttirzten Jiingling nachgerulen jisQiiprj(A,a ruicbv 

sprachlich zusammenhangeaiden Worter genannt ysvov^ dann aber auch in der Bedeutung Auswurf, 
sind, so soUen im folgenden diejenigen Worter 40 Abschauim, 1. Kor. 4, 13 u. o. 

zusammemgestellt werden, die \sich tiberhaupt auf t^ber den eben erwahnten nsQ lonvXa- 

Reinigungen beziehen, und die mit jisqI zusam- KiofA,dg is. noch Pint. Rom. 21. 

mengesetzt sind. Die Haufigkeit dieser Kompo- tlber neQ loxolviov, nsQiaxoivl^o) s. Bd. XI 

sita hangt damit zusammen, daB der Umgang S. 2139; tiber nsQioxiaQxog, nsQiGxia Bd. V 

und die Umwandlung bei der K. eine so groBe S. 2173. VIII S. 1280f. Eitrem 177f. 249. 

RoUe spielt, woriiber s. u. U sq ixdfA,v o fxai, Vgl die Kultgesetze von 

n EQ iKad'aiQ 0), Plat. Kritias 120 A. Ari- Kos bei Herzogl5. 17. 21. 

stot. frg. 454 (FHG II 188): nsQiKad'alQovxsg TLsqix^^^- Lucian. de sacrif. 13: o tsQevg 

sTtaoibaig^ s. o. S)uppl.-Bd. IV S. 322f. Hippokr. ... to at^a rw ^oyjuicp tieqixeo^v. 
de morb. isacr. ed. Wilam. p. 271: utBQina'&aiQwv hO IIeq K^dsw. Loician. Philop. 9: maoidlaig 

xal [xayevoiv. Theophr. Char. 16. Dio Chrys. 48, TisQicobrjoavxsg. Vielleicht gehort hierzu Hesyeh. 

17. Hesyeh. s. 7tsQiKad>aiQ0i>v, Suid. s. uieqigxI- s. nsQiaoibog* rj EynvuXiog (X)drj. 

aQxog, CoDiStit. apost. VIII 32, 11 p. 536 P: zur Hesyeh. is. neQisQEia: Kad'aQola ist verdorben 

Taufe werden nicht zugelassen ^wayo?, ejtaoidog^ und bezog sich wohl aufdenapotropaischen WoU- 

... 7isQid{A,fMLxa Tvoicov, TtsQtKa'&atQcov. Pap. mag. faden i^sQiov, s'Iqiov), also n eq is q la* Tta'&dQGia. 

VII 522 p. 24 Pr. S. noch Hesych. s. tcsqiqqe^eiv xd ijtl xolg xa^aQ- 

n EQiKa'&aQXTig. Pap, mag. XXXVI 158 Gioig 'dvsiv. 

p. 168. Hesych. s. djiof^aHxrjg* nsQiKad'aQXTjg. — UEQi^dyfAiovm eiuer Inschrift aus Bul- 

Vgl. Hesych. s. "d-sco/iaxa' xd nEQixa'&aQxriQia. garien (Seyrig Rev. hist, des rel. Ill C [1928] 

E eQiTid'&aQ (A,a kann ahnlich wie ndd'aqiia 60 275f.) bedeutet den (geweihten) Bezirk rings um 

Slihnopler (LXX Proverb. 21, 18) und Schmutz, den Altar; ebenso ist ndv&Eog uisQi^wfA^iof^dg (In- 

Auswurf (Bpiktet. HI 22, 78. 1. Kor. 4, 13) schrift aus Milet; Wiegand Abh. Akad. Berl. 

bedeuten. 1911, 63f. Pr. Jacobi Udrxsg d'sol^ Diss. Halle 

IJsQiayvUQ), Dion. Hal. VH 72, 15: xd 1930, 49) aufzufassen. In der erstgenannten In- 

lE^d xa^aQcp nsQiayvioavxEg vdaxi. Plut. soU. an. schrift bezieiht sich TisQipcbfjiiov auf den Toten- 

974 C: ol 6' lEQEig vdaxt x^<^^^«^ uzEQiayvl^ovxsg kult, ebenso oi nEQi^cbfxioi in einer Inschrift von 

savxovg. Lucian. Nek. 7: tjiEQiriyvios dadloig. Vgl. Melos (IG XII 3, 1126) und der avXdg imxi^dsiog, 

Hesych. s. iyxiXixiGXQta: nsQiayvloxQia. den Mdas zu einem nEQi^cb^iog machte povXo- 



151 Katharsis Katharsis 152 

iA,svog tPjv iavrov fA,rjzsQa anod'ewoat lelsvxrjoaoav das im GotMschen hailag heifit und zu dem hails 

(Suid. s. ehyog). gehort, womit Uliilas in seiner Bibelubersetzimg 

n sQ InvQov, ein Kultgerat ausMeta.ll, das vyti^g (Job.. 1, 23), loxvcov (Matth. 9, 12) wieder- 

als Tell des Rauchergefafies zur Aufnahme des giht, ferner aneh hailjan (d-sQanavsiv Matth. 9, 

Feuers diente (Syll.^ 996, 13), wohl aber auch 35; idod'ac Luk. 5, 17) gehort, diese Bedeutung 

als selbstandiges Oerat bei der Reinigung durch (P f i s t e r Oberdeutsche Ztschr. f . Volksk. VI, 

Feuer Verwendung fand (IG XI 2, 203 B 45. 1932,1371). Benn hailag, zu /iai? (Kraft, Tiichtig- 

219 B 53). keit) gehorig, bedeutet ursprunglicfa das Starke, 

Fiir das Lateinische sei auf cireumferre ver- das mit besonderer Kraft ErfuUte; vgl. Giin- 
wiesen, das in der Bedeutung liistrare seit Luci-lOtert Der arische Weltkonig 105. Ochs Beitr. 

lius zubelegen ist; vgl. Marx zuLucil.64S.31f. z. Gesch. d. d. Spr. u. lit. XLV (1921) 109f. 

Rein und 'Heilig. Die Beaehtung der So konntse hailag neutral aUes bezeichnen, was 
Reinheitsvorschriften und die ReiQigungshand- mit besonderer Kraft erfiillt war, das Reiae und 
lungen sind ein Teil des Kultes. In dem Art. Heilige wie das Unreine. Durch die Christiani- 
Kultus (Bd. XI) sind alle Kulthandlungen sierung hat das Wort dann iseine ursprungliche 
je nach dem Zweck, den sie verfolgen, in vier Bedeutung verloren und als ,heilig' die heutige^ 
Gruppen eingeteilt, zu denen im Art. Kult im Bedeutung erlangt. Genau ebenso steht es aber 
Hdwb. d. d. Ab. nooh eine funfte Gruppe hinzu- auch mit dycog; vgl. W. Kroll Festschr. z. Jahr- 
gefugt wurde, diejenigen Handlungen, die man- hundertfeier d. Univ. Breslau 1911, 479ff. Wil- 
tischen Zweeken dienen. Die Reinigungshandlun- 20 1 i g e r a. 0. Pfirster RGR 114ff. 'ACso'&ai 
gen gehoren der Gruppe an, die dort als apotro- bezeichnet die Seheu vor jedem Orenda, mag 
paiseh-kathartische Kulthandlungen bezeichnet di^eses nun gut oder bose sein, also die Scheu vor 
und (Bd. XI S. 2177ff.) besprochen sind. Sie dem 'Heiligen und vor dem IJnreinen, und ay tog 
haben den Zweck, die (personlichen oder unper- bedeutet ,zu scheuen*, deswegen zu seheuen, weil 
sonlichen) Krafte und Machte, fernzuhalten oder etwas mit besonderer (guter oder boser) Kraft 
zu vertreiben, wenn man sie als schadlich, bose, erftiEt ist. Wenn aycog im Sinne von jheilig*" 
ifnrein erkannt hat. Religionspsyehologisch ist auch meist die gute Kraft kennzeichnet, .so hat 
die Entstehung der magisch-religiosen K.-Hand- doch z. B. Kratinos es im Sinn von fxiaQog ge- 
lungen auf folgende Weise zu erklaren. Der ma- braucht (Bekker Aneod. I 336), navayrjg heiBt 
terdelle Schmutz und die materielle Unreinheit 30 ganz heilig, gelegentlich aber auch ganz verflucht, 
ist das primar Gegebene. Daran kniipf te sieh ein Evayrjg bedeutet ,mit einem fjulaofxa behaftet*, wird 
magisch-religioser Glaube: Die Unreinheit enthalt aber auch als svayrjg erklart u, a. m.; P'hilol. 
schadigende Krafte, ein Glaube, der sieh weiter- Woch. 1923, 358f. tJber eine ahnliche ,Doppel- 
entwickelte und noch in dem heutigen Volks- poligkeit^ im Germanischen vgl. Alfr. Wolf Die 
glauben vorhanden ist, wonach im Schmutz, im germanisehe Sippe Bil, 1930. Vollkommen deut- 
Kehrricht bose Krafte vorhanden sind, bose Gei- lich kommt aber der die bei den Pole zusamm mu- 
ster hausen; vgl. Karle Hdwb. d. d. Ab. I;V fassende Oberbegriff zum Ausdruek in dem poly- 
121 Iff. Dieser Glaube an die magische oder da- nesischen Wort Tabu, das die Eigensehaft eines 
monisohe Kraft der Unreinheit fiihrte zu dem Objekteis kennzeichnet, das liber besonders starke 
Streben nach Entfernung .dieser Unreinheit durch 40 Krafte verfiigt, vermoge deren es auf andere Ob- 
rationelle und magische Mittel, also zu Reinigun- jekte, die ohne solche Krafte sind, wirken kann 
gen. Reinigungen, auch bloJSe Waschungen mit und das im Verkehr ein besonderes Verhalten 
Wasser, sind also urspriinglich jtranszendente* dieser Objekte verlangt. Diese Kraft, die dem 
Handlungen, wobei ,transzendent' das bezeichnet, Tabu-Ob jekt zukommt, ist an sich neutral, sie 
was aufierhalb des Ich, des Subjektes, liegt und kann gut oder bose wirken, kann als rein oder 
in hoherem Grade als das Subjekt wirksam ist, unrein angeisehen werden. Diese Kraft ist iiber- 
was also transsubjektiv und kraftbegabt ist; vgl. tragbar, etwa durch Beriihren; sie ist auch erb- 
RGR 24ff. Mit solchem haben es urspriinglich lich und wird vom Yater auf den Sohn weiter- 
die Reinigungen zu tun und solche Krafte zu ent- geigeben. Die Tabu-Kraft kann dui^ch eine noch 
fernen ist ihr urspriinglicher Siinn. Erst sekun- 50 starkere Kraft gebrochen werden; unreine Krafte 
dar werden Reinigungen ein profanes Mittel, um konnen durch andere Krafte beseitigt werden. 
sich sauber zu halten, erst sekundar entwickelt Vgl. jetzt F. Rud. Lehman n Die polynesischen 
sich das profane Reinlichkeatsbedtirfnis. Und noch Tabu-Sitten 1930; dazu Oberd. Ztschr. f. Volksk. 
spater kommt es zur Ethisierung: Unreinheit ist 1932, 131ff. 
Stinde und Siinde ist Befleckung. In diesem Zusaanmenhang ist es nun erwah- 

Nun sind zwar fiir uns ,rein* imd ,unrein* nenswert, dai3 nach grieehiischem Branch ge- 

polare Begriffe, die etwas Gegensatzliches be- legentlich Dinge, die durchaus als unrein gelten, 

zeichnen. Aber bedde haben auch etwas Gemein- in HeiHgtiimer geschafft, als Weihgeschenke ge- 

sames: Das Reine und Heilige ist zu seheuen, weil stiftet oder sonstwie mit dem Heiligen in enge 
es mit guter, reiner, aber besonders starker Kraft 60 Beziehung gebracht werden. So verunreinigt Ge- 

erfuUt ist, und ebenso ist auch das Unreine zu hurt, Kranfcheit, Menstruation und Tod sowohl 

seheuen, weil es bose Kraft enthalt. So laBt sich den Mensohen, der 'damit :&u tun ihat, als auch 

fiir beide Begriffe rein und unrein ein Oberbegriff alles, was damit in Beriihrung kommt. Und nun 

bilden: mit besonderer Kraft erfiillt und deshalb brachten Wochnerinnen (Wachter 27), Kranke 

zu seheuen. Fiir diesen Begriff, der sowohl das (Wachter 43) und Madchen nach der ersten 

Reine und Heilige als auch das Unreine umschlieBt, Menstruation (Wachter 37) ihre Kleider ge- 

haben wir im Neuhochdeutschen kein Wort mehr. legentlich einer Gottheit dar und ferner haben 

Wohl aber hatte das gemein-germanische Wort, wir zahlreiche Nachrichten von Grabern, die sieh 



153 Katharsis Katharsis 154 

in Gotterheiligtumern befanden (P f i s t e r Reli- Askese, Keuschheit, Reinheit, deis Fastens usw., 

quienkult II 450ff.). Die 'dred ersten Falle wer- wodureh ein Menseh dyvSg wird, halt schwaehende 

deal, wenigstens fiir die historische Zeit, mit Recht schadliche Einfltisse fern und verleiht Kraft. So 

wohl so erklart, da6 dureh diose Darbringnng werdem die in die Mysterien Eingeweihten, die 

das Tabu der Gewander nind die in ihM&a woh- sieh der Reinigungen unterzogen haben, als die 

nende: nnreine Kraft unsohadlich geanacht werden Reinen (ooioi) bezeichnet, R o h d e I 288, 1 . 

soil. Das hatte man freilieh audi auf andere Art II 127. 

tun konnen, indem man die Oewander irgendwie !Ayvsiai unid nad'aQ fA,o l, Der Zustand 

beseitigte. Urspriinglich dachte man sieh die der Reinheit, der fiir den Menschen im Verkehr 
Kraft, die in den Oewandern wirkt, eben als 10 mit den Gottern verlangt wird, kann erreicht 

neutral, als ,heilig', eben lediglioh als stark wirk- werden durch die Abwehi drohender Beflecbun- 

sam und braohte sie deshalb dorthin, wo sieh gen und dureh das Beseitigen bereits vorhande- 

noch mehr soleher Kraft befand, m tabuierte ner Befleekungen. Diese Zweiteilung gilt sowohl 

Statten. Und ebenso steht es mit den Toten, liber fiir die romisehe Lustration (W i s s o w a 2 390) 

die ja vielfach, auch bei den Grieehen, eine dop- als auch fiir die grieehisehe K. (H e r z g Arch, 

pelte MeinufDig herrschte, die sieh auch im Kult f. Rel. X 400ff. Waehter If.). Danaeh lassen 

kundtut: Die Kraft des Toten kann den Hinter- sieh folgende Mittel und Vorsehriften feststellen: 

bliebenen niitzen und sehaden; so entsteht bei I. Prophylaktisehe Vorsehriften und Hand- 

demselben Volk ein euergetiseher und ein apotro- lungen (dyvsiai). ;Sie bezweeken die Abwehr 
paisoher Totenkult; RGR 140. 143. So herrschte 20 drohender oder moglicher Befleekungen, um den 

bald (und zwar meist) das Verbot, Tote in Heilig- Zustand der Reinheit zu erhalten. Hier sind zu 

ttimern zu bestatten, bald begrub naan sie mit unterseheiden: 

Absicht dort. Und wenn Menstruation als ver- A. VerhaltungsmaBregeln oder Reinheits- 
unreinigend gait, so laBt sieh doch der urspriing- askese, Vorsehriften iiber das eigene Verhalten, 
liehe Glaube an die neutrale Kraft, die in diesem um dadureh der Befleefcung zu entgehen. Meide- 
Zustand liegt, vnoeh an Brauehen erkennen, in vorsehriften wie etwa das Fasten, Keuschheits- 
denen zu einer magisehen Handlung ausdriieklieh vorsehriften, Reinheitsiibungen. 
eine Menstruierende verlangt wird. Das Wert aoxrjoig bedeutet tJbung, Vorberei- 
Das Heilige, dessen Wesen eben in dem Er- tung zur Erreiehiung eines als Ideal vorsehweben- 
fiilltsein mit Kraft besteht, verlangt aber von 30 den Ziels. Und zwar ist dies Ideal, zu dem eine 
demjenigen, der mit ihm verkehrt oder ibm naht, doxrioig fiihrt, in der antik^en Welt ein vierfaehes. 
eine gewisse Disposition Tind ein bestimmtes Ver- Zunaehst ist es idas Ideal des Kriegers und Athle- 
halten: er muB selbst rein sein, eine Eigenschaft, ten (Thuk. 11 39. Plat. rep. Ill 404 A), das Ideal 
die urspriinglieh mit dittliehenBegriffennichtszu des Weisen (Isokr. Bus. 22; bereits Heraklit. 
tun hat. ,'Rein* bedeutet zwar ,frei von Sehmutz*, frg. 129 Diels: iaroQirjv TJoKfjosv), dann Tugend 
aber das ist offensiehtlieh eine sekundare Bedeu- und sittliche Zueht (Xen. Kyrop. I 5, 8ff. VII 
tung. Urspriiniglieh hat ,Reui* wie ,!Heilig' die 5, 75. Ages. 10, 2), sohlieBlich die Frommigkeit 
neutrale Bedeutung ,erftillt mit Kraft*. So kommt (Isokr. Bus. 26: aoKYjoeig xfjg Saiotrjtog). Vgl. da- 
das gotisehe Wort hrains (rein) von der germa- zu Pfister Festgabe f. Deifimann, 1927, 76ff. 
nisehen Wurzel hri^ die ,sieben, sichten* bedeutet, 40 Was wir Askese nennen, wirkliehe religiose 
und zu der aueh kqIvco gehort; d. h. es bezeich- doxrjosig, treffen wir in den grieehisehen Sekten 
net das, was mit besonderer Kraft erfiiUt, von der Orphiker und Pythagoreer an. Plat. rep. X 
dem nicht damit Erfiillten (dem Profanen) zu 600 B, spricht von dem IIvd'ayoQsiog tQOTtog tov 
seheiden ist. Das entsprechende griechische Wort ^i^ov^ zu dem ja aueh Fasten und sonstige Askese 
dyvog, das wie ayiog zu a^eod'ai gehort, bedeutet gehorte (R h d e IP 163fE. Arbesmann bes. 
urspriinglich wie ay tog ,religi6se Seheu erweckenid* 103ff.). Dies hatte durehaus religiosen Sinn und 
und dient als Beiwort fiir Gotter und alleDinge, der Zweek dieses Lebens war, d^ioXovd'sZv rep d-ecp; 
die mit den Gottern in irgendeiner Beziehung vgl. Gulin Studia OrientaMa I (1925) 34ff. 
stehen. Dann aber bezeichnet es aueh die rituelle Pfister 80f . 

Reinheit des Menschen und diese Bedeutung drang 50 Wir gebrauchen das Wort Askese also in enge- 

immer mehr durch, und im Hellenismus heiBt rem Sinn als das Wort aoKrjoig, im Sinne einer 

dyvog fast durehweg rein, und zwar in aufierlich- religiosen ,leidsamen tJibung*, oder ganz aU- 

kultisehem Sinn und mit ethiseher Beziehung; gemein als eine un Dienste der Religion stehenide 

vgl. W i 1 1 i g e r a. 0. Dieser tJbergang von der tJbung, bei der eine Selbstiiberwindung entweder 

objektiven Bedeutung ,heilig' in die subjektive in korperlicher oder in geistiger Hinsicht als 

,rein* ist folgendermaBen zu erklaren (vgl. PhUol. wesentlioh erfordert und freiwillig geleistet wird. 

Woeh. 1923, 359f. Arbesmann 8ff.): Wenn VgL dazu RGG2 I 570ff. 

die urspriingliche Bedeutung von dyvog ,religiose Die Askese ist eine religiose Handlung, die wie 

Seheu erweekend* ist, so besagt dies, daB damit jede soleher Handlungen ednen Zweek hat, der 
etwas bezeichnet wird, das mit besonderer Kraft 60 zu Gott, den Gottern, der gottlichen Macht oder 

erfiillt ist. Daher werden die Gotter unid ihr Kraft in Be'ziehung steht. Dieser Zweek kann ein 

Eigentum iso genannt. HeiBt ein Menseh dyvog, vierfaeher sein und danaeh kann man 'vier Arten 

so muB jene urspriingliche Bedeutung auch hier der Askese unterseheiden: 

noch zu erkennen sein; auch Menschen, die dyvoL 1. Die apotropaiseh-kathartisehe oder Rein- 

sind, muissen dieser Kraft teilhaftig sein. Sie heitsaskese: Sie hat den Zweek, jene Maehte oder 

heiBen dyvoi, well sie sieh von Unreinheit, der Krafte, well sie bose oder unrein sind, von sieh 

Wirkung boser Damonen, femgehalten haben. fernzuhalten. Dies ist der urspriingMehe Zweek 

Das Einhalten der sog. Reinheitsvorsehriften der der Askese. Das ist diejenige Art der Askese, die 



155 Katharsis Katharsis 156 

bier allein in Betraeht kommt. Die drei andem dern auoh in der Bedentnng jB^schwoning* Yor- 

Arten sind: kommt (Orimm D. Wb. IX 2767), so heiBt 

2. Die sakramentale, enthusiastische oder ek- auch oqkoq geliegentlicsh Zauberspruch, B^ischwo- 
statisohe A>skese, die die eigene Kraft starken, rungsformel; s. Suppl.-Bd. IV S. 340. BGR 183f. 
sie mit jenen goitlichen Kraften vereinigen eoU. Es gehort zn sqkoq nnd bezeiehnet nrspriingMoh 

3. Die euergetische oder Opferaskese, die jene die Bindung; Giintert Der arisehe Weltkonig 
Krafte erfreuen soil. Die Aske'&e gilt als ein der 95. DemgemaB hat s^ogmof^og nicht durohweg 
Gottheit wohlgefalliges Opfer, die dadurch gna- apotropaisehe Bedeutnug, sondem heifit ,Be- 
dig gestimmt wird. schworung* und ward gebraueht, auch nm einen 

4. Die verdienstliehe Askese, die erst viel spa- 10 Damon herbeizurnfen. Etwa Pap. mag. I 80 
ter in der Entwicklung auftritt und ethisehen p. 6 Pr.: ov 8s avtov e^oQm^s rcpds tco oQKq», 
Charakter hat, als Bufiubung zur Tilgung der onwg aKtvrjxog oov tvyxdvcor fjieivY}\ Eine solehe 
Siinden und zur Erringung der SeUgkeit dient. Beschworung wdrd oQmofjiog (I 92 p. 8) und s^oq- 

Von den versehiedenen Arten der apotro- ?tf«a^oV (I 133 p. 10) genannt. Dagegen Pap. mag. 

paisch-kathartischen oder Beinheitsaskese kom- IV 1239 p. 114 handelt es sich bei s^oqkI^co os, 

men in der griechischen und romischen Religion 8al/Liov, um eine Damonenvertreibung, ©benso IV 

im wesentlichen nur folgende zwei vor: 3007ff. p. 170 bei Sq^clCco und oQmofxog. Der 

a) Das Fasten oder die Nahrungsaskese, d. h. Mann, der oQ?icov dvvdfisi die Damonen ver- 
die Enthaltsamkeit Yon bestimmten Nahrungs- treibt, wird k^oQmGxrjg genannt (Anth. Pal. XI 
mitteln oder Getranken zu gewissen Zeiten oder 20 427. Act. ap. 19, 13). Im heutigen Spraeh- 
fiir immer und die Einschrankung der Aufnahnae gebrauch wird <das Wort Exorzismus nur im apo- 
von Speise und Tra,nk. Danach kann man quali- tropaisehen Sinn angewandt. tTber weiteres s. 
tative und quantitative Fastenvorsehrif ten unter- Tambornino De antiquomm daemoniismo 
scheiden. Der urspriingliche Zweck des Faste^ns (RVV VII 3, 1909). Hdwb. d. d. Ab. II 1098ff. 
ist wohl der apotropaisehe. Gewisse Speisen will mit vergleichendem Material. 

man, weil von sehadigender Kraft erfuUt, immer iSelbstverstamdlieh ist die vorstehende syste- 

oder bei gewissen Ainlassen vermeiden. Das ge- matische Ordnung nicht antik, sondem modem 

samte antike Material ist besproehen von A r - und dient als heuristisches und methodisch brauoh- 

b e s m a n n. bares Hillsmittel, um eine voUstandige tTbersioht 

b) Die sexuelle Askese, die dauernde oder zeit^ 30 und gute Ordnung aller Einzelerseheinungen zu 
weilige gesohlechtliohe Enthaltung. Auch hier ist gewahrleisten, worauf es in diesem Artikel beson- 
der Zweck urspriinglich der apotropaisehe. D'enn ders ankommt. — Bei jeder Reinigungshandiung 
Beischlaf verunreinigt und so verlangt ein Ver- und Reinheitsvorsehrift ist dreierlei zu unter- 
kehr mit der Gottheit Keusehheit. Vgl. Fehrle. scheiden: 

N^ben die VerhaltungsmaBregeln tritt 1. Wer zu reinigen ist bzw. sich vor Verun- 

B. die Anwendung prophylaktischer Mattel, reinigung zu hiiten hat. Das ist das Subjekt der 

die das Unreine und bose Einflusse fem.halten Reinigung und Reinheitsvorsehrift. Es ist iden- 

soUen, wie etwa Amulette, Talismane und son- tiseh mit dem, dem die Befleckung droht oder 

stige apotropaisehe Gegenstande, ferner apotro- der bereits befleckt ist, d. h. mit dem Objekt der 
paische Hiandlungen u. dgl. Da diese Mittel auch 40 Befleckung. 

bei bereits eingetretenen Vemnreinigungen Ver- 2, Von was man sich zu reinigen oder vor was 

wendung finden, also bei den Katharmoi, so wer- man sich zu huten hat, was man abwehren oder 

den sie unten besproehen. vertreiben muB. Das ist das Objekt der Reim- 

Ist eine Verunreinigung bereits vorhanden und gung oder das Subjekt der Befleckung; denn es 

soil sie beseitigt wenden, so treten ein ist das, was verunreinigt und befleckt. 

II. die katharti'schen Vorsehriften und Hand- 3. Die Mittel, deren man sich zur Reinigung 

lungen (nad'aQ ixoi), die solehe beiseiteraumen oder zur Abwehr der Befleckung bedient, und 

oder unschadlich machen und bose Geister, die ihre Wirkung auf Subjekt und Objekt der Rei- 

bereits vorhanden sind, vertreiben. EOierbei kon- nigung. 
nen wir folgende Gmppen unterscheiden: 50 Diese drei Gesachtspunkte sind zunachst zu 

A. Vorbereitungsreinigungen: Sie werdenvor- besprechen. 

genommen mit Riicksieht auf eine magisehe oder 1. Das Subjekt der Reinigungen 

kultische 'Handlung, die dureh die Befleckung etwa und Reinheitsvorschriften. 

behindert werden konnte, und dient also der Vor- a) Zunachst ist der Befleckung ausgesetzt, hat 

bereitung ^einer solchen Handlung odler! uber- sich vor ihr zu huten und sie zu beseitigen, wenn 

haupt der Ermoglichung des Verkehrs mit beson- er befleckt ist, der einzelne Mensch. Er muB rein 

deren Machten. sein beim Gebet unid Opfer, iiberhaupt bei alien 

B. Entsuhnungsreinigungen: Allgemeine Rei- heiligen und magisehen Handlungen. Insbeson- 
nigungen und Entsiilmungen als Selbstzweck, weil dere ftir den Priester (Bd. VIII S. 1417ff.) gel- 
mit der Befleckung ein Schaden verbunden ist f iir 60 ten diese Bestimmungen, Belege bei Fehrle, 
den davon Betrofienen; Entsiihnungen von Ein- Wachter, Arbesmann. AbtDie Apologie 
zelpersonen, Stadten usw. des Apuleius (RW IV 2) 37ff, A p p e 1 De Ro- 

C. Dier Exorzismus im eigentlichen Sinn, ftir manorum precationibus (RW VH 2) 184ff. 

den es eharakteristisoh ist, daB er sich gegen b) Die Kleidung des Menschen muB rein sein, 

personliche Geister und Damonen riehtet. wenn er eine heiMge oder magische Handlung 

Das Wort k^oQTiiofxog gehort zu oQ^iog wie das vornohmen will. Daher zahlreiche Bekleidungs- 

Wort Beschworung zu Sehwur, und wie das Wort vorsehriften. Wachter 15ff. Heckenbach 

Schwur nicht nur in der Bedeutung ,Eid', son- De nuditate sacra (RVV IX 3). 



157 Katharsis Katharsis 158 

c) Die Familie und das ganze GeschleoM. Die die Verbote, einen heiligen Bezirk dureh Exkre- 
Verunreinigung ist erblich und wird vom Vater mente zu verunreinigen; Wachter 134ff. Fer- 
auf den .Sohn weitergegeben. Dahin gehort auch ner galten in manchen Kulten be'stimmte Stoffe 
der Gotterfluch, der auJ einem ganzen Geschleelit als verunreinigend, so gewis'se Metalle, die aus- 
lastet, und die antike Anschauung vom ayog geschlosen waren; Wachter 115ff. 

und vom 5a/^cor, der in einem Geschlecht durch b) Ge^schle ch tliche s: Beischlaf, Pollu- 

alle Generationen verheerend wirkt. S. Bd. XI tion, Menstruation, Geburt verunreinigen. Reini- 

S. 2117f. 2138. Latte Arch. f. E,el. XX 254ff. gungen sind notig und Fristen werden festgesetzt, 

Pf ister Fe'stschr. Cimbria (1926) 55fF. Hdwb. innerhalb deren ein so Befleckter keine heilige 
d. d. Ab. Art. Enblichkeit. 10 oder magiische Handlung vornehmen darf. Wa c h - 

d) Ebenso kann auch eine ganze S t a d t und t e r 25ff. F e h r 1 e 25ff. S a m t e r Geburt, Hoch- 
ein gauzes Volk befleckt sein und der Reini- zeit u. Tod 21ff. Rohde II 72,1. CD. Daly Der 
gung bediirftig. Auch hier ist es etwa ein Frevel, Menstruationskomplex 1928 (Materialsammlung). 
der den Zorn einer Gottheit hervorgerufen hat c) Erankheit, die urspriinglich als ver- 
und nun eine Entsuhnung notwendig macht. Oder ursacht durch bose Damonen gilt. Vgl. Od. V 
es werden ohn© be^sondere Veranlassungen 395f . : kv vovoco Kfjmi KQaxsQ' alysa Tidoxcov, 
in bestimmten Zeitraumen Entsiihnungen und brjQov xYjKo^evog, ozvysgog ds ot sxQas 8alfj,cov, 
Reinigungen vorgenommen od^r ein Orakel be- d. h. ein Damon ,brauchte ihm' (Dativ!), d. h. 
fiehlt die einmalige Reinigung wie etwa bei der bezauberte ihn; vgl. Pf ister iSchwab. Volks- 
K. von Delois (Herodot. I 64. Thnk. I 8. IV 104). 20brauehe 29ff. Perkmann Hdwb. d. d. Ab. I 
Schwe nn Die Mensohenopfer bei den Griechen 1160. Daher Reinigung nach der Krankheit, H. I 
u. Romern (RVV XV 3) 26ff. Gebhard Die 3131 Wachter 39ff.; Suppl.-Bd. IV S. 331f. 
Pharmakoi, Mtinch. 1926. Gnomon V 94fE. St en- Insbesondere die IsQa vooog als Besessenheit gait 
gel 160ff. als Werk boser Damonen; der Exorzismns als 

e) Bei Opf ertieren ist Reinheit erf order- Heilung war eine K; s. o. 

lich. Wachter 12f. WissowaRel.^ 416. d) Tod. "Qber die sich widerspreehende Vor- 

f) Das Heiligtum selbst und was dazu- stellung von der guten und bosen Kraft des Toten 
gehort muB rein sein und vor Befleckung behutet s. o. Der letzteren Vorstellung entsprach der 
werden, also auch Altar, Bild und Kultgerate. Da- Glaube, daB der Tote und alles, was mit ihm in 
her Forderung der Reinheit beim Betreten eines 30 Beriihrung kam, unrein ist. Daher K., Vorsehrif- 
HeiHgtums; WeihwassergefaBe am Eingang dtes ten iiber Fristen usw. Wachter 43ff. 
Tempels (Bd. II S. 175. 1725. IV S. 2702f. XI e) Mord. Der Morder gilt afe unrein, o^ 
S. 2179). S. Wachter 6ff. Das Baden von Kad'aQog x^^Q^^i ••' ^«'^« vo/novg rovg smxcoQtovg 
Gotterbildern muB nicht immer eine Reinigung nad'aQolov ebssxo sniKVQYjoai (Herodot. I 35). Der 
sein, es kann sich dabei auch nm anderes han- Ermordete ist nQoorQOTtaiog fiir den Morder; 
deln, s. Bd. XI S. 2179. Aischyl. Eum. 445. Antiphon Tetral. I 3, 10. 

g) Der Platz der Volksversammlung III 1, 4. 2, 8. 4, 10. Rohde I 264. 275. Wei- 
u. a., wo der TceQioxiaQxog seines Amtes waltete; teres bei Wachter 64ff. S. auch Latte 
s. oben. Bd. XVI S. 278ff. 

h) Auoh private Ortlichkeiten wie 40 f) Gewisse Nah rungs mitt el, die immer 

Haus, Hof, Herd und Stall mnBten gelegentlich oder in bestimmten Fallen zu meiden sind: 

einer religiosen oder myagisohen Reinigung unter- Wachter 76ff . Arbesmann a. 0. 

zogen werden; s. Rohde H 73. g) Gewisse Menschen, die als unrein gel- 

Vor dem Betreten einer heiligen, geweihten ten oder in bestimmten Fallen von HeiMgtumern 

Ortlichkeit wurden die Unreinen oder Nichtberech- ausgesohlossen sind, da sie das Heilige verunrei- 

tigten durch die nQOQQrioig o^qt niQoayoQevoig oA^r nigen wiirden; so gelegentlich die Fremden und 

ein sohriftliches T^Qoyga/^/^a gewamt; vgl. D 6 1 - Sklaven, in manchen Kulten anch die Frauen oder 

ger Sol isalutis2 286ff., wo noch Isokr. 4, 157 umgekehrt die Manner, Wachter 118ff. 

hinzuzufugen ist, ebenso Plat. leg. X 907 D, wo h) Moralische Unreinheit. DaB 
oHenbar auf diese Sitte angespielt wird: ngoayo- 50 ayvela als cpQoveiv ooia definiert und vom Be- 

Qevcov e^iGxaod'ai [vgl, Aristoph. Ran. 354] ndoi sucher eines Heiligtums ipvxrj ^a'&agd verlangt 

roig daepeoi XQoncov rmv avxmv slg xovg evos^eig. wird, ist eine spatere Entwicklung; s. W a c h - 

S. auch Radermacher Aristoph. Frosehe 181ff. t e r 8f . Aber ^sehr viel alter ist die Vorstellung 

J. Tolstoi nach Philol. Woeh. 1926, 258. Dazu vom ayog, die ja auch leicht auf das moralische 

auch die Frage xig xfjds vor dem Opfer; Aristoph. Gebiet ubergreifen konnte und bei der die Be- 

Pax 968 u. Schol. griffe ,Befleekung*, ,Fluch*, ,Sunde* friihzeitig sich 

2. Das Objekt der Reinigung und mischten. 

Reinheitsvorischriften. Wir konnenfol- 3. Di e Mittel der K. In Bd. XI S. 2108 

gende Komplexe von Befleckungen feststellen, und 2151f. sind die Mittel des Kultes besprochen 
d. h. also folgende Komplexe, von denen sich 60 (vgl. dazu Hdwb. d. d. Ab. V 799, 801 f.) und 

jemand fern zu halten hat, der tibermach'tigen dabei wurde gesagt, 'daB ein der Form nach glei- 

Kraften sich nahern will bzw. von deren Beein- cher Ritus den ganz versehiedenen Zwecken des 

flussung er sich zu reinigen hat: Knltes dienen kann. So konnen auch die meisten 

a) Materieller Schmutz: Also etwa der dort angegebenen Mittel apotropaiseh-kathar- 

Schmutz, der an Korper und Kleiidung sich be- tischen Zwecken dienen. leh stelle das wesent- 

findet und vor einer kultischen oder magischen liche zusammen; Material findet sich zumeist im 

Handlung abzuwaschen ist. Vgl. II. VI 266f. He- Art. Kultus; weitere Literatur in RGR 180ff. 

siod. op. et d. 725f. 336f. Hierher gehoren auch u. 302ff. 



159 Katharsis Katharsis 160 

a) Rein akustische Mttel. Etwa unartikulierte feme Schopfung der Dichter ist wie die home- 
Laute, Larmen, Briillen, Musik, um die bosen rische Kunstsprache, ersehen wir vor allem auch 
Damonen ZiU versoheuchen. aus den religiosen Erscheiniingen, die zweifellos 

b) WorteiiSpruch, (xeibet,Beschworung,Sehinip- in der Zeit des Epos lebendig vorhanden waren, 
fen, Fluchen, unflatige Worte, einzeliie Bneh- im Epos aber gar nicht oder nur nebenbei als 
staben, 'JS(psaia /^a^^ara; s. Art. Epo deSuppl.- eine geringe Rolle ispielend erwahnt werden. Pa- 
Bd. IV. zu gehort der Totenkult, der Glanbe an ein mit 

c) Korperbewiegungen: Tan^, Umgang, Hau- Kraft und BewuBtsein begabtes Weiterleben im 
chen, Blasen, Handauflegen, drohende Gebarden, Jenseits und an ©ine Wirkungsmogliohkeit der 
Fingerbewegungen. lOToten auf das Diessoits, die ohthonischen Gotter 

Besonders haujBg 'begegnet der Umgang bei und die zahlreiohen Lokalgottheiten, die kleinen 

der K. (vgl. Bd. XI S. 2162f.; dazu Knuchel Damonen unid G^spenster, tiergeistaltige Gotter 

Die Umwandlung dn Kult, Magie und Reehts- und Fetische, Zaulberei, Mystik und Orgiasmus, 

branch, Schr. d. Sohweiz. Geis. 1 Volksk. XV1919. von dem bedeutenderen Gottheiten etwa Deme- 

B e h m Bd. XIII S. 2030ff.), und deshalb ter, Dionysos, Hekate und Hestia. Und so tritt 

sind so viele kathartische Termini mit jieQi- zu- auch die Kathartik voUig zuriiek, so da6 man so- 

sammengesetzt; s. o. gar gelegentlich behauptet hat, jede Art der Ka- 

d) Der Umgang gehort teilweise in diese vierte thartik sei der homerisehen Zeit fremd (S t e n - 
Gruppe, wenn er namlich mit einem besonderen gel Opferbrauehe 28 = Herm. XLI 241). Aueh 
Objekt vorgenommen wird, das herumgetragen 20 R o h d e, der doch idas Riehtige iiber den home- 
oder herunageftihrt wird. In diese Gruppe gehort rischen Totenkult gesagt hat, wenigstens was die 
der Gebrauch orendistischer Gegenstande, dae all- Aufzeigung der ,Ruidi!mente* betrifft, ist der An- 
ein fiir sich sehon apotropaiisoh-kathartiseh wir- sioht (Ps. II 71), daB die Kathartik im Epos erst 
ken, oder die in Verbindiung mit besonderen Hand- in leichten Andeutungen sich zeige, anstatt auch 
lungen diesem Zweok dienen. Da ist vor allem bier diese ,Andeutungen* als die Hinweise auf 
der Gebrauch von Amuletten (Bd. I S. 1984ff., eine friiher wie zur Zeit des Epos bliihende Ka- 
dazu Kropatschek De amuletorum apud an- thartik zu nehmen. Das Wiohtigste sei hier zu- 
tiquos usu, Diss. Miinster 1907. Hdwb. d. d. Ab. sammengestellt. 

I 374ff.) und Talismanen und von sonstigen apo- Vor dem Gebet wusch man sich die Hande, 
tropaischen Mitteln wie WoUe und Tierfellen 30 was in spaterer Zeit kathartische Bedeutung hatte 

(Pley De lanae in antiquorum ritibus usu, RW (vgl. Appel 1841), also wohl auch in homeri- 

XI 2, 1911; Bd. XI S, 2158), Eisen, Salz, Blut, scher Zeit: B. VI 266ff., wo die Soheu, mit unge- 

Zauberstab usw. zu nennen, femer der Branch waschenen 'Handen zubeten, ausdriicklich erwalmt 

mit dem Siindenbook, woriiber Gebhard a. 0. wird; II. I 449. IX 171. XVI 230. XXIV 305f. 

und insbesondere der iGebrauch des Wassers und Od. XH 336. Vgl. Th. Beckmann Das Gebet 

Feuers und die mannigfachen Formen des Ex- bei Homer, Wiirzb. 1932, 70f. Oder man wasoht 

orzismus. sich auch ganz und zieht ein reines Gewand an, 

e) Die vorgenannten Mittel konnen bald der Od. IV 750. XVII 48. Ebenso findet eine K. des 
Prophylaxe, bald dem Vertreiben der Unreinheit ganzen HeerciS nach dem Erloschen der durch 
dienen. Lediglieh dem ersteren Zweck dienen die 40 ApoUon geisandten Pest statt, II. I 314: ol 5' aTts- 
oben besprochenen VerhaltungsmaBregeln. XvfA,alvovro Kal elg dXa Av^war' sfiaXXov. Nach dem 

Wie ein einziges Mittel je nach seinem Ge- Freiermord wird das Haus mit Feuer und Schwe- 

brauch einem jeden der oben genannten Zwecke fel, KaKcov axog, gereinigt, Od. XXII 478ff., und 

dienen kann, sei an dem Gebrauch des Wassers ebenso reinigt Achilleus den Beoher, mit dem er 

gezeigt. Der Prophylaxe dient das Weihwasser, dem Zeus eine 8pende darbringt, zuerst mit 

insofern es Boses fernhalt; es wird ferner bei Vor- Sohwef el, dann mit Wasser, II. XVI 229f. Von 

bereitungsreinigungen (Waschen vor der kulti- einer Reinigung ides Morders ist in Ilias und 

schen Handlung), bei Entstihnungen (etwa Wa- Odyssee nicht die Rede, wohl aber in der Aithio- 

schen des befledkten Gegenstandes) und beim Ex- pis, wo nach dem Proklos-Exzerpt Achilleus nach 
orzismuis (Besprengen mit Wasser gegen die Da- 50 der Totung des Thersites von Odysseus gereinigt 

monen) verwendet. Bei den eleusinischen Myste- wird. Von den mythischen Beispielen, die W a c h - 

rien gab es einen eigenen Beamten, Hesyeh. s, t e r 66 ff. anftihrt, mag wohl noeh das eine oder 

vdQavog- 6 dyviotrjg rcov TJlsvaivlcov. Bei denklei- andere auf episehe tfberlieferung auriickgehen. 

nen Mysterien, die selbst Sotisq nQOKad'aQoig xal Bei Aischylos und Hero-dot (I^ 35) ist dami die 

TiQodyvevoig rcbv ^sydXcov genannt werden (Schol. Vorstellung von der Verunreinigung des Morders 

Aiistoph. Plut. 846), wurde der xad-aQfjiog am als etwas aUgemein Bekanntes vorausgesetzt. 

Ili'sisos vollzogen, Polyain. strat. V 17. tTber Rei- Auch die versohiedenen Ansehauungen von der 

nigungen mit Wasser s. auoh R o h d e II 405f . Ursache bzw. dem Urheber der Befleckung finden 

und spezieU tiber die Waschungen vor der Hoeh- war bereits im Epos. Die Pest, von der das Heer 
zeit Stergianopulos Die Lutra, Miinchen 60 nachher gereinigt wind, war von ein^m der groBen 

1922. Kling IsQog yd/nog, Mle 1933, 4. Gotter gesanidt, von ApoUon; oder es ist ein boser 

Heckenbach o. Bd. VIII S. 2129. Geist, der einen Mann verzaubert, sodaBerkrank 

Zur Geschichte der K. DaB die Reli- wird (Od. V 396: orvysQog baifjicov)', oder es ist 

gion, wie sie uns im homerisehen Epos entgeigen- eine unpersonliohe Kraft, die befleckend wirkt (Od. 

tritt, weder mit der Volksreligion des 8. und XXII 481 : xaxd) und die entfernt werden muB. 

7. Jhdts., noeh auch mit der Religion der auf- So hat es also eine Kathartik zur Zeit des 

geklarten Kreise der damaligen Zeit identiseh ist. Epos gegeben; sie spielt kaum eine Rolle im 

sondern ebenso eine wirklichkeits- und lebens- Epos wie auoh die oben genannten religiosen Er- 



161 Kavxdcfiov Kccvhccxoto cfxoneXog 162 

seheiniingen im Epos kaum beachtet werden und Ganz allgemean sagt dann Hesiod (op. et d. 

zu seiner Zeit doeh lebendig waren. Und so 336ff.), daB man den Gottem ayv(bg nat jia'&aQwg 

miissen wir aueh das Fasten, das ebenfalls ur- opfern mtisse Tind (725f.), mit Beniitzung von 

sprtinglieh apotropaisch-kathartisehe Bedeutung II. VI 266f,, daB man den Zeus und den andem 

hatte, fiir die homerisohe Zeit in Ansprueh neh- Gottern nicht xeQolv av'mtoioiv spenden dlirfe. 

men, wenn seiner im Epos auch nur gelegentlieh S. auoh Hesiod. op. et d. 757H. und dazu Wach- 

gedaoht wird; Arbeismann 28. DaB in den ter 134. Wahrsoheinlich war die Verweigerung 

eleusinisehen Mysterien das Fasten seit alter Zeit der Reinigung des Herakles vom Monde des Iphi- 

iiblich war, lehrt uns der homerische Demeter- tos, die Neleus vomehmen soUte, von Hesiod ev 
hymnos; Arbesmann 75ff. \() KaxaXoyoig erzahlt; Sehol. Ven. A II. II 336. 

In vorhomerisohe Zeit aber kommen wir fur Anders urtedlt tiiber diese Stelle und liber das 

die Kathartik mit der Erwagung, daB der Suhne- angefiihrte Proklos-Exzerpt zur Aithiopis C a 1 - 

brauch der Pharmakoi in ahnlieher Weise in houn Class. Assoc, proceed. XVIII (1921) 96ff. 
Athen und in lonien ausgeiibt wurde, daB also Sowie dann die griechische literatur reieh- 

die nach Kleinasien auswandemden lonier diesen licher zu uns ispricht, finden wir die Kathartik 

Branch aus ihrer Heimat mit hintibernahmen. Im in voUer Blute, in den Mysterien von Eleusis war 

6, Jhdt. wurde er noch ausgeiibt, wie uns Hip- sie im Sehwange wie in den orphisehen und py- 

ponax bezeugt, in der hellenistischen Zeit ver- thagoreischen Sekten und die Eingeweihten nann- 

schwand er allmahlioh. Ein sioherer Weg femer, ten sieh ausdriieklich ,die Reinen* (R o h d e I 
die Kathartik als vorhomerisch zu erweisen, ist 20 288, 1. II 127), wahrend die Nichteingeweihten 

auch die religionsvergledchende Betrachtung. Wenn im Jenseits im Schlamm und Sohmutz leben, d. h. 

wir einmal sehen, daB andere indogermanische nicht gereinigt sind; R o h d e I 313. Auch das 

Volker wie die Inder und Perser eine solche Ka- Orakel in Delphi hat sich fruhzeitig der K., be- 

thartik kannten, und andererseits auch b^ den senders der Reinigung und Siihnung bei Mord- 

Griechen kathartische Riten in historischer Zeit fallen angenommen; Rohde I 274. Der Verfas- 

tiblich waren, wie wir sie ganz ahnMch bei vielen ser des Buches nsQl isQfjg vovoov kennt die um- 

andern Volkern sohon auf niedriger Kulturistufe herziehenden pia'&aQral so gut wie Platon, der sie 

Enden, so wird der SehLuB unausweichlich sein, uns schildert (rep. II 364 Bf.). Nach dem Bilid 

daB bereits in der mykenischen Zeit den Griecheoi eines solchen f reilich vomehimeren fjidvcig wurde 
eine K. bekannt war. 30 die Gestalt des Epimenides gesehaffen, der Athen 

So laBt sich etwa zeigen, daB der Glaube an reinigte (s. Kern o. Bd. Yl S. 173ff.) und auf 

die reinigende Kraft des Feuers noch in die alteste den man edn ,Brauchbuchlein* (xQrjOfyiol) zuriick- 

Zeit zuriickredcht, und damals also auch schon fiihrte, in dem nsQi rcov y^ovotcov Aufzeichnun- 

eine K. mit Feuer vorgenommen wurde. Im gen standen (Aristot. Rhet. IE 17, 1418 a 21), 

homerischen Demeterhymnos lesen wir (249), daB die man wie ahnMche Sammlungen in Zeiten der 

die Gottin den kleinen Demophon ins Feuer halt, Not nachschlug. Solche Sammlungen nennt z. B, 

um ihn unsterblich zu maohen. Eine ahnliche Herodot mehrere, so V 90. 93. 
Sage ward auch von AehiUeus erzahlt; ApoU. Wenn in Theophrasts Charakteren der dsiai- 

Rhod. IV 869ff. Schon <daraus diirfte man auf balfxcov bestandig in Angst vor Befleckungen lebt 
einen alten grieohisehen Branch schlieBen, daB 40 und sdeh alle erdenkliehe Mlihe gibt, sieh dureh 

man Kinder uber das Feuer hielt, um sie zu vielfache Reinigungen davon zu befreien, seine 

,reinigen*, stark und gesund zu machen. Da nun Religiositat sieh also im wesentliohen auf Be- 

eine derartige Sitte in der Tat sehr weit ver- fleckung und Reinigung bezieht, so trifft diese 

breitet ist (B e r t h o 1 d Die Unverwundbarkeit Schilderung gewiB nur auf diesen Charakter zu, 

in Sage u. Abergl, d. Griechen, RW XI 1, 1911, aber unbestreitbar ist in der Entwicklung der 

38ff. Pfister Schwab. Volksbr. 81 ff. Frazer griechischen Religion eine solche sieh stedgemde 

ApoUodorus II 31 Iff.), so dtirfen wir sie auch Angst und Scheu und eine immer haufigere An- 

zum mindesten fiir die homerische Zeit in An- wendung der ayveXai und Tia'&oQfioi in der helle- 

spruch nehmen. tJber den Ausdruck nvQi dyvl- nistischen Zeit. Soweit die orientaHschen Kulte 
Csiv IS. Willi ger 48, 1. S. auch Eurip. Her. 50 uberhaupt EinfluB auf die griechische Religion 

937; Iph. Aul 1112 {TiaMQoiov nvQ)-^ Hel. 869 hatten, haben sie diese Entwicklung gefordert. 
(xa'&aQolciy (pXoyl). Ro h de II 101, 2. [Priedrich Pfister.] 



Zum elften Bande. 

Kavxdaiov, arkadischer Berg, mythischer Sitz daB sie gezwungen waren, umzusteigen. Der Punkt, 
des Atlas, Dion. Hal. I 61, 1, gewOhnlich in Zav-60wo der Strom sieh teilt, liegt nach ihm am 

Kcbviov emendiert. [v. Geisau.] KavXiaKoXo ononeXog, Seine Lage ist unbekannt. 

KavXia>ioto andnslog wird nur bei Apoll. Ist der jiyyovQov oQog (vgl. Bd. I S. 2194) 

Rhod. IV 324 genannt (IV 323ff. amaQ eml das Eiserne Tor bei Orsowa (Partsch S.-Ber. 

tayyovQov oQog teal ancod'sv sovta \ 'AyyovQov oQsog Sachs. Akad. LXXI [1919] 5), dann ware der 

GKoneXov naQa Kavhaxoto \ ^ tcbqI oxl^cov lotQog K. ok. in einem Htigelland bei Belgrad zu suchen, 

Qoov sv&a Hal ev'&a \ fidXXsi dXog . .). Der Dichter wofiir aber jeder Beweis fehlt (Partsch 5). Wenn 

laBt die Argonauten vom Pontes die Donau auf- eine Beziehung des Namens des Z. ok. zu dem 

warts fahren und in die Adria gelangen, ohne von Hekat. bei Steph. Byz. 369 ed. Meineke ge- 

Pauly-Wissowa-Kroll Suppl. VI 6 



163 Kekryphaleia Klrjdovcov leqov 164 

nannten Volke der Kavhxol besteht, wie Patscli Keazgog ist ein Pfeil, Wurfpfeil oder Wurf- 

D. Lika in rom. Zeit 26 anzunehmen glaubt, dann spiefi der Diadochenzeit. Auf seine Beschaffenheit 

mtifite man den K. oh,, da die KavliKoi als Mvog lieBe sich zunachst nur aus der Etymologie 

>caxa tbv loviov mXnov bezeichnet werden, in die schlieBen: von >cevre(i) abstammend, hat es neben 

Nahe der Adria verlegen. Die Identifiziernng sieh ^ceoxqov Pfriem, Orabstichel nnd pesozQa 

der KavXiHoi mit den bei Plin. n. h. Ill 130 als Spit25hacke. Ksotqoi erwahnt Dion. Hal. XX 1, 8 

BevQlkerungselement Istriens genannten Plamo- in seiner anschaulichen Schilderung der Schlacht 

nienses Culici lehnt aber Partsch infolge der bei Asculum als Bewaffnung der gegen die Ele- 

Unsicherheit der Lesart des Plinius-Textes ab fanten zugerichteten Kampfwagen: sti' a?cQcov 
(anders v. Premerstein Strena Buliciana 206) ; 10 6s tcov xeQaicov t] XQiodovteg ^oav ^ xsotqoi 

sein zweiter Einwand, die ZugehOrigkeit des juaxaiQosideis tj dQsnava oXooldrjQa tj , wo- 

sinus Flanaticus zu Liburnien, zur regio X Ita- zu man 2, 4/5 die Ejampftatigkeit dieser Wagen 

liae, auf welche sicb die Stelle des Plinins be- vergleiche: naiovreg toXg ixYjxoLvaig xal tag tivq- 

zieht, ist nicht sticbhaltig, da er die Verande- cpoQovg xelQag kg tag oxpsig avrwv evxQmovxsg, 

rungen der Siedlungs- und Herrschaftsverhalt- Wahrend des Perseuskrieges warfen idie Make- 

nisse im Kiistengebiete der Adria seit dem Vor- donen solche 7i. mit einer Schleudervorrichtung, 

stofie der Kelten nach Stiden im 4. Jhtd. v. Chr. die Suid. s. TceoxQog beschreibt Ihrer gedenkt 

(Kahrstedt GGN 1927, 3ff.) nicht beriick- im Perseuskriege auch Livius XLII 65, 9f ., der die 

sichtigt. Brandis Bd. IV S. 2121 weist mit Schleuder HeoxQoocpevdovTj nennt. Infolgedessen 

Recht darauf hin, der Gedankengang Patschs20 nimmt man seit Valesius allgemein an, daB diese 

ermOgliche keineswegs die Feststellnng der Lage Nachrieht des Mvius nnd desi Snidas auf Po- 

der Stromgabelung; diese sei sicher nicht in der lybios zurtickgeht. Die Suidasstelle ist also unter 

Nahe der Kiiste zu suchen und liber die Aus- die Fragmente von Polyb. XXVII 11, p. 1163, 

dehnung des Wohnbereiches der Kavhxol gebe 7 — 19 'Hultseh eingereiht. Weder bei Livius noeh 

es keine Nachrieht. Vgl. K r a h e Indogerm. Bibl. bei Suidas erhalten wir ein ganz klares Bild vom 

III. Abt. 7. Heft 19. [Max Fluss.] WurfgeschoB und von der Wnrfvorrichtung. Vgl. 

S. 125 zum Art. Kekryphaleia: Zangemeister Eph. epigr. VI 431, Daremb.- 

Das Ethnikon lautet KenQvcpaXevg, Steph. Sagl. II 1089. In griechischen Insehriften der 

Byz. Der erwahnte Seekampf war 459 v. Chr. Zeit Hadrians gibt es xsoxQocpoQoi, neoxQOfpvla^ 

Insehriften des 5. Jhdts. von Angistra und Kyra 30 und HeoxQocpvXanelv auf gymnastischem Gebiete. 

stehen IG IV 192—194. Zum Namen vgl. Gras- fp. Lammeri] 

berger Stud, zu griech. Ortsn. 125. Fick xificoQiov {ciborium), ein sich nach unten 

Bezz. Beitr. XXII 19. [v. Geisan.] verjiingendes TrinkgefaB (Athen. XI 477 e. Herat. 

S. 136 zum Art. Eelaithra: carm. II 7, 21 u. Schol. vet.). Der Name ist 

Inschriftlich begegnet auch die Form KsXa'Sa. iibernommen von dem Fruchtgehause der agyp- 

SGDI Reg. 1756. [v. Geisau.] tischen Bohne (KoXoKaola), aus dem man in Agyp- 

S. 170, 59 zum Art. Kenchreis: ten trank und dem das ki^wqiov in der Form 

2) Gemahlin des Kinyras nach Ovid. met. X nachgebildet gewesen zu sein scheint (Athen. Ill 

435. Hyg. fab. 58. Gruppe Griech. Myth. 133. 72 a. Diod. I 34). Die bei Daremb.-Sagl. HI 1171 

[v. Geisan.] 40 vorgeschlagene Form kann noch nicht als vollig 

KeQafjieia, Ortlichkeit bei Delphoi, SGDI gesichert gelten. [v. Lorentz.] 

2536. [v. Geisau.] S. 486, 6f. zum Art. Kinyras: 

S. 285, 33 zum Art. Kerdon: 2) Ein Diener des Akastos, von Neoptolemos 

2) Ein Htigel in der Nahe von Delphoi, in- getotet, Diet. 6, 8 (Hdschr. : Tyniras, Syniras). 

schriftlich belegt. Pouill. de Delph. Ill 2, 136, 21. 3) Erdichteter Name bei Lukian. Ver. hist. II 

[v. Geisau.] 25. 31. K. (Kinyros) verliebt sich auf der Insel 

Kerketion. Berg an der Grenze von Epeiros der Seligen in Helene. 

nnd Thessalien. Der noch in Epeiros befindliche 4) Ein Herrscher von Byblos, den Pompeius 

Konsul Flamininus lagert am K., Liv. XXXII enthanpten lieB. Strab. XVI 755. Es nimmt nicht 
14,7: in monte Gercetio; dagegen die am K. 50 wunder, den Namen K. in Syrien zu finden. Nach 

(x6 KsQ^exixbv oQog) gelegene Stadt Pialeia ge- einer tjberlieferung ist K. von Byblos nach Paphos 

hOrt zu Thessalien, Steph. Byz. s. UidXeia. Auch gekommen; auch Lukian. Syr. 9 nennt ihn einen 

Plin. n. h. IV 30 rechnet die Gercetii (monies) Syrer. Leonhard Heth. und Amaz. 208f. ver- 

zu Thessalien. In der Divisio 12 wird der Ger- mutet, es berge sich in K. eine Gottheit, die von 

cetius mons zusammen mit dem Olympos und syrisch-hethitischem Boden nach Kypros gewandeit 

Pelion als Nordbegrenzung von Epeiros nnd sei. [v. Geisan.] 

Thessalien genannt. A. Klotz Die geograph. Kladaos (ZAd5ao? Xen. hell. VII 4 ; ZAd6fo^ 

commentarii des Agrippa, Klio XXIV 1931, 417f. Paus. V 7, 1. VI 21, 3), NebenfluB des Alpheios, 

Vgl. KeQKstrioiog Ptolem. Ill 12, 16 M. Zn die- der in Elis entspringt und bei Olympia, wo 
sen Angaben paBt das schmale und langgestreckte, 60 er die Altis umgrenzt, mlindet. Hier war dem. 

einem Schwanz (xsQ^cog) vergleichbare Ealk- Flufigott Bild und Altar geweiht. 

gebirge K6zjakas, an welchem Pialeia lag. Doch [v. Geisau.] 

muB der Name auch die westlich angrenzenden KXazioi, Ethnikon eines thessalischen Ortes^ 

Telle des Pindos in Epeiros nmfafit haben. Vgl. nur inschriftlich erhalten. Ar van it op nil os Rev. 

Stahlin D. hell. Thessalien 123. Kro mayor de philol. XXXV 182f. [v. Geisau.] 

Ant. Schlachtf. II 54f. A. Philip p son Thess. S. 585, 30 zum Art. KXtjSovoov iegov: 

n. Epirus 1897, 124. 135. 144 (liber den K6z- Von KXr]d6vog ^co/^o/, zu denen die Smyr- 

jakas;. [Friedricb Stahlin.] naer noch gehen, redet Aristeid. 29, 12 K. Da- 



165 Kleimakai Kleinasiatische Ursprachen 166 

nach hatte das Heiligtum zu seiner Zeit noch breitei;. (Anmerkuiiigsweise sei damuf hinge wie- 

bestanden. fW. KrolL] sen, dafi sich diese Keramikprovinz schon vorher 

S. 601 zum Art. Kleimakai: iiber Igypten, Uruk, Anau II in Turkestan zu 

Die erwiihnte Inschrift steht IG XII 9, 1189 erstrecken scheint, isich in Boghazkoi findet Und 

(SGDI 542). Der Z. 23 genannte Ort heiBt Aeh- aueh zwisehen Susa I unid II eingelagert ist.) Im 

[v. Geisau.] ubrigen Kleinasien zeigt isieh eine bemerkens- 



Kleinasiatische Ursprachen. werte Versehiedenheit in -der Weise, dafi daselbst 

tJ b e r s i c h t. der Topf innen und am Aufienrand schiwarz, im 

§ 1. PragosteEiung. § 2. tJbersieht liber die ubrigen rot gebrannt wird (Parallele in Agyp- 
kleinasiatisehen Spraehen. § 3. Das Prptoehat- 10 ten). Mit dieser Eigentumliehkeit gehen sprach- 

tische unid seine Naehwia/kunigen. § 4. Das liehe Merkmale vollig parallel, was darauf hin- 

Agaisehe und -seine Nachwirkungen. § 5. Das deutet, dafi hier entweder eine andere modi- 

Protindo'germaniscbe. § 6. D'as Luwisohe. § 7. Das terrane Welle das Land beisetzte oder dafi die 

Hethitisdie. § 8. Die Aehaier. § 9. Die agaisehe protochattische Schicht die Herrschaft behielt. 

WanderungnndihresprachlicbenFolgen. § 10. Der Diese sprachlichen Verschiedenheiten zeigem sich 

Einflufi der Randvolker. § 11. Einige Analysien im folgenden: 1. Wahrend die agaische Aspira- 

kleinasiatiiseher Namen. § 12. Literatur. tion in Griechenland und Nordwest-Kleinasien 

§ 1. Wir finden die Ortsnamen (= ON) Mv- alle Tenues ergriff, unterbMeb sie im iibrigen 

KaXrjooog in Boiotien und in Karien; Ad§Qavba Kleinasien beim Dental. Wir firnden darum (s. 
in Karien: Aa^vQiv&og in Kreta; MAepija^^aaaoV 20 auch o.) Bvf^pQiog (Flufi in derTroas): Tv^Pqiov 

in Karien: UaQvaoog in Phokis. Daraus ergibt (Flufi in Phrygien). Ja noch mehr, im stidweist- 

sich eine Verwandtschaft der vorgriecMsehen ON lichen Kleinasien wird t naeh Nasal sogar er- 

in Griechenland mit denen in Kleinasien, die sich weicht; daher wird das w^Suffix hier zu nd, und 

auf ein sdreifaches istiitzt: auf voUige tJberein- zwar ungefahr nach der Mitte des 2. Jahrt., da 

stdimmung der ON, auf Gleiohheit bzw. IhnliA- die kappadokischen Tontafeln aus dem Ende des 

keit der Suffixe (-nt-, -s(s)-) und auf Gleicihheit 3. Jahrt. noch nt vermuten lassen (s. u.), wah- 

der Wortst^mme. Auf Grund dieser und noch zu rend idie hethitisohen Texte schwanken (Arlanda, 

bespreehender isprachlicher Beziehungen ist man Arlanta ein Gebirge; Si junta ein Flnfi); das In- 

geneigt, (zumindest) ein gemeinsames vorgrie- di'sche hat (Mitte des 2. Jahrt.) in aravinda 
chisches Stubstrat in Griechenland und Kleinasien 30 (= sQiPiv&og) die Media entlehnt, die Griechen 

anzunehmen. Aus dem archaologisehen Belund schreiben fast nur noch d. Diese Erweichiing 

ergibt sich folgendes: kontinuierflcher tTbergang tritt sogar an der Kompositionsfuge oin, vgl. 

von der neolithischen zur fruhhelladisehen (friih- TsQyaoov ,Stadt des Tlarku': Acov-daQysvg kari- 

minoischen usw.) Periode (friihes 3. Jahrt.; scher Beiname des Zens. 2. Vor Dental werden 

,Kuplerzeit*), aber erst in dieser Periode deokt Vokale nasaliert (bzw. wird die Nasalierung des 

sich die Verbreitung einer homogenen Kulturmit Vokales deutlicher), vgl. TaQKv-aQig m.: TaQKov- 

der der ON vom geschilderten T^pus. Der boLQa Demos. Dieser Nasalvokal vermag im Ly- 

anthropologische Biefund zeigt in Troia II neben kischen den Dental noch zu erweichen (*tade, 

S<;hadel der moditerranen Basse (langschadelig, wird geschrieben tade ;= tate; Meriiggi), im 
kleinwiichsig) aueh rundkurvige Knrzschadel 40 — nordlicher gelegenen! — Lydischen vermag 

von vermutlich Klein wiiohsigen. Dazu kommen jedoch nnr noch der voUe Nasal eine Indemng 

in Alisehar I mediterrane Schadel. Es ist also zu bewirken, vgl. sama§ = Havdag, jedoch aueh 

mit zwei Urvolkem (= Herrenschichten) und dies nicht mehr bei fremden Namen, vgl. alik- 

zwei verschiedenen Grundsprachen zu rechnen. santru ==' AU^avbQog. Es scheint ein Wandel 

Dahin weist aueh diei Tatsache, dafi das Namen- von Vokal + Nasal > Nasalvokal > Vokal statt- 

material vor allem auf das Protochattische hiu- zufinden, der sich spater aueh in den grieehisehen 

weist (Deuteprafix a-, ?zf-Siuffix), Aussprache- Mundarten zeigt, vgl. pamphyl. TivQyo; femer 

eigentiimliehkeiten (Aspiration) aber auf jene Ov/^avevSa: OfA,avada (kiMkiseh-piisidisciie Phyle), 

mediterrane Sprachgruppe, die man ,agaiiseh* zu KaQoevdevg: KaQoidevg (pisidisches Demotikon). 
bezeichnenj pflegt. Da man allgemein Boden- 50 Dieser Nasalverlust ist am Neugriechisehen all- 

standigkeit der mediterranen Easse im ostlichen gemeiu und hat anch das nf-Suffix nicht ver- 

Mittelmeergebiet annimmt, mufi die mit den ON schont, vgl. Ae^iv&og jetzt Asfit'&a. Er schreitet 

unzertrennlieh verbnndene erste Dorfergrundung offenbar von Osten naeh Westen vor, denn er 

einer kolonisatorisehen Tatigkeit der Protochat- zeigt sich schon friih in Elam (z. B. Gottin 

tier zugesehrieben werden, da am Beginn des Nahunte ) Nahiti^ angeblieh Avaing) und Per- 

3. Jahrt. der kleinasiatische Dorfkulturkreis auf sien, wo Nasale nach Vokal gar nicht gesehrie- 

Griechenland tibergreift. Noch in dieser Zeit be- ben werden. Wenn dieser Nasalsehwund der medi- 

ginnt die politische Geltung einer mediterranen terranen Sehieht zugesproehen wird (vgl. aueh 

Gruppe, namlich der agaischen, naeh Norden hin das FranzQisische), dann bereitet das scheinbare 
starker zu werden. Denn im ,Neolithikum' By- 60 Auftauchen eines spontanen Nasals vor Dental 

riens und in der neolithischen vorminoisohen in Fallen wie TaQHV-aQig m.: TaQxov-daQa (De- 

Schiehte Kretas zeigt sich eine schwarz polierte mos) Schwierigkeiten, denen nur in der Weise 

Keramik (aueh mit intermittierender Polituroder begeignet werden kann, dafi der Nasalvokal im 

weifier Inskrustierung), idie aueh im gleichzeiti- Auslaut ein agaisehes Suffix war und vor Dental 

gen Mittelgriechenland vorliegt und auf Troia I natiirlich deutlicher werden mufite. Der bekannte 

tibergreift. Es ist nun bezeichnend, dafi sich ein Gottesname hiefi decminaeh agaisch Harkhu', vgl. 

teehniischer Fortsehritt (glanzend rote Oberflaehe) etrusk. tarxun, kleinasiatisch Tdgxcov, 3. Aueh 

von Kreta tiberaus raseh bis nach Troia II ver- die Vokalisation der Suffixe ist in den beiden 



167 Kleinasiatische Ursprachen Kleinasiatische Ursprachen 168 

Gebieten verschieden. Wa/hrend namlieh beim wohl aber kommen sie als Vermittler in Betraoht. 

nt-YorimiJis in Griechenland und dem nordlichen Die jtingste ist das Keltische Galatiens (nur 

Kleinasien fast aiussehliefilich die Bildungen -«v^- Namen), das Illyriische Paphlagoniens (we- 

und 'Vv^' tiblich. sind, mit i- und w-Vokal (vgl. nige Namen); dann kommt das Phrygische 

Hf^Mfj, nohg TQolag; KoQiv&og; TlQvvg; Zr)Qvv- (Satemsprache, Relativum ios = griechiseh og; 

'd'ov chtQov), fin den wir im tibrigen Kleinasien alteste Sprachdenkmaler 7. Jbdt.). Das Hiero- 

fast ansschlieBKeh -avd- (z. B. Ad^Qavba). Nicht glyphen-hethitische wurde in Nord- 

so seharf sind -die Unterschi^de beim s-Formans; syrien gesprochen, ist mit dem Luwisohetn ver- 

zwar hat hier die Differenzierung durch die grie- wandt, bat jedoeh als Relativum ia-. Das alteste 
chisehen Mundarten eingegriffen; vgl. 'AXtxaQ- 10 Denkmal ist angeblich ein bilingues Siegel des 

vaooogi -vaoog: -vYj(o)o6g. Aber somst finden wir ,GroBk6nigs Labamas* (20. Jhdt), sonst nicht 

rnir verschiedene Arten, die Namen in die Flexion vor dem 14. Jhdt. Das Hethitische und 

iiberznfiihren. Dabei iiberwiegt in Kleinasien Luwiscbe sind miteinander nahe verwandte 

-ao(o)a (neutraler Hurall), mehrfaeh ist -aoov Kentumsprachen (Relativum kuis)-, die Spraoh- 

anzntreffen (z. B. 'A(A§aoov), wahrend in Grieehen- denkmaler stammen aius der Mitte des 2. Jahrt. 

land -a(o)oog haufiger ist. DaB in Kleinasien die Um diese Zeit ispielen auch die I n d e r eisne 

Slchreibung mit ein em s vorwiegt, ist ortho- Rolle, da indische Fursten naeh Answeis ihres Na- 

graphischer EiniluB der epiehorisohen Sprachen, mens in Mitanni herrschen (Beginn des 2. Jahrt.). 

die n i e Doppel-5 zeigen. 4. Wenn anoh bei den — Die sog. kleineren epichorischen Sprachen der 
vorgriechisehen Namen im allgemeinen nur Media 20 jungeren Zeit, also p i ,s i d i is e h, 1 y k i s c h, 

und Tenuis bzw. Tenuis und Aspirata mitein- k a r i s c h, 1 y d i s c ih usw. lassen sich nieht ver- 

ander wechseln, so steht doch manehmal Media einen. Aus deren 'Sjprachdenkmalem kann kaum 

und Aspirata im Austausch (Xiog ON: FiaXig m., eine sichere Wortgleichuug gewonnen werden, 

kilikisch; 'liethitiisch Tar^w-: Tot^yv-T/j^o?, lydischer wobei der Verdacht der Entstehung offen bleibt. 

Beiname des Zeus); selbst wenn man alle jene Flexion und Syntaxe gehen weit auseinander (das 

FaUe abstreicht, in denen volksetymologischer karische Verbum prafigiert, das lydische kennt 

EinfluB vorliegen kann, bleiben doeh noeh genug keinen Numerus usw.); die lautliohen Differenzen 

Falle tibrig, die einer Klarung barren. VieUeicht (das Kyprisehe, wie das Karische sind sehr vokal- 

.liegt ein spaterer Lautwandel vor, der die Aspi- reich, das Lykisehe ist konsonantenreich mit 
rata (die nicht genau der grieohisohen Tenuis 30 eigentiimlichen Verdoppelungen) besagen an sich 

aspirata entsprach) enthauehte, vermutlich im nichts, verstarken aber nur den Eindruok, daB 

Eiahmen der ,ionischen* Psilose, so daB aus ihr keine unmittelbare Verwandtsehaft vorHege. Zwar 

ein Mittelding zwischen Tenuis und Media wurde zeigt die Grammatik von fast alien diesen Spra- 

(stimmlose Lenis), was zu verschiedener Wieder- chen mehr oder minder stoke indogermanisehe 

gabe fuhrte. Durch diese Lautverschiebung scheint Einsehlage, am weitgehendsten das Lykisehe (De- 

eine weitere ausgelost worden zu isein, namlieh klination, Zahlworter, Prapositionen und Orts- 

die der Tenuis zur Media, die ebenfalls sehr friih adverbia usw.), bedeutend weniger das Lydische; 

begann, vgl. Meroglyphen-hethitisch Qaduwas: vgl. Relativum pis, pid; vissis ,jaglicher' (Tru- 

Kadoag: lydisch katuvas, die aber anscheinend b et zkoy), vgl. slowenisch t^es ,ganz*, doch weist 
nur in gewissen Gegenden (am starksten in Ka- 40 eihe jede a n d e r e Indogermanismen auf . Gleich- 

rien) durchgefiihrt wurde. 5. In den kleinasiati- zeitig besitzen diese iSprachen kleinasiatische For- 

schen EN findet sich der Anlaut r sehr selten, mantien in lebendiger Funktion, aber wiederum 

fast nur durch den GN (= Gottesnamen) Bu und fehlt es an weitergehender tJbereinstimmung, da 

seinen Zusammensetzungen vertreten, wobei zu z. B. das Lykisehe zur Bezeiohnung der Gebtirtig- 

beachten ist, daB vielleicht eine lykisehe Ent- keit das Suffix -axi verwendet {atanaxi ,Athener*), 

wioklung *srM > "^hru vorangegangen ist (vgl. daneben -una (tlanna = TXcoevg), das Lydische 

vielleicht lydisch nr. 36 sru). Dasselbe gilt auch hingegen ein — heterokMtisches — Suffix -ms-, 

fiir die Namen von Boghaskoi und der kappado- das Tyrrhemsohe (von Lemnos) ein Suffix 4le, 

kisohen Tafeln, wahrend z. B. in den vier eteo- das Etruskische ein A:-Stuffix {ruma/ ,Romer*). 
kretischen Insohriften (in griechischer Sohrift) 50 Die genealogischen Angaben gesohehen ebenfalls 

eine ungewohnliche Haufung von r zu finden ist. in sehr verschiedener Weise. Im Lykischen steht 

6. Fiir Kleinasien sind auch noch die groBe An- der Vatersname im Genetiv (meist abhangig von 

zahl von LaUnamen kennzeiohnend; es gibt vor- ,Sohn*); im Lydischen wird er adjektivisch 

ziiglich drei Typen: a) Nana (kappadokische Ton- (/-Suffix!) angefiigt, das Karische verwendet ein 

tafeln; Ende des 3. Jahrt.), Baba (altphrygisch, Adjektivum mit -^wo, das Tyrrhenische entweder 

nr. 2), in jiingerer Zeit meist vereinfacht, vgl. den Genitiv oder ein Adjektivum mit -e§i, das 

neuphrygisch nr. 48 Bas. b) 'Ava f., plsidiiseh, Eteokyprische eines mit -oko-. — Von den auBer- 

vgl. hethitisch annas ,Mutter*. c) Nsvrjvrjvrj ly- halb Kleinasiens liegenden Randspraehen kommt 

dische Gottheit. Anmerkungsweise sei darauf bin- das Subaralsche (Subartu > SvqIol) nicht in 
gewiesen, daB Falle wie Ammamma nicht als 60 Betracht, denn seine charakteristische Eigenart, 

voUstandige Reduplikationen aufzufassen sind, die sog. Suffixaufnahme (z. B. das Rectum erbalt 

wie z. B. Kammamma (Land) zeigt, sondem als z u s a t z 1 i c h idie Endung des Regens), konnte 

Reduplikation der zweiten Silbe, wie dies zur bisher in keiner kleinasiatischen Sprache sieher 

Deminutivbildung in Mesopotamien und Subartu nachgewiesen werden, auch 'im. Lykischen nicht, 

iiblichwar (vgl. Bwk/am., kappadokische Tontaf ein). da fur die betreffenden Erscheinungen eiafachere 

§ 2. Da die vorgriechisehen ON Kleinasiens Erklarunigen zu finden sind. Dazu stimmt esaus- 

nicht indogermanisch sind, fallen seine indoger- gezeichnet, daB der Homo Tauricus, die suba- 

manischen Sprachen als urspriingliche Quelle weg, raische Rasse, besonders durch die ,Secbsemase* 



169 Kleinasiatische Ursprachen Kleinasiatische Ursprachen 170 

gekennzeichnet, ftir die altera Zeit in Kleinasien in der Einzahl As^ hieB. Die karische Form die- 

n i c h t naehweisbar ist, wohl aber von Armenien ses Namens zeigt das Prafix noch deutlicher: 

bis Syrien, dem auch heute noch starksten Ver- Ijaleka (nr. 37 und 55). Ein haniiger Wortaus- 

breitungsgebiet dioser Basse. Welters ist zu be- gang war -u^ vgl. den Gott Taru, die Sonnen- 

achten, dafi die Bnntkeramik (z. B. Susa 11, Mitte gottin Wurusemmu, das Land ^attu (,Silber- 

des 3. Jahri), d. i. die Keramik der altesten Stuba- land*), vielleicht anch diie GN *farku, *Santu, 

raer in Vorderasien, in Kleinasien nicht zu finden "^Ru und *Lu (s. aber u.). Nattirlieh wurde in 

ist. Etwas andersi steht es mit der zweiten Eand- den spateren Spraehen der Wortausgang durdh 

sprache, dem Chaldi'schen (Sohiftdenkmaler in Suffixersatz geandert, vgl. Toqcov, lykiseh (P'N) 
Armenien vom 9. Jhdt. an). Zwar hat es in Ar- IlO ur[s]sm[ma oder mi], kariseh woroworusmi, der 

menien zahlreiche 'Subaraische Eigenheiten von Landesname hieB meistens Qatti (agyptisch hf). 

der Vorbevolkerung (der Haja) aufgenommen; — Weite Verbreitung gewann das Stammbil- 

andererseits aber kamen die Ohalder aus dem dungssuffix 41. Das Protochattische verwendete 

Westen, weshalb das Ohaldische viel kleinasiati- es zunaehst zur Biidung von Ethnika, z. B. 

sches Sprachgut enthalt. Nahere 'Verwandtsehaft STADT Zihlandiel ,der von (der Stadt) Ziblanda*. 

soheint mit dem Lydisehen zu bestehen, wor- Diese Biidung dient gleichzeitig als Ersatz ftir 

auf nicht zuletzt der Name des altesten chaldi- den fehlenden Genitiv; denn wir finden eine Reihe 

schlen Konigs Lutifms hinweist, d. i. ,Lyder- von Berufsnamen^ mit idem iSiuffix -il gebildet, 

konig'; so wurde er offenbar von den einheimi- MANN lu-u-i-ix-xi-i-il ,MetallgieBer*. Das Hethi- 

schen Chaja genannt, da iyri (iwri) auf suba- 20 tische und das Luwische haben dieses Suffix als 

raisch ,K6nig* heiBt (chaldisch ewri). Die Mei- Formans tibemommen, und zwar zunaehst unflek- 

nung, daB Lutipri ,Weiberherr' heiBe, beruhtaAif tiert, z. B. das Ethnikon Zalpuil ,der ausZalpa'; 

demselben Irrtum, dureh welchen idie Lyder ,wei- spater wird es dureh Anhangen einer Endung 

biseh' genannt wurden: in gewissen kleinasiati- indogermanisiert; der Konigsname Hattusilis 

sehen Spraohen diirfte */wfi ,Frau* geheiBen haben; kann von der Hauptstadt Hattus (hethitisiert: 

vgl. lykiseh lada ,Gattin' (Aatco, Arida). Das Hatiusas) nicht getrennt werden. Hingegen kann 

Ohaldische weist auch gewisse Beriihrungen mit die genaue Punktion dieses Formans im hethiti- 

dem Etruskisehen auf, ohne jedoch besondere schen Konigsnamen Murstlis nicht feistgostellt 

altertiimliehe Ziige zu haben, Es scheint also werden, patronym ist sie nicht, weil die Vater 

eine agaiseh-subaraische Mischsprache zu sein. 30 der beiden Konige dieses Namens nieht MvQOog 

§ 3. Das Protochattische (auch chat- hieBen. Hingegen weist es in Lydien diese 

t i s c h genannt), ist die Sprache des Landes Funktion auf, wie MvQodos (lydiseher Konig) 

Ohattu (,Silberlanid*). Dietses Land wurde spater Sohn des MvQoog zei'gt. Auch das Lykische weist 

von einem indogermanischen Volke beisetzt, das dieses Z^Suffix (mit angehangter [indogermani- 

dann in der damaligen Welt den Namen ,Hethi- scher?] Endung auf: cuprlli: KoTiQig (m., Melos); 

ter* vererbt bekam (so genannt in Mesopota- doch muB die Bedeutung viel allgemeiner ge- 

mien, in der Bibel, im alten Igypten usw.). Es wesen sein, wie z. B. der Name des lykisehen 

sind also Verweehslungen moglich; daher ist der Volkes zeigt: trmm-ili ist ein Anhanger desZevg 

Zusatz Proto- vorteilhaft. Dieise Siprache entbehrt TeQ/uaiog, des Gottes Terma. In der ursprting- 

jeglicher Flexion; sie bedient sich zumAusdrucke 40 lichen ethnisehen Bedeutung finden wir das 

der einfaehen grammatikalischen Beziehungen im /-Suffix im Tymhenischen, mit (agaischen) Ple- 

Satz gewisser Prafixe. Die Wortbildung hin- xionsendungen versehen: ""morina-ile ,der Mann 

gegen vollzieht sie mit Hilfe von Stammbildungs- aus Morina (=: M^vQtvay. Das protochattische 

suf fixen. In den EN Kleinasiens und Griechen- /-Suffix wurde jedoch nieht nur dureh Anhangen 

lands lassen sich nun solche protochattische Pra- einer (indogermanischen, agaischen) Endung an- 

fixe in uberzeugender Anzahl nachweisen, so vor geglichen, sondern — was scharf zu untersehei- 

allem das Deuteprafix a- (bestimmter Artikel den ist — dureh ein indogermanisches Formans 

usw.), vgl. protochattiseh sah ,irgendein Boses^ U- ersetzt. Diesen Vorgang zeigt besonders sehon 

a-sdh ,das (gewisse) Bose*, difeis zeigen Beispiele das Lydisehe, wo das /-Formans geradezu den 

wie 'AdvfApQa am Flusse SvfA^Qog (Karien) ge- 50 fehlenden Genitiv vertritt, vgl. nannas hakiva-Us 

legen, eine Biidung, die sich deutlich von der be- (nr. 20; Bilingue) =3 Ndwag AiovvoiTcXeog. Die 

doutungs-gleichwertigen Gv/u^gia (Ort in Karien) letzte Stufe isft die Grazisierung dieses -lis zu 

abhebt. Umgekehrt konnte noch in spaterer Zeit -los, vgl. UtoXig: UtoXog (m., kilikiseh); OaXog 

dieses Prafix a- iiberkorrekt abgetrennt werden, (m., kariseh): OvaXig (m., isaurisch); zu diesem 

wie dies z. B. dem Namen des ApoUon wieder- Vorgang vgl. noeh Navag: Navog. Ob auch die 

fuhr (vgl. lydiiseh pXdan§, lykiseh pulenidaz= FN Zuxu: Zuxuli in den kappadokischen Ton- 

AjioXXcovidrjg, kariseh IlsXdexsitig ,Apollonsschwe- tafeln (Ende des 3, Jahrt.) hiehergehoren, ist 

ster*. Moglieherweise ist auch die neben den redu- unsieher. — Protochattiseh ist auoh das wf -Suf fix; 

plizierenden Lallnamen (wie Nana usw.) so auf- denn die Stadt Ziblanda kommt in einem proto- 

faUende Biidung wie Ana^ Ata, Ama hieherzu- 60 chattischen Zusammenhang vor, weiters finden 

rechnen, um so mehr, als auch im iSumerischen wir das spatere hethitische Kabburnanda in den 

ama ,Mutter* u. a. vorkommt, in welehem Wort kappadokischen TontafeM, mit akkadischem Suf- 

das individualisierende Prafix a- bereits fest an- fixersatz als Kuburnatum. Wenn wir auch die 

gewaehsen ist. Beziiglieh der Verbreitung dieses Bedeutung dieses Suffixes zunaehst aus dem 

Deuteprafixes naeh dem Osten vgl. noeh Ajuddo- Hethitisehen kennen (,versehen mit, reieh an*, 

xog neben Madocus. Das Protochattische Plural- vgl. Gebirge Arinnanda ,versehen mit [warmen] 

prafix le- (z. B. a-sah ,der Base*: le-a-sah ,die Quellen*), so konnen wir es doch auch im Proto- 

Bosen*) ist im Namen der Leleger erhalten, der chattischen dureh die Analyse des Wortes fur 



171 Kleinasiatisclie Urspraclien Kleinasiatische Drsprachen 172 

Brunnen gaurantiju naehweisen: ,Gegenstand etruskiseh -c; wahrend es isonst immer seltener 
(-u), vers^hen mit {-anti) Wasser (gaur[a]).' Im wird. — Zuin SchluB sei noch auf einige proto- 
Hethitisehen wurden solohe Namen meist in einen ehattische Namen hingewiesen, die vermiutlich in 
Plural des Neutrums verwandelt {-andlta, vgl. kleinasiatischen Namen wiederkehren: gaur(a) 
noch rd lAXivda); dann wurde es produktiv nmid , Wasser' mKangia, pamphyl. See; washaw ,Gott* 
ein Nominativ iSling -ants dazu gebildet, vgl. im Namenselement oxo-, das sehon in den kappa- 
human%(a) ,ganz*, wortlich ,verse}ien mit allem*. dokischen Tafeln ungewohnlich 'hamfig vorkommt, 
offenbar nach dam Muster von -wants (= fevtg z. B. Arxan-ahsu (vgl, 'A^CoLvog m., pisidisoh), 
)-f"€f?). Das nf-Su'ffix ist aucli ins Agaische Dar-ahsu (vgl. QaQ-co^og m., pi^disoh), spater 
tibergegangen, wie z. B. etrnskisch amind' ,der 10 insbesondere in Pisidien zu finden, vgl. Mor-co^ig 
mit Liebe Versehene, Amor', Lein'& ,die Todliehe' nnd epichoriseh ^TnovQ-co^og m. Anch in KUi- 
und neiQivg, ein Gegenstand, an den das Pferd kien ist es zu finden, vgl. OvaSa-fA,oag m. (,Gott. 
gebunden ist, der mit dem Pferd versehen (ver- mut'). DaB es sich um kein Porman,s handelt, ist 
bunden) wird, zeigen. Auf solehen agaisehen Ein- dureh EN von der Form O^oag m., pisidisch usw. 
fluB sind wohl Bildungen wie oXiyivd'a ,mit Ge- bewiesen. AuBer den nur vermutlich protochatti- 
ringem versehen* zuruckzufiihren. Es kann daher sehen GN ^Tarku, *Sandu usw. finden wir auch 
bei ON mit dm wf-Suffix keine Entscheidung ge- die sicher protoohattisohen GN: Taru (Wetter - 
troffen werden, von wem die Stadt gegriindet gott), vgl. TaQcov und ©agco^ig m., TaQvrj ,Stadt 
wurde, da die spatere hethitische Herrsohaft die des Tar(u)S TaQaoig ,der des Tar(a)'. 
urspriinglichen Namen hethitisiert oder selbst 20 ^^ § 4. Die Tatsaohe, daB anthropologisch 
ON mit diesem iSuffix gebildet haben konnte. A g a e r und Protochattier nebeneinander vorkom- 
Aber immerhin darf darauf hinge wiesen werden, men, daB in ihnen Gebiete arehaologiseh eine 
daB die ON mit -int auf Agaisierung oder ungestorte Elitwicklung aus der jiingeren S^in- 
agaischen Ursprung zu deuten soheinen (tiber das z^it gesiehert ist, muB angenommen werden, daB 
palaisohe -inta sind wiT nicht genug informiert). Protochattier und Agaer in friedlicher Durch- 
— Ahnlioh steht es mit protochattischen s-For- dringung nebeneinander gelebt haben. Da- 
mans. Die Stadt des Landes Ohattu hieB Hattu-s; hin weisen auch zahlreiche Eigenheiten der mate- 
da es als protochattisches Wort indeklinabel war, riellen Kultur, die sich gleichmaBiig fiber das 
muBten idie Hethiter Nominativendung anhangen ganze Gebiet beider Volker erstrecken. Das jung- 
(Hatusas), so idaB eine gewisse Ahnlichkeit mit 30 steinzeitliohe Wohnhaus zeigt einen rechteckigen 
dem luwisoh-hethitischen ss-Suffix entstand. Doeh Bau, mit Steinf undamenten und einer Lehmziegel- 
soheint kein Suffixersatz stattgefunden zu haben, mauer dariiber; Holz wird oft mitverwendet. Die 
wir konnen daher die karisehen Inselnamen auf hochsten Gottheiten sind weiblich, wie die proto- 
-ussa als protochattisch ansprechen, vgl. z. B. ehattische iSonnengottin von Arinna zeigt und die 
Cisserussa. — Bine weitere Bigenart des Proto- Tatsache, daB Tynannos nur der Mann (das An- 
chattisehen und Palaiischen ist idie Verdoppelung hangsel) der turan ,Herrin' ist. Auch daB der 
auch zweisilbiger Wortstamme, vgl. tewu-tewu-s, Mondgott Men so haufig ist (dessen Idol — Horn 
vermutlich zum Ausdruoke eines KoUektivums, In des Rindes — auf prahistorischen DarsteUungen 
EN findet sie sich selten, vgl. Kula-kula (PN auf mit der Magna Mater fast unzertrennlich ver- 
den kappadokischen Tontaf ein) iV€i^>y)^?;a'?7 (lydische 40 bunden ist) und noch spater der Eult der ,Gro- 
Gottin), Mutamutassa (= Msd/uaaa ON), femer Ben Mutter' in Kleinasien geradezu der bedeu- 
wohl karisch woro-woru-smi (nr. 53), mit gram- tendste ist, beweist genug (s. unten d. Art. 
matikalischem Werte auch im Palaischen (vgl. Mutterrecht). DaB diese mutterrechtliche 
luki-lukinta: lukijid), im Lykischen tern tern Struktur weit nach Osten reioht (Blam, Sumer, 
(zu ter- ,Heer'); vielleicht gehoren die merkwtir- vgl. den sumerischen Gottertitel ama ,Mutter'), 
digen griechischen Bildungen wie TaQxaQog hie- g'^ht Hand in Hand mit sonstigen sprachlichen 
her und kleinasiatische ON wie FaQyaQov. An- und keramisohen Beziehungen (s. o.). — Das 
merkungsweise sea ^darauf hingewiesen, daB die Agaische hat die Neigung, gewisse anlautende 
TeilredupHkationen, wie wir me beim elamischen Konsonantengruppen mit einem Vokalvorsohlag 
Verbum ,anders geartet im Luwischen und wieder 50 zu versehen, vgl. etruskiseh epr'&ni == nQvtavig\ 
anders beim indogermanisehen Perfektum finden, ismin&ians: S/buv&svg; in Kleinasien in spaterer 
mit der protochattischen (und palaischen) YoU- Zeit lotr/Xr) nsw. (Ahnlieh auch in vielen romani- 
reduplikation beim Nomen nicht verglichen schen Sprachen.) Dieser Vorschlag darf nicht 
werden kann. Von Nachwirkungen begleitet war mit den Prafixen des Protochattischen verwech- 
jene Eigenart des Protochattischen, die Beziehun- selt werden. Fur das Agaische ist die Aspiration 
gen zwischen den Satzen duroh Enklitika auszu- der Tenues charakteristisch; einige Beispiele 
driicken. Davon ist das Hethitische beeinfluBt mogen idies beweisen: eteokretisch aXa (pQaiooi 
worden, das eine groBe Zahl Von Hangekonjunk- M Praises' (vgl. lykisdh ala ,in'); tyrrheniseh 
tionen, die entweder Hauptsatze, oder den Haupt- na(p(yd' ,Einkel, Sohn?' entlehnt aus indogerma- 
satz mit dem Nebensatz verbinden (z. B. -maGOnisch *nepot ,Enkel, Sohn*; hethitisch (GN) Te- 
,aber*; -man zur Bezeiehnung des Irrealis). Viel- lipi = Tehcpog; lydiseh bilis == g)lXog ,sein*; 
leicht gehort es hieher, daB es im Hethitischen lydisoh ibsi- = '!E<p8oog; lydiseh asUuvas (Bei- 
keine Prapositionen ^gibt (woM aber Postpositio- name der Artemis): '!AG(paliog (Beiname des Po- 
nen). Auch das Hieroglyphen-hethitische besitzt seidon). Aueh eteokretisch boq?, das einem ,pelas- 
auffaHend viele enklitische Konjunktionen. gisehen* (von Fharsalns) ba(p entsprieht, paBt 
Es ist daher wohl kein Zufall, daB gerade das herein. Die Aspiration des Dental hingegen ist 
indogermanis<5he Enklitikon "^que in Kleiaasien auf Griechenland und das nordliche Kleinasien 
an Boden gewinnt; vgl. lydiseh -k, lykiseh -ce; besehrankt, zu den Beispielen in § 1 (nt > nth) 



173 Kleinasiatische TJrsprachen Kleinasiatische Ursprachen 174 

sei noch hinzugeftigt etruskiseh epr'&ni nQvxavig asra); NavaKog phrygisch mythisolie Penson 

{^Qvxavig). Da6 diose Asfpirata der griechiselien ,Sohii der Nana*; Tazanog ,Sohii des (Wetter- 

nicht aquivalent war, zeigt die tTbemahme des go ties) Tatas*; in anderer Bedeutung etrusMseh 

agaiischen Suffixes -cpa ins Altindis<!ihe als -hJia, rumax ,R6mer'. — Ein hochst bedeutsames For- 

das dort in Tiernamen auftaucht (und mit dem mans ist -na (-vrj)^ das im Clmldiselien geradezu 

ahnliohen indogermanisohen Suffix, aus Bedeu- Synonym ffir ,Stadt* ist, vgl. ^aldi-na und XaX- 

tungsgriinden, nioht identisch ist), vgH. rasa-hJia dlvt) ovo/ua jzoXecog, das unmoglich vom Haupt- 

.Esel'. Die Bedeutung des Siuffixes -q>a ist aus gotte ^aldi und vom Landesnamen XaXdia 

einem Beinamen des Hermes auf Kreta zu er- (=:' x^Q^l rrjg 'AQ/nsvlag) getrennt werden kann. 
kennen KvcpaQiooi-cpa (Vocativ), wohl ,der sehiit- 10 In Kleinasienl ersie^lit man die Bedeutung aus 

zend zur Zypresse gehort*. E)S taueht aueh im einem Vergleich der aquivalenten ON lA.ba-va 

Griechisehen auf; denn ^Xatpog ist das Tier, das ,Stadt des Ata* (kilikisch): Abrjooog, die dem Ata 

(schiitzend) zum elXog, dem ,Hiriselikalb*, gebort. gehorige (Stadt)* (fcariseh); Kagvr} ,8tadt des 

— Das Sliffix -{u)mna- zeigt seine Bedeutung klar Kar*: KaQrjaaog ,die dem Ear gehorige (Stadt)*; 

duroh At-xta/Livog einer Heilpflanze, die auf dem daher darf man wohl TaQvr) als ,Stadt des Gottes 

Berge Aixm (Kreta) waohst. Es driickt also die Tar(u)* verstehen. Auch im Etruskischen ist es 

,Befindlichkeit*, die ,Bodenstandigkeit* aus. In iiberaus haufig, z. B. tarx-na-l-d'i (Plural! V e t - 

dieiser Bedeutung finden wir es sehon zur Zeit der t e r) ,in Tarquinii\ Der lykische, im alteren 

,kappadokisohen* Tontaf eln (Ende des 3. Jahrt.), Kleinasien mehrmals als Arinna (=i TUL-na) vor- 
nicht nur in dem vereinzelten PN Dwnnwmwa 20 kommende ON arnna ist dann wohl ,Brunnen- 

,der aus der Stadt Du-un-na gebtirtige*, sondem stadt; Wa>rmbrunn?*, weil hethitisch arin {\=:TUL) 

aueh in den zahlreiehen Namen auf -urmnj da ,Brunnen* ist. Eine ganz andere Bedeutung scheint 

sich die dazugehorigen Stadtnamen spater in den das Suffix -na in folgenden beiden Fallen gehabt 

hethitisohen Texten meist finden lassen, vgl. Har- zu haben: TvQawog ist der Mann der turan 

sumnuman: STADT (LAND) JIarsumnas usw. Im (etraskisch ,Herrin'), Tid'covog der Mann der 

Luwischen und Hethitischen wird es fruchtbar, (tyrrhenisierten) ntco. Die Falle ^aadlwa, hethi- 

z. B. Satusumnes ,die (Bewohner) von Ohatu- tisch parnas ,Haus*: lykisch prnna- ,Haus* sind 

sas*. Die familiare Zugehorigkeit scheint es im mangels genauer Analyse zweifelhaft. Von die- 

Etruskischen anzudeuten, da einem turma, '&urm- sem Siuffix ist das (meist adjektivische) -an scharf 
na ein Thorius entsprioht. Auch wird im Etrus- 30 zii trennen; denn es kommt im Chaldisehen nicht 

kischen aus Priamos durch Suffixersatz priumne. vor. Im Griechisehen ist es versohiedenen Deklina- 

Dahin weist auch veUmna (Volumnius): velu. tionen zugewiesen worden, was auf Entlehnung 

Eine nicht naher bestimmbare Zugehorigkeit hinweist. Hier finden wir es vor allem bei Vol- 

liegt wohl in KQrjfxva (pisidiseher ON) vor, das kernamen auf -avsg-, idann auch in Fallen wie 

ungefahr gleichbedeutend mit Cressa (kariische HaQbrjvog ,der aus Sardis*, schlieBlich sehr hau- 

Hafenstadt) ist. Eine andere Art der Zugehorig- fig als -'fivrj, dais dazu di^ent, die Gegend einer 

keit liegt vor in lydisch mXimnas ,Senator* (vgl. Stadt usw. zu bezeichnen, vgl. MsXiffjvrj. Diese 

lykisch rmlija ,Senat*), ferner im Beinamen des Funktion scheint auf das gut indogermanische 

ApoUon von Thyateira Tvgifivag (vieUeicht der Suffix -awon- im Hieroglyphen-hethitischen abge- 
aus TvQiaiov oder Tvqo), Streng die Vaterstadt 40 farbt zu haben, da wir hier z. B. Pargawanas ,der 

anzeigend fungiert das mw-Sluffix im Lydischen, aus Parga* haben, wahrend das Griechische die 

wo es aber meist nur im zweiten Obliquus -mvav urspriingliche Bedeutung klar wahrt (vgl. Idovsg 

vorkommt, wahrend der erste Obliquus eine Kreu- .die Verehrer des mit ia id angerufenen. Gottes*). 

zung von mna- und li- darstellt, der Nominativ K© beiden Suffixe {na und -an) sind im Lyki- 

eine solche von mna- und -si (vgl. ihH-msis schen nioht zu unterseheiden, vgl. tlanna TXcosvg 

,ephesisch*: ibsi-mvav; mXi-mnas ,Ratsherr*: mXi- (nr. 25; Bilingue), ahnlieh im Etruskischen, vgl. 

mix). Da es sich bei dieser tJberkreuzung um TvQgrjvog > turns > Turnus. TvQQrjvot sind die 

ungefahr gleichwertige Suffixe handelt, ist diese Bewohner von TvQQa (< Tvgaa). Ebenfalls ein 

Heteroklise ein schones Bild der Sprachmischung. Nasalsuffix liegt in -un > -u vor. Bei den hier 
Wohl ahnlioh muB auch das Auftreten eines Buf-50aufgezahlten Namen liegt der Verdacht eines 

fixes -msn- neben -mn- im Etruskischen aus- agaischen Suffixersatzes fiir Protochattisches -u 

gelegt werden. Ahnlieh im Lykischen, vgl. Bi- (s. o.) vor. Wir finden die GN *Tarhu, vgl. etrus- 

lingue nr. 32 e, f ecatamla 'E^eatof^vag (gleich- kisch tarxun; die Ursprunglichkeit des u bewei- 

bedeutend mit "Exaxaiog). Schwieriger ist das sen raQxvco ,wie einen Gott (Heros) begraben*, 

A:-Suffix zu behandeln, weil sich mehrere Mog- und die luwische Form tarhun%(a), mit Ersatz 

lichkeiten tibersohneiden. Zunachst muB das in- durch das ahnliche luwische Siuffix -und-. Ferner 

dogermanische Suffix -iqo ausgesohieden werden, *Sandu, vgl. Udvdcov; die Ursprunglichkeit des 

ebenso einige iranisehe Falle (s. u.); dann besitzt u beweist die hieroglyphen-hethitisehe Form 

das Griechische noch nebeneinander -a| und -a;io-, SANDU-du-da ,dem Gotte Sandus*. Ferner "^Bu 
sozusagen eine Unsicherheit in der Zuteilung an 60 in Pcov-deQ^sfxig ,Drilling des Ru* (zu lykisch 

eine DeMination, wodurch sich der Verdacht trppme ,drei*), uaid Po-aQ§aaig ,des Eu Ge- 

fremder Herkunft ergibt. In klarer patronymer schenk*; Pcoaog ,die dem Ru gehorige (Stadt)*. 

Geltung zeigt es sich im Eteokyprisehen, z. B. SchlieBlich *Lu im Beinamen des karischen Zeus 

nr. 5 aristonos(e) aratovanaks-oko-s{e) = Aqi- Acov-daoyevg zum w-Vokal vgl. Aovg m. kilikisch. 

orcova AQiotcbvaHtog-, in genealogischer Bedeu- Hieher gehort wohl auch fioo{o)vv der holzeme 

tung in Kleinasien, vgl. Savdamg kilikisch, my- Wohnturm der Igaer, ferner der Najne eines 

thisehe Person, offenbar ,Sohn des Sandas*; Aa- fremdstammigen Beamten in Agypten Juntursa 

oaQanog ,Sohn des Assara' (vgl. lydisch GN (13. Jhdt.), der zweifelsohne auf einen Tyrsener 



175 Kleinasiatische Ursprachen Kleinasiatische Ursprachen 176 

hindeutet. Der erste Teil des Namens hangt Herrenschicht handelt, ist sie arehaologiseh (der- 
wohl mit dem E-uf iv zizsammen, vgl. den ana- zeit) nicht naehweisbar; wohl aber sind spradi- 
logen Name der lonier mit dem Euf id; wie der liche Spuren zu finden. So ist der PN Inar und 
kleinasiatische Beiname des Dionysos ''Ivog zeigt, Inara, der mit dem .sabinisehen I'^ero urverwandt 
handelt es sioh auch hier nm einen Ruf aus der ist, schon auf den kappodokisohen Tontafeln zu 
bultischen Sphare. Offenbar sollte jener Tyrse- finden. Dazu kommen einige Worter der religio- 
ner dnreh den Zusatz jun (= iu) religios gekenn- sen Sphare. Die protindogermanischen Einwan- 
zeichnet sein, wie aueh kretisch Ivxdi darauf hin- derer haben namlich den Zeaiskult mitgebradht; 
weisen dtirfte. — Auch in diosen Fallen muB daraiuf und auf ihren Volksnamen weist 'die Ilias- 
mit Suffixangleichung und tJberfuhrung in ein- 10 stelle XVi 233 hin Zsv ava, Acodcovais, Us- 
heimiisehe Deklination gerechnet werden, z. B. laoymL Der Name des Zeus selbst ist in prot- 
*Tarku erscheint im Lykischen als trqqa ,Gott* indogermanischer Form erhalten. Es ist dabei 
^Bandu als Hdvbag und daher lydisch sanmL — zu beaehten, da6 (wegen der agaisehen Vermitt- 
Auffallend ist noch, daB anscheinend Stadtnamen lung?) protindogermaniseh t ftir d steht; daher 
mit einem iSuffix -a gebildet werden konnten; finden wir statt diw- (vgl. A tog) Uw-, z. B. Tium 
dahin weisen nicht nur die lydi'schen ON, die (Ort in Bithynien). Ein Parallelstamm (naoh Aus- 
meist auf -a ausgehen, sondem auch, da6 die weis der slawisehen Sprachen) war *(^m-; prot- 
Stadt mit dem Turm (xvQoig) rvgoa (> Tvqqo) indogermaniseh lautete er *Tm, vgl. etruskisch 
heiBt. Vielleicht ist hieher auch die Tatsache zu Tina ,Zeus', tin-'&ur in EN unid vor allem in der 
rechnen, daB viele Landemamen der alteren Zeit 20 Gleichiung TivbaQibat = Aiog TiovQoi. Dabei fallt 
au! -a ausgingen, z. B. Lugga {^Avhyj in XvHri- in die Waagschale, -daB der Dioskurenkult, als 
ysvrig)^ KQrjra (vgl. ^Qrjtaysvrjg), lemnisch (poke Kult der Zwillingssohne, die Sohne des Zeus sind, 
(= ^coxr}, Nebenform von ^wKaia) usw. — Die auch bei anderen indogermanischen Volkern zu 
agaisehen Sprachen driickten grammatikalische finden ist. Ein weiterer Parallelstamm (naohAus- 
Beziehungen uxsprunglieh mit beweglichen Suf- weis des Albanischen) ist *dit-, in protindoger- 
fixen aus, die auch wegbleiben konnten, wenn die manischer Form "^tit- ,Tag'; er ist erhalten in 
Wortstellung genugend deutlich war, so noch im nrwi TJcog (Hesych.). Der Name ging in das 
alteren Etruskischen. Daher bleiben die border- Tyrrhenische liber, wo er zur Bezeichnung der 
glieder der Nominalkomposita unbezeichnet und Eos diente. Die Tyrrhenisierung zeigt noch viel 
sind dadurch sofort als nichtindogermanisdh' er 30 starker der Name ihres Gatten Tl'&covog (agaische 
kennbar. Die Suf fixe des Agaisehen diirfen id Aspiration!). Ins Tyrrhenische einverleiibt wurde 
k-einerlei Weise mit den ganz anders gearteten auch die Gottin ©alna (== Hebe); trotz seines 
Suffixen der subaraischen Sprachen, des Elami- agaisehen Suffixes kann der Name nicht von grie- 
sehen usw. verglichen werden, da im Agaisehen cMsch 'd'dXog ,Spr6Bling, Zweig* getrennt werden. 
keine Spur von Suffixaufnahme und Gruppen- Eine tyrrhenische Kontamination von indoger- 
fiexion besteht und da es starke Neigung besitzt, maniseh *ausos ,Morgenr6te' (> ^cog) und "^savel 
zur Flexion iiberzugehen, vgl. das spatere Etrus- (> sol) zeigt etruskisch usil, sabiniscli *awseL 
kische und insbeisondere das Tyrrhenische. Zum Auch ApoUon muB von den Protindogermanen 
SchluB sei noch auf die groBe Zahl von etruskisch- nach Kleinasien gebracht worden sein, da sein 
kleinasiatisohen Namengleichungen (H e r b i g) 40 Name schon f rtih das anlautende A verlor, als 
hingewiesen; auch GN sind darunter, vgl. z. B. ob es ein protochattisohes Prafix ware (s. o.). 
etruskisch Gulsans ,Janus* und hethitisch Kulses Der ON MdotavQa (Lydien) bedeutet wohl ,Berg 
,der Schutzgott des Hauses und des Menschen* der Ma*, und enthalt dann einen indogermani- 
(Hrozny); die kulturellen Beziehungen sind schen Genitiv von Ma; daB rai;^- ,Berg, Hohe* be- 
eng; iso haben die Etrusker aus Kleinasien Flote zeiehnet, zeigt nicht nur das vorderasiatisohe Tau- 
und Trompete mitgebraeht. Wie der im Griechi- rosgebirge, sondern wohl aueh die Tauem in den 
sehen erhaltene Name oaXmyS zeigt, handelt es Ostalpen. — Der Name eines pelasgischen Konigs 
sieh um agaisehes Erbe (Sehachermeyr). ist Tevrafiog, das von indogermaniseh few fa nicht 
Bei den Bauten spielte der mediterrane Turm getrennt werden kann. Beztiglich der Formantien 
eine groBe RoUe; lateiniseh turris und griechisch 50 ist allerdings zu beaehten, daB Gleiehklange irre- 
rvQotg sind also derselben Quelle entlehnt. Eine fiihren konnen. So gibt es z. B. ein indogermani- 
umfangreiche Liste agaischer Worter bietet D e - sches Nominalf ormans nt, das nach Ausweis des 
b runner (Art. ,Griechen* des BLV); dazu hat Hlyrischen die geograp'hische Zugehorigkeit aus- 
L a m e r IF XLVHI einiges hinzugefiigt, der je- driickt, vgl. z. B. Maluntum ,die auf der Hohe 
doch aueh echt griechische Worter dazurechnet, gelegene (Stadt)*, JJeQivd'og ^die umfassend ge- 
bloB well iSie auf -rjvrj ausgehen. Weiteres G r u - legene (Sitadt)* an der Propontis. Da einzelne 
mac'h OLZ 1931, 101 Iff. Illyrerscharen wohl schon zur Zeit der agaisehen 
§ 5. Das Protindogermani'Sche war Wanderung in Griechenland eingedrungen waren, 
die nachste Sprachsehicht. Sfie anzunehmen er- sind einige nf-Namen als iUyrisch aufzufassen; 
gibt sich aus verischiedenen Indizien. Aus dem 60 doch untersoheidet sich dieses nf-Suffix vom pro- 
Ende des 3. Jahrt. stammt ein Wagenpferd auf tochattisehen (,verseihen mit') scharf durch seine 
einer kappadokischen Siegelabrollung, derselben Bedeutung. Eine Gleichsetzung ist daher nicht 
Zeit gehort die Reiterfigur von Kill Tepe an, erlaubt. Dann aber ist z. B. Safiivd'og me'hr- 
was auf Indogermanen hinweist. Weiter sind deutig; wenn odfA,og = vipog ist, kann es iUy- 
— ebenfaBs vorhethitisch — gewisse typisch in- risch betrachtet ,die auf der Hohe gelegene* be- 
dogermanische Kleidungsstticke, wie der Mantel deuten, vorgrieehisch aber ,die htigelige*. Welters 
(ungefahr = ifyidtwv) und die Miitze, zu finden. weist das agaische Suffix -umna eine Ahnlieh- 
Da es sich vermutlich um eine nomadisierende keit mit dem indogermanischen Partizipialsuffix 



177 Kleinasiatische Ursprachen Kleinasiatische Ursprachen 178 

'm(e)no- auf , aber auoh hier ist der Bedeutungis- § 7. Die Bedeutung des Hethitischen 

unterschied zu groB. Doch gibt es wenigstens fiir die Namengebung Kleinasiens kann von der 

einen Fall, in welebom Snffixersatz eintrat: die des Luwisehen nioht reinlich getrennt werden, da 

anf dem Taurosberge liegende (Stadt) miiBte aneh das Hethitische ein nt- tind s-Snffix auf- 

agaisch "^tauro + umna heiBen, was grazisiert weist, wenn auch nieht in diesem Umfange. 

TavQO[A,svat lautet bzw., well dieses Suffix allzu Archaologisch deckt sich der Bereieh solcher Na- 

hart empfunden wurde, TavQOfAeviov (Tauro- men mit dom der hethitischen Keramik voUstan- 

minium). dig, da die geometrisch mattbemalte Keramik 

§ 6. Das Luwische heiBt hethitiseh lu- im wesentlichen mit der fruhmykenisehen Agina- 
wili, wohl ,die (Sprache) der Wolfsleute*, was 10 ware des griechischen Festlandes parallel geht. 

aber keine (xleichsetzung mit den Lykiem er- Ebemso findet man weitgehende bautechnisehe 

laubt, da sich deis ofteren verschiedene Stamme tlbereinstimmungen, wozu noch die nngefahre 

nach dem gleichen (Totem-)tier benannten. Es Gleichzeitigkeit aller dieser und anderer Ent- 

wurde mit dem Protindogermanischen identifi- sprechungen kommt (z. B. Stoning der Siedlungs- 

ziert, doch widerspricht dies dem arehaologischen kontinuitat), namlich die Zeit bald nach 2000. 

Befund, demgemaB die Luwier und Hethiter erst DaB die Luwier oder Hethiter auch auf dem Fest- 

nach 2000 (aus der sarmatischen Bbene) einwan- lande waren, zeigt nicht zuletzt der Name von 

derten. AuBerdem fin den sich die- Luwisehen Kydathen, der Unterstadt von Athen; hethitiseh 

(und Hethitischen) ON mit dem s-Suffix noch kutti bedeutet namlich ,eeitlieh, aAiBen*. In Klein- 
nicht in den kappadokischen Tontafelnl Wenn20asien ist der Name einer hethitischen Haupt- 

auch das Luwische viel starker kleinasiatisehen gottin Isharas als IsQa zu finden, ebenso die 

Einfliissen unterlegen ist, so zeigt es doch weit- hethitischen Fremdgotter ^abiri, die = Kd^si- 

gehende Verwandtschaft mit dem Hethitischen. Qot sind. SchlieBlioh seheinen die Keteier den 

Im Luwisehen ist das — das protochattische Namen der Hethiter zu tragen. Das hethitische 

wif-Suffix ersetzende — w^-Suffix sehr produktiv, Suffix -wa-^ das auf Grund von Sfehreibvarianten 

und zwar in der konsonantischen Deklination, dem Worte uwas ,Sohn* gleichwertig ist, treffen 

wie dies z. B. der luwische GN Tarhunx(a) gegen- wir im Karisohen als beliebtes Patronymikon, fer- 

tiber hethitischen Tarhu- zeigt; auch zur Plural- ner in Fallen wie Navvoag: Navvag; Ba^oag: 

bildung wird es allgemein verwendet. Hingegen Ba^a; Kaboag (= lydisch katuvas): Kadvg; 
ist das s-iSluffix dem Luwisehen allein eigentum- 30 Menuas (chaldischer Konig) : Mi^v (Mondgott) : 

lich; es driickt idie Zugehorigkeit aus, z. B. dah^r auch Pvfiog m., ,(Sohn) des Ru*. Auch im 

Qulassa (,Ort des Gottes Chulas*), dabei zeigt es Lydischen treffen wir es an, aber schon in erwei- 

sich in verschiedenen Formen, die auch in ispa- tert genealogischer Bedeutung, wie die Bilinigue 

terer Zeit recht genau auseinander gehalten wur- nr. 20 zeigt, in der Bakivas einem AiovvoiKXfjg 

den: -assa diente zum Ausdrucke eines Sttick entspricht. 

Landes mit den daraufstehenden Hausem (vgl. §8. Achaier sind schon fiir die Mitte des 
unser ,Marktflecken*), idaher wurden solche Namen 2. Jahrt. in Kleinasien nachweisbar. Denn wir 
spater als Neutrum pluralis aufgefaBt, vgl. ta finden in den hethitischen Texten griechische 
Aadaoa (Kastell in Kappadokien) bzw. es wurde Konigs- und Landemamen, vor allem Ahhijawa, 
ein Singular dazu gebldet: Tegyaoov (lykiisch). 40 das ein Land Achaia in Kilikien ist, wo auch 
Hingegen ischeint in -assos (grazisiert fiir -assas] noch in spaterer Zeit die Hypachaier, die har- 
der Hinweis auf die Stadt (ohne Ackergrund) zu barisierten ,Mischachaier*, wohnten, und das noch 
stecken. Wenn weiters der Wettergott der Stadt unter Salmanassar HI. (9. Jhdt.) Qawe hieB. Fer- 
Chulassa GOTT hulassassis genannt wird, dann ner hieB das Land der pontischen Achaier 'H na- 
bedeutet dies wohl ,der der (Stadt) Chulassa*. )^aia Axata ,Alt-Achaia*, die dort ihr Leben als 
Auch dieser Gebrauch hat sich bis in spate Zeit Seerauber fristeten. Sie sind wohl identisoh mit 
erhalten; denn Ovaaoaooig ist ,der (Mann) aus dem in agyptisehen Quellen (14. Jhdt) genann- 
Ovaooog^ (Karien), lykisch atanaxi ,Athener*, tem Seevolke der Aqaiwasa, wobei die Endung 
lemnisch holaiesi ,Sohn des Holaith*. In sehr -asa wohl kleiiaasiatisch ist (vgl. gajasa = Land 
verallgemeinerter Bedeutung (Personifizierung) 50 der g^aja). Ein weiterer griechischer Stamm 
liegt es vor in jig^aoig ,Donatus*: lykisch erbbe waren die Lykier, d. i. die ,Wolfsleute', deren 
,G«schenk', TgoKo-aQpaoig ,Theodoros'; noch ver- Land hethitiseh Lukka hieB und die ebenfaUs in 
blaBter in der BUingue nr. 134 masasi: Maoa. den agyptisehen Berichten vorkommen. — In den 
Ebenso der Suffixersatz, durch den aus dem grie- hethitischen Urkunden finden wir einen Alaksan- 
chischen Zsvg ein lykisches xeusi wird (wel- dus von Wilusas^ der kaum von Alexandres von 
chen Namen Hesych, als Zevaig den Avdm Wilios getrennt werden kann; denn die Verschie- 
[S<3hreibfehler fiir Avmoi] zuschreibt. Die Form denheiten konnen dureh Suffixersatz erklart wer- 
-assas dient im Luwisehen vorziiglich dazu, Ver- den, indem -avbQog idureh hethitiseh -andus, -usa 
balabstrakte ausaudriieken, vgl. hantassas ,Festig- hingegen durch ,dardanisehes' -log ersetzt wird. 
keif, GOTT hantassas ,Gott der Treue'. Diese 60 Derselbe Yorgang liegt auch bei hethitiseh Tfaj- 
Verwendung spiegelt sich im Lykisehen wider, ruisa: TQoia vor; ebenso in Assuwa: Aola. Einige 
wo zahlreiehe Amtsbezeichnungen auf -axa aus- andere Namengieiehungen sind weniger sieher, 
gehen, vgl. maraxa ,Vorstand*: etruskisch maru z. B. Tawagalawas: TJreoxXfjg. — Archaologisch 
(zur Verwendung von Abstrakten vgl. ,die hohe seheint das Auftreten der ersten Grieohen mit 
Obrigkeit' potestas > itaHeniseh podestd ,Biirger- dem "Qbergang von den Schachtgrabem zu den 
meister'). Daneiben ist mehrfaeh -issa zu finden, Kuppelgrabern in Mykene zusammenzuf^len (etwa 
vgl. PN Tarhunt'issa; noch in spater Zeit ist es 1500 v. Chr.). — Fraglich ist es, ob man die 
produktiv, vgl. Ha/LiaQiooa (= SafxaQixig). Im'an, die in den Insehriften von Ras-Samra 



179 Kleinasiatische Ursprachen Kleinasiatisclie Ursprachen 180 

vorkommen (13. J'Mt.), als laones auffassen darf, Beachtenswert ist auch die Endungsgleicbheit 

da — trotz H r o z n y Archiv Orientalni IV 169ff. von chaldisch aruni ,er gab* und etruskisch turune 

— lautliche Schwierigkeiten bestehen. ,er gab*. — Die chaldische Gottheit Queras ist 
§ 9. Die agaische Wanderung (um identisoh mit Kopeioog — Kd§siQog. 

1200) hatte zwar politisch und gesellschaftlieh § 10. Der EinfluB der Randvolker ist gering. 

die grofiten Folgen, da sie sich wie eine Elemen- Fiir das Subaraische waren erst nach dem Zu- 

tarkatastrophe answirkte. Die sprachlichen Ein- sammenbruch ides Hethiterreiehes Mstorisclie Mog- 

wirknngen scheinen hingegen gering gewesen zu liohkeiten einer weistlichen Axisbreitung gegeben. 

sein, da die vorhandenen Volker und Spraehen Darauf weist der Name der hurrischen Mutter- 
nur versohoben (oider ausgerottet) wurden, die 10 gottin Igepat bin, die als 'Inta iitixyiq wieiderkehrt. 

neu ankommenden aber nur engbegrenzten Ein- Zur Substitution des h ist zu beachten, daB das 

fluB batten. Immerhin ist vielleicht die ionische subaraische h nicht mitdemhetbitischen^ (=oh) 

Hauchpsiolose etae Wirkung der phrygischen (vgl. zu vergleichen ist, wie dieis noch der ON 'O^Qa 

phrygisoh a^PsQST: griechiseh eqpsQs). Zu beach- == U'^rra, der Landesname VQQorjvr} ,Hurriland' 

ten ist auch, daB die illyrischen Dardaner zeigt. Auch einzelne EN konnen sfubaraisch sein, 

— nach dean! Muster von UaQiov = iSltadt des wie vielleicht prhygisoh (ON) Aovbada (vgl. pihry- 
UaQig — aus Wilusas'^Wilion {y'lhov) gebildet gisch Aovda f.), da sich diese Art der RedupH- 
haben; ebenso Taruisa > Tgo-lrj. Von den andern kation bei subaraiisehen EN mit deminutiver Be- 
Stammen der thrakisch-phrygischen Welle (Troia deutung hauiig zeigt. Indes haben die suba- 
Vn/2, Buchelkeramik; grobe, schwarze Ware) 20 raischen Spraehen diese Eigenart aus den Spra- 
kennen wir kaum die Namen; vermutlich sind chen Mesopotamiens bezogen, vgl. akkadiseh 
auch die Philister dazu zu reehnen. Die Abuhii, sumeikch. GOTT Aruru, so daB vielfach 
T e u k r e r kommen in den agyptiischen Quellen auch semitischer EinfluB angenommen werden 
als Takara m. (neben anderen Namen) vor. Hin- kann. — Die subaraischen Stamme in Mitanni 
gegen haben die Umschichtungen zu starken Mi- und in einzelnen syrischen Stadten kamen zu 
schungen gefiihrt. Der von Kreta einwandemde Beginn des 2. Jahrt. dahin, von indischen Fur- 
(mediterrane) Stamm der Te r m i 1 e n iiberschich- sten beherrscht. Dies zeigen ihre Konigsnamen, 
tete den bereits barbarisierten Stamm der grie- z. B. Surata vedisch su-ratha ,schone Wagen be- 
chischen Lykier, dereo Spraehe epichorisch sitzend', ferner die Abhandlung des K i k k u 1 i 
nur noch in Spuren vorhanden ist, vgl. sttati 30 aus Mitanni iiber Pferde training: die darin vor- 
sttala ==: lomri ordXav, bzw. xeusi = Zevg. Auch kommenden Faehausdriicke sind indisch, vgL 
der lykische (nicht aber milyische) Wan del von s z. B. vasanna altindiseh vahannam ,das Fahren*. 
(zwischenvokalisch und vielleicht im Anlaut) zu Welters kommen in hethitischen Staatsvertragen 
h konnte auf das griechische Konto gesetzt wer- einmal die Gotter Indra, Mitra, Varuna und 
den. — Von den Karem wird berichtet, daB sie Nasatja vor, die unzweifelhaft ,ariseh' sind. Die 
aus Lemnos eingewandert sind. Dahin weist eine Inder haben davon den Indra und den Varuna in 
Sonderheit hin: der lemnische Nominativ vonPN ihr Pantheon aufgenommen. Auch die altindische 
lautete vorwiegend -aith (vgl. '^holaW; seronaid)-, QoiimKHhera stammt aus Kleinasien und ist den 
diese Eigenart kommt in Meinasien nur ein ein- mit Ko^siQog — KdpsiQog zu vergleichen. Das 
ziges Mai wiederum vor, namlich in Karien, vgl. 40 Wiirfelspiel haben die Inder, sowie die Grieohen, 
Afj/biai'd'og mythische Person, Hvfipiai'd'og Ort, aus Klei>nasien bezogen: der schlechteste Wurf 
Ktvaido-noXig Inisel. In dieser Spraehe ist der hieB ,Hiund', der Gewinner des Spieles infolge- 
protochattische Einschlag deutlich greifbar (pra- dessen ,Hundswiirger*; der Ausgangspunkt war 
figierendes Verbum!). Die Lyder nennen sich Lydien, vgl. "Egfjifj Kvvayxa f^rjoviorl == Eavdav- 
selbst nicht Lyder, woraus allein schon die Ein- h]g. Die auff alligeForm des indischen Kosenamens 
wanderung nach Lydien hervorgeht. Die Unahn- amha (unflektiert!) findet iseine Parallele nur in 
lichkeit der spateren kleinasiatischen Spraehen Kleinasien, vgl. 'A/LtPaoov das phrygische 
ist demnach dadurch verursacht, daB sich jede ,Metropolis', d. h. ,Ort der Muttergottin*. Der 
von ihnen aus mehreren Komponenten zusammen- letzte Rest idieser vorderasiatischen Inder steekt 
setzt und daB diese Komponenten nur zum Teil 50 in den Bagadaonen, das sind die Verehrer 
die gleichen sind. — Die Chalder hingegen haben der Bagada (der ,gluckbringenden'), vgl. altper- 
Westkleinasien verlassen und sind nach Armenien siseh baga ,Gott', altinidiiseh bhaga ,Segenspender, 
gezogen, wo ihre Spraehe vielfach sfubaraische Gluck'. SchlieBlich miissen noch einige Falle von 
Eigenschaften annahm. Sie bildeten nur eine Namen auf -ak- hiehergerechnet werden, wobei 
dunne Herrenschicht tiber die Saja; daher nann- auch spatere iranische Einfliisse in Betracht kom- 
ten sich die Armenier, die das Chalderreich stiirz- men, vgl. ON Ma^a^ea (zuawestisch maM-,groB*), 
ten, Haik' (-k" ist die armenisehe Bezeichnung des UaX^axT} (karisches Gebirge). 

Plurals), indem sie an den Namen der noch vor- § 11. Zu den von Sundwall gegebenen 

handenen vorchaldischen Bevolkerung ankniipf- Analysen kleinasiatischer Namen seien einige bin- 
ten. Die Chalder bewahrten trotzsdem kleinasiati- 60 zugeftigt. Es muB dabei betont werden, daB nur 

sches Gut, und zwar scheint es agaisch zu sein. dann auf Wahrscheinlichkeit gerechnet werden 

Dahin weist der Konigsname Menuas (,Sohn des kann, wenn Grundwort und Sniffix geklart sind. 

Mondgottes Mrjv^); die Verwendung des stadte- Wenn TQOTcodQpaoig so viel wie ,Theodoros* ist 

namenbildenden Suffixes -na; der Ausdruck f atari (s. o.), dann muB KoXaQ^aoig ,der ein Geschenk 

,Stadt' darf mit dem lykischen ON fttara, ly- des Gottes Kola (= hethitisch Hulas) ist' heiBen. 

disoh IleraQa, kappadokisch UrsQia usw. ver- Damit gewinnen wir die Deutung von KolaXrjiAig 

glichen werden. Auch griechiseh ntoXig (neben (ungefahr gleichartig wie echt griechiseh Ma- 

TzoXtg) kann durch ^ptara bewirkt worden sein. afovsg^ qui matrem colunt), also ,Pfleger, Ver- 



181 Kleisas Korinthos 182 

ehrer des Kula'; wir finide-n namlich das zweite S. 906 zum Art. Enakadion: 

Kompositumsglied in der lydischen (geistlichen) Pick Bezz. Beitr. XXI 250 vermutet, da6 der 

Amtsbezeidmung sivraXmis (der Artemis); es Name Knakalion zu schreiben sei. [v. Geisau.] 
wiederholt sich in KoroQalri(A,ig, worin der Name S. 921, 21 zum Art. Enidos: 

der KobbaQm (Sardianorum or do) steckt. Ein 5) Ein mir von Liv. XXXI 27, 6 genannter 

uberaus haufiges Namenselement ist muwa, das Platz im siidlichen Illyrien, der im J. 200 v. Cbr. 

im Hethitischen auch als Appellativum erhalten nach der Besetzung von Codrion von L. Apustius, 

ist (= akkadisch pupuhdu ,Haueh, Greist*) und dem Legaten des Consuls Sulpicius Galba, er- 

ungefahr so viel wie ,K6rpersaft, Lebenskraft' obert worden ist. K i e p e r t FOA XVI sucht C, 
heiBt. Es wird aueh im Hethitischen ausgietoig 10 dessen Namen E r a h e Indogerman. Bibl. 

zurBildung von EN beniitzt; ausdergroBenZahl HI. Abt. 7. Heft 11 fur vorindogermanisch an- 

der kleinasiatischen Beispiele sei auf Tarku-muva sieht, in der Landschaft Dassaretis siidlich des 

,des Tarku Geist besitzend*; KovaQi(A,oag ,eines Apsusfiusses im Siidosten von Antipatreia (vgl. 

Kabeiro,s Geist besitzend*; Ova^afAoag ,Gottes Niese Griech. und mak. Staaten II 597). Das 

Geist besitzend'; "EQiAa^jLoag ,des Hermes (Erd- bei Kallim. hym. in Kerer. 25 genannte ovnco 

gott) Geist besitzend* hingewiesen. Aber so wie rav Kvidlav sn Acouov Iqov svaiov UeXaoyol 

es im Griechisehen neben BeobcoQog ein Acoqo- diirfte mit unserem K. kaum identisch sein. 
d'sog gibt, so findet man schon hethitisch muwa- [Max Flusis.] 

UR,MAg ,die magische Kraft eines Lowen be- KoaZoi, Ethnikon eines thessalischen Ortes 

sitzend, Lowenherz' bzw. MooQpiig (m., kilikisch) 20 nur inschriftlich belegt, Arvanitopullos Eev. 

,die magische Kraft desi Erdgottes Hermes be- philol. XXXV^ 123. 182. [v. Geisau.] 

sitzend'. Hermes wird zur Bildung von EN Kokelonaioi (?ccbfA,r] KohsIcovscdv), thrakisches 

haufig bentitzt; aber wie der FluBname TJQfj,og Porf, erwahnt auf einem beim Dorf Orisovo (Bez. 

zeigt, der den Beinamen noXvy)r}q)ida tragt, Cirpan in Stidbulgarien) gefundenen Grenzstein, 

liegt wohl das Appellativum 8QfjLa{^) ,Steinhau- Kazarow Bull. Inst. Arch. Bulg. II 73 nr. 17. 

fen' zugrunde. Das Alter dieses Gottes wirddurch Hondius SEG III 540. Der Name K. ist thra- 

den hethitischen PN 60TTarma-(G0TT)dattas kisch. Mateescu Ephera. Dacorom. I 144. 
bewiesen. fG. Kazarow.] 

§ 12. Literatur. Da sie auBerst umfang- xolvfifiij'&Qa, Meist ein groBes Bassin, das 

reich und verstreut ist, konnen hier nur die wich- zum Baden und Schwimmen diente (Diod. IV 78. 
tigsten Arbeiten angegeben werden bzw. nur 30 XIII 83. Plut. Alex. 76. Paois. Ill 21, 4. IV 35, 

solche, die reichliche Literaturangaben enthalten. 9) und oft in den gewachsenen Boden einge- 

Archaologische und anthropologische Zusammen- arbeitet war. Dann aber auch ein zu demselben 

fassung bei Christian, im Eeallex. d. Assy- Zwecke verwandtes, groBes GefaB (Lucian. Hipp. 5. 

riol. (,AltkleinasiatischjeVolker*). 0. Menghin Plat. rep. V 453d), uber dessen Aussehen je- 

Weltgeschichte d. Steinzeit (Wien 1931). Texte doch nichts gesagt werden kann. [v. Lorentz.] 

gibt J. Friedrich Kleinasiat. Sprachdenk- Suppl.-Bd. IV S. 997, 17 zum Art. Korinthos 
maler (Berl. 1932) mit auBerst reichhaltigen Lite- (Topographic): 

raturangaben bei jeder einzelnen Sprache; zuden War das katastrophale Erdbeben, das Neu-K. 

acht Sprachen von Boghaskoi Forrer ZDMG und teilweise Alt-K. am 22. April 1928 zerstorte, 
N. F. I (1922) 174ff. Besonders tiber Kleinasien, 40 abgesehen vom Schaden am Brunnenhaus der 

Kretschmer in fast alien Banden der Glotta, Glauke, unbedeutend hinsichtlich der korinthischen 

insbesonders ab Bd. XI (1921), wobei auch die Altertiimer, so haben dagegen die seit 1925 rasch 

Literaturberichte zu beachten sind. Wichtig ist aufeinander folgenden Kampagnen der Amerikani- 

auch noch das ReaUexikon der Vorgeschiehte schen Schule in Athen, sowie die regelmaBig er- 

(hrsg. von E b e r t), insbesondere die Artikel scheinenden Berichte und vor allem die groBe 

,Altkleinasdjatische Sprachen' (Friedrich), Publikation, von der schon 10 Bande veroffent- 

,Griechen* (D e b r u n.n e r), ,Kappodokische Ton- licht sind, in der Dekade von 1924 bis Ende 1933 

taf ein'. Geschichtlieh orientierend Schacher- unsere Kenntnis der korinthischen Geschichte und 

meyr Etrusk. Frtihgesch.' (Berl. 1929). Gotze Topographic erheblich verbessert und vermehrt. 
Kleinasien (Mtiller Handb. IH 1, 3; 1933). Un-50In der allgemeinen Geschichte war es vor allem 

entbehrlich ist die Siammlung und Behandlnng die Betonung der Wichtigkeit der Ereignisse im 

kleinasiatischer Eigennamen durch Sundwall J. 338 v. Chr., infolge deren K. die politische 

(Klio Beih. XI). An Einzelheiten sei noch her- Hauptstadt Griechenlands wurde, die Feststellung, 

vorgehoben: Kretischmer Kleinasiat. Forseh. daB im J. 146 v. Chr. vielleicht der groBte Teil 

I (1930) Iff. 297ff.; WZKM XXXHI Iff.; KZ LV der religiosen und profanen Gebaude gar nicht 

75fE, LVII 251ff.; IF XLV 267ff. Porzig ZII von den Soldaten des Mummius zerstort wurde, 

V (1927) 265fE. H r o z n y- Archiv Orientdlni Iff. und die Erkenntnis, daB die endgiiltige'Zerstorung 

(1929ff.). Benveniste Studi etruschi VH K.s im 4. Jhdt. n. Chr. vor allem dem Glaubens- 

(1933) 525fE. Meriggi WZKM XL 233ff. eifer und dem Fanatismus der christlichen An- 
Friedrich Hethitisch und ,Kleinasiatische' 60 griffe auf die Heiden und heidnischen Gebaude 

Sprachen, Berl. 1931. Hrozny Prager Eund- zugeschrieben werden muB. Bildete bis 1925 vor 

schau in nr. 4. Brandenstein Die tyrrhe- allem das Zentrum der antiken Stadt, sowie ge- 

nische Btele vom Lemnos, Berl. 1934. legentlich isolierte prahistorische Stellen und 

[W. Brandenstein.] Graber den Gegenstand der archaologischen Un- 

Kleisas, boiotischer Flecken, Plut. amat. narr. tersuchungen, so wurde in der letzten Dekade unter 

4,775b, wahrscheinlich identisch mit Glisas Oberleitung von Hill, Blegen, Carpen- 

Bd. VII S. 1426, 34. [v. Geisau.] ter, St ill well und Shear entweder im 



183 Korinthos Korinthos 184 

Zentrum weiter gearbeitet oder auch der Peri- Mtinzen: Cor. VI. Bellinger Catal. of the 

pherie der antiken Stadt durch archaologische Coins found at Corinth in 1925, New Haven 1925; 

Arbeit ihre Geheimnisse abgewonnen. Yale Class. Studies II (1931) 185ff. J. B. Cam- 

Q u e 1 1 e n. Zusammenfassende Bibliographie m a n n The Symbols on staters of Corinthian 

und Geschichte der Ausgrabungen: CNeill type (Numism. Notes and monogr. LIII) 1932. 

Ancient Corinth, Baltimore 1930 (vgl. Gnomon 0. Ravel Corinthian hoards (id. LII) 1932; 

VI 360fE. =s politische Geschichte bis 404 V. Chr.). Arethuse VI (1929) Iff.; Rassegna Numismatica 

J. H. Finley Speculum (Cambridge Mass.) 1929, Iff.; Revue Numism. 1932, Iff. (sehr wich- 

1932, 477ff. (mittelalterl. K.). de Waele Gno- tigl); weiter in den Berichten .des Theaters, der 
mon IV 562ff. X 225ff. H. N. F o w 1 e r Corinth 1 10 Nordstoa und des Asklepieions. 

Iff. Publikation der Ausgrabungen (=: Corinth): Korinthische Vasenmalerei: H. G. G. Payne 

Fowler und R. Stillwell Introduction (Ge- Necrocorinthia, a Study of Corinthian Art in the 

schichte K.s und der Ausgrabungen bis 1925 mit Archaic Period, Oxford 1931; Protokorinthische 

Notizen bis 1932), Topography and Architecture Vasenmalerei, Berl. 1933. St. B. Luce Am. 

(Lechaionstrafie, Propylaia und Tempel des Apol- Journ. Arch. XXXIV 313ff. Hill Am. Journ. 

Ion) 1932 (= Cor. I). C. W. Ble gen. Still- Arch. XXXV 51f.; weiter in den Berichten der 

well, A. R. Bellinger, 0. Broneer Aero- Nord- und Ostnekropole, der Nordstoa, des Kera- 

corinth 1930 (== Cor. Ill 1). R. Carpenter, meikos, des Asklepieions. L. T. Shoe Hesperia 

A. B n Die Mauern Akrokorinths und der Stadt I (1932) 56ff. 

(Cor. Ill 2) ist in Bearbeitung. I. Thallon-20 Terrakotten usw. Cor. IV 1 und 2. Berichte 

Hill, L. S. King Decorated Architectural Ter- des Theaters und der Nordnekropole, des Kera- 

racottas 1929 (= Cor. IV 1). Broneer Terra- meikos und des Asklepieions. 

cotta Lamps 1930 (= Cor. IV 2). T. L. S h e a r Plane: Mazarakis in UQaKxinh 'Aqx, 

The Roman Villa 1931 (= Cor. V). K. M. 'EtaiQ. 1906 T. 5; die Ausgrabungsgebiete: 

Edwards Coins (1896—1929) 1933 (= Cor. Cor. I Dinsmoor-Stillwell Karte des 

VI). B. D. Meritt Greek Inscriptions (1896 Zentralausgrabungsgebietes in Carpenter Guide; 

—1927) 1932 (== Cor. VIII 1). A. B. West mein Plan S. 189 mit eigener Erganzung des 

Latin Inscriptions (1896 — 1926) 1932 (== Cor. siidlichen und westlichen Stadtgebietes und unter 

VIII 2). F. P. Johnson Sculpture (1896 — Beniitzung der im Museum kauf lichen, von J. 
1923) 1931 (= Cor. IX). Broneer The Odeum 30Eigenmann und F. vanSchagen gezeich- 

1932 (=: Cor. X). In Bearbeitung sind weiter: neten Karte Akrokorinths (verfehlt ist die Karte 

das Topferviertel, das Theater, die Nord- und in Cor. Ill 1). 

Ostnekropolen, Asklepieion und Lerna, Nordmarkt Topographic. Das wichtigste Ereignis 
und Nordstoa, Nordweststoa und Laden der Agora, der korinthischen Forschung der letzten Jahre ist 
Tempel E, die christliche Basilika, Peirene und die Feststellung des Mauerkranzes der Stadt in 
heiliger Brunnen, Glauke, die lulische Basilika. griechischer Zeit (Karo Arch. Anz. 1932, 132). 
Zusammenfassend: Fowler Art and Arch. XIV Es stellte sich^heraus, da6 die Stadtmauer nicht 
193—225. Carpenter Korinthos, A Guide nur die zwei Stadtterrassen (s. Suppl.-Bd. IV 
1928; Korinthos ebd. 1933 (ein Fiihrer flir das S. 997ff.) einschloB, sondern auch eine der Nord- 
neue, 1933 in Gebrauch genommene Museum 40 seite des ostlichen Teiles vorgelagerte Terrasse. 
steht in Aussicht). d e W a e 1 e Gnomon X 225ff. Die Westgrenze der antiken Stadt stieg allmah- 
Y. Bequignon Grece (Guides Bleus) 1932 lich auf einem sich zwischen zwei Sturzbachen 
(1928 abgeschlossen); Berichte im Arch. Anz., hinziehenden Hiigelriicken bis zur Westmauer 
Am. Journ. Arch, und Bull. hell. Akro-K.s hinauf. Durften die archaologischen 
Griechische Inschriften: Cor. VIII 1, vgl. Entdeckungen auch nicht die Genauigkeit der 
Gnomon IX 415ff.; weitere Inschriften, Graffiti Angaben Strabons hinsichtlich der Teilstrecken 
usw. in den Berichten uber Theater, Nordstoa, der Mauer beweisen (s. Suppl.-Bd. IV S. 98, 57), 
Asklepieion usw.; Polemon I (1929) 112ff. die Totallange der Stadtmauer, der akrokorinthi- 
Lateinische Inschriften: Cor. VIII 2, vgl. Gno- schen Befestigung sowie der leider noch sehr 
mon IX 418ff.; weiter in den Berichten des Thea- 50 hypothetischen Befestigung Lechaions und der 
ters und der Nordnekropole; Erastus-Inschrift: Schenkelmauern scheint den 120 Stadien (21 km). 
Shear Am. Journ. Arch. XXXIII 525. de die Strabon als Gesamtlange der korinthischen 
Waele Mededeelingen Nederl. Histor. Instit. Mauern angibt, sehr nahe zu kommen. Mit einer 
Rome IX (1929) 40ff. van de Weerd Revue Ausdehnung von 600 ha war K. die Stadt des 
beige philol. et hist. X (1931) 87ff. Roos Mne- griechischen Festlandes mit dem groBten Weich- 
mosyne LVIII 160ff. Cadbury Journ. BibL bild (Athen in den themistokleischen Mauern un- 
Liter. L (1931) 42ff. Carpenter Guide2 85f. gefahr 200 ha, Syrakus ungefahr 1500 ha, Pom- 
Graffiti und Stempel: Shear Am. Journ. peii m ha, vgl. Paris im alten Mauerkranz 
Arch. XXXn 476. XXXV 426. C o m f o r t Am. 7800 ha). 

Journ. Arch. XXXIII 484ff. d e W a e 1 e Am. 60 Das Zentrum der antiken Stadt bildet jetzt em 

Journ. Arch. XXXVII 438ff . geschlossenes Ausgrabungsfeld, das man am besten 

Skulptur: Cor. IX, vgl. Gnomon IX 15ff.; von der modernen Agora aus betritt. Bei der 

archaische Skulptur: Shear Am. Journ. Arch. Freilegung der groBen A 1 1 e e nach L e c h a ion 

XXXI 489 Fig. 10. d e W a e 1 e Am. Journ. Arch. (Hill Am. Journ. Arch. XXXI 72ff. Meritt 

XXXIV 450; neue Skulpturen in den Berichten ebd. 450ff. Cor. I 135ff.) bis zur modernen StraBe 

des Theaters (vgl. auch Shear Am. Journ. f anden sich Abstuf ungen des f allenden Terrains. 

Arch. XXX 456. 462. XXXVI 330ff.), der Nord- An der Westseite dieser StraBe, stidlich des alten 

stoa, des Asklepieions, und in Cor. X. Museums und nordlich der romischen Basilika 



185 Korinthos Korinthos 186 

liegen die Ruinen eines groBen Komplexes mit Ausstattung mit Marmor scheint der Periode des 

Kammern und einem zentralen, teilweise noch Herodes Attikus zugeschrieben werden zu miissen 

nicht ausgegrabenen Platz, der von einem aus (Carpenter 30ff.). Neue Untersuchungen 

frtihbyzantinischer Zeit datierenden Hemizyklus- haben nachgewiesen, daB die Peirenequelle auf 

bau bedeckt war (B r o n e e r Am. Journ. Arch. Akro-K. (s. u.) nur fiir die Burg in Betracht kam, 

XXX 49ff. Cor. VIII 2 S. 102. Cor. I 142H.). und daB ihr Wasser gar nicht zur Peirene her- 

Vielleicht lag hier einFischmarkt (deWaele unter reichte, wie man friiher annahm (Karo 

Am. Journ. Arch. XXXIV 454), der die Fort- Arch. Anz. 1933, 222. Hill Peirene, bevor- 

setzung des an der Nordseite des Tempelhiigels stehende Publikation in Corinth.). S. Nachtrag. 
befindlichen Nordmarktes in ostlicher Richtung 10 Die monumentale Ostgrenze der antiken Agora, 

bildete (s. u.), bis im Anfang des 3. Jhdts. die bald mit dem zentralen Ausgrabungsfeld ver- 

n. Chr. die beiden Markte durch eine Thermen- bunden wird, bildete die lulische Basilika 

anlage (d e W a e 1 e Am. Journ. Arch. XXXIV mit einem andern, noch nicht naher bestimmten 

436ff.) voneinander getrennt wurden. Diesem Gebaude. Bei neuen Untersuchungen wurde fest- 

,Fischmarkte* gegeniiber liegt an der Westseite gestellt, daB diese Basilika ursprunglich ein recht- 

der StraBe ein byzantinischer Hauserruinenkom- eckiges Gebaude aus hellenistischer Zeit war und 

plex, in dem man kaum noch die Reste klassischer in rbmischer Zeit grlindlich umgebaut wurde 

Gebaude wiederfindet (Carpenter Guide^ 23). (Carpenter 92ff. d e W a e 1 e Gnomon VII 

Nur eine romische Latrinenanlage ist verhaltnis- 610). Ganz freigelegt ist jetzt eine monumentale 
maBig gut erhalten. Bei dem groBen Thermen- 20 kreisformige Basis, eine Arbeit aus griechischer 

gebaude, das unter den byzantinischen Mauern Zeit, aber in romischer Zeit wahrscheinlich zu 

liegt, ist die Identifikation nicht gesichert, doch einer Art Siegessaule oder Trophae umgearbeitet 

wahrscheinlicher als die etwa 150 m nach Nor- (Karo Arch. Anz. 1933, 222). 

den gelegene Ruine (Plan TL), muB man diese Der ganze Komplex an der LechaionstraBe 

Thermen als die von Pausanias (II 3, 5) erwahn- (griechischer Markt, romische Basilika in zwei 

ten Bader des Eurykles betrachten. Mit den sog. Perioden, romische Laden, Propylaia, s. Suppl.- 

Badern des Hadrian nordlich des Theaters und Bd. IV S. 1000, 20ff. 1001, 15ff.) sowie der 

einer Thermenanlage jtingerer romischer Zeit Tempel des ApoUon (s. Suppl.-Bd. IV S. 999, 

westlich des Odeions und dem jetzigen Ausgra- 28ff.) wurde von Stillwell publiziert (Cor. I 
berhaus (Karo Arch. Anz. 1932, 138) ist somit30 115 — 228, vgl. de Waele Am. Journ. Arch, 

fiir K. die Existenz von fiinf Thermenanlagen im XXXV 397f,). 

Zentrum der romischen Stadt festgestellt (s. Mit der weiteren Freilegung der griechisch- 

SuppL-Bd. IV S. 1002, 64ff.). romischen Agora (s. Suppl.-Bd. IV S. 1000, Iff. 

Siidlich des byzantinischen Viertels liegt ein Carpenter 42) wurde 1933 angefangen. Die 
groBer rechteckiger Platz, der Peribolos des Apol- nach den Statuen der Gefangenen benannte Fas- 
Ion (Hill Am. Journ. Arch. XXXI 71 ff. sade, die im 2. Jhdt. n. Chr. als ein monumen- 
de Waele Gnomon VII 52; unrichtig Suppl.- taler AbschluB der romischen Basilika nach der 
Bd. IV S. 1002, 23ff.), wo man nach erneuter Agora zu gebaut wurde, ist, soweit die diirftigen 
Untersuchung die Basis der sich in der Mitte des Stiicke gestatteten, rekonstruiert worden (C a r - 
Temenos befindenden Statue des ApoUon ent- 40 p e n t e r 47ff .) und die mit Metopen und Tri- 
deckte. Aus griechischer Zeit scheinen die Spuren glypen verzierte, sonstigen dorischen Altaren in 
einer Erzwerkstatte herzuriihren, und die Nahe Perachora, Kerkyra und Syrakus (de Waele 
des Peirenewassers ruft die Erwahnung der Erz- Gnomon X 225) ahnlich sehende AbschluBmauer 
bearbeitung mit diesem Wasser (Pans. II 3, 3) in der Terrasse der Nordseite der Agora, harrt der 
Erinnerung (Carpenter 27). Wie sich der Publikation Hills, sowie der heilige Brunnen und 
hier in griechischer Zeit befindliche Platz zu dem das Orakelheiligtum, dessen genaue Bestimmung 
kleinen griechischen Tempel verhielt, der in friih- wohl immer sub iudice bleiben wird (s. Suppl.- 
hellenistischer Zeit entfernt wurde, laBt sich nicht Bd. IV S. 1000, 42f. Carpenter 49ff. B o n- 
mehr sagen. Vielleicht fiel dieser Tempel A den n e r Am. Journ. Arch. XXXIII Iff. S. Eitrem 
neuen Bauplanen zum Opfer, die zur Ausstattung 50 Serta Rudbergiana 1931, 23; Philol. Woch. 1931, 
der Stadt nach den Ereignissen des J. 338 v. Chr. 765. d e W a e 1 e Philol. Woch. 1933, lllff.). 
(s. u.) ausgefiihrt wurden. S. Nachtrag. In der Geschichte der groBen Halle siidlich 

An der Siidseite des Peribolos lagen die be- unterhalb des archaischen Tempels (C a r p e n - 
riihmte Peirene-Quelle (s. SuppL-Bd. IV S. 1001, ter 54f.) konnten drei Perioden festgestellt wer- 
51 ff.) und die den AbschluB der Ostseite der den: die der hellenistischen Stoa mit dorischen 
groBen Agora bildende Basilika, die nach den Saulen an der Siidkiiste und ionischen im Innern, 
hier gefundenen Statuen des iulischen Kaiser- die zweite Periode in friihaugusteischer Zeit, in 
hauses die lulische Basilika genannt wurde. Aus der die Saulen mit Stuck uberzogen werden, der 
der archaischen griechischen Zeit stammt die erste im 3. Jhdt. n. Chr. erfolgte Umbau der Halle zu 
Ausstattung der Peirene (s. u.) mit den vier Ian- 60 Magazinen durch die Anlage der groBen Laden- 
gen Wassergangen und den Schopfbassins. In reihe, die im Siiden der friiheren Stoa vorgelagert 
einer folgenden Periode wurden die sechs Zimmer wurde (Karo-Stillwell Arch. Anz. 1933,219). 
unter dem iiberhangenden Konglomeratfelsen ein- Aus antoninischer Zeit ist der nicht naher 
gebaut und die elegante ionische Architekturver- bestimmbare, jetzt ganz zerstorte Tempel (C a r - 
kleidung angebracht. In der romischen Zeit kam p e n t e r ebd. 69. Karo Arch. Anz. 1933, 21 9f.), 
die Porosfassade mit den zwei Etagen und das am Westende, aber siidlich der hellenistischen 
offene Wasserbassin in der Mitte des Hofes vor Halle in der Nahe des Marktausganges, der auf 
den Wasserkammern hinzu. Die Verkleidung und die StraBe nach Sikyon fiihrte (Tempel D). 



187 Korinthos Korinthos 188 

Die Siidseite der Agora wurde be- Westlich der Agora und des groBen Tempels 

grenzt von einer 165 m langen Halle mit einem sind jetzt manche Gebaude und Ruinen frei- 

Flacheninhalt von etwa 4125 qm, wohl dem groB- gelegt. An der nordwestliehen Ecke der Agora 

ten antiken Bauwerk des griechischen Festlandes. und westlich der nach Sikyon fiihrenden StraBe 

Die Front der nach Norden geoffneten Stoa ist befindet sich ein Bezirk mit einenj kleinen Tem- 

dorischer, die innere Saulenreihe ionischer Ord- pel, der aus dem 1. Jhdt. n. Chr. stammt, aber bei 

nung, im Siiden schlieBen sich zwei Reihen Laden dem Mangel bestimmter Indizien nur als Tempel 

an, mit 33 Doppelmagazinen und 32 Brunnen, die C bezeichnet werden kann (Carpenter 68f .). 

von einem langen Kanal aus der Peirene gespeist Den westlichen AbschluB der Agora bildete 
wurden. Die bisher angenommene friihe Datie- 10 eine Reihe Laden (Kolonnade mit sechs gewolb- 

rung ins 4. Jhdt. v. Chr. (Carpenter 43) ten Zimmern), an deren Siidseite eine monu- 

wurde jetzt durch die Kleinfunde (Terrakotten, mentale Treppe,zu der Ruine^ eines groBen romi- 

Munzen) ins 3. Jhdt. versetzt, in oder nach der schen Tempels (Tempel E) fiihrte. Der nach 

Zeit des Ptolemaios III. (247 — 222). Der Bau 41 n. Chr. erbaute Podiumtempel ist in flavi- 

dieser gewaltigen Halle hangt wahrscheinlich scher Zeit umgestaltet worden, indem man die 

noch zusammen mit der regen Bautatigkeit, die MaBe zwar beibehielt, aber den ganzen Bau ein 

die Korinther nach 338 v. Chr. (s. u.) entfaltet Stiick nach Westen riickte. Was sich an Ge- 

haben, wodurch die griechische Stadt des 5. und bauden westlich der Agora in griechischer Zeit 

4. Jhdts. sich den Anforderungen des hellenisti- befand, ist bei der grundlichen Zerstorungs- 
schen Stadtebaus anpaBte. S. Nachtrag. 20 arbeit der romischen Ingenieure kaum noch zu 

Nordlich vom Westende dieser groBen Siidstoa vermuten, und nur Brunnenfunde in der Um- 

liegt ein merkwtirdiger Bau, der vielleicht als ein gebung, wie die Fragmente tonerner Giebel- 

von den Romern mit Hilfe der monolithen Saulen figuren des spateren 6. Jhdts. weisen auf einen 

des zerstorten Tempels errichtetes Propylon viel alteren und wichtigeren Bau in dieser 

anzusehen ist (B r o n e e r Am. Journ. Arch. 1933. Gegend (Carpenter 70f. St il 1 w e 1 1 Am. 

Karo-Stillwell Arch. Anz, 1933, 220ff.). Journ. Arch. XXXVII 496. Karo Arch. Anz. 

das jetzt (1934) weiter untersucht wird. 1933, 2181). Indessen ist die Identifizierung des 

Von einem kleinen Rundtempel des 1. Jhdts. Tempels E mit dem Tempel derOctavia (s. Suppl.- 

n. Chr., den ein gewisser Aedilis und Pontifex Bd. IV S. 1001, llff.) weniger glaubwtirdig als 
Cn. Babbius Philinus wahrscheinlich in der 30 die mit dem von Pausanias oberhalb (ies Theaters 

Agora errichtete, wurden die erhaltenen Archi- erwahnten Kapitol (Pans.' II 4, 5: Plan TE'). 

tekturstiicke zu einem Ganzen zusammengefiigt Das neue Museum wurde in dieser Gegend er- 

und in der westlichen Halfte der Agora, jedoch richtet auf einem Grundstiick, das auBer vielen 

nicht in situ, errichtet (Carpenter 53). Spuren einer prahistorischen Ansiedlung und 

Nordlich unterhalb des Tempelhiigels wurden Resten von zwei StraBen keine wichtigen Daten 

zwei wichtige Komplexe freigelegt, ein griechi- aus dem klassischen Altertum aufwies (d e 

scher und ein romischer. Hier befand sich eine W a e 1 e Gnomon VII 610). Nordlich davon steht 

griechische Ston, der schon zwei Stoen voran- jetzt die Glauke-Quelle (s. Suppl.-Bd. IV S. 1103, 

gegangen zu sein scheinen. Die erste Halle scheint 37ff. Carpenter 72ff.), der das Erdbeben 
dem 5. Jhdt. anzugehoren. Die groBe, etwa 95 m 40 von 1928 groBen Schaden zugefiigt hat. Das in 

lange HaUe ist ins 4. Jhdt. v. Chr., vielleicht der Nahe liegende, von Pans. II 3, 6 erwahnte 

in die Anfange der hellenistischen Zeit, zu und erklarte Monument der Kinder der Medeia 

datieren. Im KellergeschoB dieser im J. 146 (s. Suppl.-Bd. IV S. 103, lOff. Pi card 

V. Chr. griindlich zerstorten, spater von den Rev. Arch^ol. XXV [1932] 218ff. Carpenter 

Romern nie wieder aufgebauten Halle fanden 74f.) konnte bisher noch nicht lokalisiert werden, 

sich 51 goldene Statere Philipps und Alexanders trotz der genaueri Andeutung neben dem Odeion. 

und eine goldene Halskette aus derselben Zeit Dieses romische Theater (Plan. Od.), dem wohl 

(de Waele Gnomon VII 50. Am. Journ. Arch. kein griechisches vorangegangen ist, wurde erst 

XXXV 394ff.). Die ostliche Halfte dieser Nord- in den letzten Dezennien des 1. Jhdts. n. Chr. in 
stoa verschwand voUig beim Bau des romischen 50 diesem Teil der antiken Stadt errichtet, die in 

Nordmarktes in der letzten Halfte des 1. Jhdts archaischer und vielleicht auch in klassischer Zeit 

n. Chr., fiir dessen Fundierung der Felsenhiigel als eine Art Steinbruch verwendet wurde. Dieser 

des Tempels an dieser Stelle ausgeschnitten Abglattung und Nivellierung ist das aus dem 

wurde. Nur die Siidseite mit 13 Laden, teilweise Felsen gehauene Gebaude entgangen, die Glauke- 

die Westseite mit einer DurchgangsstraBe, ein Quelle, siidostlich des Odeions. Von den friiheren, 

Teil des zentralen Platzes mit der Wasserrinne beim Bau des Odeions zum groBten Teil weg- 

und der marmornen Pflasterung wurden ge- geschnittenen StraBen wurden wichtige Spuren 

funden (Carpenter 65ff. d e Waele Am. entdeckt. Die von Philostr. vit. soph. II 551 (s. 

Journ. Arch. XXXIV 432ff.). Suppl.-Bd. IV S. 1003, 51ff.) erwahnte Freigebig- 

In der Nahe des Theaters sah Pausanias das 60 keit des Herodes Atticus bezieht sich auf den 

Heiligtum der Athena Chalinitis (Pans. ersten Umbau des in flavischer Zeit und kurz vor 

II 4, 5; s. Suppl.-Bd. IV S. 1003, 62ff.), dessen oder nach, der Umwandlung des groBen Theaters 

genaue Lage bisher nicht festgestellt werden in ein unregelmaBiges Amphitheater (s. u.) um- 

konnte, sondern vermutet wird nordlich der gebauten Odeions. Etwa um das J. 225 n. Chr. 

StraBe, die der griechischen Nordstoa entlanglief erfolgte ebenfalls hier eine Umwandlung in ein 

(Shear Am. Journ. Arch. XXIX 388ff. 444ff. Amphitheater mit einer Arena. Die Zerstorung- 

XXXII 489. d e W a e 1 e Am. Journ. Arch. XXXV diirfte in der*Mitte des 4. Jhdts. n. Chr. erfolgt 

407ff. Carpenter 65ff. Plan AC). sein (s. u.; Cor. X). 



189 



Korinthos 



190 



-^ ~ Meer. FluB, Bach 

-—- -« S+adtmauer, ausdrOcklJch teslgestellt 

===== Stadtmauer 

r.-TT-.-rr-.' Stadtmauer, hypothetischer Ver.'auf 

^ To; 

j:>^ Tofm 

=••=.•.=: Antiker Weg Oder StraBe 

////////// Grenze der Terrassen, Hiigelland u Akrokormthos 

— '-~— «" Uoderne Eiser>bahn 

"Hf KJrchlein 




Ana KIrchederAnargyroi 
AC Heillgt. Athena 

Chaiinitis 
Ag Agora 
Ak Akrokorinthos 
Am Amphitheater 
BA Bader der Aphrodite 
CB Christliche Basilica 
CQ Korlnthischer See- 

busen 
Ch Hiigel Cheliotomylos 
EC Ostnekropole 
QC Tor nach Kenchreal 
Gl Tor nach Isthmos 
QM Tor nach Megara 
6P Tor nach Phllus 
H Heralon (?) 
QS1 Tor nach Slkyon(l)(?) 
QS2 Tor nach Slkyon(2)(?) 
QTe ostl.Tor nach Tenea 
QTw westl. Tor nach Tenea 
QW Tor In der westl. 

langen Mauer 
HL Hafen Lechalon 



HV Hellenistische Villa 
JB Julische Basilica 
JW Justinlanische Mauer 
Ke Keramelkos 
LA Lerna u. Asklepleion 
Lq Lerna-Brunnen 
Mu neues Museum 
NC Nordnekropole 
Od Odelon 
PC palaochr. Friedhof 
Pe Peirene-Brunnen 
RL rom. Stralje nach 

Lechalon 
RV rSmische Villa 
TA TempsI des Apollon 
TAp Tempel d. Aphrodite 
TE Tempel E 
TEI Tempel der Eile- 

thuia (?) 
Th Theater 
TS Theater-StraPse 
TL Thermen der 

Lechaion-Stralje 
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191 Korinthos Korinthos 192 

Die Freilegung des grofien Theaters Helios, ein Heiligtum der "Avdyxr} und der Bla, 

(Plan Th) ist von 1925 bis 1929 vor sich ge- Tempel der Gottermutter, der Schicksalsgottin- 

gangen. Vom friihesten noch dem 5. Jhdt. an- nen, der Demeter und Persephone, der Hera 

gehorigen Theater (Xen. hell. IV 4, 3) hat sich Bounaia. 

an dieser Stelle an der Seite der Terrasse, die Auch Akrokorinth (Plan Ak) wurde syste- 

gerade nordlich des Odeions abfallt, keine einzige matisch untersucht (s. Suppl.-Bd. IV S. 1004, 

Spur auffinden lassen. Das teilweise erhaltene 43ff. Cor. I 84ff. Ill 1, S. 1 — 30 [Aus- 

griechische Theater (s. Suppl.-Bd. IV S. 1004, 4ff.) grabungen], 30—49 [obere Peirene], 50—60 

ist wohl in friihhellenistischer Zeit erbaut, etwa [Graffiti der oberen Peirene]. Ill 2 [in Bearbei- 
nach dem J. 338 v. Chr. Die Cavea hatte 10 tung, wird die Mauern besprechen]). Vom Sisy- 

36 Keihen Sitze, und 20 000 Zuhorer fanden hier pheion wurde niehts gefunden (s. Suppl.-Bd. IV 

Platz. Die groBen Versammlungen wurden hier S. 1006, 39ff.). Vom kleinen Heiligtum der 

abgehalten (Plut. Arat. 23). Um die kreisformige Aphrodite am Gipfel (Plan T A) ist fast niehts 

Orchestra lief eine mit Brticken versehene Wasser- iibriggeblieben. Der wichtigste klassische Rest 

rinne. Die korinthischen xogai oder Tempel- ist die jetzt noch fungierende obere Peirene- 

dienerinnen der Aphrodite scheinen hier beson- Quelle mit Wasserbehalter (Plan UP) und den 

dere Sitze eingenommen zu haben, wie die In- auf den Wanden gekritzelten Graffiti mit der 

schrift KOPFAN auf einem im Westparodos des 8fA,vi^o'&r]-¥oxmel. Die von Pausanias erwahnte be- 

romischen Theaters eingebauten Sitze zu sagen waffnete Aphrodite, die im kleinen Tempel am 
scheint. Bei dem Wiederaufbau der Stadt nach 20 Gipfel sich befunden haben soil, bespricht B r o - 

hundertjahriger Verodung (146 — 44 v. Chr.) n e e r Univers. of California Public. I 2 (1930), 

wurde die Cavea ausgedehnt und die Neigung 65 — 84. 

des Zuschauerraumes steiler gemacht. Im Anfang Auf dem Hugelrucken, der vom westlichen An- 
des 2. Jhdts. n. Chr. wurde es in ein Amphi- satz Akrokorinths nach Norden zu verlief, befand 
theater umgewandelt, und dazu wurden die vor- sich die Westmauer der antiken Stadt, die von 
deren Sitzreihen weggeschnitten. Eine 3 m hohe halbkreisformigen und rechteckigen Tiirmen ver- 
Umfassungsmauer, die mit gemalten Darstellun- teidigt wurde (de Waele Gnomon VII 49. 
gen der Gladiatorenspiele geschmiickt war, be- 609. Karo Arch. Anz. 1932, 132). Das sich un- 
schiitzte die Zuschauer gegen die Gefahren der gefahr in der Mitte der Westmauer befindende 
Arena. Die Umwandlung des Theaters steht in 30 Tor soil wohl das Tor nach Phlius sein (Plan G P) 
direktem Zusammenhang mit dem Bau des (Xen. hell. VII 1, 18) und vielleicht identisch mit 
Odeions, und auch der Wiederumbau dieses dem von Plutarch (Arat. 21, 1, 22, 2) er- 
Amphitheaters in ein spatromisches Theater ist wahnten Tor beim Heraion. Dieses Heiligtum 
wohl nicht zu trennen von der Anlage des grofien lag auBer der Stadt und ist schon in archaischer 
Amphitheaters an der Ostseite der Stadt (s. u.). Zeit bekannt (Herod. V 92; H. W. Porter Her- 
Im 4. Jhdt. n. Chr. wurde das Theater voUig mathena [Dublin] XXX [1931] 54ff.). Weder die- 
2eistort, seies beim RaubzugAlarichs (395 n. Chr.), ses Heiligtum, noch das der Eileithyia (Pans. II 
sei es schon etwa 40 Jahre f ruber in der Periode, 5, 4), das sich in der Nahe des wohl in dem siid- 
wo die Christen im romischen Reich ihren lichsten Stiick der Westmauer liegenden (west- 
Triumph Tiber das Heidentum durch Zerstorung 40 lichen) Tors nach Tenea (Plan G Tw?) befand, 
heidnischer Gebaude feierten. Wichtige Klein- wurden bisher gefunden (Cor. I 93). 
funde wurden gemacht im Theater sowie auf der Die weitaus wichtigste Stelle an dieser West- 
naheliegenden, schon gepflasterten TheaterstraBe mauer ist das Topf erviert el, im auBer- 
und den groBen Platzen nordlich der Theater- sten nordwestlichen Winkel der antiken Stadt 
gebaude: unter den Inschriften ragt die Er- (Plan Ke). Es liegt auf einem sich aus dem 
wahnung eines Erastus hervor, in dem man, Hugelrucken der Stadtmauer nach Norden ent- 
meines Erachtens mit Unrecht, den Freund des wickelnden und senkenden Plateau, das an 
Paulus hat erkennen wollen (s. u.); ein helleni- beiden Seiten von einem Sturzbach in tiefer 
-scher Mosaikboden findet seine beste Parallele in Schlucht umflossen und durch die ostliche 
-der vor 348 v. Chr. zerstorten Stadt Olynthos, 50 Schlucht vom ubrigen Gebiet der Stadtterrassen 
und von den mancherlei Skulpturstucken ist be- getrennt wird. Der korinthische Kerameikos lag 
sonders eine Gigantomachie und eine Amazono- hart am Rand dieses Tafellandes, und die alte 
inachie sowie eine Artemis, die auf eine Arbeit Mauer lief am Htigelrand entlang. Die jiingere, 
des Strongylion zuriickgehen diirfte, zu erwahnen aus Porosquadern mit Emplekton konstruierte 
(Shear Am. Journ. Arch. XXIX 381 ff. 449ff. Mauer wurde ein betrachtliches Stiick zuruck- 

XXXII 474ff. XXXIII 515ff. St ill well ebd. verlegt und durchschnitt den im 5. Jhdt. beim 

XXXIII 77ff. Philol. Woch. 1930, 1261ff. Shear allmahlichen Medergang der korinthischen Topfer- 
Class. Weekly 1930, 121 ff. Carpenter 82ff. Industrie aufgegebenen Kerameikos. Runde und 
de Waele Pantheon [Mtinch.] 1930, 523). viereckige Turme, die zum Teil von kleinen 

Siidlich und siidwestlich der antiken Agora 60Mantelmauern umgeben sind, schtitzten die Stadt- 

liegen ausgedehnte, noch nicht untersuchte Fel- mauer. Ungeheure Haufen protokorinthiseher und 

der (mit Ausnahme einer hellenistischen Villa, korinthischer Scherben sowie voUstandige Stticke, 

s. Plan H V), am FuB von Akrokorinth. , Noch armliche Hausmauern der Topferwohnungen, 

Tteines der vielen von Pausanias (II 4, 6f.) er- Wasserleitungen und heilige Bezirke mit un- 

wahnten Heiligtumer wurde entdeckt: die Bezirke beschriebenen, ratselhaften Stelen sind die Reste 

der pelasgischen und der agyptischen Isis, die eines Betriebes, dessen drei Forderungen: Was- 

zwei Bezirke des Serapis, von denen eines dem ser, Wind und Ton hier reichlich vorhanden 

^erapis im Kanopos geweiht war, die Altare fur waren. Am wichtigsten ist der Fund proto- 



193 Korinthos Korinthos 194 

fcorinthischer Fehlbrande, wodurch der zuerst von Die groBe korinthische Nekropole (PlanNC) 

Furtwangler postulierte korinthische Ur- dehnte sich aus in der Ebene, nordlich des Hii- 

sprung der protokorinthischen Gattung gegen gels Cheliotomylos und westlich der westlichen 

F. Johansen Les Vases Sicyoniens (1923) end- Schenkelmauer nach Lechaion. Die friihesten 

giiltig bewiesen zu sein scheint. Unter den ge- Funde datieren noch in neolithische und frtih- 

iundenen Sttieken ragen Graffiti (eines hat den helladische Zeit zuriick, die letzten : Graber stam- 

neuen Topfernamen Echekles), bemalte Pinakes men aus dem Ausgang des Heidentums. Diese 

wie die von Penteskouphia (s. u. Art. Pen- Nekropole wurde abgelost von einem palaochrist- 

teskouphia) und eine metallene Schale mit lichen Friedhof (Plan P C), auf der Stadtterrasse 
einer archaischen Widmung an Aphrodite hervor 10 selbst, zwischen dem Hiigel Cheliotomylos und 

(de Wa el e Gnomon VI 56. VII 49. 609. Ear dem Gebiet des Asklepieions (Plan LA). Die 

Arch. Anz. 1931, 251. Frau A. Newhall- letzten Graber dieses Friedhof es scheinen der Zeit 

Stillwell Am. Journ. Arch. XXXV Iff. lustinians anzugehoren (d e W a e 1 e Am. Journ. 

XXXVII 605ff.; die endgiiltige Publikation wird Arch. XXXVII 436. XXXVIII [1934]). AuBer 

jetzt von ihr vorbereitet. Carpenter 96). den schon in 1915 und 1916 entdeckten Grabem 

In Versuchsgrabungen wurde der weitere Ver- sind jetzt in der groBen Nekropole 581 Bestat- 

lauf der Stadtmauer vom Kerameikos bis zum tungen untersucht. Manche davon sind aus der 

Htigel Cheliotomylos (Plan Ch) verfolgt und da- frtihhelladischen und mittelhelladischen Zeit und 

bei auch ein Turm entdeckt. Das Tor, das den werden wohl von den Ansiedlungen herruhren, 
Eingang zur ostlichen Schlucht beschtitzte, wurde 20 die im Weichbild der spateren Stadt und in der 

nicht gefunden. Es diirfte dieses ein Tor nach Korinthia, vor allem auf bestimmten Hilgeln 

Sikyon (Plan G S 2) gewesen sein, wie das Tor entdeckt sind (B 1 e g e n Am. Journ. Arch. XXIV 

am Cheliotomylos-Hiigel, vieUeicht das von Liv. Iff. XXVII 107ff.; Cor. I 107ff.; Korakou, A 

XXXII 23, 4 erwahnte. Ostlich der Schlucht und prehistoric settlement near Corinth, 1921; Zygou- 

auBerhalb der griechischen Mauer, die wohl im ries, A Prehistoric Settlement in the Valley of 

J. 146 V. Chr. zum groBten Teil niedergerissen Cleona, 1928; eine Publikation prahistorischer 

wurde, lag eine 1925 entdeckte romische Villa Funde in Korinth verspricht Frau A. Walker- 

(Plan E V 1), von der ein Atrium und vier andere Kosmopoulou). Aus der spathelladischen oder 

Raume freigelegt wurden. Schone Mosaiken, in mykenischen Zeit wurden nur GefaBscherben ge- 
denen Shear die Tradition der Schule des Pan- 30 f unden. Obgleich f iir diese Periode, vergliehen mit 

sanias finden mochte, die aber wohl dem 1. Jhdt. den vorhergehenden, das archaologische Material 

n. Chr. angehoren, schmiickten diese Raume nicht so reichlich vorhanden ist, wird man doch 

(Shear Am. Journ. Arch. XXIX 391ff.; Class. kaum der Theorie W. Leafs (Homer and 

Weekly XXIV nr. 16—17; lUustr. Lond. News History 217. Am. Journ. Arch. XXVII 152ff.) zu- 

178 [1931], 1012; Cor. V.'Vgl. Ippel Gnomon stimmen konnen, K. sei in den Zeiten der Atriden 

VIII 168ff. Carpenter 96). nicht besiedelt gewesen (O^N e i II 59ff.). Beson- 

Ob der Hiigel Cheliotomylos (Plan Ch) in die ders der Hiigel von Aetopetra (B 1 e g e n. Cor. I 

Stadtmauer eingeschlossen war, scheint sehr frag- 108f.), westlich von K. und am Weg, der durch 

lich, besonders nach dem Funde einer wohl zur das Tal des Longopotamos nach dem Becken von 
Schlucht und zur Wasserversorgung fuhrenden 40 Kleonai fiihrt (s. Suppl.-Bd. IV S. 995, 68ff.), 

Treppe und mehrerer Mauerschichten, die ent- scheint in alien Perioden der helladischen Zeit 

weder zur Stadtmauer gehoren oder als Stiitz- besiedelt gewesen zu sein. Geometrische, proto- 

mauer fiir die groBe FahrstraBe, die um den korinthische und korinthische Vasen tauchten 

Hiigel herum in die Ebene fiihrte, zu inter- aus den Grabem der groBen Nepropole auf, und 

pretieren sind (d e W a e 1 e Gnomon VII 609). auch die spateren Perioden, vor allem die attischen 

Ostlich dieser StraBe fand sich eine unterirdisehe Vasen sind reichlich in diesen Grabern vertreten. 

Grabkammer, die sorgfaltig mit Stuck verkleidet Eine von Neandros signierte Kylix ist bis jetzt 

und mit einer FuBhohlentreppe versehen war. das einzige vollstandige bekannte Stiick dieses 

Ein steinernes doppeltes Bett in Porosstein mit Meisters. Ein lydisches GefaBchen, Kleinfunden 
reicher Verzierung bildet das einzige Beispiel im 50 des athenischen Kerameikos ahnlich, ruft die Be- 

igriechischen Totenkultus des 5. Jhdts. und er- ziehungen K.s zu Lydien in Erinnerung und die 

innert an gleichartige Funde in etruskischen Bemuhungen des Periandros im Streit zwischen 

Grabern. Wo die StraBe durch die Mauer pas- Milet und Lydien (P. Ure The Origin of 

sierte, befand sich ein Tor, das ebenfalls ein Tor Tyranny 1922, 191. Herodot. Ill 48f.). Die von 

nach Sikyon (Plan G S 1) gewesen sein kann den Schriftstellern (Strab. VIII 6, 23; Krinagoras 

^s. 0.). Die StraBe verzweigte sich wahrscheinlich Anth. Pal. IX 248) beklagte Entweihung der 

in der Ebene, und die ostliche Verzweigung Graber; aus griechischer Zeit kurz nach dem 

fiihrte wohl durch das Tor in der westlichen J. 44 v. Chr. wurde an vielen Beispielen der 

Schenkelmauer (Plan GW), das von Xen. hell. Nordnekropole deutlich. Im siidwestlichen Teil 
IV 4, 7ff. erwahnt sein diirfte. VieUeicht war go am Hiigel und am Rande der Schlucht wurden 

diese StraBe der Hauptweg fiir Wagen und Kammergraber und Columbaria, steinerne Sarko- 

Pferde, um die nordliche Hafenstadt Lechaion zu phage und Ziegelgraber entdeckt (Shear Am. 

erreichen, und stand somit im Gegensatz zu der Journ. Arch. XXXII 490ff. XXXIII 538ff. XXXIV 
von Paus. II 3, 4 erwahnten sv'&ela odog nach 403ff. XXXV (1931) 424ff.; Class. Weekly XXIV 
Lechaion, einer AUee, die in griechischer Zeit I21ff. de Waele Am. Journ. Arch. XXXV 
in einer westlicheren Richtung, dem Asklepieion 243ff.; Gnomon VI 55. VII 47, 607. J. Piat- 
zu,verlief(de Waele Am. Journ. Arch. XXXV ner Art and Arch. XXIX 195ff. 257ff. XXXI 

408. XXXVI 429). 153ff. 225ff. Carpenterll). 

Pauly-Wissowa-KroU Suppl. VI • 



195 Korinthos Korinthos 196 

Die Nordseite der Terrasse zwischen Chelio- einem Spendentisch, einer Opfertafel und einer 

tomylos und dem vermutliehen Ansatz der Stadt- Abfuhrrinne. Als K, im J. 338 v. Chr. zum Lohn 

mauer an die westliche Schenkelmauer (s. Suppl.- seiner Neutralitat und wahrscheinlich auch mit 

Bd. IV S. 1003, llff.) wurde von drei oder vier Eiicksicht auf seine zentrale Lage von Philipp 

Vorspriingen eingenommen, die von mehreren zur Hauptstadt Griechenlands und zum admini- 

Buchten und modernen Passen durchbrochen strativen Zentrum erwahlt wurde, folgte eine 

sind. Der Schenkelmauer am nahesten liegt wohl rege Bautatigkeit in vielen Teilen der griecM- 

die tiefe Bucht, die von den Ruinen des tiirki- schen Stadt, die als monumentaler Ausdruck ko- 

schen Palastes beherrscht wird und in die das rinthischen Biirgerstolzes und Wiederauflebens 
Wasser der sog. Bader der Aphrodite (Plan B A) 10 des Wohlstandes aufzufassen ist (s. Suppl.-Bd. IV 

flieBt. Die Ruinen dieser zweifeUos antiken An- S. 1029). Die ganze Nordseite der Stadt wurde 

lage wurden bis zu den Entdeckungen der ameri- nach einem einheitlichen Plan umgebaut und auf 

kanischen Schule mit den Ruinen der Peirene- dem Hiigel des friiheren Megarontempels trat 

Quelle identifiziert (vgl. Frazer Pans. Ill 24). jetzt ein 15,20 m langer und 8,26 m breiter 

Weiter nach Westen ist die Stelle des Htigels mit distyler, dorischer Tempel in antis an die Stelle 

den Ruinen des Asklepieions, dessen Lokalisie- des abgerissenen kleinen Heiligtums. Saulen- 

rung auch die Stelle des von Pans. II 4, 5 er- hallen wurden an den vier Seiten des Bezirkes 

wahnten alten Gymnasions, des Zeustempels (diese gebaut, und hinter diesen Saulenhallen befanden 

zwei Komplexe nur annahernd) und der in der sich grofie Raume, die als Priesterwohnungen 
Landbucht zwischen diesen drei Gebauden befind- 20 oder als Magazine, vielleicht auch als heilige 

lichen Lerna^Quelle (s. u. Art, L e r n a) end- Schlafstatten verwendet wurden. Hinter der Sud- 

gultig bestimmte (s. Suppl.-Bd. IV S. 1004, 17ff.) haUe jedoch lief eine StraBe, die mit ihrer tTber" 

(Plan L A). Auf dem Htigel, westlich der Lerna- dachung eine Art Cryptoporticus bildete. Die 

Bucht, stand einmal ein riesiger dorischer StraBe war teilweise durch den Felshiigel ge- 

Tempel, wahrscheinlich der Tempel des Zeus, der schnitten, teilweise mit Mauern flankiert, die aus 

wohl in der Mitte des 4. Jhdts. n. Chr. das Los schonen isodomen Schichten errichtet waren* 

der vielen heidnischen Anlagen der Stadt teilte, Ein Wasserbehalter, der wohl von einer Wasser- 

die der Zerstorungswut der Christen zum Opfer leitung gespeist wurde und rituellen Zwecken 

fielen. Stidlich der Lerna-Bucht war wohl die diente, stand am ostlichen Eingang des Crypto- 
Stelle des alten Gymnasions, von dem manche In- 30 porticus, der zu der 4 m tief er liegenden Lerna- 

schriften herzuriihren scheinen (Cor. VIII 1 bucht fiihrte. Die ostliche Seite dieser Bucht, 

nr. 14f.). Wie die Reihe der 20 Saulenfundamente unmittelbar unterhalb des Asklepieionhtigels, 

an der Sudseite des Keramidaki-Gebietes (d e wurde vom a^axov oder syKoifA^rjxriQiov eingenom- 

Waele Am. Journ. Arch. XXXVII 41 8f.) sich men, das wahrscheinlich aus vier Zimmern mit 

zu diesem Komplexe verhielt, laBt sich bei den je 11 steineren Liegesitzen, niedrigen Tischlein 

sonstigen diirftigen Funden kaum sagen. und einem Altar in der Mitte bestand. Ahnliche 

Weitaus am wichtigsten sind die Ruinen Sitze wurden neuerdings in der korinthischen 

des Asklepieions. Auf dem schon in pra- Faktorei Perachora und im Troizenischen Askle- 

historischen Zeiten besiedelten Hiigel stand ein pieion entdeckt (s. Am. Journ. Arch. XXXVII 
hocharchaisches Heiligtum, von dem sich nur 40 133). Von der Geschichte des Heiligtums ist ver- 

eine favissa mit Scherben, die bis in die haltnismaBig wenig bekannt. Der hellenistische 

Mitte des 6. Jhdts. v. Chr. und vieUeicht noch Tempel hat nach 146 v. Chr. weiter bestanden; 

hoher hinaufreichen, entdeckt wurde. Eine doch muB' er kurz nach dem J. 44 v. Chr, von 

archaische Widmung an Apollon diirfte den Be- Freigelassenen des Marcus Antonius restauriert 

weis liefern, daB in diesem Heiligtum Asklepios worden sein, wie eine Inschrift am Architrav zu 

und Apollon ovwaoi waren. Vielleicht ist dieser besagen scheint. Auch die romische Geschichte 

kleine Tempel identisch mit dem archaisch-klassi- des Heiligtums ist unbekannt. Durch die griind- 

schenMegarontempel, von dem sich Einschnitteim liche Zerstorung des 4. Jhdts. n. Chr., bei der 

Felsboden fanden. Dieses Megaron (7,50 x 5 m) die Wut der Christen sich an erster Stelle gegen 
muBte den neuen Bauplanen des J. 338 v, Chr. 50 den heidnischen ocoz'^q richtete, der mit der 

weichen. Die Vermutung liegt nahe, daB dieses Hilfe der Damonen seine Wunder verrichtet 

hocharchaische Heiligtum schon in das 7., viel- haben soUte, verschwand das ganze Heiligtum, 

leicht 8. Jhdt. zurtickreicht und irgendwie in Zu- und nur mit Hilfe der Felseinschnitte sowie der 

sammenhangt steht mit dem Kult des Asklepios zerstreuten Baustiicke kann man eine Rekonstruk- 

im benachbarten Titane (Pans. II 11, 5) oder in tion seiner Geschichte versuchen. Spater wurde 

Epidauros. Hierher sollte der Gott der Medi- das ganze Gebiet bis zum Hiigel Cheliotomylos 

zin schon in der Friihzeit aus Thessalien oder zu einem christlichen Friedhof der palaeochrist- 

Thrakien eingewandert sein (Thraemer Myth. lichen Zeit verwendet (s, o.) (d e W a e 1 e Gno- 

Lex. I 623ff. Detschev Bull, arch^ol. bulgare mon VII 52, 611ff.; Am. Journ. Arch. XXXVII 
III [1925] 131). In der Zeit der Kypseliden (vgL 60 417—451; die Publikation steht in Aussicht; 

Herodot. Ill 52) scheint Apollon seinen Sitz im Karo Arch. Anz. 1931, 243. 1932, 132e. 1933, 

Zentrum der Stadt eingenommen zu haben, in 222. Carpenter 87). 

dem archaischen dorischen Tempel (s. o.). Aller- Die niedrige Hiigelreihe, die dem Nordrande 

hand Korperglieder in Terrakotta und in natur- der Terrasse des Asklepieiongebietes vorgelagert 

Hcher GroBe und sonstige Votivgeschenke, die in ist, dtirfte am auBersten Rande eine Strecke der 

den vielen favissae gefunden worden sind, zeugen Stadtmauer getragen haben, so daB die untere 

von der Verehrung des Heilgottes in diesem Lerna und die Laden an beiden Seiten (s. u. Art^ 

Megarontempel mit einer doppelten Kultstatue, Lerna in Korinth) in die Verteidigung einge- 



197 Korinthos Korintlios 198 

schlossen waren. Diese Strecke der Stadtmauer In der Nahe dieses Gebaudes wurden 37 Gra- 

muB sich der westlichen Schenkelmauer ange- ber aus dem 5. und 4. Jhdt. v. Ohr. untersucht 

schlossen haben, deren Linie der jetzige Feld- (Plan EC). Die Nekropole an dieser Stelle be- 

weg folgt, der an der kleinen Kirche des H. weist, dafi die Peripherie der griechischen Stadt 

Georgios mit dem Zypressenhain vorbeigeht. zum groBen Teil von Ackern und Nekropolen> 

Die genaue Lage des obenerwahnten westlichen eingenommen, also nicht bewohnt war, gerade 

Tores in der Schenkelmauer konnte nicht be- wie es auch in Rhodes und Syrakus der Fall ge- 

stimmt werden. Die weiteren Untersuchungen wesen zu sein scheint. Die von Pans. II 2, 4 

an der Schenkelmauer sowie der Mauern der erwahnten Graber xaxa rijv 6d6v sind also ent- 

nordlichen Hafenstadt Lechaions (s. Suppl.Bd. V 10 weder auBer- Oder innerhalb der Linie der frii- 

S. 542. Cor. I 95; s. Suppl.-Bd. IV S. 1003, 20ff.) heren Stadtmauer gewesen, was besonders fiir 

werden vor allem durch den Weinbau in der das Grab des Diogenes von Sinope, das ^Qog tfj 

Vokha-Ebene sehr erschwert. (^vXtj lag, eine wichtige Feststellung ist. Das 

Eine 1894 entdeckte und damals fliichtig bisher noch nicht entdeckte Kraneion, sowie der 

freigelegte romische Villa wurde abermals Bezirk des Bellerophon, der Tempel der schwar- 

im J. 1916 von A. Philadelpheus unter- zen Aphrodite und das Grab der Lais (Cor. VI 

sucht (Philadelpheus Archaiol. Deltion 36 nr. 193) sind deshalb im Stadtpomoerium zu 

1918, 125—135). Die Villa (Plan RV 2) lag suchen (Frazer III 181), innerhalb derMauern, 

wohl auBerhalb der griechischen Mauern und aber vor dem bewohnten Ostviertel (;;r^o ri]g 

war an die erste Terrasse angebaut, die in vor- ^0 jcoXscog) der Stadt (Carpenter Am. Joum. 

historischer Zeit wohl das Meeresufer war, bevor Arch. XXXIII 345ff.). Ob die von Steph. Byz^ 

das jetzige Alluvialufer sich gebildet hatte. Die erwahnte Kos-Hohle, die als Gefangnis bentitzt 

ViUa, die sich mehr dem griechischen Typus des wurde, in der Nahe gesucht werden muB oder 

Peristylhauses wie dem romischen des Atrium- niit Spuren antiker Einhohlungen (vgl. Cor. I 

hauses nahert, war mit schonen Mosaiken ge- 91) zuidentifizierenist, muB dahingesteUtbleiben. 

schmuckt und hatte wohl auch ein Nymphaion. Von der bekannten Bautatigkeit lustinians 

Zwischen den Ansatzen der weit voneinander riihrt wohl die Mauer her, deren Triimmerhaufen 

entfernten Schenkelmauer scheint es am Rande zwischen ^dem heutigen Dorfe und dem Isth- 

der Stadtterrasse eine Schirmmauer gegeben zu mischen Tor immer als zu einer Wasserleitung 

haben (Xen. hell. IV 4, 9). Von dieser Mauer ^0 gehorig gedeutet wurden (Plan JW). Bei der 

(Xen. heU, IV 4, 7ff. 11: 6 jisqI %o aotv >ivx%og IJntersuchung wurde ein dreieckformiger Stadt- 

oder TO rsixog) wurde nur der ostliche Ansatz turm entdeckt, dessen spaterer, mittelalterlich 

bei der ostlichen Schenkelmauer gefunden. In anmutender Umbau auf italienische Einfliisse 

dieser Mauerkortine war auch das Tor nach Le- des stark europaisierenden Manuel II. (15. Jhdt.) 

chaion (Polyain. IV 7, 8. Cor. I 82 n. 2) durch zuriickzufiihren ist. Die lustinianische Mauer 

das wohl die groBe, in ihrem tlbergang in die wird die in Folge von Zerstorungen, Erdbeben 

Ebene noch nicht festgestellte StraBe griechi- und Seuchen stark verkleinerte Hauptstadt Grie- 

scher Zeit von der Stadt nach dem Hafen lief. chenlands umschlossen haben, wo das friihere 

Die ostliche Schenkelmauer verlauft fast in Pomoerium, sowie die in der Peripherie der an- 

einer rechten Linie mit der ostlichen Stadtmauer. 40 tiken Stadt befindlichen palaeochristlichen und 

Beim Beginn dieser Mauer in der Ebene lag ein frtihbyzantinischen Gebaude ausgeschlossen blie- 

schones for mit zwei runden Tiirmen, wo die ben (d e W a e 1 e Gnomon VII 240. K a r o Arch, 

tiefen Spuren der Rader auf eine wichtige Ver- Anz. 1931, 240). 

kehrsstelle wiesen. Es dtirfte dieses Tor das sonst Von diesen palaeochristlichen Gebauden ist 

nie erwahnte Tor nach Megara sein (Plan G M); vor allem wichtig die altchristliche Bischofs- 

von den drei Toren in der ostlichen Stadtmauer kirche, die sich in der Nahe des Tores nach Ken- 

ist vielleicht das nordlichste das Tor nach Isth- chreai und des nach der Stadt fiihrenden antiken 

mia (Diog. Laert. VI 78), das zweite fiihrte nach Weges befand (Plan CB). Mittel- und Seiten- 

Kenchreai (s. Bd. XI S. 165ff.); das dritte, durch schiffe sowie die Apsis mit den Pastophorien 

das der jetzige Fahrweg geht, kann nur hypo- 50 (vieUeicht nur als Grabkapellen aufzufassen) 

thetisch als das ostliche Tor nach Tenea be- und ein trikonches, dem stidlichen Schiffe an- 

zeichnet werden (Plan GI, GC, GTe). Zwischen schlieBendes Gebaude, das als Memorialkapelle 

den zwei letzten wurde ein schones Stiick der verwendet wurde, dazu auch ein Teil des Narthex 

griechischen Stadtmauer mit runden Tiirmen frei- und des Atriums, sind in ihren Grundlagen er- 

gelegt. Der weitere Verlauf bis zur Felsenmasse halten. Der erste Ban scheint voriustinianisch zu 

Akro-K.s laBt sich vor allem mit der Hilfe topo- sein. Ob die Stelle der Kirche gewahlt war mit 

graphischer Beobachtung und durch den Fund Rucksicht auf das Kenchraer Tor, durch das der 

von Ziegelfragmenten bestimmen. Apostel Paulus in die Stadt gekommen war, oder 

Von den Ruinen im ostlichen Teil des Stadt- etwa zur Verherrlichung der Blutzeugen diente, 

gebietes war das romische Amphitheater immer 60 die die Metropole Griechenlands auszeichneten 

sichtbar (s. Suppl.-Bd. IV S. 1004, 27. Cor. 1 89fi.; (Max, HerzogzuSachsenDas Christliche 

Plan Am.). Die Ruine ist freilich noch nicht aus- Hellas 1918, 51 ft), konnte aus den Funden nicht 

gegraben, aber die Resultate der Freilegung des erschlossen werden. Diese Kirche bietet einen 

groBen Theaters und des Odeions scheinen das fundamentalen Typus ftir die Konstruktion des 

Ende des 3. Jhdts. n. Chr. als Zeit der Errichtung Querschiffes. Die Pfeiler des Mittelschiffes lassen 

dieses Amphitheaters zu erweisen (de Waele sogar einen Kuppelbau vermuten. Eine zweite 

Theater en Amphitheater in Oud-Korinthe 1928; stark verkleinerte Kirche ist in das 11. Jhdt. 

vgl. Philol.Woch. 1930, 1261 ff. Carp en tier 103). n. Chr. zu datieren und bestimmte gotische Spu^, 



199 KoQto . . , Kreta (Sprache) 200 

ren der dritten Kirche weisen sie der Frankenzeit der Nahe des Anitipliilos-Haf ens liegt ein zweiter 

(13. Jhdt.) zu (Carpenter Am. Journ. Arch. mit Namen KoXo§wv aXoog, die etymologische 

XXXIII 345ff. d e W a e 1 e Gnomon VI 56. S o- Deutung dieses Namiens mag zu der obigen Be- 

t i r i o u At xQiotiavixat Gfj^ai xal at jtaXaooxQi- merkung Stobons AnlaB gegeben habeii. Erwahnt 

axiaviKal Baoihxal tfjg TJXXddog 1931, 197ff.). wird ferner ein benachbartes Jager- und Hirten- 

Konnte in einer Zeitspanne von 37 Jahren volk, das sicb von Fldschnahrung nahrt (kqso- 

Ausgrabungsarbeit auch noch nicht die ganze Be- (pay la). Ein fleiscbeissendes Nomadenvolk in 

schreibung archaologisch begriindet werden, die Agypten Herodot. IV 186, ein vonFleischnahrung 

Pausanias gibt, wenn er K. sieht mit etwa 23 Hei- bbendes aithiopischeis Jagervolk bei Diod. Ill 31, 

ligtiimern und Tempeln und ebensovielen Sta- 10 die TiwaixoXyol. [Marg. Stephan.] 

tuen, mit Grabern, Wasserversorgung und monu- Kq-joiov oQog, arkadiseberBergunweitTegea, 

mentalen Gebauden, so trat andererseits manches mit einem Heiligtum des Aphneios, ov fjieya, 

ans Licht, was von ihm entweder nicht gesehen Pans. VIII 44, 7. [v. Geisau.] 

Oder nicht erwahnt wurde. Mit seinen 8 Tempeln S. 1718, 11 zum Art. Kreta: 

(5 davon sind griechisch, 3 romisch, 3 andere Kretische Sprache. 

konnten annahernd bestimmt werden), 3 Thea- tJbersicht: § I. Namen.' § 2. Die proto- 

tern, 5 Brunnen oder Wasseranlagen mit einem chattische und mediterrane Schicht. § 3. Der lu- 

riesigen Kanalnetz (Peirene, heiliger Brunnen, wisch-hethitische Einsehlag. § 4. Andere Volker. 

Glauke, obere Peirene, Lerna), 5 Hallen mit § 5. Der Anfang der kretischen Schrift. § 6. Die 
Laden (griechische Markthalle, nordwestliche Stoa, 20 ,lineare' Schrift. § 7. Entzifferungsmoglichkeiten. 

Nordstoa, westliche Laden, Siidstoa), 5 Markten § 8. Die eteokretischen Inschriften in griechischer 

(groBe Agora, Nordmarkt, ,Fischmarkt*) odei Schrift. § 9. Der Diskos von Phaistos. Literatur. 

Platzen (Peribolos, Lerna), 5 Thermenanlagen, § 1. Mit Kaptara, einem Land jenseits der 

2 Basiliken, dem Mauerkranz mit seinen Toren, ,Obersee* (=: Mittellandisches Meer) scheint Sar- 

Propylaen, Gymnasion (annahernd), Strafien, gon (wohl der von Assur; 21. Jhdt.) den ganzen 

Topferviertel, zwei antiken und einer altchrist- Machtbereich von K., nicht nur dieses selbst, 

lichen Nekropole, und einer altchristlichen Bi- gemeint zu haben, und zwar mit besonderer Be- 

schof skirche hat K. seine Bedeutung nicht nur tonung der Inseln und Kusten. Dasselbe gilt auch 

in romischer — wie Pausanias betont — sondern fiir das biblische Kaphtor und das agyptische 
auch in griechischer Zeit behauptet. Dafi nur 30 Keftiu oder besser Kafto (Kftiw; das SchluB-r 

sparliche Hauserruinen ans Licht gekommen sind muBte im Agyptischen abf alien). Bezeichnend da- 

(abgesehen von der Villa mit den Mosaiken, der fiir istes, da6dasDekretvonKanopus(238v.Chr.), 

Villa mit dem Nymphaeum und der hellenisti- eine Trilingue, den Ausdruck ,aus dem Lande 

schen Villa, findet man antike Hauser ostlich der Kafto* ins Griechische mit ,Phoinikien* libersetzt. 

TheaterstraBe[HausmitdemhellenischenMosaik], Daher konnen wir mit den sog. ,Keftiu*-Namen, 

sudwestlich der Nordstoa, Hauschen der Topfer die auf einer Schultaf el (aus der Zeit der XVIII. Dy- 

im Kerameikos, und neulich westlich des Tem- nastie, 15. Jhdt.) nicht viel anfangen, um so mehr, 

pels E wahrscheinlich ein Peristylhaus) erklart als sie mindestens einen Philisternamen enthalt. 

sich leicht aus dem verganglichen Baumaterial Immerhin konnte ein Name (Riickseite) rwnt das 
(die Konstruktion mit Lehmziegeln auf einer 40 wohlbekannte w^Suffix enthalten; vgl. etwa die 

steinernen Grundmauer wurde bei der ostlichen Inselnamen Aipiv&og, Td^iv^og (nach der Erbse 

Stadtmauer nachgewiesen), und vor allem aus der benannt); rs (rw-s) konnte mit dem kretischen 

Kontinuitat der Bewohnung, den Naturereignissen Ortsnamen (ON) Aaoaia zusammenhangen (vgl. 

(vor allem Erdbeben), und den haufigen systema- lykische Insel Adaia). — Hingegen bezieht sich 

tischen Raubziigen und Zerstorungen. S. Nach- agypt. Ha(u)nebu auf K. mit dem griechischen 

t r a g am iSlohlufi des Bandes. [F, J. de Waele.] Festiand. — Die Leute von K. erscheinen biblisch 

KoQio ... 5 aitolischer Gau unbekannter Lage als Gh{e)rethim. Ein Zusammenhang dieses Na- 

SGDI 2528. [v. Geisau.] mens mit dem der Stadt Fo^tw ist kaum anzu- 

S. 1568, 30 zum Art. Kranae: nehmen. Offenbar ist K. einer jener alten Lander- 

2) Ktisteninsel vor dem lakonischen Hafen 50 namen auf -a wie Lukka (vgl. AvKrjymfi^g)^ spater 

Gytheion, jetzt Marathonisi, gegeniiber Migonion Avma, 

mit einem Aphroditeheiligtum. Dorthin brachte § 2, Die einheimischen Eigennamen (EN) von 

Paris zuerst die entfiihrte Helene (Hom. II. Ill K. weisen vielfach nach Kleinasien. Wir fin- 

445. Pans. Ill 22, 1). Vgl. Bd. VII S. 2103, 24. den hiiben und druben die gleichen ON, z. B. Aa- 

2823, 64. [v. Geisau.] qIoiov (Mittel-K.) : AaQioa (lydischer und troischer 

xgaravtoy. Ein silbemes GefaB dieses Namens ON); TaQQa-. nohg Avdlo)g — ' hsQa KQt^trig 

hielt ein aus Cypressenholz gefertigter Triton im (Steph. Byz.), aber auch die gleichen Formantien 

Heiligtum der Byzantier zu Olympia (Athen. XI (s. u.). Mit besonderer Vorsicht mussen die EN- 

480a). Ebensolche GefaBe befanden sich im alten Gleichangen aufgefaBt werden, die nach Phoi- 
Heratempel zu Olympia (Athen. a. 0.). tlber GroBe 60 n i k i e n weisen, die durchaus nicht semitisch zu 

und Form des xQardnov ist nichts bekannt. Zu sein brauchen, da es einerseits in Syrien (und 

Zeiten des Athenaios nannte man dieses GefaB auch sonst) einen Ort Mivcoa gibt, und anderer- 

HQaviov (Athen. XI 479 e). [v. Lorentz.] seits die phoinikische Stadt AQabog (Arvad) wohl 

Kreophagoi. Volk am Arabischen Meerbusen identisch ist mit dem hethitisch genannten Jam- 
in der Nahe der Nilinsel Meroe, angrenzend an vattas, weshalb auch das kretische ji^adog nichts 
den Antiphilos-Hafen (s. o. Bd. I S. 2525f.). Man- fiir semitische Siedlung beweist. Auch die kro- 
ner und Frauen sind verstiimmelt und nach jiidi- tische Hafenstadt ^oln^ oder ^oiviKovg (an der 
schem Brauch verschnitten (Strab. XVE 771). In Siidkuste) besagt nichts angesichts der erwahn- 



201 Kreta (Sprache) Kreta (Sprache) 202 

ten Tatsache, dafi agyptisch Kafto griechisch mit Hermes Kv(paQiooi-q)a (Voc.) ungefahr die schiit- 

Phoinikien iibersetzt wurde. Sicher ist, dafi viel- zende Zugehorigkeit ausdrlickt (vgl. ela(pog, das 

fach EN aus K. in Etrurien wiederkehren; vgl. Muttertier, das scMtzend zum sXUg gehort). Es 

etwa roQzvv: Gortona, Teiavog (Ftavog, ein Dich- taucht auch in den eteokretischen Texten auf, 

ter): Reianus (CIL VI 253912.). AUe diese Um- ohne dafi man aber daselbst den Zusammenhang 

stande mtissen bei der Bestimmung der Volker erkennen konnte. — Ein lautliches Charakteristi- 

und Sprachen beriicksichtigt werden. — So wie kum ftir das Mediterrane, auch in Kreta, ist es, 

in Eleinasien (s. o. S. 169) und Griechenland daB es nur Tenuis (von den Griechen mit Media 

scheinen auch in K. die Protochattier zur oder Tenuis wiedergegeben) und Aspirata (= grie- 
Urbevolkerung zu gehoren; denn das deiktische 10 chische Aspirata oder Tenuis) gibt; vgl. 2v§Qixa 

Praefix a- ist auch in kretischen ON zu finden. So auf Miinzen 2vnQkiov\ IlQaZoog heifit eteokre- 

ist 'AnxeQa die Stadt ihres Eponymen UxsQag, tisch (nr. 2) aXa (pQaiooi ,in Praisos*. 

Der Ort 'AXaooa hiefi auch Aaoala-, demnach § 3. Aus archaologischen und sprachlichen 

liegen zwei gleichwertige Bildungen vom selben Griinden ist fiir das 19. Jhdt. das Einriicken von 

Grundwort vor. lA.fx'vxXaiov lag vermutlieh bei Luwiern und Hethitern nicht nur in Kleinasien, 

einem vorspringenden Bergriicken namens Mv- sondern auch in Griechenland anzunehmen. Auch 

TidXri (,Spitz*, wegen afivHaXri ,Pfeilspitze*, d. i. in K. sind mehrfach ON mit dem s-Suffix (luwi- 

,mit einer Spitze versehen, spitzig*. Hingegen ist schen Ursprungs) zu finden,. das die geographische 

ein Nachweis fiir das protochattische -anta (,reich oder personelle Zugehorigkeit ausdrlickt. So ist 
an*) kaumizu erbringen; wir finden nur ein ein- 20 TvQfiaoog einer, der zum Fest TvqPtj oder zum 

ziges Beispiel, namlich TIvQav&og und gerade 'AnolXcov TvQ§riv6g (Hesych) gehort; es ist Kvoov 

dieses ist nicht einwandfrei, da wir in Karien cog offenbar die Stadt eines Kvwg (kilikischer 

IIvQivda, in Isaurien Porindos finden. Der ON und isaurischer Mannesname). Wenn die Stadt 

weist also in Kleinasien das daselbst seltene int- Pvnov auch Pvtiaooog heiJBt, so wird dies ge- 

Suffix mediterraner Herkunft auf, so dafi also nauer genommen wohl so sein, da6 Pvrtaooog das 

auch UvQavd^og mediterran sein kann. Das medi- Weichbild von Pvnov ist, so wie die ll^vri KoQrj' 

terrane nt-Suffix beruht aber auf Suffixhaufung. ola bei Koqcov liegt. 

Wir besitzen namlich mehrfach ON auf -en, -in, § 4. Wann die P h i 1 i s t e r ins Land kamen^ 

-urij insbes. in K., vgl. SriQriv (Bach), TJX^v ist nicht feststellbar; da die Agypter im 15. Jhdt. 
(Flufi), 2dXai>uv (Insel, ON), toQtvv (ON), aber 30 unter ,Keftiu* sowohl Kreter als auch Philister 

auch Appellativa, vgl. iji6g{o)vv ,Wohnturm'. Dafi verstehen, da welters die Bibel Cherethim und 

dieser Wortausgang tatsachlich eine Funktion hat, Pelethim (Krethi und Plethi) als zusammengehorig 

daftir ist 'A^adi^v, die Oberstadt {dv67toXig) von bezeichnet, wobei sogar der Name der Philister 

jigadog beweiskraftig; und die beiden kretischen nach dem der Kreter umgeformt wurde, und da 

ON PitTTjv und Pkvfjiva sind offenkundig Ab- wir am Ende der spatminoischen Zeit (Late Mi- 

leitungen vom selben Grundwort. An solche Wor- noan III) in K. die sog. Philisterkeramik finden, 

ter kann nun zusatzlich ein i^-Suffix treten, das mtissen wir sie schon friih ansetzen. Nun haben 

einfach eine adjektivische Ableitung bewirkt (und wir EN philistaischer Herren in Syrien; die sind 

im Tyrrhenischen von Lemnos zur Nominativ- aber offenkundig einheimisch, und zwar meist 
endung tiberhaupt wird). In diese Richtung weist 40 subaraisch oder indisch (weil die Subaraer zum 

der Beiname des Dionysos Bdhv (vgl. ra fiaXXia Teil indische Herren gehabt batten); vgl. z. B. 

= q?aU6g), neben dem es auch den Beinamen den Philistertitel padi, der an altind. pdti ,Herr* 

EvQvpdXivhog gibt, das wohl *evQV'q>dXXiiog be- anklingt, oder den ,Keftiu*-Namen auf der er- 

deutet. Einen weiteren Anhaltspunkt fiir diese wahnten agyptischen Schultafel rddrriy den man 

Annahme bietet der ON IlQiavGog (mit kretischer, auch Rtatama lesen kann und in einem aus Pala- 

sigmatischer Aussprache fiir Prianthos), stina bekannten altindischen Namen artatama 

neben dem in der Aegaeis mehrfach bekannten ,Frommer, Gerechter* wiederfindet. — Die Pe- 

IlQtrivri. Vielleicht diirfen wir auch den ON Ko- 1 a s g e r sind wegen ihres Zeuskultes als ein indo- 

Qiov ((*KorM) neben KoQivd'og stellen. SchlieB- germanisches Volk anzusprechen; da sie anschei- 
lich sei darauf hingewiesen, dafi vom Pfianzen- 50 nend bald tyrrhenisiert wurden, sind sie sprach- 

namen f^iv&i] kaum ein int-Sui&x abgetrennt wer- lich schwer nachzuweisen. — Die m y k e n i - 

den kann. — Ebenfalls mediterran ist ein mn- schen Griechen in den Eigennamen (EN) 

Suffix. Es kommt in mehreren Formen und Be- nachzuweisen, ist wohl sehr schwierig. Doch mufi 

deutungen vor. Die eine ist gentil und durch die bemerkt werden, dafi sie sich auf dem Festland an- 

Hesychglosse TiOQXsiivlbeg -- PoQxvviot gegeben; scheinend der kretischen Schrift bedienten (Per s- 

eteokretisch (nr. 3/2) T;aQ>cofiv[^ gehort wohl auch son liest auf einer Inschrift aus Asine po-se-i-ta- 

hierher, da es so gebildet ist wie der karische vo-no-se, also den Namen des Poseidon). — Wei- 

Konigsname TJ^earofivcog (5. Jhdt.), das gleich- ter kamen nach K. die K y d o n e n, die vielleicht 

bedeutend mit "EKaxatog ist; vgl. noch A'iovfivogi thrakisch-phrygischen Ursprunges sind. Das Bere- 
maol' d'Eol vnb TvQQrjvcbv (Hesych). In derselben 60 %n^/ios-Gebirge weist besonders auf die Phr y- 

Bedeutung kommt -uman {-umna) auch schon vor- ger; vgl. BsQsxvvrar ^Qvycov xi yivog. Die ON 

hethitisch in Kappadokien (s. o. S. 140) vor. auf -amo sind den illyrischen Dardanern zu- 

Die zweite Bedeutung hat es in ON (meist zusprechen, vgl. z. B. IleQyafiov ,Festung* (wegen 

-umna; vgl. Pl^vfivay PlxvfAva); denn die Glosse neQyaim TQoiag), Kloaf^og usw. Eines dieser ge- 

XcbQVfjmyv' ^ad'vxaxa, Kaxcbxaxa weist auf eine nannten Volker mufi eine indogermanische Satem- 

superlativische Bedeutung bin, die gerade fiir sprache gesprochen haben, weil die T e r m i 1 e n, 

Ortsbezeichnungen zu erwarten ist. Ein anderes die nach Lykien auswanderten und daher dort 

Formans ist -(pa, das nach Ausweis des kretischen von den Nachbarn ,Lykier* genannt wurden, das 



203 Kreta (Sprache) Kreta (Sprache) 204 

Zahlwort sfita besafien, das UngliicksroB Kdxaa- dem Getreidezeichen steht. Diese Oberlegungen 

^og kannten, und well feiner der Name des Ra- werden mehrfach dadurch iDestatigt, dafi die auf- 

damanthys mogltcherweise nur die kretische Form gezahlten Gegenstande summiert werden und die 

des aus Syrien bekannten indisehen Artamanya Summenangaben stimmen, wobei sie durch eine 

{{rta-manya ,fur gerecht geltend*) sein konnte, stereotypeSummenphraseeingeleitet werden, nam- 

welche Bedeutung Mr ,den Gerechtesten der Sterb- lich ,Voger — ,Kreuz (Pe r s s o n liest [mit Hilfe 

lichen* recht gut passen wiirde. der kyprischen Silbenschrift] u-lo und vergleicht 

§ 5* Fiir die kretische Kultur ist das unge- ovXog; letzteres ist unmoglich). Rein rechneriseh 

wohnlich Mhe Auftauchen einer Schrift be- stellt sich dann noch heraus, daB das Zeichen 

zeichnend. Schon die erste frtihminoische Zeit 10 y ,,,<,, , « 

kennt primitive Siegelsteintypen, deren Vorbilder ^ '^^^"^ bedeuten mui5. 

in der letzten prahistorischen Periode Agyptens § 7. Der tJbergang vom ideographischen zum 

zu finden sind. Weiter finden sich Prismen mit syllabischen Wert ist nur so zu verstehen, daB 

Gildenzeichen und Blockzeichen auf Quadern der ein Zeichen nicht mehr den Namen jenes Gegen- 

iilteren Palaste. Daneben entwickelt sich eine sy- standes ausdrtickt, den das Bild konterfeit, son- 

stematische Bilderschrift, deren Zeichen (A-Klasse) dern nur den Anlaut bzw. die Anlautsilbe dieses 

zum grofiten Teil direkt auf agyptische Muster Wortes. Da wir nun manchmal den einheimischen 

zurtickgehen. Doch war die tTbernahme sinn- Namen der ursprtkiglich bezeichneten Gegen- 

h a f t, indem z. B. das ,Pflug*-Zeichen sich den stande kennen, konnen wir auch den akrophonti- 
kretischen Pflug zum Muster nahm. Dadurch, 20 schen Wert des betreffenden Zeichens erschlieBen 

daB die Zeichen vielfach in Tonbarren eingeritzt (der Lautwert der agyptischen Vorbilder ist dabei 

werden muBten, erhielten sie eine kursivere Form bedeutungslos). Auf diese Weise diirfen wir z. B. 

(B-Klasse; piktographisch; mittelminoisch). Be- -, rr-i. j >i ^n .. ti nj^^ / -i , 

merkenswert ist, dafi die kretische Bilderschrift ^^ Zeichen der ggv?, namlich l>j< (piktogra- 

auch auf die Bilderschriften Vorderasiens ein- graphisch) bzw. rn (linear) wohl la lesen. Der 

wirkte, die offenbar nicht auf unmittelbare Ent- ^. . ,_. _ , , .ix /-, i i i p . rz . 

lehnung aus Igypten zuriickgehen, wie ein Ver- ^mten(?)fisch heiBt HaXaf^a, daher darf sem Zei- 

gleich z. B. des Zeichens ,Berg* zeigt: chen Y den Lautwert ka haben. SchlieBlich ist 

I 1 agyptisch ,Berg', 30 bei der Frage nach dem Lautwert ein wichtiger 

Umstand zu beriicksichtigen: die Zeichen der ky- 



M 




kretisch Bern' prischen Silbenschrift lassen sich zur Hauptsache 

' ^' aus der kretischen ,Lineare* ableiten, Wenn ky- 

,hethitisch' ,(Berg-)Land*, ' pnsch ^ li st, dann muB wohl auchkretisch 2S , V 

als li aufgefaBt werden. Auf diese Weise gelingt 

Indusschrift ,Berg*. es uns, ein Wort, das auf LibationsgefaBen auf- 

Hingegen steht das entsprechende Zeichen auf taucht, namlich h|=IYY)£ ^^ l^^^^^ lakakali;d^- 

dem Diskos von Phaistos i"A-X der agyptischen 40 zu paBt es ausgezeichnet, daB uns Hesych ein an- 

Form viel naher. klingendes Wort (unbekannter Herkunft) iibermit- 

§ 6. Nach dem Untergang der alten Palaste telt layaysV acpQi^sL. Wenn daher lakakali soviel 

tritt eine neue Schriftgattung auf, die ,Lineare hieBe wie ,moge, soil schaumen*, so ware dies ein 

A* (die ,Lineare B* ist auf Knossos beschrankt recht zutreffendes Verbum finitum einer Auf schrift 

und wird wegen ihrer Verbesserungen auch ,Hof- auf einem LibationsgefaB. Dieser Ansatz findet 

kalligraphie* genannt). Etwa die Halfte der Zei- eine starke Stiitze darin, daB in einem medi- 

chen sind der frtiheren Schrift entlehnt, wobei die zinischen agyptischen Papyros ein ganzer kreti- 

Schriftrichtung nunmehr rechtslaufig ist und auch scher Beschworungssatz (im Zusammenhang mit 

die Zeichen nach rechts gewendet sind; an den einer Libation!) steht und das letzte Wort dieses 

tibrigen Zeichen zeigt sich ein groBer EinfluB der 50 Satzes lakakali gelesen werden kann (die agyp- 

agyptischen Hieroglyphen. Die Zeichen sind teils tische Vokalisation sagt nichts tiber die QuaHtat 

ideographisch, teils syllabisch zu lesen, wie das der Vokale aus)! Der Satz in seinem Zusammen- 

Auftauchen einer Interpunktion und ihre Verwen- hang lautet (4) ,. . . Beschworung der Asiaten- 

dungsweise zeigt (dabei ist zu bemerken, daB die krankheit in der Sprache von Kreta (Kafto): s]- 

Verwendung von Worttrennern in Kleinasien n-tj (h)k\-pw-][^-w\-j'i\-j-n^-Qi4j-r\-k\-k\-r.I>iQ^Qn 

ihren Ausgang nimmt). Der sachliche Inhalt der Spruch sagt man uber dem Schaum (6) von 

Tafelchen bestatigt diese Auffassung der Linear- Gegorenem, Harn (und) Fltissigkeit der (wohl- 

schrift. Denn es liegen uns mehrfach Ablieferungs- riechenden) Pflanze. -r- Darauf tun.* Es liegt oSen- 

listen 0. a. vor, in denen vor der Zahl nur ein ein- kundig eine Quasibilinguis vor. GemaB dem 

ziges Zeichen steht, offenbar das Zeichen fiir den 60 agyptischen Text schaumt eine fliissige Zusammen- 

gemeinten Gegenstand, so daB man manchmal aus setzung, die aus drei Teilen besteht. Da im kre- 

der Bildhaftigkeit des Zeichens auf seinen Sinn tischen Text das Verbum finitum ,m6ge schaumen* 

schlieBen kann (z. B. Getreidezeichen). Daneben ist, so kann das Subjekt dazu nur die Aufzahlung 

stehen manchmal MaBzeichen, wie z. B. das Schef- dieser drei Bestandteile sein, und zwar wohl in 

t . derselben Eeihenfolge. Dazu paBt es ausgezeich- 

felzeichen (Cp ), das genau ein rechtsgewendetes net, daB der dritte Bestandteil, Fltissigkeit aus 

.g^tisehes Schefielzeichen (ft) ist und neben ^:^S:^^^ ^^^^^^ 



205 Kreta (Sprache) Kqixaaiqaq 206 

bei einer Beschworung die Nennung eines Gottes Literatur. Bossert OLZ 1931^ 303ff. 

unentbehrlich, weshalb man wohl den Anfang des (auBerst wichtig. Liest den kretischen Zauber- 

Satzes Eanta (oder Santu) Kupapa lesen darf, da spruch als Hexameter); Santas und Kupapa, 

diese beiden Gotter in Kleinasien eine groBe Lpz. 1932; Altkreta 1. (I) Aufl. Evans Scripta 

RoUe spielten (z. B. hieroglypenhethitisch, ver- Minoa; The Palace of Minos at Knossos VoL 

mutlich Sandu- zu lesen; spater Havdag, Savdcov). I — ^III, insbesondere I 628. 631. II 438. Fried- 

Es bleiben fiir die restlichen zwei Bestandteile rich Kleinasiatische Sprachdenkmaler (Berl. 

des Trankes nur noch die zwei Worter waj(a) 1932) XIV (reichhaltige Literaturangaben; die 

jaj(a) librig, wie sie wegen der tibereinstimmen- Texte, jedoch ohne die Namen der Schultafel). 
den Endung wohl zu trennen sind (zur Wort- lOSundwall Acta Academiae Aboensis ^ I nr. 2, 

form sind aegaeische Worter wie ala ,Erde* zu II nr. 3. IV nr. 2. VII nr. 4; Reallex. d. Vor- 

vergleichen). Wegen des Lallwortcharakters von gesch. s. Kretische Schrift. Ipsen IF XLVII 

jaj(a) und weil es den zweiten Bestandteil des Iff. (Diskos von Phaistos); Essays in Aegean 

Trankes nennt, dtirfte es ,Harn* heiBen. Demnach Archeology (Festschr. fiir Evans), Oxford 1927. 

ist der kretische Zauberspruch zu tibersetzen: Per s son Uppsala Univers. Arsskrift 1930 

,Santu, Kupapa, .. .-Trank, Ham, Minze moge(n) Progr, 3. Kannengiesser Klio XI 26ff. 

schaumen!' — Auf einer Ablieferungsliste kann Agaische, bes. kretische Namen bei den Etrus- 

man (mit P e r s s o n) ta-pe-ta 12 ,zw6lf Teppiche* kern. F i c k Vorgriechische Ortsnamen, Got- 

(mTifjgl) lesen, wenn man die gleichenden Zeichen tingen 1905; Hattiden und Danubiery Gottingen 
der kyprischen Schrift einsetzt u. a. m. 20 1909 (bes. liber die Beziehungen zu den klein- 

§ 8. In den eteokretischen Inschriften, die uns asiatischen Eigennamen). Kretschmer Sprache 

in griechischen Buchstaben erhalten sind, fallt 69ff. (== Gercke-Norden Einl. I 525ff*, mit 

die tiberaus groBe Zahl von r auf, die sich wohl vielen Literaturangaben). M e r i g g i ZDMG 

nur durch einen Lautwandel,erklaren lassen. Da- XII 198ff. (Indusschrift). Porzig Zeitschr. f. 

hin weist der ON 'AXaXlrj, der in spaterer Zeit Indol. und Iran V 265ff. (eteokretisches Suffix 

AUa^la heiBt. Man darf also einen Lautwandel rq?a). Gleye Die Sprache der Eteokreter (Riga 

von intervokalischem l>r annehmen. Ist dies 1928) halt die Sprache fiir westfinnisch. 

richtig, dann miiBte auch die alte Optativendung [W. Brandenstein.] 

-li zu -ri (oder -re) geworden sein; diese Endung ^ KQixdai^og, KOnig der keltischen Boier in 
finden wir nun tatsachlich in nr. 2. Dort steht 30 Noricum nm das J. 60 v. Chr., dessen Name 

(ohne Worttrennung!) ala cpQaioot ivaiQs ,in Prai- wir nur aus Strab. VII 304. 313 kennen. Aus 

SOS moge . . .'. Ferner ivaiQSQs (9) igsiQegs; hin- dem Zusammenhalte der Worte Strab. VII 

gegen etwas anders vokalisiert (10) iqoqi; -JraQi; 304 .... Bolovg bs aal aQbrjv rj(pavios (sc. Bov- 

weiter zweimal iqbq (7. 8). In derselben Inschrift Qs^lotag) tovg vno KQitaoiQcp Tcal TavQiOKovg und 

fallt noch auf -afjiaQ, -dixaQ, -veixao, da diese 313 (mit etwas genauererBestimmung des Schau- 

Worter an den etruskischen Plural anklingen (z. B. platzes der Ereignisse) fjisQog fikv brj n xfjg xw- 

Mar jGrenzen*). Allerdings besteht bei dem letzt- Qag ravtrjg (von Illyrien ist die Rede) rjQTjfioooav 

genannten Wort die Lesungsmogliehkeit vei- Aa?col TcaxanoXefjirjoavteg Bolovg xal TavQianovg 

}iaQ[^€, und zwar wegen l^aQ^sj in nr. 1. — Mrr] KsXtixa ra vno KQizaoigq) <pdaxovtsg slvai 
Weiter fallt das Wortchen doq) auf (zweimal in 40 t^v xcoQav Gq>8tsQav xalneQ notaixov dislgyovzog 

nr. 2), da es auch in der ,pelasgischen* Inschrift tov tlaMoov . . . dlX eKelvovg (Boier und Tau- 

von Pharsalus (Kretschmer Glotta XV 168) als risker) fjiev ol Aaxol Tcatslvaav geht hervor, daB 

baq) erscheint. Zu erwahnen ware noch in nr. 2 C. Herrscher der Boier war, die Taurisker aber, 

ars(psac (Lehnwort aus Grsq>og?) und mit gleicher wenn schon nicht von ihnen unterworfen, so 

Endung ovadeoi; ferner nr. 1/5 {(pa)G£yvv avair: doch in Waffenbriiderschaft mit ihnen (nach 

nr. 2/5 orsnaXw yvrar; -] ayosr I {m, 1/3). Indo- Barb Wien. Num. Ztschr. LXI, N. F. XXI 26 

germanische Anklange haben erwartungsgemaB ein Beweis hiefiir der Miinzfund der Gerlitzen- 

zu indogermanisierenden Behauptungen gefiihrt, alpe [Kenner Jahrb. d. Zentralkommiss. II 

die jedoch einer ernsteren Priifung nicht stand- 73ff.], der boische und tauriskische Pragung ver- 
halten, da sie der Bedeutung nach nicht gedeckt 50 einigt, vgl. auch Bd. V A S. 8) seinen mili- 

sind. tarischen Oberbefehl anerkannten. Die Boier, 

§ 9. Der Diskos von Phaistos ist ein welche das Gebiet zwischen Donau und TheiB, 

Importstiick, wie die (wenigen) keilschriftlichen also dakischen Boden besetzt batten, wurden von 

Funde auf Kreta. Die Schrift, eine Silbenschrift, Burebista unter schweren Verlusten liber die 

ist nicht von der kretischen abhangig (s. o.), Donau zuriickgeworfen, ein Ereignis, das Niese 

sondern weist nach Igypten, wobei die Bilder Ztschr. f. d. Deutsche Altertum XLII, 1898, 154 

nicht die agyptischen Gegenstande, sondern die mit gutem Grunde (Brandis Bd. IV S. 1959, 

entsprechenden agaischen wiedergeben. Die Wort- Suppl-Bd. I S. 263) um das J. 60 v. Chr. angesetzt 

trennung weist auf kleinasiatischen EinfluB, die hat; damit war der fiir den dakischen Staat ge- 
Anwendung von Zeichenstempel nach Meso- 60fahrliche keltische VorstoB abgewehrt (Patsch 

potamien. Ein Schriftzeichen zeigt einen Kopf S.-Ber. Akad. Wien, 214. 45). An eine Ver- 

mit Federkrone; diese Tracht ist hauptsachlich nichtung des boischen Reiches, die Brandis 

von den Philistern bekannt, die aber um die Bd. IV S. 1959, gestiitzt auf Strab. VII 304. 

Zeit des Diskos (17. Jhdt.) noch unbekannt sind. 313 annimmt, ist nicht zu denken (Zippel 

Die Sprache scheint prafingierend zu sein und D. rOm, Herrschaft in Illyrien 120. Patsch 

wiirde dann auf das Protoehattische (bzw. 44, 5), da doch bei Beginn des Biirgerkrieges 

Palaische) in Kleinasien hinweisen. Der Diskos equites ah rege Norico cireiter trecenti zu 

ist das einzige Dokument in dieser Schrift. — Caesar nach Corfinium gekommen sind (Caes. 



207 Kritobulos xvfifitov 208 

bell. civ. I 18) und auch die Dynastie des C. genes hervor, wo e® nebein anderen groBeren 

zweifellos weiter bestanden hat. Denn C. ist Oefafien genannt wird. [v. Lorentz.] 

beehstwahrscheinlich mit dem Ecritusirus rex Kvpegvi^cia. Nach Pint. Thes. XVII ein Fest, 

identisch, der auf einer am Mallnitzer Tauern das Theseus seinen Steuerleuten Nausithoos und 

im Jahr 1904 gefundenen Silbermtinze (Kenner Phaiax zum Dank ftir ihre gute Steuerung stiftete. 
Mitt. d. Zentralkommiss. IV, 1905, 159f.) als [v. Geisau]. 

Vater des Gaesatorix re[x] bezeichnet wird (K u - KvX . . Ein zum Mesochoron gehOriger Demos 

bitschek Osterr. Jahresh. IX 73) ; abgesehen von Eretria ; Erganzung unsicher. IG XII 9, 165. 
von der seltenen Verwendung der Bildungssilbe [v. Geisau.] 

•sirus in Nomina propria auf keltischem BodenlO nvXixvis (tcvXtxyog, TtvUxvtov). Nach Pollux 

kann das anlautende e, entweder prothetischer (VI 98) eine Bezeichnung fiir die nv^ig, deren 

Art Oder als Verstarkung der Stammsilbe erit sich die Arzte bedienten (Suid. s. xvXlxviov), 

in Verwendung, weggelassen werden ; iiberdies die aber auch als Trink- und TischgefaB benutzt 

finden sich fast nie Homonymi unter den nach- wurde (Poll. a. 0. und X 88). Achaios von Ere- 

sten Verwandten bei den europaischen Kelten; tria gebrauchte KvXixvig in demselben Sinne wie 

auch der rein auBerliche Befund der Miinzen yMi^ (Athen. XI 4801). Wie und ob sich die 

(Gewicht 11 * 965 g, Durchmesser 26 mm), der kvXixvlq, namentlich im Hinblick darauf, dafi sie 

den Herrschaftsbereich des Gaesatorix westlich auch als TrinkgefaB benutzt wurde, von der 

vom Wiener Becken und der Mur, also nach eigentlichen nv^ig ujitersehied, laBt sich nicht 
InnerOsterreich verlegt, spricht keineswegs gegen 20 mehr feststellen. [v. Lorentz.] 

^e Annahme Kubitscheks, da Telle der von Kylikes (KvXiKeg) heiBt nach Phylarch. bei 

Burebista angeblich aufgeriebenen Boier sich Athen. XI 462 B 'die Stelle, an der isich der ivfi- 

iiach Westen in die Alpen zurtickgezogen haben ^og des Kadinos und der Harmonia bej&nidet; er 

kOnnen wie ihre Waffengenossen nach Osten fuhrt jedenMls nach dem schlangenlormigen 

(vgl. den Art. Teurisci) und Gaesatorix mOg- Stteinen den Namen (vgl. Bd. X S. 1467), die bei 

licherweise Herrscher jener Boier gewesen ist, Dion. Per. B90ff. nexQai, bei Skyl. c. 24 Xld'oi 

die erst um das J. 60 v. Chr. Boiohaemum ver- genannt werden (C r u s i u s Myth. Lfox. II 850). 

lassen hatten (Kubit schek 74). Vgl. Paul- Wir haben keinen Anhaltspunkt, seine Lage zu 

sen Die Miinzpragungen der Boier 5. 96 (dazu bestimmen (Z i p p e 1 D. rom. Herrschaft in II- 
Tafel A Abbildung 1 nach S. 8). 30 lyrien 18). [Max Fluss.] 

Eilax Fluss.] KVfjiPiov (cymbium). Demin.von xyfifir], cymbay 

ulos: in der Kegel ein TrinkgefaB (Hesych. Suid. Fest. 

2) Olynthos wurde nach der ZerstOrung durch p. 44 [Lindsj. Athen. XI 481 d ft. 483 a. Varro 

Artabazos 479 v. Chr. den Chalkidiern und Kri- de vita Pop. Eom. I, frg. 46 [bei Non. 545, 28]). 

tobulos von Torone tibergeben, der sonst un- Es wurde auch als Milchgelafi beim Totenopfer 

bekannt ist. Herodot. VIII 127. D. M. Eobinson (Verg. Aen. Ill QQ) und zum Schopfen aus einem 

Excavat. at Olynthus 1930, II Vorrede S. X. Krater (Macrob. iSlat. V 21, 7ff.) gebraucht. Das 

[Friedrich Stahlin.] Material wird meist Ton gewesen sein, zuweilen 

HQfoaaog (Demin. tcqcoooiov). Eim zu mannig- mit Reliefs verziert (Martial. VTtl 6, 2), aber auch 
faltigen Zwecken dienendes GefaB nicht genau 40 edlere Stoffe werden zu seiner Herstellung ver- 

bestimmbarer Form. Zu KQoooog nennt Hesych wandt: Silber (Verg. Aen. V 267), Gold (Apul. 

drei ganz verschiedenartige GefaBe: Hydria, met. XI 4), Ckrysopras (Plin. n. h. XXXVII 113). 

Stamnos und Lekythos; Zonaras (p. 1257) be- Seinen Namen tragt das K. wegen seiner einer 

zeichnet ihn ebenfaUs als Stamnos, nach Sopho- Schiffsart, der y.viJLprj, ahnlichen Form (Macrob. 

kles (Oedip. Col. 478) miuB er einem Krater ahn- Hesych. Suid. Fest. Athen.). tJber diese erfahren 

lieh gewesen sein. Sonst erfahren wir nur, dafi wir sonst noeh, daB das K. schlank, langge- 

er eim groBes Passungsvermogen hatte (Theo- streckt, kleinundtief war; eshattegerade Wande, 

krit. Xni 46 u. Schol.). Verwendet wurde er keinen FuB {jtvd-f^rjv) und keine Henkel (Macrob. 

als WassergefaB beim Baden (Poll. X 30. Pint. Suid. Athen.). Dem widerspricht auch nicht, daB 
Alex. 20, hier aus- Gold) und sonst (Eurip. Cycl. 50 einmal (Schol. Lucian. IV p. 152 Jac.) von den 

89. Ion 1173), dann zur Aufbewahrung von Wein K gesagt wird, sie seien oxQoyyvla gewesen, 

(Poll. VI 14) und iSchlieBlieh, auch wieder zum denn dieses Wort braucht nicht xmmer ,kreis- 

Teil aus edlem Metall, als Asohenurne oder als rund* zu bedeuten und fiigt sich somit den 

ein GefaB, das man auf das Grab stellte (Mo- librigen uberlieferten Beschreibungen ein. Somit 

sehos IV 34. Poll. VIH 66. Anth. Pal. VII 710. werden die bisher von Krause (Angeiologie 

IX 272). Die von Krause (Angeiologie 283ff. 319ff.) und Pettier (Daremb.-Sagl. I 2, 1699) 

Taf. Ill 21—23) vorgesehlagenen Formen sind vorgeschlagenen Identifizierungen wieder hrufal- 

teils aus den Schriftzeugnissen nicht genau zu Mg, und wir sind genotigt, an der langlichen, 

identiifizieren, toils sind -sie in ihrer zeitlichen sohiffsahnliehen Form festzuhalten, die sich noeh 
Stellung nicht mit der der zur Erklarung heran- 60 durch kein erhaltenes Beispiel hat bestimmen 

gezogenen Quellen in Einklang zu bringen. Da- lassen. Am nachsten isteht ihr die vor dem Brand 

her kommen wir bisher uber eine gewisse Wahr- an den Henkeln zusammengedruckte Sehale mit 

scdieinlichkeit und 'Moglichkeit noeh nicht hinaus. der Inschrift Ih^og ovoimx (Hackl Mtinchn. 

[v. Lorentz.] Arch. Stud. f. Furtwangler 104 m. Abb. Athen. 

«5ovycror. Ein GefaB unbekannterForm. DaB Mitt. XXXVHI 196), die sich auch zum 8ch6p- 

es ziemlieh groB gewesen sein muB, geht aus der fen gut eignen wtirde. Das K, selbst kann sie 

von Athen. XI 480 b zitierten Stelle aus Epi- nicht sein, da sie Henkel hat. [v. Lorentz.] 



209 Kynna Kynna 210 



Ziim zwolften Bande. 

Kynna, eiDe Halbschwester Alexanders des vgl. Schaefer 1112 100,3), allein dieser starb, 

Grofien. 1. Name: Kvvdvri Arrian. succ. Alex. ehe er nach Pella zur Brautwerbung kommeii 

22. 23. 24. Polyain. VIII 60. Ps.-Kallisth. 141, konnte (Arrian. anab. 1 5, 4). 

10. Kvvva Duris bei Atben. XIII 560f. Diyllos Die Quellen geben uns liber K.s Leben in 

ebd. IT 155 a. Satyros ebd. XIII 557 c. Died. den nachsten Jahren keinen AufschluB. Sie diirfte 

XIX 52, 5. Arrian. anab. I 5, 4. wahrend des Zuges Alexanders nach Asien mit 

Die Langform des illyrischenNamens(Kralie ihrer Tochter in Makedonien geweilt haben 

Indogerm. Bibl. III. Abt. 9. Heft 151; Glotta (Berve 229). Als sich die lUyrier zusammen 

XVII 94) ist die ursprungliche, die Kurzform mit den Griechen unmittelbar nach Alexanders 
spaterer Bntstehnng (vgl. Hoffmann D. Ma- 10 Tod erhoben (Diod. XVIII 11, 1) nnd Antipater 

kedonen 220). in Thessalien festgehalten wurde, scheint sie mit 

2. Abkunft nnd Leben bis zum Tode in den Krieg gezogen zu sein nnd durch ihr 
ihresGatten. K. war die Tochter des Ko- wildes Eingreifen den Makedonen zum Siege 
nigs Philipps 11. von Makedonien (bei K r a h e verholfen zu haben. Wenn wir Polyaen Glauben 
Glotta XVII 94, unrichtig als seine Gemahlin schenken durfen, hat sie sogar die Konigin der 
bezeichnet) und seiner zweiten Gemahlin, der Illyrier mit eigener Hand getotet und den Fein- 
Illyrerin Audata (vgl. Bd. 11 S. 2277, vgl. Be- den auch auf der Fliicht hart zugesetzt. Gegen 
loch GG III 2, 69), die spater den makedo- Berves 229 Einreihung dieser Episode in die 
nischen Prinzessinnennamen Eurydike angenom- Illyrerkampfe Philipps II. um 344/43 spricht, 
men hatte (Arrian. succ. Alex. 22. Satyr, a. 0. 20worauf schon Schtitt 46 aufmerksam gemacht 
0. Bd. VI S. 1326 Nr. 15). Infolge der Heirat hat, K.s Alter; denn sie zahlte im J. 344 noch 
Philipps II. mit Olympias im J. 357 durfen nicht l5 Jahre (s. o.). Schtitt will daher die 
wir mit einiger Berechtigung K.s Geburt um von Polyaen er zahlte Begebenheit in die Tage 
dieses Jahr (nach Beloch III 2, 69 im nach Alexanders Tod setzen; sie fiir die Illyrer- 
J. 358) ansetzen (Berve Alexanderreich II 229 kampfe Alexanders im J. 335 in Anspruch zu 
nr. 456); jedenfalls nach der Heimat ihrer Mutter nehmen, was zeitlich denkbar ware, vertragt sich 
nennt sie Duris eine lAAv^/?. Droysens (Gesch, nicht gut mit K.s Gattentreue (s. u.), dafi sie 
d. Hellenismus I 95) Annahme, K.s Mutter dem Manne, der eben Amyntas hatte beseitigen 
sei vor dem J. 357 gestorben, entbehrt jeder lassen, Gefolgschaft geleistet habe. 
quellenmafiigen Unterlage. Gegen Ende seiner 30 Die Wortkargheit der Quellen erlaubt nicht, 
Regierung (Berve 30. 229) vermahlte sie Phi- die Nachrichten iiber die folgenden Ereignisse, 
lipp mit Amyntas (o. Bd. I S. 2007 Nr. 15), dem die sie enthalten, zu einer liickenlosen Gedanken- 
Sohne seines alteren Bruders Perdikkas III. von reihe zu verkntipfen (Beloch IV 84,1). K.s 
Makedonien (Arrian. succ. Alex. 22. Polyain.). Herrschsucht und Kriegslust fanden sich mit dem 
Schiitts Unters. z. Gesch. d. alten lUyrer 46 und ruhigen Leben, das sie jetzt ftihrte, schwer ab. 
Berves 12 Ansatz fiir den AbschluB der Ehe Sie war bemliht, ihre Tochter in ihrem Geiste 
im J. 338 verdient gegeniiber dem Belochs zu erziehen (Duris. Polyain.), um an deren Seite 
(III 2, 69) ,um 340' auf Grund der Angabe noch einmal eine Rolle zu spielen. Antipater 
Polyaens xaxecog rovtop ano^alovoa den Vorzug. und seinem Anhange feind, suchte sie unter 
Es war ihr also eine Ehe von nur kurzer Dauer 40 dessen Widersachern den Mann ausfindig zu ma- 
beschieden (Berve 229). Ihrem Gatten gebar chen, dem sie mit der Hand ihrer Tochter den 
sie um das J. 337/36 (Berve 229) eine Tochter Anspruch auf Makedonien, das ihrem Gatten einst 
Adea (Diod. XVIII 23. Arrian. succ. Alex. 23. von Philipp II. vorenthalten war (Beloch IV 
Polyain.; vgl. auch Suppl.-Bd. IV S. 7. Hoff- 83), verschaffen konnte. Es war Philippos Arrhi- 
mann 216), die spater den Namen Eurydike daios (Bd. II S. 1248), mit dem K. Eurydike 
ftihrte (o. Bd. VI S. 1326 Nr. 13). Da Alexander offenbar noch vor seiner Thronbesteigung ver- 
in Amyntas einen gefahrlichen Pratendenten sah lobt hatte (Beloch IV 83). Den jetzigen Zeit- 
(Plut. fort. Alex. I 3. Curt. VI 9, 17. 10, 24). punkt nach dem Tode Alexanders (Polyaen) hielt 
liefi er ihn gleich nach seinem Eegierungsantritt sie ftir geeignet, ihm ihre Tochter zuzuftihren. 
(Beloch III 2, 69. Berve 229, nach Niese 50 Gegen Antipaters Willen verlieB sie wahrschein- 
Griech. u. mak. Staaten III 213 bald nach sei- lich in der zweiten Halfte des Sommers 322 
nem Eegierungsantritt, nach Schaefer Demosth. (Beloch IV 84, 1, ahnlich Droysen II 1, 
III 2 100, 3 schon in den ersten Monaten seiner 101, 1) Makedonien. Aber auch Perdikkas war 
Regierung, nach Arrian. succ. 22 vor dem Zuge gegen sie, vielleicht um sich Olympias, Phi- 
nach Asien) ermorden. lipps II. Witwe, gefallig zu erweisen (N i e s e HI 

3. K.s weiteres Leben. Die Hand seiner 214, 1), denen K. und ihre Tochter verhafit war 
verwitweten Halbschwester stellte Alexander dem (Duris). K. lieB sich nicht einschtichtern; an der 
Agrianerftirsten Longaros (o. Bd. XIII S. 677), Spitze einer Truppenabteilung, die sie gesammelt 
der ihm im Kampfe gegen den Illyrierftirsten hatte, zog sie tiber den Strymon und den Helle- 
Kleitos wertvolle Dienste geleistet hatte (nach 60 spont nach Kleinasien und warf jeden Wider- 
Berve 229 im J. 335, nach Droysen II 1, stand, den ihr Antipater entgegengestellt hatte, 
100 im J. 334) in Aussicht (Arrian. anab. I 5, 4; nieder (Polyain.). Nun trat ihr Alketas, der Bru- 



211 xvneXXov Kypros (Sprache) 212 

der des Perdikkas (Bd. I S. 1514 Nr. 5), ent- (Quint. Smyrn. VT 345). Bei Homer konmieii 
gegen, doch seine Truppen weigerten sich, gegen nvmlXa haufig vor, zium Teil aus Gold (z. B. 
K. zu kampfen (Polyaiu.). Aus Sorge tiller den H. HI 248. Od. I 142), Nach Athen. a. 0. soil 
EinfluB, den sie im makedonischen Lager ge- das nvnellov dem Skyphos ahnlich sein. VieL 
winnen kOnnte, war Perdikkas bemiiht, sie in leicht gleicht es in der Form dem bknag afjicpi- 
seine Gewalt zu bringen. Als es ihm gelungen tcvtisXXov (s. d.), wobei man sich freilieh die Hen- 
war, lieB er sie sogleich hinrichten (Diod. XIX kel wegzudenken liatte. [v. Lorentz.] 
52, 5. Arrian. succ. Alex. 22. 23. 24), ohne sich S. 59, 12 zum Art. Kypros: 
um ihre Worte zu kummern, in denen sieAl- Kyprische Sprache. 
ketas des Undankes bezichtigte, offenbar weil er 10 § 1. Der alteste Name der Insel ist Alasia, 
Yon ihr Entsagung auf jeden Herrschaftsanspruch erhalten im agyptischen *'^r^5•^ in den Amarna- 
verlangt hatte (Droysen II 1, 101, 2). Stolz Tafeln (13. Jhdt.) A-la-si-ia, im Hethitischen 
ertrug K. den Tod (Polyain.). Perdikkas wagte Alasia. Der Name ist auch im kyprisehen 
es aber mit Eucksicht auf die gereizte Stimmung 'An6X{%)(x)v Alaoiwrag erhalten. Hingegen ist da- 
im Heere nicht, Eurydikes Vermahlung mit Phi- von das Land 'Isj der agyptischen Quellen izu 
lippos Arrhidaios zu verhindern (Arrian. succ. unterscheiden, da es neb en Alasia genannt 
Alex. 23). wird (es dtirfte mit dem im hethitischen Schrift- 
Als Kassandros Makedonien in seine Gewalt tum genannten Issuwa identisch sein; auch 
gebracht batte, lieB er im J. 316 (Berve 229) Assuwa [= Aaia] kame dafiir in Betracht). 
K. und die tibrigen ermordeten Mitglieder der 20 Alasia scheint so viel wie ,Kupferland* zu be- 
Familie Philipps 11. in den KOnigsgrabern zu deuten; dafiir spricht das in Kleinasien und der 
Aegae feierlieh bestatten (Diod. XIX 52, 5. Diyl- Agais bekannte Landernamensuffix -ia (vgl. 
los) und bezeugte ihnen seine Verehrung durch Av?clr}; Ealdia, ,Land des [Gottes] Chaldi' usw.). 
Veranstaltung von Leichenspielen (Diod. XIX 52. Da welters im Eteokyprischen alo (nr. 5/2) auch 
5. Diyllos), Had'dneQ sd'og fjv toTg ^aoihvoi (Diod. in der Form ailo (nr. 1/2) vorkommt, und dem- 
XIX 52, 5). Als Zeitpunkt hierfiir gibt Diyllos nach ein mouilliertes I besessen haben diirfte 
an {KdooavdQog) en Botcozlag sTcavicov; gegen (vgl. noch to-ne a-i-lo-ne rwv oXkcov), konnte das 
Nieses 111255,5 Bedenken an Droysens(II Grundwort von AlasAa in der Form *aios in 
249, 2) Vorschlag, die Zeit nach dem Feldzug gegen mehrere indogermanische Sprachen tibergegangen 
die Griechen hierfiir in Anspruch zu nehmen, 30 sein; vgl. etwa lat. aGs\ zum Wechsel von I und 
neuestens Stahelin Bd. X S. 2299. j vgl. noch jecur: Leber. — Ein spaterer Name 
4. Charakter. Die Quellen ermOglichen der Insel ist Jadanana, der angeblich auf die 
einen Einblick in K.s Wesen (vgl. Droysen II Danaer hinweist (? weil hebraisch H ,Inser be- 
1, lOOf.). An Abenteuern und Kriegsfahrten fand deutet). Der Bezirk la\ den Sargon (8. Jhdt.) 
sie stets Gefallen ; mehr als einmal nahm sie am als einen des Landes Atnana (Kypros) nennt, 
Kampfe persOnlich teil (vgl. die Kampfe gegen darf man nicht mit IcoviKog iibersetzen, wohl 
die lUyrer; Polyain. xa noXsf^ia 7Ja?cr}os Tcal otQa- aber konnte dieser Name das Grundwort von 
tOTisdcov rjyelxo xal nolsfjiioig naQetdaoeto) ; selbst laooog (karische Stadt) bzw. des Namens der 
die tjberzahl und die glanzende Ausrtistung des lonier sein (Idfovsg ,Verehrer des mit id [irj\ 
Gegners konnte sie nicht erschrecken (Polyain. 40 angerufenen Gottes*). — Ein alter Name von 
z. B. im Kampfe gegen Alketas). Auch ihre K. ist ScprjKala gewesen, das mit dem in hethi- 
Tochter erfiillte sie mit kriegerischem Geiste tischen Quellen genannten Biggaja identisch sein 
(Duris. Polyain.). Daneben verdient K.s Beharr- soil (vgl. oq)iv^: (pt^). — Der jiingste Name ist 
lichkeit Anerkennung. Trotz des Widerstandes, Kypros, in dem ebenfalls ein vorderasiatischer 
den ihr Antipater bei dem Zuge nach Asien be- Name ftir Kupfer stecken diirfte, da wir im 
reitete, lieB sie sich von dem einmal gesteckten Sumerischen su-u-bar ,Kupfer' haben (geschrieben 
Ziele nicht abbringen (Polyain.). Aber nicht lei- UT.KA.BAR, welches Wort auch volksetymolo- 
denschaftliche Wildheit allein, sondern auch edle gisch zu xabar ,Glanzstein* umgeformt wurde). 
Herzensregungen bestimmten ihr Tun. Die Liebe Auch im Elamischen gibt es fiir ,Kupfer* den- 
zu ihrem Gatten zeigt sich darin, daB sie nach 50 selben Stamm (und daneben k e i n zweites Wort 
seiner Erraordung ovx vnsfjieivs dvbQog nsiQa- dafiir!), namlich cit^Jar. AUe dieseFormen miissen 
•^ffvai dsvtsQov (Polyain.). Die Antwort, mit der mit cuprum auf eine gemeinsame Quelle zuriick- 
sie das Ansinnen des Alketas, den Anspriichen gefiihrt werden. — Das trilingue Dekret von 
auf den makedonischen Thron zu entsagen, zu- Kanopus (3, Jhdt.) spricht von der ,Insel . . ., 
riickwies (Polyain. ts&vdvai jLiaXXov rj to ^diTinov die inmitten des Meeres liegt*, was griechisch 
ysvog EHnsnxco^bg xfjg aQy/qg oQav atQovpiBvr))^ be- mit Kypros wiedergegeben wird. 
weist die Hingabe, mit der sie die Interessen § 2. Die ,friihkyprische* Zeit (3000—2100) 
ihres Hauses verfocht. steht archaologisch in starken Beziehungen zu 
Die Kwvdva, die auf einem Grabsteine von Kleinasien, in der ,mittelkyprischen* Zeit (2100 
Dhamasi genannt ist, den sie ihrem Manne er- 60 — 1600) uberwiegen die Beziehungen nach 
richtete (IG IX 2, 234), ist mit unserer K. nicht Syrien. In der darauffolgenden Zeit bestehen 
identisch (Krahe Glotta XVII 94). gute Beziehungen zum Hattireich, wahrend 

[Max Fluss.] Leute des Landes Lukki (wohl Griechen) immer 

HvjteXXov, Hangt mit Tcvnri zusammen und wieder pMndernd einf alien und schlieBlich auch 

nicht, wie Athen. XI 482 e angibt, mit xvfpog* Attarsijas von Ahhijd (A.xQsvg von A-xata) das 

Es ist der Name ftir eiaen henkellosen Becher Land Alasija verwtistet. Ebenfalls ins 14. und 

(Hesych. s. v.), aus dem Wein getrunken wurde, 13. Jhdt. fallt ein starker spatmykenischer Im- 

der aber auch als MilchgefaB dienen konnte port. Diese Geschichte spiegelt sich in den EN 



213 Kypros (Sprache) Kypros (Sprache) 214 

(Eigennamen) wider: AQa^avda hat sein Gegen- (,Keftiu*) zuzuschreiben ist. — Mit Hilfe der 

stiick in Karien (AXapavda), das s-Suffix von kyprischen Silbenschrift lassen sich z. B. einige 

TafA,aaa6g gleicht dem von &efirjao6g (kariseher Aufschriften auf Tongefafien der submykenischen 

Ort) und Tdfxaoig (lydischer Ort). Der aus den Zeit, gefunden bei Amathus, folgendermaBen 

Amarnatexten bekannte Alasiote Kunea ist mit lesen: Ike-mu-ralpa-si ke-ka-loj. Da fasi in den 

dem kilikischen Fabeldichter Kovvig und dem kypriseh-griechischen Inschriften die ,Abkiirzung* 

lykischen Graberbauer Kunnijei namensverwandt. von fiaodevg ist, kann man vielleicht tibersetzen: 

Ebenfalls aus den Amarnatexten sind uns be- Kemura, Konig von Kekalo; eine zweite In- 

kannt -]gur('^)umma und pastumme] sie enthal- schrift lautet a-la pa-si / (mit Lticken auf zwei 

ten wohl das gleiche Suffix (oder Grundwort; vgl. 10 weiteren Gefafien). Hier scheint mir die eteokre- 

Edqirj YfATjoorj, kariseher Ort, jiQtrjvfiog, m. tische Proposition ala heranzuziehen und daher 

karisch), wahrend beztiglich pastumme noch an zu tibersetzen sein: (das GefaB steht) beim 

kretisch ndomg ,Herr- zu erinnern ist. Usparra Konig (in des Konigs Haus o. a.), 

enthalt wohl einen Vokalvorschlag wie etwa § 4. Fiir die Deutung der wenigen Texte in 

OxwQTtovba (kyprische Phyle): TaQKovbaQa (kari- eteokyprischer Sprache (auch Sprache von Ama- 

scher Demos); dann darf man UnoQevbiyog (m. thus bzw. von Alasia genannt) mu6 vor allem 

karisch) und NoQio^aQTjg (kariseher Ort) zum die Bilingue (nr. 5, s. o. Bd. XII S. 89) und 

Vergleich heranziehen (vgl. noch thrakisch ein Graffito aus Abydos (nr. 6) herangezogen 

HjiaQaboTiog). Die kyprische Konigin Hl-tj-b] werden. Letzteres lautet a-na I a-mo-ta j a-sa-ti-ri. 
(agyptischer Papyros aus dem 11. Jhdt.) erinnert^O Da viele Graffiti mit ,ich (bin)* anfangen, konnte 

an den Volksnamen der Hethiter, der auch in in a-na ein ,ich' oder ein ,(ich) bin* stecken; indes 

dem Namen der Keteier steckt (vgl. auch das ist es wahrscheinlicher, daB in a-mo-ta der Name 

kyprische Vorgebirge Krjtla), Die Endung -6' von Abydos steckt, da er auch mit m (statt b) 

darf wohl mit dem kretischen -(pa gleichgesetzt geschrieben wird. Dann hieBe a-na / a-mo-ta so- 

werden, das die (schiitzende) Zugehorigkeit aus- viel wie ,von Abydos her*, ,aus Abydos* (scil. 

driickt. Der noch heute erhaltene Flurname ist, stammt), und der Schreibername wiirde in 

UsQfafwg scheint auf die Dardaner zuriickzu- a-sa-ti-ri stecken (wohl zu lesen astir = 'Aotrjo). 

gehen, die die nordischen Lehnworter nsgyaiiov Dies wiirde auch gut zur Bilingue stimmen, die 

und uivQyog in der Agais verbreiteten. — Von mit den Worten a-wa/ma-^o-n beginnt; dennhier 

den Teukrern wird mehrfach berichtet, daB sie BO wiirde ein Beginn mit ,ich* deswegen nicht 

auch auf K. eingedrungen sind. — Die Be- passen, weil es in der griechischen Version 

ziehungen nach Kreta werden am besten durch nicht vorkommt; denn diese lautet ,die Stadt- 

den kyprischen Personennamen falxdviog veran- gemeinde der Ainathusier (ehrt o. a.) den Ari- 

schaulicht, der vom kretischen Gottesnamen ston, (Sohn) des Aristonax (verschrieben fiir 

feXxavog abgeleitet ist; auch der kyprische Zsvg Aratonax), den Adeligen*. Daher dtirfte der Be- 

AapQavtog ist wohl hierher zu zahlen (zu den ginn der Bilingue entweder ,von der Stadt- 

zugrunde liegenden Namen auf -an vgl. etrus- gemeinde* oder ,von Amathus* zu tibersetzen 

kisch turan ,Herrin*). — Die Beziehungen nach sein, so daB das ,logische* Subjekt beider Ver- 

Phoinikien zeigt der weihende Herr Baalra[m, sionen gleich ware. Ftir beide Auffassungen 

der Sohn des "A^dlfjulTtog in der kyprisch-phoini- 40 lassen sich gewisse Argumente vorbringen (ma- 

kischen Bilingue von Idalion, da dieser Name tori erinnert an kleinasiatisches patara, ptara 

auf Kypros schon durch die Amamatexte ,7t6Xig, nxokig^\ Amathus konnte ein deiktisches 

(13. Jhdt. I) bekannt ist, wo ein Bil-rdm ge- a- haben, welches in matori aus irgendwelchen 

nannt wird. Grtinden nicht erscheint); doch ist keine dieser 

§ 3. DaB die kyprische Silbenschrift beiden Auslegungen unbedenklich: wenn in 

zum groBten Teil eine Weiterbildung der kreti- matori der Name von Amathus stake, so wtirde 

schen Schrift ist, bezweif elt heute niemand mehr. der griechische Text, obwohl s o n s t knapper, 

Zwar scheint die kretisch-mykenische Schrift in dieser Angabe reichhaltiger sein, da er von 

von Asine der kyprischen naherzustehen als die der nohg ri Afiad'ovoicov redet. HeiBt hingegen 

kretische, : aber andererseits kennen wir aus K. 50 ana matori ,von der Stadtgemeinde', dann er- 

mehrfach GefaBe usw. mit kretischen Schrift- wartet man ,der Amathusier* o. a.; doch ist keine 

zeichen (und zwar lineare A), so daB es nicht Entsprechung daftir zu finden (die Konjektur 

notig ist, mit Hilfe einer hypothetischen Ein- u-mi-e[-tu'\-sa- ,Amathus* verbietet die Autopsie 

wanderung von mykenischen Griechen in K. die des Steines). Doch kann in umiesai mukulai ein 

Verbindung zur kretischen ,Linearen* herzu- Ersatz daftir stecken, um so mehr, als mukulai 

stellen, sondern man kann annehmen, daB die an den An6X(X)(ovt rcoi AfivKlmi == phoinikisch 

kretische Schrift auf K. bekannt war und sich R^V (= Kesef) MKL (Bilingue von Idalion) er- 

daiaus die kyprische Silbenschrift entwickelte innert und daher eine geographische Angabe 

(1. Jahrt.). In diese Richtung weist die Tatsache, enthalten kann. — Ganz besonders wichtig ist 

daB der philistaische Titel pati ,Herr* sowohl 60 die Entsprechung der Eigennamen (EN) in den 

in einer kretischen Namenliste (=t=/i\), als beiden Versionen: a-ri-si-to-no-se I a-ra-to-va-na- 

auch anf einem kvDriqphf^n Zvlinder + 7u ka-so-ko-o-serAQlctrcovaAQtot6vaxtog (lies AQat-), 

aucii aut emem J^yprisclien Ljimaei ^ zu ^uvor muB erinnert werden, daB die griechisch- 

lesen ist (vgl. kyprisch pa = ^ und ti = t )• kyprische Rechtschreibung den Unterschied zwi- 

Dazu gehort auch, daB der Mann mit der ,Feder- schen langem und kurzem Vokal nicht kennt; 

krone* und dem ,Troddelschurz* auf K. nicht dies geht daher auf die einheimische Sprache 

selten ist, wobei die ,Federkrone* vor allem den zurtick. Demnach hat obige Schreibung so-ko-o-se 

Philistern, der ,Troddelschurz* aber den Kretern lediglich den Sinn, einen Vokal, der sonst bei 



215 Eypros (Sprache) Adyvvog 216 

der Lesung hatte unterdriickt werden m ti s s e n, iiberstellung von (nr. 2/2) ma-na / tu-mi-ra / i-mi' 

anzugeben (wahrend im Griechisch-Kyprischen ka / und (nr. 3/2) ma-na / a-so-na-tu-ka / i-mi-no- 

keine feste Kegel zur Unterdriickung bestand, na (3) ergibt sich, daB imi-ka und imi-nona zum 

indem man wohl Konsonantenhaufungen durch selben Stamm gehoren; wenn weiteres ma-na == 

Silbenzeichen mit dem gleichen Vokal aus- fivd ist, dann konnte das folgende Wort ein 

driickte, nmgekehrt aber die Aufeinanderfolge ZaMwort sein. 

von Zeichen mit dem gleichen Vokal den Leser § 5. tJber die Zuteilung des Eteokyprisehen 

nicht notigte, einen Vokal unter alien Umstanden zu einem Sprachstamm kann derzeit noch nichts 

auszulassen). Daher mtissen wir den ersten gesagt werden. B o r k glaubt zwar, eine Suffix- 
Namen ariston-se lesen, d. h. an den griechischen 10 aufnahme feststellen zu konnen, doch sind die 

Namen wird eine einheimische Endung (Obli- betreffenden Stellen nur sehr unsicher lesbar 

quus) einfach angehangt. Dabei ist noch etwas und auch anders auffafibar. Ganz unannehmbar 

zu beachten. In der griechisch-kyprischen Kecht- ist die Auffassung Powers, der die Sprache 

schreibung driickt die Endung -se (-ne) den ein- fiir semitisch halt. 

fachen Konsonanten aus, wahrend in der eteo- Literatur. Texte bei Friedrich Klein- 
kyprischen dies nur durch ein reimendes asiatische Sprachdenkmaler (Berl. 1932). Femer 
Silbenzeichen moglich ist. Daher wird der die im Art, Kreta o. S. 206 angefiihrte Lite- 
Name Pnutos (vgl. griechisch-kyprisch fu-nu- ratur. — B o r k Die Sprache von Alasija (MAOG 
{ta-ko-ra-se\ = TIvvxdyoQag) in nr. 8 ein- VI; Lpz. 1930). Sittig KZ LII 194ff. Po- 
heimisch pu-nu-to-so geschrieben. Auch an20wer Biblica X 129ff. Ipsen Indog. Forseh. 
den Vatersnamen der Bilingue aratovanoks wird XXXIX 232. Persson Uppsala Universitets 
einfach eine Endung angehangt, namlich der Arsskrift 1930, Programm 3. Forrer ReaUex. 
Ausgang -oko-o-se, da hier dieselbe Endung -se d. Assyr. s. Alasija. B o s s e r t MAOG IV/2 
vorliegt wie im Regens, mu6 -oko- ein Patrony- (Padi). Kretschmer Glotta V 260f. XXI 158. 
mikon sein, das seine Parallelen im ostmediter- Pedersen OLZ 1930, 962ff. Konig OLZ 
ranen Sprachgebiet hat, vgl. in Kleinasien Sdv- 1928, 971 f. Persson Festschr. f. Danielsson 
daxog (: Gott 2dvb(ov)\ in der Agais Aloanog 269ff. Gjerstad Uppsala Univ. Arsskrift 
(: alool' d'eol vnb Tvqqtjpcov); im Etruskischen 1926. Sturm Archiv f. Orientforsch. VII 1875, 
rumax ,R6mer*. Hingegen gibt es auch einen [W. Brandenstein.] 
Nominativ auf -r, wie schon der Eigenname 30 S. 118, 49 zum Art. JTvy^^a: 
as(a)tir{i) gezeigt hat; so haben wir auch in 2) Grenzfeste der Mantineer gegen die lako- 
nr. 4/1 ni-ka-to-ro a-ra-to-ke-ne-na-so-ko-o-se, d. i. nische Skiritis, 421 von den Lakedaimoniern zer- 
NiHOLXcDQ (oder NinavbQog'i) 'AQaro-gnenas-oko- stOrt. Thuk. V 33. Genaueres iiber die Lage ist 
se. Dem svjtar^lSrjv entspricht in der eteo- nicht festzustellen. Cur tins Pelop. I 340. Der 
kyprischen Version wohl ke-ra-ke-re-tu-lo (se ge- Name bedeutet ,Bienenkorb*, Fick Bezz. Beitr. 
hort wohl nicht mehr dazu), das durchaus an XXIII 29. Schwerlich liegt eine Erinnerung an 
griechisch-kyprische Namen (Titel?) wie AQtmo- den arkadischen KCnig Kypselos (Nr. 1) vor, der 
TeQExrig erinnert. Offenbar ist -ulo eine adjek- den zweiten Einfall der Herakliden abwehrte. 
tivische Ableitung. Dieser Titel zeigt sich noch [v. Geisau.] 
in nr. 4 e-ra-si-ti-mo-lse^l (4) a-sa-ta-ra-to-no- 40 xvy^^^/* Nach Pollux (W 13. X 42) ein GefaB 
ko-o-se'^ I ? ke-ra-ka (1) -re-tu-lo (-ko gehort wohl fiir Gewtirze. Eine nahere Beschreibung der xv- 
schon zum nachsten Wort), d. i. erasi-tc^og (vgl. ipsXrj ist nicht vorhanden; ob man sie sich der 
TSQaola) a-oTQarcov-oko-se kerakret-ulo (beachte loQva^, an die der Name denken laBt (vgl. Hero- 
den Vokalvorschlag in a-axQatcov-). Ein anderer dot. V 92. Pans. V 17, 5), ahnlieh vorzustellen 
Kasus scheint in nr. 4/2 vorzuliegen o-na-sa-ko- haben wird, muB dahingestellt bleiben. 
ra-?^^? pa-po-no a-ra-to-va-na-ka-so-ko-[o-ni^], [v. Lorentz.] 
d. i. VvaodyoQag aus IJacpog, der (Sohn) des KvQOiXlg. Thessalische Ortlichkeit, nur be- 
Aratovanaks. Da in nr. 5 fiir das Verbum finitum kannt aus Add. ult. zu IG IX 2, 205. 
nur die Fiigung no-so-ti / a-lo / ka-i-li-po-ti iibrig- [v. Geisau.] 
bleibt, die in ihrer Konstruktion an nr. 1 mu-no- 50 S. 223 zum Art. Kytinion: 
ti I a-i-lo I e-ki-ja-no-ti / erinnert, diirfen wir mit Das Ethnikon lautet auch Kvnvevg (SGDI 
Verbalformen rechnen (etwa hlfA.i'jas xal dve- 2528), entsprechend der bei Plin. n. h. IV 28 
'd'TiKev), die durch a{i)lo verbunden sind (= at- belegten Form Kytinon. [v. Geisau.] 
quel). Dabei ist noch zu beachten, daB e-ki eine Adyvvos [Xdyrjvogf XayvvioVf Xayvvig, lagoena, 
Praposition sein diirfte (=: dvd), da wir in nr. 2 lagona, laguna, laguena, laguina). Name eines 
haben e-ki / vi-ja-ki und e-ki / ma-ri. Dies laBt WeingefaBes (Poll. VI 14. X 72), iiber dessen 
uns in -i eine Obliquusendung erkennen, die Form sich bei den antiken Schriftstellem nur 
auch in ta-ra-vi (nr. 2/4) vorliegt; zu letzterem folgende, ziemlich allgemeine Angaben finden: 
gehort auch ta-ra-vo (nr. 3/5), vielleicht als Es ist ein bauchiges GefaB (luven. sat. XIl 60) 
Nominativ. In nr. 3 finden wir zweimal e-ne-mi- 60 mit einem langen, engen Halse (Anth. Pal. VI 
na, das durch die Hesychglosse evrifiiva = 7](jligv 248. IX 229. Plut. quaest. sympos. I 5 p. 614 E. 
geklart wird. Somit verstehen wir die Konstruk- Plin. n. h. XXVIII 174), also eine Art Flasche. 
tion o-i-te / ta-ko / e-ne-mi-na / o- (5) i-te / ta-ra- Sie konnte aus verschiedenem Material her- 
vo I e-ne-mi-na ,sowohl (der Gegenstand) Tako gestellt werden: luvenal (V 29) spricht von einer 
zur Halfte, als auch (der Gegenstand) Tarvo zur saguntinischen, also tonernen L., Martial (IV 
Halfte*. Diese Auffassung von oite wird noch da- 46, 9) von einer syrischen, also wohl glasernen; 
durch bestatigt, daB es auch sonst W5rter mit zerbrechlich war auch die bei Petronius (sat. 22, 
derselben Endung verbindet. — Aus der Gegen- 3) erwahnte. Die Herkunft der L. ist ungewiB, 



217 AdlatTiog M^rjg 218 

wenn man nicht aus luvenal (XIV 271) auf Kreta Wortes, ein flaches, weit offenes GefaB mit 

schliefien will; dazu liegt jedoch einstweilen groBem Fassungsvermogen. Ob es sich um einen 

kein zwingender Grund vor. In Alexandria wurde groBen Teller, oder um eine flache Schtissel han- 

ein dionysisches Fest gefeiert, die XaywocpoQia^ delt, bleibt unsicher. Nach Photios hat das Wort 

bei dem jeder Teilnehmer seine eigene L. zum L. nichts mit Xexavri zu tun. [F. v. Lorentz.] 

Trinken mitbrachte (A then. VII 176 a — c). Die Lamynthios aus Milet, melischer Dichter, 

L. ist dort also ein allgemein gebrauchliches Ge- nur bekannt durch Klearchos bei Athen. XII 597a. 

faB gewesen. Da die Schriftstellen keine nahere Dieser nannte ihn zusammen mit Antimiaichos, 

Bestimmung der GefaBform zulieBen, konnte weil beide eine Hetare Lyde liebten, die L. h 
auch K r a u s e (Angeiologie 243f.) die L. nicht 10 fJieXsi, Antimachos in elagiscbemi MaBe besang; 

mit einer der vorhandenen Formen identifizieren. die Worte sxdteQog ... rfjg ^ag^aQov Avdfjg elg 

Das versuchte erst Zahn (Arch. Jahrb. XXIII im'&v^lav 7<axaotag sollen nicht besagen, d^ es 

68ff. nr. 32 mit Abb.), als er eine einhenklige in beiden Fallen dieselbe war, und Kaibel 

Flasche mit langem Hals und flacher Schulter zweifelt die Worte rfjg §aQpdQov an; man wiirde 

mit der Insehrift ov(A7tlavog aus Slidrufiland tivog statt rfjg erwarten. Der Name ist duroh deli 

(Samml. Vogell nr. 251 Taf. VII 11; jetzt Berlin, Grabstein IG H 3219 fur Milet bezeugt. v. Wila- 

Inv. 4955) mit Anth. Pal. VI 248 in Verbindung mowitz Gott. Nacbr, 1896, 228. [W. KrolL] 

brachte, wo von einer Idywog ovfjmlavog die Rede Laugaricio, nur bekannt aus einer bei Bri- 

ist. Diese Zusammenstellung ist jedoch nicht getio gefundenen verstummelten Ehreninschrift 
zwingend. Nach Zahn halt auch die trunkene 20 (OIL III 225 * = 13489 = Dess. 9122), welche 

Alte des jiingeren Myron (Brunn-Bruek- Soldaten der Legio II adiutrix als Bestandteil des 

m a n n Denkmaler Taf. 394. Winter Kunst- hier vielleicht im Sommerlager befindlichen Heeres 

gesch. i. Bild.2 345, 8) eine L. in ihrem SchoB. (so Momm sen und Dessau zur Insehrift) gscerc**- 

Das GefaB ist hier mit einem Ef eukranze in tus, [q]ui Laugarieione sedit, mil(itesj legionis II 

Relief auf der Schulter verziert (vgl. eine ahn- victoriae Augustorufm) zu Ehren gesetzt haben ; 

liche Darstellung TJ<p7]fA,. 'Aqx- 1891 Taf. 10). Ein zeitlich laBt sich die Insehrift nicht genau ein- 

anderes Exemplar mit figiirlichem Reliefschmuck ordnen, da der Name des in ihr genannten Le- 

in Berlin (Inv. 3161 a. Neugebauer Ftihrer gaten [. . .'Jt (? Momm sen) ans nicht vollstandig 

durch d. Antiquarium II 188 Taf. 98). Das Mate- erhalten ist. Mommsen sieht in der dem 2. Jhdt. 
rial ist von Leroux (Lagynos, Paris 1913) gut 30 n. Chr. angehorigen Insehrift den Niederschlag 

gesammelt worden. Diese von Zahn erschlos-* eines erfolgreichen Kampfes der Legion mit den 

sene Form steht in Widerspruch zu der einzigen Barbaren jenseits der Donau. Meines Erachtens 

Darstellung der Aesopischen Fabel vom Fuchs kommen hierfiir vor allem die Marcomannenkriege 

und Kranich auf einem Relief aus Empoli (Osterr. Marc Aurels in Betracht ; unter den August! waren 

Jahresh. V 1 Abb. 1), das der frtihen Kaiserzeit Marc Aurel und entweder sein Bruder L. Verus 

angehoren dtirfte. Plutarch spricht bei der Er- oder sein Sohn Commodus zu verstehen. Vgl. 

zahlung dieser Fabel von einer lay wig, die sich Ritterling Bd. XII S. 1449; so auch D obi as 

aber nach der Beschreibung nicht wesentlich von Bull, de la soc. geogr. tchecoslov. XXVII 79ff. ; 

der L. unterschieden haben kann. Auf dem Re- ders. Rev. hist, tch^que XXIX457ff.; ders. Les 
lief ist jedoch viel eher eine Art Kanne mit kugel- 40 Rom. dans le territoire de la Tchecoslov. 14, ders. 

formigem Bauch dargestellt, die schlecht zu der Expeditio secunda et tertia 23 [vgl. auch Gniers 

Flasche mit der flachen Schulter passen will. Es Gharisteria f. Rzach 42f. mit weiteren Literatur- 

gibt nun aber auch inschriftlich bezeugte L., die angaben], der L. mit der von Ptolem. II 11, IB ge- 

wieder eine vollkommen andere Form zeigen; zu- nannten Stadt Aev>idQiotog {}m Osten von Germania 

nachst eine Ringflasche (Daremb. -Sagl. 12 magna) identifiziert (vgl. Bd. XII S. 2212 f.) 

Abb. 1338). Dann veroffentlichte Rubensohn und es im heutigen Trencin in der Slowakei sucht, 

(Arch. Anz. 1929, 204ff. Abb. 4—6) eine Pilger- wo auch Mlinzen aus dem Altertum gefunden 

flasche mit der Insehrift AtovvoiaTiov layvvi und worden sind (Dobias Rev. num. tchecoslov. VI, 

stellte sie mit anderen relief geschmtickten Stuk- 1980, 117ff.); nach Dobias Les Rom. dans le 
ken dieses Typus zusammen, der sich bis in 50 territoire de la Tchecoslov. 14 ware der in der 

altere agyptische Zeit zuriickverfolgen laBt (vgl. Insehrift erwahnte Sieg von dem bekannten 

Edgar Greek Vases, Catal. du Caire, vol. LVI Rechtsgelehrten Tarruntenus Paternus (Bd. IV A 

Taf. 24; Corp. vas. ant. Michigan, fasc. 1, I B S. 2405) im J. 179 errungen worden. 

Taf. 2 [U.S.A. 87] 15—19). Da nun diese in- [Max Fluss.] 

schriftlich bezeugten Typen sich weder mit der Aiptfs (Xs^sig, Demin. Xs^'^tiov, XsprjrdQiov). 

iiberlieferten Beschreibung der L., noch mit der Ein groBes, kesselartiges GefaB, das den verschie- 

Fabel des Aesop vertragen, bleibt nur eine Mog- densten Zwecken diente. Es bestand meist aus 

lichkeit: mit Rubensohn einen Bedeutungs- Metall: Gold oder vergoldet (Atheii. IX 408c. 

wandel des Wortes L. anzunehmen. Zuerst kann Pindar. Isthm. I 19 — ^20. Pans. V 10, 4), Silber 
es die von Zahn erschlossene Form bezeichnet 60 (Hom. Od. 1 137), Bronze (Athen. IX 408 d. Verg. 

haben, spater ging es auf die Ring- und die er- Aen. V 266. BuU. heU. XV 164. Lind. Tempel- 

wahnten Pilgerflaschen iiber. Den letzten Aus- chron. [ed. Blinkenberg], B 15. Aischyl. Choeph. 

laufer dieses Typus bilden dann die Menasampul- 686f. Poll. X 63). tTber seine GroBe gibt es nur 

len (zu deren weiterem Fortleben bis in Fayencen vereinzelte Nachrichten; aus den verschiedenen 

des XVII. Jhdts. s. 0. E r i c h in Forsch. u. Fort- Verwendungsarten ergibt sich jedoch, dafi es 

schr. IX 1933, 498). [F. v. Lorentz.] meist einen betrachtlichen Umfang gehabt haben 

AdXaiKog, Nach der Beschreibung des Pho- muB. Zum Bade wurde in ihm das Wasser ge- 

tios (s. IsTcavrj), der einzigen Erwahnung dieses warmt (Poll. X 63 u. 66), Eurykleia wusch Odys- 



219 As^riQ Ae§rig 220 

seus in einem L. bei seiner Heimkehr die Ftifie zwei Reliefs in Berlin und im Lateran: Roden- 

(Hom. Od. XIX 386f.), bei den Skythen diente waldt D. Relief bei den Griechen, Abb. 65. 

ein dem lesbischen Krater ahnlicher, aber viei Winter Kunstgesch. i. Bild.^ 284, 2; Ber- 

groBerer L. zum Kochen (Herodot. IV 61); auch lin nr. 925). Auf der angeftihrten Hydria (Brit, 

seine Verwendung zur Konstruktion einer Art Mus. B 328) ist der L. nicht mit den FiiBen 

Flammenwerfer laBt darauf schlieJBen, daB es sich verbunden, sondern auf ein dreibeiniges Unter- 

um ein groBes GefaB handelt (Thak. IV 100); gestell gesetzt. Ein solches Exemplar in Bronze 

einmal (Anth. Pal. VI 153) wird ein L. als Weih- aus geometrischer Zeit wurde in Athen gefunden 

geschenk erwahnt, der so groB war, daB er einen (Athen. Mitt. XVIII 1893, Taf. 14). DerL. konnte 
Ochsen fassen konnte. Auf eine erhebliche GroBe 10 also auch einzeln verwendet werden — wie es 

deutet auch, daB er oft als Kampfpreis dient und eine Gemme (P a n o f k a Bild. ant. Lebens, 

in Tempel geweiht wird (Pind. Isthm. I 19 — 20. Taf. 12, 6) zeigt, auf der ein Schwein in einem 

Verg. Aen. V 266. Hom. II. XXIII 259. Athen. L. gekocht werden soil, der unmittelbar auf das 

IX 408 d. Anth. Pal. VI 153. IX 391, 3. Lind. Feuer gestellt ist — , und das wird auch der Fall 

Tempelchron. B 15). Der L. wird aber auch als gewesen sein bei der FuBwaschung des Odysseus 

Waschgerat verwendet, was aUerdings iiber seine (Horn. Od. XIX 386f.), von der uns ein Bild auf 

GroBe nichts aussagt; bei der Morgentoilette dem Chiusiner Skyphos des Penelopemalers 

(PoD. X 46) und zum Handewaschen vor und (Furtw. -Reich h. Taf. 142; Lowy Poly- 

nach dem Essen (Poll, X 90 u. 92). Als Koch- gnot Abb. 18) erhalten ist. Angesichts der sehr 
und Ktichengerat wird er erwahnt Athen. XI 20 flachen Form des WaschgefaBes muB es aber zwei- 

408 d. PoU. X 95. Suid. s. v. und Hom. II. XXI felhaft bleiben, ob wir in ihm einen L. erkennen 

362. SchlieBlich bediente man sich seiner bei den diirfen; vielleicht ist es eher eine Lekane. 

Hochzeitsriten unter der Bezeichnung %s§rig yafic- Weder nach der schriftlichen, noch nach der 

Kog i^EcprjfA,. agx. 1888, 44 Z. 63) und als Aschen- bildlichen tJberlieferung ist es moglich, mit Si- 

gefaB (Aischyl. Ag. 443f.; Choeph. 686f. Soph. cherheit den Unterschied zwischen dem U^rig 

El. 1401). In Sparta Ziehen beim Tode eines if^nvQc^']^z7]g und dem Xe^r^g ajivQog festzustellen. 

Spartiaten die Frauen durch die Stadt und schla- Vielleicht liegt er nicht so sehr in der Form und 

gen larmend auf einen L. (Herodot. VI 58). dem Material des GefaBes, als in seiner Verwen- 

Nach Athen. II 37 f — 38 a hat man zwischen dung. Der XspTjg UnvQog diente wohl hauptsach^ 
zwei Arten von L. zu unter scheiden: dem sfjijivQi- 30 lich als Krater (vgl. Athen. II 37 f — 38 a). Als 

Prjxrig oder XostQoxoog und dem anvoog (vgl. auch solchen finden wir ihn auf der Northampton- Am- 

Hom. II. XXIII 267). Ersterer ist dazu bestimmt, phora in Castle Ashby (Burlington Catal. 1903 

tiber ein Feuer gesteUt zu werden, um Wasser Taf. 90; Pap. Brit. School Rome XI Taf. 2. 4; 

anzuwarmen. Er ruht auf drei FiiBen, die ent- Metrop. Mus. New York, Shapes of Greek Vases 

weder unmittelbar an ihm befestigt sind, oder S. 31). Hier schopft ein Satyr mit einer kleinen 

ein besonderes Untergestell bilden. Diese Art des Kanne Wein aus einem L., der auf drei unterein- 

L. ist voUkommen identisch mit dem bekannten an der verstrebten FiiBen ruht. Auf einem profi- 

DreifuB. Als rQmoboeibrjg wird der L. bei Eustath. lierten FuB steht der L. neben dem gelagerten 

(p. 1312 zu Hom. II. XXIII 485) bezeichnet, und Herakles auf der sf. Seite der Miinchner Amphora 
vollkommen sicher wird diese Identifizierung 40 des Andokidesmalers (F u r t w. -R e i c h h. Taf. 4. 

durch ein sf. Vasenfragment von der Akropolis Pfuhl Mai. u. Zeichn. Abb. 265). Hier laBt 

zu Athen (Journ. hell. stud. 1892/93 Taf. 12, 1. schon die Form des FuBgestells darauf schlieBen, 

Graef u. Langlotz Die ant. Vasen v. d. daB der L. nicht dazu bestimmt ist, iiber ein 

Akropolis I Taf. 27 nr. 590 a), auf dem neben Feuer gestellt zu werden. Eine ahnliche Darstel- 

einem bei den Leichenspielen ftir Pelias als Sie- lung tragt die Schale aus der Schule des Makron 

gespreis ausgesetzten DreifuB die Beischrift %s- im Brit. Mus E 66 (Catal. of Vases III Taf. 4. 

§r}g steht. Ein Bronze-L. aus Cumae im Brit. Fur t w. -Reichh. Taf. 47, 1) und der L, Lon- 

Mus. (Catal. of Bronzes nr. 257) tragt eine In- don, Brit. Mus. E811, der als AschengefaB ver- 

schrift, die ihn als einen ebensolchen Kampfpreis wendet worden war und in de^l Knochen- und 
bezeichnet. Auf einer Amphora in Mtinchen 50 Schadelreste gefunden wurden. 

(Jahn Miinchn. Vasensamml. nr. 476. Ger- Mit U§rjg'yafi,i7c6g wird heute aUgemein eine 

hard Auserles. Vasenbilder Taf. 257) stehen Gef^Bform bezeichnet, die mit der bisher bespro- 

unter einem DreifuB auch zwei ineinandergesetzte, chenen kaum noch etwas zu tun hat. Man ver- 

fuBlose L. als Siegespreise. Nach der "Oberliefe- steht darunter ein bauchiges GefaB mit senkrecht 

rung (Pans. VIII 11, 2. Robert Griech. Hel- stehenden Henkeln, verhaltnismaBig hohem Hals 

dens. II 2, 867) wurde von Medea (s. Bd. XV und Deckel, das auf einem sich nach oben ver- 

S. 39) sowohl der Widder, als auch Pelias selbst jiingenden FuBe steht (Pfuhl Abb, 768. Athen. 

zur angeblichen Verjiingung in einem L. gekocht. Mitt. XXXII Beil. 1 u. 4; New York Shapes 

und dazu stimmt wieder die bildliche Uberliefe- S. 7, 4). Der Name ist diesen Vasen gegeben wor- 
rung, die von den sf. Vasenbildern des 6. Jhdts. 60 den, well sie meist mit Szenen aus dem Frauen- 

an stets einen DreifuB als Kochkessel zeigt (z. B. leben geschmiickt sind und in Bildern von hoch- 

Brit. Mus. B 221: Gerhard Auserl, Vasenbil- zeitlichen Riten vorkommen (Onos des Eretria- 

der Taf. 157, 1 u. 3; Hydria des Brit. Mus. malers in Athen: Pfuhl Abb. 562; T]q>r}fA,. aQx- 

B 328: Corp. vas. ant, Brit, Mus. fasc. 6, III He 1897 Tat 10, 2). Allein die Berechtigung zu 

Taf. 86 [Gr. Br. 345], 4; Stamnos des Kopen- dieser Benennung kann in Zweifel gezogen wer- 

hagener Malers in Munchen: Gerhard Taf. 157, den im Hinblick auf die sf. Amphora B 197 des 

2 u. 4; rf. Stamnos in Berlin F2188: Neu- Brit. Mus. (Catal. of Vases II Taf . 5); hier tragt 

gebauer Fiihrer d. d. Antiquar. II Taf, 57; beim Hochzeitszug von Zeus und Hera eine Frau 



221 AsTcdvri Leptines 222 

einen L. der gewohnlichen Art auf dem Kopf. Als faB genannt das der Arzt benutzt (Poll. X 149) 

■Qbergang zu der genannten Form konnte hoch- und das — aus Silber — f iir kosmetisehe Zwecke 

stens die Pyxis des Eretriamalers in London, verwandt wird (Lucian. amor. 39). 

Brit. Mus. E 774 (Furtw.-Reichk. Taf. 57, 3; Bei der Kenntlichmachung der L. in der bild- 

Brit. Mus., Guide to Greek a. Rom. Life Abb. 246; lichen "Dberlieferung sind wir auf Vermutungen 

New York Shapes S. 34, 1) gelten, auf deren Bild angewiesen. Man wird jedes flache, schalenartige 

— scheinbar die Schmiickung einer Braut — vor GefaB mit diesem Namen bezeichnen diirfen. 
einer Tiir auf zwei Untersatzen zwei L. stehen, Etwas sichereren Boden gewinnen wir, wenn wir 
die sich in ihrer Form und darin, daB sie Henkel es zu den tiberlieferten Zwecken verwendet fin- 
haben, der der heute mit U^rig ya^AiTiog bezeich- 10 den, wie z. B. auf dem Chiusiner Skyphos des 
neten annahern. Zu bedenken ist jedoch, dafi hier, Penelopemalers (F u r t w. - R e i c h h. Taf. 142. 
wie auch sonst ofter, kleine Zweige aus den Vasen li o w y Polygnot Abb. 18) mit der FuBwaschung 
hervorwachsen, weshalb Hauser (Osterr. Jahresh. des Odysseus. Hier halt sich der Maler nicht eng 
XII 95) die Vermutung ausspricht, es handle an die tlrberlieferung (Hom. Od. XIX 386f.), die 
sich in den dargesteUten Szenen nicht um Vor- einen Lebes in dieser Szene erwahnt, sondern 
bereitungen zur Hochzeit, sondern zum Adonis- setzt an dessen SteUe eine L., die ja auch zu FuB- 
f est. waschungen gebraucht wurde. Diesem Zwecke soil 

Zum SchluB sei erwahnt, daB der L. auch als wohl auch die L. auf der Makronschale des Brit. 

Mlinzzeichen vorkommt, und zwar als bloBer Mus. E 63 (Catal. of Vases III Taf. 3) dienen, die 
Kessel auf Miinzen von Kreta (Bull. hell. 1888, 20 hier Henkel hat. Dasselbe GefaB kehrt wieder, 

413 Abb. 1 — 4), und in der Form des DreifuBes ebenfaUs mit Henkeln, auf einer Schale aus der 

auf Miinzen von Kroton (BoU. d' Arte 1928, 33, Schule des Makron im Louvre (Monum. Piot XIII 

Abb. 4). [F. V. Lorentz.] Taf. 13; Brit. Mus., Guide to Greek and Rom. 

Aendivfj (XsHavlgy XeKavLbiov, hxdvoov, hna- Life Abb. 223); es wird hier von einem Chirurgen 

vioKT), XeKog, XeTilaxog, Xstclgkiov^ lemg, Xskolqiov). beim AderlaB verwendet. 

Ein flaches, schtisselartiges GefaB, das ganz ver- Wenn Deubner (Arch. Jahrb. XV 152) mit 

schiedenen Zwecken diente und dessen GroBe seiner Deutung, daB auf einer Pyxis des Berliner 

— wie die Namen erkennen lassen — je nach Museums mit einer Hochzeitsdarstellung das eine 
dem Gebrauch ganz verschieden sein konnte. Ob Madchen in seiner linken Hand eine L. tragt 
sich aus den vielen Namen auf eine von der je- 30 (Arch. Jahrb. Taf. 2), recht hat, dann wird man 
weiligen GroBe unabhangige Form wird schlieBen auch in der Deckelschale aus Kertsch in Lenin- 
lassen, muB unbestimmt bleiben. Sicher ist aus grad (F u r t w. - R e i c h h. Taf. 68) und in den 
der "Dberlieferung nur, daB aUe diese GefaBe zu ihr verwandten Schalen (z. B. Corp. vas. ant. 
denselben Zwecken verwendet wurden. "Dber ihre Michigan, fasc. 1 Taf. XI 7. XVIII 30. XXIX 3) 
Form erf ahren wir aus der Literatur nur, daB sie eine L. oder doch wenigstens eine Unavig erken- 
flach waren (Phot. s. XsTcdvetg, Suid. s. Xs^cavrj. nen dtirfen. [F. v. Lorentz.] 
Schol. Aristoph. Ach. 1110) und daB die kleineren S. 2016 zum Art. Leon: 

von ihnen Henkel batten (Phot. s. XsHavrj), In 25 a) Der Mathematiker, wird zitiert von Pro- 

der Hauptsache scheint die L., soweit ihr Umfang klos in Euclid. 66 ed. Friedl. Nach ihm ist er 
groB genug war, als Waschgef aB gedient zu haben, 40 ein Zeitgenosse Platons und Schiller des Mathe-^ 

fiir welchen Zweck ganz allgemein sie genannt matikers Neokleides. Sein Lehrbuch (2roixsia) 

wird (Poll. X 76 u. 78). Besonders wird gesagt, erf rente sich besonderer Wertschatzung. Ftir die 

dafi man sich in einer L. die FtiBe wascht (Phot. Entwicklung der Mathematik waren seine Beob- 

s. Xenavr]; Suid. s. xeXs^rj, Poll. X 70), doch achtungen tiber die Determination von Bedeutung. 

diente sie, aus Silber gefertigt, beim Gastmahl Proklos nennt ihn geradezu den Erfinder der bio^ 

Ptolemaios' II. den Gasten zum Absptilen der QiGfxol, utots bvvaxov son to ^rixovfisvov TtQo^Xrjfjia 

Hande vor und nach der Mahlzeit (Athen. V xal mots dbvva-tov. Das ist, betrachtet man die 

197 b). Andererseits wurde sie dazu benutzt, um Behandlung der Determination in Platons Menon 

Kleider in ihr vom Schmutz zu reinigen (Schol. 86 E, zuviel behauptet. Mit Recht hat sich daher 
Aristoph. Plut. 1061). Aus Athen. XIII 583b50schon Cantor Gesch. der Mathem. I 237 gegen 

ergibt sich wohl, daB man daraus die Pferde H a u k e 1 Zur Gesch. der Mathem. 135 gewendet, 

trankte, ja, sie diente als eine Art Spucknapf der die Angabe des Proklos halten woUte. Cantor 

und zur Aufnahme der Folgen iiberreichlichen meinte, auf L. gehe der mathematische term. 

Weingenusses (Aristoph. Nub. 907. Plut. mor. techn. diogiofAog zuriick. Endgtiltig ist die Frage 

801 B. PoU. X 76). Bei diesen Verwendungen nach der Bedeutung des L. durch H o p p e Ma- 

konnte die L. natiirlich nicht aus edlen MetaUen them. u. Astronomie in Klass. Altert. 429 ent- 

bestehen, sondern muBte aus Ton oder Holz sein schieden. L. hat nur fiir eine Reihe von Aufgaben 

(Poll. X 87 u. 122 [hier unter WeingefaBen ge- die Determination gefunden. [Orinsky.] 

nannt]; Hesych. s. IsKavibsg, Phot. s. xsQaf^op), S. 2074, 35 zum Art. Leptines: 

Die kleineren Exemplare dieser Gattung be- 60 7) L. (Asjttlvov ys[o)yQdq)ov'^] Letronne; 

gegnen haufig als TischgefaBe (Xen. Eyr. I 3, 4), AstztIvov ?r . . . BlaB) nennt sich der Kompilator 

meist fiir Gewiirze, kleinere Speisen, Krauter und der ,paodsvotv'' gewidmeten ^ovQaviog bibaaxaUa^ 

Zukost (Poll. VI 85—86. Athen. VI 268 c. Ari^ die meist nach dem Akrostichon als Evbo^ov xsxvr} 

stoph. Ach, 1108. Athen. IV 149f. Phot. s. Is- (Eudoxi ars) zitiert wird und nach Boeckh 

TidvTj und s. TiSQafjiov, Hesych. s. Isxavibsg), dann (tTber die vierjahrigen Sonnenkreise der Alten, 

auch bei der Hochzeit zur tJbergabe derselben Berl. 1863, 200) zwischen 193 und 190 v. Chr., 

Dinge an die Jungvermahlten (Phot. s. xsQaixw, nach BlaB und Hultsch zwischen 193 und 165 

Hesych. s. IsHavibsg). AsKavlg wird auch ein Ge- niedergeschrieben wurde, in der Subskription (Kol. 



223 Lerna Lerna 224 

XXIV 6) des Pariser Papyros, auf dem sie uns J. 338 v. Chr. die gauze Nordseite der Stadt nach' 

erhalten ist (ed. Letronne, Notices at textes des einem einheitlichen Plan umgestaltet wurde, 

papyrus grecs ed. Brunet de Presle in Not. et geht hervor aus der Datierung der Fundstiicke, 

Extr. des Mss. XVIII2, Paris 1865, 75; ed. BlaB, die in den favissae des alten Tempels des As- 

Progr. Kiel 1887, 25; trad. Tannery, Eecherches klepios entdeckt wunden, sowie aus einem Miin- 

sur I'Hist. de I'astronomie anc, Paris 1893, in zenMnd (de Waele425) in der L.-Bueht selbst. 

M^m. de la soc. des scienc. phys. et nat. de Es war ein monumentaler Ausdruck des Gemeinde- 

Bordeaux, S^r. IV, t. I 283). "Cber die ScMft stolzes, nachdem die isthmische Stadt von Philipp 

selbst vgl. Hultsch, Bd. VI S. 949, § 24. von Makedonien zumSitz des Hellenischen Bnndes 

[Ernst Honigmann.] 10 erhoben war. Bei dieser Arbeit anderte sich das 

S. 2089, 6 zum Art. Lerna : Aussohen der Bueht grtindlich. Ein Teil der Fels- 

2) L. in Korinth. Weniger bekannt wie die und Tonschichten wurde weggehackt und eine 

argi/vische Ortschaft, nur ausnabmsweise von den hohe Aufscbiittung zustande gebracbt, die den 

antiken SichriftsteUem und nie in epigraphischen FuBboden fiir den zentralen Platz und die Ge- 

Zeugnissen erwahnt ist die 1931 entdeckte, bis baude ringsum bilden wurde. Die ostlichte Seite 

1933 freigelegte korinthische L., ein Komplex dieses kunstliehen Plateaus von 50 m Breite und 

von Quellen und Wasiserleitungen, Brunnen und 35 m Tiefe wurde einigenommen von den vier 

Wasserbehaltern. Sie befindet isich in einer tiefen Hauschen der heiligen Schlafstelle oder eyKoiiArj- 

Bucbt am Nordrande der Terrassen, auf denen xrjQiov des Heiligtumes des Asklepios. Diese Hau- 

die antike 8tadt gebaut war (s. Suppl.-Bd. IV 20 ser lehnten sich an den Hiigel des Asklepios an. 

S. 998), oberhalb der groBen korinthischen Vokha- An der Stidseite des Htigels wurde ein L-formiger 

Ebene. Naoh der kurzen Beschreibung bei Pans. Wasserbehalter in den Pelsen gebaut, der das 

II 4, 5: rov d'edxQpv 6' koxlv rovbe ov noQQco yvfx- Eegen^wasser der auf dem Hiigel befindlichen Ge- 

vaaiov to aQxaiov kol nrjyrj xaXovfxevr) AsQva. baude sammelte. Dahinter offnete sich die SttraBe, 

Hiovsg ds sotrjxaot jisqI avxrjv >cal xa'&edQai ns- die, von Osten herkommend, die Besueher zwi- 

nolr}vxai xovg iosX'd'ovxag ava'ipvxsiv wQa d'SQovg, schen dem Asklepieion und dem Gebaudekomplex, 

JjQog xovxcp x(p yvfA.vaolco vaol ^scbv eioiv, 6 f/,ev in dem man wahrscheinlieh das alte Gynmasion 

A log, 6 8s lA.OKh}mov' xa be aydXfxaxa 'AoxXrjmdg sehen darf, in das Tal der L. hinabfuhrte. 

fA,ev Hal 'Yyieia XevHo'D Xi'&ov, x6 ds xov Aiog xoX- Ein fast rechteekiger zentraler Platz (18x20 m) 

Kovv soxiv, war sie eine Sommerfrische fiir die 30 mit Saulenhallen an den vier Seiten nahm den 

Stadt und liegt in der unmittelbarer Nahe des groBten Teil des kiinstlichen Plateaus ein. Die 

alten Gymnasions, des Zeustempels und des Hei- westliche Portikus war dem Hiigel angebaut, der 

ligtums des Asklepios. Letzteres wurde 1931 und den von Pausanias erwahnten Tempel des Zeus 

1932 gefunden und freigelegt auf dem Htigel, getragen haben diirfte, weil der ostliche den 

ostlieh der ^oBen L.-Bucht. Bei Lukian. quom. Hausern desAbatons des Asklepieions vorgelagert 

hist. 29 wird ein Spazieorgang in Korinth vom war. Die nordliche, leider sehr zerstorte Halle, 

Kraneion bis L. erwahnt, und bei Athen. IV 156e, war sicher nach der Ebene zu geoffnet, eine An- 

vergleicht man die Qualitat des Wassers der nahme, der die geringen Punde nicht wider- 

Peirene und der L., womit jedoch die korinthische spreohen. Nur unter dieser Bedingung konnte 

oder die argivische Quelle gemeint sein konnte. 40 man L. und seine Hallen mit Pausanias eine an- 

N a m e. Obgleich die Erizahlung von der tike Sommerfrische nennen. An der Nordseite die- 

Lernaischen Hydra von den korinthi'sehen Top- ser Halle, aber etwa vier Meter tiefer, sowie an 

fern des 6. Jhdts. v. Ohr. haufig dargesteUt wird der Nordseite des Asklepieionihugels befand sioh 

(Furtwangler Myth. Lex. I 2198. v. Mas- eine Reihe von Laden, die an beiden Seiten die 

sow Die Kypseloslade, Athen. Mtt. 1916, 44ff.), untere L.-Quelle flankierten. In diese Quelle wird 

wird man der Auffassung eines korinthischen das Wasser dqirch eine verzweigte Wasserleitung 

Ursprunges der Sage kaum beipflichten konnen, gefuhrt, die, aus siidlicher Richtung kommend^ 

sondem die Benennung des Komplexes einer in ihrem Laufe aueh von der oberen L.-Quelle ge- 

tJbertragiung des Namens von der argivischen Ort- speist wird. Diese Anlage datiert aus der Zeit 
schaft her zuschreiben. Ob dies schon etwa in der ^^ des groBen Umbaus. 

Zeit Pheiidons oder in den Jahren des grofien In die sMliche Portikus miindete die StraBe 

,Synoikismos* mit Argos (491 — 487 v. Chr.) ein, und an dieser Sudseite waren auch die Ein- 

(Xen. hell. IV 8, 34. V 1, 34. Plut. Ages. 21; s. gauge der Regenwasserbehalter sowie der Quellen- 

Suppl.-Bd. rV ,Si. 1028) oder erst bei dem Umbau anlage fiir die obere L., in die man durch eine 

des ganzen Nordteiles der antiken Stadt im J. 338 Treppe zum Wasserbassin hinabstieg. Westlich 

V. Chr. (de Waele Amer. Journ. Arch. 1933, dieser Anlage befanden sich die drei Wasserbehal- 

424ff.) stattgefunden hat, laBt sich nicht mehr ter, deren erster gerade in der Mittelaehse des 

feststellen. groBen Plat^zes ist. Je ein anderer Wasserbehalter 

G e s c h i c h t e. In prahistorischer Zeit hat ist unter den Hiigeln ostlieh und westlich der L- 
ohne Zweif el schon eine Quelle oder ein Wasser- 60 Bucht. Der Gesamtinhalt dieser Eeservoire konnte 

lauf in der Bucht existiert, und zu dieser Quelle 200 cbm erreichen. Das auf den Dachem der Por- 

scheint eine StraBe gefuhrt zu haben, von der tiken gesammelte Regen wasser floB iiber den zen- 

sich noch die Einschnitte im Felsen sowie die tralen Platz durch einen Abfuhrkanal, der zwar 

Stelle des dvaXr/pfxa im nordostliohen Teil der mit der groBen Wasserleitung in Zusammenhang 

Bucht erkennen lieBen. VieUeicht war hier auch stand, jedoch gesondert neiben der unteren L.- 

in archaischer Zeit eine Nekropole, von der sich Quelle miindete. Von der ganzen Geschichte, die 

noch drei Kindersarkophage mit Beigaben in der sich an dieser SteUe der antiken Stadt abspielte, 

Nahe der StraBe gefunden haben. DaB nach dem wissen wir wenig mehr als ihren Anfang umd 



225 Letoios Letoios 226 

ihr Ende. Bei der romisehen Zerstorung im 13); damals, also 355/356, hatte er durch den 

J. 146 V. Chr. seheint der L.-Komplex wie das Kreis des Senators von Konstantinopel (Se. 295) 

benachbarte Asklepieion verhaltnismafiig wenig Themistios Audlenz bei dera Herrscher erlangt 

gelitten zu haben. Asklepieion nnd L. wurden (ep. 551, 3. Si. 75, '28). Vielleicht vertrat er 

grtindlich zerstort in der Mitte des 4. Jhdts. n. damals aucb den Wunscb der Stadt, den Liba- 

Chr., und diese von der christlichen Gemeinde nios nacb Antiochia zu bekommen; der Sicher- 

ausgefuhrte Zerstorung ist so grtindlich gewesen, belt, mit der Se. das behauptet und ep. 444— 

daB von den von Pausanias in L. erwahnten 449 als Erapfehlungsschreiben des Libanios fur 

xloveg und KaMdQai keine sichere Spur gefunden diese Reise des L. hinstellt, steht der Wortlaut 
worden ist. Schon zuvor batten wiederholte Erd- 10 von ep. 551, 3 entgegen, wo Libanios im J. 357 

beben, sowie die allgemeine Vernachlassigung an- an Themistios schreibt : Aritoiov 8e koI jiQoteQov 

tiker Kulte und heidnischer Gebaude einen all- eyvcog, rjvlxa uiag^ v/bclv /nkv rjv iyco, noQ^ 6h 

mahlichen Verfall eintreten lassen. Nach der xov PaoiUa dt v/acov o^zog ixcooei. Bs soil indes 

groBen Zerstorung wurde die L.-Bucht, sowie nicht angezweifelt werden, dafi einer der beiden 

der Asklepieionhugel und das ganze Gebiet nach Gesandten, die in ep. 444—449 wiederholte aber 

Westen zu fur eine christliche Begriibnisstatte immer ohne Nennung eines Namens erwahnt 

verwendet, deren spateste Graber aus der Zeit werden, L. war, daB also die Empfehlungsschrei- 

lustianians zu stammen scheinen, als Seuche und ben fur ihn verfaBt sind. Eine zweite Reise an 

Erdbeben in der Mitte des 6. Jhdts. die Stadt den Hof untemahm L. im J. 357, als Constan- 
entvolkerten (J. H. F i n 1 e y Speculum [Cam- 20 tins zur Feier seines 20jahrigen Regierungsjubi- 

bridge, Mass.], 1932,487). Um 650 n. Chr. wird das laums Rom besuchte und dort auch von der 

fruhere Quellenhaus der oberen L. zu einer Tauf • Stadt Antiochia begruBt werden sollte. Zu dieser 

kapelle eingerichtet, die ein Annex war der kleinen Gesandtsehaft war ursprtinglich der jtingere der 

Kirche, die in der L.-Bucht aus antiken Werk- beiden Oheime des Libanios, Phasganios, be- 

stucken erbaut wurde (Karo Arch. Anz. 1932, stimmt, lehnte es aber wegen Krankheit ab. 

37. 1933, 222. Carpenter Ancient Corinth, L. trat dann freiwillig flir ihn ein (ep. 550, 2. 

A guide to the Excavations, Athen 1933, 90f. 552, 13). Dabei erlaubt das Ende von ep. 553, 

de Waele Amer. Journ. Arch. 1934. S. den wo von der svnQa^la dieses Oheims die Rede ist,. 

Art. Korinthos Suppl.-Bd. VI). den SchluB (S e.), dafi seine Krankheit nur vor- 

[F. J. de Waele.] 30geschutzt war. Auch diesmal bekam L. eine 

Letoios {Aritolog). Verschiedene Trager Reihe von Empfehlungsschreiben von Libanios 
dieses Namens sind uns — alle nur aus Liba- mit, an Aristainetos in Bithynien ep. 550, ftir 
nios — bekannt. Nach den Angciben in dessen Konstantinopel und den Hof an Themistios 
Werken, besonders in den Briefen (zitiert nach ep. 551, an den Proconsul von Konstantinopel 
der Ausgabe von Foerster-Richtsteig) und (Si. 237. Se. 61) Anatolios ep. 552, an den con- 
den beiden grundlegenden Arbeiten von G. R. sularis Phoenices (Se. 71 II. Si. 55) Andronikos 
S levers (Das Leben des Libanius, Berl. 1868; ep. 553, an die Briider Olympics und lovinus 
im folgenden Si.) und 0. Seeck (Die Briefe ep.554.555,anBarbation(s.o.Bd. Ill S,l Si. 219. 
des Libanius zeitlich geordnet, Lpz. 1906; im Se. 94) ep. 556, an den eastrensis saeri palatii 
folgenden: Se.; wenn nichts weiteres angegeben, 40 (S e. 219) Mygdonios ep. 557, an den magister 
ist S. 197f. des Werkes gemeint), zu denen noch offieiorum (S e. 218 I) Musonios ep. 558, an den 
H. Silo m on (De Libanii epistularum libris magister epistularum (Se. 134f.) Eugnomonios 
I— VI. Gottingen 1909; im folgenden: Sil.) ep. 559; den Brief an Crescens (564) sandte Li- 
kommt, konnen die nachstehenden L. unterschie- banios dem L. nach Si. 75, 23—28. — Im J. 864 
den werden: reiste L. mit seiner Frau nach Kyrus. An den 

1) L. aus Antiochia, nach ep. 146. 787. S e. Abwesenden richtet Libanios sehnsuchtsvoUe 

Si. 265 hQchstwahrscheinlich Bruder des prae- Briefe (1175. 1190. 1202); im J. 865 ist L. wie- 

feetus praetorio Kynegios (s. o. Bd. XI S. 2527), der in der Heimat (ep. 1828). 

verwandt mit Chryses (S e. 107 I) ep. 146 und Nach S e e c k s Darstellung hatte dieser L. 
mit den Brudern Olympios (S e. 335 X) und lo- 50 im J. 363 eine Untersuchung zu fuhren gehabt 

vinus (s. 0. Bd. IX S. 2015 s. lovius. Se. 186) gegen Leute, die sich der Pflicht des Dekurio- 

ep. 554, 4. Er gehOrte einer der vornehmsten nats entziehen wollten. Er verfuhr dabei streng 

Familien der Stadt an (ep. 444. 555, 6. 557,4) ohne den Zorn machtiger Beamten zu fiirchten; 

und zeichnete sich durch Opferwilligkeit in der or. XLIX 19 = III 461, 16 F.; or. XLVIII 42 = 

tTbernahme freiwilliger Leistungen ftir die Stadt HI 448, 15 F.; ep. 1365. 1405. Wenn jedoch die 

aus (ep. 556, 4. 559, 4); besonders untersttitzte Datierung der beiden Reden durch Foerster 

er arme Schiiler des Libanios (ep. 550, 1. 552, 12). (Ill 425. 450) auf das J. 388 richtig ist, so ist 

Br war selbst redegewandt (ep. 557, 4. 559, 4) hier tatig gewesen: 

und lieB auch seinen Sohn von Libanios unter- 2) L., ebenfalls aus Antiochia, ein Sohn des 
richten (ep. 445). Die Beschaftigung mit den 60 Kynegios (ep. 1265, 4) und Neife des Vorher- 

(Jffentlichen Angelegenheiten, die er bereits auf- gehenden. Auch er besaB groBen Reichtum 

gegeben hatte, nahm er nach der Niederlassung (ep. 877) und nahm an der Verwaltung der Stadt 

des Libanios in Antiochia wieder auf, urn diesen regen Anteil; or. XXXI 47 = III 146, 10 F. 

wirksamer unterstiitzen zu kCnnen (ep. 552, 10). (der Anfang der Rede und das ndlai in § 8 ma- 

Yorher war er schon einmal in Konstantinopel chen es unwahrscheinlich, daB die Rede schon 

gewesen, um bei Constantius zu erwirken, daB 355, also unmittelbar nach des Libanios Ankunft 

er die olympischen Spiele — wohl die des J. 356 in Antiochia, gehalten wurde; Si. 190, 68). Von 

— in Antiochia mit ausrichten diirfe (ep. 552, Libanios wurde er dem Statthalter Ikarios zum 

Pauly-Wissowa-Kroll Suppl. VI 8 



227 Lex Papia Poppaea Lex Papia Poppaea 228 

Bau einer Brticke vorgeschlagen, aber abgelehnt; fragment (Pap. Oxy. XVII 2089) gehort viel- 

or. XXVII 3 = III 24, 15 F. Si. 166, 94. Im leicht zu dem Kommentar eines unbekannten 

J. 388 veranstaltete er fur seinen Sohn die olym- Juristen (Levy Ztschr. Sav.-Stift. XLVIII 554f.). 

pischen Spiele in Antiochia (nicht fiir 372 oder Wenn man auch den Rekonstruktionen des Tex- 

376. Si. 282); ep. 843, 3. 1017, 3; nach dem tes der LP. P. eb^nso wie denen des Gothofredus, 

letzten Brief war er damals bereits uioXiog. Heineccius, Ramos del Monzano mit Recht miB- 

3) L., ein Armenier, wie sich aus ep. 285 traut (Jors Verhaltnis Iff.), so zeigt doch eine 
(Sil. 48) ergibt. An itm ist ep. 104 (aus dem Untersuchung der juristisehen Kommentare, daB 
J. 359/360. Sil. 43f.) gerichtet. im allgemeinen der erste Teil dieser Schriften 

4) L., dessen Neffe, der einzige Sohn einer 10 von den Bestimmungen der lex lulia, der zweite 
Witwe, ebenfalls Armenier. Er war Schiiler des von den Vorschriften der 1. P. P. handelte (F e r - 
Libanios in den J. 359 und 360 (Sil. 57 gegen rini 237ff. 251ff.), weshalb man einen Versuch 
Se. 198 IV). ep. 104. 285. 294, 1. der DarsteUung des Inhalts der 1. P. P. wohl 

5) Ein in einem militarischen Rang befind- wagen darf. 

licher L., ftir den Libanios eine Bmpfehlung an II. In halt. Ein bedeutender Teil der Ge- 

den Ratsherrn von Elusa (Se. 151) Eutokios setze bezog sieh auf die Eheschliefiung, 

schreibt, ep, 519. das matrimonium secundum legem luliam et 

6) L., Sohn des eonsularis Pamphyliae (S e. Papiam contractum (s. Bd, XIV S. 2268). Die 
155) Paktinianus, ebenfalls Schiiler des Libanios ; 1. P. P. wiederholte nur diejenigen Bestimmun- 
ep. 1011—1013 (aus dem J. 391). 20 gen der lex lulia, die eine Heirat zwischen Sena- 

7) L., ein Einwohner von Tyana, auf dessen toren und Freigelassenen, wie zwischen ingenui 
Veranlassung hin Palladios aus Tyana dem Li- und infames verboten (Ulp. Reg. XVI 2; Dig. 
banios im J. 391 seine zwei Sohne zur Aus- XXIII 2, 23). Das friihere Statut wurde jedoch 
bildung schickt; ep. 1014. 1015. durch das zweite insoweit aufgehoben, als es die 

8) Ein L. wird endlich noch erwahnt ep. 897, Altersgrenzen, innerhalb derer die Ehe geschlos- 
5 (aus dem J. 388). [Ernst Wiist.] sen werden durfte, auf 25 — 60 Jahre ftir Manner 

S. 2261, 51 zum Art. Leuke Akte: und auf 20—50 Jahre flir Frauen festsetzte (Ulp. 

3) Vorgebirge im siidlichen Euboia nahe Reg. XVI 1); weitere Anderungen der Alters- 

Karystos, Strab. IX 399. Nach Bursian Geogr. grenzen beruhen auf spateren senatus consulta 

Griech. II 432 das jetzige Vorgebirge Paximadi 30 (so Gnomon des Idios Logos, §§ 24ff.). Die 

Ostl. der Petali-Inseln. Danach ware Leuke Akte 1. P. P. verlangerte auch den Zeitraum fiir eine 

gleich Kalakta Nr. 1 (s. d.) und gleich dem von zweite Heirat auf 2 Jahre fiir Witwen und auf 

Strab. 444 genannten Vorgebirge Petalia. Geyer 18 Monate fiir geschiedene Ehefrauen (Ulp. Reg. 

Topogr. u. Gesch. der Insel Euboia I (1903) 76f. XIV). Auf ihr beruhen nicht: Die dnrch behord- 

112, 1. [v. Geisau.] liche Vermittlung zu gewahrenden Ehebeihilfen, 

Lex Papia Poppaea. die Vorrechte der Verlobten, die Bestimmungen, 

I. Einleitung. Im J. 9 n. Chr. erlieB durch die in Testamenten und eidlichen Ver- 

Augustus die nach den consules suffecti M, Pa- pflichtungen Ehelosigkeit voraussetzende Bedin- 

pius Mutilus und Q. Poppaeus Secundus (Cass. gungen fiir nichtig erklart werden konnten. All 

Die LVI 10) genannte 1. P. P. Das Gesetz bildete 40 diese Gesetze finden sich namlich in dem Teil 

den Abschlufi der Politik des Augustus, durch der Juristenkommentare, der sich auf die lex 

Heirats- und Kinderpramien die oberen Schichten lulia bezieht. Man hat friiher geglaubt, daB Au- 

der romisch-italischen Rasse zu heben und den gustus das Konkubinat in der lex lulia aner- 

moralischen Verfall des Zeitalters zu hemmen. kannte und es in veranderter Form in der 

Es begann dieser Versuch mit der lex lulia de 1. P. P. von neuem bestatigte (Dig. XXV 7, 3, s. 

maritandis ordinibus aus dem J. 18 v. Chr. (s. Bd. IV S. 837. Jors Verhaltnis 17), wahrend 

Bd. XII S. 23631), er wurde fortgesetzt durch ein Cast ell i (Scr. guir., Mil 1923, 143fE.) jetzt 

scharferes Gesetz des J. 4 n. Chr. (Suet. Aug. 34). behauptet; die Gesetzgebung der klassischen Zeit 

Nach einer vaeatio von drei plus zwei Jahren er- habe diese Einrichtung nie anerkannt. (Dafiir: 
scheint dies letzte Gesetz — verandert durch 50 Per ozzi Ist. d. dir. rom.2, Rom 1928. I 375; 

Mafinahmen, die teils die Strafen mildert^n, teils dagegen: Stella Maranca BuU. d. Ist. d. 

die Belohnungen erhohten — als 1. P. P. (Jors dir. rom. XXXV 37, 1). Man hat gesagt, dafi die 

Ehegesetze 49ff. Levy Hergang 50ff.). Die Juri- 1. P. P. die Auszahlung des Gewinns, der sich 

sten nannten die gesamte Ehegesetzgebung ein- aus der Freila^sung eines zur Mitgift gehorigen 

heitlich lex lulia et Papia Poppaea, -fiiwalte iind Sklaven ergab, im Falle der Seheidung verfiigte 

Laien auch nur leges (Jors Verhaltnis 56ff., (Jors Verhaltnis 19), und daB sie die Bestim- 

63ff.), jedoch blieben die einzelnen Telle geson- mungen iiber die Seheidung einer Freigelassenen 

dert (Jors Verhaltnis 8. Rein Priv.-R. d. ohne Zustimmung ihres Patrons (Jors Ehe- 

Romer, Lpz. 1858, 462,3 [463]). gesetze 40ff. Levy Hergang 51) mindestens 

Kommentare zu der lex lulia et Papia Pop- 60 erwahnte, aber die Bezugnahme auf diese beiden 

paea wurden verfaBt von Gains (15 Biicher), Te- MaBnahmen iindet sich in dem der lex lulia ge- 

rentius Clemens (20 Biicher), Mauricianus (6Bii- widmeten Telle der Juristenkommentare (Dig. 

Cher), Marcellus (6 Biicher), Paulus (10 Biicher) XXIV 3, 63—64. XXIV 2, 11. Levy Hergang 

und Ulpianus (20 Biicher), wahrend sie im pars 137ff.). 

posterior der Digesten, in den Quaestiones und Diejenigen, die die Ehe gemaB der lex lulia 

Responsa zahlreicher Juristen (vgl. L e n e 1 Pa- et Papia Poppaea schlossen, erhielten P r a - 

lingen. iur. civ.,, Lpz. 1889, II 1255) und in mien, wahrend Recht sun fahigkeit denen 

anderen Werken besprochen wurde; ein Papyrus- drohte, die ehelos blieben oder ihre Vorschriften 



229 Lex Papia Poppaea Lex Papia Poppaea 230 

nur teilwoise erfiillten. Auf Gebieten des offent- sog. /ea; ciecman'a (Ulp. Reg. XV, XVI; s. Art. Ca- 

lichen Rechts wnrden Belohnungen in der Haupt- paci ta s Bd. IE S. 1503), da6 Ehegatten ohne 

eache durch die lex lulia gewahrt, sie sind je- Kinder sich nur znm Teil testamentarisch be- 

doch moglicherweise durch die 1. P. P. von neuem erben konnten. Mit Ausnahme von Verwandten 

bestatigt worden (das ius trium liberorum [s. mtitterlioherseits bis zum sechsten Grade oder 

Bd. X S. 1281] ftir die Vestalinnen, Cass. Die bei Verlust eines Kindes, das die Reife erlangt 

LVI 10), Befreiung von munera fiir Familien hatte, und in anderen Fallen konnten die Gatten 

mit drei (in Rom), vier (in Italien) oder fdnf nur ein Zehntel plus dem Niefibrauch eines Drit- 

(in den Provinzen) Kindem war hochstwahr- tels voneinander erben. Ein Zehntel wurde 

scheinlich durch die lex lulia et Papia Poppaea 10 jedem lebenden Kinde gewahrt, ein Zehntel dem 

zu erreichen, durch welches der beiden Gesetze noch lebenden Kinde aus anderer Ehe. J o r s 

aber im einzelnen, bleibt ungewiB (J 6 r s Ver- (Verhaltnis 35ff.) wollte diese Bestimmung durch- 

haltnis 23S.). iSicher ist, da6 die 1. P. P. eine aus der 1. P. P. zuerkennen, indem er sie fur 

Freigelassene mit vier Kindem von der tutela eine Pramie erklarte, weil auf Grund der lex 

ihres Patrons befreite (Gai. Inst. Ill 44. Ulp. Voconia einer Frau die testamenti factio passiva 

Reg. XXIX 3). Auf dem Gebiete des Patronats- versagt war (vgl. Hartmann Ztschr. f. R.- 

rechts ist die Befreiung einer freigelassenen Per- Gesch. V 229ff. C o r b e 1 1 Rom. L. of Marr., 

son von der Leistung der operas eine MaBnahme Oxf. 1930, 118f.). Ein neulich veroffentlichtes 

der lex lulia, die pratorische bonorum possessio, juristisches Fragment (Levy Ztschr. Sav.-Stift. 

die dem Patron bei der Beerbung eines Freige- 20 XL VIII 549ff.) behandelt die deeima der Frau 

lassenen mit 100 000 Sesterzen und weniger als allein im Hinblick auf ihre Zurechnung zu der 

drei Sohnen gewahrt wurde, eine Bestimmung dos oder auf Bestimmungen im Testament und 

der 1. P. P. (Gai. Inst. Ill 42ff.). Patronae und gibt so der Ansieht Jors' einige Beweiskraft. 

liberi patroni batten die gleichen Rechte zu Ein Abschnitt des Gnomon des Idios Logos 

solcher patronalen Erbfolge (vgl. im allgemeinen (§ 31), den Seckel-Meyer (S.-Ber. Akad. 

Leist Rom. Patronatrecht, II §§ 172—174). Berl. 1928, XXVI 4391) auf die 1. P. P. be- 

iSehr weitgehend wurde das Erbrecht von ziehen, handelt von der Rechtsunf ahigkeit des 
der lex lulia et Papia Poppaea beeinflufit (J o r s Gatten, mehr als ein Zehntel zu erhalten. F e r - 
Verhaltnis 28ff.). Die lex lulia bestimmte, daB rini (Opere II 245ff. 2541) meint, die Ehe- 
ein caelebs (ein nicht secundum legem 1, et P. 30 gatten erwiirben entweder die libera testamenti 
Verheirateter, s. Bd. Ill S. 1253), abgesehen von factio, wenn sie Kinder in die Welt gesetzt hat- 
einigen unten vermerkten Ausnahmen, weder ten, oder die solidi capacitas aus Verwandtschafts- 
Erbe noch sonstiger VermachtnisnutznieBer sein griinden, und zwar sei beides, wie die Juristen 
konnte, das Gesetz vom J. 4 n. Chr. versetzte den zeigten, in der lex lulia behandelt gewesen. 
orbus (den verheirateten Mann ohne ein legitimes Im FaUe Vermachtnisnehmer oder Legat inner- 
Kind, orba: verheiratete Frau ohne die erforder- halb des Datums des Testaments und des Todes 
liehe Kinderzahl, vgl. Buckland Text Book des Erblassers (in causa caduci, Vgl. Buckland 
of Rom L.2, Camb. 1932, 293, 3) in ahnliche Text Book of Rom. L.2, 319, 7) oder innerhalb 
Lage (J 6 r s Ehegesetze 55ff. F e r r e r o Augusto des Todesdatums des Erblassers und der Testa- 
e il grande impero 320), wahrend die 1. P. P. 40 mentsoffnung (caducum) nicht mehr vorhanden 
das alte Gesetz nicht in vollem Umfange besta- waren, bestimmte die 1. P. P. eine vollig neue 
tigte, sondern dem orbus gestattete, die Halfte Erbfolge fur diese hinfaUigen Vermachtnisse 
des Erbes zu erhalten (Gai. Inst. II 286 a). Ver- (caduca) aus Unzulanglichkeit. (Hier pflegte man 
wandte mutterlicherseits bis zum sechsten Grade den dies cedens legati auf das Datum der Testa- 
und offenkundige af fines waren von diesem ca- mentsoffnung zu verlegen [Ulp. Reg. XXIV 31, 
ducum aus Rechtsunfahigkeit ausgenommen (s. vgl. jedoch S o m m e r Ztschr. Sav.-Stift. XXXIV 
Bona caduca Bd. Ill S. 6851) und konn- 399].) Nach dem System der LP. P. lag die ea- 
ten so nach dem ius antiquum (solidi capacitas ; ducorum vindicatio fiir hinfaUige Vermachtnisse 
Vat. Fragm. 216 — 219) Erben werden. Jors den Wedes ^aires ob, d. h. verheiratete Manner, 
(Verhaltnis 31) meint, diese Bestimmung gehore 50 die Kinder batten, bestimmten im Testament die 
teilweise der 1. P. P. an, die Stellen in den Kom- Erben, in Ermanglung dieser den legatarii patres 
mentaren finden sich aber nur in dem auf die lex und schlieBlich auch dem aerarium (Gai. Inst. 11 
lulia bezugliehen Teile (Ferrini 238. 245. 206— 208. Ulp. B^g, I 21). Nur Verwandte in 
252). Ein neulich veroffentlichtes Diptychon aus aufsteigender Linie und Nachkommen bis zum 
Agypten (hrsg. von Sanders Amer. Journ. of dritten Grade durften das ius antiquum in An- 
Arch. XXXII 309ff.) beweist, daB auf Grund der spruch nehmen, selbst wenn sie keine Kinder 
lex Aelia und 1. P. P. spurios spuriasve nicht in batten (Ulp. Reg. XVIII 1), und den heredes 
das Geburtsregister (professio liberorum) einge- ' patres ging dann ein collegatarius coniunctus (vgl. 
tragen werden konnten, was Weiss (Ztschr. Vangerow, Lehr. d. Pand.', II § 496) voraus. 
Sav.-Stif t. XLIX 260ff., vgl. Heineccius Ad 60 Die 1. P. P. ging welter und gewahrte caducorum 
1. J. & P., Amst. 1726, 213) zu der vorsichtigen riw^^fcafio in FaUen von cadwca aus Rechtsunf ahig- 
Behauptung veranlaBt, es stehe dies im Einklang keit (Gai. Inst. II 286 a. Fr. de iure fisci 3). Das 
mit dem ius liberorum, das in der lex lulia, nicht hinf allige Vermachtnis eines NieBbrauchs wurde 
in der 1. P. P., enthalten sei. Cuq (M6l Four- durch die 1. P. P. (Perozzi Ist.2 II 695) nicht 
nier, Paris 1929, 125) zeigt, daB uneheliche beriihrt, und dies mag der Gegenstand des ersten 
Kinder unter das ius liberorum fallen (s. S p u - Teils des oben erwahnten Fragments gewesen 
rius Bd. Ill A S. 1890). sein (Pap. Oxy. XVII 2089. Levy Ztschr. Sav.- 

Augustus' Gesetzgebung bestimmte durch die Stift. XLVIII 5531). 



231 Lex Puteolana parieti faciendo ACd^ivog nvgyog 232 

Eine Bestimmung, durch welche An g e b e r n ganglich); weitere Verweisungen in Rotondi 

(delatores s. o. Bd. IV S. 2427f.), die dem prae- Leges publ. pop. Rom., Mil. 1912, 461f., und 

fectus aerarii die Rechtsunfahigkeit einer im Te- Scr. giur., I 430 (wo man die Verweisungen auf 

stament genannten Person anzeigten (Tac. ann. R a d i n und Husband streiche [1. P. von 

III 28. Suet. Nero 10), eine Pramie gewahrt 65 v. Chr.]). [A. Arthur Schiller.] 

wurde, ebenso wie Gesetze, die moralisch Lex Puteolana parieti faciendo. Unter 

Unwiirdigen (ereptoria) Erbschaften und diesem Namen ist eine Inschrift aus dem J. 105 

Legate entzogen, waren in der 1. P. P. en thai ten. v. Chr. bekannt, die 1537 zu Pozzuoli gefunden 

Die letzteren richteten sich besonders gegen Ver- wurde und heute im Museo Nazionale in Neapel 

suehe, die Gesetze zu umgehen {in fraudem legis 10 aufbewahrt wird (GIL I 2^, 698 = X 1, 1781 = 

agere), ob es aber irgendwelche Verftigungen B r u n s Font.'^ 374). Sie ist bedeutungsvoU ein- 

gab, die eine teilweise betrtigerisehe Tatigkeit mal ftir die antike Baugeschichte, weil sie mit 

wie z. Bi. das Hdeicommissum taciturn ahndeten, groBer Sorgfalt die antiken Anschauungen tiber 

ist unsicher. (Pfaff Lehre v. sog. in fraudem die Erfordernisse eines soliden Mauerbaues wie- 

legis agere, Wien 1892, 62ff. Rotondi Gli atti dergibt, s. Wiegand. Ferner ist sie auch als 

in frode alia legge, Tur. 1911, 62ff. Partsch Reehtsurkunde ein einzigartiges Dokument. Die 

Ztschr. Sav.-Stift. XLII 25 Iff.) Gemeinde Puteoli bestimmt in ihr, unter welchen 

III. Abschaffung. Hiermit sei der tJber- Bodingungen sie die Auf fiihrung einer Wand- 

blick tiber die hauptsachliehsten Bestimmungen mauer verdungen babe. Es handelt sich also nicht 

der 1. P. P. abgeschlossen. Es bleibt nur mehr 20 um eine lex im Sinne eines Volksgesetzes, son- 

tibrig festzustellen, dafi mit der Annahme der dern, um mit M o m m s e n (bei B r u n s) zu 

christlichen Religion die Strafen fiir Ehe- und sprechen, um eine '^lex dicta, um Vertragsinhalt, 

Kinderlosigkeit abgeschafft wurden (Cod. Theod. den die Gemeinde bei der Vergebung der offent- 

VIII 16, 1: 320 n. Chr.), die lex decimaria wurde lichen Arbeit dem Unternehmer auferlegte. In 

aufgehoben und das ius /i&eromm unter Honorius Z. Ill 17 ist sodann die Annahme der Bedingun- 

und Theodosdus (Cod. Theod. VIII 17, 2 — 3: gen durch den Unternehmer C. Blossius Q. wie- 

410 n. Chr.) alien gewahrt, wogegen lustinian dergegeben, wobei besonders bemerkenswert ist, 

die patronale Erfolge (Cod. lust. VI 4, 4: 531 n. daB er sich selbst als praes fur seine Unterneh- 

Chr.) und die caducorum vindicatio aus Unzu- merpflichten bezeichnet. Die Urkunde ist also in 

langlichkeit von neuem zur Geltung brachte (Cod. 30 der Entwicklungszeit zur allgemeinen Haftung 

lust. VI 51 : 534 n. Chr.). des Schuldners hin entstanden, in der man es 

Literatur: Jors tJber d. Verhaltnis d. noch fur notig fand, diese Haftung ausdriicklich 

lex lulia de mar. ord. zur 1. P. P., Bonn 1882. zum Vertragsinhalt zu machen. Literatur: W i e- 

Jors Ehegesetze d. Aug., Festg. Mommsen, gand Jahrb. f. Philol. Suppl. XX 661. v. Be- 
Marb. 1 893, 1—65. Bouch4-Leclercq seler Ztschr. Sav.-Stift. XLV 429. C o r n i 1 



Rev. Hist. LVII 241ff. Ferrini Opere, Mil. Ancient droit remain, Bruxelles 1930, 87. Krii- 
1929, II 237ff. 251ff. Levy Hergang der rom. ger Gesch. der Quellen des rom. Rechts 83. 
Ehescheidung, Weim. 1925, 48ff. 137ff. Levy Lenel Ztschr. Sav.-Stift. XXHI 98. Momm- 
Ztschr. Sav.-Stift. XLVIH 549H. Meyer Kul- sen Ztschr. Sav.-Stift. XXHI 438. Wen ger 
turgesch. Stud. u. Skizzen, 1929, 203ff. (unzu- 40 ebd. XXHI 179, 1. [Erwin Seidl.] 



Zum dreizehnten Bande. 

Linguarum, eine Insel im Adriatischen VII 1 Leusinio und im Itdn. Ant. 338 Leusinium 

Meere, die nur bei Mela H 114 genannt wird. genannten Station (vgl. Bd. XII S. 2313) und 

Aus einer Angabe In Hadria Apsoros, Dyscelados glaubt, eine Stutze fur seine Ansicht durch Ver- 
(vgl. Bd. HI S. 1867 Art. Celadussae), il6-50gleich der Angabe der Entfernung Leusiniums 

syrtos (jetzt Ossero, vgl. Bd. II S. 284), hsa (jetzt bzw. dieses Kastells von Salonae zu finden; nach 

Lissa, Suppl.-Bd. V S. 346ff.), Titana, Hydria, der Inschrift betragt sie 156, nach der Tab. Pent. 

Electrides (Bd. V S. 2314), nigra Corcyra (jetzt 157 romische Meilen; doch sein Identifizierungs- 

Kurzola, vgl. Bd. IV S. 1219), Linguarum, Dio- versuch beruht auf der irrtiimlichen Annahme, 

media, Aestria (bei Brundisium, vgl. Bd. I S. 692), die Daesitiatesn in dem Kiistenabschnitte bei 

Asine laBt sich ihre Lage nicht ermitteln und da- Ragusa zu suchen, der Wohnbereich der Pleraeer 

mit ist auch die Moglichkeit, sie zu identifizieren, war (S wo bod a Octavian und lUyricum 31), 

genommen. [Max Fluss.] wahrend ®ie in Wirklichkeit im Binnenlande an 

LIR///. Mit diesen Buchstaben, die sich nach der oberen Bosna ostlieh bis zur Drina siedelten 

einer Lesung H i r s c h f el d s auf der verstiim- 60 (Bd. V S. 1983). [Max Fluss.] 

melten StraBenbauinschrift CIL HI 3201 = 10159 Ai'd'ivog jcvQyog Ptolem. geogr. I 11, 4. 6; 

Dess. 5829a finden, hat der Name eines Ka- 13, 1. 3. 9. 10 und 6 o<aXovfiBvog A. 71. VI 13, 2, 

stells der Daesitiaten angelautet (vgl. iiber die hier mit den Ortspositionen 143° Lange und 35** 

anderen Lesungen Art. HE 1 1 1 o. S. 104). v. Breite; Ammian. Marc. XXHI 16, 60 vicus, quern 

Domaszewski Westd. Ztschr. XXI 172 Lithinon pyrgon appellant (geht irgendwie auf 

nimmt auf Grund der anderen Lesungen dieser Ptolemaios zuriick), gelegen im Lande der Saker, 

Inschrift Leu[sinium] als Nameh des Ortes an; anscheinend eine wichtige und entscheidende Sta- 

er identifiziert ihn mit der auf der Tab. Pent. tion der langen tJberlandstrafie nach China, deren 



233 Aoi^daiov Lusomana 234 

tibliche Bezeichnung als Seidenstrafie ftir Augusts ist und bei der Weinspende Verwendung fand 

Oder Traians Zeiten Berthelot 156 unniitzer- (Athen. XI 486a. Poll. X 65). [F. v. Lorentz.] 

weise bestreitet; Berthelot spottet sogar liber Aohqihol a'c^ara nannte man nach Athen. 

,un veritable roman de la Tour de Pierre*, einen XV 697 b fiotxt^d; davon hatte Klearch ge- 

internationalen Markt, auf dem sich okzidentale haiidelt (FHG II 316), der sie mit den Liedern 

und orientale Handler auf der ,Seidenstra6e* be- der Sappho und des Anakreon verglich. Das 

gegneten. Ptolemaios setzt, abweichend von seiner einzige erhaltene Stiick ist die Aufforderung 

sonstigen, nur auf das Statistische gerichteten einer Frau an ihren Liebhaber, sie bei Tages- 

Wortkargheit seiner Ortslisten, hinzu: oQfirjri^- anbruch zu verlassen, damit der Gatte sie nicht 

^tov Tcov slg rrjv S^Qav s/lijtoqsvo/lisvcov, und die 10 iiberrasche (carm. pop. 27 B. 43 D.). Die vier 

zugehorige Karte wiederholt diesen Zusatz und Verse hielt man frtiher fiir ionisch (v. W i 1 a - 

illustriert ihn wohl auch. mowitz Ind. Getting. 1889/90, 22), wahrend 

Die Lage des A, jt. hat man seit Rawlin- v. Wilamowitz Gr. Verskunst 344 sie fiir 

son meist bei Tasch-Kurgan vermutet. Unter- Trochaen und lamben (mit gewissen Freiheiten) 

einander weiehen die Skizzen bei Herrmann erklart. Am Dialekt ist nichts lokrisch. Poll. IV 

Bd. IAS. 1791 (Die Oekumene nach Marinus 65 weiB etwas davon, dafi Philoxenos eine lok- 

von Tyrus Taf. 2 Erg.-H. 209 von Petermanns rische Harmonie erfunden habe; danach und nach 

Mitteilungen) und Honigmann Bd. XIV dem Ton des Fragments scheint es, als ob sich 

S. 1785 voneinander ab. Vgl. auch, um nur schon friih die Kunstdichtung dieser Gattung 

neueste Untersuchungen zu nennen. Ant. W u r m 20 bemachtigt habe. Sicher lokrisch ist daran weiter 

Rozbor Ptolemaiovy osm6 mapy Asie (tschechisch, nichts als die Vorstellung einer groBen Freiheit 

mit englischem R6sum6, 1926); Wurm Mari- der Frau (o. Bd. XIII S. 1348f.); angebliches 

nus of Tyre (1931) je auf der Ubersiohtskarte. Gesetz des Zaleukos (Diod. XII 21, 1) yvvac^c 

Reicheres Kartenmaterial bei Berthelot. Sache ehv&sQq, . . . fA,rj8e i^isvai vvmog sk rfjg uioXscog el 

und Namen scheint Ptolemaios lediglich aus Ma- ^tt^ f^oixsvof^svrjv. Ob noch mehr, vermogen wir 

rinus von Tyrus erfahren zu haben, dieser durch nicht zu sagen. [W. KrolL] 

die Reisenotizen des Mdrjg 6 xal Tixiavog (s. d.), Aondg (Xojiddiov, Xo7ta8io>eog). Ein Kiichen- 

und Ptolemaios hat sicherlich keine Gel^enheit gefafi, dessen Form sich nicht mit Sicherheit fest- 

wahrgenommen, den Bericht des Maes zu tiber- stellen laBt. Suidas (s. v.) identifiziert die L. mit 

priifen. Es ist ubrigens von Neueren darauf hin- 30 der x^t^Qgl und sagt weiter, dafi bei den Syraku- 

gewiesen worden, daB die Bezeichnung A, tt. sanern die Bratpfannen so genannt worden seien, 

zu wenig individuell gehalten sei. Die Berech- dafi dagegen Theopomp und andere einen Behal- 

tigung dieser Ansicht wird durch Blattern in iUu- ter fiir die Gebeine eines Verstorbenen darunter 

strierten Reisewerken aus diesen Gegenden leicht verstanden batten. Hieraus und aus den Nach- 

dargetan, z. B. bei Aurel Stoin On Alexanders richten, daB die L. hauptsachlich dazu diente, 

track to the Indians (1929). Man vergesse auch Fische zu kochen (Plut. mor. 182 F. Poll. VI 51), 

nicht, daB alle anderen oben aus Ptolemaios an- konnte sich ergeben, daB sie von langlicher Form 

gefiihrten Zitate bloB dieselbe Tatsache derselben gewesen sei. Daneben verwandte man sie jedoch 

Erwahnung nach Maes betreffen und daB das auch zur Bereitung der Zukost (Schol. Aristoph. 

letzte Zitat mit den (durch Ptolemaios aus Marinus 40 Vesp. 968), zum Schmoren (Aristoph. Vesp. 511) 

umgereehneten) Ortspositionen in seiner sonst viel- und zum Gemtisekochen (Plut. mor. 125 F). Das 

leicht wunderlichenEinkleidung(dp^aA.) nach ptole- Einzige, was wir iiber die Form der L. erfahren, 

maischem Sprachgebrauche nicht auf einen Indi- ist, daB sie flach war (Poll. VI 90). Alle iibrigen 

vidualnamen hinzuweisen braucht, sondern (vgl. Erwahnungen lassen nur erkennen, daB es sich 

N b b e s Index s. ?(ahlv) ohne weiteres mit 6 um ein Ktichengef aB handelt (Poll. VI 88. X 95. 

siQYifjievog (Nobbe s.eiQrjzai) identisch seinkann. 122. Athen. I 5 c. IV 132f. 169f. VIII 343 b. 

Literatur. E. H. Bunbury History of an- Aristoph. Equ. 1034), oder aber sie lassen gar 

cient geography (1879), Index Bd. II 738 s. Stone keinen Schlufi zu (Aristoph. Plut. 812. Anth. Pal. 

Tower. H. B e r g e r Gesch. der wissensch. Erdk. XII 44). Aus Pollux (X 106) scheint sich zu or- 
der Griechen (1903) 602f. u. 623. A. Berthe- 50geben, daB das lojidbiov nicht nur kleiner, als 

lot L'Asie centrale et sud-orientale d'apres Pto- die L. war, sondern auch von anderer Form, 

lem^e (1930) 146—156. [F. v. Lorentz.] 

[Wilhelm Kubitsehek.] Lusomana (so Tab. Pent. V 4. Lumano 

Aoipdaiov {Xoipsiovj loi^ig). Wie aus dem Zu- Geogr. Rav. IV 20 S, 220, 9), StraBenstation in 

sammenhang mit Xei§(o und der tlberlieferung her- Pannonia inferior (nach d. G^ogr. Rav. in Vale- 

vorgeht, wurden GefaBe dieses Namens bei der ria) auf der StraBe Brigantio-Aquincum, 13 Mei- 

Libation verwandt. Sie hatten die Form einer len von Gardellaca, 12 vonAquincum. Pichler 

HvXiS und wurden zuweilen aus edlen Metallen Austria Rom. 161 identifiziert es mit dem heutigen 

hergestellt (Plut. Marc. 2. Athen. IX 408 d). Aoi- Bihaly oder Teteny in der Nahe von Budapest, 

pdaiov und Xoi^slov dienten zur Olspende, wah- 60 M i 1 1 e r Itin. Rom. 428 mit dem in der Nahe 

rend Xoi^lg ein anderer Name fiir das otiovSsJov von Szanta gelegenen Bicse. [Max Fluss.] 



235 Macedonica Maginensis 236 



Zum vierzehnten Bande. 

Macedonica wird nur beim Geogr. Rav. IV wie wir sehen, dem Ptolemaios urn die Festlegung 

7 S. 188, 7 Find, als ein Ort in Moesia inferior des^/i^ii^o^^rv^yos' (s.d.), biszudemdieKarawane 

trans fluvium Danubium zwisehen Optatiana und des M. vorgedrungien war. Aber Ptolemaios traut 

Napoca angefiihrt. Pinder-Parthey und nicht den Aufzeichnungen (loxoQlai) von Handlern 

im Anschlusse an sie M tiller Ptolem. I 446 und fuhrt als warnendes Beispiel (augenschein- 

imlten es nichfc fur ausgeschlossen, dafi das Wort lich auch dies nach Marinus) die Behauptung Phi- 

M. in der Vorlage des Geogr. Eav. neben Opta- lemons an, der T.ovsQvla (Irland) von Osten nach 

tiana, in der die Legio V Macedonica lag (vgl. Westen 20 Tagereisen sich erstrecken lieBe. Kauf- 

die Weiheinschrift GIL III 892 Potaissa l{ovi) leute hatt^n, das scheint allgemeine "Dberzeugung 
olptimo) m(aximo) et diis deabusque et genio 10 antiker Geographen zu sein, kein Interesse an 

loci, welcbe Optatus praef(ectus) leg(ionis) V wahrer geographischer Erforschung, sie batten 

M(acedomcae) c(onstantis?) gesetzt hat), gestan- auch immer nur ihre Geschafte im Kopf und 

den und von ihm irrtumlich als Ortsname aufge- seien, sehon um die Entfernung in der Preis- 

faBt worden sei; auch die Tab. Pent. VIII 2/3 erstellung zu verwerten, von vornherein geneigt, 

kennt zwisehen Optatiana und Napoca keinen aus Prahlsucht (dc^ dXaCovslav) auch die Lange 

Ort. Pichler Austria Rom. 162 halt M. fur ihrer Geschaftsreisen zu ubertreiben. Aus diesen 

eins mit dem bei Ptolem. Ill 8, 4 genaninten Bedenken heraus habe schon Marinus Bedenken 

MaQxodava (vgl. Bd. XIV S. 1608), meines Er- getragen, die Reise vom Steinernen Turm nach 

achtens aber nicht mit Recht. [Max Fluss.] Sera, der Hauptstadt (/birjtQOJioXig) der 2fjQai, 

Maes qui et Titianus, Kaufmann im Handel 02 7 Monate oder 36 200 Stadien wahren zu lassen, 
mit China oder viehnehr im Verkehr mit desisen obwohl zum Teil auch heftige Sturme (xei/^coveg) 
Karawanen. Er ist uns bloB durch eine einzdge Verlangsamung (dvoxdg) der Expedition verur- 
Erwahnung in Ptolem. geogr. I 11, 7 bekannt, sacht haben mogen. Es scheint, dafi schon Ma- 
die namentlieh von den letzten Bearbeitern der rinus die Distanz aus diesem Grund auf die Halfte 
indo-chinesiscben Handelsgeschichte und der Ost- der Angabe zuruckgefuhrt habe. Ptolemaios hat 
Erstreckung der Oikumene, d. h. des dem Alter- aber auch noch ein weiteres Bedenken gegen 
tum bekannten Erdviertels, unter die Lupe ge- diese Fristlange und will sich daruber wundern, 
nommen worden ist. dafi von den Expeditionsmitgliedern trotz der 

Maes (oder Makes) ist ein semdtischer Name, 7 Monate keine andere Konstatierung vorgenom- 
der selbstverstandlich bei der starken Yb\kei-^0 men woidenisU lotoQlag rivog ^ fivrj/A^i^g rjSicoo'd'ai 
mischung der hellenistischen und kaiserzeitlichen iJLvrnjLYjg-, da Ptolemaios des M. Bericht nicht 
Epoche auch aAiBerhalb der vorzugsweise semi- gelesen hat, steht uns frei, uns Gedanken uber 
tiscben Charakter trageinden Kreise begegnet. solches Bedenken zu maehen. JedenfaUs kurzt 
Auch auf rhodischen Munzen treffen wir ihn (R. nun PtolemaiO'S neuerdings die Entfernung um 
Mtlnsterberg Beamtennamen 127 = Num. mehr als die Halfte, wie seine Positionsangaben 
Ztschr. Wien XLV [1912] 127; aus Brit. Mus. bezeugen, bis auf 18100 Stadien oder 451/4 Lan- 
255). Sein Signum (s. Kubitschek Bd. IIA gengrade. DaB diese Art geographischer Dispo- 
S. 2448ff., mi fuit et signum, zweiter Name) war sition vielleicht einen Notbehelf darstellt, aber 
Titianus. Seine Heiimat hat man nach Tyrus ver- kaum noch auf wissenschaftliche Anerkennung 
legt, bloB um seine allf alligen Beziehungen zu 40 Anspruch erhebeh darf , ist oft genug, so von 
Marinus von Tyrus (vgl. Bd. XIV S. 1767, rich- Berger 623, ausgesprochen worden. — Vgl. 
tige Beleuchtung durch Honigmann) leiehter ubrigens auch Schnabel Entstehungsgesch. 
zu erklaren, und wohl auch weil Tyrus fur den des kartogr. Erdbildes des Klaudios Ptolemaios 
Handelsverkehr mit dem Osten gtinstig gelegen (== S.-Ber. Akad. Berl. 1930) 226. 
schien. Aber viel sicherer wird sich aus dem Literatur. Berger Gesch. der wissen- 
Sprachgebrauch der agyptischen Papyri die Nen- schaftl. Erdk. bei den Griechen^ (1903) 602f. u. 
Tiung loei Vtolemaios Mdi]v rivd rov ?ial Tixiavov^ 623; sowie die bei Kubitschek o. S. 233 
avbQa Manebova (namlich xrlg eniyovTjg), sial bk angefuhrte Literatur. [Wilh. Kubitschek.] 
naxQog €/a,7zoqoVj alexandrinische oder andere Hei- Magaris vicus, nur bekannt aus der Grab- 
mat aus Agypten erschliefien lassen. Marinus 50 inschrift fur Aur ("alius) Ahitus mil(es) eoh(ortis) 
braucht nie mit M. in personliche Verbindung X pr(aetoriae) (GIL X 1754 Puteoli), dessen Ab- 
gelangt zu sein und seine Vermessung des Weges stammung und Heimat mit den Worten nat(ione} 
nach dem fernen Osten nicht anders als durch Bessus natus reg(ionej Serddca vico Magari be- 
Buchhandel, Bibliotheken oder sonstige private zeichnet wird. Daraus ergibt sich die Lage des 
Verbindung erlangt zu haben. Ptolemaios hat das Ortes im Stadtgebiete von Serdica. Vgl. Schul- 
M.-Heft nie in Handen gehabt, wie er sich denn ten Rh. Mus. L 535. [Max Fluss.] 
ausdrucklich auf Marinus als Gewahrsmannberuft: Maginensis. Dem dux Pannoniae primae et 
Mdr}v ydQ qprjol tiva — ovyyQdipaod-ai tr}v dvafiB- Norici ripensis war nach der Not. dign. occ. XXXIV 
tQfjaiv ovd^ avtov eTtsh&ovia di(meiA,%pdiJievov 8e 42 auch der praefeetus classis Arlapensis et Ma- 
rivag (Berger 603: jjedenfalls um den Z'^i- ^^ ginensis unterstellt. In M. miissen wir infolge 
schenhandel zu umgehen*) uiQog zovg 2'fjQag, Es seiner Verbindung mit Arlapensis die adjekti- 
handelt sich gewiB schon dem Marinus und dann, vische Form des Namens eines Ortes in Noricum 



237 Magnes Mambres 238 

erkennen. Becking Not. dign. II 100 will statt Mambres oder lafiPQfjg (s. o. Bd. IX S. 681) 

M. Gomagensis lesen. Mit der bei Steph. Byz. agyptischer Magier, immer mit Jannes (s. o. Bd. IX 

424 ed. Meineke erwafanten Stadt Illyriens Magia 693ff.) zusammen genannt, zwei Zauberer, die 

(Bd. XIV S. 398, 2) haben wir es kaum zu vor Pharao (Exod. 7, 8ff,) wie Moses und Aaron 

tun. [Max Fluss.] Wander taten, aber dabei doch unterlagen, Am- 

S. 459 zum Art. Magnes: brosiaster (Migne L. XVII) 494: Jannes enim 

4) Von einem Mathematiker M. erwahnt Euto- ef Mambres fratres erant magi vel venefiei 

kios (s. d.) im Archimedeskommentar (258, 28 AegypHorum, qui arte magiae suae virtutibus 

Heib.) ein arithmetisches Lehrbuch Aoyionxd, Die dei, quae ^er Moysen agebantur, aemulatione 
Gegner des Archimedes haben nach Eutokios die 10 eommentieia resistere se putabant. Sed cum 

Berechnung des Ereismnfangs (dariiber Hultsch Moysis virtus in operibus cresceret, humiles 

o. Bd. II S. 519) nicht vereinfacht, sondern durch faoti, eonfessi sunt eum dolor e vulnerum deum 

Multiplikation und Division von fiinfstelligen Zah- in Moyse operatum. Ihre Nam en, im A. T. nicht 

len erschwert. Ihre Berechnung setze die Kennt- genannt, kommen in der jiidischen tJberliefermig 

nis der AoyioxiTid voraus. Die Zeit des M. ist nicht in verschiedenen Variationen vor (s. die rabbi- 

naher festzulegen. Vielleicht ist er identisch mit nischen Stellen iiber Jannes und Jambres bei 

dem bei Proklos in Euclid. 67 Friedl. erwahnten Buxtorf Lex. eh aid. talm. et rabbin. Basel 

©svbiog 6 Mdyvrjg, Zu dieser Vermutung wiirde 1639 col. 945 — 947. E. Schiirer Gesch. d. jii- 

stimmen die Angabe des Proklos iiber diesen Theu- dischen Volkes III ^, 402 — 405). Die griechi- 
dios: xal yaQ ra oxoixeia aalm owixaSsv, Da- 20 schen Texte (Euseb. praep. ev. IX 8. Grig. c. 

gegen wiirde die Datierung als Zeitgenossen Pla- Gels. IV 51. 2. Tim. Ill 8. Acta Pilati 5. Mart, 

tons sprechen. fGrinsky.] Petr. et Pauli 34 u. a. bei Schurer) haben zu- 

S. 506 zum Art. Mago Nr. 15: meist lavvfjg ^ai 2a[A§QYjg, ebenso Targ. Jon. zu 

DaB M. eine Hauptautoritat flir Baumzucht Ex. 1, 15. 7, 11. Num. 22, 22. Im Talmud 

und Weinbau war, bemerkt Lundstrom Eran. Menachoth 85a aber: s^-)?373rDn'' (Joehane und 

II 60. tJber das Verhaltnis zu Demokrits Georgika Mamre), im Tanchuma und Sohar: Jowos und 

handelt Wellmann S.-Ber. Berl. Akad. 1921, Jombros. Die lateinischen Schriftsteller (Gesta 

23; seine Annahme, da6 diese Georgika eine Fal- Pil. 5. Cyprian de un. eccl. 16 u. a., s. o. Bd. IX 

schung des Bolos seien, zwingt ihn zu der Hypo- S. 681) wie auch die abendlandiscben Schrift- 
these, dafi Bolos den M. benutzt babe, z. B. Mr 30 steller haben fur den Bibeltext in 2. Tim. Ill 8 

die Erzeugung von Bienen aus Rinderleichen fast durchweg Jannes (oder Janmes) et Mam- 

(o. Bd. Ill S. 434, 48). Das wird der Nachprii- bres. Westcott und Hort nehmen in ihrer 

fung bediirfen. Gargilius (o. Bd. VII S. 760) Ausgabe des N. T. zu 2. Tim. Ill 8, da der Tal- 

nennt 3, 1 (ed. Mai hinter Cic. de rep. 1846) mud die Form ,Mamre' zeigt, an, dafi der west- 

M, et Gelsusj 3, 3 M. et Diophanes, und Letzterer liche Text aus einer palastinischen Quelle ent- 

wird der Vermittler ftir Celsus sein (Well- standen ist. Welcher Name der urspriinglich 

m a n n 25 A. 6). 4, 1 (de castanets) sagt er: richtige war, ob Jambres oder M., ist schwer 

M. breviter ut Poenus et cui peregrinae eiusmodi zu entscheiden; doch sind beide wohl semitischen 

arboris minus nota eultura sit ,eastaneam in Ursprungs (s. St einer in Schenkels Bibellex. 
umido sieut Graecam nucem serito' — das ist 40 III 189. Eiehm WOrterbuch 66 5ff. Grelli in 

wohl Kritik des Celsus (die Stellen auch bei Herzogs Realenz. VI 478ff.). Was die Erklarung 

Marx Ausg. d. Celsus 81). [W. KrolL] des Namens betrifft, s. Riehm und St einer 

Makron, der Maler fast aller der Gefafie, o. Bd. IX S. 681 ; eine andere Erklarung ver- 

die das Topferzeichen der Werkstatt des Hieron sucht Geiger zu geben, namlich von den SOh- 

(vgl. Bd. VIII S. 1516ff.) tragen. Mit seinem nen Jambri und den Bewohnern Jamnias, den 

Namen hat M. nur einen Skyphos des Bostoner Feinden der Makkabaer (1. Mak. 9, 36f.), die aber 

Museums bezeichnet (Liste auf S. 1526 nr. 24); wenig Wahrscheinlichkeit fur sich hat. Nach 

die Merkmale seines personlichen Stils erlauben Levys Vermutung (Chald. WOrterbuch liber die 

jedoch, ihm auch die anderen signierten Arbeiten ^ Targumim [1867] I 337) soil mit Jannes ur- 
der Hieron- Werkstatt zuzuschreiben, mit Aus- 50 spriinglich Johannes der Taufer, mit Jesus, der 

nahme von nr. 25 und 26, Schalen von der Hand ,ApostatS gemeint sein, dem die Juden agyp- 

eines ungenannten Malers, wahrscheinlich seines tische Zauberei vorwarfen. Ihre Zweizahl (Targ. 

Schtilers, den man den ,Telephos-Maler* nennt Jon. zu Ex.1, 15), meint Grelli (Herzog Real- 

(vgl. B e a z 1 e y Att. Vasenmaler d. rotfig. Stils enz. VI 478), ist aus der Zweizahl ihrer Gegner, 

225. H p p i n Attic redfig. vases II 452f.), Moses und Aaron, zu erklaren. Die judische Tra- 

und von nr. 23, einem Kantharos mit nicht voUig dition macht Jannes und M. zu Sohnen des Bi- 

gesicherter Signatur des Hieron, von einem Ma- leam, den sie auch begleiten (Targ. Jon. Nu. 22, 

ler, den B e a z 1 e y nach einer Pyxis der Athener 22). Ferner erzahlt sie von dem Auftreten der 

Vasensammlung den ,Amymone-Maler* genannt beiden als Anstifter beim Befehl Pharaos, die 
hat (319). Durch Zuschreibung von unsignierten 60 israelitischen Knablein zu tOten (Targ. Jon. Pan- 

Vasen ist das Werk des M. sehr angewachsen: hedr. 106 a); sie schreibt ihn en auch die An- 

Beazley (211 — ^221) zahlt 162 Nummern auf. fertigang des goldenen Kalbes zu, als Moses, 

(Zu der in Bd. VIII S. 1523ff. gegebenen Liste dessen Lehrer sie vorher gewesen sein und mit 

sei hier nachgetragen, daB nr. 6 sich heute im dem sie einmal einen witzigen Wortwechsel ge- 

Historischen Museum in Frankfurt a. M. be- habt haben soUen (Menachoth 85 a), ausgezogen 

findet, nr. 10 in Rom, Villa Giulia, nr. 24. im war (Midrasch Tanchuma N^rn^) 115b). DaB 

Bostoner Museum.) Vgl. auch H o p p i n 38 — 93. diese Tradition iiber die beiden Magier eine 

[Hans Nachod.] eigene Schrift gebildet hat, ist uns aus folgen- 



239 Mambres ManicMismus 240 

den Stellen bekannt: a) Orig. in Matth. tract. daher ihre Abfassungszeit schon in vorchristliche 

XXXV 117 (Migne G. XIII 1769C): quod ait, Zeit gesetzt werden kann. — G. Michaelis De 

sieut Jamnes et Mambres restiterunt Moysi, Janne et Jambre famosis Aegyptiorum magis 

non invenitur in publieis seripturis, sed in Hal. 1747. — E. Hofmann Das Leben Jesu 

libro seer eto, qui supraseribitur Jamnes et Mam- nach den Apokrypben 1851. Inselin Ztschr. 

bres liber, b) Decretum Gelasii (ed. Credner f. wiss. Theol. 1894, 321 ff. [Judith Andrde.] 

Zur Geschicbte d. Kanons 220. Preuschen Ana- Mamertini, die Herren von Messana. Mit 

leeta 147ff.)- *^^*^ ^^^^^ qui appellatur Poeniten- diesem Namen (,Sohne — oder Leute? — des 

tia Janne et Mambre apoeryphus, c) DerAmbro- Mars', s. liber das oskiscbe Mamers o. Bd. XIV 
Blaster zu 2. Tim. Ill 8 (Migne L. XVIII 494:10 8 1920) nannten sich die Seldner des Agatho- 

Exemplum hoe de apoeryphis est) berichtet, dafi kles (o. Bd. I S. 756), die nach dessen Tode sich 

,Panlus' ein Werk liber die Bekehrung der beiden mit Gewalt Messanas bemachtigten; das wird 

heidnischen Magier vor sich hatte (s. o. Bd. IX mit (schwerlich verlaBlichen) Einzelhfiten ans- 

S, 695). d) Orig. c. Gels. IV 5 bezieht sich mit den gemalt von Died. XX 1, 2f. S. das Nahere o. Bd. 

Worten: smid'etaL koX zrjv jieqI Mcovoecog xal XV S. 1227. Eine ganz andere Version bietet 

lavvov Hal la^Pgov laroQiav anf die Worte des Fest. s. Mamertini 150, 13 L. aus Alfius (o. Bd. 

Numenios bei Eusep. praep. ev. IX 8 nnd aller I S. 1475, 10). Er fiihrt die Auswanderung 

Wahrscheinlichkeit an eh auf diese Apokryphe. der M. auf ein 'ver sacrum z riick; sie batten 

Nach Freudenthal aber (Alexander Polyh. sich zuerst in der regio Taurieana angesiedelt, 

[1875] 175) soil diese Geschichte aus dem Werke 20 seien dann den bedrangten Messaniern zu Hilfe 

des Hellenisten Artapanus gescbCpft, dieser also gekommen und zum Dank daltir in die Gemeinde 

der Urheber der Legend e sein, was nach Schti- aufgenommen worden. Cichorius, der diese 

rer wegen des semitischen Ursprungs der Namen Sache aufgeklart bat (E(im. Studien 58) macht 

weniger glaubhaft ist. e) M. James hat in auch wahrscheinlich, daB Alfius mit dem Eedner 

neuerer Zeit im Journ. of Theol. Stud. Lond. Alfius Flavus identisch ist, und findet ihn in 

1901 II 572 — 577: A Fragment of the Penitence dem von Ovid ex Ponto IV 16, 23 genannten 

of Jannes and M., ein Fragment der verschol- Dichter wieder quique aeies Libycas Bomana- 

lenen Apokryphe mit zwei lUustrationen, in einer que proelia dixit : er ware also als geborener 

einzigen Hs. erhalten, entdeckt; M. Forster Campaner in einem Epos tiber den punischen 

hat im Archiv f. neuere Sprachen CVIII 15 — 28 30 Krieg fur seine Landsleute eingetreten. Die 

davon einen Abdruck gegeben und ausflihrlich Stadt gilt weiterhin als die der M.; vgl. z. B. 

dieses lateinisch-altenglische Fragment der Apo- Cic. Balb. 52 iudices cum prae se ferrent . . . quid 

kryphe von Jamnes und M. behandelt. Der In- essent ... de M. Gassio Mamertinis repetentibus 

halt dieses Fragmentes ist kurz folgender: M. iudicaturi, Mamertini publiee suscepta causa 

nimmt mit Hilfe der Zauberbiicher seines Bru- destiterunt. Das zeigen auch die Mtinzen (z. T. 

ders Jamnes eine TotenbeschwOrung vor und mit Areskopf) mit der Aufschrift Maf^sQtlvcov 

fuhrt seines Bruders Schattenbild auf die Ober- Head HN2 155 (eine oskiscbe mit fAafxeQtivovf^ 

welt hinauf. Jamnes sagt ihm, daB er voll- bei J. Fried Ian der Die osk. Mtinzen. Leipzig 

kommen gerecht gestorben sei, obwohl er weiser 1850 S. 60 und Tf. VIII), Ziegel mit juaf^eQtivovfA. 

war als alle weisen Ma.gier, und zwar deshalb, 40 (z. B. bei v. PI ant a Gramm. d. osk. umbr. Dial, 

well er den beiden Brtidern, Moses und Aaron, II 492) und die Inschrift des Stenis aus Messana 

zwei Wundertatern (sich in dieser Tatigkeit) bei- mit zcoj^zo Maf^sgnvo = populus Mamertinus 

gesellt babe. M. ni6ge noch zu Lebzeiten sein en (ebd. und etwa bei Buck Elementarbuch 152). 

Sohnen und Freunden Liebes tun, da in der Un- M. kann auch das Ethnikon von Mamertium 

terwelt nur Trauer und Finsternis herrsche; denn sein ; das ist angeblich nach Ores. V 9, 6 eine Stadt 

sowie er gestorben sei, werde er im Totenreich Siciliens (J. 133 im Sklavenkriege von Calpurnius 

eine Wohnung von zwei Ellen Breite und vier Piso erobert): doeh hat man diese Angabe be- 

Ellen Lange haben (vgl. dazu Pallad. hist. Laus. zweifelt (o. Bd. XIV S. 952), jedenfalls aber eine 

XVIII 49, 9f. Butler). Gewisse Kennzeichen des Stadt in Bruttium (ebd.). Auf diese wird man 

Textes, wie auch James bemerkt, zeigen an, da6 50die Festustelle 150, 26 beziehen dtirfen, wie sie 

auch der lateinische Text eine wCrtliche U^ber- Cichorius emendiert hat; danach siedeln sich die 

setzung des griechischen ist. f) AuBerdem haben M. an in ea jmrte Sitae, quae nunc Taurieana 

wir noch zwei Anspielungen auf diese Apokryphe dicitur; dort liegt ja auch Tauriana (s. d.). Die 

in Konig Alfreds Zusatzen zu seiner Orosius- Angabe Strab. VI 254, wonach die TavQiavij xwQa 

Version (I 72, ed. Sweet 78; vgL dazu Coc- bei Thurioi liegt (Cichorius 67), ist fernzu- 

kayne Narrat. Angl. conscript. Lond. 1861, 80) halten. DaB die M. diese Stadt Mamertium ge- 

und in Alfics Homilie De auguriis (ed. Skeat grlindet und von hier aus nach Messana gekom- 

Lives of Saints I 372, 113—117), die uns einen men seien, kann eine bloBe Kombination des Al- 

anderen Teil der Sage mitteilen : die Beihilfe fius sein. DaB ein Bruder des Stesichoros Mamer- 

der beiden Zauberer an dem Zuge der Agypter 60 ties geheiBen habe (Suid.), ist unsicher; die 

durch das Eote Meer, die auch die jtidische Tra- richtige Namensform ist wohl Mamerkos (u. Bd. 

dition kennt. SchlieBlich werden Jamnes und M. Ill A S. 2458). [W. KrolL] 

auch in fruhmittelenglischen Margareten-Leben Manichaismus. 

(ed. Cockayne [1862] 16) zitiert (s. M. FOrster (Abk.: M. = Mani, M.er = Manichaer, M.ismus 

Arch. f. neuer. Sprachen CX 427). S c h ti r e r == Manichaismus.) 

Gesch. d. jtid. Volkes III 403 meint, daB erst Inhalt: 
diese apokryphe Schrift den beiden anonymen 1. Die Quellen. 
Zauberern Name und Gestalt gegeben hat und 2. Lebensdaten des Stifters. 



241 Manichaisinus Manichaismus 242 

3. GrundgedankenundAusgestaltungdes Systems. (2) Unter den Exzerpten ist an erster Stelle 

4. Der Mythus. der M.er-Abschnitt im ,Buche der Scholien* des 

a) Die beiden Prinzipien. Syrers Theodor bar Konai (Ende des 

b) Kampf und Vermischung der beiden Prin- 8. Jhdts. Baumstark Gesch. d. syr. Lit. 218) 
zipien. zu nennen: sein besonderer Wert besteht darin, 

ie) Erschaffung der Welt. da6 er eine Sprache schreibt, die mit der M.s 

d) Der Dritte Gesandte. mindestens aufs engste verwandt ist; daB man 

e) Erschaffung des Menschen. ihn als Zeugen fiir den originalen Wortlaut be- 

f) Jesus und der Novg, trachten darf, zeigt u. a. der Umstand, daB zwei 

g) Erlosung und Verdammnis, Siinde und Siin- 10 Gotternamen, die er tiberliefert, gerade k e i n 
denvergebung. edessenisches Syrisch bieten: Ban rabba ,der 

h) Schicksal der Seele nach dem Tode. GroBe Baumeister' und Sap et %iua ,der Fest- 

i) Weltende und Apokatastasis. halter des Glanzes (SplenditenensY (s. B u r k i 1 1 

5. Gemeindeordnung, Ethik und Kultus. Kel. of the Manich. 28 n. 1). — Vor dem Bekannt- 

6. M.s religionsgesciiichtliche Selbsteinordnung. werden Theodors (1898) konnte der Fihrist 

7. Christologie auBerhalb des Mythus. mit Recht die erste Stelle beanspruchen: Muham- 

8. Zur typologischen Bestimmung des M.ismus. med b. an Nadim (f 995. Brockelmann 

l.Die Quellen (umfassende Ubersicht A 1- Gesch. d. arab. Lit. I 147) hat in seiner Literatur- 

faric Les toitures manich., Paris 1918/19) zer- geschichte (Fi/imi ,Katalog') neben wertvoUen 

fallen in drei Gruppen: (1) Originalschriften in 20 historischen Nachrichten tiber M. und den M.is- 

manichaischer tJberlieferung, (2) Exzerpte aus mus auch umfangreiche Auszuge aus Schriften 

Originalschriften bei nicht-manichaischen Autoren, M.s mitgeteilt; seine Vorlagen gehen auf offizielle, 

(3) referierende Darstellungen, mit Rasonnement fur den Gebrauch arabisch sprechender Gemeinden 

und Polemik versetzt, bei Bestreitern des M.ismus. bestimmte tJbersetzungen aus teils syrischen (s. 

Die Gruppen 2 und 3 gehen ofters ineinander u. S. 260, 65) teils iranischen (s. u. S. 250, 29) 

liber, und zwischen 1 und 2 besteht uberhaupt Texten zuriick. Zum Teil dieselben Vorlagen wie 

kein grundsatzlicher Unterschied. Ein vollig un- an Nadim benutzten Schahrastani (schrieb im 

brauchbares Einteilungsprinzip ware die geogra- J. 1127; ed. Cureton, London 1846) und al- 

phische Herkunft bzw. die Sprache der Texte. Ob- Murtada (1363 — 1437; der betr. Abschnitt bei 

wohl das System in einigen Missionsgebieten nicht 30 K e fi 1 e r Mani, Berl. 1889, 346ff.). — Einen sehr 

nur seine Nomenklatur und Terminologie der wertvoUen aus Exzerpten zusammengestellten Ab- 

herrschenden Religion angepaBt, sondern auch das riB der manichaischen Lehre enthalten die Acta 

eine oder andere Lehrstiick starker betont oder Archelai (erste Halfte des 4. Jhdts.) ; das grie- 

neu aufgenommen hat, so ergibt sich doch immer chische Original dieses Abrisses ist bei Epi- 

deutlicher die wesentliche Einheitlichkeit aUer phanius panar. haer. LXVI 25 — 31 erhalten. 

t)berlieferungszweige von Nordafrika und Agypten (3) Der bedeutendste wenn auch nicht alteste 

bis China. — Ich fiihre nur die allerwichtigsten an: Polemiker istAugustin (354 — 430), der selbst 

(1) Originalschriften sind an zwei weit ausein- neun Jahre lang manichaischer Auditor war. Seine 

ander liegenden Stellen des tlberlieferungsgebiets antimanichaischen Schriften — allein diejenigen, 

ans Ldcht getreten: in Turf an (Chinesisch-Turke- 40 die er von 391—405 in Hippo Regius schrieb, 

Stan) und in Agypten. In den Turfan-Texten sind fiillen einen starken Band des Wiener Corpus — 

drei iranische Dialekte: Persisch, Parthisch, Sog- gehoren nach wie vor zu den wichtigsten Quellen 

disch, — ferner das Ttirkische (Uigurische) und des M.ismus. — Von griechisch schreibenden 

das Chinesische vertreten. Hervorzuheben sind Schriftstellern sind zunachst der Neuplatoniker 

persische Bruchstiicke von M.s Schapurakan Alexander von Lycopolis (um 300?) und der 

(M ii 1 1 e r Hss.-Reste in Estrangelo-Schrift II Bischof Titus von Bostra (f um 370) zu nennen: 

Abh. Akad. Berl. 1904); eine persische, moglicher- von der Schrift des letzteren ist aber ungefahr 

weise zum Schapurakan gehorige ausfiihrliche ein Drittel nur in einer syrischen Ubersetzung er- 

Darstellung der Kosmogonie (Andreas-Hen- halten. — Der im 6. Jhdt. schreibende Aristoteles- 

ning Mitteliran. Manichaica I, S.-Ber. Akad. 50 und Epiktet-Kommentator Simplicius (s. 

Berl. 1932, X); ein tiirkischer ,Beichtspieger fiir P r a e c h t e r o. Bd. V A S. 204ff., bes. 209, 24ff.) 

Katechumenen (Bang Mus^on XXXVI); ein chi- gibt zu Epict. enchir. c. 27 eine ausfiihrliche 

nesischer Traktat lehrhaften Inhalts (C ha van- Widerlegung der Dualisten. Er zeigt sich iiber 

nes-Pelliot Journ. as. 1911) und eine eben- das manichaische System auch in Details gut 

falls chinesische Sammlung von Hymnen (W a 1 d- unterrichtet; seine Darstellung zeichnet sich durch 

schmidt-Lentz Stellung Jesu i. M.ismus, Prazision aus, seine Polemik durch Scharfsinn, 

Abh. Akad. Berl. 1926; Manich. Dogmatik aus eindringendes Verstandnis und Objektivitat. 

chin. u. iran. Texten, S.-Ber. Akad. BerL 1933, Zitate: Acta Arch, nach Bee son (Griech. 

XIII); daneben viele kleine Fragmente, besonders christl. Schriftst. Bd. XVI, Lpz. 1906); Alex. Lye. 
Hymnen, verschiedenen Inhalts und sehr unglei- 60 nach Brinkmann (Lpz. 1895); Augustin nach 

chenWertes. — Die in Agypten gefundenen Texte Zycha (CSEL XXV, Wien 1891/92; enthalt 

sind im subachmimischen Dialekt des Koptischen auch Euodius de fide) ; Fihrist nach F 1 ti g e 1 s 

geschrieben. Sie enthalten u. a. die KscpdXaia Mani; die noch unedierten koptischen Keph(alaia) 

(s. u. S.245, 24); ein Hymnenbuch; M.s Briefe; eine nach Seiten und Zeilen der Hs., die in der Publi- 

Sammlung von Homilien. Die ErschlieBung die- kation beibehalten werden; Simplicius nach Dtib- 

ser Texte steht noch in den ersten Anfangen, vgl. ner (Paris 1840 hinter seinem Theophrast) ; Theo- 

einstweilen S c h m i d t-P o 1 o t s k y S.-Ber. Ak. dor nach P o g n o n (Inscr. mand., Paris 1898/99); 

Berl. 1933, L Tit. Bostr. nach L a g a r d e (Berl. 1859). — Ohne 



243 Manichaismus Manichaismus 244 

Verf asser wird zitiert Mani-Fund = Schmidt- Ritus diesen Vorschriften entsprach. In dieser 

Polotsk y S.-Ber. Akad. Beii. 1933, I. Man. Umgebung wuchs M. auf . DaB er zu AuBergewohn- 

Hom(ilien) ed. Polotsky, Stuttg. 1934. lichem bestimmt sei, kiindigte sich schon friih 

Sonstige Literatur (Gesamtdarstellungen, wich- durch seltsame Traume seiner Mutter und durch 

tigere Einzeluntersuchungen und Kommentare) : die Weisheit seiner Reden an. Mit zwolf Jahren 

Baur Das manich. Religionssystem, Ttib. 1831 hatte er seine erste Offenbarung: ein Engel Got- 

(grundlegend und methodisch vorbildlich; Bespr. tes, der ,Zwilling* oder ,Paargenosse*, eine Art 

von V. C [6 1 1 n] Allg. Lit.-Ztg. 1832, I 425—440. spiritus familiaris M.s (s. Mani-Fund 72) bereitete 

Schneckenburger Theol. Stud. u. Krit. VI ihn auf seine Mission vor; er solle sich von der 
1833, 875 — 898). Fliigel Mani, seine Lehre u. 10 Religionsgemeinschaft, in der er lebte, abwenden 

seine Schriften, Lpz. 1862. Cumont (zum Teil und sich auf die Aufgabe vorbereiten, fiir die er 

mit Kugener) Recherches sur le manichMsme ausersehen sei; fiir ein offentliches Auftreten sei 

I — ^III, Brtissel 1908ff. (zur Einflihrung besonders er aber noch zu jung. Nach weiteren zwolf Jahren 

zu empfehlen). H a r n a c k Lehrb. d. Dogmen- erschien ihm der ,ZwiUing* abermals, tibermittelte 

geschichte^ II, Ttib. 1909, 513 — 527. Bang Ma- ilim die formeUe Erwahlung zum djioozoXog und 

nich. Laien-Beichtspiegel Museon XXXVI 1923, hieB ihn seine Wirksamkeit aufnehmen. Soweit 

137 — 242; Manich. Hymnen ebd. XXXVIII 1925, die manichaische Legende, wie sie im Fihrist 49 

1 — 55. Burkitt Religion of the Manichees, — 51 tiberliefert ist. Obwohl die Offenbarung an 

Cambr. 1925. Schaeder Studien z. antiken den Zwolf jahrigen ein tibernommenes Motiv sein 
Synkretismus, Lpz. 1926; Urform u. Fortbildun- 20 dtirfte (der Gnostiker lustin laBt nach Hippolyt 

gen des manich. Systems, Lpz. 1927. Jackson refut. V 26, 29 p. 131, 20f. Wendland Jesus als 

Researches in Manichaeism, New York 1931. Hen- TtaMQiov dvcodsxaexsg durch Baruch die Offen- 

ning GGN 1932, 214—228. 1933, 306 — 318. — barung empfangen), hindert nichts anzunehmen, 

Ausfiihrliche Bibliographic bei Waldschmidt- daB M. sein System wirklich schon in einem fiir 

Lentz Stellung Jesu 3 — 4; Manich. Dogmatik abendlandische Verhaltnisse sehr friihen Alter 

484 n. 1 und 2. Jackson XXIVff . ausgebildet habe (an orientalischen Parallelen fehlt 

2. Lebensdaten des Stifters. Mani- es nicht) : das wurde die Starre erklaren, mit der 
chaeus (neben Manes, -is; Mavtxouog neben Md- M. sein ganzes Leben lang die einmal gef undone 
vrjg, -Tj; iran. syr. arab. Mani) wurde nach authen- Form der Darstellung auch in Einzelheiten fest- 
tischer Angabe (alBiruni Chronol. 208, 8 — 9) im 30 gehalten hat. — M. begann seine offentliche 
J. 527 ,der babylonischen Astronomen' d. i. der Wirksamkeit damit, daB er nach Indien reiste 
Aera ?iazd XaXdaiovg, der babylonischen Seleuki- und dort bereits seine erste Gemeinde griindete. 
den-Aera =;: A. D. 216/17 geboren. Die Angaben Die Grunde, die ihn veranlaBten, auBer Landes 
tiber seinen Geburtsort schwanken: jedenfalls lag zu gehen, sind ebensowenig bekannt wie die Tim- 
er im stidlichen Babylonien. Die Sprache, in der stande, die es ihm geraten scheinen lieBen, un- 
er schrieb, war dementsprechend das Ost-Ara- mittelbar nach dem bald darauf erfolgten Tode 
maische (ob das Syrische im strengen Sinne d. h. Ardaschirs wieder zurtickzukehren: am Kronungs- 
der zur Schriftsprache erhobene Dialekt von tage seines Nachfolgers Schapur (Sapor) I. trat M. 
Edessa, ist nicht sicher s. Burkitt Rel. of in Ktesiphon auf — die Regierungsjahre der 
the Manichees 116): rfj 2vqcov q?cov^ ;t^c6^£w? 40 ersten Sasaniden stehen immer noch nicht vollig 
Tit. Bostr. I 17 p. 10, 13. Fihrist 72, 10 — 11 f est und das scheinbar so genaue Datum des Fih- 
(dasselbe kann Ghaldaeorum lingua Acta Arch. rist 51, 6 (Sonntag der 1. Nisan, wahrend die 
59, 21 meinen, doch ist diese Stelle von zweifel- Sonne im Widder stand) ist unbrauchbar — , 
haftem Wert); iiber die Bezeichnungen ,syrisch' wurde vom Konig gnadig empfangen und erhielt 
und ,chaldaisch* s. Noldeke ZDMG XXV 115ff. die Erlaubnis, im persischen Reich zu missionie- 
129. Westliche Schriftsteller bezeichnen M. je- ren. Wie gewogen Schapur dem M.ismus gewesen 
doch nicht als Babylonier sondern als Perser: sein muB, geht auch daraus hervor, daB M. fiir ihn 
Alex. Lye. 4, 14. Acta Arch. 59, 19 (Wert eine persischgeschriebene Darstellung seiner Lehre 
zweifelhaft). Secundin. ad Aug. epist. p. 896, 7. unter dem Titel Schapurakan ,das Schapurische 
Doctr. patrum ed. Diekamp 306, 11: das wird 50 (Buch)* verfaBte. Als Schapur nach 30jahriger 
sich wohl nur darauf beziehen, daB M. als Ba- Regierung starb, genoB M. auch die Gunst seines 
bylonier persischer Reichsangehoriger war; tat- Nachfolgers Hormizd I. (Man. Hom. 48, 9 — 10). 
sachlich war er aber auch iranischer Abstam- Aber schon nach einem Jahre kam Bahram I. zur 
mung: von miitterlicher und anscheinend auch von Regierung, unter dem die Dinge fiir M. eine andere 
vaterlicher Seite (s. Schaeder Urform 68 n. 4) Wendung nahmen: die mazdayasnische Priester- 
war er mit dem parthischen Konigshaus der Arsa- schaft, die Magi er (Mayovoaloi), erreichte, daB er 
ciden verwandt, das im J. 226 von dem Sasaniden angeklagt und zum Tode verurteilt wurde: im 
Ardaschir (Artaxares) I. gesturzt wurde. M.s Vater J. 276 (?) wurde er in Belapat in Susiana gekreu- 
Patek (iiber den Namen s. Schaeder Iranica zigt (nach orientalischer iJberlief erung geschun- 
69) war aus seiner medischen Heimat Hamadan 60 den) und sein Kopf am Stadttor aufgehangt. 
(Ekbatana) nach Babylonien ausgewandert und An Schriften M.s sind mit Sicherheit die 
hatte sich in Ktesiphon niedergelassen. Kurz vor folgenden bezeugt: 

der Geburt seines Sohnes horte er in einem Gotzen- (1) das Schapurakan (M^uhrayan), per- 

tempel, den er zu l?esuchen pflegte, eine Stimme, sisch verfaBt, 

die ihm befahl, in Zukunft Fleisch, Wein und (2) das Lebendige Evangelium, wozu an- 

Geschlechtsverkehr zu meiden. Er gehorchte dem scheinend als eine Art Tafelband das 

Befehl, begab sich nach Dast-Maisan in Siidbaby- ,Bild {sIh6vY gehort (s. Man. Hom. 18, 5 

lonien und schloB sich einer Taufersekte an, deren m. Anm.), 



245 Manichaismus Manichaismus 246 

(3) der S c h a t z des Lebens, Mensch im Besondern stellt eine Vermischung der 

(4) die IlQay lAaxeia (,Abhandlung*)» beiden Prinzipien dar, die duieh eine der Hyle 

(5) das Buch der M y s t e r i e n, zur Last f allende Durchbrechung der zwischen 

(6) die Schrif t von den Giganten, beiden bestehenden Schranken notwendig gewor- 

(7) das Corpus der Briefe. den ist. 

Mit einer der unter 2 — 6 aufgezahlten fiinf (3) Zugleich zielt die Einrichtung der Welt 

Schrif ten wird wohl die Epistula funda- darauf hin, die beiden Prinzipien allmahlich wie- 

m e n t i zu identifizieren sein, die bei den nord- der voneinander zu scheiden; ihr Zweck, nach des- 

afrikanischen M.ern als Handbuch der Lehre in sen voUstandiger Erreichung ihr Fortbestehen 
bevorzugtem Gebrauch war; bei Aug. c. Folic. 1 10 tiberfliissig wird, ist die Wiederherstellung des 

14 p. 817, 18ff. erscheint sie zusammen mit dem ursprunglichen Zustands (anoTiaxaoxaoig xwv dvo 

jSchatz* als Bestandteil eines Kanons von quinque q?voscov Acta Arch. 22, 1), jedoch mit der Ein- 

auetores. Man konnte auf die IlQayfmxsia raten schrankung, daB das bose Prinzip fiir die Zukunft 

(so auch AlfaricII59); Cumont Rech. 4 — 5 unschadlich gemacht und einer Wiederholung der 

n. 2 zieht es vor, was der Titel allerdings nahe- Vermischung vorgebeugt wird. 

legt, sie mit dem ,Sendschreiben von den beiden (4) Der Mensch hat innerhalb dieser Weltord- 

Prinzipien* zu identifizieren, das im Verzeichnis nung die besondere Aufgabe, an der Erreichung 

der Briefe (Fihrist 73, 12) an erster Stelle auf- dieses Ziels tatig mitzuarbeiten. Vermoge des 

gefiihrt ist. ihm von Gott gesandten Novg, durch den er sich 

Von den moisten dieser Schrif ten sind kiirzere, 20 vor der iibrigen Schopfung auszeichnet, hat er 

selten langere, Stticke direkt oder indirekt iiber- sich der Vermischung bewuBt zu werden, den 

liefert. Fiir die Zeugnisse und Fundstellen kann Sinn der Weltordnung zu erkennen und seine 

aufAlfaric verwiesen werden. Lebensfiihrung entsprechend so zu gestalten, daB 

Als Work M.s fiihren einige abendlandische jede weitere Schadigung des Lichts vermieden 

Schriftsteller auch die Esq)dXaia ,Haupt- und seine Loslosung aus der Vermischung mit der 

stiicke' auf (s. A 1 f a r i c II 21ff.), deren koptische Finsternis gefordert wird. Tut er das in vollkom- 

tJbersetzung C. Schmidt entdeckt hat (s. o. S. 241, mener Weise, so wird sich an seiner Person schon 

63). Es handelt sich dabei um eine Sammlung von gleich nach seinem Tode die Trennung der bei- 

Lehrvortragen M.s, die auf seine eigene Anord- den Prinzipien vollziehen: der leibliche Tod wird 

nung nach seinem Tode als Erganzung seiner 30 ftir ihn die Erlosung, das wahre Leben, die Heim- 

Schriften zusammengestellt worden sind, auf daB kehr des in seinem Korper gefangen gewesenen 

nichts verloren ginge. Aus dem posthumen Cha- Lichts bedeuten. Andernfalls bleibt das im Men- 

rakter dieses Works erklart es sich, daB man im schen enthaltene Licht auch nach seinem Tode 

einzelnen der Sachkritik durchaus nicht enthoben noch mit der Finsternis vermischt, bis es einmal 

ist; es kann leider keine Rede davon sein, daB in den Korper eines VoUkommenen gerat. 

wir nunmehr ,unbedingt M.s Lehrsystem ohne Abstrakter, als es hier versucht worden ist, 

jede Verfalschung' vor uns batten. Das hindert lassen diese Grundgedanken sich kaum formulie- 

aber nicht, daB sie im ganzen von unschatzbarem ren. Das sinnlich-bildhafte Element ist vom An- 

Wert sind: sie erweitern unsere Kenntnis in satz an so stark, daB es sich nicht ausschlieBen 

wesentlichen Punkten, sie bestatigen und erlau- 40 laBt. Die Substanzialisierung der Begriie, die 

tern die anderweitige tiberlieferung, sie helfen Gleichordnung von Physischem und Geistig-Sitt- 

die sprachlichen Schwierigkeiten der orientali- lichem (die sich nicht etwa als Symbolisierung 

schen, namentlich der turkestanischen, Texte iiber- des letzteren durch das erstere verstehen laBt) 

winden und ermoglichen bisweilen erst deren rich- ist fiir M. offenbar nicht nur ein die Darstellung 

tiges Verstandnis (so sind die f undamentalen Be- erleichterndes Stilmittel, sondern eine das Denken 

griSe manuhmed =: vovg und grlv xivanday = erst ermoglichende Notwendigkeit. Es steht fest, 

yjvxr} erst mit Hilfe der koptischen Texte richtig daB er keinen Wert darauf gelegt hat, seine 

bestimmt worden: Mani-Fund 69 — 71). Theorie begrifflich-dialektisch zu entwickeln; alios 

3. Grundgedanken und Ausgestal- spricht dafiir, daB er dazu auch beim besten Wil- 

tung des Systems. Das gegebene Schlag- 50 len nicht imstande gewesen ware. Wohl aber legte 

wort zur Kennzeichnung der manichaischen Reli- er Wert darauf, ein System zu bieten, das die 

gion ist ,dualistische Gnosis*: sie verneint mit Ratio befriedigte. Stand ihm dafur das Mittel der 

auBerster Konsequenz die Moglichkeit, das Gute Dialektik nicht zu Gebote, so versuchte er das- 

und das Bose auf ein Urprinzip zuriickzufiihren; selbe mit der Pragmatik zu erreichen. Er kon- 
sie lehrt die Erlosung vom Bosen durch die Er- struierte eine den Menschen in den Mittelpunkt 

kenntnis des Dualismus und durch die Befolgung stellende, Uranfang, Gegenwart und Zukunft um- 

der sich aus dieser Erkenntnis ergebenden Lebens- fassende Geschichte der Welt, die, soweit sie Pra- 

vorschriften. Die Hauptsatze ihres LehrbegriSs, historic und Prognose war, durch vier Eigenschaf- 

aus denen alle iibrigen sich ableiten lassen, sind ten den Anspruch erheben konnte, als glaubhaft 

folgende: 60 angenommen zu werden: (1) sie war von ein- 

(1) Das Bose ist ein dem Guten selbstandig drucksvoUer Geschlossenheit und stellt e die ein- 
gegentiberstehendes und nicht nur essentiell son- zelnen Vorgange in sinnvoUer und verstandlicher 
dern urspriinglich auch existentiell von ihm ge- Verkntipfung dar; (2) sie beriicksichtigte alle 
trenntes Prinzip {olqxv)' ^s waltende Machte wichtigen ,Weltratser und wies ihnen historisch 
nannte M. die beiden Prinzipien Gott und Hyle, und sinndeutend ihren Platz an; (3) sie war mit 
in der Natur sah er sie durch die dvo q?vo€ig des sorgfaltiger Riicksicht auf Symmetrie und Har- 
Lichts und der Finsternis vertreten. monie aufgebaut — fast der gesamte Gestalten- 

(2) Die gegenwartige Welt als Gauzes und der und Begriffsapparat des Systems ist in Triaden, 



247 Manichaismus Manichaismus 248 

Pentaden oder Dodekaden (,Reihen*) gegliedert — , Ham divinam cogitare nisi corpoream numquam 

sie wirkte dadurch klar und asthetisch befriedi- valueritis Aug. c. Faust. XX lip. 551, 3 — 5. Man 

gend und erweckte ein glinstiges Vorurteil ftir die darf vielleicht annehmen, dafi M. sich iiber die 

Richtigkeit dessen, was sich so befriedigend aus- rettungslose Hylisierung aller menschlichen Vor- 

driicken liefi; (4) sie verdacbtigte sich nicht durch stellungen und Ausdrucksmogliehkeiten klar war 

schroffe Ablehnung friiherer Religionen, sondern und bewufit aus der Not eine Tugend zu machen 

beanspruchte, das wirklich Gute und Wesentliche suchte, um seinem Mythus zu groBerer Anschau- 

an ihnen in sich aufgenommen zu haben; sie lichkeit zu verhelfen. 

kniipfte in ihrem ganzen mythologischen Charak- (2) ,Bezeichnend ist das Streben, Gott im Hin- 
ter und in vielen Einzelziigen an altere Lehren 10 lergrund zu lassen und als Exponenten seiner Be- 
an, die den Kreisen, an die M. sich zunachst ziehungen zur Welt und zum Menschen allerhand 
wandte, vertraut waren. Wieweit M. selbst tiber- Mittelwesen einzuschieben, iiber die dann unge- 
zeugt war, mit seiner Konstruktion den wirklichen scheut fabuliert werden darf. Die gottlichen 
Sachverhalt rekonstruiert zu haben; wieweit er Eigenschaften und Wirkungsweisen werden hypo- 
das iiberhaupt fiir erforderlich hielt; ob ihm nicht stasiert ...* (Wellhausen Isr. u. jiid. Gesch.^ 
vielmehr eine gewisse ,symbolische Richtigkeit' 302). Dieses Charakteristikum der spatjiidischen 
ausreichend schien — , das sind Fragen, die leich- Angelologie teilt der manichaische Mythus mit alien 
ter zu stellen als zu beantworten sind. Fiir die gnostischen Systemen, wenn auch wohl kein ande- 
manichaische Gemeinde ist jedenfalls in weitestem res so weit geht, da6 sogar das ,Selbst' Gottes 
Umfange das Urteil des Simplicius 72, 13 — 16 als 20 hypostasiert wird (s. u.S.251,43). Zur Bezeichnung 
richtig anzuerkennen: xsQaxa yaQ nXaxxovtig tiva, des Aktes, durch den Gott diesen ,Gottern' Selb- 
ajtsQ fXTjds iivd-ovg xaXeiv a^iov, ovx (os fW'&oig standigkeit verleiht, dient der Ausdruck ,berufen*; 
XQ(x)vtai ovbs svdeLKvvo'd'al r« alio vofxi^ovoiv, 61V sie sind seine ,Beruf ungen* (Mani-Fund 66) ; das- 
wg dlrjMoLV amolg xdig leyofisvoig Tiioxevovoi; vgl. selbe Verhaltnis besteht zwischen den ,G6ttern' 
auch Alex. Lye. 16, 9ff. und ihren ,Unter-* oder ,Hilfsgottern*. Die ,Be- 

Dieser ,kosmogonische Mythus*, die Haupt- rufungen' werden ofters auch ,S6hne* des ,Be- 

leistung M.s, ist der rationale, naturphilosophische rufenden* genannt, doch werden Verben wie ,er- 

Unterbau fiir die manichaische Ethik und Er- zeugen*, ,gebaren* oder ,erschaffen* vermieden. 

losungshoffnung. Wer das von M. gebrachte Wis- Im griechischen Sprachgebiet ist fiir ,berufen' 
sen von den ,zwei Prinzipien* und den ,drei Zei- 30 und ,Berufung* nQo^dlXsiv und nQopolrj substi- 

ten*: initium medium et Hnis in sicii aufgenom- tuiert worden (s. ebd.); wenn man die fiir diese 

men hat, weiB, was er in diesem Leben zu tun valentinianischen Termini gebrauchlichen Wieder- 

und im kiinftigen zu erwarten hat. Auseulta gaben ,emanieren* und ,Emanation* aul den mani- 

priusj redet M. den Adressaten der Epistula fun- chaischen Mythus tibertragt, mufi man sich vor 

damenti an, quae fuerint ante constitutionem Augen halten, dafi M.s Gotterapparat etwas 

mundi et quo pacto proelium sit agitatum, u t wesentlich anderes ist als das Aeonen system Va- 

possis luminis seiungere naturam ac tenebra- lentins. Vor allem handelt es sich bei M. nicht 

rum (p. 208, 23 — 26). ,Scheidung der beiden Na- um eine Stufenfolge mit progressiv absteigender 

turen* umschreibt knapp und umfassend die Gottlichkeit; vielmehr ist die Gottlichkeit samt- 
Pflichten des wahren M.ers (vgl. auch Man. Horn. 40 licher ,Gotter* grundsatzlich die gleiche; sie wer- 

12, 25f.): im geistigen Sinne betatigt er sie, in- den eingesetzt, wenn der Verlauf der mythischen 

dem er die Verschiedenheit erkennt und diese Er- Ereignisse es verlangt, und ihre Bewertung, so- 

kenntnis weiter verbreitet, — im physischen, in- weit von einer solchen die Rede sein kann, richtet 

dem er sich jeder Schadigung des Lichts enthalt sich lediglich nach der Wichtigkeit ihrer Funk- 

und durch seinen Lebenswandel die Voraussetzung tion. Ferner mu6 man sich von der Vorstellung 

daftir schafft, da6 nach seinem Tode das in ihm freimachen, daB die ,Berufung* in irgendeiner 

enthaltene Licht erlost wird. Weise eine Nach- oder Unterordnung gegeniiber 

Das richtige Verstandnis des Mythus besteht dem ,Berufenden* bedeute. Unter Umstanden ist 

darin, ,das Konkrete und Abstrakte, das Mythische sogar — fiir unsere Anschauung — das Gegenteil 
und Logische, das Bild und den Begriff stets so 50 der Fall: das ,Berufene* ist manchmal der Begriff 

aufeinander zu beziehen, daB das Eine in dem — fiir uns und gewifi auch in M.s Konzeption also 

Andern sich ausgleicht und beide Formen der das Primare — und der ,Berufende* nur sein 

Darstellung nebeneinander bestehen konnen* mythischer Trager. In andern Fallen ist das Ver- 

(Baur Manich. Rel.-System 9 — 10). Dazu ist es haltnis des ,Berufenden* und einer Mehrzahl von 

erforderlich, den rein formalen, das Wesentliche ,Berufenen* das eines Ganzen und seiner Telle. ■ — 

nicht beriihrenden Charakter einiger Stilelemente Mutatis mutandis gilt dasselbe auch von der Hyle 

der mythologischen Darstellung im Auge zu be- und ihren Machten. 

halten. (3) SoUen zwei Begriff e, deren jeder durch 

(1) Die Notwendigkeit, von den Vertretern eine ,Reihe* ausgedriickt wird, miteinander in 
des Lichtreichs Handeln und Leiden auszusagen, 60 Verbindung gesetzt werden, so werden die G 1 i e- 

bringt es mit sich, daB Anthropomorphismen und der der beiden Pentaden oder Dodekaden usw. 

Anthropopathien eine sehr erhebliche RoUe spie- e i n z e 1 n der Reihe nach aufeinander bezogen. 

len. Das ist in dem MaBe der Fall, daB einzelnen Soil beispielsweise ausgedriickt werden, daB die 

,G6ttern* — wenn auch nur gewissermaBen doni^- manichaische Kirche die irdische Manifestation 

081 — so hylische Dinge wie eine menschenartige des Novg ist, so werden die fiinf Klassen der 

Erscheinung, ja sogar mannliches und weibliches manichaischen Hierarchie: bibdottaXoi, smo^oTioif 

Geschlecht beigelegt werden: omnia corpora ex tiqeo^vxsqoi, sHXeTixol, xaxrixovfA,svoi einzeln der 

tenehrarum gente esse dieitis, quamvis substan- Reihe nach als ,S6hne* je eines der fiinf Glieder 



249 Manichaismus Manichaismus 250 

des Ndvs: vovg, svvoia, qpQovrjoig, irOvf^rjoigj Ao- gegangen und aus den Baumen wiederum die 

yiofA.6g bezeichnet, ohne dafi damit ein besonders fiinf Gattungen von Lebewesen (Damonen, Teufel, 

enges und ausschliefiliches Zusanimengehorigkeits- Archonten), die die fiinf Welten bevolkern (Keph. 

verhaltnis etwa zwisehen den nQeo^msQoi und der 30, 18 — 22. Aug, c. Faust. VI 8 p. 297, 17 — 19. 

(pQovrjoig statuiert werden soil. Wie sehr diese Simplicius 71, 18 — 22): zweibeinige (Damonen 

Stileigenttimlichkeit geeignet ist, den Sinn zu ver- im engeren Sinne), vierlDeinige, fliegende, schwim- 

dunkein, zeigt die Tatsache, dai3 gerade in bezug mende und kriechende. Jede dieser Gattungen zer- 

auf das angefiihrte Beispiel gelegentlich geaufiert fallt in die beiden Sexus und ist daher von im- 

worden ist: ,Die fiinf Stufen [der Hierarchie] i^v^/a und tJSw^ erf iillt. Ferner gehoren zum Reich 
werden hier spielerisch zu den fiinf „Gliedern" 10 der Hyle, auf die fiinf Welten verteilt, die fiinf 

des Lichtathers [das sind vovg^ smma usw. frei- Metalle: Gold, Kupfer, Eisen, Silber, Blei und 

lich auch] in Beziehung gesetzt.' Zinn (diese als eins gerechnet), und die fiinf Ge- 

4. Der Mythus. schmaeksarten: salzig, sauer, scharf (? brenzlig?), 

a) Die beiden Prinzipien. Im Ur- siiB, bitter. Jede der fiinf Welten hat einen Konig, 

anfang bestanden die beiden Prinzipien vonein- dessen Gesicht der dazugehorigen Klasse von 

ander getrennt in Gestalt zweier iibereinander ge- Lebewesen entspricht: Damon, Lowe, Adler, Fisch, 

legener und durch eine Grenze geschiedener Reiche. Drache; iiber ihnen alien herrscht der ,K6nig der 

Genauer erstreckt sich das Lichtreich endlos nach Finsternis*, der zugleich ihre Gesamtheit darstellt. 

oben, nach rechts und nach links, — das Finster- an seinem Korper sind die [A,oQ(pai aller fiinf 
nisreich endlos nach unten (Fihrist 53, 6f.); geo- 20 Gattungen vereinigt (Keph. 30, 34ff. Fihrist 53, 

graphisch ausgedriickt: dem Licht gehort Norden, 10 — 12 [dauabb ,Kriechtiere* — diese sind schon 

Gsten und Westen, der Finsternis der Siiden (Sev. durch den ,Drachen* vertreten — ist verderbt: es 

Ant. bei Cumont Rech. 96; weitere Stellen bei muB ,Damonen* heilSen. Hier liegt dieselbe Ver- 

Baur 26 — 28). In dem oberen, dem Lichtreich, wechslung von mpers. dev ,Damon* und devay 

herrschte Gott, der ,Vater der GroBe*. Sein Wohn- ,Wurm* vor wie nach einer Bemerkung W. H e n - 

sitz war die Licht-Erde, ihrerseits vom Licht- n i n g s in der deutschen "Qbersetzung bei W a 1 d- 

Ather umgeben. Gottes Wesen wird durch eine schmidt-Lentz Jesus 113, 4, wo iibrigens 

Reihe von funf Begriffen umschrieben, die Ver- die Pentade nicht angemerkt ist. Fiir den betref- 

standeskrafte bezeichnen (in alien Quellen mit fenden Fihrist-Abschnitt ist damit eine iranische 
Ausnahme der persischen belegt, s. W a 1 d - 30 Vorlage erwiesen]. Simplicius 72, 16 — 18 :nievtd- 

schmidt-Lentz Jesus 42; hier nach Acta f^oQtpov to Tcaxov avanXdizovzeg, dno Xsovrog Ttai 

Arch. 15, 11): Ix'&vog nal dsxov xal ov fj,efA,vrjf4,ai xlvcov a?dcov 

vovg svvoia q?Q6vrjaig svdv/4,rjoig Xoycofxdg, ovy?csl/A,svov, vgl. 71, 20. [Auch bei den Man- 

Syrisch heifien sie seine skma^s (Theodor 127, 7), daern: G i n z a R 280, 2f. = Lidzbarskis 

eigentlich ,Wohnungen*, Hypostasen des gottlichen tlbers. 278, 19 — 21; die manichaische Quelle des 

Da-Seins (s. Schaeder Studien 316); im Fih- Kapitels iiber den Konig der Finsternis ist in den 

rist 52, 15. 54, 1 — 2 sind sie als Gottes ,Glieder* Keph. erhalten.]). Der Konig der Finsternis ist 

bezeichnet und ganz raumlich als iibereinander in den Texten teils die Personifikation der TA?/, 

liegende , Welten' gedacht. der formatrix corporum (Aug. de nat. boni 18 
Das Lichtreich wird bewohnt von zahllosen 40 p. 862, 9 u. o.; kopt. ^coYQdq?og), der ,TJvd"v/j,r]oig 

Aeonen und ,Aeonen der Aeonen* (s. H e n n i n g des Todes* (Mani-Fund 78), — teils ihr oberstes 

GGN 1933, 310f.; vgl. Iren. adv. haer. I 3, 1 von Werkzeug. 

den Valentinianern: . . . dXXd xal rj^dg km trjg Infolge der ihnen innewohnenden ,sv'dvf4.i]aig 

evxdQtoxiag Xiyovmg ,elg rovg alcbvag xcbv alcbvcov^ des Todes* liegen die ,Welten* des Finsternis- 

sTcelvovg rovg Alcovag orjfmlveiv . . . MXovoiv), reiches miteinander in dauerndem Kriege; sie sind 

Zwolf Aeonen umgeben den Vater der GroBe, zu standig von Aufruhr und unruhiger Bewegimg 

dreien auf die vier Himmelsrichtungen verteilt; (araHxog xlvfjoig Alex. Lye. 5, 8) erfiillt. 
sie heiBen seine ,Erstgeborenen*, zum Unterschied Der Vorwurf des Dyotheismus, gegen den zu- 

von den Gottern, die erst spater nach dem Angriff letzt Bang Mus^on XXXVI 1923, 204 den M.is- 
der Hyle berufen werden (s. Mus^on XL VI 262f.). 50mus hat verteidigen woUen, ist zwar dem Namen 

Das ganze Lichtreich wird vom ,GroBen Geist' — insofern der Name Gott dem guten Prinzip 

durchwaltet, einer Art ovCvyog des Vaters der vorbehaltiBn ist — aber nicht der Sache nach un- 

GroBe, welche eigentlich die praexistente Form der berechtigt. Der M.ismus ist allerdings, was Bang 

,Mutter der Lebendigen* (s. u. S. 251, 25) darsteUt. bestreitet, ,auch die konsequenteste Form des Dua- 

Das Reich des Bosen, ,das Land der Finster- lismus*. Sehr treffend sagt Simplicius 72, 20 — 24 

nis*, besteht aus ,fiinf Welten (^coofAoiYy den fiinf to 'd'av/imoxov, 6xi ndvxa ravra dvsTiXaoav did d^so- 

,finsteren Elementen*: ospfj brfd^sv evXd^siav (eine Objektivitat der Be- 

Rauch Feuer Wind Wasser Finsternis. trachtung, die man hei jedem anderen Bestreiter 

(Dies die bestbezeugte Anordnung, z. B. Theodor des M.ismus vergeblich suchen wiirde) • ^^ povXo- 
127, lOf. Keph. 68, 17 u. 6.; vgl. Henning GO/W^wt yaQ alxiov xov Tianov xov '&edv einsiv, dQxw 

GGN 1932, 216 n. 5. Die arabischen Quellen vnsoxrjoavxo Iblav xov naTiov iooxifiov avxrjv xal 

[Fihrist 53, 3f. 54, 13f. u. 6. Schahrastani 191, ioood-evfj xiMvxeg xcp dyad-tp . . .; die wesentlich- 

1 — 3. alMurtada bei K e B 1 e r Mani 347, 7f . sten Attribute der Gottheit legt M. sowohl dem 

348, 7 — 12] haben zur Unterscheidung von den guten wie dem bosen Prinzip bei: 71, 41 — 43 

Lichtelementen statt Feuer: Brand, statt Wind: 6[A,oloyg xavxa xco dya'&co Ttal xc^ Kaxco vndQxsiv 

Samum, statt Wasser: Schlamm.) Diese Elemente (paol, xo dyhiqxov koX dq)d'aQxov, x6 dvaQxov Ttal 

sind aus fiinf xafjusia ,hervorgesprudelt', aus den dxsXevxrjxov wv xl dv sit} 08fA,v6xsQov; — vgl. auch 

Elementen ihrerseits sind fiinf Baume hervor- Aug. c. Faust. XXI 4 p. 572, 23 — 26 u. o. 



251 Manichaismus Manichaismus 252 

b) Kampf und Vermischung der und sie damit von weiteren tJbergriffen abzuhal- 

beiden Prinzipien. Bei ihrer dramog m- ten, zugleich aber auch sie zu tiberlisten und 

vrioig kam die Hyle auch einmal an die obere schlieBlich in die Gewalt des Lichts zu bringen. 

Grenze ihres Reiches und erblickte das Lichtreich Ein in den Acta Arch. 40, 33 — 41, 7 uberliefertes 

in seiner Herrlichkeit. Der Anblick erregt ihr Ver- und durch die koptischen Texte als echt erwiese- 

langen und sie versammelt ihre Damonenscharen nes Gleichnis (gegen das vielleicht Aug. c. Faust, 

(bzw. die fiinf finsteren Elemente), um zur Er- XX 17 p. 557, 15 — 18 polemisiert) veranschau- 

oberung des fremden Gebiets zu schreiten. licht, wie die Preisgabe verstanden werden soil: 

Durch die Verstandeskrafte dringt die Erkennt- Similis est malignus leoni, qui inrepere vult gregi 
nis der drohendenGefahr zuGott under beschlieBt, 10 boni pastoris; quod cum pastor viderit, fodit fo- 

sie abzuwehren. Und zwar will er ,keinen von den veam ingentem et de grege tulit unum hedum et 

Aeonen ("almai ist st. cstr.) seiner ftinf ^kina's iactavit in foveam, quern leo invader e desiderans, 

entsenden', sondern ,selbst* (syr. b-naps wortlich cum ingenti indignatione voluit eum absorbere, et 

,durch meine Seele* d. h. ,durch mein Selbst') zum adcurrens ad foveam decidit in earn, ascendendi 

Kampf e ausziehen (Theodor 127, 16). Wenn das inde sursum non habens vires; quem pastor ad- 

Folgende diesem EntschluB zu widersprechen prehensum pro prudentia sua in eaveam conclu- 

scheint, indem der Vater der GroBe dem Wortlaut ditj atque hedum qui cum ipso fuerit in fovea in- 

nach doch nicht ,selbst* auszieht, sondern ,Emana- columem conservabit. Ex hoc ergo inHrmatus est 

tionen* — zunachst die ,Seele*, s. u. — mit malignus, ultra iam leone non habente potesta- 
den erforderlichen MaBnahmen beauftragt, so be- 20 tem faciendi aliquid, et salvabitur omne animarum 

weist das nur den wesentlich formalen Charakter genus ac restituetur quod perierat proprio suo 

der jGotter* als Hypostasen der Handlungen Got- gregi; vgl. Simplicius 70, 42 — 45 wonsQ orQazTj- 

tes. Der Vater der GroBe beruft also zunachst den yog^ noXsfXicov m6vx(ov, fzsQog avxdig rov oiKeiov 

GroBen Geist (der ,weiblich* zu denken ist) als oxQaxov nQotsxai, ha x6 lomov Smacoorj (bei die- 

,Mutter der Lebendigen*. Diese beruft den ,Ur- sem Bilde handelt es sich aber um wirkliche und 

menschen* (die Quellen — mit Ausnahme der ara- dauernde Preisgabe). 

bischen — bezeichnen ihn als Ersten Menschen, Mit der Verschlingung der Lichtelemente 

mit demselben Ausdruck, den sie auch ftir Adam durch die Damonen ist die Vermischung 

gebrauchen). Der Urmensch seiner seits beruft die derbeidenNaturen geschehen. Unter die- 
funf Elemente 30 ser Vermischung hat man sich nicht eine bloBe 

di^Q (hsiJLog q?cbg vdcoQ nvQ Durcheinandermengung vorzustellen, sondern eine 

(aus dem Koptischen und der verderbten Auf zah- Verschmelzung, die auf beiden Seiten zu einer Be- 

lung Acta Arch. 10, 7 — arjQ ist ausgef alien und eintrachtigung der ursprunglichen Qualitat fiihrt: 

daftir am Ende vXri hinzugefiigt — kombiniert; die Lichtelemente unterliegen in verschieden star- 

auch in den tibrigen Quellen belegt, s. Wald- kem MaBe dem EinfluB der Hyle, sie vergessen 

schmidt-Lentz Dogm. 5061). Diese Ele- ihre Heimat (Beichtspiegel IB Bang Mus^on 

mente, die nach dem Fihrist Fltigel Mani 61 pu XXXVI 145 vgl. Schaeder Studien250n. 6), sie 

die ,Glieder* der Licht-Erde, also die eigentliche werden bewuBtlos (ebd. Theodor 127, 27); die fin- 

Substanz des Lichtreiches bilden, sind die Seele. steren Elemente werden zwar nicht besser, aber 
,Seele* oder vielmehr das durch ipvxrj und anima 40 sie gewohnen sich so an die Symbiose mit dem 

nur unvollkommen wiedergegebene syr. napsa be- Licht, daB sie ohne es nicht mehr zu leben ver- 

deutet fiir M. gleichzeitig sowohl den Gegensatz mogen und daB die dereinstige Trennung von 

zum hylischen Korper wie das ,Selbst' Gottes, der ihm den Tod der Hyle bedeuten wird (Alex. Lye. 

,selbst* zum Kampf e auszieht, dabei aber eben 5, 23 — 25. Tit. Bostr. I 39 p. 24, 15f.; ahnlich 

dank der Hypostasierung seines ,Selbst' seine III 5 p. 68, 14). Die bedenkliche Auffassung von 

Transzendenz nicht aiifzugeben braucht. — Den der Qualitatsverschlechterung der vermischten 

Gegensatz der ,Seele* zur Hyle, dem Prinzip des w^xVi ^^^ ^^^ die Lehre von der Verdammnis die 

,Todes* (Belege bei H e n n i n g GGN 1933, 314 Voraussetzung bildet (s. u. S.260, 12; fiir Augustin 

n. 1) brachte M. durch den Zusatz ,die ,lebendige* war die corruptibilitas der doch mit Gott substan- 
zum Ausdruck. Die Wendung stammt aus 1. Kor. 50tiell identisch sein soUenden Seele der Haupt- 

15, 45 kysvsxo 6 uiQwxog dv&Qcojzog 'Adafi, sig yjvx^v angriffspunkt, an dem er seine Gegner, wie die 

^^0aa/: M. hat offenbarM.5a^alsGlossegestrichen, Disputationen mit Fortunatus und Felix zeigen, 

so daB der Vers den wesentlichen Kern seines Ur- auch am sichersten zu Fall bringen konnte; c. Fe- 

menschmythus enthielt (s. Mani-Fund 71 — 72). lie. II 21 p. 851, 22S. stellt er der manichaischen 

Der Urmensch bewaffnet sich mit seinen ,Soh- Blasphemie das katholische Dogma gegeniiber: 

nen*, den Elementen, wie mit einer Riistung und nos autem dicimus quidem peccasse animam per 

steigt hinab, um den Angreifer abzuwehren. Der liberum arbitrium et paenitendo purgari per mi- 

Kampf verlauft nicht ganz so, wie man es viel- sericordiam creatoris sui, quia non est ex deo tam- 

leicht erwarten soUte. Dem Angriff der Finster- quam pars eius vel tamquam proles eius, sed ex 
nis wird in einer Weise begegnet, die scheinbar 60 deo vel a deo facta est tamquam opus eius: quid 

zunachst einer Niederlage des Lichts gleichkommt, intersit inter nostram Mem et vestram perMiam, 

und in der Tat erst auf langwierigen und fiir die omnibus manifestum est, vgl. auch ebd. I 19 

Elemente leidvoUen Umwegen zum Ziele fiihrt: p. 825, 16ff.), wird bei Alex. Lye. 6, 3 — 6 mit 

der Urmensch wirft die Elemente den Damonen folgenden Gleichnis erlautert: wotisq yag sv 

gleichsam als Koder hin, den sie denn auch gierig fpavlc^ dyyslcp ovf^fxsxapdXXeo^ai nolldnig x6 kvvui- 

verschlingen. Der Plan geht dahin, durch die zeit- aQxov, ovxco ds ^al ev tfj vXrj totovxo ri xrjv yjv 

weilige Preisgabe eines Toils des Lichts die Fin- XV'^ (nad'ovoav uiaQo. xfjv ovoav rjlaxxwo^ai (pvoiv 

sternismachte fiir den Augenblick zu befriedigen elg fisxovalav Tcaniag. (Fiir die Beurteilung von 



253 Manichaismus Manichaismus 254 

Alexanders Quelle ist zu beachten, daft dieses Jedenfalls bleibt die Befreiung des Urmenschen 

Gleichnis zur ,Vermischuiig* gar nicht pafit, wohl ftir die zuriickgelassenen Elemente nicht ohne un- 

aber zu der ausgesprochen mythologischen ,Ver- mittelbare Wirkung: ,Ruf* und ,Antwort' bilden 

schlingung*: die mythologische Urform hat in zusammen die TJvS'Vfirjoig des Lebens (s. Mani- 

der ,philosophischen* Bearbeitung ein Residuum Fund 78 — 80) und gesellen sich zu den Elemen- 

hinterlassen.) ten hinzu (die ,Antwort' gilt geradezu als ,sechster 

Obwohl der Urmensch mit den Lichtelementen, Sohn* des Urmenschen). Die TJv'dvfA,rjoig des Le- 

seinen ,S6hnen*, eigentlich wesenseins ist, wird bens kennzeichnet sich schon durch ihren Namen 

im weiteren Verlauf der Ereignisse sein Schicksal als Gegenspielerin der Hyle, der TJvd'Vf^rjotg des 
von dem ihrigen abgesondert. Er verkorpert das 10 Todes; wie diese Cooygdcpog ist (s. o. S. 250, 40), so 

jBewuBtsein* — den vovg — , das ihnen abhanden CcoyQaqpsc jene beim Weltende die Letzte Statue 

gekommen ist und einstweilen im Lichtreich ge- (s. u. S. 262, 9). Was sie bis dahin zu tun hat, ist 

borgen wird, um spater zu gegebener Zeit wieder nicht voUig klar: sie scheint eine Art Ersatz ftir 

zu ihnen zuriickzukehren. Der Mythus driickt das den verlorenen vovg und zugleich eine Vorbereitung 

folgendermaBen aus: Zwar verliert auch der Ur- fiir seine kiinftige Wiedererlangung zu bedeuten, 

mensch zunachst sein Bewufitsein, er findet es gewissermaBen das nattirliche Empfinden fiir die 

aber bald von selbst wieder und betet siebenmal Zugehorigkeit zum Lichtreich (s. u. S. 257, 27), die 

zum Vater der GroBe (Theodor 127, 30f.). Dieser Fahigkeit, auf den ,Ruf* des Novg zu ,antworten'. 

erhort sein Flehen und beruf t zu seiner Befreiung c) Erschaffung derWelt. Die Haupt- 
die ,zweite Beruf ung' : den Geliebten der Lichter 20 funktion des Lebendigen Geistes ist aber die- 

-^ den GroBen Baumeister ^ den Lebendigen jenige, der er die Bezeichnung SrjfAiovQyog bei 

Geist. Der Lebendige Geist ist die Hauptgestalt Alex. Lye. 6, 8 verdankt. Mit Hilfe seiner fiinf 

dieser Gruppe; die RoUe des Geliebten der Lich- Sohne laBt er tiber die Archonten ein strenges 

ter dagegen ist vollig unklar und der GroBe Bau- Strafgericht ergehen. Einen Teil von ihnen laBt 

meister nimmt seine Funktion erst spater auf. er toten und schinden und als Material ftir die 

(Zum Folgenden vgl. Jackson Res. in Manich. Erbauung der Welt verwenden. Unter Hinzu- 

255 — 270.) ziehung der Mutter der Lebendigen werden aus 

Der Lebendige Geist steigt zur Grenze des den abgezogenen Hauten zehn (mit dem Tierkreis 

Finsternisreiches hinab und richtet an den Ur- elf: Andreas-Henning Mir. Man. I 183 
menschen einen ,Ruf *, den der Urmensch mit 30 n. 2) Himmel, aus dem Fleisch acht Erden und 

einer ,Antwort* erwidert. Ruf und Antwort, zu aus den Knochen die Berge geschaffen (Belege bei 

einem Gotterpaar hypostasiert, steigen zumLicht- Jackson Res. 314ff.), und am Firmament wer- 

reich empor, und zwar der Ruf zum Lebendigen den die am Leben gelassenen Archonten gekreu- 

Geist, der ihn entsandt hat, und die Antwort zur zigt. Mit der Aufsicht tiber den Kosmos betraut 

Mutter der Lebendigen, der ,Mutter* des Ur- der Lebendige Geist seine ftinf Sohne. Dann be- 

menschen. Nachdem so der Urmensch durch seine machtigt er sich derjenigen Lichtteile, die von 

jAntwort* auf den ,Ruf* des Befreiers seinen Er- der Vermischung unbertihrt geblieben sind und 

losungswillen kundgetan hat, begeben sich der ihre Lichtnatur daher noch unverfalscht bewahrt 

Lebendige Geist und seine ftinf Sohne, die er haben {knsivo tfjg dvvdf^scog, ooov and xfjg fA,l^scog 
unterdessen beruf en hat (Splenditenens, Rex ho-4:0ov8sv ^v axojiov nenovd'og Alex. Lye. 6, 9 — 11) 

iiorisj Adamas [Syrisch und Koptisch setzen hin- und bildet aus ihnen die Sonne und den Mond; 

zu: des Lichts], Gloriosus rex, Atlas ['Qf^o- was ev ixexQlq yeyovog Haxiq, ist, dient als Stoff 

^oQog], vgl. Jackson Res. in Manich. 296 — ftir die Sterne (ebd. 12). Ferner erschafft er die 

313) sowie die Mutter der Lebendigen in die Tiefe, tres rotas (in den koptischen Texten hqoxoi) ignis 

befreien den Urmenschen und ftihren ihn ins Licht- aquae et ventij deren Betrieb dem Gloriosus rex 

reich hinauf. Nach dem Fihrist 56, 7 durchschnei- obliegt; was man sich unter diesen Radern vorzu- 

det der Urmensch vorher noch die ,Wurzeln* der stellen hat, ist nicht ganz klar: irgendwie soUen 

ftinf Damonenklassen (sie sind ja aus ,Baumen* auch sie der Auslauterung des Lichts dienen (s. 

hervorgegangen), um weiteren Zuzug aus dem C u m o n t 31ff.). 
Finsternisreich zu verhindern. 50 Somit ist die Welt, ,ein Gefangnis ftir die 

DaB der Lebendige Geist den Elementen Machte der Finsternis, aber ein Lauterungsort 

irgendwelche Ftirsorge angedeihen laBt, wird in ftir die Seele', geschaffen und alles ftir die 

dem bisher bekannten Material nicht berichtet, Erlosung vorbereitet. Die Gottheiten der beiden 

kann aber vielleicht erschlossen werden. In drei ersten Berufungen treten vor den Vater der GroBe 

iranischen Texten (s. Waldschmidt-Lentz und bitten ihn, den Erloser zu beruf en. 

Dogm. 571 und dazu Museon XL VI 263f.) ist fol- d)DerDritteGesandte. Der Vater der 

gende Reihe von Lebenskraften belegt: GroBe beruf t den Dritten Gesandten, dessen Auf- 

Leben Kraft Lichtheit Schonheit Duft. gabe darin besteht, den Archonten das von ihnen 
Die Seele, das geht aus einer der erwahnten Stel- verschlungene Licht zu entziehen bzw. es aus der 
len (Andreas-Henning Mir. Man. I 201) 60 Vermischung mit der Hyle auszulautern, und — 
hervor, ist schon vor den ErlQsungsmaBnahmen auf Umwegen — seine Heimkehr ins Lichtreich 
der dritten Berufung im Besitze dieser Krafte. ins Werk zu setzen. Zu diesem Zwecke macht er 
Dieser chronologische Grund zusammen mit der sich die nattirliche imdv/^la der Archonten zu 
appellativischen Bedeutung von Zwv Ilvsvfm (syr. Nutze. Er nimmt in der Sonne Platz und beruft 
ruha hana) laBt es denkbar erscheinen, daB sie als zwolf Gotter wandelbaren Geschlechts (an und ftir 
,Gabe* des Lebendigen Geistes anzusehen sind: sich sind es aber ,Jungfrauen*), die sich den Ar- 
yjvx'^lnapsa ware die Liehtsubstanz, nvev[xalruha chonten investes zeigen. Beim Anblick der bir- 
die vitale Potenz der ,Seele*. gines pulcherrimae pollutionieren die mannliehen 



255 Manichaismus Manichaismus 256 

Archonten, mit der ,Sunde* verbunden entweicht ohnmachtiger Wut beobachtet die Hyle, wie durch 

ihnen aber auch das geraubte Licht. Die ,Siinde' die MaBnahmen des Dritten Gesandten das ge- 

fallt auf die Erde herab, und zwar zu einem Teil raubte Licht ihr wieder verloren zu gehen droht. 

auf das Feuchte: daraus entsteht ein ftirchter- Sie fafit den EntschluB, den gottlichen Heilsplan, 

liches Meerungeheuer, das vom Adamas des Lichts, dem die Welt dient, durch eine Gegenschopfung 

dem heros belligerem, einem der Sohne des Leben- zu vereiteln, in der sie das Licht dauernd an die 

digen Geistes, erlegt wird. Ein anderer Teil fallt Materie binden zu konnen hoSt. Unter den Da- 

auf das Trockene und aus ihm entspriefien die monen, die auf die Erde gef alien sind, wahlt sie 

ftinf Arten von Baumen und Pflanzen (aufgezahlt zwei aus, einen mannlichen namens Asaqlon und 
Andreas-Henning Mir. Man. I 181 ; Theo- 10 einen weiblichen namens Nemrael (2a7iXag und 

dor 130, 11 kurz ,die fiinf Baume'). Nunmehr iV€)^^a3<5 Abschw6rungsformelMignePGI1464B; 

zeigt der Dritte Gesandte bzw. seine zwolf Helfe- C u m o n t Eech. 42 n. 3 belegt aus Priscillian 

r(innen) den weiblichen Archonten seine mann- Saclas und Nebroel); dieses Paar soil nach dem 

liche Gestalt, mit der Wirkung, dafi die Archon- Ebenbilde des Dritten Gesandten, den die Da- 

tinnen, die infolge des im Finsternisreich getrie- monen (eigentlich vielmehr ihre am Himmel ge- 

benen Geschlechtsverkehrs standig schwanger sind, fesselten ,Eltern': das wirkliche Subjekt ist aber 

abortieren. Die Aborte fallen auf die Erde, merk- die in den einen wie in den andern wirkende Hyle) 

wiirdigerweise, wie Aug. c. Faust. XXI 12 p. 583, im Lichtschiff gesehen hatten und der immer noch 

12f. hervorhebt, ohne durch den Sturz Schaden ihre Phantasie beschaftigt, den Menschen zeugen. 
zu nehmen, und beginnen die Friichte der aus 20 Die beiden lassen sich von den iibrigen Damonen 

dem Sperma der mannlichen Archonten entstan- deren Kinder geben, fressen sie auf, um alles ver- 

denen Baume zu fressen; infolge von deren Ge- fiigbare Licht in sich aufzunehmen, begatten sich, 

halt an vXt] werden sie von Libido erftillt, begat- und Nemrael gebiert das erste Menschenpaar, 

ten sich und setzen Damonenkinder — wiederum Adam und Eva. Die Zweiheit der Geschlechter, 

fiinf Gattungen zu je zwei Geschlechtern (s. o. die die Damonen dem Menschen vererben, und 

S. 250, 7) — in die Welt. der mit ihr verbundene Fortpflanzungstrieb soil 

Unterdessen trifft der Dritte Gesandte weitere die dauernde Fesselung der ,Seele* an das ,Fleisch', 

Mafinahmen fiir die Lichtbefreiung. Er beruft den sozusagen mikrokosmischen Aspekt der Hyle, 

die ,Saule der Herrlichkeit, den voUkommenen gewahrleisten und sie damit dem Lichtreich immer 
Mann', an der die befreiten Lichtteile zu den Licht- 30 mehr entfremden: . . . dvadQaf^siv f^sv av'&ig amrjv 

schiffen aufsteigen soUen; er beauftragt den schon ov?c scovrsg (sc. oi aQxovxsg)^ si ds Kal dvadQdf^oif 

der zweiten Berufung angehorigen GroBen Bau- dva^lav djioqpalveo'&ai rwv avco, fMfiiaof^evrjv oaQm, 

meister, die Erbauung des Neuen Aeons, der ihnen oyg ddvvazov elvai navtri r(p dya'&<p xr^v na^ iav- 

zum Aufenthaltsort bestimmt ist, nunmehr auszu- rov yjvx'rjv oXoTihjQov duxowoaod'aiy xaig fjLrjxcLvaXg 

fiihren; vor allem aber setzt er Sonne und Mond, twv dgxcvzoiv tfjg vlrjg ^rxco/^evrjv Tit. Bostr. IH 

die beiden ,Lichtschiffe', in Bewegung und weist 6 p. 68, 31 — 34. 

ihnen ihre Funktion an: sie soUen die in der Welt f) JesusundderiV^ovff. Die Hoffnungen 

verstreuten Lichtteile auslautern — wie man sich der Hyle fwerden aber zuschanden. Aus dem 

das konkret vorzustellen hat, ist nicht ganz klar — Lichtreich steigt Jesus der Glanz (s. Mani-Fund 
und ihre Beforderung in das Lichtreich bewerk- 40 67f .) herab, weckt Adam aus dem ,Todesschlaf* 

stelligen: der Mond iibernimmt sie von der Saule (Theodor 130, 24) und bringt ihn zur Erkenntnis 

der Herrlichkeit und bringt sie zur Sonne, in der seiner Lage: er belehrt ihn fiber seine gottliche 

sie dann den Eest der Keise zuriicklegen. Die mit Herkunft und zeigt ihm, wie seine — Adams, s. u. 

dieser Zweckbestimmung der ,Lichtschiffe* ver- S. 258, 62 — ,Seele* eins ist mit der gottlichen 

bundene Erklarung der Mondphasen ist einer der Lichtsubstanz, die in der ganzen Welt in der Ver- 

Punkte, denen gegentiber die antimanichaische mischung mit der Hyle leidet. ,Da schrie Adam 

Polemik ihre leichtesten Triumphe feiern konnte: auf (conj. Schaeder Studien 347) und weinte 

jioot] ds Kol r\ TisQi rovro dXXo^wrla, sagt Simpli- und erhob machtig seine Stimme wie ein briillen- 

cius 72, 9 — 12, TO . . . ?cai to (pcog rfjg osXi^vrjg ovh der Lowe, er raufte sein Haar und schlug sich die 
djio rov rjXlov vof^tCsiv, dXXd yjvxdg slvai, dg ^:7i6 50Brust und rief: „Wehe, wehe tiber den Schopfer 

vovf^rjvlag scog jiavosXrjvov dnb tfjg y^g dvaoncboa, meines Korpers und iiber den FeBler meiner Seele 

0710 navGsXrivov TzdXiv scog vovfA,rjviag slg rov rjXtov und iiber die Rebellen, die mich geknechtet 

fjisxayyiCsL', vgl. Alex. Lye. 6, 25—7, 6. Acta habeni" * (Theodor 131, 4—7). 

Arch. 13, 4 — 8. Tit. Bostr. I 40 p. 25, 4. Epiph. Was Jesus im Mythus an Adam vollbracht hat, 

haer. LXVI 9, 8 (HI 30, 17 — 20 HoU). An- das voUbringt hie et nunc der Novg als seine 

dreas-Henning Mir. Man. I 187 mit n. 4; ,Emanation* (s. Mani-Fund 68ff.). Der Novg ist 

iibrigens wird Alexanders Frage 31, 7 — 11: oxs es, auf den die Religionsstiftungen zuruckgehen; 

xoivvv dno xfjg navosXrjvov 7] osXr\vri (jisiovxai, er ist ,der Vater aller Apostel*, durch deren Lehre 

{57) dnoxcoQi^oiAsvT] dvva/Liig xbv xQ^vov xovxov er in den Menschen eingeht: er ,bekleidet* die 
710V fisvsi, so)g dv Ksvwd'eloa rj asXrjvYj xcbv uiqo- 60 fiinf Glieder der Seele d. h. die Elemente Luft, 

xsQOiv yjvxcov . . . bsvxsQav ndXiv ds^rjxat dnoi^clav, Wind, Licht, Wasser, Feuer mit seinen eigenen 

beantwortet durch die schon vom lateinischen Gliedern 

Ubersetzer miBverstandene Stelle Acta Arch. 13, vovg, swoia, (pQovrjoig, sv&v/yirjoig, XoyiofjLog, 

9 — 12 xfjg o^v GsXrjvYig ^sxadtdovorjg (das Praes. aus denen weiterhin die fiinf ,Tugenden* entstehen: 

ist zu beachten) xov yofxov xcbv yjvxcbv xolg aicbai Liebe {dydnrj), Glaube, VoUendung, Geduld, 

xov naxQog, 7iaQa{A,svovGiv (TisQifx, suspicor) sv xco Weisheit 

oxvXcp xfjg do^rjg, og Holslxai diy)r\Q 6 xsXsiog, (arabische, sogdische, chinesische, tiirkische Be- 

e) Erschaffung des Menschen. In lege bei Waldschmidt-Lentz Dogm. 574; 



257 Manichaismus Manichaismus 258 

koptisch z. B. Keph. 97, 20 — 21). Durch diese so bei den chinesischen — nimmt Jesus nicht nur 

,Gabeii* wird die Seele in den Stand gesetzt, den am kosmisch-physischen Erlosungswerk teil, son- 

Anfechtungen des Fleisches zu widerstehen und dern verdrangt den Dritten Gesandten vollstandig. 

den Kampf gegen die Rebellionsversuche der Bei Augustin kommt der Dritte Gesandte tiber- 

jSunde' aufzunehmen. Auf die mit den ,Gaben' haupt nicht vor: an seiner Stelle steht stets 

ausgestattete Seele und ihren Gegenspieler, das Chri st us; nur bei Euodius de fide 17 p. 958, 1 

oib^ia ifjg d/uaQzlag mit seinen Lastern, tibertrug wird einmal beilaufig dei tertius legatus genannt. 

M. das paulinische Bild vom Neuen und Alten — Eine von alien andern Quellen abweichende 

Menschen (Col. 3, 9 — 10 und besonders Eph. 4, Darstellung des Erlosungswerks findet sich in den 
22 — 24 . , . avaveovo'&ac ds rep ozvevfAan xov voogl^ Acta Arch. 12, 7ff. Der Erloser ist hier Gottes 

viAwv . . .). Den ,Kampf des Neuen mit dem Alten Sohn; die Ausdrticke, die in bezug auf ihn ge- 

Menschen* findet man im Chinesischen Traktat braucht werden, zeigen, daB darunter Jesus zu 

schematisch ausgefiihrt: Chavannes-Pel- verstehen ist. Er vollzieht die ocorrjQia durch eine 

Hot Journ. as. 1911, 546ff. f^rjxavrj exovoa dcoSsKa xabovg (vgl. Schlier 

Durch den Novg wird der Seele das ,Bewufit- ReLgesch. Unters. z. d. Ign.-Briefen 11 Off.), eine 

sein' ihrer selbst wiedergegeben, das durch die Schopfmaschine, fjxig vno tfjg ocpatQag orQsq)OfA,€V7] 

Vermischung eingeschlafert worden war: das syr. dvifAdrm rcov d^vriOTcorvcDv tag yjvxdg und sie zu 

hauna an der o. S. 252, 38 zitierten Stelle Theodor den ,Lichtschiffen' befordert. Die Lichtjungfrau 

127, 27f. (,das BewuBtsein der fiinf glanzenden und die Verfiihrung der Archonten kommt auch 
Gotter wurde fortgenommen') bezeichnet zugleich 20 hier vor (13, 14ff.), aber in ganz andrem Zusam- 

die erste der fiinf Verstandeskrafte = vovg. Es menhang: der Mythus dient hier zur Erklarung 

muB daher geniigen, die Seele ,wachzurutteln' des Todes der Menschen. Der Dritte Gesandte 

(Theodor 130, 28), um sie bereit zu finden, die mit seinen zwolf Jungfrauen, die hier als ol deb- 

Belehrung iiber die Widernatiirlichkeit, aber auch ds^ca Kv^eQvfjxat erscheinen (21, 11), tritt voUig 

iiber den Grund und den Sinn ihres gegenwar- unvermittelt erst bei der Schilderung des Welt- 

tigen Zustands anzunehmen. M.s Lehre appelliert endes auf, ohne daB sich erkennen lieBe, welche 

an das natiirliche Empfinden der Seele, kraft I'unktion er neben Jesus noch zu erfiillen hat.] 

dessen sie den von ihm gezeigten Weg zur Er- Durch den erretteten Urmenschen ist der den 

iosung eben als den richtigen, ihrer Natur ent- Lichtelementen von Haus aus eigene vovg im An- 
sprechenden erkennen m u B. Wesson natiirliches 30 fangsstadium der Vermischung in Sicherheit ge- 

Empfinden so weit erstorben ist, daB er diese Er- bracht worden (s. o. S. 253, 11); durch Jesus wird 

kenntnis nicht mehr aufbringen kann oder will, er ihnen wieder zugeftihrt. Daraus erklart sich zu- 

dem ist nicht zu helfen: er muB verloren gegeben nachst die enge Verbindung, ja sogar voile Iden- 

werden. [Den Ausdruck ,wollen', den ich eben titat (so der persische Hymnus S 9, bearb. von 

gebraucht habe, hat M. selbst sich einmal an einer H e n n i n g GGN 1932, 214ff.), in der ein groBer 

von Aug. c. Folic. II 5 p. 832, 26 zitierten Stelle Teil der tJberlieferung Jesus und den Urmenschen 

aus dem Thesaurus entschltipfen lassen: qui . . . erscheinen laBt: bei Augustin wird Jesus mehr- 

legem sibi a suo liberatore datam servare plenius fach als ,Sohn' des Urmenschen bezeichnet (Stel- 

noluerint. In M.s Sinne beruht dieses nolle len bei B a u r 210; freilich konnte diese Bezeich- 
aber trotzdem nicht auf liberum arhitriumj wor- 40 nung auch erst aus der gleich zu besprechenden 

auf Augustin ihn festlegen will, sondern auf Ent- Lehre vom Jesus patibilis abstrahiert sein); in 

artung inf olge der Vermischung, die eben die den koptischen Texten ist der M o n d bald das 

Fahigkeit zum 'velle erstickt hat.] ,Schiff' des Urmenschen und bald Jesu; der Neue 

[In Gotterlisten und Hymnen zeigt sich mehr- Aeon steht in naher Beziehung zu Jesus, der in 

fach das Bestreben, die soteriologischen Gott- persischen und parthischen Hymnen geradezu 

heiten (die ,dritte Berufung*) so zu gruppieren, ,Neuer Aeon* genannt wird (s. Museon XL VI 

daB der Dritte Gesandte und Jesus als ihre Fiih- 259f .), — anderseits ist der Urmensch ,der Konig 

rer nebeneinander geordnet werden und beide eine des Neuen Aeons* (Man. Hom. 41, 20 m. Anm.); 

gleiche Anzahl von Hilf sgottheiten erhalten (s. die L i c h t j u n g f r a u ist die Begleiterin Jesu, 
Mani-Fund 69 n. 2. Mus6on XLVI 254). Der 50 in den koptischen Texten (z. B. Keph. 84, 18f. 

Grund dafur ist in der Zweiheit der ,Lichtschiffe' und oft in den Hymnen) ist sie aber auch die 

zu suchen, die eine entsprechende Zweiheit der in ,Seele' (ah einer Stelle speziell das Element 

ihnen wohnenden und von ihnen aus das Er- ,Feuer*), mit der der Urmensch die Damonen 

losungswerk leitenden Gotter zu verlangen schien. kodert, usw. — Ferner erklart sich daraus die 

Der Dritte Gesandte erhielt die Sonne und Jesus Vorstellung vom Jesus patibilis, die Deutung des 

den Mond. Um die gleiche Anzahl von Hilfsgott- gekreuzigten Jesus auf die in der Hyle gefesselte 

heiten herauszubekommen, wurde von den zwolf Seele (s. Baur 71 — 77. 211. 395 [seit Cumont 

Jungfrauen des Dritten Gesandten die urspriing- Rech. 48 ist es ublich geworden, Theodor 130, 31 

lich mit ihnen identische ,Lichtjungfrau', die 2o- — 131, 3 als locus classicus fiir diese Lehre zu 
(pla, abgespaltet (s. Mani-Fund 68) und Jesu und 60 zitieren. Mir scheint es notig, das Poss.-Suffix in 

dem Monde zugeteilt. Es ergeben sich auf diese napseh ,seine Seele' 130, 31 nicht auf Jesus son- 

Weise zwei parallele Reihen, ,dritte Berufung a dern auf Adam zu beziehen, da nur so Adams 

und b*: Schmerzausbrueh 131, 4fE. verstandlich wird]): 

durch diese Deutung wird die Wesenseinheit, die 
die Elemente mit dem Urmenschen verbindet, 
auch mit Jesus hergestellt. Im iibrigen ist es ein 
ausgesprochen ,gnostischer* Zug der manichaischen 

Bei den nordafrikanischen M.ern — und eben- Christologie, dafi sie das Leiden Jesu seiner Ge- 

Pauly-Wissowa-Kroll Suppl. VI ^ 



a 


b 


Dritter Gesandter 


Jesus 


zwolf Jungfrauen 


Lichtjungfrau 


Saule der Herrlichkeit 


Novg. 



259 MaEichaisiEus Manichaismus 260 

schichtlichkeit entkleidet und in ein Symbol fur M,ismus schon aus diesem Grunde keine Stellej 

das Mythologumenon von der vermischten Licht- wohl aber die Beichte, die eben der Bekundung 

seele verwandelt (s. B o u s s e t Art. Gnosis der f^oerdvoia und zugleich der erneuten Belehrung 

Bd. VII S. 1525, 441.); bei Alex. Lye. 7, 17—19 dient, s. Bang Manich. Laien-Beichtspiegel Mu- 

scheint jedoch Geschichtlichkeit und symbolische seen XXXVI 1923, 137 — 242. — Unvergebbar wenn 

Deutung verbunden zu sein: der Xqiotoq -== Novg auch eigentlich nicht schuldhaft (s. o. S. 257, 39) 

sei nach VoUbringung seines Erlosungswerks ist nur die eine geistige Siinde: sich der Beleh- 

schlieBlich gekreuzigt worden und naQaoxeod'ai rung des Novg zu verschliefien, [xrj yvcovac xijv 

yvmoiv xoLcods hqojcco koI rrjv dvvafiiv xrjv d'siav aXrj'&sLav (Acta Arch. 18, 10), die yvcboig xov 
evYjQfAood'ai, sveoravQcoo'd'ai xfj vXrj, Fiir M. selbst \^ naQaKXrjxov (ebd. 19, 4. 45, 12) nicht anzunehmen, 

ist der Jesus patibilis nicht mit Sicherheit in An- f^rj Uystv dvo aQxag slvai xcov ndvxwv (Simplicius 

spruch zu nehmen. 71, 1): diesen Seelen, die in dem Mafie deterio- 

g) Erlosung und Verdammnis, riert und der Hyle assimiliert sind (s. o. S. 252, 34), 
SiindeundSiindenvergebung. Erlosung daB sie uberhaupt nicht mehr .zur Erkenntnis 
bedeutet nichts weiter als die Rtickkehr der Seele ihrer selbst d. h. ihrer gottlichen Natur zu ge- 
in ihre gottliche Heimat, ,ihre erste (urspriing- langen vermogen, bleibt die Erlosung versagtj 
liche) ovola^'j geistlos spottet Tit. Bostr. I 37 sie wandern von Korper zu Korper und werden 
p. 23, 28 — 30 }cal xovxo ys soxlv rj uiaQ' avxotg schlieBlich am Ende der Tage mit der besiegten 
E%uii!^oiA,evYi 0(0X7] Qia xai (AaKaQLoxYjg, x6 dnodo'&fjval Finsternis in den ^wXog, das ewige Gefangnis (s» 
ys xcD '&€,^ x6 olxsiov avxov. Wie schnell der Ein- 20Museon XL VI 260 n. 13) gefesselt. Von den zahl- 
zelne dieses Ziel erreicht, hangt davon ab, in wel- reichen gegnerischen Einwanden gegen diese 
chem Grade er die ,Trennung der beiden Naturen* Lehre durfte auf M.er hochstens der des Simpli- 
(s.o.S. 247, 38) fiir sich selbst durchzufiihrenvermag. cius 71, 4f. Eindruck gemacht haben, dafi Gott 
Je nachdem zerfallen die Glaubigen in zwei Klas- nach erfolgter Apokatastasis unvoUstandig (ari- 
sen : die EKleKXoi-electij die die strikte Befolgung krig) bleiben miisse, weil ^£^?y avxov dnolsoag, 
aller Vorschriften auf sich nehmen: diesen wird h) Das Schicksal der Seele nach 
die Erlosung gleich nach ihrem Tode zuteil; und dem T o d e wird in versehiedenen Ausgestaltun- 
die Haxf]xovfA,evoi-auditores, die vom Fleisch nicht gen dargestellt, zu deren Verstandnis es zweck- 
vollig loskonnen, aber die Lehre annehmen und maBig ist, von dem zugrunde liegenden Begriff 
ftir den Lebensunterhalt der Electi sorgen: auch SOauszugehen: der Aufstieg der Seele ins Lichtreich 
ihnen steht die Erlosung in fester Aussicht, je- hat zur Voraussetzung, daB ihr ,Sundlosigkeit' zu- 
doch haben sie zunachst eine Seelenwanderung erkannt werden kann. Der von M. hierfiir ge- 
{fAsxayyiofA,6g) durchzumachen und nach dem Ta- brauchte aramaische Ausdruck (zum Folgenden 
lionsprinzip ihre Siinden bzw. UnvoUkommen- s. Mani-Fund 72f.) war %akuta', der Stamm be- 
heiten solange zu buBen, bis ihre Seele in den deutet ,rein sein*, ,frei von Schuld sein*, ,fur 
Korper eines Electus eingeht. schuldlos erklart werden', ,vor Gericht obsiegen*^ 

Die Siinde ist die natiirliche Funktion und schlieBlich ,siegen' iiberhaupt, das Subst, ^akuta 

eigentliche Manifestation der Hyle. Die Seele als kann sogar ganz konkret den ,Siegespreis' bedeu- 

reine Substanz, d. h. ohne mit dem vovg gewapp- ten. Aus diesen Moglichkeiten ergeben sich zwei 
net zu sein, ist gegen den Korper und damit 40Symbolisierungen: (A) Die Seele tritt zusammen 

gegen die Siinde von vornherein voUig machtlos; mit dem Alten Menschen vor den ,GroBen Richter' 

sie kann nur dann Widerstand leisten, wenn sie var. ,Richter der Wahrheit' (nach der Gottergenea- 

im Besitze des vovg ist. Das Streben des Korper s logic Mani-Fund 74 ist er eine Emanation Jesu), 

ist demnach darauf gerichtet, der Seele diese von dessen Richterstuhl drei W«ge (Keph. 83, 

Wafe aus der Hand zu schlagen, ihr das ,BewuBt- 6 — 8. Fihrist 71, 9) ausgehen: der eine fiihrt zum 

sein* zu rauben, sie ,vergessen* zu machen, — also ,Leben* (Erlosung), der zweite zur ,Vermischung* 

das Drama der urzeitlichen Vermischung zu er- (Fortdauer der Vermischung mit der Finsternis 

neuern. Eben das wird aber durch die Religion unter Aussicht auf spatere Erlosung), der dritte 

und ihre Einrichtungen verhindert: durch Kate- zum ,Tode* (ewige Verdammnis). Die Seele des 
chese, Liturgie und Observanzen wird die Seele 50 Vollkommenen wird ,fiir schuldlos erklart', der 

standig bei ,BewuBtsein* gehalten, und wenn sie Neue Mensch ,obsiegt* iiber den Alten Menschen 

doch einmal ,vergiBt*, so steht die Kirche bereit, und geht den Weg des Lebens. — (B) Der Seele 

sie wieder zur Besinnung zu bringen. — des Vollkommenen tritt, wenn sie den Korper ver- 

Wie im urzeitlichen Kampf die Vermischung lassen hat, die ,Lichtgestalt' entgegen, d. i. ihr 

der beiden Naturen ohne Schuld des Lichts erfolgt ,zweites Selbst*, ihre verkorperte Frommigkeit 

ist, so ist auch die menschliche Seele fiir die [zum Folgenden s. Museon XL VI 1933, 270f.]. 

fleischlichen Siinden, zu denen der Korper sie Die Lichtgestalt, die nach der obenerwahnten Ge- 

treibt, nicht verantwortlich zu machen; wird sie nealogie eine Emanation des liichi-Novg ist (das 

sich der begangenen Siinde bewuBt, kehrt sie — bedeutet, daB die Bildung des ,zweiten Selbst* 
unter der belehrenden Einwirkung der Geistlich- 60 eine Wirkung des Novg ist), tragi die Ziige eines 

keit, die den Novg auf Erden vertritt — reumiitig der drei Bringer der Erkenntnis, Jesu oder des 

zur Erkenntnis ihrer Herkunft und Bestimmung Novg oder Mani's; sie hat drei Engel bei sich, die 

zuriick, so ist auch ihr Recht auf Heimkehr ins die Insignien des ,Sieges* — Siegespreis (^Qa- 

Lichtreich wiederhergestellt. Durch eine Siinde, §e2ov, zakuta indirekt durch das in dieser Bedeu- 

welcher fAexdvova folgt, wird dieses Recht nicht tung dem Arabischen fremiie xakah Fihrist 70, 1. 

verwirkt sondern nur suspendiert: die verdiente 6 bezeugt), Kleid und Krone — tragen und diese 

Strafe besteht lediglich in der Verzogerung der der Seele iiberreichen. Mit diesen Insignien an- 

Erlosung. Eine kirchliche BuBdisziplin hat im getan wird sie von der Lichtgestalt die Saule der 



261 Mamchaismug Manichaismus 262 

Herrlichkeit hinaufgeleitet. Dann geht es mit dem ist bisher nicht gefunden — 1468 Jahre: Schapu- 

Mond weiter zur Sonne — wer das Ungliick hat, rakan MiiUer Hss.-Reste II 19 und die Araber 

nach VoUmond auf der Spitze der Saule anzu- Fihrist 58, 4 == Schahrastani 192, 1 == alMur- 

kommen, findet das Mondschiff abgefahren und tada bei K e B 1 e r Mani 348, 4 v. u.). Die bei 

muB bis zu 14 Tagen warten (s. o. S. 255,64) — nnd Ausbruch des Brandes in der "Welt noch vorhan- 

die Sonne schlieBlich bringt die Seele in den Neuen denen Lichtteile, durch die in ihnen wirkende 

Aeon zur ewigen Seligkeit. (Im Fihrist ist die 'Ev&v^riOLg des Lebens (s. o. S. 254, 4) zu zweck- 

,Liehtgestalt' gespalten: hier steht neben dem maBigem Handeln angeleitet, sammeln sich, for- 

jGeleitenden Weisen' und seinen drei Engeln mieren sich zur ,letzten Statue* (s. Mani-Fund 79) 
noch eine ,Jungfrau' als verkorperte Frommig- 10 und steigen zum Lichtreich auf. 

keit; im Eoptischen [Mani-Fund 73. Man. Horn. 6] Auf das Griindlichste wird die Unschadlich- 

werden beide Darstellungen — Gericht vor dem machung der Hyle besorgt. AuBer der Abschei- 

GroBen Richter und Uberreichung des Siegesprei- dung vom Licht (s. o. S. 252, 40) und auBer der 

ses usw. durch die Lichtgestalt ^ kombiniert: Verbrennung werden noch weitere MaBnahmen ge- 

das muBte in alien Sprachen naheliegen, die nicht troHen, denen gegentiber sich allerdings die Frage 

wie das Aramaische fiir die ganze Begriffsreihe aufdrangt, ob sie notwendig erst durch die Ver- 

von ,Schuldlosigkeit' bis ,Siegespreis' ein Wort mischung vorbereitet werden muBten. Die Hyle 

haben). wird eingekerkert; damit aber nicht genug, wer- 

DieseSchilderungenbezogen sich auf die Electi. den die beiden Geschlechter, die samt der durch 
Den beiden anderen Klassen von Seelen ergeht es 20 ihr Vorhandensein bedingten sm'&v^la und '^doi^i^ 

entsprechend: die UnvoUkommenen, die Katechu- ein so wesentliches Charakteristikum der Hyle im 

menen, miissen den Weg der ,Vermischung' gehen, Urzustande war en (s. o. S. 250, 9), voneinander ab- 

die Sunder den des ,Todes' oder der ,Holle'. Fiir gesondert, so daB eine weitere Vermischung und 

die Einzelheiten der Ausgestaltung kann auf den Fortpflanzung nicht mehr erfolgen kann: das 

Fihrist 70, 12 — 71, 9 verwiesen werden. Mannliche wird in den ^coXog, das Weibliche in 

i)Weltende und Apokatastasis. das ,Grab* gesperrt (Keph. 105, 32f.; andere Texte 

Wenn durch die Tatigkeit von Sonne und Mond erwahnen die Trennung der Geschlechter nicht 

und durch die Wirkung des Novg die Auslaute- und reden entweder nur vom ^coXog oder nur vom 

rung des Lichts einen gewissen Grad erreicht hat, ,Grab': so Fihrist 58, 7. Ephraem bei Jackson 
wird das Ende der Welt herbeigefiihrt. Wann das 30 Res. 284f., wohl auch Man. Hom. 41, 6f.). SchlieB- 

zu erwarten ist, hat M., soweit bekannt, nicht ge- lich wird, um ein etwaiges Entweichen unbedingt 

sagt; nach Keph. c. 147 (s. Mani-Fund 23) scheint zu verhindern, das ,Grab* mit einem riesigen Stein 

er allzu bestimmte Voraussagen uber zukiinftige verschlossen (Fihrist a. 0.). 

Ereignisse iiberhaupt grundsatzlich vermieden zu 5. Gemeindeordnung, Ethik und 

haben. Erst im spateren M.ismus sind Spekula- K u 1 1 u s. Die Einteilung der manichaischen 

tionen in dieser Richtung angestellt worden: Glaubigen in Electi und Katechumenen ist bereits 

Schahrastani 192, 13ff. berichtet von einem aQxv oben erwahnt. Sie ergibt sich zwangslaufig aus 

yog namens Abu Sa'id, der im J. 271 d. H. = der Spannung zwischen der konsequenten religio- 

A. D. 884/85 die Gesamtdauer der ,Vermischung* sen Forderung einerseits und der Schwache des 
auf 12 000 Jahre, von denen 11 700 bereits ver- 40 Fleisches andererseits; ihre Herleitung aus dem 

gangen seien, angegeben habe. Buddhismus, die seit B a u r immer wieder ver- 

Fiir die Schilderung der Endzeit entnahm M. sucht wird, ist daher uberfltissig. 

das Material dem Neuen Testament: der ,synopti- Neben dieser Einteilung nach der religiosen 

schen Apokalypse* Mt. 24. Mc. 13. Lc. 21 (ver- Vollkommenheit steht eine Gliederung nach dem 

arbeitet in dem koptischen ,Sermon vom GroBen Rang in der Hierarchie. Der ,Fuhrer (aQxriyogY 

Krieg* Man. Hom. 7ff.) und namentlich dem der manichaischen Kirche, der jeweilige Nachfol- 

jJiingsten Gericht' Mt. 25, 31 — 46 (Mil Her ger M.s, steht auBerhalb der eigentlichen hier- 

Hss.-Reste II 11 — -15. Man. Hom. 32ff.). Das be- archischen Rangordnung, die folgende ftinf Stufen 

vorstehende Weltende ktindigt sich durch die Pa- umfaBt: (1) diddo^caXoi, (2) kntoHOJioi, (3) uiqso^v- 
rusie Jesu an. Jesus wird als ,GroBer Konig' 50 reQor, diese drei ' Stufen sind ihrem religiosen 

einige Zeit unter der Menschheit herr schen, die Grad nach Electi; ihnen folgen (4) die sTcls^ixo^ die 

infolge der immer weiter um sich greifenden Er- nicht Amtstrager in der Kirche sind, und (5) die 

kenntnis mittlerweile vorwiegend aus M.ern be- Masse der p<;aT^;^;oV|W£ra«; tiber diese Rangordnung 

steht; er wird seinen Richterstuhl inmitten der und namentlich iiber die zweite Stufe s. Schae- 

oi7tov[A,evrj errichten und die Bocke von den Scha- der Iranica llff. Frauen sind von den kirch- 

fen sondern: zur Rechten werden die Katechu- lichen Amtern, aber nicht vom Electus-Grade aus- 

menen stehen und den ,Sieg' empfangen, zur Lin- geschlossen. 

ken die Sunder; die Electi werden zu Engeln ver- Der Grundgedanke der manichaischen Ethik, 

klart. Dann kehrt Jesus ins Lichtreich zuriick und soweit sie die praktische Lebensfiihrung betrifft 
gibt damit das Zeichen zur Auflosung. Die Gotter, 60 (s. o. S. 247, 38ff.), auBert sich wesentlich in ne- 

die den Bau der Welt zusammenhalten, die Saule gativer Form, in der Forderung, alles zu vermei- 

der Herrlichkeit und die ftinf Sohne des Leben- den, was das im Menschen und in der Welt ent- 

digen Geistes, verlassen ihre Platze und begeben haltene Licht schadigen konnte. Dazu gehort 

sich ebenfalls zur Hohe; der gesamte Kosmos einerseits die Fleischeslust (s. o. S. 256, 24ff.) 

stiirzt in sich zusammen; ein ungeheures Feuer und alles was zu ihrer Erregung geeignet ist, 

bricht aus und vernichtet die Welt, die nun ihre andererseits alles ,Qualen* und ,Schadigen* der 

Bestimmung erftillt hat (die Dauer des Brandes Natur. Strikt verboten ist dem Electus also zu- 

betragt — eine Erklarung fiir die sonderbare Zahl nachst der Geschlechtsverkehr und der GenuB von 



263 Manichaismus Manichaismus 264 

Fleisch und Wein (erlaubt sind dagegen frische alMurtada 349, 9ff.; von einer ausfiihrlichen per- 

Weintrauben und — offenbar unvergorener — sischen Aufzahlung ist leider nur ein kleines 

ApMsaft s. Lagarde Mitteilungen III 47f.). Sttick erhalten: Andreas-Henning Mir. 

Der Begriff des ,Qualens' ist in der Theorie aufier- Man. II 296f .) : verboten wird u. a. der Gotzen- 

ordentlich weit: er umfaBt nicht nur die MiB- dienst, das Ltigen, der Geiz [vermutlich beim 

handlung der Tiere, das AusreiBen der Pflanzen, ,Almosen'abliefern an die Electi], das Toten, die 

das Verunreinigen des Wassers u. dgl., sondern Unzucht, der Diebstahl, die Zauberei; Schahra- 

auch si tig nsQmaxsl xafxai, ^Xanxei rr}v yfjv Kal stani 192, 8 ftihrt auch die Goldene Regel auf. 

6 Hivobv r7}v xelQa ^Xdmsi xov ds^a, weil die Luft tJber das ganze tTberlieferungsgebiet verbreitet 
die Seele aller Lebewesen ist [vgl. Fihrist 62, 13 10 ist die Reihe der ,drei Siegel*: tria signacula . . . 

,und die Luft ist das Leben der Welt*], Acta Arch. oris et manuum et sinus, vgl. die ausftihrliche Dar- 

17, 9f. Da auch vegetarische Nahrung nicht ohne stellung bei Baur 248fE. Os, manus und sinus 

solches jQualen* gewonnen und genossen werden sind die drei Korperregionen, die durch die Ge- 

kann, wiirde die konsequente Durchftihrung die- bote und Verbote ,versiegelt' und damit gegen die 

ser Grundsatze fiir die Electi den Hungertod zur hylischen Machte gesichert sind (der Begriff 

Pflicht machen und sie damit ihren Aufgaben auf ,Tabu' ist in diesem Zusammenhang schlechter- 

dem Gebiete der Lehre und Kirche entreifien. Um dings nicht am Platze; Waldschmidt- 

sie fiir diese Aufgaben zu erhalten, wird die Be- L e n t z Dogm. 589 versuchen vergebens, B o u s - 

schaffung und Zubereitung der Nahrung den set gegen Bang Museon XXXVI 230f . in 
ohnehin immer wieder in die Siinde zurtickfallen- 20 Schutz zu nehmen). — Anderes, wie die ,vier 

den Katechumenen iibertragen (die im Dienste (Eigentums)zeichen* (zuletzt Waldschmidt- 

der Electi begangenen ,Siinden' werden aber L e n t z Dogm. 527fl. Andreas-Henning 

sofort vergeben), und weiterhin die Hilfskon- Mir. Man. II 309 mit n. 3), kann hier beiseite 

struktion eingefiihrt, da6 der Durchgang durch bleiben. 

den reinen Leib eines Electus fiir die von ihm Die Hauptformen des Kultus sind Gebet und 

verzehrten Vegetabilien keine ,Schadigung' son- Fasten. Nach dem Fihrist 64, 15ff. sind taglich 

dern im Gegenteil Lauterung bedeute. — Im ,vier oder sieben' Gebete vorgeschrieben; weiter- 

iibrigen haben die Electi der Welt ganzlich zu hin (65,15ff.) erwahnt er aber nur vier und das- 

entsagen und ausschlieBlich der Religion zu leben; selbe tut Schahrastani 192, 6. Fihrist 64 apuif. 
sie diirfen keinen festen Wohnsitz haben, sondern 30 werden einige Stiicke im Wortlaut mitgeteilt, von 

miissen standig predigend in der Welt umher- denen Fliigel Mani 310 n. 241 mit Recht be- 

Ziehen; sie sind zur Armut verpflichtet und diir- merkt, sie seien ,mehr Hymnen oder Lobgesange 

fen nicht mehr besitzen als Nahrung fiir einen als Gebete*: es sind Doxologien auf Mani, den 

Tag und Kleidung fiir ein Jahr (alBiruni Chro- Vater der GroBe, die lichten Gottheiten im all- 

nol. 208, 1. alMurtada 349, 8, vgl. M tiller gemeinen und die fiinf Sohne des Urmenschen im 

Hss.-Reste II 33) ; sie haben tagelanges Fasten zu besonderen. 

tiben (muuasalat assaum alBiruni ebd.; zu diesem "Qber die Fastenordnung unterrichtet wieder- 

arab. Ausdruck s. Schaeder Iranica 21 n. 2). um am eingehendsten der Fihrist 65uff.; hier 

Das Verhaltnis der Electi und der Katechume- geniigt es zu erwahnen, daB nach 64, 5 allmonat- 
nen ist also dahin zu bestimmen, daB nur jene 40 lich sieben Tage gefastet wird; wie diese sieben 

die eigentlichen M.er sind und diese lediglich Tage sich auf den Monat verteilen, ist nicht ganz 

einer notwendigen Konzession an die hylischen klar. 

Bedingungen der menschlichen Existenz ihre Zu- Yon besonderen Festen ist das des JB^^aa am 

gehorigkeit zur manichaischen Kirche verdanken. bekanntesten. Nach Aug. c. Ep. fund. 8 p. 202, llff. 

Sie sind Anhanger der manichaischen Theorie, wurdeeszurErinnerunganM.sTodgefeiert; esfiel 

ohne die praktischen Konsequenzen auf sich neh- zeitlich ungefahr mit dem Osterfest zusammen 

men zu miissen. Was strikt von ihnen verlangt und wurde als dessen manichaische Entsprechung 

wird, sind die ,Almosen' fiir die Electi; sonst betrachtet. Eine groBere Anzahl von Hymnen auf 

leben sie in der Welt, gehen ihren Geschaften das Bfj/m enthalt das koptische Hymnenbuch; 
nach, haben Frauen (nur miissen sie sich auf 50 nach ihnen werden Augustins Angaben iiber den 

eine Frau beschranken, alBiruni Chronol. 208, Sinn dieses Festes zu modifizieren oder minde- 

4), zeugen Kinder, trinken Wein und essen Fleisch stens zu erweitern sein. — Sieben jahrliche Fest- 

(nur diirfen sie nicht selbst schlachten). — ,Die tage zur Erinnerung an die friiheren dQxrjyoi hat 

Electi [widmen sich] ihren kvxoXai, die Katechu- Schaeder Iranica 22ff. ermittelt. 

menen ihren Almosen', Man. Hom. 30, 24f.: diese In der Frage der manichaischen Sakramente 

Worte aus einer Schilderung des idealen Ge- ist immer noch nicht wesentlich iiber Baur 

meindelebens kennzeichnen den Sachverhalt mit 273 — 280 hinauszukommen. Eine Wassertaufe 

uniibertrefflicher Pragnanz. haben die M.er zweifellos nicht gehabt: sie ist 

Wenig Bedeutung haben die verschiedenen eine hylische Institution, in der der ,Geist' der 
,reihenmaBigen* Formulierungen der ethischen 60 finsteren Welt des Wassers zum Ausdruck kommt 

Vorschriften. Fiir die Electi gab es fiinf Gebote, (Keph. 30); und andere Taufriten sind nicht 

die bisher nur tiirkisch und sogdisch belegt sind; bezeugt. — Eine eucharistische Feier der Electi 

ihre sprachliche Deutung ist noch nicht soweit ist durch Aug. c. Fort. 3 p. 85, 9ff. bezeugt: 

gesichert, daB sich ihre Auffiihrung lohnte: vgl. navfi et eucharistiam audivi a vobis saepe quod 

Waldschmidt-Lentz Dogm. 579ff. Zehn accipiatis; tempus autem aceipiendi cum me late- 

Verbote gab es fiir die Katechumenen; sie sind ret, quid accipiatis unde nosse potui? Vermeint- 

am voUstandigsten, aber nicht in alien Einzel- liche turkestanische Zeugnisse fiir sakramentale 

heiten klar, im Fihrist 64, 12ff. aufgefiihrt (vgl. Mahlzeiten der M.er hat Schaeder Iranica 



265 Manichaismus Manichaismus 266 

19ff. entkraftet. DaB es kultische Mahlzeiten gab, bestimmt, mit ihnen in einer Tradition zu stehen 
die formell dem christlichen Abendmahl entspra- ' und zur abschlieBenden VoUendung ihres Werks 
chen, wird freilich kaum zu bezweifeln sein (vgl. berufen zu sein (,Siegel der Propheten' alBiruni 
die TQaneCa Man. Horn. 16, 21, 28, 11; weiteres Ghronol. 207, 19. alMurtada bei KeBlerMani 
werden die Keph. lehren); damit ist aber nicht 349, 13); ein religioser Neuerer zu sein, lehnt er 
gesagt, daB es sich um Sakramente handelt. nachdrucklich ab (Man. Horn. 47, 18ff.). Keinem 
6. M. s religionsgeschichtliche andern ,Propheten' gegeniiber betonte M. jedoch 
Selbsteinordnung. M.s Aufgabe ist zu- so geflissentlich sein Nachfolgertum wie Jesu, als 
nachst die, der Wirkung des Novg in Lehre und dessen Apostel er sich bezeichnete {omnes . . . eius 
Kirche eine feste Form zu geben. Als besondere 10 epistulae ita exordiuntur: Manichaeus apostolus 
Beauftragte des Novg, als aTiootoXoi, batten schon lesu Ghristi Aug. c. Faust. XIII 4 p. 381, 4f. Tit. 
andere vor ihm gewirkt: als erster Adam, der Bostr. Ill 1 p. 67, 15 — 17. IV 3 syr. p. 129, 31. 
erste Empf anger einer gottlichen OHenbarung; Waldschmidt-Lentz Stellung Jesu 59. 
weiterhin Seth, Enosch, Henoch, Noah, Sem (s. Mani-Fund 26f.). Dafiir sind zwei miteinander 
Henning S.-Ber. Akad. Berl. 1934, 27). In In- zusammenhangende Griinde namhaft zu machen: 
dien trat Buddha auf , in Persien Zarathustra, in erstens kann es als einigermaBen sicher betrachtet 
Jerusalem Jesus. Jesu besondere Aufgabe war es, werden, daB Jesus der einzige friihere Religions- 
den jiidischen Irrglauben, den Mosaismus mit sei- stifter war, von dessen Verkiindigung M. eine 
nem v6fj,og tfjg d/j,aQrlag, zu vernichten: aber der konkrete, quellenmaBige Kenntnis besaB (was 
Irrglaube verzog sich nur aus Jerusalem nach Ba- 20 Buddha und Zarathustra anbetrifft, so schlieBe 
bylonien (s. Man. Hom. 11) und trat hier in ver- ich mich Schaeders Ausftihrungen Gnom. IX 
anderter Gestalt in Erscheinung, namlich in der 354 auch ohne die Vorbehalte Hennings S.- 
Eeligion der Magier (die in M.s Augen sich zu Ber. Akad. Berl. 1934, 27 an); zweitens sah M. 
dem von ihm anerkannten Zoroastrismus ahnlich sich im Laufe seiner Wirksamkeit veranlaBt, seine 
verhalt wie das Judentum zu den vormosaischen Verkiindigung in groBerem AusmaBe als er ur- 
Frommen des Alten Testaments). So war schon spriinglich wohl vorgesehen hatte, auf die christ- 
zu alien Zeiten und an den verschiedensten Orten lichen Missionsgebiete einzurichten: es handelte 
fiir die Verkiindigung der wahren Erkenntnis sich fur M. darum, Jesu Rechte nicht zu schma- 
Sorge getragen worden. Aber dem Wirken dieser lern und seine eigenen zu sichern: die Stellung, 
Manner fehlte die Durchschlagskraft sowohl in die 30 die Jesus im religiosen BewuBtsein der Christen 
Tief e wie in die Breite. Uber die Grenzen ihrer einnahm, nicht anzutasten, und damit sein eigenes 
jeweiligen Heimatlander hinaus batten sie sich Unterfangen, als bloBer Apostel Jesu doch mit 
nicht durchzusetzen vermocht, und soweit sie als einer neuen Lehre hervorzutreten, in Einklang zu 
Religionsstifter aufgetreten waren und Schiller bringen. Das gegebene Mittel hierfiir war der 
hinterlassen batten, war es ihnen nicht gelungen, Schriftbeweis und die Stellen, die sich M. boten, 
Tiber ihren Tod hinaus ihre Kirchen vor Verfall waren diejenigen, an denen Jesus den kunftigen 
und ihr Gedankengut vor Verfalschung zu bewah- naQaxXrixog verheiBt (Joh. 14, 16. 26. 15, 26. 
ren. Der grundlegende Unterschied M.s gegeniiber 16, 7). Die christliche Auffassung, daB diese Ver- 
seinen Vorgangern besteht in der Endgultig- heiBung bereits durch das Pfingstwunder (Act. 2, 
k e i t und in der Universalitat seiner Re- 40 4ff.; gerade die Apostelgeschichte wurde aber von 
ligionsstiftung (vgl. M.s persisch und koptisch er- den M.ern verworfen, s. Alfaric II 162ff., — 
haltenen Aufsatz liber die ,Vorziige des M.ismus*: trotzdem heiBt es Keph. 13, 8, daB der Auf- 
Andr eas-Henning Mir. Man. II 295f. Mani- erstandene seinen Jungern seinen HI. Geist ein- 
Fund 42ff.). Von der ersteren war er schlechthin gehaucht babe) erftillt sei, widerlegt z. B. Felix, 
liberzeugt; die Riicksicht auf die letztere leitete ebenso wie es die Montanisten taten (Aug. c. 
ihn sowohl beim Aufbau seiner Lehrdarstellung Faust. XXXII 17 p. 777, 22ff.), mit dem Hinweis 
wie bei der Organisation der Mission. Sie auBert auf 1. Kor. 13, 9f. (Aug. c. Felic. I 9 p. 811, 5 — 8). 
sich einerseits in dem ,bewuBten Synkretismus' — Hier ist noch kurz darzulegen, wie M.s Para- 
(die Urheberschaft an diesem Schlagwort — ge- kletentum sich in das System fiigt. Der Paraklet 
meint ist vielmehr ,Eklektizismus* — beansprucht 50 ist (nicht nur nach der Annahme der Kirchen- 
Lidzbarski OLZ 1927, 913 n. 1), den M. lehrer, wie Baur 372 versehentlich sagt, sondern) 
getibt haben will (vgl. den soeben zitierten nach dem Wortlaut von Joh. 14, 26 (d TiaQaxXr}- 
Text), andererseits in der erst von Schaeder tog, x6 nvevfxa to ayiov) der HI. Geist. Die Kon- 
(Studien 28 Iff.) in ihrem Wesen erkannten Beweg- sequenz, M. als Parakleten demnach auch ,H1. 
lichkeit der Terminologie und Nomenclatur und Geist' zu nennen, haben nicht, wie seit Baur 
ihrerAnpassungandieVorstellungswelt derKreise, behauptet wird, die christlichen Polemiker den 
an die die Mission sich wendet: vor Mazdayas- M.ern zugeschoben, sondern diese selbst haben sie 
niern bedient M. sich weitgehend zoroastrischer gezogen; den endgtiltigen Beweis liefern jetzt die 
Ausdrticke und benennt seine Gotter vielf ach mit koptischen Hymnen, z. B. nr. 223. Den c h r i s t - 
avestischen Namen, z. B. den Urmenschen als 60 1 i c h e n HI. Geist identifizierte M., wo er ihn 
Ohrmizd, den Dritten Gesandten als Narisah; vor brauchte, voUig sinngemaB mit dem Novg seines 
Christen wird Jesus starker in den Vordergrund eigentlichen Systems (s. Waldschmidt- 
geriickt (vgl. o. S. 257, 68); vor philosophisch Lentz Dogm. 518. Henning S.-Ber. Akad. 
gebildeten ,Hellenen' verschwinden die ,Gotter' Berl. 1934, 27 n. 7; gnostischer Termino- 
hinter den Begriffen, deren Trager sie sind, so logie dagegen entstammt ,H1. Geist' als Variante 
z. B. der Urmensch hinter der y^vx'^- von ,Grofier Geist' — s. o. S. 249, 51 — zur Benen- 
So ist M.s Stellung zu seinen Vorgangern, nung der praexistenten Form der Mutter der 
seinen ,Brudern', wesentlich durch das BewuBtsein Lebendigen, s. Mani-Fund 66) : ein Beispiel, in dem 



267 Manichaismus Manichaismus 268 

det HI. Geist ganz in der Funktion des Novg er- Begriffes Novg ist ein Kernsttick des manicha- 

scheint, ist die von Aug. c. Felic. I 16 p. 819, 14f. ischen Systems; dagegen bedeutet seine Person- 

zitierte Stelle aus der Ep. fundamenti pietas spi- lichkeit so wenig, dafi auch der Name Jesus wie 

ritus sancti intima pectoris vestri adperitit, ut ein beliebiger anderer ,Gotter'name ,ubersetzt' 

ipsis oculis videatis vestras animus. Wie nun der werden kann (s. o. S. 265, 54) : in persisehen Texten 

Novg tiberhaupt ,der Vater aller Apostel* ist (s. o. heiBt er ,der Gott, dessen Reich der Verstand ist*, 

S. 256, 58), so steht er als HI. Geist und Paraklet Was fur die Historie iibrig bleibt, ist ein Reli- 

— also unter der Benennung, die er bei M.s letz- gionsstifter, der mit Buddha, Zarathustra und 

tern Vorganger Jesus tragt — speziell zu M. in schlieBlieh M. selbst prinzipiell auf einer Stufe 
diesem Verhaltnis. Wie der Novg sich in den 10 steht. 

friiheren Aposteln manifestiert hat, so auch sane- M.s urspriingliche Jesus-Auffassung charakte- 

tus spiritus paracletus . . . in ipso (sc. Manichaeo) risiert sich also einer seits durch die Enthistori- 

venire dignatus est Aug. c. Ep. fund. 8 p. 201, sierung des Gottessohnes, andererseits durch die 

25f. Dieses Verhaltnis ist flir den manichaischen Entgottlichung des Religionsstifters. Die erstere 

Stil eng genug, um als Identitat dargestellt zu ist nicht M.s eigenes Werk: sie ist aus den An- 

werden: . . . superbia, mater omnium haeretico- satzen, die die paulinisch-johanneische Christo- 

rum, inpulit hominem, ut non missum se ab para- logie bot, von der Gnosis entwickelt worden und, 

cleto vellet videri, sed iia susceptum, ut ipse para- wie so manches andere, von ihr aus in M.s Ge- 

cletus mderetur, Sicut lesus Christus homo non sichtskreis getreten. Als M. in Dast-Maisan seinen 
a alio Deij id est virtute et sapientia Dei [vgl. 20 ,bewuBtenSynkretismus'betatigte, mochteerglau- 

1. Eor. 1, 24], per quam facta sunt omnia, missus jaen, mit der Stellung, die er Jesu dem Glanz im 

est, sed ita susceptus secundum catholicam Hdem, Mythusund JesuChristoinderReligionsgeschichte 

ut ipse esset Dei Hlius, id est in illo ipso Dei anwies, dem Christentum genug getan zu haben. 

sapientia sanandis peccatoribus adpareret: sic se Die Erfahrung wird ihn bald gelehrt haben, dafi 

iMe voluit ab spiritu sancto, quem Christus pro- der gnostisch-haeretische Charakter seiner Jesus- 

7msit, videri esse susceptum, ut iam cum audimus Aulfassung den Kreis der Christen, die er gewin- 

,Manichaeum\ [so zu interpungieren] spiritum nen zu konnen hoffte, in unerwiinschtem MaBe 

sanctum intellegamus ,apostolum lesu Ghristi% einengte. Durch diesen Umstand sah M. sich ge- 

id est missum a lesu Ghristo, qui eum se missu- notigt, der kirchlichen Auffassung entgegenzu- 
rnm esse promisit. Singularis audacia ista et in- 30 kommen und die schroffe Scheidung zwischen dem 

effabile sacrilegium! Aug. c. Ep. fund. 6 p; 200, ,Gott' uiid dem Religionsstifter zu mildern, in 

3fE. Wenn Tit. Bostr. IV 16 syr. p. 136, 17fE. M.s erster Linie dadurch, daB er die Gottessohnschaft 

Anspruch, der Paraklet zu sein, mit folgender des letzteren anerkannte. Der sekundare und un- 

Argumentation zuriickweist: M. an und fiir sich organische Charakter dieses Zugestandnisses zeigt 

sei, wie die M.er zugeben, ein Mensch wie andere, sich darin, daB Jesus Christus nach wie vor auBer- 

und habe den Parakleten nur em^fangen; Emp- halb des eigentlichen Systems bleibt. Wenn das 

fangender und Empfangenes konnten aber nicht argumentum ex silentio zulassig ist, so hat M. 

identisch sein, ,wie auch unser Auge nicht das sich nicht einmal dariiber ausgesprochen, in wel- 

Licht sei, well es das Licht empfange*, — wenn chem gegenseitigen Verhaltnis stehend Jesus der 
Titus so argumentiert, so ist das begreiflich; 40 Glanz und Jesus Christus zu denken seien — und 

weniger begreiflich, daB man auch in neuerer Zeit wir wiirden einen schweren methodischen Fehler 

es ernsthaft als Streitfrage behandelt hat, ob M. begehen, wenn wir versuchen woUten, diese hochst 

unter dem von Jesu verheiBenen Parakleten einen bezeichnende dogmatische Lticke auf spekulativem 

menschlichen Lehrer d e r ,ein Wesen der oberen Wege auszufiillen. 

Sphare' verstanden habe. Die Anerkennung der Gottessohnschaft Jesu 

7. Christologie auBerhalb des My- Christi konnte aber nicht ohne einige Vorbehalte 

thus. Der M.ismus kennt also zwei Jesus: (1) Jesus gegeniiber der kirchlichen Lehre erfolgen, nament- 

den Glanz, der zu den ,Gottern* und in den My- lich gegeniiber dem Dogma der Gottmenschheit. 

thus gehort, (2) Jesus Christus (oder vielmehr Fiir M. konnte es hier nur ein Entweder — Oder 
X^rjotog, wie die M.er der griechischen Welt — 50 geben: Gott oder Mensch — tertium non datur. 

vielleicht nach marcionitischem Vorbild s. H a r - War Jesus Christus aber ,der Sohn der GroBe* 

n a c k Marcion^ 123 n. 2 — schreiben: Alex. Lye. (Keph. 12, 20 u. 6., Mius maiestatis Aug. c. Faust. 

34^ 19. Man. Hom. 72, 9), der seinen Platz in der XXXII 7 p. 766, 10) und hatte er doch, wie ,seine 

Religionsgeschichte hat. (Als dritter kommt noch Apostel predigten* (Philipp. 2, 7), bei seinem 

der Jesus patibilis der nordafrikanischen M.er Eintritt iii die Welt eine fAOQ(prj bovXov und ein 

hinzu, dessen Sinn, wie man leicht sieht, der ist, a^rjiJia d>g avd-Qconog angenommen (Keph. 12, 24 — 

den mythischen und den historischen Jesus mit- 26), so war das nur unter der MaBgabe zu ver- 

einander auszugleichen, s. 0. S. 259, 5). Der eigent- einen, daB er xcoQig ocof^avog gekommen sei (ebd.). 

liche manichaische Jesus, mit dem das im Mythus Zum Verstandnis von M.s ,Doketismus' ist es 
beschlossene System- es ausschlieBlich zu tun hat, 60 dienlich, ihm die kirchliche Lehre von der leib- 

ist nicht , Jesus who appeared in Judaea* (Bur- lichen Natur Christi gegeniiberzustellen, etwa in 

kitt Relig. of the Manich. 38ff.; Church and d«r Formulierung Augustins: , . , ut nos quidem 

Gnosis 79) sondern Jesus der Glanz: in ihm^ ist nati essemus in came peccati, — ille autem in 

dasGottliche ander Erscheinung Jesu denSchran- ,similitudine carnis peccati' (Rom. 8, 3); nos non 

ken von Zeit, Raum und Personlichkeit entriickt solum ex came et sanguine, verum etiam ex volun- 

und zu einem auBerhalb aller geschichtlichen Be- tate viri et ex voluntate carnis, — ille autem tan- 

grenzung wirkenden Erlosungsfaktor verfliichtigt: tnm ex came et sanguine, non ex voluntate viri 

die* Gestalt Jesu als mythologisches Korrelat des neque ex voluntate carnis, sed ex Deo natus est 



269 Manichaismus Manichaismus 270 

(Joh. I, 13) de pecc. merit. II 38 CSBL LX IID, Einstweilen ist nicht zu eKtseheideD, wieweit 

M. ist in demselben Sinne ,Doketist*, in dem Pau- M. selbst die theologisclie Auseinandersetzung 

lus und Augustin von 6 ^oico fxa oaQHog aptaQ- mit dem Christentum gefordert hat und wieviel 

tiag similitudo c. p. reden. Der UnterscMed be- auf die Rechnung seiner Schiller kommt. tJber die 

steht darin, daB M.s dualistische Voraussetzun- Arbeit der letzteren vgl. F. T r e c h s e ItJber den 

gen es ihm schlechterdings nicht gestatten, den Eanon, die Kritik und Exegese der Manichaer, 

Begriff similitudo auf die dureh den Zusatz pee- Bern 1832. A. Bruckner Faustus von Miieve, 

mti bestimmte caro zu beschranken, mit anderen Basel 1901. 

Worten die Realitat von Fieisch und Biut anzu- 8. Zur typologischen Bestimmung 
erkennen und nur dessen Siindlichkeit bzw. siind- 10 d e s M, i s m u s. De praescr. haer. c. 7 spricht 

lichen tJrsprung zu leugnen; Korper und Hyle Tertullian von den historischen und wesensmafii- 

sind ihm eins; ein unsiindlicher Eorper daher gen Beziehungen der alteren gnostischen Haeresien 

eine contradictio in adiecto; Fieisch und Blut, das zur griechischen Philosophie und von ihrem Gegen- 

von Gott kame, eine Unmoglichkeit, von der es satz zum Christentum. Er iindet den grundlegen- 

keine Ausnahme geben kann. Die notwendige den UnterscMed darin, daB die Haeretiker, statt 

Folge ist das x<^Gk ocofxatog (womit aueh die einfaeh zuglauben und nach Sap. Sal. 1, 1 inEin- 

Leugnung der Geburt Jesu Ghristi ausgespro- fait des Herzens den Herrn zu suchen, bei der 

chen ist). sapientia saeeularis Anleihen machen und einen 

Damit ist der ,Doketismus' erschopft. ObwoM Stoieus et Flatonicus et dialecticus Christianisnius 
M. sich auf eine positive Bestimmung der irdischen 20 einfiihren, der sich anmafit, interpres dimnae na- 

Erscheinung Jesu Ghristi nicht eingelassen hat, turae et dispositionis zu sein. Eaedem materiae 

ist doch keine Rede davon, daB er ihr reale Sub- apud haereticos et philosophos volutantuTj iidem 

stanz abgesprochen habe: hier gilt von M. (darauf retraetatm implieantur: unde malum et quaref 

weist Schaeder Utform 74 n. 2 Mn) dasselbe, et unde homo et quomodo? 

was Harnack Marcion^ 125f, von Marcion gesagt Verachtung des einfaltigen Glaubens {vos! [sc. 

hat. So bezieht sich auch die ,doketische* Auffas- Manichaei] enim wostis, temere eredentibus quam 

sung des Leidens und Sterbens Jesu Ghristi nicht vehementer insultare mleatis Aug. c. Ep. fund* 13 

sowohl auf die Realitat der Kreuzigung an sich, p. 210, 4f.), der Auf ban der Ethik und Erlosungs- 

als auf die physische Wirkung (korperlicher hoffnung auf dem Fundamente einer kiihnen Meta- 
Schmerz usw.), die sie auf einen Menschenleib ge- 30 physik und Weltdeutung, die auf die Pragen nach 

habt haben wurde. In diesem Simie sagt Faustus: dem Ursprung des Bosen und der Entstehung des 

nos specie tenus passum confitemuf nee vere mor- Menscben Antwort gibt, — das ist auch fiir den 

tuum Aug. c. Faust. XXIX 1 p. 744, 1—2. Die M.ismus charakteristisch und erlaubt das mani- 

Behauptung der Abschworungsformel (Migne G. chaische System als ein philosophisches zu be- 

I 1464 D), nach manichaischer Auffassung sei ein zeichnen. Aber deswegen ist M. noch kein Philo- 

anderer an Jesu Statt gekreuzigt w^orden, wahrend soph: s. o. S. 246, ^Q^. 

dieser hohnlaehend von weitem zugesehen habe. Was Aiq Herkunft dieser philosophischen Ge- 

findet sich bei Irenaeus (adv. haer. I 24, 4 p. 200 danken betrifft, so wird derjenige, dem es weniger 

Harvey) in bezug auf Basilides wieder (der andere darum zu tun ist, der Durchdringung des Orients 
ist hier Simon von Eyrene Mt. 27, 32 par.), wird 4o mit griechischem Gedankengut nachzugehen als 

aber durch die sonstige manichaische tTberliefe- die Quellen von M.s Bildung zu ermitteln, ihren 

rung nicht gestiitzt. griechischen Ursprung nicht alkusehr betonen 

Es ist wahrscheiniich, daB der missionarische diirfen (mit einex Tendenz, die der TertuUians 

Zwecfc, dem dm Rezeption der kirchlichen Jesus- entgegengesetzt ist): in der Gestalt, in der sie in 

Auffassung dienen sollte, zunachst in der Tat er- M.s Gesichtskreis traten und auf ihn wirkten, hat- 

reicht wurde; daB sie einem lebhaften Bediirfnis ten sie bereits aufgehort, etwas spezifisch Griechi- 

entgegenkam, zeigt die zu den eigentlich manicha- sches zu sein, und waren integrierende Bestand- 

ischenPramissen in garkeinem Verhaltnis stehende teile der Gnosis geworden. (Dagegen kann die Be- 

Rolle, die Jesus Christ us in der Hymnenliteratur, tonung des griechischen Ursprungs selbstverstand- 
sowohl der koptischen wie der iranischen, spielt. 50 Hch das Recht der polemischen tfberspitzung ftir 

Auf langere Sicht gesehen waren diese Zugestand- sich in Anspruch nehmen, wenn man der Auff as- 

nisse jedoch ftir den M.ismus von verhangnisvoll- sung entgegenzutreten hat, daB dem M.ismus im 

ster Wirkung. Fiir M. gilt in erhohtem MaBe, Gegensatz zum kathoiischen Christentum das ,hel- 

was C. H. Becker Ztschr. f. Assyr. XXVI 187 lenische Element* ganzlich fehle: Schaeder 

=•• Islamstudien 1 442 von Muhammed gesagt hat: gegen H a r n a c k). 

,Man kann sagen, ohne diese christlichen Kompro- ,Erkenntniswille und Heilsverlangen* stehen 

misse und Entlehnungen seines Stifters waren dem im M.ismus in wechselseitiger Funktionsbeziehung 

Islam viele lampfe erspart geblieben.' Sie bedeu- und sind durch sie untrennbar verbunden (aber 

teten ftir den M.ismus eine jusrdfiaoig eig aXXo nicht ,untrennbar eins*). Gesondert auffassen^ laBt 
ysvog und haben dadurch im christlichen Abend- 60 sich keins von beiden, ohne seinen spezifisch mani- 

land seine Zersetzung herbeigeftihrt: sie zwangen chaischen Sinn ipso facto zu verlieren. Ein rein 

ihn, sich auf den Boden der biblischen Theologie — ohne Beziehung auf das Heiisverlangen — auf 

zu begebeUj sich kritisch, exegetisch und dogma- die Ursachen der Dinge gerichteter Erkenntnis- 

ti'sch mit dem Schriftwort Alten und Neuen Testa- wille ist im M.ismus nicht nachzuweisen; daB es 

ments auseinanderzusetzen und den Erkenntnis- ihn gegeben habe, macht schon der auch ftir das 

grund der philosophischen Einsicht lediglich als 3. Jhdt. ganzlich unwissenschaftliche Charakter 

Kanon und kritisches Prinzip fiir diese Arbeit zu von M.s Naturerklarung unvorstellbar (man denke 

verwenden. nur an die Mondphasen o. S. 255, 45; vgl. auch 



271 Marciarius Marciaiius 272 

Henning S.-Ber. Akad. Berl. 1934, 341). Was wird ihn also, da er sich mit der Bezeichnung 

den M.ismus fur die Gebildeten der Zeit anziehend jener als aQxdXoi avd^sg und nalaioi von ihnen 

machte, war nicht die Aussicht auf Belehrung zeitlich erheblich distanziert, und angesichts 

iiber astronomische, biologische und ahnliche des Verhaltnisses des Stephanos zu ihm, friihe- 

Dinge, sondern auf ein Religionssystem, das Ver- stens im 3., spatestens im Anfang des 5. JMts. 

nunft und Erlosungsbediirfnis in gleicher Weise anzusetzen liaben. Die schon von Salmasius und 

zu befriedigen versprach. Nichts anderes besagt Holsten, neuerdings von W. S. Crawford Sy- 

auch die von Schaeder Gnom. IX 362 zitierte nesius the Hellene, Lond. 1911, 41 Of. Christ- 

Augustin-Stelle (de util. cred. 2 p. 4, 10 — 19): Schmid Gr. Lit. IF 852 behauptete Identitat 
nosti . . . non aliam oh causam nos in tales homi- 10 mit dem von Synesios als 'Eqi^iov Xoylov xvnov h 

nes incidissej nisi quod se dicebant, terribili auc- av&Qcbnoig gekennzeichneten (Syn. epist. 100 

toritate separata, mera et simplici ratione eos, = Migne ser. Gr. torn. LXVI 1472; kurz vorher 

qui se audire vellent, introducturos ad Deum et heiBt es oePaofAicorazov M., vgl. aueh den Mar- 

errore omni liberaturos. Quid enim me aliud coge- kianos in ep. 119, ebd. p. 1497; Gleiohheit mit 

bat annos fere novem spreta religione, quae mihi andern Mannern dieseis Namens — s. C. M li 1 1 e r 

puerulo a parentibus insita erat, homines illos p. CXXIX — ist ausgesehlossen) Markianos ist 

sequi ac diligenter audire, nisi quod nos supersti- unsicher. Verbinden liefie sich allenfalls mit dem 

tione terreri et Mem nobis ante rationem impe- Lob des Synesios bei M. dessen gewisses litera- 

rari dicerent, se autem nullum premere ad Rdem risch-stilistisches Verstandnis verratendes Wort 
nisi prius discussa et enodata veritate? Das Un- 20 Epit. Peripl. Men. I 1 von der aQstr] Xoyov und 

gliick des M.ismus war nur eben die wissenschaft- vorjfxdxcov aKolov'&la der jiaXaiol, seine Abneigung 

liche Unhaltbarkeit des Mythus, der ihm als ver- gegen die bloB neid'siv i'&sXovrsg, seine Nennung 

nunftgemaBes Fundament diente; sie ist neben von Xoytoc '&sol (Epit. 4) wie .sein eigenes nach 

der oben geschilderten Selbstzersetzung durch seinen Worten wenigstens ethisch bestimmtes 

Konzessionen an das Christentum der Hauptfak- literarisches WoUen (Epit. 1) und stilistisches 

tor, der fur den Untergang des abendlandischen Konnen, dessen Entfaltung von vornherein natur- 

M.ismus in Betracht kommt; sie war es auch, die gemaB sehon stark gebunden war an das Stoff- 

Augustin veranlaBte, sich vom M.ismus abzu- gebiet seiner Schriftstellerei und die Art der- 

wenden. selben (Schaffung von Ausziigen aus den Wer- 

Die manichaische R e 1 i g i o s i t a t ist be- 30 ken anderer bzw. Umformung) *). Aber es bleiben 
stimmt durch das Verhaltnis der Consubstantiali- auch Bedenken gegen seine Person: s. S. 278, 38ff. 
tat, in das Gott und die menschliche Seele ge- Eine Gleichsetzung des Geographen M. mit dem 
setzt sind. Die Gotteskindschaft besteht von Natur M. des Libanios gar ist ganz unzulassig (vgl. schon 
und braucht nicht erst per adoptionem hergestellt B. P a b r i c i u s Rh. Mus. N. P. II 369f ., auch 
zu werden. Innerhalb dieses Verhaltnisses hat fiir seine Ablehnung der Gleichsetzung mit dem 
der Begriff der Gnade keinen Raum: was Gott fiir M. des Synesios). Unsicher auch ist ein anderer 
die Erlosung der gefangenen Seele tut, tut er nicht Versueh einer genauen Datiicrung des M. (um 
aus unbegreiflicher Liebe, sondern letzten Endes 400 n. Chr.) bei Miiller p. CXXX. 
im eigenen Interesse. — Sein personliches Ver- tiber die Lebensumstande dos M. ist niehts 
haltnis zu Gott klart der M.er auf rationalem 40 bekannt; ist nach dem Fortleben seiner Schriften 
Wege, durch die yvcjoig; die eigentliche ,Fr6m- in Konstantinopel (s. S. 280, 28ff .) an einen Auf ent- 
migkeit' laBt sich etwa als ,kosmisches Verant- halt auch in Konstantinopel zu denken? tJber 
wortungsgefiihr kennzeichnen: sie bezieht sich auf ihn vor allem als Schriftsteller geben die Pro- 
die Verpflichtung, die dem Menschen in dieser omien seiner Arbeiten einigeAuskunft (s. S. 278). 
Welt aus seiner Eigenschaft als wti?-begabtes Schriften: VerfaBt hat M. zunachst, wie er 
Wesen erwachst. [Polotsky.] selbst wiederholt angibt (Peripl. maris ext. 11.3. 

Marcianus (Markianos) von Herakleia am II 2. II 19 a. E. Epit. peripl. Menipp. 14 = 
Pontos (nach dem Zusatz am Ende des ersten GGM I 516. 542. 551. 567), eine 'Emtoixr) tcbv 
Buches seines Periplus des AuBeren Meeres = evbsKa pi^Xicov 'AQre/uidcbQov rov "Ecpsoiov yew- 
GGM C. Mtiller I 540), einer Statte mit alter ^{^yQacpov (so der Titel nach Peripl. maris ext. 112, 
geographischer Tradition, griechischer Geograph nur steht hier imtof^atg; mtro/^ffg, ohne rov TJcp. 
(romischer Freigelassener oder Abkommling eines >•., Peripl. maris ext. I 3), verktirzt bei Steph. 
solchen seinem einen hoheren Stand kennzeich- Byz. s. llaXaxri : h /?' xcov knttoficbv 'AQtef^idcoQov, 
nenden Cognomen equestre zafolge? Mo mm sen sonst bei ihm TJmrof^rj rcov svdsna (s. auch Epit. 
St.-R. Ill 209.426,3). Er lebte lange*)nach Peripl. Men. I 4) oder einfach 'Em%o[x'n (s. d. 
Ptolemaios und Protagoras, dem nachptolemai- Index bei Steph. s. "Aqx). Emxoixr) tfjg 'Aqxs- 
sehen, jenem gegeniiber aber viel spater **) anzu- fAibcoQov yefoyQacplag rjxoi nsQtnXov betitelt er 
setzenden Geographen, da er sie benutzte (Peripl. seine Arbeit im Peripl. maris ext. II 19; es war 
maris ext. I 1. II 2. 5), und vor dem vielfach also ein (wie er selbst sagt, von ihm berichtigter) 
aus ihm schopfenden Stephanus von Byzanz. Man 60 Auszug aus Artemidors FscoyQacpovfAeva, besser 
gesagt, wohl ein nach Artemidor gestalteter Peri- 

*) Das besagen Marcians Worte Peripl. maris plus (s. Peripl. maris ext. I 1) in einem Buch, 

ext. 11 s?i ... xov . . . UxoXs/Lialov exxs , . , TlQcoxa- aber unter Beibehaltung der Buchabteilnngen 

yoQov .... exi jia,7)v hoi exsqcov nXsioxcov olq- (s. Berger Bd. II S. 1329, 51ff.). So zitiert 

Xalcov dvdQcov, ebd. 2 Eldcbg be Tcal sxSq ovg der Scholiast zu ApoU. Rhod. Arg. Ill 859, kurz- 

Tcov naXaicov. 

**) Wie ebenfalls Anm. 1 zeigt. Ein sonstiger *) Vgl. ferner H. Berger Die geogr. Pragm. 

zeitlicher Anhalt ist nicht vorhanden. d. Erat. 13f. Sonst: M. Miilienhoff D. A. I. 



273 Marcianus Marcianus 274 

weg, aber miBverstandlich lAQts/[iidcoQog iv rrji lAipvQtldsg aus Buch IV, e. Kw'&cov, Acog, lAaralj 

87CiX0(A,fji rcov FecoyQaq^ovf^ivcov, Als z w e i t e s ^iXmnot aus Buch V und VI, s. Sov^tg und 

schrieb M. einen IIsQinXovg rfjg e^co d'aldoorjg Aaoda/udvrsta aiis VII, s. AcoQog aus IX, s. IldX- 

icolov Tial eansQiov koI rcbv iv avrff fjieylarcov tog, KQva, Osfjuocbviov aus X und das Fragment 

vrjGcov in zwei Biichern (so lautet der Titel nach Schol. ApoU. Rhod. II 859 negl rfjg Kaoniag 

dem Zusatz zu Buch I = GGM I 540; neQinXovg d'aXdrtrjg aus XI (vgl. die Bueheinteilung bei 

nennt die Schrift M. Peripl. maris ext. 11.3 x&v C. Mtiller I 574 und Stiehle Philol. XI 

... s^co d'aXaoocov TJtoi cbxeavcov icolov nal ions- 193ff. Susemihl Alex. Lit. I 693f. ^^2). Auch 

Qiov . . . TtsQMovv, II 3 rov neQinlov rfjg s^co die Einteilung Spaniens (Steph. Byz. s. l^rjQia) 
'd'aMGarjg; vgl. auch Peripl. maris ext. I 52. 10 bei Artemidor hat M. in dessen Epitome, 

Epit. peripl. Menipp. 4. UsQinXovg kurz: Steph. wenn auch in einer der iS'telle Peripl. maris ext. 

Byz., mitunter auch UeQinXoi oder UsQioboi), Die II 1 entsprechenden modifizierten Form, gewiB 

dem Inhaltsverzeichnis zu Buch II dieses Periplus beriicksichtigt. — Sonst ware noch die Frage zu 

(GGM I 541) angehangte uberschriftliehe Be- stellen, wieweit oder ob tiberhaupt Stephanos v. B. 

merkung IIsqI rdbv dno Tcbfxrjg uiQog rag kniorj' die von ihm exzerpierten Stellen aus Artemidoros 

fAovg rfjg oltiov/Liivrjg noXsig dtaordoscov weist wohl bereits von M. in die Epitome Artemidors tiber- 

nicht auf eine besondere Schrift, sondern auf nommen vorfand. 

einen von Protagoras (der bereits ptolemaische Der von M. als eigene (Peripl. maris ext. I 3 

Entfemungsangaben von blaorjfxoi noXeig von a. E. olxsiov vnoordvreg jiovov, rov jisqltiXovv 
Alexandria aus in solche in Stadien von Rom 20 dvayQdipai jzQoecXo^s^a, dazu Epit. peripl. Men, 4 

aus umgerechnet haben dtirfte: s. C. Muller I Iblav kfjiavrov (pQovrlda Mf^evog rov dyneavov .. 

p. CXXXIII) wohl beeinfluBten zusatzlichen Teil tov nsQlnXow . . . owsyQaxpa) Arbeit empfundene 

zu dem vor aUem west- und nordwesteuropaische Periplus des AuBeren Meeres, von ihm gewiB als 

Gebiete dos Romischen Reiehes beruhrenden Erganzung gedacht zu dem des Inneren Meeres, 

Buch II (ahnlich, aber zum Vorausgehenden in in seiner Epitome Artemidors, legte sich ihm 

enger Beziehung ist die 'AvanscpaXatcooig rcbv nahe bei dem nach Totalitat strebenden Sinn des 

nQOEiQrjfAsvcov d7zdvro)v diaorrj/udrcov am Ende von Griechen und erschien ihm als notwendig ange- 

Buch I); das einzige Zitat aus jenen diaordosig- sichts des relativ weiten, in seiner Zeit nicht 

Angaben Marcians bei Steph. Byz. s. jif^ioa, der mehr iibertroffenen Wissens uber die auBeren 
ja gelegentlich Untertitel anfiihrt, so von Me- 30 Kiisten bei seinen Vorlagen Ptolemaiois und Pro- 

nipps Periplus (e. gr. s. WvXXa). Zudem zeigt das tagoras *) und der naturgemaB noch unzulang- 

Zitat Verbundenheit mit Buch II 32 (GGM I lichen Kenntnisse dariiber bei Artemidor (Peripl. 

555). Diesem Periplus des AuBeren Meeres lieB maris ext. II 2. Epit. peripl. Men. I 3 AQrsiAt- 

M. noch als drittes eine ebenfalls angeblich bwQog ... rfjg fisv d?iQcfiovg yecoyQaqplag Xslnsrai). 

berichtigte Epitome des Periplus des Inneren Die durchaus marinisch-ptolemaische Vorstellung 

Meeres des Menippo'S von Pergamon in drei von zwei getrennten Weltmeeren, einem sud- 

Buohem folgen (Epit. peripl. Menipp. 3. 5 am ostlichen und westlich-nordlichen, mit eben- 

Anfang; genauer Titel der Arbeit Marcians un- falls der Lage nach entsprechenden bzw. ent- 

bekannt, kmro^dg nal bwQ'&woeig nennt er sie gegengesetzten Inselwelten, dort der von Tapro- 
und den Auszug aus Artemidor a. 0. 4, kurz vor- 40 bane, hier, im Nordwesten, der Britanniens, be- 

her rr)v sxdooiv rcbv rQicbv pipXlcov moirjodfjiYiv). stimmten die Stoffeinteilung in zwei Biicher 

Andere Werke hat M. kaum verfaBt, vgl. F a - (Peripl. maris ext. I 1 a. E.). Bei dem schlechten 

bricius 374. tTberlieferungszustand namentlich des Periplus 

tr b e r 1 i e f e r u n g IS b e f u n d. Von dem des ostlichen Meeres, wo die den allgemeinen Ab- 

Auszug aus Artemidor, den M. ob der Genauig- schnitten folgenden jeweiligen Einzelausfiihrun- 

keit Artemidors gefertigt hat (Epit. peripl. Men. gen ofters fehlen (zu I 14. 17 a. 34 — 37. 40. 43, 

I 3 a. A.), hat sich bloB noch eine Anzahl Bruch- aber auch II 16. 27. 42. 44. 46; Hinweis darauf 

stiicke erhalten, zwei bei M. selbst (Peripl. maris schon bei Haase Allg. Lit.-Ztg. 1839, 223; so 

ext. II 4. II 19), die meisten bei Stephanos von deutet Peripl. maris ext. I 20 rfj jtQosiQrjf^ivr} 
Byzanz, der miBverstandlioh kurzweg AQrsfyildo)- 50 Ba^vXcovla, auf eine verlorene Partie), ist die Er- 

Qog iv imrofjifj zitiert (bloB s. MaXdperj genau kenntnis wichtig, daB M. in der Auswahl von 

MaQmavbg iv /5' rcbv imrofAcbv AQrs^ibcoQov, wo- Einzelangaben sich kaum allzuviel von Ptole- 

raus hervorgeht, daB er auch sonst Marcians Arbeit maios entf ernt hat, auch nach den bei Stephanos 

vor Augen hatte), ein letztes in den Scholien zu v. B. aus den verlorenen Partien M.' erhaltenen 

ApoU. Rhod. Arg. Ill 859. Sie sind bei dem Fragmenten und ihrem Vergleich mit Ptolemaios 

Untergang des Werkos Artemidors naturgemaB, zu schlieBen. Gleichwohl ware die Erhaltung der 

zusammen mit anderem von dessen Arbeit Er- 

haitenem und insofern also auch die Arbeit M.' *) tTber die Benutzung des Protagoras schon 

fur uns nicht ohne Belang fiir die Rekonstruk- Fabriciuis 373. Der Berufung auf weitere 
tion von Artemidors geographischer iSchrift, aus 60 Gewahrsmanner (Peripl. maris ext. II 2) ist kaum 

dessen fast samtlichen Biichern sie entnommen Gewicht beizumessen, so wenig wie der Bemer- 

scheinen: ,so etwa Artemidoros bei Steph. Byz. s. kung des Autors rd iXXelnovra nXeiora ovra ngoc- 

AiyvQsg, Aegrcbv MaorQa(A,eXr}, Art.-Marcian. epit. d'eig zur Berichtigung des Auszugs aus Menipp 

maris ext. II 19 iiber die NaQ^ovriala und Steph. (I 4). Nachweislich beniitzt ist sonst gelegentlich 

Byz. s. NdQ§cDv aus Buch I, Art.-Marcian. Peripl. bloB Artemidor (Peripl. maris ext. II 4. 19). An 

maris ext. I 4 uber die Saulen des Herakles, welche Autoren fiir das AuBere Meer er wenig- 

Steph. Byz. s. MaXdnr) und SoXxoi aus Buch II stens gedacht haben mag, zeigt Epit. peripl. 

und wohl III, Steph. Byz. s. TsysorQa, ^Xdvcov, Men. I 2. 



275 Marciaiiitis Mareianns 276 

Einzelpartien von Wert gewesen, schoii im Hin- und Vermessungszahlen mehr einem Stadiasmus 

blick auf darin enthaltene, von Protagoras nicht ahnelnde Periplns, nnd zwar zunachst mit einer 

aus Ptolemaios entnommene Elemente, auf den allgemeinen KundgalDe ider Art der Erledignng: 

auch die popularisierende Umrechnung ptolemai- bei dem vorab dem Osten zugewandten Interesse 

scher nnd gelegentlich anderer Angaben in Sta- des Griechen zuerst der Periplns des ostlichen 

dien bei M. znrtiekgeht (II. II 38 aus der xcjv Meeres mit dem Anfang beim fA,vxog AlXavtrrjg 

amdlcov ava[AexQr}oig des Protagoras; auch die An- des Arabisohen MJeerbusens. Entsprechend dem 

regung zu den grundsatzlichen Bemerkungen M,' gedachten Standort des griechiischen Betrachters 

iiber die Stadienvermessung im Prooimion Peripl. erscheint er als ein Periplus der rechtsseitigen 
maris ext. I 2? Vgl. auch Epit. peripl. Men. I 5; 10 Kiiste Libyens (Vermessungsangaben gelegentlich 

ziir Quellenfrage auch flir das Folgende im tibri- nur zur Eennzeichnung der Lage gegentiber 

gen schon Pabricius 3761; soidann CM til- Asien) nnd der linksseitigen Asiens (§ 9. 10). 

1 e r). Im Prooimion dieser vielleicht als eine Einzelheiten aus dem ersten Teile (libysohe Ktiste) 

Art Mittelding zwischen yso)yQa(pta und uisqI- fehlen, abgesehen von den zugehorigen Fragmen- 

jtXovg gedachten Schrift (Artemidor und Strabon ten bei Steph. Byz. s. 'Aardgtrj, "Aonlg, Tviprjig, 

schienen M. Epit. peripl. Men. I 3 beides ver- MoovXov, %Q(D^a MvqIhy), Anonona, die mit 

bunden zu haben) folgt zunachst — entgegen dem Ptolem. Geogr. IV 5, 14ff. noch ungefahr ein 

ykvoq des Periplus: s. Strab. I 1, 22 — - auBer den Bild ergeben. Blo6 die allgemeine (ptolemaische 

Angaben iiber Inhalt und Zweck der Arbeit (§ 1) Karten nachschreibende? s. J. Fischer a. 0.) 
sowie iiber Stadienvermessung (§ 2) und liber die 20Einfuhrung dazu ist erhalten. In § 15 beginnt 

Meerenge bei den Saulen, die Erstreckung des mit gleicher AUgemeineinfiihrung der Periplus der 

Mittelmeeres bis zu dem mit dem Aqa^ioq ^ohiog linksseitigen Eiisten Asiens (wiederum zum Teil 

einen Isthmus (Landenge von Suez) bildenden nach Ptolemaiois), also jener des Arabisohen Gol- 

AiyvTtxiov nsXayog (§ 3; naoh Fabricius 376, fes, dtes Eoten und Infiisehen Meeres (Fragmente 

nicht unwahrscheinlieh aus Artemidor) ein recht daraus, zu § 16, bei Steph. Byz. is. Xqvoy} und 

kompilatorischer *) allgemein-erdkundlicher Teil: Slvai, &%vm nach Marcian.), von § 17 a an fol- 

Erdmessung nach Eratosthenes und Dionysios zu gen die einzelnen Absehnitte (Arabisehe Kiiste, 

angeblich 259 000 Stadien statt 252 000 und nach Periplus der Zovmavfj, der Ilegotg, von Karma- 

Ptolemaios, dieser von M. sichtlich bevorzugt, ent- nien, Gedrosien, Indien innerhalb des Ganges und 
sprechend der sonstigen Wertung desselben, mit 30 Taprobane, Periplus des TayyrjrtKog >t6%nog, In- 

Zufiigung der Zahi der die Oikumene durchlaufen- diens auBerhalb des Gangeis, Periplus der 2iva>v 

den Langen- und Breitenlinien. S(>dann enthalt und der Meerbusen ihrer Eiisten: § 18 — 33), 

dieser allgemeine Teil die Zahl der Erdteile mit jeder wilder gegliedert in einen allgemeinen und 

Vermerk der landlaufig gewordenen Abgrenzung einen besonderen Teil mit den Entfernungszah- 

(Tanais, Kanobische Nilmiindung und Meerenge len Mr die einzelnen Teile eines groBeren Kiisten- 

bei den Saulen, § 4, wegen der Gegentsatzlichkeit sttickes. Dem folgt jeweils eine Zusammenfassung, 

zu Ptolem. Geogr. VII 5 mit Fabricius 377 enthaltend Angaben iiber Lange und Breite in 

gewiB Artemidor als Quelle zuzusehreiben)^ Ver- Stadien, die Zahl der ed-vrj oder aatQanetai^ noXeig 

messungszahlen f tir die Ktiisten ides Innern Meeres sTzlorjfAoi und Kcb^jLai^ f erner beaohtenswerte Fltisise, 
eines jeden der drei Erdteile (§ 5, heterogen ge- 40 Bafen, Vorgebirge, Buchten, alyiaXol, Inseln und 

nug in einem Periplus des AuBeren Meeres) Zusammenrechnungen in Stadien f tir groB ere Teile 

nach einer auch fiir Agathem. Geogr. inf. I 3 oder das ganze betreffende Kiiistengebiet. Die aus 

wohl anzunehmenden Quelle (Protagoras flir M. den verlorenen iSonderabschnitten (s. o.) bei Steph. 

nach Miiller, vgl. auch I 9 mit Agathem. II 11; Byz. erhaltenen Fragmente beziehen sich auf die 

an Artemidor als Quelle fiir M. und Agathem. arabisch-persischo Kiiste (Steph. Byz. s. 'Vvvrj, 

denkt Fabr i ciu s 377), Nennung der Erdteile Si'&rjvoi, ZadQdf4,r}, EaaoavTrai, MivaToi, 'OfxrjQl- 

und Meere nach ihrer GroBe (§ 6 c\3 Ptolem. tai, XadQaficoTtrai, Aomxai [hierher gehorig, 

Geogr. VII 5, 8, es fehlt, wie bei Ptolemaios, das aus M., auch Steph. Byz. s. 2axaXltrjg >c., 

Atlantische Meer, das gerade M. hatte beriick- worauf Meineke hingewiesen hat?], lotQiavd, 
sichtigen miissen in dieser seiner die Weltmeere 50 MaXXdba^ AbaQovnoXig, KoQOfxdvrj^ Msoavkrjg koX- 

bzw. ihreKiisten behandelnden Arbeit; dastJbrige nog, Aadwaxltrjg xoXnog^ KtrjOKpcov, womit also 

in §6 nach anderer Quelle! s. Fabricius 377f. auch die jusodysia beriihrt wird) und auf Tapro- 

C. Miiller zur Stelle; s. Anm. 1), der GroBe bane (s. Md^yava). Mit einer zusammenfassen- 

nach geordnete Meerbusen (§ 7, nach Ptolem. den Betrachtung der bislang gewonnenen, nicht 

Geogr. Vn 5, 10, der Zusatz ^Vo« 76viog TioXnog zum besten iiberlieferten MaBzahlen (vgl. die Ta- 

nicht aus ihm: idazu J. Fischer Ptolem. Geogr. belle dazu bei Miiller 540f.) schlieBt das erste 

Cod. Urb. Gr., Lugd. Bat. 1932, 62f.) und Inseln Buch des auch in seinen Einzelheiten recht sehe- 

(§ 8 cv> Ptolem. VII 5, 11; iiber die Frage der matischen Periplus (§ 50—52), dessen mangelnde 

Echtheit allerdings dieser Partien bei Ptolemaios Originalitat auf Schritt und Tritt erkennbar ist 
s; Berger Gesch. d. wiss. Erdk.2 638, 1). Erst 60 (vgl. Ptolem. Geogr. VT. VII oder Agathem. II 

in § 9 beginnt der hier in seinen Einzelheiten, 11, dessen Quelle M. fiir § 26 8ia to nQog dvaiv 

den Angaben von Vorgebirgen, Buchten, Inseln mX. vorlag: Miiller I 531). Bs will da weniig 

— — •- — heiBen, wenn M. seine Begrenzungen der einzel- 

*)■ OTer das vollig Gedankenlose, z. B. in der nen Landschaftsgebiete im Westen beginnt statt 

Nacheinandergabe von verschiedenen Autoren zu- im Norden nach Ptolemaios. Im z w e i t e n Buch 

gehorigen verschiedenartigen MaBen fiir die Lange folgt, ebenfalls nach Ptolemaios, aber auch Pro- 

und Breite der Erde in § 4 und 6 s. F a b r i - tagoras (von ihm stammt das von M. angewandte 

c i u s 378. Prinzip der Angabe einer Maximal- und Minimal- 



277 Mai^cianiis Marcianus 278 

za/hlvon Stadien ftir die jeweiligen Strecken zur eineinM.^g9f^aA«o?gewidmetG Epitome desPeriplus 

Errechnuiig einer Mittelzahl, die der Erreichmng des Menippos nur in geringem Ausmafi erhaltiBn. 

grofitmoglicher Genauigkeit in den Entfemungs- Aber aueh das Vorhandene gestattet noch einen 

angaben dienen soil: s. II 5; ot fjuev als Quelle Einblick in das ftir die augusteische Zeit gewifi 

zitiert II 4, daneben fiir die andere Auffassung, beachtlichfe Werk des Menippos (s. o. Bd. XV 

der M. aber nicht folgt, Artemidor; isonst znr S. 864, 45ff.). Im tibrigen ist anch hier, nach 

Quellenfrage s* schon Fabric! us 379), auf ein einem 'Viergleich der Bruchstiicke aus Menippos 

gleichfalls planentwerfendes Prooimion (§ 1 — 5) bei Stephanos mit dem Bruchjstiick des M., noeh 

der ,Periplus* der Eiisten des westliehen und die enge Abhangigkeit desselben von der Quelle 
nordlichen Okeanos. Abgesehen von den E i n - 10 festzustellen, so dafi seine Worte Epit. 4 ret kXlsl- 

z e 1 ausfuhrungen liber die ToQQaxcovrjola (§ 161.) > ^ovta TtXscara ovxa TtQood'Sig tag dh xomov 

BsXyinrj mit Ober- und Niedergermanien (§ 27 (Artemidors und Menippos) imto/A,ag Ttal bioQ- 

Forts.)^ 7ov£Qvia rfjaog (§ 42), 'Aipicov vfjaog 'd'WGsig tcov sfxavtov jcoirjod/i^svog uiovcov svaQysg 

(§ 44f.) und Libyen (§ 46f.) ist er erhalten: dazu yvcoQiof^a mX, (auch § 6 a. E.) seltsam genug 

noch die Bruohstueke bei Steph. Byz. (s. l^rjQiai anmuten. Gegentiber Artemidor vielleieht noch 

[daraus Constant. Porphyr. de adm. imp. 23], bessere Beriicksichtigung der Verhaltnisse des 

Aovatravia, NaQ^cov, lAxvravca, IdCvysg, Hiaya- romischen Weltreiches bei Menippos, jedenfalls 

d'ovQooi fstatt, so mit Recht MuUer, oi lAya'&ovQ- aueh dessen relative Genauigkeit und Sorgfalt 

ool. Auch Steph. Byz. s. 'AXavog], BQsrrla [und (s. Epit. 3 Anfang) und wohl auch der historische 
T.ov8Qvi<x'. s. Marcian. § 41; auch s. 1ovsQvri\, 20 Einschlag bei Menipp (Spuren davon bei M. 

'AX^icov Ai§ovbai, Aivdoviov [sici] aus der ver- o. Bd. XV S. 887, 54ff.) waren der Grund Mr 

lorenen Partie tiber Albion, MavQiravlai, Tlyyig, den Aiiszug auch aus diesem Periplus, dann weiter- 

Bd^at aus der nicht mehr erhaltenen Einzel- Mn angeblieh Erganzungsbedurftigkeit: Epit. 4. 

behandlung Libyenis) gewiB noeh mit anderen bei Aus der nachmenippeischen Zeit standen ihim 

ihm, nicht unmittelbar zugewiesenen. GemaB dem (vgl. den Atitorenkatalog in § 2) geeignete Werke 

Standort des Betrachters im Mittelmeerbereieh der Art offenbar nicht zur Verfiigung. Es mag 

im besondern vom Gegenpol der Landenge von sein, daB auch die Anlage des Periplus des Me- 

Suez, von der Meerenge der Saulen aus geisehen nippos (zwei Teile, ein auf die nattirlichen Ver- 

(von KdXnrj aus; vgl. auch Ptolem. Geogr. II ha-ltnisse sich griindender den Pontes, Thraki- 
4, 6), isind die Ktisten untersohieden, wie die der 30 schen Bosporos^ die Propontis, den Hellespont um- 

sudostlichen Meere, im rechts- und linksseitige: fassender und einer, der mehr den Westen, die 

in die rechtsseitigen westeuropaisehen, sohlieB- Kiisten des Mittelmeeres behandelte: s. o. Bd. XV 

lieh nach Nordosten hin umbiegenden (griechisch- S. 868, 36ff.) ihn M. als Gegenstiick ersoheinen 

romischem Interesse entsprechend sind sie auch bei lieB zu seinem Periplus des luBeren Meeres mit 

M. zunachst behandelt) und in die linksseitigen seinen beiden idem^ ptolemaisehen Weltbiid ent- 

Libyens, die zuletzt in die der ayvcoorog yfj tiber- sprechenden, ebenfalls dem Osten und dem Westen 

gehen. Nach allgemeiner Umgrenzung und einer zugehorigen Teilen. 

Einteilungstibersicht (ftir iStpanien; § 6—8) setzt Eennzeichnung des M. und seiner 

der Periplus bei Kalpe ein, wobei nach Erledigung S c h r i f t s t e 1 1 e r e i. Die Bereitstellung bloB 
einer einem bestimmten Verwaltungs- oder Land- 40 von Ausztigen oder weitjhin quellengerechten Be- 

schaftsbereich zugehorigen Ktistenstrecke, ahnlich arbeitungen von Werken f rtiherer Autoren (Arte- 

wie in Buch I, wieder Eonstatierungen allgemei- midoros, Ptolemaios - Protagoras, Menippos; vgl. 

ner Art sich anreihen (wie tiber Lange, Breite, Fabricius 375ff.) weckte in M. das Bedtirf- 

Angrenzung des betreffenden Landes, Zahl seiner nis nachdrucklicher Betonung der besonderen Art 

ed'vrj^ uioXeig ejiioYjpoi, oQrj sniorjfxa, jtora/^ol em- des Eigenwertes seiner Arbeiten: isie bestauid nach 

arjpoi, axQoxriQia iTtlorjfyia, Xif^svsg Zusammen- ihm offensichtlioh einmal in der Auffindung der 

fassungen von Stadienangaben, auch hier ent- geeigneten Form des Abrisses (Peripl. maris ext. 

sprechend idem von Protagoras tibernommenen I 1), in ftir uns allerdings kaum versptirbarer 

Prinzip, u. a.). zweckmaBiger Aiiswahl, Berichtigung und Er- 

Auf die Behandlung Spaniens (bis § 18) folgt 50 ganzung des Sltoffes au® anderen Autoren (von 

in gleicher Art die der Etiisten GaUiens (Eelto- der Nutzbarmachung unmittelbar gewonne- 

galatien, Aquitanien, die Lugdunesia, Belgike mit ner erdkunidlioher Erkenntnis ist uberhaupt nir 

Gber- und Niedergermanien: der Autor geht der gends die Rede) und in der Erreichung groBt- 

Quelie entsprechend also auch ins Innere), GroB- moglicher, ja untibertrefflicherGenauigkeit (Peripl. 

germaniens und Sarmatiens (bis § 40); dazu vgl. maris ext. I 2 ptrjdsvdg ro'6rcov — scil. rcov na- 

jeweils Ptolem. Geogr., so etwa II 11, 1. 5. 6 Xaiwv — og?i?^?^at ^gvrf^o? sagt er von sich selbst, 

fitr die vorausgeschickte Grenzziehung ftir GroB- II 2 knifAsXemarov von seiner Bearbeitung Arte- 

germanien. Mit dem gleichfalls in einen allge- midors. Dazu Epit. peripl. Men. I 4). Und doch 

meinen Teil eiiigelagerten, in der Einleitung ge- ist das vorab in den Proomien sich enthtillende 
radezu wieder eineEartengrundlage(s. u. S. 279,1) 60 Selbstbildnis des Autors das eines Mannes von 

verratenden Periplus zunachst lovsQvlag, dann starker Selbsttibersehatzung (s. Epit. peripl. Men. 

von 'AlpTcov (dazu wieder Ptolem. n 1, 2; das I Iff.). Denn seinen Ausztigen fehlte wohl, wenig- 

Einzelne verloren: s. o.) endet die Bearbeitung stens nach dem erhaltenen Teil des Exzerptes aus 

West- unid Nordeuropas. Daran angeftigt ist noch Menipp zu schlieBen (s. o.), das ihnen angeblieh 

der in den Einzelheiten (s. o.) ebenfalls nicht verliehene zweckmaBige besondere Geprage; selbst 

mehr erhaltene Periplus Westlibyens. sein als eigene Leistung ausgegebener Periplus 

tJber das ftir die historische Geographic zum Teil des AuBeren Mfeeres ist ja, vom Proomium und 

wichtige (besonders § 2) Proomium hinaus ist die dem sich als Flickwerk dartuenden allgemein erd- 



279 Marcianus Marcianus 280 

kundlichen Teil abgesehen (s, o.), kaum imhi als maris ext. I 4), den er in literarischer Ehrlichkeit 

ein Nachschreiben von Karten*) t3zw. in den Kern- noeh zu iibertreffen glaubt: Epit. peripl. Men. 3 

teilen von Hauptquellen (Ptolemaios und Prota- jurjds rov ttqooi/liIov — des Timosthenes — tov 

goras: 'S. schon Fabricius 374), nnter ge- /t^vr}fA,ovsv'd'svrog dnsxso'&ac \S(iil. Emtosthenes c<> A 

legentlicher Beriicksichtigung anderer Antoren ovde slg kf^avrbv /nsraorrjoag tovg aXlozQlovg no- 

(so Artemidors: s. o.). Der wiederholte Ausdruck vovg M. von sich. AUes in allem also verrat es 

hoher Achtung vor den Hauptqnellen (Epit. peripl. recht bescheidenes Konnen, das Werk dieses frem- 

Men. 3, Peripl. maris ext. I 1. 4. II 2; spater, des, alteres Geistesgut zusammenraffenden, fiir 

Epit. 4, scheint er Ptolemaios vergessen zu haben) rein auBere Zwecke der Unterweisung (s. e. gr. 
wirkt nur wie ein weiterer Beweis fur diese weit- 10 Epit. peripl. Men. 3. 4 a. E. und sonst) zurecht- 

gehende Abhangigkeit (Peripl. maris ext. II 4 machenden Buchgelehrten, der romischer Ntich- 

ist Artemidor zugunsten von Ptolemaios preis- temheit gleichsam Rechnung tragend nur noeh in 

gegeben). Eine Verwendung angeblieh umfang- Zusammenfassungen, Namen und Zahlen, von 

reicher Lektiire (Peripl. maris ext. I If. Epit. Vermessungen und Dingen (Peripl. maris ext. 1 2) 

peripl. Men. I 2) kommt keineisfalls in Frage das Wesen der Geographie zu sehen glaubte; so 

(auf einzelnes sei bier nieht eingegangen). Selbst ward sein Werk mit das Signum fiir eine Zeit 

in seinem Urteil tiber namhafte Trager der wis- ohne Eigenart auch auf erdkundlichem Gebiet, 

sensehaftliclien Erdkunde wie Eratosthenes scheint in Inhalt und zum Teil der Form. (Gegeniiber 

M. durchaus unter dem EinfluB der Quelle ge- dem nicht ganz unberechtigten Lobe seiner Prosa 
standen zu haben (s. B e r g e r 527). Die so viel- 20 bei C h r i s t - S c h m i d II 852 muB auf seine 

leicht aus Artemidor**) stammende Invektive M.' — zum Teil aUerdings quellenbedingte? — Weit- 

gegen jenen, dessen Proomium er Plagiateharak- schweifigkeit, auch auf die von B e r g e r 527 

ter zuschreibt, wurde ihm so erst recht zum Ver- vermerkte Abhangigkeit in Wendungen von an- 

hangnis, sofern sein anscheinend nicht einmal dern verwiesen werden: so die Stelle tiber Anti- 

ganz selbstandiges Proomium noeh besonders Ge- phanes Epit. peripl. Men. I 1 c>o iSitrab. I 3, 1. 

legenheit gibt, den Gegensatz zu sehen zwischen II 4, 2; auf anderes verweist schon Fabri- 

Wort und Leistung. Es scheint fast, als habe die c i u s 382.) 

Bearbeitung von Autoren mit Rang, wie as jeden- DaB M. seiner und der kommenden Zeit mit 
falls Artemidor und Ptolemaios waren, nicht zu- ihren minderen Anspruchen den gewollten Dienst 
letzt aber der Umstand, daB in Zeiten einer sin- 30 tatsachlich geleistet hat, besagt noeh etwa seine 
kenden Kultur schon eine rein reproduzierende Bentitzung durch Stephanos v. B., dem schon eine 
Tatigkeit liberbewertet wird, bei M. eine tTber- verderbte Hs. vorgelegen zu haben scheint (s. 
steigerung des BewuBtseins der eigenen Leistung auBer Fabrieius 382f. Miiller p. CXXXIV 2), 
verschuldet. Jedenfalls zeigt sich bei ihm, wenn durch Konstantinos Porphyr. (De them. I 17; 
man ihm in Sachlichem auch Streben nach Ge- de adm. imp. 23) wie iiberhaupt die obsehon 
nauigkeit zubilligen mag (s. Epit. peripl. Men. II), triimmerhafte hs. tlberlieferung seiner Schriften. 
voUige Unkenntnis oder Unfahigkeit in der Be- Flir die historische Geographie hat die aus 
urteilung von schopferischen Tragern der wissen- Ausziigen und Kompilationen bestehende, letzt- 
schaftlichen Erdkunde der Griechen wie Eratosthe- lich im Charakter seiner Person und Zeit begrun- 
nes (vgl. die Gleichsetzung des Eratosthenes***) 40 dete Tatigkeit M.s bzw. seine Hinterlassenschaft 
mit den aoaq^eig xal nsnlavYifXEvag rag kxboosig positiv noeh immer die Bedeutung, abgesehen 
Ttoirjodfjievoi, die keinerlei Verstandnis bekundet von der •Siehtbarmachung in etwa wenigstens der 
fiir die relativ achtbaren Leistungen des Kyre- Arbeit des Menippos von Pergamon, Protagoras 
naikers, ebenso wie die Ablehnung seines Erd- und der ihm verdankten Vermehrung der Brueh- 
messungsresultats zugunsten der bei Ptolemaios stiicke aus Artemidor, gelegentlich Kontrolle zu 
vorgefundenen Zahl: Epit. peripl. Men. 13. Peripl. sein oder gar Auskunft zu vermitteln bei der 
Herstellung des Ptolemaiaostextes (s. Muller 

*) S. 0.; die im Periplus des AuBeren Meeres p. CXXXIIIf.), trotz der vielfach verderbten hsl. 

den Kernstticken mit den Stadienangaben voraus- Textiiberlieferung. Denn das in seinem Periplus 
gehenden geographischen Orientierungen, die 50 steckende Gut aus der Geographie des Ptole- 

J. Fischer nach einer Probe fiir eine Art Kar- maios, deren Neuausgabe durch J. Fischers 

tennaehsehrift halt, stiimmen auch im tibrigen Publikation des Cod. Urb. Gr. 82 jetzt erheblich 

mit den ptolemaischen Karten, vorab des von besser ermoglicht ist, ging ja andere Wege der 

Fischer pubiizierten Codex Urbinas 82 weithin "Qberlieferung als der Ptolemaiostext, der aller- 

tiberein, wie ein Vergleich zeigt. dings noeh of ter zur Herstellung des Textes Mar- 

**) Vgl. auch Honigmann Bd. IV A S. 139, cians beizuziehen ist. 

9ff. Nach Wagner (s. u.) 21ff. 26 stammt die tJberlieferung, Ausgaben: Paris. 

Autorenliste wie die Worte iiber Timosthenes, Graec. 443, Apograph. Vat. u. Monac. (s. Bd. XV 

Eratosthenes, Artemidor vielleicht aus Protagoras S. 888, 12ff., auch iiber Ausgaben). Zuletzt ediert 
bzw. Marinos-Protagoras (?). 60 von C. M ii 1 1 e r GGM I 515ff. B, F a b r i c i u s 

***) Vielleicht ist M. gerade durch die Timo- Lectiones Mareianae, Dresd. 1848. Dazu M. J. 

sthenesMt^eVe? verwertende Tatigkeit des Erato- Chr. Jahn N. Jahrb. f. Phil. XXXVI (1842) 

sthenes (bzw. Artemidors Referat dariiber? s. 31 8S. Zur Erklarung: B. Fabricius Rh. 

Epit. peripL Men. I 3) zu der Art seiner geogra- Mus. N. F. II 1843, 366ff. Forbiger Hdb. 

phischen Besehaftigung mit veranlaBt worden d. alt. Geogr.^ I (1877) 448ff. (auch fiir Frtiheres). 

{§Qaxea xiva nQoo'&slg sagt er von Eratosthenes, E. A. Wagner Die Erdbeschreibung des Timo- 

und das angebliche nQoo'&sivai, spielte auch in sthenes von Rhodos, Lpz. 1888. H. Berg er 517. 

seinen Ausziigen eine RoUe). 527. Christ-Schmid Gr. Lit.^ II 852. J. 



281 Marcus Marcus 282 

Fischer Claud. Ptol. Geogr. Cod. Urb. Gr. 82, der Anfang von Macarius Aegyptius De patientia 

Lugd. Bat. Lips. 1932, torn. I 447ff. et discretione. Die Schriften des M. sind der For- 

[F. Gisinger.] derung einer asketischen Frommigkeit in Ge- 

S. 1646, 7 zum Art. Marcus: danken und Werken gewidmet. Meist in kurzen 

17) Marcos eremites. Asketischer Stehriftstel- Satzen (Hecpalaia) werden die Richtlinien fiir ein 

ler der ersten Halfte des 5. Jhdts. Dieser Asket, frommes Leben oder auch theologische spekulative 

von dem eine Reihe von Schriften tiberliefert Gedanken, die immer von der Askese bestimmt 

sind, war bis gegen Ende des 19. Jhdts. fast sind, formuliert. Die Schriftstellerei des M. ge- 

ein Unbekannter. K u n z e ist es gelungen zu hort zu der eines Euagrius Ponticus und Dia- 
zeigen, daJB die unter dem Namen MaQKog sqy}- 10 dochus von Photike. Diese Trias sind die klassi- 

fxirrjg oder avaxcoQTjxrig^ fAovaxog tiberlieferten schen Reprasentanten der Monchstheoretiker und 

Schriften von einem Monehe in der ersten Halfte der theologischenMonchsliteratur der altenKirche. 

des 5. Jhdts. verfaBt sein miissen. M. hat in der Literatur. Joh. K u n z e, Marcus Eremita. 

Nahe des Asketen Nilus (s. d.) bei Ancyra in Leipzig 1895; und in: Realenzykl. f. Theol. u. 

Galatien gelebt; mit diesem zusammen wird er Kirche^ XII 280 — 287. Sehr reiche Literatur- 

von Georgios monachos (nach 842) als Schiiler angaben bei 0. Bardenhewer Gesch. d. alt- 

des Johannes Chrysostomos bezeichnet. Spater hat kirchl. Literatur IV 186f. [H. G. Opitz.] 

M. die Monchsgemeinschaft bei Ancyra verlassen und S. 1647, 14 zum Art. Marcus: 

sich in eine naher nieht bekannte Wiiste begeben. 27) Nicht lange nach dem Tode des Porphyries 
Da schon eine Hs. aus dem J. 534 (Cod. Mus. 20 will M. die Vita abgefaBt haben, die nicht ohne 

Brit. Add. 12175 Wrigh t nr. 727, vgl. B au m- Reiz geschrieben ist und den Kampf des Christen- 

stark Gesch. d. syr. Literatur 91) zwei Sehrif- tums mit dem Heidentum in Gaza darstellt. 

ten in syrischer Dbersetzung tiberliefert, so darf Mannigfache Beziehungen des Porphyries zu den 

man an die Wiisten in Palastina oder Syrien groBen Zeitgenossen, der Kaiserin Eudoxia, Jo- 

denken. Die tlberlieferung der Schriften des M. hannes Chrysostomus u. a. geben der Vita eine 

bedarf noch einer kritischen Sichtung in Verbin- interessante Note, nicht zuletzt auch die Schil- 

dung mit der Ausgabe. Daflir stellt die Sehrif t derung der religiosen Zustande in Gaza. Die Vita 

von Kunze eine ausgezeichnete Vorarbeit dar, war seit 1556 bestenis bekannt und wurde vor 

auf die fiir alio Fragen verwiesen sei. Vorerst allem von Tillemont einer scharfen Kritik 
muB man sich mit dem Druek der Texte von 30 beziiglich ihrer historischen Angaben, die sich 

Fronto D u c a e u s Auctarium Bibl. SS. patr. bei den Kritikern der Neuzeit einer groBen Be- 

gr.-lat. 1 Paris 1624, der tiber Gallandi Bibl. liebtheit erfreuten, unterzogen. Tillemont wies 

Vet. patr. 8, 1 — 104 in Mignes Patrologia S)er. neun Punkte nach, an denen die Erzahlung des 

graeca LXV 905 — 1140 gelangt ist, begniigen. Marcos im Widerspruch zu der sonstigen Uberliefe- 

Photios kannte nach seiner Bibliothek Cod. 200 rung der zeitgeschichtlichen Daten steht. Diese 

einer Hs. mit 9 Traktaten, die alle in zahlreichen Unstimmigkeiten muBten eigentlich um so schwe- 

Hss., wenn auch moistens in voneinander abwei- rere Bedenken gegen die Glaubwiirdigkeit des 

chender Reihenfolge erhalten sind: 1. ttsqI vo^aov Marcos erregen, als dieser stets sich als ein Augen- 

jtv£VfA,an?iov (Migne G. LXV 905 — 929). 2. tcsqI zeuge der Ereignisse bekennt. Aber die Kritik 
rcov oio/bisvcov e^ e^ycov dixaf.ovo'&ai (LXV 929 40 Tillemonts fand fast gar keine Beachtung, auch 

— 965). ^.:iz8qI /btsravoiag (LXV 965 — 984). 4. dno- nicht als Haupt 1874 und die Bonner Semi- 

KQioig jTQog rovg ano^ovviag jzegl rov d'siov Pan- narmitglieder 1895 endlich den griechischen Text 

rlofyiarog (LXV 985 — 1028). Dieser Traktat ist der Vita bekannt machten. Kiirzlich haben nun 

nach dem Zeugnis des syrischen Kommentators H. Gr^goire und M. A. Kugener das Ver- 

der Zenturien des Euagrios Pontikos, Babai d. trauen auf die Erzahlung des M. endgultig er- 

Gr., gegen die Messalianer gerichtet (W. Fran- schuttert, als sie auf Grund einer glanzenden 

k e n b e r g Euagrius Ponticus S. 253 =: Abh. Beobachtung des Bollandisten P e e t e r is nach- 

Ges. Gott., Phil.-hist. Kl. N. F. XIII 2. 1912). Den weisen konnten, daB nioht nur an vielen Stellen 

Nachweis hierfiir und fiir die Zusammenhange Theodorets Historia religiosa (verfaBt um 444/45) 
mit den Homilien Makarios des Agypters lieferte 50 wortlich ausgesehrieben ist, sondern auch eine 

E. Peterson D. Sehrif t des Eremiten Mar- Novelle lustinians (nr. CIII), in der mit groBen 

kus tiber die Taufe und die Messalianer, Ztschr. Worten tiber das palastinensische Caesarea ge- 

f. neutest. Wiss. XXXI (1932) 273. 5. ovfjLpovXla sprochen wird, fast wortlich in einer Rede des 

voog jtQog xrjv iavrov xpvxrjv (LXV 1104 — 1109). Arcadius bei M. begegnet. Gregoire und Kugener 

6. avrcPoXr) nQog oxoXaarixor (LXV 1072 — 1101). haben der Erzahlung eine sehr tiefschtirfende 

7. tisqI vrjorslag (LXV 1109 — 1117). 8. TZQog Ni- Untersuchung gewidmet und kommen zu dem 
Tiolaov vov&sGiaL yjvxcocpsXeJg (LXV 1028 — 1053). fast einstimmig angenommenen SchluB, daB ein 
9. €ig rov MeXxi'Osds?e (LXV nil — 1140). SchlieB- Bericht des M. im 6. Jhdt. stark tiberarbeitet 
lich darf noch eine Schrift als echt gelten, die worden ist. Der Bearbeiter tritt aber so stark 
von Papadopulos Kerameus und dann 60 in den Vordergrund, daB sich nur schwer, wenn 
von Kunze Off. nach einer Jerusalemer Hs. tiberhaupt, die M. angehorende Erzahlung wird 
(Cod. Sab. 366) herausgegeben worden ist. 10. Ad- herausarbeiten lassen. Wenn auch der Wert der 
versus Nestorianos, Als unecht sind anzusprechen: Vita ftir die Geschichte um 400 endgtiltig ab- 
1. ?cs(pdXata vrjmiKa (LXV 1053 — 1069), eine getan ist, iso behalt doch die Vita einige Bedeu- 
Kompilation aus den asketischen Sentenzen des tung als historischer Roman und wird gerade zur 
Maximus Konfessor und den Homilien des Maca- Kritik anderer ahnlicher Erzeugnisse anregen. 
rius Aegyptius. 2. Ein lateinisches Brieffrag- Ftir alle Einzelheiten bleibt grundlegend die Aus- 
ment (LXV 903) ist in lateinischer "Ubersetzung gabe von Gregoire umd Kugener, die auch 



283 Mccd^aXk Maximmus 284 

bisher nieht hexangezogenes hsl. Material fur die 12 Dichter Asclepiadius, Asmenius, Easilius, 

Textkonstitution benutzt haben. Der Ausgabe ist Euphorbius, Eusthenius, Hilasius, lulianus, M., 

auch ein ausgezeichneter Kommentar beigefiigt. Palladius, Pompilianus, Vitalis, Yomanius sind 

Der Titel der Ausgabe lautet: Marc de diacre, Vie sonst voUstandig unbekannt. Ihre Zeit lafit sich 

de Porphyre eveque des Gaza. Texte etabli tra- nicht bestimmen. AUes Personliche ist in den 

duit et comments par H. Gr6goire et M. A. Gedichten vermieden bis auf den Geburtstags- 

Kugener. Paris 1930. Collection Byzantine gluckwunsch, den lulianus dem Asmeniuis dar- 

publiee sous le patronage de I'association Bude. bringt (638). Aber auch. bei diesem laBt der 

[H. G. Opitz.] mehrdefutige Wortlaut nioht mit iSieherheit den 

C. Marius s. am Ende des Bandes. 10 SchluB zu, den H. Walther Das Streitgedicht 

Ma'&aXis, Nach Hesych (s. v.) und Athenaios in der lat. Lit. des Mittelalters, Munch. 1920, 

(XI 487 c) ein TrinkgefaB unbestimmter Form. 16, 5 gezogen hat, namlieh daB 12 Schuler ihren 

Vielleicht war es eine Art Kvh^^ oder aber iiber- Lehrer an seinem Geburtstage durch poetische 

haupt nur ein MaB, wie z. B. der Tcvad'og, Wettkampfe feiem, wenn auch zuzugeben ist, 

[F. V. Lorentz.] daB die Stellung gerade dieses Gediohtes an dem 

Matisonenses heiBen nacheiner 1911 inBie- Ende der Sammlung, also an einem besonders 

tigheim an der Metter gefundenen Inschrift auf auffallenden Platz, nicht ganz ohne bestimmte 

der Basis einer Sandsteinstatuette eines Genius, Absicht erfolgt sein wird; vorsiohtiger urteilt 

Haug-Sixt Die rom. Inschr. u. Bildwerke Rie,se in den Addenda deis 2. Bandes 384, 1. 

Wiirttembergs^ nr. 580 (S. 496). R i e s e Inschr. 20 Die Anordnung der Gedichte ist so vorgenom- 

nr. 2181, die Anwohner der Metter, die als coUe- men, daB von Monosticha, also Einzelspruchen, 

gium Matisonensium bezeichnet werden, P a r e t zu Disticha, Tristicha usw. iiber das gleiche 

in Hertlein Die Romer in Wtirttemberg III 284. Thema vorgeschritten wird, wahrend in der 

Sie bildeten wahrscheinlich eine Kultvereinigung, zwolften Gruppe (627 — 638) 12 ungleich lange 

Hertlein I 137, so daB in der Nahe wohl ein Stiicke in verschiedenen VersmaBen iiber ver- 

Heiligtum anzunehmen ist. H. Fischer Fund- schiedene Gegenstande angeschloasen werden. 

ber. aus Schwaben XIX 28 erschlieBt aus dieser tJber dieses rein auBerliche Gruppierungsprinzip 

Inschrift den antiken Namen Matisa der Metter, hinaus laBt sich — vielleicht mit der einenAus- 

wogegen Springer D. FluBnamen Wiirttembergs nahme 638 — kein tieferer Beweggxund fiir die 

u. Badens 36 besser den Namen Matisona, den er 30 gowahlte Reihenf olge erkennen. Nur das ist noch 

fiir keltisch halt, oder mit Bacmeister Alem. zu ,sagen, daB innerhalb jeder Gruppe die Dichter 

"Wanderungen99ilfa^rowavorschlagt, ohnedieDeu- in der Weise gesteUt sind, daB z. Bi. M. in I 

tung des Namens zu wagen. [Alfred Franke.] an fiinfter, in II an vierter Stelle steht und so 

Matoas (Maxoag). Steph. Byz. 218 undnaeh fort bis V, wo er am Anfang erscheint, in VI 

ihm Eustath. Dion. Per. 494 berichten, daB die kommt er dann an die letzte Stelle und riickt 

Donau friiher M. geheiBen habe (Naberes Bd. IV jodesmal wieder einen Platz auf, bis er in XI 

S. 2104). Vielleicht fiihren die nur von Heka- die siebente — denn die 6 Versc' des Pompilianus, 

taio'S bei Steph. Byz. 437 genannten MatvKszai dem die ,seehste Stelle zukommt, miissen aus- 

(Bd. XIV S. 2329) nach ihm ihren Namen (Phi- gefallen sein, wie eine Randnotiz in C richtig 
lipp B'erl. phil. W. XXXIV 374). Vgl. T o m a- 40 bemerkt — und in XII die sechste Stelle erhalt. 

s <; h e k D. alten Thraker II 2, 95. P i c h 1 e r Der Ordner wollte offenbar unter den Zwolf kei- 

Austr. Rom. 164. [Max Fluss.] nen zu gut oder zu schlecht wegkommen lassen. 

S. 2432 zum Art. Maxentius: Wenn schon die ganze Sammlung bei fliich- 

Die Grabschrift des lulius lulianus (jetzt GIL tiger Priifung offenbart, daB sie in die Gattfung 

VI 37773) kann sich, wie Bang (Herm. LIII, der Streitdichtung einzuordnen ist, so zeigen das 

211f.) nachweist. nicht auf die Zeit des Galerius insbesondere die beiden als Gegenstiicke gedach- 

beziehen, sondern ist um vieles alter. ten Gedichte des Busthenius de Achille und des 

Zu S. 24471: Elmar Num. Ztschr. 1932, Pompilianus de Hectors, die je 5 Distichen um- 

23—36. — OIL XV 7940. fassen und beide in dem Vossianus Q. 86 des 

Zu S. 2462f . : Zur Christenpolitik des Maxentius 50 9. Jhdts. als Epitaphium bezeichnet werden, und 

vgl. jetzt Pineherle Studi di filologia class. das letzte Gedieht des M. (632), das sich gut 

VII 2, 1929, 132 — 143. Gr^goireRev. deTUniv. isoliert betrachten laBt, weil wie .schon erwahnt 

de Bruxelles XXXVI 1930/31, 231 — 272. Caspar die Gedichte der zwolften Gruppe kein gemein- 

Geschichte des Papsttums I 101. [Groag.] sames Thema haben. Es handelt von dem Buch- 

S. 2538, 57 zum Art. Maximinus: staben Y, den er als Pythagorae liitera bezeich- 

5) Dichter, von dem 12 Gedichte in den net und idessen Form ihm zum Gleichnis wird 

Anthologien verschiedener Hss. des 9. — 11. Jhdts. fiir die beiden Wege, die dem Menschen fiir die 

(s. u.), um von jiingeren abzusehen, iiberliefert Gestaltung seines Lebens zur Wahl stehen, die 

werden. Sie stehen hier nicht fiir sich, sondern via virtutis imd die via desidiae. Hierbei be- 
jedesnml ist eines mit 11 anderen von 11 ver-60findet er sich in trbereinstimmung mit anderen 

schiedenen Dichtern zusammengeordnet, und zwar Autoren, vgl. z. B. Pers. sat. 3, 56 mit Scholien 

in der Weise, daB immer mit Ausnahme der und Lact. inst. div. VI 3, 6, besonders Auson. 

letzten 12 (s. u.) ein und dasselbe Thema behan- Technop. XXVII 12, 9 (138 Seh.) Pythagorae 

delt wird. Dieser Kranz von Gedichten, im bivium ramis pateo ambiguis cv? Maxim, 

ganzen 12x12 (495 — 638 in Rieses A. L.) tragt di s crimine secta bicorni und Profesisores 

in der wichtigsten Hs. C = Paris. 8069, einem XVI 12, 5 (64 Sch.) Pythagorei non tenentem 

Thuaneus — iiber ihn Riese Praef. I, XLI — tramitis rectam viam; vgl. Nor den zu Aen. VI 

die subscriptio versus XII sapiencium. Die 540 und Brinkmann Rh. Mus. LXVI 619, 2. 



285 Ma^ximinus Maximinus 286 

DaB der Geist dos Prodikois hier bescliworen wird, lung Ovids entnommeott sein, an die man unwill- 

bedarf kamn der Erwahnung; vgl. C. Pascal kiirlich erinnert wird. Hier steht met. Ill 451f. 

II bivio della vita e la littera Pythagorae, Mis- nam quotiens liquidis porreximus oscula lym- 

eellanea Ceriani, Milano 1910, 57 — 67. Die Be- fhis, hie Miens ad me reswpino nititur ore. 

deutung der 'Aycov- und Gertamendiobtung ftir Unter den 12 Variationen verdient die des 

das Altertum kurz skizziert und ftir das Mittel- Euphorbius deswegen herausgehoben zu werden, 

alter eingehender dargestellt zu haben, ist ein well sie dureh ein sprachliches Indiz den Spat- 

Verdienst des oiben erwahnten Waltherschen Hng verrat, denn er gibt 526, 2 dem Riund des 

Buches. Spiegels das anscheinend nur in der Spatzeit 
DaJB die iSammlung im weisentlichen auf poe- 10 gebrauchte Beiwort purificus; ahnlich steht es 

tiscbe Schuiiibungen zuriiokzufiihren ist, zeigt mit dem von M. 543, 2 verwendeten multieolor, 

das Gedicht des Basilius in der zwolften Gruppe das ich aus frtiherer Dichtung uberhaupt nieht 

(634). Er hat sich namlich innerhalb dieser der belegen kann. 

freien Themawahl vorbehaltenen Eeihe nichts 4. Das zu Eis gefrorene Wasser als Fahrweg. 

anderes zu wahlen gewuBt als eine Inhaltsangabe Auch hier lohnt es sich, den von den Hss. ge- 

der Aeneis in 12 Hexametern. Und -damit be- gebenen Hinweisen nachzugeben. Der schon «r- 

ruhren wir eine der den 12 sapientes gesteUten wahnte Palat. 487 fiihrt namlich Verg. Georg. 

Hauptaufgaben. Sie besteht darin, entweder EI 362 puppibus ilia prius, patulis nunc hospita 

kurze Argumenta einzelner Aeneisbucher zu plaustris an, wahrend der Vossianus De glaeie 
dichten, wie sie im spateren Altertum beruhmt =20 pentametris versibus als Dberschrift hat. Mit 

war en — ahnlich steht es mit Lucan; vgl. Anth. Recht hat Ri eise daher auf die analoge Schilde- 

Lat. 806 — oder Themen zu behandeln, die durch rung in Ovids Tristien (III 10, 3 If.) verwiesen, wo 

Vergils Person und seine Stoffe angeregt sin;d. es heiBt: quaque rates ierant, pedibus nune itur 

Vergilimitation beherrscht das Ganze, ohne aber et undas frigore eoncretas ungula pulsat equi. 

wahrhaft ischopferiseh zu werden, daneiben laBt Der einzige unter den ZwoU, der sich sprachlich 

sich, wenn auch nicht ganz so stark, EinfluB hier von Vergil und Ovid hat beeinflussen 

Ovids 'beobachten, alios andere tritt dahinter lassen, ist M. Nur bei ihm erscheint patulus, 

zuriick. Sieht man unter dieser Voraussetzung das bei Vergil Beiwort der Lastwagen ist, als 

die 11 Themen an, so ergibt sich folgendes: Attribut zu puppis, und nur er hat den ovidi- 

1. AUgemeine Lebensregeln in einem Verse, 30 schen Ausdruck undas frigore eoncretas iibemom- 
und um die Sache noch schwieriger zu machen men und zu unda . . . eoncreta gelu umgeformt. 
oder noch mehr zu verkiinsteln, muB jeder Hexa- 5. Der Regenbogen, 3 Hexameter. Auch hier 
meter aus 6 Worten zu je 6 Buchstaben be- hat Riese zu M.' Versen (543), die diesmal an 
stehen. Wenn das nicht einfach geht, werden erster iStelle stehen, mit Recht auf Ovid. met. 
zwei mehr oder weniger (lulianus 505) zusam- VI 63f. hingewiesen, Verse, denen der allitte- 
mengehorige Worte zu einem Wortkomplexe ver- rierende VersschluB curvamine caelum wortlich 
einigt, so von M. 499 aesest und inarca, von entnommem ist. M. ist in der Anwendung dieses. 
Asmenius 502 paxest, von Euphorbius 504 egosum, Kunstmittels noch uber Ovid hinausgegangen, 
von lulianus 505 utvere. Schwer hat M. sich mit wenn er am Anfaoige von der varians vestis der 
seinem Spruche ludite securi, quibus aesest 40 Iris spricht, was um so mehr ins Ohr fallt, wenn 
semper inarca die Sache ebensowenig gemaeht man in dem an letzter Stelle stehenden Gedichte 
wie seine Konkurrenten, indem sie irgendwelche des Pompilianus (554) picta veste deeens liest. 
Gemeinplatze, denen man die Bezeichnung Lebenis- Auf f allend und auch auf Beruhrung mit Ovid 
weisheit kaum wird zugestehen wollen, in Verse weisend ist die Bezeichnung der Iris als Thau-^ 
setzen. M.' Spruch erinnert, besonders wenn man mantis proles im ersten und Nachholung ihres 
ihn mit dem von Riese herangezogenen Verse Namens im dritten; denn Basilius (545) und 
Anth. Lat. 82, 10 vergleicht, an Sentenzen, die lulianus (549), die ebenfalls die Genealogie der 
von der Komodie ab in der in Betracht zu Ziehen- Iris vorbringen, vermeiden die Nennung ihres. 
den Literatur (vgl. Leo Plant. Forsch.2 149f.) Namens. Bei Ovid lesen wir met. IV 480 Thau- 
immer wieder ausgesprochen werden. Am un- 50 mantias Iris, bei Verg. Aen. IX 5 nur Thau- 
geschioktesten von alien zeigt sich hier ubrigens mantias. 

Pompilianus (498), der eigentlich schon nach 6. Eine Wiederholung von 2. mit dem Unter- 

4 Worten mit seiner Weisheit zu Ende war schied, daB hier 2 Distichen zu dichten waren. 

irasci victos minime placet und um den Vers Bei dem zweiten des M. glaubt man wiederum 

zu fiillen optime f rater hinzuftigte. ovidische Klange herauszuhoren: iamque ad lustra 

2. Grabschrift fiir Vergil. Den 12 Variationen decern Titan accesserat alter, cum tibi me rapuit, 
ist in 2 Hss., dem bereits erwahnten Vossianus Mantua, Parthenope. Das erinnert auffallend an 
und dem Palatinus 487 (9. Jhdt.) das beruhmte Ovid, trist. IV 10, 31 f. iamque decem vitae f rater 
Distichon Mantua me genuit usw. vorausgeschiekt. geminaverat annos, cum perit in Verbindung 

3. Das Wasser als Spiegel. Im Vossianus 60 mit 77f. et iam complerat genitor sua fata no- 
Q. 86 steht eine von der der anderen Hss. ab- vemque addiderat lustris altera lustra novem* 
weichende "Qbersehrift de duobus heroicis versi- Dem Titan, alter M.' entspricht bei Ovid, fasit. 
bus. Mag auch die andere konkretere de unda et I 617 — allerdings in der Bedeutung Tag — ein 
speculo richtiger sein, etwas Zutreffendes ent- Titan, tertius. 

halt die erste doch und kann weiterhelfen. Denn 7. Die vier Jahreszeiten. Das Thema ist ge- 

die hier gewahlte Bezeichnung der Hexameter stellt im AnschluB an Ovid. met. II 27 — 30, wie 

als heroici versus laBt an ein Epos denken, und die Hss. bereits dadurch zeigen, daB sie die 

in der Tat kann das Thema der Narcissuserzah- Ovidverse den 12 Gedichten vorausschicken. Hier 



287 Maximinns Maximinus 288 

ist von M. in das ovidisehe Thema eine Vergil- erst bei Columella vorzukommen. tTber aestifer, 

remlniszenz hineingearbeitet, denn 577, 4 de- das M. dem Lowen als Beiwort gibt, laBt sich 

cutit ipse rigor silvis hiemalis honor em nicht mit Sicherheit urteilen. Cicero gebraucht 

stammt offenkundig aus Verg. Georg, 11 404 es Arat. 320 vom Krebs, Verg. Georg. II 353 

frigidus et silvis aquilo decussit ho no- vom Hundsstem. Ebensowenig laBt sich tiber 

rem. Denn daB M. die Argonautica des Varro semifer etwas aussagen, das Vergil zwar zweimal 

Atacimis, aus denen Vergil den prachtvoUen Vers hat, aber nioht als Beiwort eines Sternbildes des 

zitiert hat, gelesen hat, wird wohl niemand Tierkreises, wahrend Cic. Arat. 59 es vom Kor- 

annehmen. per des Capricornus sagt. M. gebraucht es vom 

8. De aurora et sole in 2 Distichen. Die 10 Kentauren, den er semifer arcitenens nennt. 
Hs. V irrt hier, wenn sie in der 'Dbersehrift von Es ist nicht besonders merkwiirdig, daB sich 
heroicis versihus spricht. Hiese hat zu M. gerade in dieser Gruppe eine Reihe von auf- 
588, 1 auf Verg. Aen. XII 77 und zu Palladius fallen den Hexameterschlussen findet, die sonst 
584, 1 gut auf Aen. VII 26 verwiesen und da- bei M. uberhaupt nicht vorkommt und bei ande- 
mit gleichzeitig Vergil als den bezeichnet, dureh ren der Zwolf nicht haufig ist. Die Erklarung 
dessen Sonnenaufgangsbeschreibungen das Thema liegt nahe. Die vielen Namen, die zur Kennzeich- 
veranlaBt sein wird. Natiirlich konnen bei diesen nung der Tierkreisbilder unterzubringen waren, 
zwolf typischen Ekphraseis, die sich im wesent- machten iSchwierigkeiten. Die Folge war, daB 
lichen, man mochte sagen aus formelhaften Ver- die Dichter sich erlaubten, was sie sich sonst im 
sen zusammensetzen, ovidisehe Vorbilder, wie sie 20 allgemeinen versagt hatten. Hierher gehort M. 
in den Metamorphosen und sonst haufig anzutreffen 621, 1 Taurique trucis frons und Basilius 623, 5 
sind, mitgewirkt haben. Zu beachten ist auch, aequoreique Capri frons, Dazu steUen .sich ein 
daB das nicht haufige Beiwort der Sterne nocti- paar FaUe aus anderen Gruppen, z. B. Vomanius 
vagus bei Verg. Aen. X 216 als Beiwort fiir den 547, 1 contigerit sol, Euphorbius 581, 1 igni- 
Wagen der Mondgottin erscheint in einer Dar- ferum Sol — vgl. Cic. Arat. 264 nach Ennius, 
stellung des ischwindenden Tages und des auf- N o r d e n Aen. VI2 448f. — und Vitalis 578, 1 
ge/henden Monde®. odoriferum ver. Aueh ein anderer ungewohn- 

9. Inhaltsangabe je eines Aeneisbuches in licher HexameterschluB, ^ ^ -^ auf mehrere 
5 flexametern, vgl. 0. Auffallend ist im letzten Worte verteilt, erscheint nur in dieser Gruppe, 
Verse M.' 599, 5, auf den das neunte Buch ent- 30 und zwar zweimal: bei Hilasius 616, 6 et duo 
fallen ist, vi Turnus potitur castris, vi pellitur Pisces — vgl. 616, 5 et Capricornus — und bei 
inde die Verwendung der stark ins Ohr fallenden Vomanius 625, 3 et pia Virgo, bei M. nicht. 
Anapher. Unwillkurlieh denkt man an Stellen Spondeische Worte im ersten FuBe des Hexa- 
wie Verg. Aen. II 491. 494 oder III 414. 417 meters laBt M. nicht zu, >drei spondeische Wort- 
und erinnert sich der beriihmten Enniusverse folgen, die er hat, hemmen dien Rhythmus nicht: 
Ann. 268. 273. Wenn auch ein Zusammenhang 566, 3 iamque ad lustra-^ 621, 6 et cui nomen 
natiirlich nicht besteht, so sieht man doch immer aquae faciunt; 632, 10 at qui desidiam luxumque 
wieder, wie stark M. sich mit der Sprache und sequetur. Spondeisches Wort im vierten FuBe 
den Kunstmitteln epischer Dichtung vollgesogen begegnet nur 499, wo aus dem Zwange, ein aus 
hat und wie ihm ihre Formen ohne weiteres zu 40 6 Buchstaben bestehendes Wort zu jfinden, aesest 
Gebote stehen. geschrieben ist. Im PentameterschluB M.' und 

10. Grabsehrift fiir Cicero, 3 Distichen. Aueh der anderen ist viersilbiger WortschluB substan- 
das ein beliebtes Thema der Rhetorenschule, wie tivisch, adjektiviseh und verbal haufig, bemer- 
R i e s e 'S Hinweis auf Cornelius Severus bei Sen. kenswert ist nur 510, 2 der Ausgang auf ein 
suas. 6, 26 zeigt. Intereissant ist die Gegenuber- dreisilbiges Verbum merui, eine Eigentiimlich- 
stellung je eines Verses bei M. (610, 2) und Pal- keit, die sich auch bei Asclepiadius, Basilius, 
ladius (606, 4): clarus honore simul, clarus et Euphorbius, Eusthenius, Hilasius und Vitalis 
ingenio co clarus erat factis, clarior eloquio. Mir findet. Einem iambischen Worte am Ende der 
scheint, der Geschicktere ist hier PaUadius, well ersten Pentameterhalfte geht M. nicht aus dem 
er ohne jedas Flickwort eine Steigerung hinein- 50 Wege und wendet es auch dann an, wenn keine 
gebracht hat, wahrend die Anapher M. nicht bestimmte Absicht vorliegt: 532, 2 et concreta 
nur zu den wenigsagenden Worten simul und et, gelii marmoris instar habet. 610,2 clarus honore 
sondern auch zu einem nicht geschiekten Bau simul, clarus et ingenio laBt sich aus dem Be- 
des Pentameters (vgl. dariiber u.) gezwungen hat. streben erklaren, die Vershalften parallel zu 

11. Die 12 Zeichen des Tierkreises, 6 Hexa- bauen, Der Vers ist 0. besprochen. 

meter. Nach einer bestimmten Stelle zu suchen, Die wichtigsten 'Hss. sind im Laufe der Be- 

durch die dieses Thema angeregt sein kann, und sprechung erwahnt worden; im ubrigen verweise 

etwa die eine oder andere Versgruppe der Geor- ich auf die Zusammenstellung bei R i e s e 11 59. 

gica oder Fasti oder Metamorphosen — z. B. 11 In jtingeren von ihm nicht benutzten Hss, be- 

79ff., wo nur fiinf Tiergestalten genannt wer- 60 gegnen auch einzelne Gedichte, eine Tatsache, 

den — herausheben zu wollen, ist bei der Be- die zeigt, daB man nicht nur wie in den alteren 

liebtheit des Gegenstandes durch die Jahrhun- Hss. aus der ganzen Sammlung bestimmte Grup- 

derte verfehlt. Immerhin ist zu beachten, daB pen ausgewahlt, sondern auch einzelnen Gedich- 

bei M. ein Wort begegnet, das zuerst bei Vergil ten zu einem Sonderdasein verholfen hat. So 

vorzukommen scheint: nubigena Aen. VII 674 bietet der von Sedlmayer Prol. crit. in 

und Vin 293 von Kentauren gebraucht, ebenso Heroid. Ovid. 23, 1 besprochene Cremifanensis des 

freilich auch bei Ovid. met. XLI 211 und 541, 15. Jhdts. das Gedicht des Asmenius 635 De 

von Phrixus, dem Sohne der Nephele, scheint es laucle horti. Interessant ist tibrigens hier, daB 



289 Maximus Media provincia 290 

in ihm das in den alten Hss. zu amhi entstellte eine saubere Editorenarbeit einiges Lioht schaf- 

lamhit, das riehtig in der Aldina steht, noch am fen. Diese ist um so notiger, als gerade die 

besten erhalten ist, denn er hat ambit, Volksfrommigkeit und die geistige Lage des 

Fiir die Ausgaben verweise ieh auf das, was 5. Jhdts. am besten aus den Predigten kennen- 

Marx 0. Bd. I S. 2392 gesagt hat. gelernt werden kann. DaB die Entwirrung der 

[Friedrieh Lenz.] tJberlieferungsverhaltnisse moglich ist, zeigen die 

S. 2576, 24 zmn Art. Maximus: bisherigen Arbeiten, z. B. Cape lies an den 

26) Biischof von Turin, lebte um die Mitte des Predigten M.' Bs folge hier fiir den praktisehen 

5. Jhdts. Tillemont beginnt seinen Artikel Gebrauch eine Liste der sicher uneehten Stucke 
iiber M. ganz mit Recht (M^moires t. 16. Paris 10 der Brunischen Sammlung. 1. Homilia 108 

1712 4° p. 31: ,Wir haben keine Kenntnis liber (Migne L. LVII 502) ==, Petrus Ohrysologus 

das Leben und die T^ten des hi. Maximus von Hom. 50 (Migne L. LII 339) nach M o r i n Revue 

Turin.* Ein M. von Turin laBt sich nur als Teil- Benedictine XV (1898) 402. 2. Sermo 2 (LVII 

nehmer an einer von Euseb von MaUand gelei- 533ff.) == Augustin. quaestiones evangel. 2, 44 

teten Synode in Mailand im Jahre 451 (ep. Leo- (Migne L. XXXV 1357). 3. Sermo 56 (LVII 643) 

nis papae nr. 97. Migne L. LIV 948 A/B) und an kann wegen des Stiles nicht eeht sein. 4. Sermo 

der Synode unter Papst HUarius in Rom am 72 (LVII 679) = Leo sermo 85 (Migne L. LIV 

19. November 465 (Dionysius Exiguus, Collectio 435). 5. Alle Sltiicke, die Bruni aus Cod. Vero- 

decret. pont. Rom.; Migne L.LXV1I 315 B) nach- nensis 51 (friiher 49) s. VI. abgedruckt hat, sind 
weisen. Gennadius (um 480) widmet in seinem20nach einem iiberzeugenden Beweise von B. Ca- 

Buche De viris illustr. c. XL M. einen Berioht pelle in Revue Benedictine XXXIV (1922) 82 

uber dessen Schriften. Nach Gennadius soil M. dem arianisehen Bischof Maximinus zuzuspreehen. 

unter Honorius und Theodosius 11. gestor'ben Bie Ausgabe von Bruni der Veroneser Texte 

sein. Diese Datierung ist auf Grund der Synodal- ist durch neuere von C. H. Turner und A. 

unterschriften zu verwerf en. Nach eigener An- Spagnolo sowie von C a p e 1 1 e vollig tiber- 

gabe (sermo 81. Migne L. LVII 695 B) ist M. holt worden. Bruni war nieht ia der Lage, die 

Zeuge des in Anaunia (Raethische Alpen) im teilweise sehr verderbte Hs. genau zu lesen. Es 

J. 397 erfolgten Martyriums der Kleriker Alex- handelt sich um folgende Stucke der Ausgabe 

ander, Martyrius und Sisinnius gewesen. Da6 M. Brunis: a) Expositiones de cap. evangeliorum 
tatsaehlich um 452 im Aimte war, geht aus den 30 (LVII 807 — 832), neu herauisgegeben von C a - 

Homilien 81 ff. hervor, die an die Gemeinde in pelle Revue Benedictine XL (1928) 49ff. b) Trac- 

groBer Bedrangnis von auswartigen Feinden, d. i. tatus IV contra paganos (LVII 781 — 794), Neu- 

aber Attila, gerichtet isind. Das sind alio Daten ausgabe: Journ. of theol. Stud. XVII (1916) 321 

liber das Leben ides M. Um so eindringlicheres — 337. c) Tractatus V contra ludaeos (LVII 795 

Zeugnis von dem Wirken des M. legt seine nicht — 806), Neuausgabe: Journ. of theol. Stud. XX 

unbetrachtliche literarische Hinterlassenschaf t ab. (1919) 293 — 310. d) Die von Turner aus dem 

Nach einigen unzureichenden Ausgaben (vgl. Cod. Veron. 51 (49) zum ersten Male als Gut des 

daruber Schonemann Bibl. hist. lit. Patr. M. herausgegebenen Sermones, Journ. of theol. 

lat. II 607—669, abgedruckt bei Migne L. LVII Stud. XVI (1915) 161—176. 314—232. XVII 
177—210) lieB Bruno Bruni auf Veranlas-40 (1916) 225—235. e) Tractatus I— III (LVII 771 

sung Papstes Pius VI. eine Sammlung aller be- — 782) sind nach C a p e 1 1 e Revue Benedictine 

kannten Schriften in Rom 1784 drucken. Diese XLV (1933) 108ff. M. gleichfalls abzusprechen. 

Ausgabe duroh den Nachdruck Mignes (Patrologia- Sie gehoren einem italienischen Bischof des 

Series lat. 57) leicht zugamglich, hat die in zahl- 5. Jhdts. an. Neuerdings wertden M. zugeispro- 

reichen Hiss, unter dem Namen des M. tiber- chen die Homilien in Cod. Casanat. 133 membr. 

lieferte Hinterlassenschaf t nach gewiB bequemen, s. XII f. 67 — 110b, publiziert von U. Moricca 

aber saehMch nieht ganz zutreffenden Gesichts- in Bilychnis XXXIII (1929) 1, 10—22. 2, 81—93; 

punkten geordnet. iS'oweit sich zurzeit ubersehen Didaskaleion N. S. VII (1929) 3 — 6. Die Echtheit 

laBt, diirfen in der Brunischen Sammlung des dieser Homilien wird jedoch noch im Zusammen- 
M. nur die Predigten, bei Bruni in Homiliae 50 hang mit den anderen unter dem Namen dies 

Tind Sermones geteilt, als eeht angesehen werden. Maximus iiberlieferten Stiioken einmal grundUch 

AUes andere ist uneeht. Die Sammlung Brunis gepruft werden miissen. Die echten Predigten 

l)edarf deshalb einer sehr kritischen Durchsicht, des M. fallen duroh ihre Ktirze auf. Man darf 

die bisher besonders erfolgreich von B. Ca- vermuten, daB in den meisten Stiicken kurze, 

pelle durchgef iihrt worden ist, aber noch zwar einfach und klar, aber gesohickt stilisierte 

keineswegs als abgeschlossen gelten kann; wie Ausziige bzw. Naohschriften der gehaltenen Pre- 

liberhaupt die Erforschung der tJberlieferung der digten vorliegen. Fiir die Geschichte des Gottes- 

groBen Prediger des 5. Jhdts. auf nicht geringe dienstes in Oberitalien und fur das idamals noch 

Schwierigkeiten stoBt, da von Ambrosius bis zu wirksame Heidentum sind die Predigten reoht 

Papst Greigor die tJiberlieferung der Predigten 60 aufschluBreich. [H. G. Opitz.] 
recht verworren ist. In diesem Urwald kann nur 

Zum fiinfzehnteii Bande. 

Media provincia heiBt auf der Tab. Pent. Bd. II A S. 258 Nr. 3), Irrttimlich sagt daher 

V 2/ VI 1 die im latere. Veron. ed. Seeck p. 249 der Geogr. Rav. IV 20 S. 219, 3: Valeria, 

OIL in 10981 iSoAria genannte Provinz (vgl. quae est medi a, appellatur provincia. VgL 

Pauly-Wissowa-Kroll Suppl. VI 10 



291 Meidylides Mekyberna 292 

Pichler Austria Rom. 164. Miller Itin. 1854, If. Im Art. Chalkidike Bd. VI 

Rom. 485. [Max Fluss.] S. 2069f. wird der Name ,mekybernaisch' nur dem 

Meidylides. 1) Athener, Sohn des Euthy- nordOstlichen Teil der toronaischen Bucht gege- 

machos aus Otryne, [Deraosth.] XLIV 9 — 17. 20. ben; gegen diese Ansicht sprechen aber die zi- 

Seine Gemahlin hiefi Mnesimache, von der er tierten Stellen). Als Griechenstadt wird M. aus- 

die Tochter Kleitomache hatte, die den Athener drticklich von Herodot. VII 122 und Skyl. QQ 

Aristoteles aus Pallene heiratete. Diese batten drei bezeichnet; wie wir aus Steph. Byz. ersehen, war 

Sohne: Aristodemos, Habronichos und Meidylides. die Stadt schon bei Hekataios angefuhrt. Zum 

2) Der Enkel von Nr. 1. [Demosth.] XLIV erstenmale in der erhaltenen Literatur wird sie 
10. Kirchner Prosop. Att. 9733. 9734. Scha- 10 bei Herodot a. 0. erwahnt, weil sie fur die Flotte 

f er Demosth. Ill Beil. 242. [Fiehn.] des Xerxes Schiffe gestellt haben soil. Spater 

Mekistis {cpvXrjg Mrjmaotldog), Phyle von schloB sie sich dem Seebunde Athens an und 

Eretria in einem Proxeniedekret dieser Stadt aus leistete durch viele Jahre ihre Beitrage (CIA I 

dem ersten Telle des 5. Jhdts. v. Chr.; s. Peek 226ff. BOckh Staatshaushalt II 648f., 707. Die 

Athen. Mitt, (voraussichtlich 1934). Diese Phyle, Summe betragt 100 Drachmen, ab 446/45 einige 

so wie der Personennamen Msmoto-dcoQog aus Jahre hindurch 6Q Drachmen 4 Obolen). Ge- 

Aia(fA,a), einem Demos des stidlichen Teiies des nannt ist die Stadt in den Listen nach 436/35 

eretrischen Gebiets, IG XII 9, 245, 82 und S. 194 nicht mehr, doch ist, wie Steup Thukydid. 

137, bezeugen nach Bechtel HP 315: .MrjxioTo- Studien I 46 richtig betont, daraus durchaus 
zu Kamen einer Ortlichkeit oder eines Heros';20kein SchluB zu Ziehen. — Das Entstehen eines 

wahrscheinlich einen Berg. S. Mekiston Nr. 2. bedeutenden Gemeinwesens im benachbarten Olyn- 

Mekiston {Mrjmatov) 1) Die Fackelpost im thos beeintrachtigte naturgemaB den Wirkungs- 
Aischyleischen Agamemnon 276 geht vom troi- kreis M.s. DaB sich M. an dem ovvoimofjiog des 
schen Ida tiber Lemnos, den Athos zu den Ma- Jahres 432 (Thuk. I 58) beteiligte, ist unwahr- 
Tcioxov GTtondg, von da fernhin {kHag) zum Euripos scheinlich ; die Stadt blieb bestehen und hatte 
zu den Wachtern des Messapion. Das Scholion als Bundesstadt nichts von Athen zu fiirchten. 
erklart 276 Molkiozov oQog JEv^olagy 280 Meood- Schwierig wurde ihre Lage, als Brasidas den 
mov oQog [AstaSv Evfiolag xal Boicoxlag^ dies fur Osten der Chalkidike und Torone an der Golf- 
die geographische Anschauung nicht klar. Das einfahrt ftir sich gewann, worauf Skione und 
M. muB also auf Eaboia in einiger Entfernung 30 Mende im Siiden der Pallene sich beeilten, zu 
vom Euripos liegen, und wegen der eretrischen ihm abzufallen. Die Weiber und Kinder aus die- 
Phyle MrjHtootig (s. o.) noch im Gebiet von Ere- sen Stadten rettete er vor den nahenden Athenern 
tria. Also kommt das Kandiligebirge nordwest- nach Olynthos, wurde aber dann wieder in Ma- 
lich von Chalkis (Karte IG XII 9 Taf. 5) nicht kedonien in Anspruch genommen, so daB M. 
in Frage, sondern nur die 1745 m hohe Spitze wahrscheinlich, wie frliher Sane, einer Besetzung 
Dirphys ; er kOnnte freilich nur seiner Hohe (wie durch Brasidas entging. Mit Sane wird es Thuk. 
homerisch eXdrrj ovQavofAi^Krjg) nicht wegen der V 18, 6 in der Urkunde des Nikiasfriedens er- 
Lange eines Bergkammes seinen Namen flihren, wahnt. Die Mekybernaer sollten ihre Stadt be- 
ware aber wegen der betrachtlichen Entfernung wohnen wie die Olynthier. Dieser Satz enthalt 
vom Athos, fast 180 km, sehr geeignet; R. Kie-40wohl eine Spitze gegen Olynthos; die Selbst- 
pert FOA XVI bezieht den Namen auf die standigkeit der athenfreundlichen Stadt soUte 
ganze langgestreckte Bergkette. gegen die Feindin gewahrt bleiben. (So E. 

2) Ein anderer Berg gab dem Demos der Meyer G. d. A. IV 607, Steup Thukydid. 

Mrjxhuoi von Hestiaia (s. SuppL-Bd. IV S. 749), Studien I 40ff. Anders Beloch GG II 1, 342, 

der nOrdlichsten Stadt von Euboia, den Namen. 1 : dieser meint, daB auch M. und Sane sich von 

IG XII 9, 1189, 31, Inschrift vom Artemision Athen abwandten und mit dem oben zitierten 

mit lauter Demotika der Stadt, vgl. S. 170; hier Satz nachtraglich in den Entwurf des Vertrags- 

kOnnte das Kandiligebirge noch in Frage kom- instrumentes eingefligt Wurden.) AUerdings ntitzte 

men, wenn sich das Stadtgebiet stidwarts noch die Klausel nicht viel; bald nach dem Nikias- 
ein Stlick liber den sicher histiaischen Demos 50 frieden fielen die Olynthier iiber M. her und be- 

Orobiai hinauserstreckte. Geyer Euboia 88, 4. setzten es, trotz einer athenischen Besatzung^ 

[v. Hiller.l (Thuk. V 39). Olynthos blieb weiterhin das Schick- 

Mekyberna. Mri^vpsQva (in den attischen sal der nun ganz abhangigen Stadt, die bei 

Tributlisten heiBen die Bewohner mitunter Mrj- Strab. VII 330 frg. 29 als xrjg VXvv&ov kniveiov 

xvstsQvaloij so CIA I 226. 230. 236), kleine Grie- bezeichnet wird. Gelegentlich seiner Eroberung^ 

chenstadt auf der Halbinsel Chalkidike im in- durch Philipp von Makedonien wird M. wieder 

nersten Winkel des Golfes von Torone (Skyl. QQ. erwahnt (Died. XVI 53). Die Frage ist, ob es 

Skymn. 641. Steph. Byz.), nach Harpokr. s. v. und 348 vernichtet wurde oder ob es wenigstens noch 

Suid. s. V. 20 Stadien von Olynthos entfernt. in der frtihhellenistischen Zeit weiterbestand, um 
Eine Stunde von Olynthos befinden sich an der 60 dann erst nach dem ovvoimo/u6g der neuen GroB- 

Ktiste in einem ausgedehnten Trummerfeld die stadt Kassandreia (Died. XIX 52) und unter 

Ruinen der alten Stadt. Die Statte heiBt heute deren Druck langsam zu verOden. Died. XVI 53 

Moliwopyrgos. (Struck Makedon. Fahrten I 56. spricht von einer kampflosen Einnahme durch 

Casson Macedonia 89). Nach M. soil einmal Verrat; sein Ausdruck naQeXa^s weist auf eine 

der Golf benannt gewesen sein. (Mela II 3, 34: giitliche Regelung der Verhaltnisse (vgl. z. B. 

■fiexus Megybernaeus. Plin. n. h. IV 10, 36, des- XVI 45, 2. XVII 21, 7). Gegen die iibertriebe- 

sen zerstorter Text den Namen mangelhaft liber- nen Nachrichten von der ZerstOrung chalkidischer 

liefert. Hoffmann Programm Gymn. Bromberg Griechenstadte durch Philipp von Makedonien 



293 Meliton Melkart 294 

(Demosth. Phil. Ill 26) wendet sich z. B. Koh- Hist. anc. de I'Afrique du Nord (2. 6d.) II 293. 
ler S.-Ber. Akad. Berl. 1891, 474f. Ein Gelehrter, III 6, 2. IV 302f. Di^pgriechische Wiedergabe des 
Hegesippos von M., der eine Lokalgeschichte der Wortes lautet MsX^cdd'Qog^ eine metathetische 
Pallene schrieb, lebte vermutlich in friih-helleni- Form, die nicht in MeXxaQ'&og (G r u p p e 
stischer Zeit. (Christ II 166. Schwartz Herm. o. Suppl.-Bd. Ill S. 983, 32) geandert werden 
XXXV 129 betont, dafi die Neugrlindungen Thes- muB, wahrend als fehlerhafte Schreibung MsX- 
salonike und Kassandreia die Elemente der Kul- xdv&aQog bei Euseb. laud. Const. 13, 3 zu gelten 
tur so aufsaugen muBten, dafi Schriftsteller, die hat. Nichts weiter als eine Verstiimmelung des 
als Btirger kleiner chalkidischer Stadte genannt Wortes M. ist der in Agypten und Libyen ver- 
werden, nicht unter das 4. Jhdt. herabgeschoben 10 ehrte Herakles ,Makeris* (s. Pans. X 17, 2 nach 
werden kOnnen.) Skymn. 641 fiihrt die Stadt als Timaios; Movers Phonizier II 2, 118, 222), 
nicht mehr bestehend an, doch darf aus dieser wie auch der alte Name von Heraclea Minoa, 
Stelle nicht auf eine ZerstOrung geschlossen wer- ,Makara* (nach Aristoteles; s. Heraclides pol. 29), 
den, da gerade dort groBe Verwirrung herrscht; aus Rush-Melqart (s. o.) entstanden ist. 
es wird z. B. eine Stadt Pallene erwahnt, die In der gelehrten mythologischen Gotter- 
nie existierte. Da die Lage M.s am toronaischen genealogie gait M. als Sohn eines Demarus (Phi- 
Golf betont wird, spielte vielleicht die Vorstel- Ion FHG III 568, 22), dem auch die Bezeichnung 
lung mit, daB die Bucht einmal nach M. hieB, eines Zeus Demarus zukam (FHG III 569, 24); 
zur Zeit des Autors aber nach einer anderen triSt die Erganzung (G. H o f f m a n n Ztschr. f . 
Stadt benannt war. [Lenk.] 20 Assyr. XI 1896, 248. G r u p p e Griech. Kulte 

Meliton, Bischof von Sardes, wirkte zwischen und My then I 360), nach der Demarus mit 

160 und 190 n. Chr. Nachrichten iiber ihn sind 'Adodos, dem syrischen Hadad-Baal Shamim oder 

ausschlieBlich durch Eusebs Kirchengeschichte er- aramaischen Adod (Baethgen Beitrage 67), 

halten. M. hat eine bedeutende RoUe in der Kirche identifiziert wird, das Richtige — [6] xal 'Abco- 

Kleinasiens gespielt. Er griS in den Passahstreit 8og — , dann bliebe die orientalische Umgebung 

ein, bekampfte die Marcioniten und Montanisten. gewahrt, wie auch mit der Konstruktion eines 

tJber die nicht geringe Zahl seiner Sehriften be- Elternpaares Zeus-Baal-Shamim und Asteria- 

richtet Euseb ausfiihrlich (vgl. den Index zu E. Astarte, das man flir M. ausdachte; s. Eudoxos 

Schwartz' Ausgabe der Kirchengeschichte III von Knidos bei Athen. IX 47 p. 392; Cic. nat. 
76), der neben Origenes, Anastasius Sinaita einige 30 deor. Ill 16,j 42. G r up p e Griech. Myth. 242. 

Reste bewahrt hat. M. hat vor allem eine Apo- Als Sohn des Herakles-M.-Makeris wurde ein 

logic an Marc Aurel verfaBt, in der er auf das ,Sardos' konstruiert, der mit Libyern Sardinien 

fiir das Romerreich sich so segensvoU auswirkende besiedelte (Timaios bei Pans. X 17, 2), und eine 

Zusammentreffen des Auftretens Jesu mit der Re- Tochter, die Eponyme von Karthago (Cic. nat. 

gierung des Augustus hinweist. Die erhaltenen deor. Ill 42). 

Texte findet man bequem und gut zusammen- trber Einzelheiten des M.-Kultes ist die tlber- 
gestellt bei Goodspeed Die altesten Apologe- lieferung mangelhaft. Jedenfalls war die Hera- 
ten (Gottingen 1914) 306 — 313. Eine unter dem kles-Verehrung sehr stark mit ihm vermengt, 
Namen M.s syrisch erhaltene, wohl auch syrisch und den Griechen wurde die Identifikation des 
verfaBte, Apologie (syrisch und lateinisch bei 40 M. mit Herakles gelaufig: das zeigt die bilingue 
Otto Corpus Apolog. 9, 423ff.) ist spateren Ur- Inschrift von Malta (s. o.), wie auch Euseb. 
sprungs, vgl. H a r n a c k Gesch. d. altchristl. Lit. praep. ev. I 10, 27 MslKah'Qog 6 hoI 'HQaHlfjg 
II 522 S. Im tibrigen vgl. H a r n a c k ebd. I gleichsetzt. So hat man in den Belegen verschie- 
246fE. II 358f. 51 7f. Bardenhewer Gesch. d. doner Art (vor allem in literarischen Erwahnun- 
altkirchl. Lit.^ I 455. [H. G. Opitz.] gen und Mtinzen) fur den ,Herakles'kult phoini- 

Melkart (nnpb?:), kontrahierte Form aus kischer Kolonien am Mittelmeer Dokumente der 
phoinikischem Melek qart, ,K6nig der Stadt'. M.-Verehrung zu erkennen, die von der Mutter- 
Name des lokalen Baals von Tyros, der dann stadt Tyros ausging. Die Zeugnisse sind ge- 
Schutzgott zahlreicher tyrischer Kolonien wird. sammelt und ausgewertet von G s e 1 1 a. 0. IV^ 
Die phoinikisch-griechische Kandelaberinschrift 50 303 — 313, und Gruppe o. Suppl.-Bd. Ill 
aus Malta, die von zwei tyrischen Brudern, Abdo- S. 921—983. 988—992. 998—1000, wo die zu 
sir und Osirschamar (griech. Dionysios und Sara- schwache Betonung der Gleichsetzung Herakles- 
pion), geweiht ist, gilt ,unserm Herrn, Melkart, M. zugleich mit der zu geringen Verwendung der 
dem Baal von Tyros', griech. 'HQanXsl dQxrjykr] Miinzen durch die Ausfuhrung bei G s e 1 1 zu er- 
(ClSemJ 122. 122a S. 150 Taf. 24a. CIG XIV 600. weitern ist; s. auch Ed. Meyer Myth. Lex. II 
Schroder Die phon. Sprache 232 Taf. 7, 1. 2650—52. 

Schlottmann Verb. d. Philol. Vers. Lpz. So hat man M. zu erkennen in der Herakles- 

1872, 160). Zur Wortform: Schroder 168, 2. verehrung von Syrien: Tyros selbst (vgl. 

172, 1. 7. Eine Reihe theophorer Kompositen Gruppe 981f.) besaB das Mutterheiligtum des 
zeigt das Wort in phoinikischen Eigennamen, so 60 Kultes, von dem Herodot. II 44 berichtet, es 

'Abdmelqart (Hamilkar: ,Knecht des M.'), Bod- stamme aus der Zeit der Stadtgrundung un- 

melqart (Bomilkar), Chanmelqart (,Gnade des mittelbar, die von den Priestern, Herodots Ge- 

M.') ; in der phoinikischen Benennung der Stadt wahrsleuten, auf 2300 Jahre zuriickdatiert wurde. 

Kephaloidion (oder Heraclea Minoa, Sizilien) be- Es kann sich dabei freilich nur um die Funda- 

gegnet es als Rush-Melqart, ,Kap des M.' (s. mente gehandelt haben; denn nach Menander von 

Suppl.-Bd. Ill S. 992, 11), auf Mtinzen mit Hera- Ephesos, dem Chronisten von Tyros (Joseph, ant. 

kleskopf : Holm Gesch. Siciliens III 1898, 642 d. VIII 146; c. Apion. 1 118 N.), wurde der urspriing- 

H i 1 1 Coins of anc. Sicily (1903) T. 9, 16. G s e 1 1 liche Tempel durch Konig Chiram I., einen Zeit- 



295 Melkart Melkart 296 

genossen Davids und Salomos, abgerissen und kles-M. in Tyros seinen Tod durchs Feuer fand; 

neu aufgebaut. Herodot (na^h ihm Arrian. anab. s. Eecogn. Ps.-Clem. 10, 24; Patr, gr. I 1434. 

II15. Lukian.DeaSyr.3. Paus.V25, 12)berichtet Wenn Gsell 302. 312 annehmen mochte, 

von der reichen A.usstattung des Tempels, von Herodot (VII 167) habe in seinem Bericht vom 

den vielen Weihgeschenken und den zwei kost- selbstgewahlten Flammentod des karthagischen 

baren Saulen im Innern des Heiligtums, die aus Generals Hamilkar vor Himera den Tod dieses 

Gold und nachtlich leuchtendem Smaragd be- ,Dieners des M.* mit dem des Gottes M. selbst 

standen (s. Theophrast bei Plin. n. h. XXXVII verwechselt, so laBt sich mit gleichem Recht an- 

75). Im Tempel gab es auch, nach Plin. n. h. nehmen, Hamilkar habe in seiner verzweifelten 

XXXVII 161, einen Sitz aus dem Stein ,Euseb^s*: 10 Kampflage gerade die gleiche Todesart seines 

von ihm hatten sich die Glaubigen (er)leicht(ert?) Gottes gewahlt, und darum wurden ihm als 

erhoben {ex qua [sede] pii facile surgebant), Alex- einem Heros in Karthago und in den phoiniki- 

ander der GroBe wiinschte im M.-Heiligtum dem schen Kolonien sakrale Gedachtnisopfer dar- 

tyrischen Herakles zu opfern, stieB aber auf ent- gebracht. 

schlossenen Widerspruch, der die Belagerung und Fiir die nahere Kenntnis der tyrischen M.- 

Zerstorung der Stadt nach sich zog (s. o. Bd. I Feier laBt sich aus der unberechtigten Annahme 

S. 1422). einer solchen Verwechslung kein neues Material 

Ein zweites Heraklesheiligtum von Tyros gewinnen. Wohl aber mag die Grabstatte des 

durfte ebenfalls ein M.-Tempel gewesen sein. Es Herakles-M., die auch Tyros zu besitzen vorgab 

war nach Herodot (II 44) dem UQaxXfjg Gdoiog 20 (Recogn. Ps.-Clem. 10, 24), bei der ,Auferweckung 

geweiht. Die Verhaltnisse dieser KuMbertragung des H.* eine RoUe gespielt haben, und moglicher- 

liegen noch ungeklart; denn nach Herodots An- weise dienten andere Graber des Gottes — wie 

gaben, die er sich an Ort und Stelle selbst z. B. auch Gades eines, sogar mit Gebeinen des 

machen konnte, brachten Phoiniker auf der Herakles, hatte (Mela III 46; in Hnibus Hispa- 

Suche nach Europa den Herakles-M.-Kult auf die niae Arnob. adv. gent. I 36) — ebenso dem M.- 

Insel Thasos zu einer Zeit, da man auf griechi- Fest als Ort der Mysterienhandlung. 

schem Boden vom Heros Herakles noch nichts DaB man auf diese und andere Vermutungen 

wuBte. Er glaubt deshalb, den Kult des alteren und Kombinationen hin in M. einen urspriing- 
tyrischen Gottes Herakles-M. von der Verehrung lichen Vegetationsgott, aus dem dann nach Ana- 

des j linger en Heros Herakles trennen zu mussen. 30 logie des Adonis eine solare Gottheit wurde, sehen 

Da sich der Herakles-M.-Kult auf Thasos zu hoher durfte (von Baudissin Adonis und Esmun 

Bliite entwickelte (s. o. Suppl.-Bd. Ill S. 964), 33. 172. 359. Dussaud Journ. d. Sav. 1907, 

kann wohl von dort aus eine Riickiibertragung 41), wie das Nonn. Dion. 40, 369 und Macrob. 

nach Tyros stattgefunden haben, die im zweiten Sat. I 20, 12 tun, scheint gewagt, selbst wenn 

M.-Tempel der Stadt ihren Sitz erhielt, und man man die Legende von Mtinzen aus Lixos (Lynx, 

braucht die Richtigkeit von Herodots Angaben jetzt Tschemmich, Marokko), einer sehr alten 
nicht auf Rechnung seiner bloBen Vermutung zu Statte des Herakles-M.-Kults (o. Suppl.-Bd. Ill 

setzen (Gruppe 964, 47). S. 989f.), auf den Gott mit Sicherheit beziehen 

Eine Nachricht tiber die altertiimliche Art durfte (,ShemeshS ,Maqom Shemesh*: ,Stadt der 
einer M.-Feier zu Tyros hat Menander von Ephe- 40 Sonne') ; s. Gsell II 174. IV 301. 313; Belege 

SOS bei Joseph, ant. lud. VIII 5, 3 § 146 (vgl. der Munzen bei L. Miiller Numism. Ill 

c. Apion.1119) uberliefert. Nach ihr hatte Konig 98—100. 111. 124. 164—169: der auf ihnen ge- 

Chiram I. das Fest der ,Erweckung des Herakles pragte Gotterkopf weist nicht auf Herakles, son- 

(-Melkart)* eingefiihrt. Diese 'EQa?cXsovg eysQOig dern eher auf einen Baal-Iuppiter (Gsell IV 

fiel in den Monat Peritios (Februar-Marz) und 301. 313), und mit Baal-Gestalten dieser Art darf 

hat unmittelbare Verwandtschaft mit den My- M. nicht identifiziert werden (Gsell IV 291f.). 

sterienspielen fur Adonis und Tammuz (s. Ed. Zusammen mit anderen Gottheiten kann M. 

Mey er G. d. A. IP 2, 168). Einzelheiten fehlen, in einer heiligen Zweiheit auftreten und Ver- 

doch durfte den Hintergrund der sakralen Feier ehrung finden. So war ihm und Cid in Karthago 

der Mythos von Herakles' Tod in Libyen und 50 ein Tempel geweiht (CISem. 256), wie es dort 

seiner Wiedererweckung durch lolaos abgegeben auch ein Paar Cid-Tanit gab (CISem. 247—249); 

haben. Als Herakles durch Typhon getotet wor- zu Cid s. Gsell IV 331. Das Paar Eshmun- 

den war ("Qbertragung des Osiris-Mythos auf Melkart verehrte man auf Kypros (CISem. 16. 

Herakles; Bericht des Eudoxos von Knidos bei 23f.); M.-Reshuf in Tyros (de Vogiie Mel. 

Athen. IX 47, 392; dazu Stark S.-Ber. Sachs. d'arch. or. 81. v. Baudissin Adonis 275f.). tJber 

Ges. Wiss. VIII 1856, 132. G r u p p e Griech. die verschiedenen Moglichkeiten der sachlichen 

Kulte und Mythen I 380f.), erweckte lolaos den und sprachlichen Deutung solcher gottlicher Dop- 

Freund durch die Ausdunstung einer Wachtel pelnamen und Zweiheiten s. Gsell IV 337f. 

— wahrscheinlich spielt hier die Metamorphose Die Leitung des M.-Kultes lag bei den Prie- 

der Astoria — Astarte (s. o.) in diesen Vogel mit, 60 stern; nach lustins Zeugnis (XVIII 4) kam der 

und nur so kann ein gewisser Sinn in die tTber- Priester des M. in Tyros unmittelbar nach dem 

lieferung kommen; dazu Ch. Clermont- Konig, und bei der Abhangigkeit der M.-Ver- 

Ganneau Rec. d'arch. or. VII 151. Die Wach- ehrung aller tyrischen Kolonien von der Metro- 

tel kehrt nach Phoinikien im Peritios-Monat pole diirfte das Ansehen des Priesterstandes iiber- 

zuriick; das erklart die Festzeit des tyrischen all ahnliches AusmaB besessen haben. tJber eine 

M.-Mysteriums (W. von Baudissin Adonis Erblichkeit des Amtes wird nichts berichtet. 

172). Vielleicht stand diese Feier auch in Zu- Bezeichnend fur die dauernde Macht des 

sammenhang mit dem Mythos, nach dem Hera- Gottes und seiner Priester wurde die Tatsache, 



297 Menandros MTjvvrrig 298 

da6 das Mutterheiligtum des M. von Tyros aus MijvvaLg'MiisloayysXlakomitegekhgt'werden 

alien Neugriindungen die Abgabe des Zehnten wegen xdfecootg, besonders xd?{cooig 6Qcpava>v oder 

erhielt, und mit dieser religiosen Verpflichtung kmtilrjQcov, ferner wegen Amtspflichtverletzung 

war auch die politisehe Abhangigkeit der Kolo- offentlicher Schiedsrichter (dianrjral) bei der Ge- 

nien von Tyros gewahrleistet (Ed. Meyer samtheit der Diaiteten, wegen Amtspflichtver- 

6. d. A. IP 2, 81). So suchten die Karthager den letzung irgend welcher Beamten urspriinglich 

Grund ihrer Niederlage durch Agathokles in beim Rate (Aristot. 'A'd: noX. 4, 4), spater beim 

einer Verstimmung des M. von Tyros und er- Eate, der ein vorlaufiges Erkenntnis {tcardyvcooig) 

neuerten den Tribtit dorthin (Diod. XX 14, 2f.); aussprach, ferner beim Rate gegen jedermann in 
in andern Fallen erhielt der Gott Anteil an der 10 Angelegenheiten, die der besonderen Anfsieht des 

Beute (lustin. XVIII 7, 7; vgl. Arrian. II 24). Rates unterstellt waren, wie z. B. der Schutz der 

Wenn Plin. n. h. XXXVI 39 von alljahrlichen heiligen Olbaume, hauptsachlich aber wegen Ver- 

Menschenopfern fiir Herakles-M. bei den ,Pu- geheii gegen den Staat, die unter dem Begriff 

niern*, also in Karthago, spricht, so darf man des Hoehverrates zusammengefafit wurden. Schon 

ahnlichen sakralen Branch wohl auch fiir Tyros im 4. Jhdt. wurde die slaayysXla auch ausgedeh'nt 

und andere Statten des M.-Kultes annehmen. auf Vergehen, die nicht unmittelbar als Kom- 

DaB das Standbild des Herakles-M. aus Kar- plott stiI naxakvoei tov b7j[A,ov gerichtet waren. 

thago nach Rom tiberfuhrt worden sei, schlieBt DaB diese Meldeklage an den Rat zu erfolgen 

Gsell IV 303, 9 aus der Notiz des Plinius a. 0. habe und in welchen Fallen sie zulassig sei, war 
humi starts ante aditum porticus ad nationes. 20 von friiher Zeit an gesetzlich geregelt. Die Ari- 

Aus Karthago selbst haben sich zwei mittelmaBig stot. 'Ad'. noX. 8, 4 zugrunde liegende tJberliefe- 

gearbeitete Herakles-Figurinen erhalten, die aus rung ftihrt die gesetzliche Regelung durch einen 

Grabern der Begrabnisstatte St. Monika stam- eigentlichen vofMog sioayyeliag sogar direkt auf 

men; s. Delattre Compt. Rend. 1905 Fig. Solon zuriick: xal rovg im ^axalvoei zov brjfiov 

S. 326. G s e 1 1 IV 77. II 303. [Preisendanz.] cwiotaf^svovg ekqivev (sc. t) §ov%7j) loXcovog Mv- 

S. 764, 68 zum Art. Menandros Nr. 19 und 20: r[og] vofjLov sioa[yy]eX[tag] uisqI avrcov. In die- 

M. von Hetrakleia wird von Pis.-Plut. pro nobil. ser Stelle ist das von We s se ly gelesene eiaay- 

20 (VII 269 Bern.) fur die (wenig originelle) An- ysXlag, das Wile ken Herm. XXX 623 be- 

sicht angef iihrt agrieolas ipsos unos esse reliquias statigt hat, zu halten gegen v. Wilamowitz 
ex stirpe Saturni. Den Arzt bei Plin. n. h. XIX 30 Aristot. u. Athen I 53,, 22, dem die Wortstellung 

1 13 hat S t a d 1 e r Die Quellen des Plin. (Mtinch. ,nach Untersekunda klingt* und der die Verbin- 

1891) 30 gleichgesetzt mit dem in IG II 433= dung sloayysXla nsQi nvog beanstandet, die doch 

IP 946 (Syll. 655) genannten M., IIsQyafA,r)vdg z. B. durch [Demosth.] XLIX 67 gesichert ist. 

r . . . TzaQo, rep fiaotXei EviAsvei d[iatQipcov, den In fruherer Zeit wair sloayysXXsiv noch nicht 

die Athener im J. 166/65 ©hren und der auch bei der erstarrte Terminus technicus. Das zeigt u. a. 

Sui'd. s. Asox't^rig neben Lfeschides (o. Bd. XII der Bericht iiber Themistokles-Ephialtes in Ari- 

S. 2136), dessen Zeit daduroh bestimmt ist, und stot. 25, 3, wo ftir die gleiche Klage bsiKvvvai 

Pythias als Begleiter des Eumenes genannt wird steht: ngog de rovg AQsoTzaylrag (sc. eXsysv), oti 

(s. Unger Herm. XIV 593). Ob er mit Nr. 20 bsl^si xivag ovviorafxevovg sm ?eataXvo€t xfjg noXi- 
identisch ist, steht nicht voUig fest; denn bed 40 xelag. DaB aber das Eisangelieverfahren schon 

Plin. a. 0. heiBt es: M. e Graecis auctor est alium fruh gesetzlich geregelt war, ergibt sioh aus seiner 

edentibus, si radicem betae in pruna tostam zeitweiligen Aufhebung im J. 411: sjieixa xdg 

superederint, odor em extingui; da sich Ahnliches xcov Jta^avojucov yQatpdg pcal rag eloayysXlag koI 

bei Bolos (oder Ps.-DemokritI) finidet (Paignda 4 xdg nQoo^XTjoeig dveiXov (Aristot. 29, 4). DaB das 

bei Diels VS I 132|, 16), so schlieBt Well- Eisangelieverfahren in alien wesentlichen Teilen 

mann Abh. Akad. Berl. 1921, 15 auf Be- bereits im 5. Jhdt. bestand und durch die Er- 

nutzung des Bolos durch M., der dann kaum vor eignisse des J. 411 geradezu provoziert wurde, 

etwia 150 v. Chr. gelebt hatte. Nun bezeiohnet hat gegen L i p s i u s, der die genauere gesetzliche 

aber PMn. ind. XIX— -XXVII M. durch den Zu- Fixierung mit S w o b o d a Herm. XXVIII 574 
satz qui ^loxQ^joxa seripsit, wahrend er den^ in 50 bis gegen die Mitte des 4. Jhdts. hinunterrlicken 

B. XXX benutzten im Index unter den Arzten woUte, meines Erachtens Th a 1 h e i m Eisangelie- 

auffuhrt. Letzterer konnte mit dem Pergamener gesetz in Athen, Herm. XLI 304ff. iiberzeugend 

identisch sedn; den VerfasseT der ^LoxQtjoxa (Haus- nachgewiesen; denn das owisvai snl naxaXvosi xov 

mittel) wird man vorlaufig femhalten. Sijfj^ov stammt aus dem Ratseide (Demosth. XXIV 

[W. Kroll.] 144) aus den Jahren kurz vor 500 (Aristot. 22, 2). 

S. 850, 19 zum Art. Menesthes: Bald nach dem Sturze der Vierhundert, die die 

2) Eins der mit Theseus dem Minotauros als Eisangelieklage aufgehoben batten, wurde der 

Tribut gesandten Opfer, Enkel des Skiros, Plut. vo/^ogsloayyeXxi^cog erlassen, der die Ver- 

Thes. XVII. Wohl identisch mit Menestheus Nr. 1. gehen, gegen welche mit eloayyeXla geklagt wer- 
Stoll Myth. Lex. II 2791. Vgl. Menestho auf der 60 den konnte, aufzahlte. Es ist einer der wenigen 

Fran9oisvase. Preller Gr. Myth. I^ 205, 2. Falle, wo wir den Wortlaut des Gesetzes mit 

[v. Geisau.] groBer Sicherheit rekonstruieren konnen. Auf 

S. 853, 16 zum Art. Menestho: ihn wird Xen. hell. I 7, 28 angespielt, und in der 

2) Name einer von Theseus vor dem Mino- Hauptsache ist er durch Hyp. f. Euxen. 22, wo- 

tauros geretteten attischen Jungfrau auf der Fran- mit 29 zusammengehort, erhalten. Mit Erganzung 

9ois-Vase. Weibliches Gegenstiick zu Menes- einer Stelle aus Pollux und einer andern aus 

the us Nr. 1 und Menesthes Nr, 2 (s. d.) Theophrastos im Lex. rhetor. Cantabrig. u. sloay- 

[v. Geisau.] yeXla sind die durch sloayysXla klagbaren Ver- 



299 MTJvvaig M'qvvatq 300 

brechen: 1. der Versuch zum Umsturz der Ver- Grund des vo^og eloayysXnxog zum ersten Male 
lassung: hdv rig rbv bfjfjiov tbv 'A'&rjvalcov tcara- in diesem Jahre begegnet. Bei diesem Anlafi 
Xvr} r/ ovvlrj noi enl Tiaxalvasi tov brjfAOv rj hai- oder bald nachher muB auch das Eisangeliever- 
Qixov avvaydyr). 2. Verrat: fj kdv rig noXiv nva fahren, der ProzeBgang, nach der eingelegten 
nQodcp 7} vavg rj ne^Yjv rj vavriTirjv otQaridv, ^ idv Urkunde in Demosth. XXIV 63 genauer geregelt 
rig elg rovg noXefiiovg avsv rov uzsfA,(p'd-fjvai dq?i' warden sein. Die schriftlich eingereichte Klage, 
Hvfjrai Yj fjisroiTifj TiaQ' avroig tj orQarsvijrai fxer^ ebenfalls elaayyeXia genannt, wurde entweder 
avrcbv fj dcoga XafjL^dvrj {jiag^ avrcbv suppl. Lip- beim Rate der Fiinfhundert oder direkt an die 
sius). 3. Bestechliehkeit als Redner bzw. Antrag- Volksversammlung eingereicht. Im erstem Falle 
steller: fj QrjrwQ cov (jirj Xsyrj ra aQiora r^ drjfAcp 10 entschied der Rat iiber Annahme oder Ablehnung 
rep 'Ad'rjvaicov xQ'rjfAara Xafipdvcov hoi dcogedg der Klage (Lys. XXX 22). Wnrde die Klage vom 
TtaQo. rcov rdvavrla TiQarrovrcov rco brifjicp. Es sind Rate als zulassig erklart, so wnrde der Beklagte, 
also durch dieses von Hypereides voUstandig faUs er nicht drei Burgen stellen konnte, in 
zitierte Gesetz drei Gruppen von Vergehen, gegen Haft genommen, bei Hoehverrat {nQobooia rrjg 
die mit sloayyeXla vorgegangen werden kann, :n:6Xscog) und Umsturzversuch der Verfassung 
1. Versuch des Umsturzes der Verfassung, 2. Ver- {xardXvoig rov drjfjiov) in jedem Falle (Demosth. 
rat, 3. Bestechliehkeit als Antragsteller in der XXIV 144). Darauf wurde das Erkenntnis des 
Volksversammlung. Es woUte und soUte offen- Rates, auch Kardyvoyoig genannt, von dem Pry- 
bar durch diese Aufzahlung der gesetzlich durch tanienschreiber an die Thesmotheten weiter- 
Eisangelie verfolgbaren Vergehen der willkur- 20 geleitet und von diesen an das Volk weitergegebon, 
lichen Anwendung und Ausdehnung dieses Klage- fiir das es, wie jeder RatsbeschluB problema- 
verfahrens eine Schranke gesetzt werden. Trotz- tischen Charakters, nieht bindend war (Aristot. 
dem sehen wir bald nach ErlaB dieses elaayyeX- 'Ad: noX. 59, 2). Die direkte Eisangelie an das 
riKog vofyiog eine Ausdehnung dieser Klage auf Volk war nur in der fcvgla sxteXrjoia jeder Pry- 
verwandte Vergehen: vofjicov ovrcov idv ng vno- tanie zulassig, wegen Nichteinhaltens von Ver- 
oxofxevog rt rov bfjfxov k^anarriov) (also ohne Be- spreehungen gegeniiber dem Volke nur in der 
stechuBg), eloayysXiav elvai nsQi avrov, [De- sechsten Prytanie (Aristot. 43, 3f.). Sprach die 
mosth.] XLIX 67; vgl. Demosth. XX 135 und Volksversammlung die Annahme der Eisangelie 
Aristot. Ad: noX. 43, 5 nav rig ^nooxoiJisvog ri aus, so wurde die Klage an den Rat tiberwiesen 
fXT] Tzoii^orj rep drj/AO). Wir finden ferner Eisangelie 30 zur Abfassung eines uzQo^ovXsvf^a, Auf Grund 
bei Pflichtverletzung bei einer staatlichen Gesandt- dieses Gutachtens entschied die Ekklesie, ob sie 
schaft (noQanQEO^sia) schon vor 386. Inschrif t- das Urteil selber fallen oder, was das tibliche war, 
lich bezeugt ist ferner Eisangelie bei Vergehen den Fall an ein Heliastengericht tiberweisen 
gegen den Bestand des Attischen Seebundes, da woUe. Das Verfahren zielte, namentlich bei der 
diese dem Versuche zum Umsturz der Verfassung Klagestellung an den Rat, auf moglichste Be- 
(nardXvoig rov brjfxov oder rrjg noXireiag) gleich- schleunigung ab (Hyp. f. Euxen. 22). Gegen Ver- 
gesetzt wurden. Eine miBbrauchliche, schikanose, schleppungen, die unvermeidlich waren, schritt 
ja geradezu ungesetzliche Ausdehnung der fiir man ein (Demosth. XXIV 63, eingelegtes Gesetz). 
Klager und Beklagten gefahrlichen Eisangelie er- Als Strafe finden wir in der Regel Todes- 
folgte zur Zeit des rigorosen Staatsmannes und 40 strafe und Vermogenseinziehung, einmal eine ex- 
Redners Lykurgos, woriiber sich Hypereides am orbitante GeldbuBe von 5 Talenten (Demosth. 
Anfang seiner bald nach 330 gehaltenen Ver- XXIII 167). Wahrscheinlich war der dycov bis 
teidigungsrede fiir Euxenippos in bitterer Weise um die Mitte des 4. Jbdts. rifxrirog, d. h. das 
beklagt. Friiher, heiBt es da, wurden eloayyeXlai StrafmaB wurde in jedem einzelnen Falle vorher 
eingereicht vneQ (xeydXayv dbiKrjixdrcov Hal uiegi- vom Volk fiir den Fall der Verurteilung fest- 
(pavcov, wofiir eine Anzahl charakteristischer Falle gesetzt. Spater finden wir nur Todesstraf e und 
angefiihrt werden, vwt 8e ro yiyvo/^ievov ev xfj Konfiskation des Vermogens. 
TtoXsi ndvv xarayiXaorov soriv. Das beweist er an Im ZivilprozeB war in einer groBen oder iiber- 
wirklich lacherlichen Fallen, z. B. daB zwei mit wiegenden Zahl von Privatklagen als Schutz gegen 
Eisangelie belangt wurden, well sie Flotenspiele- 50 sykophantische Anklagen die mo}(ieXia eingefiihrt, 
rinnen unter der gesetzlich normierten Taxe ver- i/e der Streitsunmie, der vom Klager, der nicht 
mieteten, und sein Klient Euxenippos vtibq rcov 1/5 der Stimmen der Heliasten fiir seinen Antrag 
Evvmvio)v Sv q?r)oiv ioQaxevai. Weitere Falle von erhielt, an den Beklagten bezahlt werden muBte. 
miBbrauchlicher Ausdehnung des v6fj,og slaayysX- Bei der Eisangelie verfolgte, wie Schol. Aischin. 
rijiog sind hervorgerufen durch die tl^berspannung I 163 ausdriicklich sagt, denselben Zweck die 
des Souveranitatsbegriffes bei der Ausdehnung hohe BuBe von 1000 Drachmen, die der Klager, 
der Gerichtsbarkeit und der Ausiibung der Recht- der nicht ^k der Stimmen fur sich erhielt, zu be- 
sprechung durch das Volk selber. Uber diese zahlen hatte (doch wohl, ohne daB es ausdriicklich 
Tendenz, die Kompetenzen der Heliaia als des iiberliefert ist, an den Beklagten). Diese Tausend- 
Volksgerichtes standig zu erweitern, die auch 60 Drachmen-BuBe ist zuerst erwahnt in Demosth. 
auf anderen Rechtsgebieten festzustellen ist, s. 0. XVIH 250 und Lyk. g. Leokr. 3. Dagegen ging 
SchultheB Das att. Volksgericht, Berner Rek- noch um 330 der Klager straffrei aus. AUezeit 
toratsrede 1921, 8. 22f. ging straflos aus der elaayysXXmv wegen Frevel 
Die Zusammenfassung und genauere Umgren- an heiligen Olbaumen und der, welcher beim 
zung der Vergehen durch den vo/biog eioayyeXriTcog^ Archon wegen ^dnwoig von Waisen oder Erb- 
der vor allem eine gesetzliche Regelung der Kla- tochtern eine Eisangelie einreiehte (L i p s i u s 
gen wegen Hochverrates brachte, muB vor 343 AR 940). Wenn so der Beklagte unberechtigter 
erfolgt sein, weil uns die Hochverratsklage auf Denunziation ausgesetzt war, ohne daB den Kla- 



301 Mi^vvfTcg Miqvvatg 302 

ger bei der Abweisung seiner Klage oder im Falle Abgesehen von der Straflosigkeit, die dem 

des Unterliegens in der Endentscheidung eine fiYjwxrig, der ja> die Klage nicht durchzuftihren 

Strafe traf ^ so erklart sich das daraus, dafi der brauchte, zugesichert war, boten einen Anreiz zur 

Staat, um sich gegen Hochverrat und Umsturz- Anbringung einer ^. die ^ ?J w r ^ a, D^nnn- 

versuche zu schiitzen, die Klagestellung moglichst ziantenpramien, die der Staat fur den Fall der 

erleiehtern mufite. Vgl. Hyp. f. Lykophr. col. 7 Anzeige dem fjirjvvtrig in Aussicht stellte, und 

dia xb amvhvmv avtoXg (sc. roig xatrjyo^oig) slvai zwar durch Heroldsruf verktinden lieB. Beispiele 

xdv dycova und col. 10 vTisQnrjdi^aag anavtag tovg von fx. dnrch Sklaven und Metoiken Thuk. VI 

vojuovg sloayysXlav 8e8co?cag vneQ ^v yQatpal nQog 28, 1 jLirjvvsrai ano /netoixcov xs xivcov nal dxo- 
xovg '&eofJLoh-exag sk xcbv vofxcov eiolv, cva uiqwxov 10 M'&cov und Andok. Myst. llf. 16. Aussetzung 

f^sv dxivbvvog siolTjg eig xov dycbva mX. Den glei- von fxrjvvxQa Andok. 27 und 40. Thuk. VI 27, 1 

chen Zweck beabsichtigte der Staat durch die fAeyoiXoig fjLYjvvxQoig brjfjLooia ovxoi (sc. oi dQaoav- 

PrivilegierungdesKlagersimEisangelieverfahren, xsg) e^rjxovvxo, Nach' Andok. 27 ^ouv xaxd x6 

daB nach Einfiihrung der Bufie von 1000 Drach- Klewvv[xov xptjcpicfjia xiXiai dQaxf^aij xaxa be x6 

men den unterliegenden Klager nicht wie in TLsioMqov ^vQiai und nach 40 (jirjvvxQa ksxt)- 

andern offentlichen Klagen zur Bu6e von lOOO QvyfjLsva maxov iivag, Vgl. aueh die aus derMitte 

Drachmen noch die partiale Atimie betrat, die des 4. Jhdts. stammende Inschrift iiber die mono- 

ihm fiir alle Zeiten verbot, wieder eine offentliche polisierte Boteliausfuhr aus Keos nach Athen IG 

Klage zu erheben (Lip si us AR 940). II 546, 18, 19, wo fiir die Denunziation evdst^ig 

Diese Ausfuhrungen iiber das Eisangeliever- 20 und (pdaig gebraucht sind. AuBer der Aussicht auf 
fabren, das wir gut kennen, wareui notig, well, Belohnung mit Geld und der ehrenvoUen An- 
was von der Eisangelie gilt, auch mit wenigen erkennung durch die Mitbiirger, und wenn der 
Ausnahmen von der ^. gilt, iiber die die Quellen /urjvvx'^g Sklave war, der Z^sicherung oder Ver- 
viel weniger eingehend berichten. Bei der groBen leihung der Freilassung (altestesBeispiel: Antiph. 
Freiheit, die in Athen dem Klager in der Wahl v. d. Erm. d. Herod. 34, um 415 v. Chr.), genoB 
der Klageform zustand, einer Freiheit, die sich der (xrjvvxrig gegeniiber dem eloayyslXag den Ver- 
bis zur Formlosigkeit steigern konnte, ist nicht zug, daB er im Falle des iVersagens seiner ^. 
zu verwundern, daB iiberall da, wo das hochnot- nicht in die Tausend-Drachmen-BuBe verfiel. 
peinliche Verfahren der Eisangelie,, die auch fiir Freilich wurde im 5. Jhdt. falsche Denunziation 
den Klager gefahrlich werden konnte, durch die 30 mit dem Tode bestraft nach Andok. Myst. 20 
Instanzen von Rat, Volksversammlung und He- d ycnQ vo/nog ovxcog slxev, ei jusv xdXrj'&fj firjvvoeis 
liastengericht durchgeftihrt werden muBte, aueh teg, dvai ddsiav, si 8s fA,rj, xshvdvai. Bei der Ver- 
eine bloBe Denunziation ([A,Yjvvoig) moglich war. fassungsrevision im Jahre des Eukleides scheint 
Bei dieser genoB der Klager oder Denunziant jedoch dieses Gesetz nicht mehr erneuert worden 
{fMiwxfjg) den Vorteil, daB er nach Anbringung zu sein, mindestens horen wir nichts mehr davon. 
der Anzeige, ohne die Verpflichtung eines eigent- Erleichtert wurde die Wahl zwischen Eisan- 
lichen Anklagers auf sich zu nehmen, sich zuriick- gelia und Menysis durch den unscharfen Sprach- 
zog, ohne im Falle des Unterliegens eine BuBe gebrauch, da sie wohl erst durch die bestimm- 
zu riskieren. tere Fassung des voiJLog sloayysXxtxog im Verlaufe 

Weil der fj^rjwxrjg nicht wirklicher Klager ist, 40 des 4. Jhdts. gegen einander scharfer abgegrenzt 

so braucht er nicht epitimer Btirger zu sein, son- wurden. Vorher wurden sloayysXXsiv, woftir auch 

dern kann auch ein Fremder oder ein Sklave, dsitcvvvai gebraucht wurde (s. o.) und firjvvsiv 

der als ocb/^a gar keine Eechtspersonlichkeit be- ohne eine genauere Begrenzung des Rechtsbegrif- 

sitzt, eine ^rjwoig anbringen. DaB aber ein fes promiscue gebraucht, so Lys. XIII 50 und 

Sklave auch bei der Totung seines eigenenHerrn besondets bezeichnend XII 48 xfj ^mjXfj (jLfjvv' 

nicht als Klager auftreten konnte, hatte bei der xyjv ylyvso'&ai nsql xcbv s loayysX icov dna- 

voUigen Rechtlosigkeit des Sklaven nie bezwei- ocov oxc yjsvdsTg slsv koI BdxQaxog koI AioxvXibrjg 

felt werden sollen, wie von Philippi Areopag ov xdXri'&fj fj,?} vv ov o tv, dXXd xd vno xcbv xQid- 

und Epheten 801 und von L i p s i u s. AR 794, 17 fcovxa nXac&svxa slayyiXXovoiv. 
mit Recht bemerkt worden ist. AuBer den Ge- 50 Immerhin fallen nicht alle Verbrechen, gegen 

nannten finden wir als fiYjwxal auch Mitschuldige, die nach Ausweis unserer Quellen (jl. erfolgte, in 

die als Kronzeugen gegen ihre Komplizen auf- die Kategorie der vom vofjLog sloayysXxixog er- 

treten, nachdem sie sich vor dem Einreichen der faBten Verbrechen. AUerdings handelt es sich 

/w. in geheimer Sitzung Straflosigkeit {ddsia) bei den uns bekannten Fallen von ^. auch mei- 

hatten zusichem lassen. tJber das hierbei beob- stens um Hochverrat, aber z, B. beim Hermo- 

achtete Verfahren und die tiberlieferten Falle s. kopidenprozeB um Religionsfrevel und in andern 

M. G 1 d s t a u b De ddslag notione et usn in Fallen um Veruntreuung von Staatseigentum, so 

iure publico attico (Breslauer philol. Abh. IV Lys. XXIX 6 und Plut. Perikl. 31 im Prozesse 

1889) und dazu SchultheB Woch. f. kl. Philol. gegen Pheidias, der von Plutarch formalrechtlich 
1890 nr. 36 und 37, fiir das Erwirken der ddsia 60 genau beschrieben ist, wahrend seinerzeit 

in geheimer Sitzung, ,bei geschlossenen TiirenS Loeschcke Histor. Untersuchungen A. Scha- 

Lys. XIII 21 siosX'&cbv bs sig xavxrjv xijv §ovXr}v fer gewidmet (Bonn 1882) behauptete, es sei ,ein 

sv dTtoQQi^xq) ©soHQixog fA,r]vvsi, oxi ovXXsyovxal aller juristischen Prazision ermangelnder Bericht*. 

xivsg ivavxto)a6fA£vot xdlg xoxs xa'&toxafAsvoig n^dy- Widerlegt von Rud. S c h 6 1 1 S.-Ber. Akad. 

liaor, vgl. ebd. 19 und 55. Solche Denunziationen Mtinch. 1888, 6f. Bei der Veruntreuung von 

durch Fremde und Sklaven waren jederzeit mog- Staatseigentum werden Crjxrjxai bestellt, eine 

lich, erfolgten aber namentlich in politisch auf- Konmiission, die das verheimlichte Staatsgut oder 

geregten Zeiten, wie im HermokopidenprozeB, die unterschlagenen heiligen Gelder aufzuspiiren 



303 MTJvvaeg Messapische Sprache ' 304 

hat; aber mit der Entdeckung der Verheim- fiel, so war er wahl kompetent, selber die Ent- 

lichung erlischt deren Tatigkeit und erfolgt die scheidung zu fallen. Wenn dagegen das vermut- 

weitere Behandlung durch den Rat. Im Falle des liche StrafmaJB seine Kompetenz tiberschritt, so 

Euktemon bei Demosth. XXIV 11 sind die ein- verfafite er ein als Gutachten zu betrachtendes 

zelnen Etappen des Vorgehens genau bezeichnet. vorlanfiges Urteil, xardyvcooig genannt, das er 

Solche ^rjxrixai, versehieden von den zur Unter- einem Heliastengericht tiberwies, das aber ftir 

snchnng aufierordentlicher Verbrechen bestellten dieses nieht bindender Natur war. Dies war der 

^Tjxrjrai, die wir nur fiir den Hermokopidenpro- Fall im ProzeB gegen die Getreidehandler in den 

zeB kennen (Andok. Myst. 14. 36. 40. 65), sind ersten Monaten des J. 386 nach Lys. XXII 6, 
uns bezeugt durch Lys. XXI 16 fur 402/01 und 10 wozu zu vergleichen v. Wilamowitz Arist. u. 

Demosth. XXIV 11, ferner Phot, und S^uid. s. Athen I 375, 4. [Otto SchultheB.] 

Cr)tr}mi (= Lex. Seguer. V 261, 4), mehr bei Merusion, Ort in Sizilien, 70 Stadien von 

Llpsius AR 117, 257. Wahrscheinlich war es Syrakus, benannt nach dem Heiligtum der Me- 

zu der Gerichtsverhandlung gegen die Getreide- roessa (s. d.), bekannt nur aus Theopomp (bei 

handler, die wider gesetzliche Vorschrift mehr Steph. Byz.) frg. 189 (FGrH II 575). 

als 50 (poQjLiol (iiber den Begriff v. "W i 1 a m o - [W. KrolL] 

w i t z Arist. u. Athen II 375, 2) Getreide auf- S. 1208, zum Art. Messapion. 

gekauft batten, gegen die die Rede des Lysias 2) Msoadmov oQog, nach Aristot. hist. an. IX 

}card rcbv oirojicoXwv gehalten ist, auf Grund einer 45 Heimat des Wisents und Grenzscheide zwi- 
fi. gekonmien. Lys. XXII 2 und 3 berichtet aller- 20 schen Paeonien und dem Maderland, heute Zwigor 

dings lediglich iiber die Verhandlung im Rate, und Malesowska-planina. [Arist.] fde mirab. ausc. 

wozu zu vergleichen ist Lipsius AR 194, 54 I nennt den Berg Hesainus. Suid. 'Hoatvov. R. 

210, 108. Sicher erfolgte in diesem Falle die Kiepert FOA XVI Text 2. [G. Kazarow.] 

Verhandlung nicht auf Gruud einer Eisangelie; Messapische Sprache. 

dagegen ist die Moglichkeit zuzugeben, da6 die I. Verbreitung. Messapisch nennt man 

Anzeige durch eine (pdaig erfolgte (Thalheim die Sprache von etwas mehr als 200 Inschriften, 

Herm. XXXVII 346), wahrend fiir die Annahme die in der heute Apulien (italien. Le Puglie) ge- 

eineY svdei^ig (so v. Wilam o wi tz 374) wenig- nannten Landschaft gefunden wurden. Die Be- 

stens der Wortlaut der Rede keinen Anhalt bietet. zeichnung als ,messapisch* beruht auf dem Sprach- 
Es ist daher vorsichtig, in diesem Falle ganz all- 30 gebrauch der Grieehen (vgl. u. die Glossen ^av- 

gemein von Denunziation zu sprechen. qwv, pio^rj, ^qevuov, PQvvbov), besonders der 

Da Athen keine Of lazialdelikte kennt, die Ver- Tarentiner, die den ihnen zunachst wohnenden 

folgung von Vergehen durch vom Staate bestellte einheimischen Stamm der Messapier zuerst ge- 

Organe und die Vertretung der Staatsinteressen nauer kennenlernten und ihm die Kenntnis der 

durch ovvrjyoQoi, auBerordentlicherweise bestellte Schrift vermittelten. Die Verteilung der Inschrif- 

Staatsanwalte, nur ausnahmsweise vorkommt, so tenfunde iiber dieses Gebiet ist ungleich: im 

begegnen wir auch der ^. als Anzeige an die Be- nordwestlichen Teil des Gebietes, der auch den 

horden, um sie zum Emsehreiten ex officio zu ,Sporn* Italiens, den Monte Gargano umfaBt 

veranlassen, so z. B. beim Ausroden eines heiligen (heute provincia di Foggia, im Altertum Gebiet 
Olbaumes; vgl. Lys. VII 16 und allgemein 40 der Dauni) sind nur vereinzelte Funde ans Licht 

[Lys.] V 5. getreten, die im Schriftgebrauch und in den 

Wir konnen keinen ProzeB, der auf Grund Sprachformen mit der Hauptmenge der Inschrif- 

emer ^. d^rchgefiihrt wurde, in seinem ganzen ten nicht ganz iibereinstimmen (in Lucera-Luceria 

Verlaufe verfolgen, diirfen aber vermuten, daB ^nd in Vieste auf dem auBersten Ostzipfel des 

die Behandlung durch Rat und Ekklesie gleich Gargano; dazu noch die Miinzaufschriften der 

war wie bei der Eisajigelie (L i p s i u s AR 814). stadte Arpi und Salapia). Auch der mittlere Teil 

Deshalb war in diesem Artikel das EisangeHe- Apuliens, im Altertum das Gebiet der Peucetii 

vertahren wenigstens m semen wesentlichsten ^^^ Poediculi, gehorte nur mit seinem am weite- 

Z^gendarzusteUen. Der emzigewesentliche Unter- gten nach Siidost gelegenen Streifen zum eigent- 
schied ist der, daB bei der ^. ein verantwortlicher 50 lichen messapischen Sprachgebiet, wahrend die 

Klager nicht vorhanden war. Wurde die Denun- wenigen vorromischen Inschriften aus Canosa 

ziation von der Ekklesie angenommen, in ernsten (Canusium), Rutigliano (18 km siidostl. von Bari, 

1 alien auf Grund emes Gutachtens von auBer- ^ntiker Name Azetium) und Ruvo (Rubi) sich in 

ordentlichen Untersuchungsrichtern (C^T9?ra/) oder ahnlicher Weise wie die Inschriften der provincia 

ernes Gutachtens des Areopags (ano(paoig), so er- ^j loggia deutlich von den eigentlichen messa- 

erfolgte die Uberweisung an em Hehastengeri^^^ pischen Inschriften unterscheiden. Erst 40 km 

vor dem doch woW die Klage durch jemand ver- giidostlich von Bari, in Monopoli (Diria?) treffen 

treten werden muBte. VieUeicht wurde auch fiir ^^^ auf die erste rein messapische Inschrift. Wei- 

^^1. X ^^ Verurteilung die Strafe im voraus tere 10 km siidsiidostlich an der KiistenstraBe 
be^mmt (L 1 p s 1 u s AR 2lo, 12). Dagegen eo liegt unweit des heutigen Fasano noch im Gebiet 

schemt in der {x. gegen Pheidias die ganze Klage, ^er Poediculi, doch dicht an der Grenze der (an- 

ihre Emleitung und die Entscheidung, durch die tiken) Landschaft Calabria die Statte von Gnathia, 

Ekklesie selber durchgefiihrt worden zu sein, das unter den Hauptfundorten messapischer In- 

wie sich aus den den Verlauf des Prozesses richtig schriften am weitesten nach Norden vorgeschoben 

darstellenden Angaben des Plutarch (Perikl. 31) ist. Hier wurden etwa 20 Inschriften gefunden. 

erschlieBen laBt; s. Rud. Scholl 7. Weitaus die groBte Masse der messapischen In- 

Erfolgte eine Denunziation gegen ein Ver- schriften stammt aber von der ins lonische Meer 

gehen, das in den Verwaltungsbereich des Rates hinausragenden siidostlichen Halbinsel Italiens, 



805 Messapische Sprache Messapische Sprache 306 

die im Altertum gewohnlich Calabria (auch Mes- namens: Bansae), mit d zn % (ace. sing, xicolom 

sapia Oder lapygia) genannt wurde. Ein dichtes aus ^diekolom ,Tag* zu lat. dies), mit k zn x (abl. 

Netz von Fimdstatten breitet sich iiber die Halb- sing, meddixud aus *meddikidd, ,Burgermeister- 

insel: Ostuni (37 km nordwestlich von Brindisi; amt', osk. mediki- oder meddikki-). Dieselben 

antikes Ethnikon bei Plin. n. h. Ill 115 Stulnini; Lautveranderungen, ausgenommen die letzter- 

17 Inschriften); Ceglie Messapico (11km siidwest- wahnte ki zu x, lassen sich mit Sicherheit auch 

lich von Ostuni; im Altertum wahrscheinlich Cae- ftir das Messapische nachweisen. Zusammenge- 

lium oder Caelia; mehr als 30 Inschriften); nommen mit dem archaologischen Befund (M. 

Francavilla Fontana (13 km stidstidostlich Ceglie, Mayer Apulien 229: die Topferware von Bantia 
etwa halbwegs zwischen Tarent und Brindisi; an- 10 ist verschieden von der Lukaniens, aber ahnlich 

tiker Name unbekannt); Manduria (15 km sud- der von Apulien) und dem illyrischen Namen der 

siidostlich von Francavilla; antiker Name, um Stadt (vgl. Polyb. Y lOS, S o ys ^IXmnog , . . 

1700 wieder eingefiihrt); Oria (30 km westsiid- avsKxrioaxo ... rfjg KaXoiKivcov xwQag Bavrlav in 

westlich von Brindisi, im Altertum Uria; 18 In- Illyrien) ergibt sich hier ein sicherer Beweis fiir 

schriften); Mesagne (15 km westsiidwestlich von die Zugehorigkeit dieser Gegend zum messa- 

Brindisi; antiker Name unbekannt); Brindisi pischen Sprachgebiet in voroskischer Zeit. Auch 

(Brundisium) ; Valesio (bei S. Pietro Yernotico, im Bruttierlande und in Ostsizilien finden sich 

17 km siidlich von Brindisi; im Altertum Bale- eine Anzahl illyrischer Ortsnamen (Acherontia; 

slum oder Baletum); die einander sehr nahe ge- Clampetia und der FluB Metaurus an der West- 
legenen und manclunal schwer zu scheidenden20kuste des Bruttierlandes; in Ostsizilien: MoQydv- 

Fundstatten von Lecce (Lupiae oder Lupia) und tiov — Murgantia; Neetum; das FltiBchen Ana- 

Kugge (Rudiae) samt dem Hafen S. Cataldo haben pus bei Syrakus, vgl. Kretschmer Glotta XIV 

zusammen 25 Inschriften geliefert; weiter slid- 93; vielleicht auch der Name des Sumpfes2'v^a;>i;c6, 

ostlich Alezio (6 km ostlich von Gallipoli mit er- von dem die Stadt den Namen hat, vgl. Kretsch- 

neutem antiken Namen Aletium; 27 Inschriften); mer 98). NachNordwest en hin finden sich illyrische 

Muro Leccese (bei Maglie; antiker Name unbe- OrtsnamenundFluBnamenentlangderganzenadria- 

kannt); Soleto 18 km siidlich von Lecce; westlich tischen Kiiste Italiens, die so eine schmale, stellen- 

von Soleto Galatina und Nardd (im Altertum Ne- weise abreifiende Verbindung mit dem zweiten gro- 

retum); Vaste (im Altertum Basta) und Diso Ben illyrischen Siedlungsgebiet in Italien, mit Vene- 
(15 km siidlich von Muro; zusammen 9 Inschrif- 30 tien, herstellen. Fiir das Messapische wird man 

ten); Ugento (21 km siidostlich von Gallipoli, im von diesem Gebiet mit Wahrscbeinlichkeit nur die 

Altertum Uzentum oder Uxentum; 9 Inschriften); Kiiste des nordwestlichen Apulien mit den Sied- 

schlieBlich Vereto nicht weit vom Vorgebirge lungen Barduli, Salapia (bedeutet ,Lagunenstadt* 

S. Maria di Leuca. von "^sal-apa ,Salzwasser^ Krahe Ztschr. f. Orts- 

Nach der Verbreitung der Inschrif tenfunde namenforsch. Ill 121. Glotta XX 188), Sipontum, 

kann es also keinem Zweifel unterliegen, daB die Uria in Anspruch nehmen diirfen. Fiir Truentum 

Halbinsel das eigentliche Kernland der messa- in Picenum am Flusse Truentus haben wir schon 

pischen Sprache in kultureller Beziehung gewesen das Zeugnis des alteren Plinius (n. h. Ill 110 

ist; dariiber hinaus a,ber durfte die messapische Truentum cum amne, quod solum Lihurnorum 
Sprache vor der Ausbreitung der Samniter im 40 in Italia relicum est), nach dem hier N o r d - 

ganzen siidostlichen Apulien geherrscht haben illyrier noch zur Zeit seines Gewahrsmannes 

(heute provincia di Bari), wenn auch die hier wohnten. Obwohl uns Unterschiede der Sprache 

sitzenden Stamme der Peucetii und Poediculi innerhalb des Illyrischen nur zwischen Venetisch 

offenbar kulturell hinter den Stammen der Halb- und Messapisch ivirklich faBbar sind, werden wir 

insel (Messapii, Sallentini, lapyges) zuriickstan- doch vermuten diirfen, daB die Liburner den 

den. Mit Sicherheit darf man iiber das Gebiet der Venetern sprachlich naherstanden als den Messa- 

messapischen Inschriften hinaus Barium (heute piern. Die Nordkiiste der Garganus-Halbinsel 

Bari; vgl. Baris und Barra auf der messapischen diirfte also gegen Nordwesten hin als die auBerste 

Halbinsel), Caelia (heute Ceglie del Campo nahe Grenze des Messapischen anzunehmen sein. 
Bari; vgl. Caelium auf der Halbinsel) und Bu- 50 II. H e r k u n f t. Seit dem glanzenden Auf- 

tiintum (heute Bitonto; vgl. Hydruntum und satz von W. Helbig (Hermes XI 257) ist es 

Uzentum auf der Halbinsel) zum messapischen allgemein anerkannt, daB die lapyger und die 

Sprachgebiet zahlen. Ziemlich deutlich sind die verwandten Stamme illyrischer Herkunft 

Anzeichen messapischer Sprache auch im nord- sind. Helbig zeigte an der schlagenden Uberein- 

ostlichen Streifen von Lukanien. AuBer Orts- stimmung einer groBen Zahl von Volkernamen, 

namen mit -nt-, die vereinzelt, weil auch sonst Ortsnamen und Personennamen, daB diesseits und 

weit verbreitet, nicht viel beweisen, aber doch jenseits des adriatischen Meeres vor der Romani-^ 

wohl hier in besonders groBer Zahl zu finden sind sierung Illyrier seBhaft waren. Aus Helbigs Liste 

(Metapontum, der FluB Casuentus, Aceruntia, seien nur einige Beispiele ausgewahlt: Acheron- 
Forentum) ist es besonders eine Eigentiimlichkeit 60 tia, Pandosia — Acheron, Acherusia, Pandosia; 

der oskischen Mundart der Stadt Bantia, die auf Calabri — TaM/?^ tor ; ^cot^ss' am Siris in Lukanien 

eine altere messapische Bevolkerungsschicht in — Xdovsg im Epirus (dazu Krahe Glott. XVII 

dieser Gegend hinweist (erkannt von Krahe 158); Sallentini — Salluntum in Dalmatien; iJfv- 

Glotta XIX 148): im Oskischen dieser Stadt ver- ^hioi in Apulien und in Hlyrien; das Ortsnamen- 

bindet sich, anders als im iibrigen oskischen suffix -ntum in Apulien und Lukanien (Tarentum, 

Sprachgebiet, konsonantisches i mit vorausgehen- Hydruntum, Uzentum, Sipontum, Grumentum 

dem I zu II (geschrieben II und I), mit r zu rr u. a.) und in Illyrien (Dalluntum, Salluntum, 

(geschrieben r), mit t zn s (Lokativ des Stadt- Argyruntum); ebenso -etum, -etium in Apulien 



307 Messapische Sprache Messapische Sprache 308 

(Neretum, Veretum, Soletum, Azetium, Baletium, den dorischen Mundarten sind nachgewiesen, vgl. 

Aletium) und in Illyrien (Foretum, Eperetium, v. B lumen thai Gflotta XVIII 153. Hesychstu- 

Buchetion). Die Liste laJBt sich leicht vermehren dien 2ff. Indog. Forsch. XLIX 169ff. Dagegen 

(vgl. Philip p Art. lapyges 731fiE. Ribezzo wird das Meoodmov oQog (Aristot. hist. an. IX 

Riv. Indo-Greco-Italica IV 83. 221. Krahe Die 45, p. 630 a, 20), o oqICsi trjv IlaiovLHTjv nal rrjv 

Balkan-IUyrischen geogr. Namen, 1925). Erwahnt MaidiTirjv xwQav eine Hindeutung auf die friihft- 

seien noch die von Philipp mit Recht hervorge- ren Sitze des noch ungeteilten messapischen Volks- 

hobenen Ethnika mit -st- wie Grumbestini, Rubu- stammes darstellen. Ganz anders erklart diese 

stini, Apamestini gegeniiber den illyrischen Orts- Spuren messapischer Siedlungen Mayer 1174. 

namen Tergeste, Ladesta, venet. Ateste. Auch der 10 Er sieht in den Messapiern ein uraltes, etwa vor- 

antiken "Dberlieferung ist die illyrische Herkunft griechisches Volk, das aus Kreta nach Apulien 

der Stamme in Apulien wohl bekannt; vgl. Paul.- eingewandert sei und dessen Sprache, wenn Spu- 

Fest. p. 60 liinds. Daunia Apulia appellatur ren von ihr vorhanden waren, ebenso unverstand- 

a BaunOj Illyricae gentis claro viro, qui earn, prop- lich ware wie die Sprache der Inschriften von 

ter domesticam seditionem excedens patria, occu- Praisos. Er kann sich dabei auf griechische "Qber- 

pavit. Plin. n. h. Ill 102 Brundisio conterminus lieferung (z. B. Herodot. VII 170; Strab. VI 279. 

Poediculorum ager. novem adulescentes totidem- 281 u. a.) stiitzen, was die Herkunft der Mes- 

que mrgines ah lUyriis XII populos genuere. sapier aus Kreta betrifft. Mit Hilfe der tiber- 

Die Einwanderung dieser illyrischen Stamme lieferten messapischen Sprachreste laBt sich jeden- 
ist zweifellos zur See erfolgt. Man darf nicht 20 falls Mayers Theorie in keiner Weise wahrschein- 

vergessen, daB die Adria zu keiner Zeit ein Hin- lich machen. Sprachliche Unterschiede zwischen 

dernis fiir ein Volk sein konnte, das durch die den vier Volkern der Halbinsel (Calabri, lapyges, 

reich gegliederte dalmatinische Kiiste zur See- Sallentini, Messapii) sind fiir uns nicht greifbar, 

fahrt erzogen wurde, und daB z. B. vom Monte Es hat den Anschein, daB unter diesen vier Vol- 

Gargano aus an klaren Tagen die dalmatinische kern die Messapier am friihesten eingewandert 

Kiiste sichtbar ist. Wir kennen ja aus neuerer sind. Dadurch gewannen sie, wie die lonier und 

Zeit eine Wanderung in derselben Richtung, wenn Achaer in Griechenland vor den Nordwestgriechen, 

auch in viel kleinerem MaBstabe; das Ergebnis einen kulturellen Vorsprung vor den andern 

sind zahlreiche albanische Dorfer an der Ostktiste Stammen. 

Italiens. Von der langen Wanderung zu Lande, 30 III. Art und Bedeutung der iiber- 

die wir sonst annehmen muBten, ist keine Spur lieferten Sprachreste. Die messapischen 

nachzuweisen. Sie hatte wohl ganz andere Wege Inschriften, deren Fundorte oben angegeben wur- 

eingeschlagen und jedenfalls die Stammesver- den, sind an Zahl verhaltnismaBig nicht ganz un- 

bande ganz aufgelost. bedeutend. Ihr Wert wird aber dadurch stark 

Die Zeit der Wanderung laBt sich zunachst herabgesetzt, daB die weitaus iiberwiegende Zahl 

einmal einigermaBen dadurch bestimmen, daB sie nichts als Namen enthalt und daB gerade die 

vor die griechische Kolonisation fallen muB. Einen langsten und wichtigsten sehr schlecht iiberliefert 

Hafen wie Brundisium ba